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Jodmangel – der Auslöser für Herzprobleme und mehr

Auf einen Blick – Jodmangel

Was ist Jodmangel?

  • langfristige Unterversorgung der Schilddrüse mit Jod
  • Jod wird zur Hormonproduktion benötigt
  • optimal: 150–200 Mikrogramm täglich; realistisch: 75–100 Mikrogramm

Wer bekommt Jodmangel?

  • Bewohner von Jodmangel-Gebieten (z. B. Deutschland abseits der Küsten)
  • Menschen über 50 öfter von den Folgen betroffen
  • Frauen häufiger als Männer betroffen

Symptome (Auszug)

  • Vergrößerung der Schilddrüse
  • Bildung von Knoten/eines Kropfes
  • dauerhafte Müdigkeit
  • depressive Stimmungslage
  • Gewichts-zu/-abnahme ohne erkennbaren Grund

Behandlung (Auszug)

  • je nach Krankheitsbild:
  • zusätzliche Einnahme von Jodtabletten oder jodhaltigen Speisen (z. B. Salzwasserfisch)
  • Hormontabletten (L-Thyroxin)

Tipps

  • kaufen Sie bewusst Jodsalz zum Würzen, damit können Sie einen Teil des Jodmangels auffangen, ohne Ihre Essgewohnheiten zu verändern
  • zusätzliches Jod in Form von Tabletten sollte nur in Absprache mit einem Arzt eingenommen werden, da ein Überangebot ebenfalls gesundheitliche Probleme auslösen kann

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Die Wirkung der Ernährungsweise auf den Körper war schon im antiken Griechenland bekannt: „Deine Nahrung soll deine Medizin und deine Medizin soll deine Nahrung sein.“, sagte bereits Hippokrates. Superfoods versprechen heutzutage mehr Kraft, mehr Ausdauer oder mehr Hirnleistung. Fitnessratgeber und Lifestylezeitschriften bewerben Acai- oder Goji-Beeren, Chia-Samen oder Ingwer als Allheilmittel für Ihre Gesundheit. Doch ein essentieller Bestandteil einer gesunden Ernährung ist in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten. Die Versorgung unseres Körpers mit Jod ist ein elementarer Baustein für einen funktionierenden Stoffwechsel und insbesondere im Kindes- und Jugendalter absolut wichtig für ein geregeltes Wachstum und eine gesunde Entwicklung.

Jodmangel kann schon in der Schwangerschaft Gefahren für das ungeborene Baby, aber auch für die Schwangere selbt bedeuten. Die Entwicklung des Kindes hängt von der Jodversorgung der Mutter ab: Experten raten sogar dazu, schon Monate vor einer geplanten Schwangerschaft vorsorglich Jodtabletten einzunehmen, um das vorhandene Jod aus der Nahrung zu ergänzen.

In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie über die Folgen von Jodmangel wissen müssen. Zusätzlich zeigen wir Ihnen jodreiche Ernährungsmöglichkeiten auf und geben Ihnen weitere Tipps für eine ausreichende Jodversorgung.

Was ist Jodmangel?

Jodmangel entsteht, wenn Sie über einen längeren Zeitraum weniger Jod zu sich nehmen, als der Körper für die Umwandlung in lebenswichtige Hormone benötigt. Diese Umwandlung findet in der Schilddrüse statt. Dort werden, aus unter anderem Jod, die drei Schilddrüsenhormone Thyroxin, Calcitonin und Triiodthyronin gebildet. Diese Hormone sind essentiell für das Wachstum und wichtige Stoffwechselprozesse des Körpers. Ein langanhaltender Mangel von Jod sorgt dafür, dass die Neuproduktion dieser Hormone nachlässt und damit tiefgreifende gesundheitliche Probleme auftreten.

Gut zu wissen!
Jod muss über die Nahrung aufgenommen werden, da unser Körper nicht in der Lage ist, diesen wichtigen Baustein selbst herzustellen.

Die Chemie hinter Jod

Jod ist ein chemisches Element, das zu den sog. Halogenen gehört und in der Natur weitverbreitet ist. Geringe Mengen davon kommen im Boden und in Gesteinen vor und gelangen durch Auswaschung ins Grundwasser. Auch das Meerwasser enthält viel Jod, was dazu führt, dass Lebewesen aus dem Meer einen hohen Jodgehalt aufweisen. Das ist besonders günstig, denn damit sind Fische und Meeresfrüchte eine ideale Möglichkeit, um den Jodhaushalt zu optimieren.

Ein Jodmangel kann schwerwiegende Folgen wie eine Schilddrüsenüberfunktion nach sich ziehen. In seinem Video schildert Dr. Dr. Tobias Weigl anschaulich die Hintergründe, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankung.

Probleme mit der Schilddrüse? Schilddrüsenüberfunktion Symptome | Hyperthyreose | Morbus Basedow |
https://www.youtube.com/watch?v=5ezCweuRfeg

Wieviel Jod brauchen wir?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sind sich bei der empfohlenen Tagesdosis einig. Die tägliche Optimaldosis liegt demnach für Erwachsene bei ungefähr 100 bis 200 Mikrogramm. Für Kinder und Jugendliche sind die Empfehlungen etwas niedriger (je nach Alter zwischen 40 und 180 Mikrogramm). Da Jod aber notwendig für die Produktion von Wachstumshormonen ist, sollte gerade bei Heranwachsenden darauf geachtet werden, dass diese Menge auch wirklich zur Verfügung steht, damit eine ausreichende Jodversorgung garantiert ist.

Die Schilddrüse kann Jod einlagern und hat somit Reserven, falls dem Körper zeitweise weniger Jod zugeführt wird. Bis zu zehn Milligramm können gespeichert werden: Damit kann ein erwachsener Mensch den Bedarf für ungefähr drei Monate decken.

Jod während und nach der Schwangerschaft

„In der Schwangerschaft isst die Mutter für zwei.“ Dieser Grundsatz gilt zwar in Bezug auf die gesamte Nahrungsmenge als überholt, auf den Jodbedarf trifft er jedoch fast zu. Weiter oben wurde schon erwähnt, dass Jod wichtig ist, um die Entwicklung der Schilddrüsentätigkeit und das generelle Wachstum des Kindes zu gewährleisten. Gerade während der Schwangerschaft hat der heranwachsende Fötus einen erhöhten Jodbedarf und auch die Schilddrüsenfunktion der werdenden Mutter ist direkt an dieses Spurenelement gekoppelt.

Bis zu 230 Mikrogramm benötigen Frauen während der Schwangerschaft, in der Stillzeit dann sogar bis zu 260 Mikrogramm. Weiter unten können Sie dem Text entnehmen, welche gesundheitlichen Folgen für Mutter und Kind aus einem Jodmangel entstehen können.

Achtung!
Jodmangel ist die weltweit häufigste vermeidbare Ursache für Entwicklungsschäden bei ungeborenen Kindern!

Geographische Unterschiede: Jodmangel-Gebiete

Jodmangel-Gebiete sind Regionen, in denen ein bevölkerungsweiter Jodmangel besteht. Dies liegt daran, dass Jod sehr gut wasserlöslich ist und dementsprechend leicht durch Regenfälle aus dem Boden ausgespült werden kann. Das führt dazu, dass die Böden in Nord- und Mitteleuropa besonders jodarm sind und damit auch jodarme landwirtschaftliche Erzeugnisse hervorbringen.

Weltweit leben ca. 1,6 Milliarden Menschen mit Jodmangel, in Europa sind es zwischen 50 und 100 Millionen. Schweden, Finnland, Großbritannien und die Schweiz sind Länder, die eine ausreichende Jodversorgung für die Gesamtbevölkerung sicherstellen können. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass alle anderen europäischen Länder, auch Deutschland, dies nicht können und die Bürger dort selbst auf eine jodreiche Ernährung achten oder für Nahrungsergänzungsmittel sorgen müssen.

Wer ist am ehesten von Jodmangel betroffen?

Die Geographie ist also zumindest mitentscheidend für den Jodgehalt im Boden und damit für die Menge an Jod, die über die Nahrung aufgenommen werden kann. Nationen, in denen mehr Fisch gegessen wird, sind ebenso im Vorteil wie Länder, in denen Jod dem Trinkwasser zugesetzt wird (z. B. in Österreich).

Neben den geographischen Einflussfaktoren ist aber auch das Alter entscheidend. Obwohl der Jodbedarf nach dem 50. Lebensjahr leicht sinkt, sind es vor allem Menschen ab 50 Jahren, bei denen die Mangelerscheinungen zutage treten. Dies liegt daran, dass sich die merkbaren Auswirkungen des Mangels langsam und über einen langen Zeitraum entwickeln. Daher werden diese häufig erst registriert, wenn die Gesundheit schon einschneidend geschädigt ist. Forscher konnten jedoch nachweisen, dass die Auswirkungen von Jodmangel schon in der Jugend messbar sind. So hatten überdurchschnittlich viele Jugendliche mit geringem Jodgehalt im Körper Probleme mit dem Hören. Diese enge Verbindung zwischen Jodmangelversorgung und Schwerhörigkeit konnte in mehreren Studien nachgewiesen werden.

Wie kann man Jodmangel vorbeugen?

Die wichtigste Komponente ist die Ernährung. Die Meere enthalten ein Vielfaches an Jod verglichen mit Flüssen oder Seen. Meerestiere und Salzwasserfische sind damit die optimale Quelle für Jod. In der folgenden Tabelle sind die jodhaltigsten Lebensmittel aufgelistet:

LebensmittelJodgehalt in Mikrogramm pro 100gProzentsatz des empf. Tagesbedarfs
Fische und Meeresfrüchte:
Schellfisch243,0121,0 %
Kabeljau155,077,5 %
Krabben130,065,0 %
Garnelen130,065,0 %
Rotbarsch104,552,5 %
Hummer100,050,0 %
Scholle 52,026,0 %
Gemüse:
Brokkoli15,07,5 %
Spinat12,06,0 %
Grünkohl12,06,0 %
andere Lebensmittel:
Erdnüsse, geröstet14,07,0 %
Schweineleber14,07,0 %
Eier10,05,0 %
Rot-/Weißwein10,0–60,05,0–30,0 %
Schwarzer Tee11,05,5 %

Eine weitere gute Quelle für Jod ist Speisesalz. Dieses wird mit Jod angereichert. Sie erkennen es an dem Namenszusatz „jodiertes Speisesalz“. Dieses Salz enthält eine große Menge Jod.

Vorbeugung während der Schwangerschaft

Während und nach der Schwangerschaft haben Mutter und Kind einen erhöhten Jodbedarf. Bis zu 260 Mikrogramm werden täglich benötigt. Diese Menge ist alleine über die Nahrung kaum zu erreichen. Deswegen gibt es rezeptfrei in jeder Apotheke spezielle Jodtabletten, sogenannte Kaliumiodidtabletten. Diese beinhalten hochdosiertes Jod, das den Jodhaushalt der werdenden Mutter auffüllt.

Jodversorgung bei Vegetariern und Veganern

Auch für Vegetarier und Veganer kann eine ausreichende Jodversorgung schwierig sein, denn auf viele der Lebensmittel aus der oberen Tabelle verzichten sie. Auch in diesem Fall können die Betroffenen zu Jodtabletten greifen, allerdings bieten sich auch Lebensmittel wie Meeresalgen an. Diese weisen einen sehr hohen Jodanteil auf, sind rein pflanzlich und damit auch für Vegetarier und Veganer eine Möglichkeit zur Abdeckung ihres Jodbedarfs. Der Konsum sollte aber stark kontrolliert sein, denn durch den sehr hohen Jodanteil können schnell zu hohe Aufnahmemengen erreicht werden, die dann wiederrum zu gesundheitlichen Problemen wie einer Schilddrüsenüberfunktion führen können.

„Jodmangel ist ein weitverbreitetes Problem in Europa. Sichern Sie sich durch eine bewusste jodhaltige Ernährung gegenüber Mangelerscheinungen ab.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Die Symptome: Welche Beschwerden verursacht Jodmangel?

Bildung eines Kropfes (Struma)

Eine Folge von anhaltendem Jodmangel ist die Bildung eines Kropfes, einer sogenannten Struma. Jodmangel ist die häufigste Ursache für die Bildung dieses unschönen Wuchses am Hals. Ohne ausreichend Jod, kann die Schilddrüse nicht mehr genug Schilddrüsenhormone produzieren. Da der Körper aber auf diese Hormone angewiesen ist, muss das Defizit ausgeglichen werden. Dazu wächst die Schilddrüse und unterhalb des Kehlkopfes bildet sich der von außen gut sichtbare Kropf. Dies kann eine Weile dauern und vom Beteiligten unbemerkt geschehen, denn die vergrößerte Schilddrüse kann die benötigte Hormonmenge weiterhin produzieren und es kommt nicht direkt zu einer Schilddrüsenüber-- oder -unterfunktion.

Folgende Symptome gehen mit einer Kropfbildung einher:

  • Druckgefühl im Hals
  • Schluckbeschwerden
  • Zwang sich zu Räuspern
  • Atembeschwerden, Luftnot
  • Schwellung der unteren Halsregion
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Die Folge: Schilddrüsenüberfunktion

Durch die Vergrößerung der Schilddrüse kann sich nach Auffüllen des Jodhaushalts auch eine Schilddrüsenüberfunktion entwickeln. Die Liste der Symptome einer sogenannten Hyperthyreose ist sehr lang. Wichtig dabei ist, dass in den seltensten Fällen nur einzelne Symptome auftreten, die unterschiedlichen Anzeichen vom Patienten aber häufig nicht miteinander in Verbindung gebracht werden. Obwohl die Hyperthyreose nach Jodmangel in der Regel einen langfristig anhaltenden gesundheitsschädigenden Zustand darstellt, begeben sich daher viele Patienten erst bei wirklich starken Beeinträchtigungen in Behandlung.

In der folgenden Liste finden Sie die möglichen Symptome:

Detaillierte Informationen zur Bestimmung und Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion erhalten Sie in unserem ArtikelSchilddrüsenüberfunktion / Hyperthyreose – Symptome | Behandlung | Risiken“

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind in einigen Punkten das genaue Gegenteil der Symptome einer Überfunktion. Auch hier gilt aber, dass viele der Beschwerden nicht bemerkt, sondern als kurzfristige Leistungsschwäche, Auswirkungen des Wetters bzw. der Jahreszeit oder als Stresssymptom wahrgenommen werden. Erst bei mehreren gleichzeitig auftretenden Symptomen wird die Möglichkeit einer Erkrankung in Betracht gezogen.

Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind folgende:

Gut zu wissen!
In sehr seltenen Fällen kann eine Schilddrüsenunterfunktion sogar ein hypothyreotes Koma auslösen. Dieses Koma, auch Myxödemkoma genannt, entsteht durch jahrelangen Jodmangel und kann lebensbedrohlich sein. Es kommt allerdings nur selten vor, in Deutschland registrieren Behörden ca. 30 Fälle jährlich, Frauen sind dabei viermal häufiger betroffen als Männer.

Zusätzlich bieten wir Ihnen in unserem Artikel „Die Schilddrüse – Hormonproduktion für Stoffwechsel und Wachstum“ einen noch ausführlicheren Überblick über die Funktionen und weitere Krankheiten der Schilddrüse, wie beispielsweise Schilddrüsenautonomie, Morbus Basedow oder Hashimoto.

Welche dieser Symptome von Jodmangel haben Sie an sich selbst oder Menschen aus Ihrem engeren Umfeld bereits feststellen können? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an der Umfrage helfen Sie anderen Menschen dabei, auftretende Symptome besser einschätzen zu können.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose von Jodmangel

Auch für Mediziner ist die Diagnose eines Jodmangels nicht immer einfach. Oftmals gelangt der Mediziner bei der Diagnostik einer der obengenannten Schilddrüsenerkrankungen an den Punkt, an dem Jodmangel als ursächlich für die Schilddrüsenfehlproduktion vermutet wird.

Nach einem Anamnesegespräch werden die klinischen Symptome einer Schilddrüsenfehlfunktion überprüft. Dazu gehören:

  • die Untersuchung des Halsumfangs
  • eine Pulsfrequenzmessung zu Abklärung eines Bluthochdrucks/niedrigen Blutdrucks
  • die Untersuchung auf Muskelzucken

Laborwerte und bildgebende Verfahren

Im Anschluss daran werden in Laboruntersuchungen die Werte der Schilddrüsenhormone überprüft. Die erhöhten Hormone FT3, FT4 und TSH_st sind Anzeichen für eine Überfunktion; FT4 in Verbindung mit TT4 und TSH_b Anzeichen für eine Unterfunktion. Ihr Arzt kann den Jodhaushalt des Körpers regelmäßig überprüfen, so können auch langfristige Veränderungen registriert werden.

Weitere Möglichkeiten zur Diagnose umfassen die Ultraschalluntersuchung und Szintigraphien. Häufiger durchgeführt wird die Ultraschalluntersuchung, mit der die Größe der Schilddrüse überprüft werden kann. Eine vergrößerte Schilddrüse ist ein Anzeichen für eine Fehlfunktion.

Bei einer Szintigraphie wird dem Patienten leicht radioaktives Jod verabreicht. Dieses wird dann über eine spezielle Kamera im Körper sichtbar gemacht und verfolgt. Das ermöglicht einen Einblick in die Funktionsweise der Schilddrüse, da das Jod dort gelagert und verarbeitet wird.

Sobald sich ein Kropf bildet, lautet die Diagnose in den meisten Fällen Jodmangel. Wie weiter oben bereits angeschnitten, vergrößert sich die Schilddrüse, um auf den Jodmangel zu reagieren und bildet dabei eine sogenannte Struma (Kropf).

Fakten-Box – Jodmangel

  • Unterversorgung der Schilddrüse mit Jod
  • wird zur Hormonproduktion benötigt
  • Überangebot von Jod aber auch schädlich, kann zu Schilddrüsenüberfunktion führen

Mögliche Symptome

  • Kropfbildung
  • besonders starkes/schwaches Schwitzen
  • erhöhter/erniedrigter Herzschlag (Tachykardie/Bradykardie)
  • Muskelzittern (Tremor)
  • Nervosität
  • Müdigkeit
  • abnormale Gewichtzunahme bzw. Gewichtsabnahme

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung von Jodmangel

Im folgenden Abschnitt wird nur kurz auf die Behandlungsmöglichkeiten der genannten Schilddrüsenerkrankungen eingegangen. Detaillierte Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel „Die Schilddrüse – Hormonproduktion für Stoffwechsel und Wachstum“, der in aller Ausführlichkeit auf verschiedene Behandlungsmethoden bei allen unterschiedlichen Erkrankungen der Schilddrüse eingeht.

Behandlung eines Kropfes

Für die Behandlung eines Kropfes stehen drei Behandlungsmethoden zur Verfügung. Die Wahl richtet sich danach, wie groß der Kropf bereits ist und welche Probleme er verursacht:

  • Medikamente können die Funktion der Schilddrüse wieder normalisieren, somit wird das Wachstum der Schilddrüse gestoppt und die Bildung des Kropfes aufgehalten:
    • im Anfangsstadium reicht Jod alleine aus
    • alternativ Jod kombiniert mit Schilddrüsenhormonen
    • alleinige Gabe von Schilddrüsenhormonen (Levothyroxin, L-Thyroxin), nur noch selten
  • mithilfe einer Operation können Teile des Kropfes entfernt werden; häufig nur, wenn Luftnot oder gravierende Schluckbeschwerden auftreten
  • Radiojodtherapie: Bestrahlung des Kropfes mit radioaktivem Jod, dadurch wird überflüssiges Schilddrüsengewebe zerstört

Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Bei der Behandlung einer Hyperthyreose kann es schon helfen, die Jodaufnahme über die Nahrung zu verringern und damit die Schilddrüsentätigkeit einzuschränken. Mithilfe von Thyreostatikas kann der Hormonspiegel zusätzlich gesenkt werden. Das führt zu einem natürlichen Abbau der Schilddrüsenhormone, nimmt allerdings einige Zeit in Anspruch. Auch bei dieser Krankheit kann die Radiojodtherapie helfen, um das Schilddrüsengewebe zu verringern und damit zu einer Senkung der Hormonproduktion beizutragen.

Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Die einfachste Methode, um der Unterfunktion durch Hormonmangel zu begegnen, ist die zusätzliche Verabreichung des Hormons Thyroxin. Mithilfe von Hormontabletten wird dem Körper eine langsam steigende Dosis L-Thyroxin hinzugefügt. Dieses Medikament wird dann in der Schilddrüse zum körpereigenen Schilddrüsenhormon umgebaut und normalisiert mit der Zeit den Hormonhaushalt. Bei vorhandenem Jodmangel wird natürlich gleichzeitig auch zusätzliches Jod verabreicht, bis der Jodhaushalt ein normales Level erreicht.

Aktuelle Forschung – Jodmangel schadet dem Gehör

Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Jodmangel während der Schwangerschaft zu Entwicklungsproblemen eines Kindes führen kann, ist nicht neu und mittlerweile mehrfach belegt. Franco Scinicariello des Amerikanischen Seuchenschutzes „Center for Disease Control and Prevention“ hat in einer Studie untersucht, ob Jodmangelerscheinungen auch in späteren Entwicklungsphasen noch Auswirkungen auf Jugendliche haben. Dazu hat er mit seinem Team die Urinproben von fast 1200 Heranwachsenden ausgewertet.

Anhand dieser Urinproben und parallel dazu durchgeführten Hörtests versuchte er zu erforschen, ob anhaltender Jodmangel zu Anfangsstadien der Schwerhörigkeit führen kann. Jodmangel ist häufig ein langfristiges ernährungstechnisches Problem, was dazu führt, dass die Mangelernährung über einen langen Zeitraum anhält und die Entwicklung hemmt.

Das Ergebnis: Ein klares Ja

In den Untersuchungen kam heraus, dass Teenager mit niedrigen Jodanteilen im Urin nachweislich schlechter hören, als Heranwachsende mit einer ausreichenden Jodversorgung. Von Schwerhörigkeit kann allerdings keine Rede sein, denn wenn die Unterschiede auch messbar waren, so ist die gemessene Hörverschlechterung lediglich in den seltensten Fällen ein wirklicher Hörverlust oder eine merkbare Höreinschränkung.

Da die Versorgung des Körpers mit ausreichend Jod hauptsächlich von den Ernährungsgewohnheiten der Gesellschaft abhängt, sollte in bekannten Jodmangel-Gebieten ein besonderes Augenmerk auf die Nahrungsergänzung mit Jodtabletten oder eine bewusste Nahrungsumstellung hin zu einer höheren Jodaufnahme gelegt werden.
Quelle: Franco Scinicariello u. a. (2019): Jodmangel schadet dem Gehör. In: CME – Premium-Fortbildung für die medizinische Praxis, Volume 16 (3): S. 3.

Häufige Patientenfragen

Wieviel Jod nimmt ein Erwachsener normalerweise über die Nahrung auf?

Dr. Dr. T. Weigl
Durch die verschiedenen Essgewohnheiten ist es schwierig, allgemeingültige Aussagen darüber zu treffen. Schätzungsweise nimmt aber jeder Erwachsene ca. 100 Mikrogramm Jod am Tag zu sich. Zu einer Steigerung dieses Anteils empfiehlt sich viel frischer Fisch und der Umstieg auf Jodsalz zum Würzen.

Sind Seealgen ein gutes Mittel zur Jodversorgung?

Dr. Dr. T. Weigl
Ja, wobei Sie hier vorsichtig sein müssen. Der Jodgehalt einiger Seealgensorten ist so hoch, dass Sie selbst bei geringen Verzehrmengen den Tagesbedarf drastisch überschreiten. Kurzzeitig ist dies kein Problem, denn die Schilddrüse kann überschüssiges Jod einlagern. Über einen langen Zeitraum kann die hohe Jodaufnahme aber zu einer Überfunktion der Schilddrüse führen.

Warum wird dem Leitungswasser in Deutschland kein Jod zugeführt?

Dr. Dr. T. Weigl
In einigen europäischen Ländern, beispielsweise Österreich, wird dem Leitungswasser Jod zugesetzt. In unserem Nachbarland Österreich wurde als Folge dieser Maßnahme eine erhöhte Anzahl von Entzündungen der Schilddrüse registriert. Diese sogenannte Hashimoto-Thyreoditis kommt in Ländern, die ihrem Leitungswasser kein Jod zuführen, deutlich seltener vor.

Mein Arzt hat mich vor zu viel Salz gewarnt, wie kann ich trotzdem mehr Jod zu mir nehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Wenn Sie aus medizinischen Gründen (Herz- oder Nierenerkrankungen) auf Salz verzichten sollen, können Sie auf jodierte Kochsalzersatzmittel zurückgreifen. Der Verzehr von Salzwasserfisch ist ebenfalls eine empfehlenswerte Quelle für mehr Jod, die weitere positive Eigenschaften wie beispielsweise besonders viele Omega-3-Fettsäuren beinhaltet.

Typisches Patientenbeispiel

„Auch das noch!“ Kurz vor der wichtigen Präsentation fängt Lena an zu zittern. Mittlerweile hat sie sich schon fast daran gewöhnt, dass ihr Körper sie aktuell etwas im Stich lässt, aber viel unpassender hätte der Zeitpunkt nicht sein können. „Vielleicht ist es einfach die Nervosität“, denkt sie, spürt aber, dass das nicht alles sein kann. In letzter Zeit fühlt sie immer häufiger, dass ihr Körper nicht hundertprozentig fit ist. Ihr ist oft auch in geheizten Räumen kalt, sie hat nie Appetit, trotzdem zugenommen und sie kommt morgens kaum aus dem Bett.

Abends erzählt sie ihrem Freund Thomas davon und er rät ihr nun zum wohl zwanzigsten Mal, endlich zum Arzt zu gehen. Sie blockt aber ab, aktuell kann sie sich das beruflich nicht erlauben und hat in letzter Zeit sowieso schon zwei Mal wegen einer Erkältung gefehlt. Wenige Tage später ist es dann doch soweit. Sie liegt mal wieder flach und sitzt gerade beim Arzt im Wartezimmer, um sich eine Krankmeldung ausstellen zu lassen.

Auffällige Zufälle

Nachdem Lena ihrem Arzt, Dr. Hauptmann, von ihrer Erkältung berichtet, wird dieser stutzig. „Sie waren doch vor ein paar Wochen erst da. Haben Sie sich denn nicht geschont?“ Er wirft einen Blick in ihre Patientenakte und stellt ihr dann ein paar Fragen zu ihrer generellen Gesundheit in der letzten Zeit. Als er mit erschreckender Genauigkeit einige von Lenas Symptomen abfragt, wird ihr flau im Magen: „Was bedeutet das? Bin ich etwa schlimmer krank?“ Dr. Hauptmann antwortet ihr: „Ich vermute, dass Sie an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden. Dafür werden wir jetzt einige Tests durchführen. Die Werte verraten mir dann, ob Ihre Schilddrüse richtig arbeitet.“

Wenige Tage später erfährt Lena das Ergebnis. Es ist tatsächlich eine Schilddrüsenunterfunktion, ausgelöst durch Jodmangel. Glücklicherweise hat Dr. Hauptmann richtig reagiert und Lena befindet sich noch in einem frühen Stadium. Sie muss jetzt allerdings jeden Morgen Jodtabletten einnehmen, damit sich ihr Jodhaushalt wieder auffüllt. Zusätzlich hat sie ihrem Freund Thomas versprochen, ab jetzt auch häufiger frischen Fisch zu essen, der hat schließlich auch einen hohen Jodanteil.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl und Timo Hülsmann
Lektorat: Clara Spottke
Veröffentlicht: 26.02.2020

Quellen

  • Amboss Medizinerwissen (2019): Jodmangel. In: amboss.com.
  • Amboss Medizinerwissen (2019): Schilddrüse. In: amboss.com.
  • Roland Gärtner (1998): Vom Jodmangel zur Struma – Pathophysiologie der Jodmangelstruma. In: Der Internist, Volume 39, Issue 6: S. 566–573.
  • Roland Gärtner (2006): Immer noch Jodmangel in Deutschland. In: MMW – Fortschritte der Medizin. Volume 149, Issue 8: S. 28–32.
  • K. Alexander Iwen u. a. (2018): Schilddrüse und Schwangerschaft. In: Der Internist, Issue 59: S. 654–660.
  • Peter Leiner (2014): Hypothyreose richtig therapieren!. In: CME: Premium-Fortbildung für die medizinische Praxis, Volume 11, Issue 7: S. 18.
  • Klaus-Dieter Palitzsch (2008): Prävention und multimodale Therapie der Hyperthyreose. In: Der Internist, Volume 49, Issue 12: S. 1428–1436.
  • Matthias Schott (2013): Hyperthyreose. In: Der Internist, Volume 54, Issue 3: S. 315–327.
  • Franco Scinicariello u. a. (2019): Jodmangel schadet dem Gehör. In: CME – Premium-Fortbildung für die medizinische Praxis, Volume 16, Issue 3: S. 3.
[Gesamt: 3   Durchschnitt:  5/5]

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