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Schwerhörigkeit – Ursachen & Lösungen für ein Leben mit Hörverlust

Auf einen Blick – Schwerhörigkeit

Was ist Schwerhörigkeit?

  • Beeinträchtigung des Hörvermögens
  • Ursache: Verschleißerscheinungen im Mittelohr oder Erkrankung
  • Hörverlust von mindestens 20 Dezibel und weniger als 80 Dezibel

Wer bekommt Schwerhörigkeit?

  • Menschen ab 50 Jahren neigen zu Altersschwerhörigkeit
  • Personen, die oft lauten Umgebungen ausgesetzt sind
  • Kinder und Jugendliche durch laute Musik aus Kopfhörern

Symptome (Auszug)

  • erste Anzeichen: Überhören von Vogelgezwitscher, Blätterrauschen oder Uhrenticken
  • bei Verschlechterung: Überhören vom Telefonklingeln, regelmäßige Nachfragen in Gesprächen nötig
  • Umgebungsgeräusche erschweren das Verstehen des Gesprächspartners zusätzlich
  • Familienmitglieder beschweren sich über steigende Lautstärke beim Fernsehen oder Musik

Behandlung (Auszug)

  • Ausschluss von Krankheiten, die Schwerhörigkeit verursachen
  • Hörtests zur Diagnose der Schwerhörigkeit
  • angepasste Hörgeräte, Cochlea-Implantate oder Behandlung der Krankheiten

Tipps

  • viele Hörgeräteakustiker bieten kostenlose Hörtests an, mit denen schnell und sicher festgestellt werden kann, ob ein Hörverlust vorliegt
  • ab dem 45. Lebensjahr sollte jährlich ein solcher Hörtest durchgeführt werden, um frühzeitig auf eine Verschlechterung reagieren zu können
  • bei einem frühzeitig festgestellten Hörverlust können die Folgen langfristig minimiert werden
  • Mittelohrentzündungen bei Kindern können einen bleibenden Hörverlust verursachen und müssen ärztlich behandelt werden
„Eine frühzeitige Diagnose ist das Wichtigste bei Schwerhörigkeit. So können die schlimmsten Folgen noch abgewendet werden.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

„Hast du mich gar nicht rufen gehört?“ – Fast jeder Mensch hat schon einmal an seinem Gehör gezweifelt und einen beginnenden Hörverlust befürchtet. Schwerhörigkeit ist eine weit verbreitete Erkrankung, schätzungsweise 13,3 Millionen Deutsche leiden daran. Der Begriff Schwerhörigkeit umfasst alle Verschlechterungen des Hörvermögens. Von einer kurzfristigen, vorübergehenden Schwerhörigkeit, bis hin zu einer vollständigen Gehörlosigkeit (früher: Taubheit) werden alle Abstufungen unter diesem Begriff zusammengefasst. Bei einem funktionierenden Hörvermögen versetzen Schallwellen das Trommelfell in Schwingungen. Diese Schwingungen gelangen über verschiedene Stationen ins Innenohr, wo sie zu elektrischen Impulsen umgewandelt und vom Gehirn verarbeitet werden. Immer, wenn dieser Ablauf gestört wird – beispielsweise durch Erkrankungen – ist das Hören beeinträchtigt.

Die Symptome reichen vom Überhören von Naturgeräuschen, beispielsweise Vogelgezwitscher, Meeresrauschen bis hin zum Klingeln eines Telefons oder sogar Feueralarmen. In Gesprächen versteht man den Gesprächspartner immer schlechter und eine laute Geräuschkulisse behindert das Verständnis zusätzlich. Einmal geschädigte Ohren können nie wieder therapiert werden, deswegen ist es wichtig, durch Hörgeräte und eine frühestmögliche Behandlung das Maximum an Hörfähigkeit beizubehalten.

Sind Sie von einem (teilweisen) Hörverlust betroffen oder haben Angehörige/Freunde, die einen Hörverlust erlitten haben? Informieren Sie sich im folgenden Artikel gerne weiter und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns und anderen Lesern im Kommentarbereich unter dem Artikel.

Was ist Schwerhörigkeit?

Neben der vererbbaren Schwerhörigkeit, ist die im Laufe des Lebens nachlassende Hörfähigkeit die am weitesten verbreitete Form.  Der Begriff Schwerhörigkeit beschreibt eine vorhandene Einschränkung des Hörvermögens. Angefangen bei geringem Hörverlust gibt es diese Erkrankung in vielen unterschiedlichen Abstufungen bis zum völligen Hörverlust. Eine Schwerhörigkeit liegt vor, wenn der komplexe Prozess, mit dem Schallwellen in wahrgenommene Geräusche umgewandelt werden, an einer Stelle im Ohr behindert oder erschwert wird. Schwerhörigkeit ist in verschiedene Stadien eingeteilt. Ab einer Hörschwelle von über 20 Dezibel (das Ticken einer Armbanduhr) gilt man als geringgradig schwerhörig. Ab 40 Dezibel besteht eine mittelgradige Schwerhörigkeit, ab 60 Dezibel eine schwergradige. Menschen, die nur Geräusche lauter als 80 Dezibel wahrnehmen können, grenzen an diagnostizierte Gehörlosigkeit.

Wie wird aus einer Schallwelle ein Vogelzwitschern?

Der Aufbau eines Ohrs ist wichtig, um zu verstehen, wie ein Mensch hört. Das menschliche Ohr besteht aus dem Außenohr, dem Mittelohr und dem Innenohr. Das Außenohr ist der sichtbare Teil an der Seite des Kopfes. Es besteht aus der Ohrmuschel, dem Ohrläppchen und dem äußeren Gehörgang. Dort wird das Vogelgezwitscher als Schallwelle aufgefangen und in den Gehörgang geleitet. Im Gehörgang sitzt das Trommelfell und bildet die Abgrenzung zum Mittelohr. Die Schallwellen versetzen das Trommelfell in Vibrationen. Diese Vibrationen bringen gleichzeitig auch die Gehörknöchelchen – winzige Knochen im Mittelohr – zum Schwingen. Diese Schwingungen setzen sich im Innenohr in die Ohrtrompete fort, wo sie winzige Haarzellen in Bewegung versetzen. Diese Haarzellen verwandeln die Schwingungen in elektrische Impulse, die über den Hörnerv im Gehirn verarbeitet werden. Am Ende dieser Kette nehmen Sie das Vogelgezwitscher wahr.

Ursachen für Schwerhörigkeit

An vielen Stellen in dieser Verarbeitungskette können Fehler passieren und die ungehinderte Weitergabe stoppen oder die Verarbeitung der Schallwellen stören. In dem Fall fehlen Teile des Frequenzspektrums oder sogar das gesamte Vogelgezwitscher. Es gibt zwei verschiedene Krankheitsbilder, die Ursachen für Fehler in der Verarbeitung sein können. Diese sind unterteilt in Schallleitungsschwerhörigkeit und Schallempfindungsschwerhörigkeit.

Schallleitungsschwerhörigkeit

Bei der Schallleitungsschwerhörigkeit erreicht der ankommende Schall das Trommelfell nicht vollständig. Ursachen dafür sind vielfaltig:

  • Fremdkörper, beispielsweise Ohrenschmalz (oftmals durch falsche Reinigung mit Wattestäbchen tief in den Gehörgang gedrückt)
  • Wasser, das nach dem Schwimmen oder Baden eingedrungen ist und den Gehörgang blockiert
  • eine (chronische) Mittelohrentzündung, bei der die Funktion des Ohrs durch eine Infektion gestört ist
  • Schwellungen im Gehörgang
  • ein verletztes Trommelfell, verursacht durch Schläge auf die Ohren, Explosionen oder spitze Gegenstände
  • Verletzungen der Gehörknöchelkette, beispielsweise bei Schädelbrüchen
  • ein (chronischer) Verschluss der Ohrtrompete als Folge vom Tauchen, Fliegen oder bei Erkältungen
  • weitere chronische Ursachen umfassen Verengungen im Gehörgang, ein Verknöchern der Gehörknöchelchen, übermäßiges Knochenwachstum im Gehörgang, Tumore und angeborene Fehlbildungen

Schallempfindungsschwerhörigkeit

Das zweite Krankheitsbild ist die Schallempfindungsschwerhörigkeit. Die sogenannte Innenohrschwerhörigkeit wird durch eine Schädigung im Innenohr oder des Hörnervs hervorgerufen. Bei dieser Krankheit werden die Schallwellen richtig empfangen, aber anders wahrgenommen, da die unterschiedlichen Frequenzen des Schalls verloren gehen. Deswegen spricht man hier auch von einer Fehlhörigkeit. Ursächlich dafür können sein:

  • Hörstürze
  • altersbegleitende Verschlechterung
  • Erkrankungen des Innenohrs (Mumps, Masern, Scharlach, Borreliose, AIDS, Typhus)
  • Lärm über 120 Dezibel, der zum Absterben der Haarzellen führt, auch tägliche Lärmbelastung über 80 Dezibel
  • Schädelbruch mit Innenohrbeteiligung
  • Multiple Sklerose
  • Morbus Menière, eine Drehschwindel-Erkrankung
  • extremer Stress
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, beispielsweise Chinin, Acetylsalicylsäure (Aspirin), Diuretika (harntreibende Medikamente) oder Chemotherapie-Medikamente
  • Ohrentropfen, die bei gleichzeitig verletztem Trommelfell das Innenohr schädigen
  • Hirnschäden nach Schlaganfällen oder Hirntumoren
  • weitere chronische Ursachen umfassen Stoffwechselerkrankungen, Gefäßverengungen, Erkrankungen der Hörnerven und angeborene Fehlbildungen des Innenohrs

Eine Kombination der beiden Varianten ist auch möglich, tritt häufig aber nur bei einer Sonderform der akuten Mittelohrentzündungen auf. Bei dieser sogenannten Labyrinthitis ist neben dem Mittelohr auch das Innenohr entzündet. Aus diesem Grund sollte dringend ärztliche Betreuung aufgesucht werden, da dauerhafte Schäden drohen.

Angeborene Schwerhörigkeit

Die angeborene (sog. ‚hereditäre‘) Schwerhörigkeit ist der häufigste erbliche sensorische Defekt. In einigen Fällen tritt der Hörverlust als Symptom anderer Erkrankungen (Syndrome) auf, in den meisten Fällen aber als alleinstehender Defekt. Syndrome, bei denen Veränderungen der Knochen auftreten, können auch eine Veränderung der Knochen im Ohr verursachen und damit das Hören verschlechtern. Beispielsweise das Waardenburg-Syndrom und das Stickler-Syndrom sind Erkrankungen, die Einfluss auf die Hörfähigkeit haben. Das Usher-Syndrom ist ein Beispiel für gleichzeitige Seh- und Hörstörungen.

Etwa 70% der Fälle erblicher Schwerhörigkeit sind aber nicht auf Syndrome zurückzuführen. Aufgrund aktueller Forschungen gehen Forscher davon aus, dass ungefähr 1% der menschlichen DNA verantwortlich für die Hörfähigkeit ist. Durch die Komplexität des Hörvorgangs ist diese DNA sehr anfällig für Veränderungen und daraus resultierende Defekte beim Menschen. Dementsprechend ist auch die korrekte Diagnose und weiterführende Behandlung nach der Geburt schwierig.

Altersschwerhörigkeit

Mit steigendem Alter zeigen sich erste Verschleißerscheinungen an den Haarzellen im Innenohr. Die Vibrationen des Trommelfells können nicht mehr vollständig in elektrische Signale umgewandelt werden. Auch die jahrzehntelange – weiter steigende – Geräuschkulisse des Alltags trägt dazu bei, dass die Ohren nachlassen. Diese Entwicklung nennt sich Altersschwerhörigkeit (lat. ,Presbyakusis‘). Studien gehen davon aus, dass diese Entwicklung ab ca. 45 Jahren beginnt, vor dem 50. Lebensjahr allerdings selten wahrgenommen wird. Darum ist ab diesem Alter ein jährlicher Hörtest anzuraten. Gerade der hohe Frequenzbereich im Tonspektrum fällt zuerst ab. Nach dem 60. Lebensjahr kommt es zu einem Hörabfall von einem Dezibel pro Jahr. Ab einem Hörverlust von 30 Dezibel spricht man von krankhafter Altersschwerhörigkeit.

Neben der Schwerhörigkeit ist der Tinnitus eine weitverbreitete Ohrerkrankung. Im folgenden Video erklärt Dr. Dr. Tobias Weigl, wie man einen Tinnitus erkennt und therapieren kann.

Rauschen im Ohr, Piepen im Ohr: TINNITUS ein schreckliches Geräusch im Ohr // Tinnitus Therapie

Die Symptome: Welche Beschwerden verursacht Schwerhörigkeit?

Bei einer Schwerhörigkeit werden bestimmte Frequenzen überhaupt nicht mehr oder nicht mehr vollständig gehört. Die Patienten selbst bemerken ihre Schwerhörigkeit in den meisten Fällen erst, wenn sie selbst Schwierigkeiten im Sprachverstehen feststellen. Dazu gehören Schwierigkeiten, Unterhaltungen zu folgen, an denen mehr als zwei Personen teilnehmen. Hier kann das Ohr nicht mehr klar unterscheiden, welche Informationen wichtig sind und welche herausgefiltert werden müssen. Hintergrundmusik, Verkehrslärm oder ein laufender Fernseher wirken sich ebenso hinderlich auf das Gespräch aus.

Schwerhörigkeit macht sich auch bemerkbar, indem man Menschen nur noch gedämpft wahrnimmt. Zusätzlich sind die Stimmen von Frauen und Kindern spürbar schwerer zu verstehen. Dies ergibt sich aus dem Frequenzbereich in den Frauen und Kinder sprechen. Ihre Stimmen sind in der Regel höher als Männerstimmen und exakt der Frequenzbereich leidet häufig zuerst unter der Schwerhörigkeit.

Frühe Symptome umfassen im Normalfall selten wahrgenommene Hörverluste. Im Alltag fällt es nicht auf, dass man eine tickende Armbanduhr oder Blätterrascheln nicht mehr hört. Häufig verpasste Telefonanrufe oder überhörtes Klingeln an der Tür sind dann deutlich besser erkennbare Symptome für voranschreitenden Hörverlust. Auch die Lautstärke des Fernsehers oder Radios lässt Rückschlüsse auf die Hörfähigkeit zu. Sollten sich Menschen in ihrem Umfeld über die steigende Lautstärke dieser Geräte äußern, ist ein Hörtest empfehlenswert.

Gut zu wissen!
Für die Entwicklung der Sprachfähigkeit ist es gerade für Kinder sehr wichtig, richtig hören zu können. Falls frühe Anzeichen einer Schwerhörigkeit bei Kindern bestehen (keine Reaktion auf laute Geräusche, Baby/Kind reagiert nicht auf direkte Ansprache), sollte umgehend ein Hals-Nasen-Ohrenarzt aufgesucht werden um das Gehör zu untersuchen. Ursachen können Masern, Mumps, Röteln, aber auch eine Meningitis sein. Besonders Mittelohrentzündungen kommen bei Kindern häufiger vor und beeinträchtigen das Hören.

Wer ist am ehesten betroffen?

Die beiden Hauptgründe für nichterbliche Schwerhörigkeit sind alltagsbedingte Lärmbelastungen und das Alter. Deswegen sollten Menschen, die beruflichen Lärmbelästigungen ausgesetzt sind, regelmäßige Hörtests durchführen lassen. Ebenso empfehlenswert sind diese jährlichen Tests ab dem 45. Lebensjahr. Denn ab diesem Zeitpunkt beginnt die altersbedingte Abnahme der Hörfähigkeit und der Hals-Nasen-Ohrenarzt kann noch frühzeitig entgegenwirken. Während es nicht mehr möglich ist, verlorene Hörfähigkeit zurückzuerlangen, kann das verbliebene Hören auf einem dauerhaften Niveau gesichert werden. Je früher ein Arzt die Krankheit erkennt, desto weniger Auswirkungen sind später spürbar.

Haben Sie die folgenden Symptome bereits bei Bekannten oder Familienmitgliedern beobachtet? Mit Ihrer Antwort helfen Sie anderen möglichen Patienten dabei, ihre Symptome besser einzuschätzen.
Achtung!
Das Risiko der Lärmschwerhörigkeit wird aufgrund der gestiegenen Geräuschkulisse im Alltag immer höher. Gerade Kinder und Jugendliche sollten Musik über Kopfhörer nur auf geringer Lautstärke hören. Als Faustregel sollte die Musik nur so laut sein, dass Umgebungsgeräusche weiterhin wahrgenommen werden können. Lärmschwerhörigkeit ist nach der Altersschwerhörigkeit die häufigste Form der Schwerhörigkeit. Ohrstöpsel auf Konzerten oder bei lauter Arbeit, bewusster Medienkonsum und regelmäßige Kontrollen durch Hörtests können hier helfen, die schlimmsten Folgen abzuwenden.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose eines Hörverlustes

Häufig wagen Patienten erst den Schritt in medizinische Betreuung, wenn sie selbst gravierende Schwierigkeiten im Sprachverstehen bemerken. Viele frühzeitige Warnsignale werden ignoriert oder durch Kompensationsstrategien (Lautstärke erhöhen, Lippenlesen) überspielt. Die Diagnose beginnt immer damit, dass der Hals-Nasen-Ohrenarzt zunächst durch eine Ohrmikroskopie vorhandene Erkrankungen oder Verletzungen des Gehörganges und des Mittelohrs ausschließt. Dabei werden Trommelfellverletzungen, aber auch Schwellungen und Entzündungen ausgeschlossen. Zusätzlich können so Fremdkörper entdeckt werden.

Anschließend gibt die Stimmgabeluntersuchung Aufschluss über hörbare Frequenzen und Lautstärken. Diese Untersuchung dient zum Ausschluss einer Altersschwerhörigkeit, bei der diese Frequenzen nicht mehr hörbar sind. Weitere Tests zur Kontrolle des Lautstärkehörens und insbesondere des Stimmenhörens vervollständigen das Testergebnis. Der Freiburger Sprachtest kombiniert dabei Übungen im hohen Frequenzbereich mit Hintergrundlärm. Er kann dadurch nicht nur auf einen Hörverlust hinweisen, sondern auch auf einen teilweisen Verlust kognitiver Fähigkeiten als Folge des Hörverlustes. Abschließend kontrolliert eine sogenannte Impedanzmessung, ob die Ohrtrompete möglicherweise verschlossen ist.

Fakten-Box

Schwerhörigkeit

  • 13 bis 14 Millionen betroffene Deutsche
  • altersbedingte und lärmbedingte am häufigsten verbreitet, danach folgt Mittelohrentzündung als Ursache
  • nicht umkehrbar, je früher diagnostiziert, desto besser
  • Kompensationsstrategien verzögern frühzeitige Behandlung häufig, daher auf Symptome achten

Mögliche Symptome

  • Überhören von Klingeln, Telefonen, Naturgeräuschen
  • Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen; insbesondere Frauen, Kinder oder Gruppen
  • steigende Lautstärke des Fernsehers
  • Aufmerksamkeitsdefizite
  • Kompensationsstrategien (Zeichensprache, Lippenlesen)

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlungsmöglichkeiten bei Schwerhörigkeit

Bei Grunderkrankungen, die die Schwerhörigkeit auslösen, wird zuerst diese Erkrankung behandelt. Vorübergehende Hörverluste können so therapiert werden. Bei bleibenden Hörverlusten richtet sich die Therapie nach der Art der Schwerhörigkeit. Eine Schallleitungsschwerhörigkeit kann in einigen Fällen durch einen operativen Eingriff gebessert werden. Dabei werden die Erkrankungsherde im Ohr beseitigt und vorhandene Trommelfellverletzungen versorgt. Innerhalb weniger Wochen kann das Hörvermögen so wieder zurückgewonnen werden.

Anders sieht es bei Schallempfindungsschwerhörigkeit aus. Diese basiert häufig auf nicht umkehrbaren Schädigungen des Innenohrs und kann daher nicht durch Operationen oder Medikamente geheilt werden. Für diese Fälle gibt es eine Vielzahl an Hilfsmitteln, die das Sprachverstehen und Hören verbessern. Moderne Hörgeräte können an die individuellen Bedürfnisse des Patienten angepasst werden um das Hören wieder zu ermöglichen. Diese Geräte sind fast unsichtbar, leicht zu handhaben und sichern den Erhalt der Resthörfähigkeit. Cochlea-Implantate sind Prothesen, die die Funktion der Ohrschnecke ersetzen. Sie können mit dem funktionierenden Hörnerv verbunden werden um die Funktion des Innenohrs zu ergänzen.

Exkurs: Cochlea-Implantate

Cochlea-Implantate ersetzen die Ohrschnecke im Innenohr. Durch diese elektrischen Prothesen werden die Schallwellen aufgenommen, in elektrische Impulse verwandelt und an den Hörnerv weitergeleitet. Die Geräte bestehen aus einem Mikrofon, einem Sprachprozessor, einer Sendespule und dem eigentlichen Implantat. Dieses Implantat wird bei einer Operation unter Vollnarkose hinter dem Ohr in das Mastoid (ein Teil des Schläfenbeins hinter dem Ohr) eingesetzt. Nachdem die Wunden abgeheilt sind, wird die Technik eingesetzt. Innerhalb weniger Wochen kann mit dieser Technik ein Teil des Hörvermögens wiederhergestellt werden.

Aktuelle Forschung – Einsamkeit durch Schwerhörigkeit im Alter

Durch die demographische Entwicklung der Bevölkerung zeigt sich in neuen Studien das Problem der zunehmenden sozialen Vereinsamung durch nachlassende Hörfähigkeit. Die Altersschwerhörigkeit führt im Zweifelsfall bei beiden Gesprächspartnern zu einer nachlassenden Bereitschaft zur sozialen Interaktion. Dabei führt der schleichende Verlauf zu Gewöhnungseffekten, die eine Behandlung hinauszögern. Das geistige, körperliche und soziale Wohlbefinden sind jedoch gerade im Alter abhängig von der Möglichkeit, sich sprachlich genau ausdrücken zu können. Unbehandelt kann die Schwerhörigkeit zu sozialer Abspaltung führen. Vielfältige Therapiemöglichkeiten mit immer kleineren Hörgeräten und die Versorgung mit Cochlea-Implantaten verbessern die Lebensqualität älterer Menschen. Doch der Gang zum Hals-Nasen-Ohrenarzt ist immer noch verbunden mit dem Stigma einer nachlassenden Gesundheit. Deswegen sollten Verwandte und Bekannte nach Anzeichen für eine nachlassende Hörfähigkeit Ausschau halten und einen kostenlosen Besuch beim Hörgeräteakustiker oder HNO-Arzt empfehlen.

Früherkennung der Altersschwerhörigkeit

Bei einem Verdacht auf eine nachlassende Hörfähigkeit kann auch privat durch Fingerreibe- oder Flüstertests überprüft werden, in welchem Maß das Hören beeinträchtigt ist. Im Internet sind zahlreiche Online-Hörtests verfügbar, empfehlenswert ist der deutschsprachige Mini-Audio-Test. Dennoch ist der Besuch beim HNO-Arzt anzuraten, da aus der Ferne keine Aussage über die Ursache der Schwerhörigkeit getroffen werden kann.

Folgen der Schwerhörigkeit

Neuere Untersuchungen haben die Folgen der Schwerhörigkeit untersucht und Verbindungen zu zahlreichen Krankheiten gefunden. Hörverlust geht mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Demenz und eine nachlassende Kognition einher. Hirnregionen, die für das Hören genutzt wurden, werden bei Schwerhörigkeit durch andere Hirnregionen ersetzt. Dadurch verkümmern die nicht genutzten Bereiche und erschweren alle Fähigkeiten, die in den vernachlässigten Regionen zusätzlich geregelt werden. Selbst eine geringe Verminderung der Hörfähigkeit (>40 Dezibel) verdreifacht das Demenzrisiko.

Gleichzeitig zu der nachlassenden Denkfähigkeit steigt auch das Sturz- und Unfallrisiko. Die Gründe hierfür sind bisher nicht ausreichend erforscht, dennoch führt Schwerhörigkeit im Alltag zu einem Anstieg an Stürzen. Es wird vermutet, dass die erhöhte Hirntätigkeit, die für das Sprachverständnis aufgebracht werden muss, zu einer Unterversorgung des Bewegungsapparates oder Aufmerksamkeitsdefiziten führt.

Quelle:Jan Löhler u.a. (2019): Schwerhörigkeit im Alter – Erkennung, Behandlung und assoziierte Risiken. In: Deutsches Ärzteblatt. Jahrgang 116, Ausgabe 17: S. 301 – 312.

Häufige Patientenfragen

Ich vermute, dass ich seit einiger Zeit schlechter höre. Wird das schlimmer, wenn ich es nicht behandeln lasse?

Dr. Dr. T. Weigl
Ja, die Möglichkeit besteht. Gerade bei der altersbedingten Schwerhörigkeit sind Abnutzungsprozesse im Innenohr der Grund für die nachlassende Hörfähigkeit. Die verkümmerten Haarzellen können nicht wiederhergestellt werden. Ein Hörgerät kann helfen, diese Fehlentwicklung aufzuhalten und für Sie das bestmögliche Hören sicherzustellen. Außerdem sollten Sie immer auch ausschließen lassen, dass Sie an einer Krankheit leiden, die ihre Schwerhörigkeit auslöst und weitaus schlimmere Folgen haben kann.

Wie oft sollte ich einen Hörtest durchführen lassen und wer trägt die Kosten dafür?

Dr. Dr. T. Weigl
Hörtests sind in der Regel immer kostenlos bei ihrem Hörakustiker. Ab einem Alter von 45 Jahren empfehlen Ärzte jährliche Hörtests, um so früh wie möglich schädliche Folgen aus der alltäglichen Lärmbelastung auszuschließen. Bei einem Hörtest lässt sich ihre persönliche Hörkurve ermitteln, aus der Ihr Akustiker Ihre Hörfähigkeit ablesen kann.

Mein Mann und ich haben uns ein System überlegt, mit dem wir trotz schlechter werdender Ohren noch kommunizieren können. Brauchen wir überhaupt ein Hörgerät?

Dr. Dr. T. Weigl
Ja, auch wenn die grundsätzliche Kommunikation noch funktioniert, sollten Sie nicht auf ein Hörgerät verzichten. Diese Kompensationshandlungen umgehen Bereiche Ihres Gehirns, die im Normalfall mit dem Hören beschäftigt sind. Diese Teile können dadurch Schaden nehmen und weitere Tätigkeiten, die auf diese Hirnregionen zurückgreifen, erschweren.

Wer trägt die Kosten für ein Hörgerät?

Dr. Dr. T. Weigl
Bei einer diagnostizierten Schwerhörigkeit (weniger als 80% beim Hörtest) tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für ein Mittelklasse-Hörgerät. Bei einseitiger Schwerhörigkeit muss das schlechtere Ohr einen Hörverlust von mindestens 30 Dezibel zum besseren Ohr vorweisen können. Bessere Ausstattung oder besonders kleine Geräte werden nur bezuschusst und nicht komplett übernommen, der Zuschuss variiert von Kasse zu Kasse. Bei beidseitigen Hörgeräten übernimmt die Krankenkasse einen Gesamtbetrag von 1000-1500 Euro.

Typisches Patientenbeispiel

Werner hat schon während seiner Arbeitszeit als Bauarbeiter gemerkt, dass die Verständigung mit den Kollegen immer komplizierter wird. Jetzt ist er verrentet und bemerkt, dass die Schwierigkeiten, die er damals auf die Geräuschkulisse geschoben hat, immer noch bestehen und sogar schlimmer geworden sind. Seine Frau Hilde hat sich schon mehrmals darüber beschwert, dass er sie einfach ignoriert. So groß könne das Haus doch gar nicht sein, als dass er sie im Wohnzimmer nicht gehört hätte. Das liegt doch garantiert an dem lauten Fernseher. Aber auch ohne den Fernseher hat Werner manchmal das Problem, dass er einfach nicht versteht was seine Frau ihm zuruft. Aber schwerhörig kann er ja schlecht sein. Seine Freunde im Sportclub und seinen Sohn versteht er doch bestens.

Ist mit den Ohren alles in Ordnung?

Als er am Samstag darauf am Sportplatz einen Ball, vor dem ihn niemand der spielenden Jungs gewarnt hat, an den Kopf bekommt, platzt ihm der Kragen. Selbst ihre Beteuerungen, mehrmals gerufen zu haben, beschwichtigen ihn nicht und er schimpft sie aus. Später nimmt ihn sein Kumpel Bernd zur Seite und fragt ihn, warum er denn nicht auf die Warnungen reagiert hat. Die Jungs hätten ihm wirklich Warnungen zugerufen. Werner hat nichts davon mitbekommen. Bernd rät ihm daraufhin zu einem kostenlosen Hörtest. Innerhalb von 30 Minuten könne er so abklären, ob mit den Ohren noch alles in Ordnung sei.

Montags macht Werner sich auf den Weg zu seinem Hals-Nasen-Ohrenarzt Dr. Weber und berichtet ihm von Bernds Vermutung. Dr. Weber untersucht beide Ohren, kann aber keine Auffälligkeiten feststellen. Der anschließende Hörtest zeigt allerdings, dass Werner einen beidseitigen Hörverlust von über 45 Dezibel hat. Kein Wunder also, dass er die Jungs aus der Entfernung nicht hören konnte.

Mit einem Rezept in der Tasche verlässt Werner seinen Arzt und begibt sich zum Hörgeräteakustiker. Nach ausgiebiger Beratung einigt Werner sich mit ihm auf kleine, fast unsichtbare Hörgeräte. Einige Wochen später hat er sich schon an das Gerät gewöhnt und weiß nicht, wie er jemals ohne leben konnte. Nur die Befehle seiner Frau sind noch etwas gewöhnungsbedürftig.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Timo Hülsmann

Lektorat: Schajan Salahijekta

Veröffentlicht am: 19.11.2019

Quellen

  • Angelika Bischoff (2019): Schwerhörigkeit trennt von den Menschen. In: MMW – Fortschritte der Medizin. 161, Ausgabe 14: S. 10-12.
  • William F. Burke u.a. (2013): Hereditäre Schwerhörigkeit. Teil 1: Überblick und praktische Hinweise zur Diagnostik. In: HNO. Band 61, Ausgabe 04/13: S. 353 – 363
  • Natalie Fischer u.a. (2016): Presbyakusis – Altersschwerhörigkeit. In: Laryngo-Rhino-Otologie. Ausgabe 7. Thieme Verlag KG Stuttgart.
  • Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V. (HNO): Schwerhörigkeit – Definition und Häufigkeit. In: hno-aerzte-im-netz.de
  • Jan Löhler u.a. (2019): Schwerhörigkeit im Alter – Erkennung, Behandlung und assoziierte Risiken. In: Deutsches Ärzteblatt. Jahrgang 116, Ausgabe 17: S. 301 – 312.
  • Tatsuo Matsunaga (2009): Value of genetic testing in the otological approach for sensorineural hearing loss. In: Keio Journal of Medicine 58. Keio University, Tokio: S. 216–222.
  • Thomas Zahnert (2011): Differenzialdiagnose der Schwerhörigkeit. In: Deutsches Ärzteblatt. Ausgabe 108: S. 433-444.
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