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Hashimoto-Thyreoiditis – Autoimmunerkrankung ohne Heilung?

Auf einen Blick: Hashimoto-Thyreoiditis

  • Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt
  • Zerstörung des Schilddrüsengewebes durch ein fehlgeleitetes Immunsystem
  • führt auf Dauer zu einer Schilddrüsenunterfunktion

Wer bekommt eine Hashimoto-Thyreoiditis?

  • genetische Faktoren und Umwelteinflüsse verantwortlich
  • überwiegend Frauen (Verhältnis etwa 9-15:1) betroffen
  • hauptsächlich zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr
  • insgesamt ca. 4. Millionen Betroffene in Deutschland

Symptome (Auszug)

  • anfangs Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion
  • in späterem Stadium dann ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion
  • Gewichtszunahme
  • Kropfbildung
  • Verstopfung
  • erhöhte Kälteempfindlichkeit
  • Haarausfall

Behandlung (Auszug)

  • Hashimoto-Thyreoiditis kann nicht behandelt werden
  • Symptome der Schilddrüsenfehlfunktion werden behandelt
  • lebenslange Hormonsubstitution mit L-Thyroxin
  • regelmäßige Kontrolle der Blutwerte

Tipps

  • eine Überdosierung mit Jod kann diese Erkrankung ebenfalls auslösen
  • in sehr seltenen Fällen wird die entzündete Schilddrüse bei einer Operation entfernt

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

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Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Autoimmunerkrankungen sind für die Betroffenen keine einfache Diagnose. Wenn das eigene Immunsystem gegen gesunde Zellen vorgeht, ist man als Patient häufig machtlos. So auch bei der chronischen Schilddrüsenentzündung Hashimoto-Thyreoiditis. Hinter dem komplizierten Namen versteckt sich eine Abwehrreaktion des Immunsystems gegen die eigene Schilddrüse. Frauen sind davon wesentlich häufiger betroffen als Männer, insbesondere zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.

Die Entdeckung der Krankheit stellt sich oft sehr schwierig dar. Die lange Liste der Symptome passt auch zu vielen anderen Krankheiten und wird bei Frauen oftmals als bloße Wechseljahresbeschwerden abgetan. Sie kann nicht behandelt werden, lediglich die Symptome der daraus folgenden Schilddrüsenunterfunktion werden ein Leben lang mit Ersatzhormonen behandelt.

Lesen Sie in diesem Artikel alles über die Ursachen und die Auswirkungen der Krankheit. Erfahren Sie außerdem, warum diese Krankheit als unheilbar gilt und trotzdem effektive Gegenmaßnahmen existieren, die den Umgang mit einer Hashimoto-Thyreoiditis erträglich machen.

Was ist eine Hashimoto-Thyreoiditis?

Der Schilddrüse kommt in Ihrem Körper eine lebenswichtige Aufgabe zu. Sie produziert Hormone, die den Stoffwechsel und das Wachstum des Körpers regeln. Funktionseinschränkungen der Schilddrüse sorgen dafür, dass viele Vorgänge im Körper nicht mehr ausreichend versorgt werden und dadurch unterbrochen oder sogar ganz ausgesetzt werden. Jodmangel oder angeborene Unter- bzw. Überfunktionen der Schilddrüse sind in den meisten Fällen ursächlich für diese Funktionsstörungen.

Autoimmune Entzündung der Schilddrüse

Eine weitere Erkrankung der Schilddrüse ist die Hashimoto-Thyreoiditis. Der Begriff Thyreoiditis beschreibt eine Schilddrüsenentzündung. Diese existiert in verschiedenen Formen und kann mehrere Ursachen haben. Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Entzündung der Schilddrüse, ausgelöst durch eine Autoimmunreaktion Ihres Körpers. Eine Autoimmunreaktion passiert in Fällen, in denen Ihr Immunsystem fälschlicherweise annimmt, dass gesunde Zellen des Organismus gefährlich für Ihren Körper sind und es anfängt, diese zu attackieren.

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Eine Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Form einer Schilddrüsenentzündung und auch der häufigste Auslöser einer Schilddrüsenunterfunktion (‚Hypothyreose‘).  Die genauen Ursachen hinter dieser Krankheit sind allerdings noch nicht abschließend erforscht, Mediziner vermuten hauptsächlich genetische Faktoren, die das Immunsystem und die Schilddrüse beeinflussen, zusätzlich können Umwelteinflüsse entscheidend sein.

Ursachen für eine Hashimoto-Thyreoiditis

Die genauen Ursachen für eine Hashimoto-Thyreoiditis konnten von der Forschung noch nicht vollends belegt werden. Die aktuelle Lehrmeinung basiert auf einer Kombination aus genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen.

Genetische Faktoren

Die genetischen Faktoren beeinflussen dabei immunregulatorische Gene, greifen also in die Funktion des körpereigenen Immunsystems ein. Zusätzlich könnten auch schilddrüsenspezifische Gene ursächlich für die Veranlagung zu einer Hashimoto-Erkrankung sein. Diese Faktoren machen ca. 60-70 % der untersuchten Hashimoto-Fälle aus.

Umwelteinflüsse

Die anderen 30-40 % basieren auf Umwelteinflüssen und der Lebensweise der Patienten. Folgende Einflüsse haben dabei einen Einfluss auf die Erkrankung:

Um die Auswirkungen dieser Einflüsse auch bei bestehender Krankheit möglichst gering zu halten, müssen Hashimoto-Patienten ihre Ernährungsgewohnheiten häufig umstellen und beispielsweise auf Zucker, Alkoholkonsum oder Nikotinprodukte verzichten.

In frühen Stadien einer Hashimoto-Thyreoiditis kann es zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommen. In folgendem Video stellt Ihnen Dr. Dr. Tobias Weigl diese Erkrankung vor und verrät Ihnen, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

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https://www.youtube.com/watch?v=5ezCweuRfeg&feature=youtu.be

Die Symptome: Welche Beschwerden verursacht eine Hashimoto-Thyreoiditis?

Die Liste der möglichen Symptome bei einer Hashimoto-Thyreoiditis ist sehr lang und vielseitig. Das liegt am individuellen Aufbau des Immunsystems jedes Menschen. Zwei Personen können auf die gleichen Einflüsse vollkommen unterschiedlich reagieren. Ähnlich verhält es sich auch mit verschiedenen Formen der Hashimoto-Thyreoiditis. Nicht jedes der hier beschriebenen Symptome zeigt sich bei jedem Patienten, einige sogar nur äußerst selten.

Dazu kommt, dass viele der Symptome erst in einem späten Stadium der Erkrankung auftreten, wenn zuerst eine Schilddrüsenüberfunktion (‚Hyperthyreose‘) einsetzt, die dann aber im Verlauf der Zeit in eine Schilddrüsenunterfunktion (‚Hypothyreose‘) übergeht. Das Immunsystem zerstört bei einer Hashimoto-Erkrankung das vermeintlich kranke Schilddrüsengewebe. Um diesen Verlust in der Hormonproduktion auszugleichen, wächst die Schilddrüse an. Das führt zu einer Überfunktion, die aber mit fortschreitender Zerstörung des Schilddrüsengewebes umgekehrt wird in eine Unterfunktion. Deswegen ist auch die Liste der möglichen Symptome unterteilt in die möglichen Symptome der anfänglichen Hyperthyreose und der anschließenden Hypothyreose.

Schilddrüsenüberfunktion (‚Hyperthyreose‘):

Schilddrüsenunterfunktion ‚Hypothyreose‘):

  • unerklärbare, starke Gewichtszunahme
  • Verdauungsstörungen (Verstopfung)
  • Übelkeit
  • verlangsamter Herzschlag (‚Bradykardie‘)
  • Herzvergrößerung
  • niedrige Körpertemperatur
  • erhöhte Kälteempfindlichkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Müdigkeit
  • depressive Verstimmungen
  • Muskelschwäche
  • Muskelverhärtung
  • Strumabildung
  • Kloß im Hals
  • Strangulationsgefühl
  • heisere Stimme
  • häufiges Räuspern
  • trockene Haut
  • Haarausfall
  • verringerte Libido
  • Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisstörungen

In den meisten Fällen nehmen die Erkrankungen einen leichten Verlauf, schwere Ausprägungen sind selten und können mit der richtigen Behandlung ebenfalls kontrolliert werden.

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Gut zu wissen!

In seltenen Fällen kann es zu einer Hashimoto-Enzephalopathie kommen. Dabei kommt es neben den Thyreoiditis-Symptomen noch zu einer Reihe neurologischer Symptome wie Sprachstörungen, Zittern (Tremor), Gangunsicherheiten durch Schwindel, Krampfanfälle oder sogar psychiatrische Symptome wir Psychosen oder Sehstörungen (Halluzinationen).

Wer ist am ehesten betroffen von einer Hashimoto-Thyreoiditis?

Weiter oben wurde schon erwähnt, dass das Auftreten einer Hashimoto-Thyreoiditis auch vom Alter und insbesondere dem Geschlecht beeinflusst wird. Sie tritt hauptsächlich zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf. Angeborene Formen der Krankheit sind nicht bekannt, sie entwickelt sich bei allen Patienten erst im Laufe Ihres Lebens.

Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer. Die Wissenschaft schätzt, dass Frauen ca.  neun- bis fünfzehnmal häufiger erkranken als Männer. Dies wird auf die unterschiedliche Zusammensetzung der Immunsysteme der jeweiligen Geschlechter zurückgeführt. Zusätzlich sollen Östrogene verstärkend auf diese Erkrankung wirken, während das vorwiegend männliche Testosteron und Progesteron die Entstehung der Krankheit hemmen sollen.

Besonders häufig tritt diese Erkrankung in Verbindung mit weiteren Autoimmunerkrankungen auf. Viele Patienten, die an der Zuckerkrankheit (‚Diabetes mellitus Typ 1‘) oder an Morbus Addison leiden, einer Erkrankung der Nebennierenrinde, weisen ein erhöhtes Risiko für eine Hashimoto-Thyreoiditis auf.

Hashimoto in Deutschland

In Deutschland wird die Zahl der Hashimoto-Erkrankten auf mindestens 4 Millionen Menschen geschätzt. Diese Zahl ist sehr hoch, basiert aber darauf, dass ca. 5 % der Menschen erhöhte Werte aufweisen. Dies endet nicht zwangsläufig in einer Hashimoto-Thyreoiditis; wobei die tatsächliche Erkrankung in vielen Fällen gar nicht diagnostiziert wird. Warum das so ist, lesen Sie im nächsten Kapitel.

Sind sie selber an Hashimoto-Thyreoiditis erkrankt? Welche dieser Symptome haben Sie im späteren Krankheitsstadium davon überzeugt, einen Arzt aufzusuchen? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an der Umfrage helfen Sie anderen Menschen dabei, auftretende Symptome besser einschätzen zu können.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose einer Hashimoto-Thyreoiditis

Die Diagnose einer Hashimoto-Thyreoiditis ist in einem frühen Stadium schwierig. Häufig sind die Symptome nicht aussagekräftig genug, um auf Hashimoto oder generell eine Schilddrüsenerkrankung zu schließen. Zu Beginn steht deshalb häufig erst einmal das Gespräch mit Ihrem Hausarzt oder Endokrinologen. Dieses sogenannte Anamnese-Gespräch dient Ihrem Arzt dazu, Ihre Beschwerden herauszufinden und bereits erste Informationen über die Art Ihrer Erkrankung zu erhalten. Mögliche Fragen in einem Anamnese-Gespräch zur Abklärung einer Schilddrüsenerkrankung drehen sich häufig um Vorerkrankungen der Familie, da Fehlfunktionen der Schilddrüse oftmals vererbt werden und angeboren sind. Zum Ausschluss einer Schilddrüsenfehlfunktion dienen diese oder ähnliche Fragen:

  • Gibt/Gab es in Ihrer Familie bereits Schilddrüsenerkrankungen?
  • Sind in Ihrer Familie bereits andere Erbkrankheiten vorgekommen?
  • Haben sie unerklärliche Veränderungen Ihres Gewichts wahrgenommen?
  • Haben Sie Veränderungen der Haut wahrgenommen?
  • Schwitzen Sie stärker/schwächer als gewöhnlich?
  • Haben Sie Veränderungen Ihres Pulses wahrgenommen?
  • Welche Medikamente nehmen Sie zurzeit ein?

Körperliche Untersuchung

Im Anschluss an das Anamnese-Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei kontrolliert Ihr Arzt Ihren Hals auf Verformungen der Schilddrüse. Oftmals wächst diese im Verlauf einer Schilddrüsenunterfunktion an und es kommt zur charakteristischen Bildung eines Kropfes, die von außen ertastbar ist. Zusätzlich wird kontrolliert, ob Sie einen niedrigen Blutdruck oder trockene Hautstellen aufweisen.

Veränderungen sind auch sichtbar

Zusätzlich kann Ihr Arzt bei der Untersuchung auf bildgebende Verfahren zur Diagnose zurückgreifen. Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenunterfunktion bieten sich Ultraschalluntersuchungen und Szintigrafien an. Dadurch können die Größe und Funktion der Schilddrüse sichtbar gemacht werden. Die Hashimoto-Thyreoiditis kann damit allerdings nicht diagnostiziert werden. Dafür muss das Labor Ihre Blutwerte bestimmen.

Wirkliche Sicherheit liefern nur Blutuntersuchungen

Während die Vergrößerung der Schilddrüse lediglich Rückschlüsse auf eine Unterfunktion liefern kann, ist Hashimoto nur durch die Antikörperwerte im Blut verlässlich bestimmbar. Dafür überprüft das Labor die Schilddrüsenantikörper thyreoidale Peroxidase (‚TPO‘) und Thyreoglobin (‚TG-AK‘). Sind diese Werte erhöht, gilt eine Hashimoto-Thyreoiditis als nachgewiesen. Zur Absicherung anderer Krankheiten werden im Labor immer auch weitere Werte bestimmt, diese sind aber für die Diagnose einer Hashimoto-Erkrankung nicht relevant.

Fakten-Box

Hashimoto-Thyreoiditis

  • Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt
  • Zerstörung des Schilddrüsengewebes durch ein fehlgeleitetes Immunsystem
  • führt auf Dauer zu einer Schilddrüsenunterfunktion
  • genetische Faktoren und Umwelteinflüsse verantwortlich
  • überwiegend Frauen (Verhältnis etwa 9-15:1) betroffen
  • hauptsächlich zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr
  • insgesamt ca. 4. Millionen Betroffene in Deutschland

Mögliche Symptome (Auszug)

  • Schwankungen des Gewichts
  • Herzrhythmusstörungen
  • Depressive Verstimmungen
  • Temperaturempfindlichkeit
  • Haarausfall
  • verlangsamter Herzschlag (Bradykardie)
  • vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)
  • schnelle Erschöpfung
  • Verstopfung (Obstipation)
„Eine Hashimoto-Thyreoiditis ist nicht behandelbar. Lediglich die Folgen dieser Erkrankung können mit Medikamenten therapiert werden. Das ermöglicht dann oftmals ein fast beschwerdefreies Leben.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung von einer Hashimoto-Thyreoiditis

Eine Hashimoto-Thyreoiditis wird nicht ursächlich behandelt. Lediglich die Auswirkungen der Schilddrüsenunterfunktion, die sich im Verlauf der Erkrankung entwickelt, werden behandelt. Dafür erhalten Sie Medikamente, die den Ausfall in der Produktion der Schilddrüsenhormone ausgleichen. In der Regel wird dafür Levothyroxin (‚L-Thyroxin‘) verschrieben.

Dieses Ersatzhormon ersetzt dabei die Hormone T4 (‚Thyroxin‘) und bei Bedarf auch das Hormon T3 (‚Triiodthyronin‘). Damit wird sichergestellt, dass der Stoffwechsel im Körper weiterhin mit diesen Hormonen versorgt wird. Dieser Vorgang nennt sich Hormonsubstituierung. In einigen Fällen sind die Symptome einer Unterfunktion nicht schwerwiegend genug, um diesen Eingriff in den Hormonhaushalt zu rechtfertigen. Dann wird regelmäßig überprüft, ob sich die Werte verschlechtern, auf eine Medikamentengabe aber vorläufig verzichtet.

Lebenslange Kontrollen der Schilddrüsenwerte

Das liegt daran, dass der Einsatz von L-Thyroxin nicht ganz ungefährlich ist. Die Dosierung muss zuerst langsam an den Körper angepasst und bei weiterhin nachlassender Schilddrüsenleistung auch kontinuierlich überprüft werden. In der Wissenschaft ist die Wirkung von L-Thyroxin nicht gänzlich akzeptiert, demgegenüber stehen zusätzlich Risiken, wie beispielsweise ein höheres Risiko für Komplikationen (Arrhythmien und Osteoporose).

Auch andere Schilddrüsenparameter müssen lebenslang kontrolliert werden. Da die T4-Produktion im Alter abfällt, müssen die Blutwerte (TSH, TPO, TG-AK) regelmäßig kontrolliert werden. Diese Blutwertkontrollen finden in der Regel viertel- oder halbjährlich statt.

Ernährungsumstellung bei Hashimoto-Thyreoiditis

In der modernen Wissenschaft ist keine spezielle Ernährungsumstellung bekannt, die bei einer Hashimoto-Thyreoiditis helfen kann. Trotzdem können oben bereits erwähnte Inhaltsstoffe der Nahrung einen positiven Einfluss auf die Erkrankung haben. Selen, Eisen, Zink, Vitamin D3, Coenzym Q10 oder Omega 3-Fettsäuren sind wertvolle Inhaltsstoffe und sollten vermehrt über die Nahrung aufgenommen werden. Nahrungsergänzungsmittel sind in der Regel aber nicht nötig. Eine ausgewogene Ernährung aus Fleisch, Fisch, Vollkornprodukten und verschiedenen Gemüsesorten versorgt Sie mit allen Stoffen, die Ihr Körper benötigt.

Aktuelle Forschung – Hashimoto-Thyreoiditis als Risikofaktor für Schilddrüsenkrebs

Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion. Dass diese Krankheit aber auch das Risiko für andere Erkrankungen erhöht, hat jetzt ein internationales Forscherteam, koordiniert von Nelson Silva de Morais, nachgewiesen.

In einer Kohortenstudie wurden zwischen 1995 und 2017 über 10.000 Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis daraufhin untersucht, ob sie eine erhöhte Wahrscheinlichkeit aufweisen, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Das Ziel war, eine Verbindung zwischen einer Entzündung der Schilddrüse und möglichen Krebserkrankungen feststellen zu können.

Bestätigung einer lange gehegten Vermutung

Diese Verbindung wurde in der Studie bestätigt. Die Teilnehmer wiesen unabhängig vom Alter oder anderen Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs auf. Die Forscher begründen dies in der dauerhaften Entzündung, die die Zellen der Schilddrüse atypisch verändert. Diese zeigen in einigen Fällen erstaunliche Ähnlichkeiten zu den Krebszellen, die typischerweise Schilddrüsenkrebs auslösen.

Abschließend raten die Forscher zu einem angepassten ärztlichen Vorgehen und häufigeren Vorsorgeuntersuchungen bei bestehender Hashimoto-Thyreoiditis. Um diese Ergebnisse aber abschließend verifizieren zu können, sind weitere großflächigere Studien nötig, in denen sich das Ergebnis bestätigt.

Quelle: Stephanie A. Fish (2019): Hashimoto’s Thyroiditis Is a Risk Factor for Thyroid Cancer. In: Clinical Thyroidology 31/8, S: 333-335.

Häufige Patientenfragen

Ich habe gehört, dass eine Hashimoto-Erkrankung auch nach einer Schwangerschaft auftreten kann, stimmt das?

Dr. Dr. T. Weigl
Ja, innerhalb von drei bis sechs Monaten nach der Entbindung kann es dazu kommen, dass sich Ihre Schilddrüse entzündet. Dies geschieht bei etwa 5 % aller Neu-Mütter, bei Patientinnen mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), häufiger. Diese Erkrankung legt sich in der Regel innerhalb von einem Jahr, muss in der Zeit aber genauso behandelt werden wie eine herkömmliche Hashimoto-Thyreoiditis, d.h. mit Betablockern bei einer Überfunktion und Levothyroxin bei einer Unterfunktion.

Muss ich bei einer Erkrankung mit Hashimoto-Thyreoiditis ein Leben lang Medikamente einnehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Ja, da die Auswirkungen dieser Erkrankung nach aktuellem Stand der Medizin nicht umkehrbar oder behebbar sind, müssen Sie für den Rest Ihres Lebens Medikamente einnehmen. Dies wirkt sich allerdings nicht auf Ihre Lebenserwartung aus und bei richtiger Dosierung besteht keinerlei Einschränkung ihres Alltags, abgesehen von regelmäßigen Bluttests etwa zwei bis vier Mal im Jahr.

Können Menstruationsprobleme mit einer Hashimoto-Thyreoiditis zusammenhängen?

Dr. Dr. T. Weigl
Ja, Hashimoto löst über kurz oder lang eine Schilddrüsenunterfunktion aus, die sich dann durch die verringerte Hormonproduktion auch auf Ihre Menstruation auswirkt. Sie können bemerken, dass Ihre Zyklen sich verlängern oder sogar ganz ausbleiben. Diese Störungen normalisieren sich allerdings, sobald Ihr Hormonhaushalt mittels Medikamenten wieder in den Normalzustand gebracht wurde.

Wie finde ich heraus, ob ich selbst von einer Schilddrüsenerkrankung betroffen bin?

Dr. Dr. T. Weigl
Falls Sie selbst einige der obengenannten Symptome an sich beobachten können, gibt es einen kurzen Selbsttest, der Ihnen bei einer möglichen Diagnose hilft. Dieser Test sollte allerdings auf keinem Fall den Besuch beim Arzt ersetzen. Nur ein Test der Blutwerte im Labor lässt zuverlässige Rückschlüsse über Ihren aktuellen Gesundheitszustand zu. Es existieren unterschiedliche Tests, doch diese acht Fragen vermitteln Ihnen vorsorglich einen guten Eindruck davon, ob ein Besuch beim Arzt notwendig sein könnte:

  • Sind Sie sich häufig müde und erschöpft?
  • Erleben Sie oft Konzentrationsschwierigkeiten?
  • Haben Sie ohne erkennbaren Grund stark an Gewicht zugenommen?
  • Leiden Sie an schuppender, trockener Haut und glanzlosem, dünnem Haar?
  • Haben Sie vermehrt Probleme mit der Verdauung? Leiden Sie häufig an Verstopfung?
  • Ist Ihnen schnell zu kalt, frieren Sie auch bei Raumtemperatur?
  • Fühlen Sie sich häufig etwas niedergeschlagen oder traurig? Leiden Sie unter depressiven Verstimmungen?
  • Haben Sie ein Engegefühl im Halsbereich? Fühlen Sie selbst von außen Veränderungen des Halses?

Typisches Patientenbeispiel

Aktuell hat Manuela keinen Spaß an ihrer Arbeit. Obwohl sie eigentlich immer gerne als Postbotin gearbeitet hat, fällt es ihr morgens zunehmend schwer, das Bett zu verlassen. Sie fühlt sich ausgelaugt, antriebslos und während sie früher stundenlang mit dem Fahrrad von Tür zu Tür fahren konnte, merkt sie jetzt schon auf der Hälfte ihrer Route, wie ihr die Beine schwer werden.

„Das kann doch nicht einfach das Alter sein“, dachte sie sich schon vor Wochen, doch ein Besuch bei ihrem Hausarzt brachte keinen Aufschluss: „Das sind Symptome der Wechseljahre, Frau Kramer.“ Doch mit dieser Aussage wollte sie sich nicht zufriedengeben. Sie erhält einen Termin bei ihrem Endokrinologen Dr. Hilbert und sitzt einige Tage später in seinem Behandlungszimmer.

Schwere Diagnose

Auch Dr. Hilbert kann ihr auf den ersten Blick wenig weiterhelfen. Viele seiner Fragen zu bestimmten Symptomen musste sie bereits beim Hausarzt beantworten und verneinen, auch das Abtasten ihres Halses bringt die beiden einer Diagnose nicht näher. Als Dr. Hilbert dann aber auffällt, dass Manuela offenbar Probleme mit den Stimmbändern hat und sich auffällig oft Räuspern muss, entschließt er sich zu einer Ultraschalluntersuchung. Dort erkennt er, dass die Schilddrüse der Patientin angewachsen ist. Von außen nicht ertastbar, scheint sie sich unbemerkt vergrößert zu haben.

Die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion liegt nahe. Erst als Manuela erwähnt, dass sie in den letzten Monaten starken Gewichtsschwankungen unterlegen war, erkennt Dr. Hilbert, dass die Schilddrüsenunterfunktion eventuell nur das Symptom einer anderen Erkrankung ist. Schnell nimmt er seiner Patientin etwas Blut ab und bestellt sie für einige Tage später wieder in die Praxis.

Des Rätsels Lösung

„Sie leiden an Hashimoto“, eröffnet Dr. Hilbert Manuela. „Das ist eine Erkrankung der Schilddrüse, bei der das Immunsystem die eigenen gesunden Zellen fälschlicherweise angreift. Das führt zu einer Unterfunktion der Schilddrüse und damit fehlen Ihrem Körper wichtige Hormone.“ Manuela schwankt zwischen Erleichterung und Angst. Einerseits hat sie jetzt eine richtige Diagnose, andererseits klingt das gefährlich. „Machen Sie sich keine Sorgen, das bekommen wir mit Tabletten in den Griff. Sie bekommen ein Ersatzpräparat, das die Hormone enthält, die Ihre Schilddrüse nicht mehr produziert.“ Jetzt fällt die Angst von Manuela ab. Sie wird wieder gesund und kann schon bald wieder fest im Sattel sitzen und die Post austragen.

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Haben Sie Erfahrungen mit einer Hashimoto-Thyreoiditis? Möchten Sie sich bei uns über weitere Schilddrüsenerkrankungen erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich untereinander auszutauschen!

 

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Timo Hülsmann
Lektorat: Christopher Keck
Veröffentlicht am: 03.03.2020

Quellen

  • Amboss Medizinerwissen (2019): Hashimoto-Thyreoiditis. In: amboss.com.
  • Amboss Medizinerwissen (2019): Hypothyreose. In: amboss.com.
  • Meinhard Classen u. a. (2009): Innere Medizin, 6. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer Verlag.
  • Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (2019): Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis). In: endokrinologie.net
  • Heike Fink, Gerhard Hintze (2010): Die Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis): aktuelle Diagnostik und Therapie. In: Medizinische Klinik, 105/7, S: 485-493.
  • Stephanie A. Fish (2019): Hashimoto’s Thyroiditis Is a Risk Factor for Thyroid Cancer. In: Clinical Thyroidology 31/8, S: 333-335.
  • Eva Petnehazy, Wolfgang Buchinger (2019): Hashimoto Thyreoiditis, therapeutische Optionen und extrathyreoidale Assoziationen – ein aktueller Ausblick. In: Wiener Medizinische Wochenschrift 163/1.
  • Jeannine Schübel u. a. (2017): DEGAM-Leitlinie (S2k) – Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis. Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. In: awmf.org.
  • Stefan Wirth (2012): Handlungsempfehlung nach der Leitlinie Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis). In: Monatsschrift Kinderheilkunde 2012 160/8, S: 782-783.
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