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Reizdarmsyndrom – Symptome und Behandlung

Patienten mit Reizdarmsyndrom leben länger als Menschen ohne. Denn sie passen ihre Lebensgewohnheiten an: gesunde Ernährung, viel Sport, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Etwa 10 bis 15 Prozent der Deutschen sind vom Reizdarmsyndrom betroffen. Eine ganze Zeit lang war das Thema groß in den Medien, da es so viele Menschen betrifft. Magenschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Blähungen und mehr sind typische, aber harmlose Symptome. Sie lassen sich mit Medikamenten behandeln. Therapieansätze, um die Erkrankung zu heilen, reichen von der Ernährungsumstellung über Pilzkuren bis zum Autogenen Training.

Maik sitzt auf dem Klo. Zum dritten Mal heute Abend. Er hat das Gefühl, Durchfall zu haben, aber auf dem Örtchen gleicht es doch eher einer Verstopfung. Als ob dieses körperliche Durcheinander seit Monaten nicht nervig genug wäre, versaut ihm dieser Reizdarm auch noch das Date. „Andere Menschen essen keine Bohnen, bevor sie ein Rendezvous haben. Ich kriege ganz einfach so Blähungen. Klasse“, ärgert sich Maik, während seine Verabredung Tina im Café in einer Zeitschrift blättert.

Bauchschmerzen = Reizdarmsyndrom? Die Symptome

Bauchschmerzen und Verdauungsbeschwerden können unterschiedliche Ursachen haben. Generell gilt: Wenn die Beschwerden ungewöhnlich lange andauern oder besonders heftig auftreten, sollte man einen Arzt aufsuchen. Die Gastro-Liga, eine Gesellschaft zur Bekämpfung von Magenkrankheiten, schätzt, dass die Beschwerden nur bei jedem zweiten Reizdarm-Betroffenen so stark sind, dass sie einen Arzt aufsuchen.

Meistens ist dieses Syndrom die Ursache für eine ganze Reihe von Beschwerden, wegen denen die Menschen dann konkret zum Arzt gehen. Der macht den Reizdarm dann erst als Ursache ausfindig – wenn überhaupt. Oft wird diese Ursache allerdings nicht als solche erkannt.

Diese Beschwerden können unterschiedlich oft und unterschiedlich stark auftreten. Manche sind auf Reisen oder in Stresssituationen betroffen, bei anderen reagiert der Darm auf bestimmte Speisen, bei wieder anderen ist ein Zusammenhang mit einem möglichen Auslöser nicht auszumachen.

Lesen Sie in diesem Artikel, was Bauchschmerzen bedeuten können, und erfahren Sie, ob ein Arztbesuch ratsam ist!

Gut zu wissen!
Rund 100 Billionen Mikroorganismen beherbergt der menschliche Körper – das ist eine Eins mit vierzehn Nullen! Die meisten dieser Bakterien, Pilze etc. leben in unserem Dickdarm.

Typische Symptome zeigen sich nicht nur im Verdauungstrakt

Insbesondere im Unterbauch treten oft folgende Symptome auf:

  • Schmerzen
  • Krämpfe
  • Völlegefühl
  • Frühe Sättigung
  • Kurzzeitiger Durchfall oder Verstopfung, oft im Wechsel
  • (Schmerzhafte) Blähungen
  • Das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung

Oft treten die Beschwerden im Zusammenhang mit den Mahlzeiten auf. Daneben zeigt sich auch oft eine Unverträglichkeit bestimmter Speisen.

Weitere Symptome, die sich nicht auf den Verdauungstrakt beschränken, sind:

  • Kopfschmerzen
  • Rücken– und Gelenkbeschwerden
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • Angststörungen
  • depressive Verstimmungen

Alarmsymptome: Nach welchen Kriterien liegt vermutlich eine andere Erkrankung vor?

Bei manchen Symptomen ist besondere Vorsicht geboten. Dann liegt die Priorität des Arztes darin, auf andere, ernsthafte Krankheiten hin zu untersuchen. Wird eine solche diagnostiziert, wird sie behandelt. Kann sie ausgeschlossen werden, kann weiter auf das Reizdarmsyndrom hin untersucht werden.

 

Achtung!
Die Alarmkriterien, die z. B. auf die Divertikelkrankheit, chronische Darmentzündungen, Infektionen oder gar Dickdarmkrebs hinweisen können, sind:
  • Eine kurze Vorgeschichte
  • Gewichtsverlust
  • Blutiger Stuhl
  • Schlafmangel durch die Beschwerden
  • Stetige Verschlimmerung der Beschwerden

Wie entsteht der Reizdarm und wann spricht man überhaupt von Reizdarm?

Ist der Reizdarm eine psychosomatische Erkrankung? Wie unterscheidet sich der Reizdarm von anderen chronischen Magen-Darm-Erkrankungen? Schmerzexperte Dr. Tobias Weigl erklärt in diesem Video die Ursachen des Reizdarms und geht auch ausführlich auf die Therapiemöglichkeiten ein.

Die Risiken des Reizdarmsyndroms

Grundsätzlich ist der Reizdarm harmlos. Allerdings verschlechtern die oft wiederkehrenden Leiden die Lebensqualität. Sie können sogar das Privat- und Berufsleben beeinträchtigen. Patienten berichten etwa, dass sie nicht mehr ausgehen, weil sie befürchten, jeden Moment ganz plötzlich auf Klos zu müssen. Besonders in der Öffentlichkeit gestaltet sich das ja nicht immer einfach.

Insbesondere die soziale Angst kann steigen. Wenn die Symptome in ohnehin psychisch belastenden Momenten auftreten, verstärken sich die Effekte gegenseitig. Dagegen hilft es, den richtigen, entspannten Umgang mit der Krankheit zu finden.

 

Achtung!
Frauen sollten, wenn sie an Reizdarm leiden, eine weitere Untersuchung in Betracht ziehen. Gebärmutterhalskrebs kündigt sich in 95 Prozent der Fälle durch Reizdarm an! Das bedeutet nicht, dass Reizdarm auch Krebs bedeutet, aber dass er ein Anzeichen dafür sein kann!
Haben Sie Ihren Reizdarm gezielt behandelt? Welche Therapie hat bei Ihnen Wirkung gezeigt? Unterstützen Sie uns und andere Betroffene, indem Sie uns mitteilen, was Ihnen Linderung oder gar Heilung verschafft hat. Erzählen Sie uns auch gerne mehr darüber unten im Kommentarbereich.
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Behandlungsmethoden – welche hilft am besten?

Die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind nicht geklärt. Außerdem sind die Symptome bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt und zudem ist jeder Organismus einzigartig. Entsprechend gilt in diesem Fall noch viel mehr als anderswo: Wer heilt, hat Recht. Die eine wirkungsvolle Therapie gibt es nicht. Daher sollen hier einige Therapieansätze vorgestellt werden, die im Falle dieser Erkrankung angeboten werden.

Medikamente

Den meisten Symptomen lässt sich kurzzeitig durch Medikamente beikommen. Schmerzmittel helfen natürlich gegen Schmerzen, bekämpfen aber nicht die Ursache und können auf Dauer die Magenschleimhaut angreifen (s. Gastritis). Darum ist die medikamentöse Behandlung oft geprägt von Ausprobieren. Krampflösende Medikamente (sog. ‚Spasmolytika‘) wie Buscopan, aber auch Pfefferminz- oder Kümmelöl können ebenfalls Linderung verschaffen. In Absprache mit dem Arzt können daher unterschiedliche Symptome mit unterschiedlichen Arzneien in unterschiedlichen Dosierungen behandelt werden. Auch können Mittel eingesetzt werden, die normalerweise nicht zur Behandlung viszeraler Beschwerden, d. h. Bauchbeschwerden eingenommen werden. Dies aber natürlich nur mit ärztlicher Absprache!

Probiotische Therapien

Arzneizubereitungen mit lebenden Mikroorganismen können helfen, die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Im menschlichen Dickdarm unterstützen etwa 400 verschiedene Mikroorganismen nicht nur die Verdauung, sondern unterstützen unser Abwehrsystem. Die Einnahme von Zubereitungen mit dem Lactobazillus, Bifidobacterien oder bestimmten Hefe-Spezies kann das symbiotische Zusammenspiel im Bauch wiederherstellen.

Auch eine vollwertige und ballaststoffreiche Ernährung kann auf ganz natürlichem Wege die Darmflora stärken. Viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte helfen den Mikroorganismen im Darm.

Pilzkur

Anders als bei der probiotischen Behandlung soll die Pilzkur gezielt bestimmte Mikroorganismen im Darm beseitigen. Jeder Mensch hat Hefepilze im Darm. Ganz lassen sie sich einfach nicht beseitigen, auch nicht mit der strengsten Diät oder Kur, denn schon im Speichel kann der Pilz überleben.

Die Schulmedizin besagt, dass die Pilze nur bei stark immungeschwächten Menschen die Gesundheit gefährden, also bei sehr alten und sehr jungen sowie kranken Menschen. Dennoch behaupten einige Alternativmediziner, dass die Pilze Ursache für viele Krankheiten sind und raten zu Pilzkuren. Aus medizinischer Sicht bewirken diese Pilzkuren in der Regel eine Verbesserung, ganz einfach aus dem Grund, dass sie eine Umstellung auf eine allgemein gesündere Ernährung bedeuten.

F.-X.-Mayr-Kur

Der österreichische Arzt Franz Xaver Mayr war der Überzeugung, dass wir unserem Verdauungssystem hin und wieder auch eine Pause gönnen müssen – so wie wir ja auch nach viel Arbeit Urlaub brauchen. So entwickelte er eine Kur zur Entschlackung und Reinigung des Darmtraktes. Sie beinhaltet unter anderem eine Diät mit Milch, Brötchen (Semmel-Milch-Diät) und bestimmten Bittersalzen und weiteren Flüssigkeiten. Außerdem geht sie mit einer Achtsamkeit bei der Ernährung einher, wonach die Verdauungskur schon beim richtigen Kauen anfängt.

Fastenkuren

Durch den Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel oder gar auf feste Nahrung soll der Organismus auf natürlichem Wege gereinigt werden. Es gibt unzählige Ansätze und konkrete Fastenkuren. Wichtig ist, dass dem Körper auch bei Verzicht auf feste Nahrung alle wichtigen Nährstoffe zugeführt werden. Tees, Gemüsebrühen und frisch gepresste Säfte, bisweilen auch Wein, sind daher oft Bestandteil dieser Kuren. Eine Fastenkur kann zwischen 7 und 21 Tagen dauern. Fastet man länger als 10 Tage, ist ärztliche Begleitung vorgeschrieben.

Entspannung

Oft hört man davon, dass Magen-Darm-Beschwerden psychosomatisch bedingt sind, dass sie also durch Stress oder andere psychische Faktoren ausgelöst werden. Zwar gibt es diese „Magen-Hirn-Achse“, doch ist dies beim Reizdarm nicht der Fall. Vielmehr reagieren Menschen mit Reizdarmsyndrom empfindlicher auf Vorgänge im Darm. Gleichzeitig können Stress und andere psychische Belastungen die Symptome durchaus verstärken. Andersherum können die Bauchbeschwerden zur psychischen Belastung werden.

Daher berichten viele Patienten von einer Verbesserung ihrer Leiden durch Entspannungstechniken. Auch Schulmediziner raten bisweilen etwa zu Autogenem Training, mit dem man Ruhe und Gelassenheit finden soll. Andere Techniken sind Yoga, Meditation und weitere. Dazu kann man Kurse besuchen oder sich Ratgeber und Anleitungen in Form von Büchern, CDs oder Videos besorgen.

Fakten-Box

Reizdarmsyndrom
10–15 % der Bevölkerung
Frauen häufiger als Männer
Symptome

  • Schmerzen und Krämpfe im Unterbauch
  • Völlegefühl
  • Durchfall oder Verstopfung, oft im Wechsel
  • (Schmerzhafte) Blähungen
  • Das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung
  • Kopfschmerzen, Rücken- und Gelenkbeschwerden
  • Schlafstörungen und Müdigkeit
  • Angststörungen und depressive Verstimmungen

Häufige Patientenfragen

Kann man dem Reizdarm vorbeugen?

Dr. T. Weigl:
Leider ist der Forschung bislang nicht bekannt, was die Ursache für das Reizdarmsyndrom ist. Daher weiß man auch nicht, wie man dem vorbeugen kann. Als elementarer Bestandteil des Verdauungssystems ist die Gesundheit des Darms mittelbar immer auch von der Ernährung abhängig. Eine ausgewogene Ernährung hilft, die Darmflora im Gleichgewicht zu halten. Das ist keine Garantie, sich vor dem Reizdarmsyndrom zu schützen, aber es hilft bei seiner Behandlung und bei vielen anderen Leiden. Viele Patienten schwören auch auf Entspannungstechniken.

Kann man Reizdarm heilen?

Dr. T. Weigl:
Auch bei der Heilung macht die Tatsache, dass wir noch zu wenig über den Darm und seine Erkrankungen wissen, einen Strich durch die Rechnung. Es gibt aber viele gut wirkende Mittel gegen die einzelnen Symptome. Gegen die Ursache der Symptome, das Reizdarmsyndrom selbst, können unterschiedliche Methoden helfen (s. Behandlungsmethoden). Jeder Mensch ist aber anders, reagiert unterschiedlich auf die Behandlung und die Erkrankung selbst äußert sich auch bei jedem Menschen verschieden. Daher hilft nur ausprobieren, was Ihnen am besten hilft.

Wie kann ich ausschließen, dass es eine ernstere Darmkrankheit ist?

Dr. T. Weigl:
Die Diagnose Reizdarm ist schwer zu stellen. Erst wenn bestimmte Anzeichen wie z. B. Durchfall und Verstopfung im Wechsel über einen längeren Zeitraum wiederkehren, beginnt man, von Reizdarm zu sprechen. Ein Richtwert sind dabei 3 Monate. Zusätzlich kann Ihr Arzt Sie gezielt auf andere Krankheiten untersuchen. Achten Sie auch auf die Alarmsymptome, die auf andere Krankheiten hindeuten.

 


Maik kommt vom Klo wieder. Sein Date Tina blickt von der Zeitschrift auf und lächelt ihn an. „Gehst du immer so oft auf Klo?“, fragt sie ihn. Maik ist sichtlich peinlich berührt. „Ach komm“, beruhigt Tina ihn und legt ihre Hand auf seine. „Das war doch nur ein Scherz! Weißt du, ich hatte auch mal so eine Zeit. Dann habe ich mich schlau gemacht und herausgefunden, dass ich wohl das Reizdarmsyndrom habe. Bauchschmerzen, immer auf Klo …“ Maik schaut sie einerseits erleichtert, andererseits leicht irritiert an. „Oh, entschuldige“, bemerkt Tina seinen Blick. „Tolles Thema für ein erstes Date, was? Aber ich finde es echt cool, dass ich mit dir so ganz ohne Hemmungen reden kann!“ Und sie schauen einander beide in die Augen und lächeln.

 

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Leiden Sie auch unter einem empfindlichen Verdauungstrakt? Hat man Reizdarm bei Ihnen diagnostiziert oder vermuten Sie, dass Sie das Syndrom haben? Welche Behandlung hat bei Ihnen geholfen, welche nicht? Haben Sie weitere Fragen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autor: Dr. Tobias Weigl, Marek Firlej
Lektorat: Claudia Scheur
Veröffentlicht: 03.05.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Hanno Charisius, Richard Friebe (2014): Bund fürs Leben. Warum Bakterien unsere Freunde sind. Hanser Verlag, München.
  • Gerald Holtmann, Wolfgang Senf (2008): Was Sie schon immer zum Reizdarmsyndrom wissen wollten. Interessante Informationen zur Erkennung und Behandlung (hg. von der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung e. V.).
  • P. Layer u. a. (2011): S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). In: Zeitschrift für Gastroenterologie 49, S. 237–293.
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