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Morphin – Schmerzmittel mit 3 Gefahren

Allgemein versteht man unter Opioiden Substanzen, die wie Morphin eine analgetische, das heißt schmerzlindernde Wirkung besitzen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

 

Was ist Morphin?

Morphin, auch „Morphium“ genannt, ist das erste aus dem Opium isolierte Opioid. Es ist ein wichtiges Arzneimittel in der Schmerztherapie und wird bei Behandlung von starken und sehr starken Schmerzen eingesetzt. Da seine Wirkung so stark ist, ist Morphin als Betäubungsmittel eingestuft und wird deshalb streng überwacht. Der Apotheker Friedrich Wilhelm Sertürner (1783–1841) war derjenige der Morphin 1804 als erste Person aus dem Opium isolierte. Wie in Dr. Weigls Video über Opioide kann entnommen werden, dass Morphin als Referenz, das heißt „Messlatte“ für die weiteren Opiate dargestellt wird. Somit werden die schmerzlindernden Effekte anderer Opiate mit dem des Morphins verglichen. Zudem kann Morphin in seltenen Fällen zu Abhängigkeit beziehungsweise zum Missbrauch führen. Dies ist eines der wichtigen Gründe, wieso Morphin verschreibungspflichtig ist.

Im folgenden Blog beziehungsweise in dem Video von Dr. Weigl, welches hier zu sehen ist, erfahren Sie alles Wissenswerte über Morphin.

 

 

Wussten Sie schon?

1. Wussten Sie, dass Morphin nach dem griechischen Gott der Träume, Morpheus, benannt worden ist? Er ist der Sohn von „Hypnos“, dem Gott des Schlafes. Morpheus’ Aufgabe war es, für gute Träume zu sorgen. Der Apotheker F. Sertürner gab dem Arzneimittel deshalb diesen Namen, da Morphin eine einschläfernde und Träume auslösende Wirkung besitzt und sich so Parallelen zu Morpheus, dem Gott der Träume, ergaben.

2. Wussten Sie, dass Opium, die Substanz, aus der das Morphin isoliert wird, der getrocknete Milchsaft der allbekannten Pflanze Schlafmohn (im wissenschaftlichen Fachjargon: ‚Papaver somniferum‘) ist? Die Samen des Schlafmohns, die im Übrigen keine schmerzlindernde Wirkung besitzen, sind die Samen, die wir täglich als Lebensmittel verzehren, wie in Süßspeisen zum Beispiel in dem Mohnkuchen oder als Gebäck wie auf dem Mohnbrötchen.

3. Wussten Sie, dass Morphin als illegale Droge missbraucht wird? Es besitzt ein sehr hohes Suchtpotenzial, welches zu einem langanhaltenden Missbrauch verlockt. Der Körper gewöhnt sich schnell an das Morphin, sodass der Süchtige, wie bei vielen anderen Drogen beziehungsweise bei anderen zum Missbrauch verwendeten Arzneimitteln, die Dosis immer weiter steigern muss, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Es wird mit der allbekannten Droge Heroin auf eine Stufe gestellt und hat somit ein hohes Gefahrenpotenzial, welches sehr ernst zu nehmen ist.

 

Wirkungsweise

Im Folgenden werden einige wichtige Wirkungen und Nebenwirkungen des Morphins dargestellt.

Wirkungen
schmerzlindernd (sog. analgetisch)
euphorisierend
beruhigend (sog. sedierend)
gegen Husten (sog. antitussiv)
Übelkeit und Erbrechen auslösend (sog. emetisch)
Nebenwirkungen (sehr häufig)Nebenwirkungen (häufig)Nebenwirkungen (gelegentlich)
Verstopfung (sog. Obstipation)KopfschmerzenBlutdruckabfall
Stimmungsveränderungen (positiv oder depressiv)SchwindelBlutdruckanstieg
PupillenverengungSchlafstörungenVerlangsamung des Herzschlags
AlpträumeBeschleunigung des Herzschlags
Übelkeit/Erbrechen
Verdauungsstörungen

Viele dieser und weiterer Wirkungen und Nebenwirkungen von anderen Opiaten wie Fentanyl oder Oxycodon werden auch in Dr. Weigls Video dargestellt und erläutert.

Was sind die Einsatzgebiete des Morphins?

Morphin wird größtenteils in der Schmerztherapie bei starken beziehungsweise sehr starken Schmerzen eingesetzt. Hierbei kann es bei chronischen sowie bei akuten Schmerzen eingesetzt werden. Auch wird es in der Palliativmedizin zur Behandlung von Luftnot eingesetzt. Das letztere Einsatzgebiet ist jedoch keine offiziell zugelassene Therapie, wird in Notsituationen jedoch als „Off-Label-Use“ (Verordnung eines Arzneimittels außerhalb des zugelassenen Gebrauchs) durchgeführt.

Wie oft verwenden Sie Morphin als Medikament?
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Wie wird Morphin angewendet?

Morphin kann in verschiedenen Darreichungsformen angewendet werden. Die Dosierung von Morphin muss hierbei individuell auf den Patienten angepasst werden und unterscheidet sich zudem je nach verschriebenen Darreichungsform.

Morphin wird typischerweise als Tablette (sog. „perorale Gabe“) abgegeben, wobei hier wichtig ist, dass die Bioverfügbarkeit, das heißt wie viel man als Wirkung der Tablette „spürt“ beziehungsweise „aufnimmt“ zwischen 15 % – 50%. Aus diesem Grund ist hierbei die Dosis bis zu dreimal höher als bei einer Gabe von Morphin durch beispielsweise einer Injektion (sog. „parenterale Gabe“), damit auch bei peroraler Gabe derselbe Effekt gewährleistet werden kann. Morphin kann zudem auch in den Muskel (sog. „intramuskulär“) oder unter die Haut ( „subcutan“) appliziert werden. Die Wirkung tritt außerdem bei oraler Gabe nach ungefähr 20 bis 40 Minuten ein. Die Wirkungsdauer ist hierbei bei 4 Stunden. Da aus diesem Grund Morphin eine relativ kurze Wirkdauer besitzt, gibt es neben den üblichen Tabletten, auch solche mit verzögerter Wirkstofffreisetzung. Diese werden Retardtabletten genannt. Hierbei handelt es sich um Tabletten, bei welchen die Wirkung länger andauern. Diese gewährleisten eine Wirkdauer von Morphin von etwa 12 Stunden.

In der folgenden Tabelle sehen Sie alle wichtigen Punkte zur Anwendung von Morphin. Hierbei sind die Darreichungsform, Dosierung, Wirkungsdauer und die therapeutische Potenz von Morphin zusammengefasst. Diese Übersicht ist außerdem zusätzlich in dem Video von Dr. Weigl mit anderen Opioiden zu betrachten, sodass alle eben erwähnten wichtigen Informationen zu den verschiedenen Opiaten im Überblick zu sehen sind und miteinander verglichen werden können.

Anmerkung: Was bedeutet therapeutische Potenz? Die therapeutische Potenz bezieht sich auf die Wirkungsstärke der Referenzsubstanz Morphin, welche eine therapeutische Potenz von „1“ besitzt und je nach Wirkungsstärke des Opioids höher (stärker) oder niedriger (schwächer) ist.

OpioidMedikament/ Handelsname (Beispiele)DarreichungsformDosierung (mg)Wirkungsdauer (h)Therapeutische Potenz
MorphinMorphin®
MST®
MSI®
Oral (Tablette)
Oral retard

Intramuskulär,
Subkutan
30-60
10-30

10-20
3-4
8-12

2-4
1

 

Was sind die Gefahren einer dauerhaften Einnahme?

Mit der längerfristigen Morphin-Einnahme beziehungsweise allgemeinen längerfristigen Opioid-Einnahme gehen einige Gefahren einher, welche in jenem Fall ernst genommen werden müssen. Die Gefahren können in drei Kategorien eingeteilt werden:

  1. Toleranz
  2. Physische Abhängigkeit
  3. Psychische Abhängigkeit

 

Toleranz (Gewöhnung)

Bei einer Toleranzentwicklung, muss nach einer gewissen Zeit, mehr Wirkstoff eingenommen werden beziehungsweise eine immer höhere Dosierung zu sich genommen werden, damit dieselbe Wirkung wie zuvor erzielt wird. Hierbei ist die Toleranzentwicklung bezogen auf die verschiedenen Wirkungen des Morphins unterschiedlich ausgeprägt. Die schmerzlindernde Wirkung des Morphins lässt hierbei zum Beispiel nach. Andererseits kann auch die euphorisierende Wirkung nachlassen. Letzterer Punkt ist eine sehr große Gefahr im Hinblick auf den Missbrauch des Morphins. Da viele die Morphin als Droge missbrauchen genau diese euphorisierende Wirkung ausnutzen, geraten diese somit in den Konflikt eine immer höhere Dosis anwenden zu müssen, um dieselbe euphorisierende Wirkung zu erzielen. Dies kann sich so weit aufbauen, bis eine Lebensgefahr besteht. Die Toleranzentwicklung kann hierbei schon nach einigen Stunden nach der Aufnahme eintreten, ist jedoch individuell unterschiedlich und kann nicht verallgemeinert werden.

Andererseits gibt es auch Wirkungen des Morphins, die einer Toleranzentwicklung nicht oder kaum ausgesetzt sind, wie der Verkleinerung der Pupillen oder der verstopfenden Wirkung. Diese sind unabhängig von Einnahmedauer des Morphins und treten somit so gut wie immer auf.

Physische Abhängigkeit

Mit der physischen Abhängigkeit ist die körperliche Abhängigkeit wie Entzugserscheinungen nach einer längerfristigen Morphin-Einnahme gemeint. Hierbei kann es zu zahlreichen Entzugserscheinungen kommen, wie Zittern, Herzrasen, Erbrechen, Durchfall oder schlechte Stimmung kommen.

Psychische Abhängigkeit

Die psychische Abhängigkeit von Morphin beziehungsweise von Opioiden kann es zum sogenannten „Craving“, dem unwiderstehlichen Verlangen nach dem Medikamt, kommen. Der Körper beziehungsweise der Geist des Menschen hat sich an die Opioid-Einnahme gewöhnt und sehnt sich weiterhin danach. Die psychische Abhängigkeit besteht hierbei meist länger als die psychische Abhängigkeit. Deshalb ist meist die psychische Abhängigkeit der Grund für einen Rückfall bei einem Opioid-Enzug.

Verwandte Substanzen beziehungsweise weitere Opioide

Weitere wichtige Opioide, die in der Schmerztherapie eingesetzt werden, sind beispielsweise Oxycodon, Hydromorphon, Bubrenophil und Fentanyl.

Oxycodon ist hierbei 1,5 mal stärker wirksam als Morphin und hat somit eine leicht verstärkte schmerzlindernde Wirkung. Hierbei ist zurzeit ein aktuelles und präsentes Thema, die starke Abhängigkeit von Oxycodon in den Vereinigten Staaten.

Hydromorphon ist ungefähr 7,5 mal stärker als Morphin und wird somit bei sehr schweren Schmerzzuständen eingesetzt.

Des Weiteren gibt es das Opioid Bruprenorphin. Seine Maximalwirkung ist schwächer als Morphin, seine schmerzlindernde Wirkung jedoch höher als die des Morphins. Die Besonderheit des Bruprenorphins liegt hierbei bei der Einsetzung für die Entwöhnung von Opioid-Abhängigkeit.

Das letzte hier erwähnte Opioid ist das Fentanyl, welches auch als das typische Fentanylpflaster zur Behandlung von meist chronischen Schmerzen bekannt ist. Fentanyl hat eine ungefähr 100 mal stärkere Wirkung als Morphin. Auch hier ist ein zurzeit aktuelles Thema der Missbrauch von Fentanyl als Droge.

 

Exkurs aus der Natur

Folgend werden einzelne alternative pflanzliche Lösungen vorgestellt. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass diese kein Äquivalent zum Medikament, hier dem Morphin, darstellen. Es geht lediglich um eine weitere Option beziehungsweise Möglichkeiten die Schmerzen auf einem anderen Wege, nämlich pflanzlich, zu lindern.

  1. Weidenrinde
  2. Hagebutte
  3. Pfefferminze
  4. Arnika

Weidenrinde

Ein bekannter Klassiker ist hierbei die Weidenrinde, welches als sehr potentes pflanzliches Schmerzmittel gilt. Die Weidenrinde gilt als Entzündungs- und Schmerzhemmer und eignet sich bei jeglichen Arten von Schmerzen wie Arthrose, Rücken- oder Kopfschmerzen.

Hagebutte

Die Hagebutte eignet sich nicht nur zum Verzieren des Gartens durch seine schönen Rosenblüten, sondern auch zur Linderung von Arthrose-, Kopf-und Rückenschmerzen, ähnlich wie die Weidenrinde. Hierbei wird empfohlen, täglich vier Teelöffel Hagebuttenpulver in Joghurt verrührt einzunehmen und zusätzlich dazu einen halben Liter Wasser zu sich zu nehmen. Die Wirkung der Hagebutte erscheint jedoch erst nach ungefähr drei bis vier Monaten. Deshalb sollten Sie bei dieser Alternative Geduld mit sich bringen.

Pfefferminze

Auch bekannt bei Linderung von Kopfschmerzen ist die Pfefferminze. Das in der Pfefferminze enthaltende Menthol wirkt schmerzlindernd, muskelentspannend und lokal betäubend. Die Pfefferminz wird beispielsweise als Pfefferminzöl eingesetzt.

Arnika

Für Sportler, die sich hin und wieder Sportverletzungen zuziehen, ist die Arnika von Bedeutung. Diese hilft durch den Wirkstoff Helenalin bei Sportverletzungen und bei Gelenkschmerzen durch schmerzlindernde und abschwellende Eigenschaften. Bis jetzt hat sich eine Schmerzsalbe mit 25%-iger Arnikatinktur bewährt. Auch wird Arnika in Form von homöopathischer Mittel eingesetzt.

Häufig gestellte Fragen

Was passiert bei einer Morphin-Überdosis?

Dr. T. Weigl:
Bei einer Überdosierung von Morphin kann es zu einem lebensgefährlichen Atemstillstand kommen. Die Atmungsfrequenz nimmt stetig ab, sodass zu wenig Sauerstoff in den Körper gelangt. Bei einer Überdosierung muss sofort Hilfe geholt werden. Dem Betroffenen wird ein Gegengift, im Fachjargon „Opioid-Antagonist“ genannt, verabreicht, welcher dafür sorgt, dass ein Atemstillstand verhindert wird und die Atmung wieder hergestellt wird. Eine unbehandelte Überdosis an Morphin beziehungsweise anderen Opioiden kann somit zum Tod führen.

Was passiert wenn ich Morphin dauerhaft einnehme?

Dr. T. Weigl:
Wie unter  „Was sind die Gefahren einer dauerhaften Morphin-Einnahme?“ beschrieben, kann eine dauerhafte Einnahme zu einer Toleranz, also einer Gewöhnung, zu einer physischen Abhängigkeit als auch einer psychischen Abhängigkeit führen. Alle drei Gefahren sind ernst zu nehmen.

Ist Morphin verschreibungspflichtig?

Dr. T. Weigl:
Ja, Morphin ist verschreibungspflichtig. Da die Wirkung von Morphin so stark ist und eine Missbrauchsgefahr sehr hoch ist, ist Morphin als Betäubungsmittel eingestuft und wird nur verschreibungspflichtig abgegeben.

Verwandte Themen

Haben Sie Fragen zu oder Erfahrungen mit Morphin oder anderen Opioiden? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um sich mit uns und anderen Lesern auszutauschen!

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Mona Alinezhad
Redaktion: Dr. Tobias Weigl
Veröffentlicht: 27.03.2018, zuletzt aktualisiert: 06.10.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Poth, S: Die Heilkraft der Pflanzen
  • Ellinger, Genzwürker, Kursbuch Notfallmedizin, Deutscher Ärzteverlag, 2011
  • F. Nauck, E. Klaschik: Schmerzen. In: Leitfaden Palliative Care. Palliativmedizin und Hospizbetreuung. Hrsg. C. Bausewein, Elsevier
  • Eintrag zu Opium. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag
  • Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage, 2013
[Gesamt:4    Durchschnitt: 4.3/5]
1 Kommentar
  • C.R.
    28.03.2018 20:45

    Ganz ganz starker Artikel! Mehr davon bitte!

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