Sign up with your email address to be the first to know about new products, VIP offers, blog features & more.

ISG-Blockade lösen – Effektiv gegen Rückenschmerzen vorgehen

60–80 % der Bevölkerung leiden einmal im Leben an einer ISG-Blockade – nicht immer, aber sehr oft kommt es dann zu Schmerzen, die sich zumeist nach 2–3 Tagen wieder lösen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Bei einer Blockade des Iliosacralgelenks (der sog. ‚ISG-Blockade‘) entsteht durch Verspannungen in den dazu gehörenden Muskeln zwischen Rücken und Hüfte Rückenschmerzen: die Gelenkflächen werden aneinander geschoben, wodurch erst der physische Schmerz entsteht. Diesen können mit entsprechender Physiotherapie und Schmerzmedikamenten behandelt werden. Ursache einer Blockade des Iliosacralgelenkes können Unfälle oder Fehlbelastungen sein. Vor allem Schwangere haben aber ein erhöhtes Risiko einer ISG-Blockade.

„Martin?“ Stille. Anscheinend ist Martin schon weg. Lisa hat ihren Ehemann Martin darum gebeten, Eis samt Gurken zu kaufen. Sie musste selbst lachen, als sie ihrem Mann erzählt hat, dass sie Lust auf das Schwangeren-Klischee schlechthin hatte. Was sollte sie in der Zeit machen? Mit einem Seufzen entscheidet sich Lisa, den Fernseher einzuschalten. Dafür muss sie nur die Fernbedingung vom Couchtisch holen. Gerade als sie sich gerade erhebt, schießt ein Schmerz in ihren unteren Rücken und mit einem Keuchen sinkt sie zurück auf das Sofa. Es fühlt sich an, als zöge der Schmerz in ihr rechtes Bein.

Das Iliosacralgelenk

Das sogenannte Iliosacralgelenk (kurz ‚ISG‘), was in unserem Beispiel Quelle der Schmerzen sein kann, ist ein straffes Gelenk zwischen dem Darmbein (sog. ‚Os Ilium‘) und dem Kreuzbein (sog. ‚Os Sacrum‘), unterhalb des fünften Lendenwirbels liegend. Auf jeder Beckenseite befindet sich ein ISG.

Das ISG verbindet somit die Wirbelsäule, deren Basis das Os Sacrum ist, und die Hüfte und dient der Kraftweitergabe von der Hüfte zu den Beinen.
Ein straffes Gelenk (sog. ‚Amphiarthrose‘) zeichnet sich dadurch aus, dass es relativ unbeweglich ist. Dies hängt mit der straffen Gelenkkapsel und den straffen Bändern zusammen.

Eine Blockade wird ausgelöst durch verspannte Muskeln, die mit dem betreffenden Gelenk verbunden sind. Dadurch verschieben sich die einzelnen Gelenkflächen und es kommt zu der schmerzenden Blockade.

Was sind die Ursachen?

Viele Ursachen kommen in Frage, wenn das Iliosacralgelenk blockiert ist. Zunächst können Stürze und Stöße für Schmerzen im Kreuz sein. Stauchungen im Kreuz- und Steißbein können Folgen für die Muskulatur und Knochen haben, die sich zum Teil gegeneinander schieben. Auch auf diese Weise können die Schmerzen im Kreuz entstehen.

Eine weitere Ursache der ISG-Blockade ist Überbeweglichkeit: Ist die Lendenwirbelsäue überbeweglich, gleicht der menschliche Körper diese an anderer Stelle durch eine Versteifung aus, meist am ISG. Gründe für diese Überbeweglichkeit können in zu lockere Bänder und Muskelschwäche liegen. Diese wiederum sind Folge einer Überbelastung im Sport.

Auch ein zu straffer Zug von Organen kann Blockaden auslösen. Das ISG auf der rechten Seite ist über einen Punkt mit dem Dünndarm verbunden. In einigen Fällen kann eine ISG-Blockade eine Folge eines Triggerpunktes in den Adduktoren sein.

Neben den bereits vorgestellten Ursachen können auch Fehlbelastungen im Alltag zu einer ISG-Blockade führen. Dazu zählen unter anderem eine fehlerhafte Haltung im Sitzen, eine Fußfehlstellung oder undynamische Körperpositionen wie im Sitzen und Stehen.

Je nach Intensität der Schmerzen sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden, da sonst Folgeerkrankungen aufgrund einer Schonhaltung den körperlichen Zustand verschlimmern könnten.

Wen kann es erwischen?

Grundsätzlich kann jeder eine ISG-Blockade erleiden.

Besonders betroffen sind allerdings schwangere Frauen: Die Weitung des Beckens hat auch die Weitung des ISG zur Folge. Durch eine zufällige Bewegung kann es auch hier zu einer Blockade des Gelenks kommen. Aufgrund der Komplikationen einer Schwangerschaft können Beschwerden, die auf eine ISG-Blockade zurückzuführen sind, nicht behandeln. Die Schmerzlinderung ist das Ziel während dieser Zeit.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Bevor es zur körperlichen Untersuchung kommt, versucht Ihr Arzt im Rahmen eines Patientengesprächs (sog. ‚Anamnese‘) die Beschwerden zu charakterisieren: Wie lange haben Sie die Schmerzen? Wo genau liegen Sie? Gab es einen unmittelbaren Auslöser?

In der folgenden Untersuchung wird direkt am Körper untersucht. Um eine ISG-Blockade erkennen zu können, gibt es mehrere Abtast- und Abklopfvarianten. Der ISG-Test nach Derbolowski ist solch eine Methode. Hinter diesem Begriff verbergen sich zwei Tests. Im ersten sitzen Sie als Patient auf der Behandlungsbank, die Füße berühren den Boden, die Hände sind hinter dem Nacken verschränkt. Der Arzt oder Therapeut sitzt hinter dem Patienten und legt seine Hände auf die Beckenkämme, sodass die Daumen auf der SIPS (sog. ‚Spina iliaca posterior superior‘), einem Knochenvorsprung am Darmbein (sog. ‚Os Ilium‘) im Beckenknochen, liegen. Der entspannte Oberkörper soll nach vorne geneigt werden. Ertastet der Mediziner während des Vorgangs eine Mitbewegung des SIPS, könnte das ISG blockiert sein.

Im zweiten Test, dem Stehtest, sitzt der Arzt oder auch Therapeut ebenfalls hinter Ihnen, dem stehenden Patienten. Der Arzt legt seine flachen Hände auf die Beckenkämme. Dadurch liegen die Daumen auf der SIPS. Nun müssen Sie sich als Patient vorbeugen: Dieser Bewegungsvorgang wird vom Mediziner beobachtet. Dadurch offenbart sich, ob sich das ISG gleichmäßig mitbewegt. Bewegt es sich auf einer Seite mehr mit als auf der anderen, ist das ISG blockiert (sog. ‚Vorlaufphänomen‘).

Erst wenn der Sitz- und und der Stehtest positiv ausfallen, liegt wahrscheinlich eine Blockade des Iliosacralgelenks vor.

Bildgebende Methoden wie Röntgen oder ein CT sind an dieser Stelle keine Hilfe.

ISG-Blockade
Sowohl Frauen als auch Männer
Besonders gefährdet: Schwangere
Symptome

  • Kreuzschmerzen
  • Ausstrahlender Schmerz, beispielsweise vom Gesäß ausgehend in die Beine
  • Schonhaltung, die eine Fehl- oder Überbelastung zur Folge hat
  • Morgensteifigkeit
  • Ziehender Schmerz in der Leiste
  • Unterschiedliche Beinlängen

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Ist erkannt, dass für die Schmerzen eine ISG-Blockade verantwortlich ist, kann diese effektiv behandelt werden. Neben einer medikamentösen Behandlung mit dem Schwerpunkt der Schmerzlinderung eignet sich eine Manuelle Therapie beim Physiotherapeuten. Übergeordnetes Ziel ist neben der Schmerzlinderung das Gelenk wieder in die richtige Position zu bringen.

Eine Manuelle Therapie basiert auf Handgriff- und Mobilisationstechniken, die der bei der Behandlung von Gelenken nützlich sind. Ziel ist es, Schmerzen und Beschwerden zu lindern und die Bewegungsmöglichkeiten wiederherzustellen.
Schmerzstillende Mittel sollten nicht länger als drei Tage eingenommen werden.

Eine Operation ist in jedem Fall aber keine Option!

Muss man eine ISG-Blockade behandeln?

Ein Arzt sollte erst dann zu Rate gezogen werden, wenn die Beschwerden besonders intensiv sind, Sie also starke Schmerzen spüren.

Sollte es Ihnen passieren, dass Sie im Zusammenhang mit einer ganz alltäglichen Handlung eine Blockade haben, sollten Sie zunächst Ruhe bewahren. Eine Lösung des Muskelkrampfes ist erst einmal entscheidend. Dafür eignet sich Zuhause besonders gut eine Kältetherapie (sog. ‚Kryotherapie‘). Durch Eispackungen oder gekühlte Handtücher wird die Schmerzweitergabe behindert. Durch niedrige Temperaturen wird die Stoffwechselaktivität beeinträchtigt.

Eine Woche später: Lisa ist bei ihrem Physiotherapeuten, den sie bereits in der Vergangenheit wegen Knieproblemen besucht hat. „Wir haben es mit einer ISG-Blockade zu tun.“ Lisa seufzt. Natürlich. „Und was können wir dagegen tun?“ Nun ist es an ihrem Therapeuten zu seufzen: „Da Sie gegenwärtig schwanger sind, können wir nicht die übliche Manuelle Therapie durchführen. Ziel ist es erst einmal, dass Sie keine Schmerzen spüren.“

Häufige Patientenfragen

Ist eine ISG-Blockade dasselbe wie ein Bandscheibenvorfall?

Dr. T. Weigl:
Nein! Ein Bandscheibenvorfall (sog. ‚Diskusprolaps‘) entsteht dadurch, dass der gallertige Kern einer Bandscheibe (sog. ‚Nucleus polpusus‘) außerhalb der Fasermembran (sog. ‚Anulus fibrosus‘ rutscht und so auf die Nerven, die das Rückenmark bilden, drückt. Dadurch entstehen die Schmerzen im unteren Rückenbereich. Die Symptome einer Diskusprolaps ähneln einer ISG-Blockade: Schmerzen im lumbalen Bereich, Strahlen der Beschwerden in die Extremitäten.

Sollte ich mich schonen?

Dr. T. Weigl:
Wie bei allen Beschwerden im lumbalen Rücken ist es wichtig, Bettruhe zu vermeiden. Viel besser ist es in allen Fällen, soweit es geht, die Mobilität im Alltag beizubehalten. Andernfalls kann es im Falle einer ISG-Blockade zu Folgeerkrankungen aufgrund der Schonhaltung kommen.

Ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Blockade wieder kommt?

Dr. T. Weigl:
Ja, prinzipiell ist es häufig, dass eine ISG-Blockade wiederkehrt, gerade dann wenn man seinen Lebensalltag seit der letzten Blockade nicht angepasst hat. Eine ISG-Blockade ist wie ein Hexenschuss ein Warnsignal und zeigt an, dass der Betroffene handeln muss. Kein Handeln bedeutet dass die nächste ISG-Blockade bestimmt wieder kommen wird.

Verwandte Themen

 
Haben auch Sie Erfahrungen mit einer ISG-Blockade? Was haben Sie dagegen getan? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!
 
Autoren: Andrea Lorenz, Dr. Tobias Weigl
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht am: 04.04.2018, zuletzt aktualisiert: 14.08.2018
 
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  

Quellen

  • Casser HR., Seddigh S., Rauschmann M. (2016): Acute lumbar back pain—investigation, differential diagnosis, and treatment, Deutsches Ärzteblatt International 113, S. 223–34.
  • Newiger, Christoph (2005): Osteopathie. Sanftes Heilen mit den Händen, Trias Verlag, Stuttgart.
  • Reimann, Susanne (2013): Befunderhebung. Grundlagenwissen für Physiotherapeuten und Masseure, 4. Auflage, Urban & Fischer Verlag, München.
  • Sielmann, Dr. med. Dieter (2012): Medi-Taping im Sport. Leistungsfähigkeit erhöhen, Verletzungen vorbeugen und schnell wieder aktiv sein, 3. Auflage, Trias-Verlag, Stuttgart.
  • Soiron, Stefan (2016): Und täglich grüßt die Wirbelsäule. Rückenschmerzen besser verstehen und behandeln, BoD, Norderstadt.
  • Vögele, Juliane (2016): Befreie Dich von Rückenbeschwerden, 2. Auflage, Steiner-Verlag, Stuttgart.
[Gesamt:5    Durchschnitt: 3.8/5]

Noch keine Kommentare.

Was denkst Du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.