Sign up with your email address to be the first to know about new products, VIP offers, blog features & more.

Gastrointestinale Blutungen – Blutungen in Speiseröhre, Magen und Darm

Zu den häufigste Ursachen für Magen- und Darmblutungen zählen Geschwüre. Diese lassen sich in der Regel mittels einer Endoskopie stillen. Mitunter kann eine Blutung im Bereich von Speiseröhre, Magen und Darm, also im gesamten Verdauungstrakt, auch auf schwerwiegende Erkrankungen wie Krebs hinweisen, die dann eine spezifische Therapie erfordern.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Der Begriff gastrointestinale Blutung umfasst alle Blutungen, zu denen es im Bereich des Verdauungstrakts kommen kann. Abhängig davon, wo sich die Blutung befindet, kommt es symptomatisch bspw. zu Kreislaufinstabilität, blutigem Erbrechen (sog. ‚Hämatemesis‘) oder Teerstuhl (sog. ‚Meläna‘), also dunkelblutiger Darmausscheidung. Man unterscheidet je nach Lokalisation grundlegend zwischen einer oberen und einer unteren gastrointestinalen Blutung. Während im oberen Bereich in den meisten Fällen Geschwüre von Magen oder Zwölffingerdarm Blutungen verursachen, ist im unteren Bereich meist eine Divertikulose, also eine Ausstülpung des Darms, für die Blutung verantwortlich. Die Ausstülpung führt zur Bildung einzelner Divertikel. Im Rahmen der Diagnose und der Therapie ist ein stationärer Krankenhausaufenthalt unabdingbar. Denn nur so kann gewährleistet werden, dass Schocksymptomatik infolge von zu viel Blutverlust zeitnah behandelt werden kann.

Sibylle hat es noch bis ins Bad geschafft, aber der Toilettendeckel war dann doch zu weit entfernt. Schwallartig übergibt sie sich in die näher gelegene Badewanne, würgt noch ein paar Mal und wischt sich dann die Tränen aus den Augen. Sie kann nicht einordnen, warum sie sich so plötzlich übergeben musste. Allerdings ist ihr noch weniger klar, warum das Erbrochene so dunkelrot bis teilweise schwärzlich aussieht. Ist das Blut? Ohne weiter nachzudenken packt sie ihre Sachen und macht sich auf in Richtung Hausarzt.

Was sind gastrointestinale Blutungen? Wie werden sie unterteilt?

Gastrointestinale Blutungen beschreiben einen bisweilen massiven Blutabgang aus dem Verdauungstrakt, der sich je nach Lokalisation unterschiedlich äußert. Ist die Blutung bspw. im Bereich des Magens zu finden, so kommt es in der Regel zu blutigem Erbrechen (sog. ‚Hämatemesis‘). Aufgrund seines Erscheinungsbildes wird eine Hämatemesis auch „Kaffeesatzerbrechen“ genannt. Ist die Blutung hingegen bspw. eher im Bereich des Dickdarms zu finden, kann der ausgeschiedene Stuhl frisches Blut enthalten (sog. ‚Hämatochezie‘) oder mit einem blutigen Film behaftet sein.

Man unterscheidet bei derlei Blutungen zwischen oberen und unteren gastrointestinalen Blutungen. Maßgebend für diese Unterscheidung ist die Unterteilung des Gastrointestinaltrakts in einen oberen Bereich, der Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm umfasst, und einen unteren Bereich, der Dickdarm, Dünndarm und Enddarm beinhaltet. Die meisten dieser Blutungen, etwa 80 Prozent, entfallen auf den oberen Gastrointestinaltrakt.
Doch auf welche Ursachen sind diese Blutungen zurückzuführen? Diese und weitere Fragen werden im nachfolgenden Kapitel erörtert.

Was sind die Ursachen für Blutungen im Verdauungstrakt?

Wie bereits erwähnt, sind etwa 80 Prozent der gastrointestinalen Blutungen im oberen Bereich lokalisiert. Zu den häufigsten Ursachen dort zählen Geschwüre des Magens und des Zwölffingerdarms, eine Speiseröhrenentzündung (sog. ‚Ösophagitis‘) sowie Schleimhautdefekte (sog. ‚Erosionen‘). Im unteren Bereich zählen zu den häufigsten Auslösern für Blutungen eine Divertikulose, eine Colitis Ulcerosa sowie Tumoren und Polypen. Diesen Ursachen widmet sich der Artikel im Folgenden etwas detaillierter.

Die häufigsten Ursachen für Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt

  • Magengeschwür und Zwölffingerdarmgeschwür: Diese Geschwüre bezeichnet der Mediziner als gastroduodenale Ulkuskrankheit. Dabei liegt ein geschwürig werdender (sog. ‚ulzerierender‘) Defekt im Bereich von Magen- bzw. Zwölffingerdarmwand vor. Diese Geschwüre wiederum sind in den meisten Fällen auf eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori zurückzuführen. In der Regel machen sich derlei Geschwüre durch Bauchschmerzen bemerkbar. Mitunter kann es aber dazu kommen, dass die Schmerzen ausbleiben und die Geschwüre erst durch Blutungen auffallen.
  • Speiseröhrenentzündung: Der Mediziner spricht in diesem Zusammenhang von einer sogenannten Ösophagitis. Generell ist eine solche Entzündung eher selten, steht aber in direktem Zusammenhang mit Passagebehinderungen wie Stenosen oder anderen Grunderkrankungen, z. B. Reflux, Alkoholismus oder Diabetes mellitus. Sie wird in vielen Fällen ausgelöst durch einen Hefepilz mit dem Namen Candida oder durch die viralen Erreger HSV oder CMV. Als Leitsymptome der Ösophagitis gelten Schluckbeschwerden sowie Brustkorbschmerzen. Es kann in diesem Zusammenhang aber auch zu Blutungen oder der Bildung von Geschwüren kommen.
  • Erosionen: Eine Erosion bezeichnet in der Regel einen oberflächlichen Schleimhautdefekt, hier vor allem einen des Magens. Dieser Defekt ist bspw. Folge einer Magenschleimhautentzündung (sog. Gastritis) oder einer Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Häufig verlaufen derlei Erosionen symptomfrei (sog. ‚asymptomatisch‘), es kann aber zu einem Druckgefühl im Magen und zu gastrointestinalen Blutungen kommen. Letztere können vor allem dann auftreten, wenn sich aufgrund der beschädigten Magenwand Geschwüre bilden. Dann kann es zu Bluterbrechen und der Ausscheidung von Stuhl mit dunklem Blut (sog. ‚Teerstuhl‘) kommen.

Weitere, aber seltenere, mögliche Ursachen, die zu Blutungen im oberen Bereich des Gastrointestinaltrakts führen können, sind sogenannte Mallory-Weiss-Läsionen, Ösophagus- und Fundusvarizen und Tumore. In mehr als 20 Prozent der Fälle kann keine klare Blutungsquelle ausgemacht werden.

Achtung!
Auch gängige Schmerzmittel wie Aspirin, Diclofenac oder Ibuprofen können für Magenblutungen verantwortlich sein. Denn selbst wenn diese Medikamente gegen Schmerzen, Fieber und Entzündungen helfen, so sorgen die zur Gruppe der
nicht-steroidalen Antirheumatika zugehörigen Wirkstoffe auch dafür, dass der körpereigene Botenstoff, der im Normalfall die Magenschleimhaut vor der Magensäure schützt, blockiert wird. In der Folge kann es zu Magenschleimhautentzündungen (sog. ‚Gastritis‘) oder Magenblutungen kommen.

Exkurs: Unser Blut

Warum ist unser Blut eigentlich so wichtig und wieso ist es so gefährlich, viel Blut zu verlieren? Das hängt damit zusammen, dass das Blutsystem den wichtigsten Transportweg für Gase, bspw. Sauerstoff oder Kohlendioxid, Nährstoffe, Hormone und Giftstoffe im menschlichen Körper darstellt.

Es dient überdies der Immunabwehr und ist für die Wärmeregulation des Körpers mitverantwortlich. Um all diese Aufgaben erfüllen zu können, besteht das Blut aus einzelnen wichtigen Bestandteilen, die ihre jeweiligen Aufgaben in Kooperation mit den anderen Bestandteilen wahrnehmen.

Für mehr Informationen zu Blut und seinen Aufgaben empfehlen wir die Lektüre des umfassenden Artikels zum Thema. Des Weiteren erörtert Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Beitrag die Aufgaben des Blutes im Detail und erklärt, warum es als der „Saft des Lebens“ gilt.

Die häufigsten Ursachen für Blutungen im unteren Gastrointestinaltrakt

  • Divertikulose: Eine Divertikulose beschreibt das Ausstülpen der Darmwand nach außen. Die so entstehenden Ausstülpungen werden Divertikel genannt und können sowohl im Dünn- als auch im Dickdarm auftreten, am häufigsten jedoch sind sie im sogenannten Sigma, dem hinteren Abschnitt des Dickdarms, zu finden. Als Ursache für eine Divertikulose gilt allen voran eine ballaststoffarme Ernährung, welche den Stuhl fest macht. Das erhöht den Druck im Darm. Dadurch wird das Bindegewebe im Darm geschwächt und die Schleimhaut kann sich leichter nach außen stülpen. In der Regel ist eine Divertikulose ein Zufallsbefund und verläuft beschwerdefrei. Erste Anzeichen können aber Unterbauchschmerzen links, Verstopfung oder Durchfall sein. Die entstandenen Divertikel sind erstmal harmlos. Allerdings können sie sich entzünden (sog. ‚Divertikulitis‘) und anfangen, zu bluten.
  • Kolitis: Hierbei handelt es sich um eine in der Regel durch Bakterien ausgelöste Dickdarmentzündung. Allerdings existieren viele verschiedene Formen der Kolitis. Grob kann man diese unterteilen in Kolitiden mit infektiöser Ursache (bspw. bakterielle Kolitis), Kolitiden mit anderer Ursache (bspw. Kolitis bei Divertikulose) und Kolitiden mit unbekannter Ursache. Die meisten Kolitis-Formen sind im Rahmen der unbekannten Ursachen zu finden. Darunter fallen auch die chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, die mitunter mit starken Blutungen im Darm als Komplikation einhergehen können.
  • Tumoren und Polypen: An dieser Stelle sei beispielhaft Darmkrebs zu nennen, welcher Tumoren des Dickdarms sowie Mastdarms zusammenfasst. Lange Zeit gehen die sogenannten kolorektalen Karzinome nicht mit Beschwerden einher, allerdings sind Stuhlunregelmäßigkeiten sowie blutiger Stuhl wichtige Warnsignale. Auch ein Analkarzinom, also ein bösartiger (sog. ‚maligner‘) Tumor im Bereich des Anus’, kann blutigen Stuhl zur Folge haben. Bei Polypen handelt es sich indes um gutartige (sog. ‚benigne‘) Schleimhautgeschwülste, die in den Dickdarm hineinragen. Allerdings können diese entarten, also bösartig werden. Außerdem gilt: Je größer die Polypen, desto größer auch die Beschwerden. Zunächst kommt es bei kleinen Polypen kaum zu Problemen. Allerdings kann es im Verlauf ihres Wachstums dann zu Unregelmäßigkeiten des Stuhls und Spuren von Blut im Stuhl kommen. Spät im Verlauf kann es gar zu Blutungen kommen, die mitunter so stark sein können, dass eine Anämie, also eine Blutarmut, eintreten kann.

Weitere Ursachen, die im Bereich des unteren Darms für Blutungen verantwortlich sein können, sind anorektale Ursachen, bspw. Fehlbildungen des Enddarms, Angiodysplasien, also Fehlbildungen von Arterien, Venen oder Lymphgefäßen, oder tatsächlich im oberen Gastrointestinaltrakt zu finden. In rund 8 Prozent der Fälle kann die Blutungsquelle für den unteren Bereich nicht ausgemacht werden.

Exkurs: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Bei sowohl Morbus Crohn als auch Colitis ulcerosa handelt es sich um chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, deren Ursachen bis heute unbekannt sind. Was man bisher über die Erkrankungen weiß, können Sie aber unseren umfassenden Artikeln zum Thema entnehmen:

Dr. Tobias Weigl hat in diesem Zusammenhang auch Video-Beiträge erstellt, die ein Verstehen der beiden Erkrankungen zusätzlich unterstützen.

Morbus Crohn

Colitis ulcerosa

Die Symptome: Welche Beschwerden hat man, wenn man an gastrointestinalen Blutungen leidet?

Zu den Allgemeinsymptomen, die Betroffene gastrointestinaler Blutungen empfinden, zählen eine blasse Haut, blasse Schleimhäute sowie Abgeschlagenheit und Schwäche. Dies ist zurückzuführen auf den chronischen Blutverlust. Akut kann es zu Kreislaufinsuffizienz mit verlangsamter Herzfrequenz, erniedrigtem Blutdruck, Schwindel, Kollaps und Schock kommen.

Die spezifischen Symptome einer gastrointestinalen Blutung variieren je nachdem, wo genau die Blutung lokalisiert ist. Als Leitsymptome einer Blutung im oberen Bereich, also im Bereich von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm, gelten blutiges Erbrechen (sog. ‚Hämatemesis‘) sowie Kaffeesatzerbrechen.

Gut zu wissen!
Das Kaffeesatzerbrechen hat seinen Namen von der Art und Weise, wie das Erbrochene aussieht. Die schwarze Färbung, der „Kaffeesatz“, entsteht, wenn Blut in Kontakt mit Magensäure gerät, möglicherweise auch infolge des Verschluckens von Blut. Daher deutet Kaffeesatzerbrechen nicht immer auf eine gastrointestinale Blutung hin, sondern kann auch mit Blutungen im Nasen-Rachen-Raum in Verbindung stehen. Bei der Hämatemesis, also dem hellroten blutigen Erbrechen, hingegen muss man von einer stärkeren Blutungsintensität ausgehen.

Auch eine Schwarzfärbung (sog. ‚Teerstuhl‘ oder ‚Meläna‘) des Stuhls ist vor allem für Blutungen im oberen Bereich symptomatisch. Denn diese Schwarzfärbung entsteht dadurch, dass das Blut mindestens 5 Stunden lang im Darm verweilt. Die Beschaffenheit des Stuhls ist dann breiig, er ist meist pechschwarz und glänzend und hat einen übelriechenden Geruch. Ist hingegen frisches rotes Blut im Stuhl zu finden, spricht man von einer sogenannten Hämatochezie. Dies ereignet sich vor allem dann, wenn die Blutung stark ist und deshalb schneller den Darm passiert.

Gut zu wissen!
Eine Schwarzfärbung des Stuhls muss nicht immer auf eine Blutung hinweisen. Es gibt auch einige Lebensmittel, die den Stuhl entsprechend einfärben, z. B. Heidelbeeren, rote Bete, Spinat oder dunkle Schokolade. Auch Medikamente wie Eisen- oder Kohletabletten können für eine Schwarzfärbung sorgen.

In Bezug auf den unteren Bereich, also jenen Bereich, der Dünn-, Dick- sowie Enddarm umfasst, kommen ähnliche Symptome zum Tragen. Hier ist hellroter blutiger Stuhl allerdings häufiger anzutreffen als Teerstuhl. Außerdem kann es sein, dass das Blut auf dem Stuhl streifenförmig wie „frisch aufgetragen“ wirkt, wenn die Blutungsquelle bspw. am Rektum ist. Je nach Lokalisation kann es auch zu dunkelroter, geleeartiger Blutbeimischung kommen. Patienten mit gastrointestinalen Blutungen im unteren Bereich bemerken überdies eine erhöhte Stuhlfrequenz sowie eine überhöhte Bewegungsaktivität (sog. ‚Hypermotilität‘) des Darms.

Hatten Sie schon einmal Magen- oder Darmblutungen? Welche Symptome haben bei Ihnen auf das Vorliegen einer solchen Blutung hingewiesen? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an dieser Umfrage helfen Sie anderen Betroffenen dabei, ihre Symptome besser einschätzen zu können.

Wer ist am ehesten betroffen?

Auch hier muss eine Einteilung nach oberem und unterem Bereich erfolgen. Denn 80 Prozent aller gastrointestinalen Blutungen betreffen Speiseröhre, Magen oder Zwölffingerdarm, also den oberen Bereich. Jährlich sind davon etwa 100 von 100.000 Menschen in Deutschland betroffen. Als häufigste Blutungsquellen gelten Zwölffingerdarm- und Magengeschwüre (36,4 Prozent), Speiseröhrenentzündungen (11 Prozent) und Erosionen (10,9 Prozent).

Untere gastrointestinale Blutungen ereignen sich weniger häufig. Etwa 20 Prozent aller gastrointestinalen Blutungen entfallen auf Dick-, Dünn- oder Enddarm, also den unteren Bereich. Schätzungen zufolge sind jährlich 20 bis 27 Personen in Deutschland von ebensolchen Blutungen betroffen. Als häufigste Ursachen gelten hier die Divertikulose (30 Prozent), alle Formen der Kolitis (15 Prozent) und Tumoren sowie Polypen (13 Prozent). In 10 Prozent der Fälle sind auch untere gastrointestinale Blutungen, die sich vor allem durch frisches Blut im Stuhl äußern, auf eine Quelle im oberen Gastrointestinaltrakt zurückzuführen, die massive Blutungen verursacht.

Die Sterblichkeit liegt dabei bei oberen gastrointestinalen Blutungen zwischen 10 und 15 Prozent, bei unteren bei etwa 3,6 Prozent.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Zunächst erfolgt eine umfassende Anamnese. Darunter versteht man das Erfragen sowie Aufzeichnen der Beschwerden und der Leidensgeschichte des Patienten durch den Arzt. Dieser wird sich zunächst danach erkundigen, wann und wie Sie die Blutung festgestellt haben und wie diese aussieht. Sind Sie sich dahingehend nicht sicher, so wird er empfehlen, vor dem Betätigen der Toilettenspülung einen weiteren Blick zu tätigen, sodass Sie von ihm beschriebene Stuhlunregelmäßigkeiten erkennen können. Er wird sich überdies nach vorangegangen Blutungen dieser Art erkundigen und Schmerzen erfragen. Wo werden die Schmerzen verspürt? Haben Sie Schmerzen im rechten Ober- oder Unterbauch? Ereignen sich die Schmerzen vor allem im Rahmen eines Toilettengangs? Des Weiteren beinhaltet die Anamnese das Erfragen regelmäßig eingenommener Medikamente, bspw. nicht-steroidale Antirheumatika wie Aspirin, Ibuprofen oder Diclofenac, und bestehende Vorerkrankungen wie eine Niereninsuffizienz oder einer Leberzirrhose.

Video-Exkurs: Ibuprofen und Diclofenac

Die rezeptfrei erhältlichen Medikamente Ibuprofen und Diclofenac gelten als Klassiker bei Sportverletzungen, Gelenkerkrankungen und -schmerzen. Doch wie alle Medikamente kommen auch diese beiden nicht ohne Nebenwirkungen aus. Dr. Tobias Weigl widmet sich daher im nachfolgen Beitrag den Vor- und Nachteilen der Präparate und erklärt, warum man bei bereits bestehenden Magen-Darm-Problemen bei der Einnahme der Wirkstoffe Vorsicht walten lassen sollte.

Im Anschluss an die Anamnese erfolgt die körperliche Untersuchung. Dabei stehen alle mit einem Blutverlust in Verbindung stehenden Zeichen im Fokus. Das heißt, dass der behandelnde Arzt zunächst auf die Zeichen einer Blutarmut (sog. ‚Anämie‘) achtet. Dazu zählt vor allem die Blässe. Überdies wird er die Vitalparameter Puls und Blutdruck prüfen, da diese klinisch am relevantesten sind, wenn es um die Beurteilung eines Blutverlustes geht. Darüber hinaus wird der Arzt eine anale Inspektion durchführen sowie das Rektum abtasten. Oft liefert dies konkrete Hinweise auf die Blutungsquelle, da der Arzt bspw. blutige Hämorrhoiden oder Teerstuhl ausmachen kann.

Für den Arzt kann außerdem die Labordiagnostik aufschlussreich sein. Neben der zuvor erwähnten Kontrolle der Vitalparameter sind auch einzelne Blutwerte unerlässlich. Wenn der Verdacht besteht, dass zu viel Blut verloren gegangen ist, muss umgehend eine sogenannte Kreuzprobe entnommen werden, mithilfe welcher dann schnell die Blutgruppe sowie der Rhesusfaktor bestimmt werden können. Auf diese Weise kann man schnell ermitteln, welches Blut für eine Transfusion infrage kommt. Darüber hinaus werden noch der Stuhl sowie das darin enthaltene Blut untersucht.

Zu guter Letzt erfolgt noch die Bildgebung. In diesem Rahmen gilt vor allem eine endoskopische Untersuchung als Mittel der Wahl, da mithilfe dieser Untersuchung die Blutungsquelle ausgemacht und die Blutung selbst ggf. sogar direkt gestoppt werden können. Es ist in diesem Rahmen auch möglich, eine sogenannte Kapselendoskopie durchzuführen. Darunter versteht man, dass der Patient eine Kapsel verschluckt, die bei der Passage des Verdauungstrakts fortlaufend Aufnahmen macht, welche der Arzt dann einsehen kann. Sind die Ergebnisse der endoskopischen Untersuchungen nicht aufschlussreich, so kann noch eine Angiografie unternommen werden. Dabei werden die Blutgefäße unseres Körpers radiologisch, also via Röntgenuntersuchung, dargestellt.

Gut zu wissen!
Ein Endoskop ist ein röhren- oder schlauchförmiges Instrument, das aus einem Objektiv, einem Videochip, einer Beleuchtung, Spül- und Absaugvorrichtungen sowie Kanälen zum Einführen bestimmter weiterer Instrumente besteht. Bei gastrointestinalen Blutungen ist die Blutung oft im oberen Bereich lokalisiert, weshalb man meist eine sogenannte Ösophagogastroduodenoskopie (kurz: ÖGD) durchführt. Der Begriff leitet sich ab von den untersuchten Orten Speiseröhre (sog. Ösophagus‘), Magen (sog. Gaster‘) und Zwölffingerdarm (sog. Duodenum‘). Eine Endoskopie ermöglicht es Ärzten, Schleimhäute zu begutachten, Gewebe zu entnehmen und ggf. sogar therapeutische Eingriffe durchzuführen, um bspw. Blutungen zu stillen.

Hat auch die Bildgebung nicht dazu beitragen können, eine Blutungsquelle auszumachen, kann als letztes Mittel noch eine Operation in Form einer sogenannten explorativen Laparotomie erfolgen. Dabei wird im Allgemeinen der Bauchraum so aufgeschnitten, dass alle Organe gut erreichbar sind. Auch hier kommt dann wieder die Endoskopie zum Einsatz, mit deren Hilfe man die Blutungsquelle zu ermitteln und die Blutung zu stoppen versucht.

Fakten-Box
Gastrointestinale Blutungen
Unterteilt in obere und untere gastrointestinale Blutungen

Blutungen des Verdauungstrakts entfallen zu 80 Prozent auf den oberen Bereich, also die Speiseröhre, den Magen und den Zwölffingerdarm; jährlich betroffen sind
deutschlandweit etwa 100 von 100.000 Menschen

Blutungen im unteren Bereich, also Dick-, Dünn- und Enddarm betreffend, ereignen sich in etwa 20 Prozent der Fälle; jährlich sind etwa 20–27 von 100.000 Menschen deutschlandweit betroffen

Symptome

  • Blutiges Erbrechen (sog. ‚Hämatemesis‘)
  • Kaffeesatzerbrechen
  • Schwarzfärbung des Stuhls (sog. ‚Teerstuhl‘ oder ‚Meläna‘)
  • Frisches Blut im Stuhl (sog. ‚Hämatochezie‘)
  • Frisches Blut auf dem Stuhl
  • Blasse Haut
  • Blasse Schleimhäute
  • Abgeschlagenheit/Schwäche
  • Langsamer Puls
  • Niedriger Blutdruck
  • Schwindel
  • Kollaps

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Die Therapie gastrointestinaler Blutungen richtet sich natürlich grundlegend nach der Ursache. Allerdings müssen unter bestimmten Notfallbedingungen sofortig Allgemeinmaßnahmen eingeleitet werden. Leidet ein Patient bspw. akut an Kreislaufinstabilität, hat eine Stabilisierung des Kreislaufs bzw. der Vitalparameter zunächst Vorrang. Dies umfasst bspw. Flüssigkeitssubstitutionen, Bluttransfusionen und die Wiederherstellung bestimmter Werte (Blutdruck, Hämoglobin usw.).

Ist der Patient stabil, so wird eine kausale, also ursachenorientierte, Therapie angestrebt. In der Regel findet eine solche Behandlung wie im Kapitel zuvor angedeutet bereits während der endoskopischen Untersuchung statt, welche zugleich als Behandlungsmaßnahme fungiert. Dies ist der Fall, da mittels Endoskop aufgefundene Blutungen auch gleich mit diesem gestillt werden können, bspw. über eine Adrenalin-Injektion oder einen sogenannten Hämoclip.

Gut zu wissen!
Bestimmte Blutungen, bspw. durch Erosionen verursachte, bedürfen meist keiner endoskopischen Behandlung, sondern lassen sich schon allein durch die Gabe bestimmter Medikamente, sogenannter Protonenpumpenhemmer (kurz: PPI), z.B. Pantoprazol, beheben.

Unter Umständen kann es auch dazu kommen, dass Unregelmäßigkeiten, welche die Blutung verursacht haben, geborgen, also entfernt, werden, um diese im Anschluss histologisch zu untersuchen. Darunter versteht man, dass bspw. das Gewebe eines entfernten Polypen im Anschluss mikroskopisch untersucht wird.

Beispiel: Wie behandelt man ein Magengeschwür?

Zwar heilen einige Magengeschwüre nach etwa 3 Monaten von alleine aus. Nichtsdestoweniger haben aber betroffene und unbehandelte Patienten teilweise eine Rückfallquote von bis zu 80 Prozent. Generell ist die Therapie von Magengeschwüren abhängig von der Schwere der mit ihnen einhergehenden Beschwerden. Oft helfen bei leichten Beschwerden ohne Blutungen schon eine magenfreundliche Kost sowie ein Verzicht auf Alkohol und Rauchen. Auch Kaffee sollte in diesem Zusammenhang nur in Maßen konsumiert werden. Ebenso können betroffene auf sogenannte Antazida zurückgreifen, welche einen möglichen Überschuss an Magensäure neutralisieren und so die Beschwerden lindern können. Diese Medikamente sind nicht verschreibungspflichtig und in einer Apotheke erhältlich.
Wichtig in diesem Zusammenhang: Lassen die Beschwerden nicht innerhalb weniger Tage nach, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann dann andere Medikamente verschreiben, die vor allem dazu dienen, den Erreger Helicobacter pylori zu entfernen und die Magensäure zu neutralisieren. Dabei kommen Säureblocker sowie Antibiotika zum Einsatz. In Kombination werden diese Medikamente über 7–10 Tage eingenommen, allerdings sollten Patienten mit Magengeschwüren zur vollständigen Abheilung des Geschwürs die Säureblocker vier Wochen länger einnehmen.

Liegt die Ursache für das Geschwür in einer gesteigerten Medikamenteneinnahme von bspw. Aspirin oder anderen nicht-steroidalen Antirheumatika, so sollten diese zunächst gänzlich abgesetzt werden, um einer fortwährenden Reizung der Magenschleimhaut vorzubeugen. Auch in diesem Zusammenhang verschreibt ein Arzt dann in der Regel einen Säureblocker, der die Erholung der Schleimhaut fördert.

Kommt es infolge eines Magengeschwürs zu (starken) Blutungen, wird einem Patienten in der Regel strikte Bettruhe verordnet und er erhält die zuvor erwähnten Protonenpumpenhemmer. Es können Bluttransfusion gegeben werden, um einen starken Blutverlust auszugleichen. Es folgt die oben angesprochene Behandlung via Endoskopie, im Rahmen welcher die Blutung gestillt wird. Ist dies über dieses Verfahren nicht möglich, so muss eine Operation erfolgen, bei der das betroffene Gefäß zugenäht wird.

Häufige Patientenfragen

Was sind Protonenpumpenhemmer?

Dr. T. Weigl
Bei Protonenpumpenhemmern, z.B. Pantoprazol oder Omeprazol, handelt es sich um Arzneistoffe, welche die Produktion von Magensäure hemmen. Als Haupteinsatzgebiete dieser Stoffe gelten Infektionen mit dem Bakterium Helicobacter pylori, die Therapie von Reflux sowie die Behandlung von Magen- und/oder Zwölffingerdarmgeschwüren. Darüber hinaus existieren bestimmte Präparate, die eine eigenständige Behandlung von Sodbrennen ermöglichen. In den letzten Jahren haben Protonenpumpenhemmer weitestgehend andere säurehemmende Antihistaminika wie Ranitidin abgelöst.

Was ist Reflux?

Dr. T. Weigl
Bei Reflux bzw. der Refluxerkrankung handelt es sich um eine Krankheit, deren Leitsymptom das Sodbrennen ist und welche den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre beschreibt. Grundlegend kann man zwei Ursachen für Reflux ausmachen: Ein Zuviel an Magensäure und/oder ein defekter Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre (sog. ‚Sphinkter‘).
30–40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung leidet einmal monatlich an Sodbrennen, 14 Prozent wöchentlich und 7 Prozent gar täglich. Das Brennen im Oberbauch oder hinter dem Brustbein ist sehr unangenehm, kann aber mit ein paar Tipps und Tricks erträglicher werden.
Dr. Tobias Weigl klärt daher im nachfolgenden Beitrag über die Erkrankung auf und berät zur richtigen Schlafposition sowie zu allgemeinen Verhaltensregeln.

Was genau versteht man unter Alkoholismus?

Dr. T. Weigl
Als Alkoholismus bezeichnet man die Abhängigkeit von der Substanz Ethanol. Es handelt sich um eine Erkrankung, die rund 2 Millionen Menschen in Deutschland betrifft und mit dem Alkoholismus in Zusammenhang stehende Störungen gehören zu den häufigsten im Krankenhaus getätigten Diagnosen. Um eine Alkoholabhängigkeit diagnostizieren zu können, werden verschiedene Merkmale wie Toleranzentwicklung, Entzugserscheinungen und das Vernachlässigen anderer Aktivitäten zugunsten des Alkohols miteinbezogen. Verschiedene Tests können dahingehend wegweisend sein. Eine Alkoholabhängigkeit kann diverse schwerwiegende Folgen haben, allen voran eine Leberzirrhose oder eine Polyneuropathie, also eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der es zu Schmerzen, unterschiedlich stark wahrgenommenen Sinnesreizungen, Kribbeln, Brennen und Fehlempfindungen, bspw. in Bezug auf Wärme und Kälte, kommt. Die Therapie verläuft einerseits medikamentös und ist an den Symptomen orientiert. Andererseits steht infolge des körperlichen Entzugs vor allem eine Langzeitentwöhnung an, die in entsprechenden Rehabilitationszentren stattfindet.

Sibylle war noch sehr verängstigt ob des dunklen Blutes in ihrem Erbrochenen. Kaffeesatzerbrechen nennt man das, hat ihr Arzt gesagt. Nach ihrem Gespräch mit dem Doktor kam dieser zu dem Schluss, dass Sibylle unter einem Magengeschwür leidet und hat sie umgehend an das nächste Krankenhaus verwiesen. Ihren Erzählungen zufolge war die Blutung zwar nicht stark. Sollte diese sich aber intensivieren, so müssen Transfusionen bereit liegen. Jetzt liegt sie auf der Station und ist erstmal bettlägerig, bekommt Medikamente und wird regelmäßig kontrolliert. Vor allem ihrem Puls und ihrem Blutdruck werden viel Aufmerksamkeit zuteil. Aber sie fühlt sich sicher. Und hat auch gesagt bekommen, dass Geschwüre gut therapiert werden können.

Verwandte Themen

Haben auch Sie Erfahrungen mit Hautausschlägen bei Säuglingen? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  

Autoren:Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Lektorat: Andrea Lorenz
Veröffentlicht:1.10.2018

Quellen

  • Michael Fried et al. (2013): Magen-Darm-Trakt. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Uwe Groß (2009): Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • internisten-im-netz.de: Angiografie.
  • internisten-im-netz.de: Divertikulose.
  • Klinisches Wörterbuch Pschyrembel Online. https://www.pschyrembel.de/
  • Helmut Messmann (Hrsg.) (2011): Klinische Gastroenterologie – Das Buch für Fort- und Weiterbildung plus DVD mit über 1.000 Befunden. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Jürgen Ferdinand Riemann (2007): Gastroenterologie in Klink und Praxis – Das komplette Referenzwerk für Klinik und Praxis. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Susanne Schmid (2016): Magenbluten durch Schmerzmittel – Sorglosen Umgang meiden. In: apotheken.de.
  • Manfred Schubert-Zsilavecz (2013): Protonenpumpenhemmer – Magensäureblocker im breiten Einsatz. In: pharmazeutische-zeitung.de.
  • Martin Strauch (2017): Magengeschwür/Zwölffingerdarmgeschwür. In: internisten-im-netz.de.
  • tk.de (2017): Was sind Darmpolypen?
  • Hugo Van Aken et al. (2014): Intensivmedizin. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
[Gesamt:5    Durchschnitt: 5/5]

Noch keine Kommentare.

Was denkst Du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.