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Schmerzpumpe – Wann wird sie eingesetzt? Wie funktioniert sie?

Auf einen Blick – Schmerzpumpe

Was ist eine Schmerzpumpe?

  • Gerät, das Patienten bei der Schmerztherapie unterstützt
  • Schmerzmittel gelangen über die Schmerzpumpe in den Körpers des Patienten
  • je nach Art der Schmerzpumpe kann der Patient teilweise selbst die Schmerzmittelzufuhr regulieren

Welche Verfahren bei Schmerzpumpen gibt es?

  • Dipidolor-Pumpe
  • Würzburger Schmerztropf (WST)

Wann werden Schmerzpumpen eingesetzt?

  • Schmerztherapie nach OP
  • chronische Schmerzsyndrome
  • Schmerztherapie bei Tumoren

Gibt es Kontraindikationen?

  • vor allem zu Beginn Übelkeit und Erbrechen
  • die Schmerzmittel werden nicht vertragen
  • Abhängigkeit vom jeweiligen Schmerzmittel
  • schwere Nieren- und/oder Leberinsuffizienz

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Auch nach einer erfolgreichen Operation können den Patienten Schmerzen quälen. Diese sind sowohl unangenehm als auch hinderlich: Sie können den gesamten Heilungsprozess verlangsamen. Eine gute Schmerztherapie ist daher unerlässlich. Traditionell wird dem Patienten dabei nach festen Zeiten eine bestimmte Dosis Schmerzmittel verabreicht. Seit einigen Jahrzehnten gibt es jedoch auch die Möglichkeit, dass sich Patienten selbst mit ihrem Schmerzmittel versorgen, das durch eine Pumpe und einen Katheter direkt in den Körper geleitet wird: die sogenannte Schmerzpumpe. Vereinfacht gesagt hat der Patient auf Knopfdruck weniger Schmerzen. Die Schmerzpumpe ist ein Verfahren der sogenannten patientengesteuerten Analgesie (kurz PCA, patient-controlled analgesia). Wie die selbstbestimmte Schmerztherapie funktioniert, welche zwei Hauptverfahren es in Deutschland gibt und wo die Grenzen für die Anwendbarkeit einer Schmerzpumpe liegen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist eine Schmerzpumpe?

Eine Schmerzpumpe ist ein Medizinprodukt, das die Schmerztherapie eines Patienten mit Medikamenten unterstützt. Ein angeschlossenes Schmerzmittel wird durch die Pumpe gefördert und über einen Katheter direkt in den Körper des Patienten geleitet. Die Schmerzpumpe ist eine maschinelle Methode, das Schmerzmittel in den Körper zu transportieren.
Die Schmerzpumpe kann zwei Funktionen erfüllen: Zum einen kann eine automatische Grundversorgung des Patienten gewährleistet werden, indem dauerhaft und in regelmäßigen Abständen Schmerzmittel von der Pumpe abgegeben wird. Die Dosis wird vom behandelnden Arzt vorher festgelegt und einprogrammiert. Zum anderen jedoch kann der Patient die Zufuhr selbst erhöhen, wenn die Schmerzen stärker werden und die kontinuierlich laufende Gabe nicht mehr ausreicht. In diesem Fall drückt er einen Knopf an der Pumpe, der einen größeren Schub Schmerzmittel freisetzt (sog. ‚Bolus-Injektion’) und den Schmerz lindert – jedoch nur bis zu einer festgelegten Obergrenze des Arztes. Hierauf folgt ein Sicherheitsintervall: Eine automatische Verriegelung des Knopfes, die sicherstellt, dass sich der Patient erst wieder nach einer festgesetzten Zeit solch einen erhöhten Schmerzmittel-Schub verabreichen darf. Eine Absicherung dafür, dass dieser Mechanismus nicht versehentlich zu viel freisetzt, sodass schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten.

Schmerzpumpen erlauben Patienten eine teilweise selbstgesteuerte Medikamentengabe nach eigenem Bedarf.
– Dr. Dr. Tobias Weigl

Welche Arten von Schmerzpumpen gibt es?

Dieses Verfahren nennt man patientengesteuerte Analgesie (kurz PCA), also die vom Patienten ausgelöste Schmerzmittel-Gabe im Rahmen der Schmerzmitteltherapie. PCA-Pumpe und Schmerzpumpe bedeuten das gleiche. Es hängt von der Art der Schmerzpumpe ab, ob sie die Funktion besitzt, auf Knopfdruck einen Schmerzmittelschub auslösen zu können. Dabei begegnen Ihnen in der Klinik typischerweise zwei Arten der postoperativen Schmerzpumpen: Dipidolor-Schmerzpumpen besitzen meist die Bolus-Injektion als einzige Funktion. Das Schmerzmittel (meist Dipidolor, aber auch Morphin oder Tramadol) kommt also erst in Ihren Körper, wenn Sie den Knopf betätigen. Bei der anderen typischen Schmerzpumpe, dem sogenannten Würzburger Tropf, wird automatisch und in regelmäßigen Abständen eine Schmerzmittelmischung aus mehreren Medikamenten in Ihren Körper befördert. Zusätzlich besteht die Bolus-Injektion per Knopfdruck, wenn die Schmerzen diese Grundversorgung übersteigen.
Ihr behandelnder Arzt wird vor einer Operation mit Ihnen abklären, ob die Anwendung einer Schmerzpumpe für Sie in Frage kommt oder bestimmte Umstände dagegen sprechen. Danach wird er Ihnen die Funktion der Schmerzpumpe erläutern. Die Pumpe kann extern am Bauch befestigt werden, z.B. mit einem Tragegürtel.

Gut zu wissen: PCA
Patientengesteuerte Analgesie (PCA) ist ein Konzept, das bereits 1971 vom amerikanischen Mediziner Philip H. Sechzer zusammen mit der Schmerzpumpe entwickelt wurde. Sechzer war damit ein Vorreiter im Gebiet der Anästhesiologie und Schmerzbehandlung. Grundgedanke des Konzeptes ist es, die Schmerzbehandlung eines Patienten bedarfsgerechter und effizienter zu gestalten und ihm die Möglichkeit zu geben, seine Schmerzlinderung teilweise selbst zu regulieren.

Welche Vorteile hat eine Schmerzpumpe?

Eine Schmerzpumpe besitzt einige Vorteile gegenüber anderen Anwendungsarten von Schmerzmitteln:

  • verkürzte Zeit bis zum Wirkeintritt
  • individuell, bedarfsgerecht, Patient hat Kontrolle über seine Schmerzen
  • gute Steuerbarkeit
  • verminderte Gefahr der Über- oder Unterdosierung
  • geringere Schwankung der Schmerzmittelkonzentration im Blut

Ein wichtiger Pumpentyp ist die sog. Dipi-Pumpe. In diesem Video geht Dr. Dr. Tobias Weigl auf das Schmerzmittel Dipidolor ausführlich ein.

Opioid Dipidolor (Piritramid) bei (postoperativen) Schmerzen: Wirkung, Nebenwirkungen & Suchtgefahr?

Wie funktioniert die Technik einer Schmerzpumpe?

Sie wissen nun, was eine Schmerzpumpe kann. Aber wie macht sie das genau? Dazu muss man wissen, aus welchen Teilkomponenten die Schmerzpumpe zusammengesetzt ist:

  • Pharmakareservoir: Dies ist eine Kammer, die sich abschließen lässt, sodass Unbefugte das enthaltene Medikament nicht entnehmen können. Gerade bei den häufig verwendeten Opioiden für Schmerzmittelpumpen ist das wichtig, denn sie fallen unter das Betäubungmittelschutzgesetz – der Verkehr dieser Medikamentengruppe ist streng reglementiert.
  • Mikroprozessor: Er ist das „Bindeglied“ zwischen dem bedienbaren Tastaturfeld und der mechanischen Fördereinheit der Pumpe. Er ist programmierbar, sodass in regelmäßigen Zeitabständen die eingegeben Dosen automatisch verabreicht werden.
  • Infusionsleitung: Dies ist ein System, das auf die Pumpe abgestimmt ist und dazu dient, das geförderte Medikament in den Körper zu bringen. Ein Beispiel dafür ist eine intravenöse Verweilkanüle. Hierbei handelt es sich um einen speziellen Katheter, der dem Patienten für mehrere Tage angelegt wird. Er bildet das Bindeglied zwischen Schmerzpumpe und Venensystem, in das das Medikament hineingebracht wird. Dies ist die häufigste Form, in der eine Schmerzpumpe zum Einsatz kommt. Die Infusionsleitung kann jedoch z. B. statt zu den Venen zum Rückenmark geleitet werden.
  • Bolusknop: Dieser Knopf kann vom Patienten betätigt werden, wenn seine Schmerzen stärker werden. Eine bestimmte Menge, limitiert durch die vom Arzt bestimmte Obergrenze, wird dann von der Pumpe gefördert und in den Körper des Patienten geleitet. Nach dem Drücken verriegelt sich der Knopf. Es bezweckt, dass sich der Patient nicht selbst überdosiert und Nebenwirkungen riskiert.
  • Stromversorgung: Netzteil und Batterien oder der Akku versorgen die Schmerzpumpe mit Strom.
  • PC-Anschluss: Auf dem PC wird das übertragene Benutzungsprotokoll gespeichert. Diese Daten sind wichtig, um sie statistisch auszuwerten und die optimale Dosierung für den Patienten herauszufinden.

Litten Sie jemals über längere Zeit an starken Schmerzen und haben deshalb eine Schmerzpumpe bekommen? Wenn ja: Waren Sie zufrieden mit der Handhabung und dem Erfolg der Schmerzlinderung? Mit Ihrer Teilnahme helfen Sie anderen Patienten, einen Eindruck von der Nützlichkeit einer Schmerzpumpe zu bekommen. (Mehrfachnennungen möglich)

Die beiden Hauptverfahren der Schmerzpumpe: Dipidolor-Pumpe und Würzburger Schmerztropf (WST)

Schmerzpumpen werden in Deutschland typischerweise als Dipidolor-Schmerzpumpe oder als „Würzburger Schmerztropf“ angewandt.

Dipidolor-Schmerzpumpe

Das Medikament-Reservoir, das Bedienfeld sowie die Pumpe befinden sich außerhalb des Körpers. Typischerweise ist eine sog. Verweilkanüle am Arm angebracht. Dabei handelt es sich um eine Art Verbindungsstück: An einem Ende kann ein Schlauch angebracht werden, der die Kanüle mit der Pumpe verbindet und so das geförderte Medikament weiterleitet. Am anderen Ende der Kanüle befindet sich eine Nadel, die in die Vene eingeführt wird. Die Kanüle ist mit größeren Pflastern am Arm fixiert. So gelangt das Medikament in das Blutsystem des Körpers und kann schnell aufgenommen werden und seine Wirkung entfalten. Die Dipidolor-Schmerzpumpe wird meist mit der alleinigen Funktion der Bolus-Injektion verwendet. Das bedeutet, dass das Schmerzmittel nicht stetig von selbst in den Körper hineinfließt wie bei einem „Tropf“, sondern nur auf Knopfdruck eine definierte Menge injiziert wird. Danach verriegelt sich der Bolus-Knopf automatisch einige Minuten, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Exkurs: Schmerzpumpen mit Periduralkatheter
Von der klassischen Dipidolor-Schmerzpumpe abzugrenzen ist eine Schmerzpumpe in Form eines Periduralkatheters (kurz PDK). Hierbei handelt es sich um einen dünnen Schlauch, der in den Rücken eingelegt wird und an den sich eine Schmerzpumpe anschließen lässt. Er wird z.B. bei chronischen Rückenschmerzen verwendet. Die Pumpe wird dabei samt Katheter in den Bauchraum unter die Haut implantiert und gibt in regelmäßigen Zeitabständen eine festgelegte Dosis Schmerzmittel an das Rückenmark ab, also direkt an den Wirkort. Das Schmerzmittelreservoir kann nach einigen Wochen durch eine Einspritzung wieder aufgefüllt werden. Die Indikation für eine PDK-Schmerzpumpe unterliegt strengen Anforderungen und der Patient muss erst eine Testphase erfolgreich durchlaufen, bevor die Pumpe dauerhaft implantiert werden darf.

In Deutschland ist Dipidolor das häufigste Opioid, das gegen starke Schmerzen nach einer OP eingesetzt wird. Auch mit einer Schmerzpumpe wird es oft verwendet. Opioide sind eine Gruppe starker Schmerzmittel, worunter auch die Opiate, also natürlich vorkommende Verbindungen des Schlafmohns (z. B. Morphin, Codein) fallen.

Würzburger Schmerztropf (WST)

Der grundsätzliche Unterschied zur Dipidolor-Schmerzpumpe ist der, dass die eingesetzte Schmerzpumpe das Schmerzmittel kontinuierlich in den Körper einbringt und dies automatisch erfolgt. Der Patient muss also keinen Knopf drücken. Er kann aber optional einen Knopfdruck tätigen, um einen zusätzlichen Schub Schmerzmittel aus dem Reservoir zu bekommen, wenn die Schmerzen stärker werden und nicht mehr durch die laufende Medikamentengabe gedeckt werden.

Als Schmerzmittel wird hierbei die „Würzburger Mischung“ eingesetzt. Es handelt sich um mehrere Medikamente, die zusammen in einer Lösung vorkommen. Enthalten sind:

Aktuelles aus der Forschung: Wie sicher sind Schmerzpumpen?

Schmerzpumpen bringen viele Vorteile für den Patienten mit sich, allen voran die Eigenkontrolle des Patienten über seine Schmerzen. Aber wie ist es um die technische Sicherheit und Zuverlässigkeit dieses Apparates bestellt?

Um das festzustellen, wurde 2018 eine Studie durchgeführt, bei der die Daten von über 80.000 Patienten untersucht wurden. Es waren Patienten, die eine OP bekamen und anschließend eine Schmerzpumpe zur Schmerzlinderung erhielten. In 0,19% der Fälle kam es dabei zu einer Fehlmedikation, die auf eine Fehlfunktion der Schmerzpumpe zurückgeht. Dies erscheint zunächst wenig, jedoch sind es immerhin noch ungefähr 150 Patienten, bei denen Medikationsfehler und damit einhergehende Nebenwirkungen wie eine Atemdepression hätten vermieden werden können. Deshalb wird weiterhin daran geforscht, die Funktionen einer Schmerzpumpe zu optimieren. Die Schwierigkeit darin liegt in dem Balanceakt zwischen Handhabung und Sicherheit: Der Patient soll das Gerät einfach, verständlich und selbstständig bedienen können. Gleichzeitig soll die Sicherheit gegeben sein, dass der Patient sich nicht (versehentlich) überdosiert.

Die Autoren der Studie heben die Bedeutung einer guten Schulung des Patienten hervor. Ebenso wichtig seien das Programmprotokoll und die ärztliche Kontrolle des Protokolls. Eine mögliche Verbesserung sehen die Autoren durch den Einsatz der sogenannten „smart pump-Technologie“, die eine Software in die Pumpe implementiert. Diese Software soll eine Datenbank enthalten, anhand derer sich die optimale Dosierung für den Patienten „nachschlagen“ lässt. So braucht eine Krankenschwester z. B. nur das einzusetzende Medikament in die Datenbank einzugeben und erhält anhand der Patientendaten die optimale Dosierung. Falls dann in der Anwendung eine andere Einstellung vorgenommen wird, würde die Software einen Alarm auslösen, der die Krankenschwester darauf aufmerksam macht.

Quelle: Don Daniel Ocay et al. (2018): Safety of Patient-Controlled Analgesia After Surgery in Children and Adolescents: Concerns and Potential Solution, in: Frontiers in Pediatrics 6, S. 336.

Wann wird die Schmerzpumpe eingesetzt?

Postoperative Schmerztherapie

Bei Eingriffen, nach denen starke Schmerzen auftreten, ist es notwendig, eine erfolgreiche Schmerztherapie durchzuführen. Damit kann insgesamt eine schnelle Genesung und Rehabilitation gewährleistet werden. Angewandt wird als Schmerzmittel meist ein Opioid, in Deutschland standardmäßig Dipidolor (Wirkstoff: Piritramid). Dieses wirkt gegen starke und stärkste Schmerzen und kommt in seiner Wirkstärke ungefähr Morphin gleich.

Chronische Schmerzsyndrome

Von einem chronischen Schmerzsyndrom oder auch vereinfacht chronischen Schmerzen spricht man dann, wenn ein Schmerz über einen langen Zeitraum (drei bis sechs Monate) bestehen bleibt. Normalerweise dient Schmerzempfindung dem Körper als Warnhinweis, jedoch ist hier der Schmerz selbst zur Krankheit geworden. Dies geht einher mit einer erniedrigten Schmerzschwelle, psychischen Veränderungen und einer Belastung des sozialen Umfelds. Neben Physiotherapie und Verhaltenstherapie kann die Schmerzmittelpumpe angewandt werden, um die Schmerzen des Patienten zu lindern. Bei chronischen Rückenschmerzen z. B. kann eine Schmerzpumpe in den Körper implantiert werden, die regelmäßig Schmerzmittel abgibt und von außen durch Einspritzung in das Medikamentenreservoir wiederauffüllbar ist.

Bei chronischen Schmerzen orientieren sich Ärzte normalerweise am sogenannten Stufenschema der WHO. Was genau dieses Stufenschema ist, wofür es eingesetzt wird und welche Klassifizierungen der Schmerzmittel es dort gibt, erfahren Sie im folgenden Videobeitrag von Dr. Dr. Tobias Weigl.

Schmerztherapie nach WHO Stufenschema bei chronischen Schmerzen & Tumorschmerz – Analgetika, Opioide

Palliative Schmerztherapie

In der Palliativmedizin geht es darum, die Lebensqualität schwer erkrankter Patienten aufrecht zu erhalten, bis diese an ihrer Erkrankung versterben. Die schweren Erkrankungen gehen oft mit Schmerzen einher, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können. Eine Schmerzpumpe ist daher eine gute Möglichkeit, das Leiden des Patienten bis zu seinem Lebensende ein Stück weit zu lindern.

Tumorschmerztherapie

Ein Tumor oder auch Geschwulst ist eine entartetes Gewebe, dessen Zellen sich ungehindert teilen, immer größer werden und in benachbartes Gewebe übergreifen können (sog. ‚Metastasen’). Greifen sie über, spricht man auch von malignen Tumoren oder Krebs. Bei ihrem rasanten Wachstum können Tumoren potentiell – jedoch nicht bei jeder Art von Tumor – auch Schmerzrezeptoren erreichen, die aktiviert werden und Schmerzsignale ans Gehirn senden – Schmerzempfindung tritt ein. Da die sich vermehrenden Tumorzellen über längere Zeit gegen die Schmerzrezeptoren des Körpers drücken, bieten Schmerzpumpen eine gute Option, diesen auch langfristig mit einem Schmerzmittel entgegenzutreten und den Schmerz zu lindern.

Welche Kontraindikationen für eine Schmerzpumpe gibt es?

Kontraindikationen sind Umstände oder Krankheiten, die den Einsatz eines bestimmten Medikaments oder in diesem Fall einer bestimmten Therapiemethode verbieten.
Der Einsatz einer Schmerzpumpe über die Venen (sog. i. v. PCA-Pumpe wie die Dipidolor-Schmerzpumpe) ist kontraindiziert in folgenden Situationen:

  • Volumenmangel: Zu wenig Blut-Gesamtvolumen im Körper, ausgelöst z. B. durch innere Blutungen oder einem hohen Flüssigkeitsverlust (sog. ‚Exsikkose’)
  • Kreislaufinstabilität
  • unzureichende Atemfunktion des Atmungsapparates und dadurch Sauerstoffunterversorgung des Körpers

Außerdem sind Schmerzpumpen allgemein kontraindiziert bei

  • einer Suchtanamnese (wenn der Arzt im Patientengespräch feststellt, dass der Patient eine psychsiche und/oder körperliche Abhängigkeit vom eingesetzten Schmerzmittel entwickelt hat)
  • Unverträglichkeit gegen das eingesetzte Schmerzmittel
  • chronischer Mangelernährung
  • Schwerer Niereninsuffizienz und/oder Leberinsuffizienz
  • Selbstmordgefährdung
  • Bewusstseinsstörungen, z. B. durch Alkoholmissbrauch
  • Eingeschränkter Fähigkeit, die Pumpe zu bedienen (z.B. Demenz, Kleinkinder unter vier Jahre)

Die Schmerzpumpe auf einen Blick

Medizinprodukt, zur gleichmäßigen Injektion von Medikamenten und/oder zur Injektion nach Bedarf (sog. ‚Bolusinjektion’)

Aufgabe

  • Gleichmäßige Eintragung von Medikamenten wie Schmerzmitteln, lokalen Betäubungsmitteln oder Mitteln gegen Erbrechen in den Körper
  • Je nach Pumpe gibt es eine Funktion zur patientengesteuerten Dosiserhöhung per Knopfdruck
  • Beide Funktionen können alleine oder kombiniert angewandt werden

Anwendungsgebiete

  • Schmerztherapie bei starken bis sehr starken Schmerzen (z. B. Tumorschmerzen)

Wichtigste mögliche Nebenwirkungen

  • Schmerztherapie nach einer Operation
  • Behandlung chronischer starker Schmerzen
  • Palliativmedizin zur Erhöhung der Lebensqualität
  • Tumorschmerz-Therapie

Kontraindikationen
Allgemein bei Schmerzpumpen:

  • Drogensucht und Drogenmissbrauch
  • Unverträglichkeit gegen das eingesetzte Schmerzmittel
  • Schwere Nieren- und/oder Leberinsuffizienz
  • Chronische Mangelernährung
  • Suizidgefahr
  • Bewusstseinsstörungen, z. B. Alkoholmissbrauch
  • Patient kann Pumpe nicht bedienen (z.B. bei Demenz)

Speziell bei i. v. PCA-Pumpen (Schmerzpumpen, die über die Venen gehen):

  • Speziell bei i. v. PCA-Pumpen (Schmerzpumpen, die über die Venen gehen):
  • verringertes Gesamt-Blutvolumen
  • Störungen der Atemfunktion, die einen Sauerstoffmangel im Körper hervorrufen
  • Kreislaufinstabilität

Formen der Schmerzpumpe

  • intravenös: über Verweilkanüle in eine Vene, vor allem bei Schmerzen nach OP, mit Opioiden wie z. B. Dipidolor
  • epidural (rückenmarksnah): patientenkontrollierte Epiduralanalgesie (kurz PCEA), Lokalbetäubungsmittel mit oder ohne Opioid, z. B. bei chronischen Rückenschmerzen
  • periphere Nervenblockaden: patientenkontrollierte Regionalanästhesie (kurz PCRA), wie PCEA nur mit wechselndem Applikationsort am Körper
  • nicht-invasive transdermale PCA: kleines elektronisches System auf der Haut erlaubt die Gabe von Fentanyl über die Haut, vom Patienten steuerbar

Häufige Patientenfragen

Wie zufriedenstellend und zuverlässig sind Schmerzpumpen?

Dr. Dr. T. Weigl
Schmerzpumpen gehören heute zur Standardtherapie bei starken Schmerzen nach einer OP. Sie weisen eine niedrige Fehlerquote von ungefähr 0,2% auf und sind für den Patienten vor allem aufgrund der eigenständigen Kontrolle über auftretende Schmerzen angenehm. Ein Sicherheitsintervall nach dem Knopfdruck verhindert, dass sich der Patient eine zu hohe Dosis durch erneutes Drücken kurz nach der ersten Betätigung verabreicht. Nebenwirkungen treten seltener auf als bei anderen Arten der Schmerzmittelgabe.

Kommt eine Schmerzpumpe für mich in Frage?

Dr. Dr. T. Weigl
Ob Sie generell für eine Behandlung mittels Schmerzpumpe geeignet sind oder es Kontraindikationen gibt, wird ihr Arzt vorab in einem Gespräch mit Ihnen klären. Die Wahl der Schmerztherapie hängt von der Art der Schmerzen, ihrer Intensität und Häufigkeit sowie von Ihrem Ansprechen auf eine Schmerztherapie ab.

Ist die Schmerzpumpe ein neues Verfahren?

Dr. Dr. T. Weigl
Nein, das Verfahren der Patientengesteuerten Analgesie (PCA), also der Schmerzbehandlung durch den Patienten selbst, ist bereits in den 1970er Jahren zusammen mit der Schmerzpumpe entwickelt worden. Dieses Verfahren der Schmerzmittelgabe hat sich zu einer Standardtherapie bei postoperativen starken Schmerzen entwickelt.

Was kann ich tun, wenn das Medikament nicht zur Schmerzlinderung führt?

Dr. Dr. T. Weigl
Wichtig ist, dass hierbei die Dosis nicht einfach selbstbestimmend, sprich ohne Anweisung des Arztes, erhöht wird. Eine Überdosierung kann zu verschiedenen Symptomen wie zum Beispiel starkem Blutdruckabfall (sog. ‚Orthostase’) oder Atemstillstand (sog. ‚Atemdepressionen’) und damit verbunden zum Tod führen. Unbedingt sollte dies mit dem dafür beteiligten Arzt abgesprochen und vielleicht nach alternativen Medikamenten oder sogar Therapien diskutiert werden. Als sog. „Gegengift“ bei einer Opioid-Überdosierung wird Naloxon verwendet.

Welche Nebenwirkungen gibt es, wenn die Schmerzpumpe nicht richtig funktioniert?

Dr. Dr. T. Weigl
Eine Schmerzpumpte bietet zwar einige Vorteile gegenüber der klassische Schmerzmitteltherapie, ist jedoch noch nicht frei von Fehlern (Fehlerrate ca. 0,2%). Aufgrund dessen, dass es sich meist um Opioide wie Morphin und morphinähnlichen Substanzen handelt, die als Schmerzmittel angewandt werden, können auch hier die gleichen Nebenwirkungen bei einer falsch eingestellten Dosierung der Pumpe auftreten. Die wichtigsten Nebenwirkungen von Opioiden wie Morphin sind:

  • Atemdepression (verlangsamte Atemfrequenz)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verstopfung
  • Schläfrigkeit
  • Beobachten Sie eine dieser Nebenwirkungen an sich oder andere Nebenwirkungen, geben Sie dem medizinischen Personal Bescheid.

Typisches Patientenbeispiel

„Muss ich da nächste Woche wirklich hin, Moni…?“, fragt Torben seine Frau Monica nölend. „Ja, musst du. Oder wie lange soll ich mir das Gejammer über deine Rückenschmerzen noch anhören? Es war schon schwierig genug, dich von der OP zu überzeugen, jetzt zieh es doch einfach durch“, entgegnet Monica genervt. Torben leidet seit einiger Zeit an Rückenschmerzen und weder Physiotherapie noch regelmäßiger Sport konnten ihm eine ausreichende Besserung bescheren. Nun hat er sich für einen operativen Eingriff entschieden. „Was ist denn, wenn ich nach der OP auch Schmerzen habe? Starke Schmerzen, meine ich!“, sorgt sich Torben, „man liest ja so einiges darüber…“. Monica antwortet etwas sanfter: „Schatz, du bekommst doch ein Schmerzmittel für nach der OP. Außerdem haben wir mit Dr. Schäfer besprochen, dass du diese Schmerzmittelpumpe bekommst. Mit der hast du doch die Kontrolle über deine Schmerzen.“
Torben begibt sich schließlich in die Hände der Chirurgen und lässt seinen Rücken operieren. Nach dem Aufwachen hat er zwar Rückenschmerzen, jedoch kann er diese mit einem Knopfdruck der Schmerzpumpe schnell lindern. Torben fühlt sich wohl dabei, die Kontrolle über seine Schmerzen zu haben. Er muss nicht erst darauf warten, dass die Krankenschwester ihm das Schmerzmittel auf seinen Wunsch bringt, er hat es selbst in der Hand. Einige Tage später kann Torben mit einem gesunden Rücken das Krankenhaus verlassen.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  
Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Christopher Keck
Redaktion: Sebastian Mittelberg
Veröffentlicht am: 02.07.2019

Quellen

  • S. Grond et al.(2008): Prinzipien der postoperativen Schmerztherapie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • R. Kramm (2006): Medizintechnik: Verfahren – Systeme – Informationsverarbeitung. Springer Verlag, Heidelberg.
  • Don Daniel Ocay et al. (2018): Safety of Patient-Controlled Analgesia After Surgery in Children and Adolescents: Concerns and Potential Solution, in: Frontiers in Pediatrics 6, S. 336.
  • D. Rosenow und V. Tronnier (2004): Neurogener Schmerz: Management von Diagnostik und Therapie. Springer Verlag, Heidelberg.
  • J.R. Siewert (2006): Chirurgie. Springer Verlag, Heidelberg.
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