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Morphin – Schmerzmittel mit 3 Gefahren

Auf einen Blick – Morphin

Was ist Morphin?

  • das erste aus Opium isolierte Opioid
  • wichtiges Arzneimittel in der Schmerztherapie
  • Referenzsubstanz für alle anderen Opioide

Wirkung

  • Schmerzlinderung
  • Euphorisierung
  • Beruhigung
  • Hustenstillung
  • beseitigt Angstgefühle
  • setzt die Atmung herab
  • Pupillenverengung
  • verringert die Harnausscheidung
  • erregt zunächst Brechreiz, später senkt es diesen

Anwendungsgebiete

  • Schmerztherapie
  • Palliativmedizin (im Rahmen von „Off-Label-Use“)
  • Behandlung Opioidabhängiger

Wichtigste Nebenwirkungen (Auszug)

  • Stimmungsveränderungen
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • gesteigerter Erregungszustands
  • Schlaflosigkeit
  • kognitiven und sensorische Leistungsfähigkeit ist verändert
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit

Empfohlene Dosis für Erwachsene

  • Tablette: 30–60 mg
  • Retardtablette: 10–30 mg
  • Spritze in den Muskel (sog. ‚intramuskulär‘) oder unter die Haut (sog. ‚subcutan‘): 10–30 mg, Spritze in die Vene (sog. ‚intravenös‘): 5–10mg, Spritze in Rückenmarksnähe (sog. ‚epidural‘): 1–4 mg, Spritze in den Liquorraum um Rückenmark und Gehirn (sog. ‚intrathekal‘): 0,5–1mg

Darreichungsformen

  • Tablette
  • Retardtablette
  • Kapsel
  • Sirup
  • Suspension
  • Zäpfchen
  • Tropfen
  • Injektion

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Morphin ist ein Arzneimittel, das schon lange in der Behandlung von vor allem Schmerzpatienten Anwendung findet. Es hat viele Vorteile und ist aus der Medizin von heute kaum wegzudenken. Allerdings geht es auch mit einigen Nebenwirkungen einher und birgt vor allem die Gefahr der Abhängigkeit. Wir klären im folgenden Artikel im Detail über das älteste Opioid auf und gehen dabei unter anderem auch darauf ein, welche Risiken in Verbindung mit Morphin zu beachten sind.

Was ist Morphin?

Morphin, auch „Morphium“ genannt, ist das erste aus dem Opium isolierte Opioid. Opium ist die Bezeichnung für den getrockneten Milchsaft von Schlafmohn. Diese Isolation gelang erstmals dem Apotheker Friedrich Wilhelm Sertürner (1783–1841). Namensgeber des Wirkstoffs ist Morpheus, der griechische Gott der Träume und Sohn von Hypnos, Gott des Schlafs. Der Begriff Morphin ist also vor allem auf seine einschläfernde sowie Träume auslösende Wirkung zurückzuführen.

Morphin ist ein wichtiges Arzneimittel in der Schmerztherapie und wird bei der Behandlung von mittelstarken und bis starken starken Schmerzen eingesetzt. Aufgrund ebendieser starken Wirkung ist Morphin als Betäubungsmittel eingestuft und daher streng überwacht.

Morphin hat in der Medizin sozusagen eine Funktion als „Messlatte“. Es wird als Substanz mit dem Wert 1 verwendet, um die Wirkstärke anderer Opioide darzustellen. Die analgetische Potenz, also die Fähigkeit zur Schmerzstillung, beträgt beim Opioid Tramadol bspw. nur ein Zehntel von Morphin und wird deshalb mit 0,1 angegeben, während Fentanyl etwa 100 Mal so stark wirkt und daher auch mit einer Potenz von 100 angegeben wird.

Im nachfolgenden Video-Beitrag geht Dr. Dr. Tobias Weigl noch einmal genauer auf Morphin ein unter anderem die bestehende Gefahr der Abhängigkeit. Diese Abhängigkeit ist häufig das Ergebnis einer missbräuchlichen Verwendung, weshalb das Medikament verschreibungspflichtig ist.

Stark wirksame Opioide: Morphin, Oxycodon, Hydromorphon, Buprenorphin & Fentanyl | Abhängigkeit USA

Welche Wirkung hat Morphin?

Morphin wirkt als Opioid an den sogenannten μ-Rezeptoren. Es dämpft dadurch die Weiterleitung von Schmerzimpulsen im zentralen Nervensystem (ZNS) vor und nach den Synapsen. Die Synapsen sind die Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen. Auf diese Weise wird Schmerzlinderung erzielt.

Die folgende Auflistung enthält die wesentlichen Wirkungen von Morphin:

  • Schmerzlinderung
  • Euphorisierung
  • Beruhigung
  • Hustenstillung
  • beseitigt Angstgefühle
  • setzt die Atmung herab
  • Pupillenverengung
  • verringert die Harnausscheidung
  • erregt zunächst Brechreiz, später senkt es diesen
Gut zu wissen!
Als Opium, die Grundsubstanz von Morphin, bezeichnet man den getrockneten Milchsaft der allbekannten Pflanze Schlafmohn (sog. ‚Papaver somniferum‘). Die Samen des Schlafmohns besitzen keine schmerzlindernde Wirkung und finden sich in unseren Lebensmitteln wieder. Wir verzehren sie bspw. als Bestandteil von Mohnkuchen oder Mohnbrötchen.

Was sind die Anwendungsgebiete von Morphin?

Morphin wird größtenteils in der Schmerztherapie bei starken beziehungsweise sehr starken Schmerzen eingesetzt. Es findet Anwendung bei sowohl chronischen als auch akuten Schmerzen. Voraussetzung dafür ist meist, dass „herkömmliche“, nicht-opioide Schmerzmittel wie z. B. Ibuprofen oder Diclofenac keine ausreichende Wirkung mehr erzielen und das Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (kurz: WHO) ausgereizt ist.

Ebenso kommt es in der Palliativmedizin zur Behandlung von Luftnot zum Einsatz. Der Wirkstoff ist für diese Therapieform jedoch nicht offiziell zugelassen, weshalb es iM Rahmen eines sogenannten „Off-Label-Use“ Verwendung findet. Dieser Begriff bezeichnet dieVerordnung eines Arzneimittels außerhalb des zugelassenen Gebrauchs.

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Behandlung Opioidabhängiger. Konsumenten von bspw. Heroin werden mit Morphin einer sogenannten Substitutionsbehandlung unterzogen. Ziel ist die absolute Abstinenz.

Achtung!
Morphin wirkt psychotrop, beeinflusst also unsere Psyche bzw. psychische Prozesse und wird deshalb auch missbräuchlich verwendet. Der Wirkstoff kann sowohl körperlich als auch psychisch abhängig machen und unterliegt daher dem Betäubungsmittelgesetz.

Leiden Sie an chronischen Schmerzen? Wie oft verwenden Sie Morphin als Medikament? Mit Ihrer Teilnahme an dieser Umfrage helfen Sie anderen Menschen dabei, ihre Situation besser einzuschätzen.
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Anwendung und Dosierung

Morphin gibt es in verschiedenen Darreichungsformen. Die Dosierung von Morphin muss individuell an den Patienten angepasst werden und unterscheidet sich zudem je nach verschriebener Darreichungsform.

Morphin wird typischerweise als Tablette (sog. „perorale Gabe“) gegeben. Die Bioverfügbarkeit – wie viel man als Wirkung der Tablette also letztlich „spürt“ bzw. „aufnimmt“ – liegt in diesem Fall bei 15–50 Prozent. Aus diesem Grund ist hierbei die Dosis bis zu dreimal höher als bei einer Gabe von Morphin durch beispielsweise eine Injektion (sog. „parenterale Gabe“). Die entsprechend höhere Dosis ist also notwendig, um den gleichen Effekt wie bei einer Spritze zu gewährleisten.

Morphin kann zudem auch in den Muskel (sog. „intramuskulär“) oder unter die Haut (sog. „subcutan“) gespritzt werden. Die Wirkung tritt bei Morphin in Tablettenform nach etwa 20 bis 40 Minuten ein, die Wirkdauer liegt dann bei 4 Stunden. Das ist eine verhältnismäßig kurze Wirkdauer. Aus diesem Grund gibt es neben den üblichen Tabletten auch solche mit verzögerter Wirkstofffreisetzung, sogenannte Retardtabletten. Diese gewährleisten eine Wirkdauer von etwa 12 Stunden.

Gut zu wissen!
Was bedeutet eigentlich therapeutische Potenz? Die therapeutische Potenz bezieht sich auf die Wirkstärke der Referenzsubstanz Morphin, welche eine therapeutische Potenz von „1“ besitzt. Je nach Wirkstärke des in diesem Zusammenhang angeführten Opioids liegt dieser Wert also über 1 und ist demnach stärker oder unter 1 und ist dann schwächer.

In der folgenden Tabelle finden Sie alle wichtigen Punkte bei der Anwendung von Morphin. Die Angaben zur Dosis beziehen sich dabei auf erwachsene Anwender.

OpioidMedikament/ Handelsname (Beispiele)DarreichungsformDosierung (mg)Wirkungsdauer (h)Therapeutische Potenz
MorphinMorphin®
MST®
MSI®
Oral (Tablette)
30–60
3–4
1
Oral retard10–308–12
Spritze in den Muskel oder unter die Haut10–302–4

Was sind die Nebenwirkungen von Morphin?

Wir nutzen Medikamente dazu, viele Beschwerden oder auch Erkrankungen zu behandeln. Die meisten Medikamente haben – obwohl sie eigentlich helfen – zahlreiche Nebenwirkungen. Vereinfacht lässt sich dieser Umstand zusammenfassen mit dem Satz: „Keine Wirkung ohne Nebenwirkung.“ Auch Morphin bleibt von diesen Nebenwirkungen nicht verschont.

Die folgende Auflistung beinhaltet daher alle Nebenwirkungen, die Morphin verursachen kann. Diese sind geordnet nach ihrer Häufigkeit und dementsprechend unterteilt in sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten), häufig (1 bis 10 Behandelte von 100), gelegentlich (1 bis 10 Behandelte von 1.000), selten (1 bis 10 Behandelte von 10.000) und sehr selten (unter 1 Behandelter von 10.000).

Als sehr häufige Nebenwirkung ist allein die Stimmungsveränderung aufgeführt. Diese kann entweder gesteigert (sog. ‚Euphorie‘) oder gedrückt (sog. ‚Dysphorie‘) sein.

Die häufigen Nebenwirkungen sind dann schon zahlreicher und umfassen:

Die gelegentlichen Nebenwirkungen umfassen:

  • Herzfrequenz und Blutdruck verändert
  • Herpes an den Lippen taucht wieder auf

Selten kommt es zu:

  • erhöhte Bauchspeicheldrüsenenzyme
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Schmerzen im mittleren und rechten Oberbauch durch Gallenkolik
  • krampfartige Schmerzen in der Lendengegend durch Nierenkoliken
  • Krämpfe der Bronchialmuskulatur (sog. ‚Bronchospasmen‘)
  • Entzugserscheinungen

Viele sehr seltene Nebenwirkungen möglich

Die sehr seltenen Nebenwirkungen sind recht zahlreich. Der Vollständigkeit halber werden sie im Folgenden in ihrer Gesamtheit aufgeführt.

  • Zittern
  • Muskelzucken
  • neurologische Symptome wie z. B. Lähmungserscheinungen
  • Atemhemmung
  • Abhängigkeit von dem Wirkstoff
  • Krampfanfälle
  • verminderte Libido
  • Potenzschwäche
  • Sehstörungen wie Doppeltsehen oder verschwommenes Sehen
  • Augenzittern
  • Darmverschluss
  • Bauchschmerzen
  • erhöhte Leberenzyme
  • Muskelkrämpfe
  • gestörte Atmung mit ggf. Atemnot oder Kurzatmigkeit
  • Muskelstarre
  • Hautausschlag
  • Flüssigkeitseinlagerungen
  • Schwartz-Bartter-Syndrom mit Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und mehreren neurologischen Beschwerden
  • Kraftlosigkeit
  • Unwohlsein
  • Schüttelfrost
  • ausbleibende Regelblutung
  • Veränderungen an den Zähnen

Morphin auf einen Blick

Morphin aus der Wirkstoffgruppe der Opioide
Wirkung

  • Schmerzlinderung
  • Euphorisierung
  • Beruhigung
  • Hustenstillung
  • beseitigt Angstgefühle
  • setzt die Atmung herab
  • Pupillenverengung
  • verringert die Harnausscheidung
  • erregt zunächst Brechreiz, später senkt es diesen

Anwendungsgebiete

  • Schmerztherapie
  • Palliativmedizin (im Rahmen von „Off-Label-Use“)
  • Behandlung Opioidabhängiger

Wichtigste Nebenwirkungen

Empfohlene Dosis für Erwachsene

  • Tablette: 30–60 mg
  • Retardtablette: 10–30 mg
  • Spritze in den Muskel (sog. ‚intramuskulär‘) oder unter die Haut (sog. ‚subcutan‘): 10–30 mg, Spritze in die Vene (sog. ‚intravenös‘): 5–10mg, Spritze in Rückenmarksnähe (sog. ‚epidural‘): 1–4 mg, Spritze in den Liquorraum um Rückenmark und Gehirn (sog. ‚intrathekal‘): 0,5–1mg

Empfohlene Dosis für Kinder

  • Spritze in den Muskel, unter die Haut, in Rückenmarksnähe oder direkt in die Vene: 0,05–0,1 mg/kg (Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht)
  • Spritze in den Liquorraum: 0,02 mg/kg

Darreichungsformen

  • Tablette
  • Retardtablette
  • Kapsel
  • Sirup
  • Suspension
  • Zäpfchen
  • Tropfen
  • Injektion

Welche Kontraindikationen, Warnhinweise und Wechselwirkungen existieren für Morphin?

Kontraindikationen, vielleicht besser bekannt als Gegenanzeigen, beschreiben Umstände, unter denen die Einnahme eines bestimmten Medikaments oder auch die Anwendung einer bestimmten therapeutischen Maßnahme streng untersagt ist. Sie dürfen nicht mit Morphin behandelt werden, wenn

  • Sie gegen den Wirkstoff allergisch sind,
  • bei Ihnen ein Darmverschluss vorliegt,
  • Sie an den Beschwerden eines akuten Abdomens leiden (dazu zählen etwa Bauchschmerzen, Schock, Abwehrspannung des Bauchs und Erbrechen),
  • Ihre Atmung abgeflacht ist,
  • Sie unter einer schweren chronischen Lungenerkrankung leiden oder
  • bei Ihnen Gerinnungsstörungen oder Infektionen im Bereich der Einspritzstelle vorliegen.

Außerdem werden Sie bei der Morphin-Gabe unter bestimmten Umständen besonders intensiv überwacht und möglicherweise wird sogar Ihre Dosis reduziert. Zu diesen Umständen zählen:

  • Abhängigkeit von einem Opioid
  • Atemfunktionsstörungen
  • Bewusstseinsstörungen
  • erhöhter Hirndruck
  • Druckbelastung des rechten Herzens
  • erniedrigter Blutdruck
  • vergrößerte Vorsteherdrüse (sog. ‚Prostatahyperplasie“)
  • verengte Harnwege
  • Erkrankungen der Gallenwege
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • entzündliche Darmerkrankung
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Krampfanfälle
  • bestimmte Tumoren im Nebennierenmark (sog. ‚Phäochromozytom‘)

Wechselwirkungen von Morphin mit anderen Substanzen

Als Wechselwirkung bezeichnet man die gegenseitige Beeinflussung von Medikament bei zeitgleicher Einnahme. Er schließt auch den Einfluss von Lebensmitteln auf Medikamente ein.

Sie sollten Ihren Arzt unbedingt davon in Kenntnis setzen, welches andere Arzneimittel Sie neben Morphin eingenommen haben, gerade einnehmen oder ob Sie beabsichtigen, künftig auf andere Arzneimittel zurückzugreifen. Nur dieser kann Ihnen Auskunft über Gefahren in diesem Zusammenhang geben.

Denn in Bezug auf Morphin gibt es viele Medikamente, die mit dem Opioid wechselwirken und zu unerwünschten Reaktionen führen können. Die folgende Auflistung bietet einen Überblick über diese Medikamente. Um den Rahmen an dieser Stelle nicht zu sprengen, werden die möglichen Wechselwirkungen nicht aufgeführt. Medikamente, die mit Morphin wechselwirken können, sind:

  • Angst- und Depressionsmedikamente (sog. ‚Tranquilizer‘)
  • Medikamente zur Schmerzstillung, speziell verschiedene Anästhetika
  • Schlafmittel (sog. ‚Hypnotika‘)
  • Beruhigungsmittel (sog. ‚Sedativa‘), speziell Benzodiazepine
  • Psychose-Medikamente, die das vegetative Nervensystem beeinflussen (sog. ‚Neuroleptika‘)
  • Barbiturate
  • Psychopharmaka
  • Antidepressiva
  • bestimmte Allergiemedikamente (sog. ‚Antihistaminika‘) und Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen (sog. ‚Antiemetika‘) wie Metoclopramid oder Dimenhydrinat
  • weitere Opioide
  • Medikamente gegen Parkinson
  • das Magen-Darm-Medikament Cimetidin
  • Medikamente zur Entspannung dder Muskulatur (sog. ‚Muskelrelaxanzien‘)
  • MAO-Hemmer (bestimmte Antidepressiva)
  • das Antibiotikum Rifampicin

Haben Sie aufgrund einer Schmerzbehandlung schon einmal Morphin bekommen? Haben sich bei Ihnen Nebenwirkungen ergeben? Wenn ja: Welche? (Mehrfachnennungen möglich) Ihre Teilnahme an dieser Umfrage kann anderen Patienten dabei helfen, ihre Situation besser zu beurteilen und liefert uns wertvolle Informationen darüber, in welchem Bereich wir unsere aufklärende Tätigkeit weiter verstärken sollten.

Was sind die Gefahren einer dauerhaften Einnahme?

Mit der längerfristigen Morphin-Einnahme gehen einige Gefahren einher, die in jedem Fall ernst genommen werden müssen. Die Gefahren können in drei Kategorien eingeteilt werden:

  • Toleranz
  • Physische Abhängigkeit
  • Psychische Abhängigkeit

Toleranz (Gewöhnung)

Bei einer Toleranzentwicklung muss nach einer gewissen Zeit mehr von dem Wirkstoff eingenommen werden, damit dieselbe Wirkung wie zuvor erzielt wird. Die Toleranzentwicklung ist bezogen auf die verschiedenen Wirkungen von Morphin unterschiedlich ausgeprägt. Die schmerzlindernde Wirkung des Wirkstoffs lässt bei erhöhter Toleranz bspw. nach. Zudem kann die euphorisierende Wirkung nachlassen. Dieser Umstand bildet eine große Gefahr in Hinblick auf den Missbrauch des Medikaments. Denn diese euphorisierende Wirkung ist der Grund für den Missbrauch von morphin als Droge. Eine dauerhafte Einnahme geht dann einher mit der Notwendigkeit einer immer höheren Dosis, sodass weiterhin dieselbe euphorisierende Wirkung gewährleistet werden kann. Dies kann sich bis hin zu lebensgefährlichen Situationen zuspitzen. Die Toleranzentwicklung kann schon nach einigen Stunden im Anschluss an die Einnahme stattfinden. Allerdings reagiert jede Person anders darauf, sodass an dieser Stelle keine allgemeine Schlussfolgerung erfolgen kann.

Es existieren bei Morphin auch Wirkungen, die einer Toleranzentwicklung nicht oder kaum ausgesetzt sind. Dazu gehören z. B. die Verkleinerung der Pupillen oder die verstopfende Wirkung. Diese sind unabhängig von der Einnahmedauer des Wirkstoffs und treten somit so gut wie immer auf.

Physische Abhängigkeit

Mit der physischen Abhängigkeit ist die körperliche Abhängigkeit gemeint, bspw. Entzugserscheinungen nach einer längerfristigen Morphin-Einnahme. Zu den zahlreichen Entzugserscheinungen zählen u. a. Zittern, Herzrasen, Erbrechen, Durchfall oder schlechte Stimmung.

Psychische Abhängigkeit

Die psychische Abhängigkeit von Morphin kann zum sogenannten „Craving“ führen. Dieser Begriff beschreibt das unwiderstehliche Verlangen nach dem Medikament. Körper und Geist haben sich an die Opioid-Einnahme gewöhnt und sehnen sich weiterhin danach. Die psychische Abhängigkeit besteht hierbei meist länger als die körperliche Abhängigkeit. Deshalb ist es auch meist die psychische Abhängigkeit, die Betroffene zu einem Rückfall veranlasst.

„Morphin ist in der Medizin vielseitig einsetzbar und aus der Schmerzbehandlung kaum wegzudenken. Allerdings bestehen nach wie vor große Gefahren bei Nebenwirkungen und Abhängigkeit.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Aktuelles aus der Forschung – Opioid-Alternative mit weniger Nebenwirkungen

Opioide wie Morphin kommen bei vielen Schmerzpatienten zum Einsatz, bergen aber immer die Gefahr der Abhängigkeit und andere Nebenwirkungen. Forscher um Huiping Ding von der Wake Forest School of Medicine in den USA haben einen Wirkstoff entwickelt, der bei Rhesusaffen 100 Mal so stark wie Morphin wirkt, aber nicht die für Opioide typischen Nebenwirkungen auslöst. Die Ergebnisse veröffetlichte das Team in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine.

Schon länger suchen Forscher weltweit nach Alternativen zu Opioiden, damit sie die Gefahren dieser Medikamente umgehen und so Schmerzpatienten neue Optionen bieten können. Dies könnte Huiping Ding und seinem Team nun gelungen sein. Sie forschten im Rahmen ihrer Untersuchungen nach Molekülen, die nicht nur an den
μ-Rezeptor, sondern auch an den Nociceptin-Rezeptor binden. Dadurch könnte die schmerzstillende Wirkung erzielt werden, ohne Nebenwirkungen wie Atemlähmung oder Sucht zu bewirken. Sie testeten dazu verschiedene Moleküle auf ihre Fähigkeit zur Bindung an den Nociceptin-Rezeptor und modifizierten ihre Kandidaten dann chemisch.

Weniger Schmerzen, keine Suchtgefahr

Das Molekül names AT-121 zeigte dann gute Ergebnisse. Es band zuverlässig an beide Rezeptoren. Ihre Befunde testeten die Wissenschaftler dann an Rhesusaffen. Sie spritzten den Tieren das Molekül unter die Haut und führten anschließend Schmerztests durch. Dabei hat sich gezeigt, dass schon eine sehr geringe Dosis des Moleküls die beinahe 200-fache Wirkstärke von Morphin entfaltete.

Mithilfe von Schaltern war es den Affen möglich, sich AT-121 selbst zu verabreichen. Man wollte damit das Suchtpotenzial untersuchen. Die Tiere betätigten den Schalter nicht öfter als in Vergleichsuntersuchungen mit Kochsalzlösungen. Bei zuvor durchgeführten Tests mit verschiedenen Opioiden hatte sich deren Suchtpotenzial allerdings direkt gezeigt.

AT-121 kann als vielversprechende Alternative zu Opioiden betrachtet werden, da es mit weitaus weniger Nebenwirkungen einhergeht und zudem dazu imstande ist, bereits bestehende Opioid-Abhängigkeiten aufzuheben. Dass die Tests mit Primaten durchgeführt wurden, macht eine Anwendung beim Menschen wahrscheinlicher, da diese eng mit uns verwandt sind.

Quelle: Huiping Ding u. a. (2018): A bifunctional nociceptin and mu opioid receptor agonist is analgesic without opioid side effects in nonhuman primates. In: Science Translational Medicine 10/456.

Dr. Dr. Tobias Weigl hat sich auch in einem Video-Beitrag ausgiebig mit dem Thema AT-121 befasst. Darin geht er auf die zwar guten Effekte ein, erörtert aber gleichermaßen, warum man vorerst nicht zu viel Hoffnung in das Medikament stecken sollte.

Neues Opioid ohne Nebenwirkungen? AT-121 als Schmerzmittel Revolution gegen starke Schmerzen💡

Verwandte Substanzen von Morphin

Weitere wichtige Opioide, die in der Schmerztherapie eingesetzt werden, sind beispielsweise Oxycodon, Hydromorphon oder Fentanyl.

Oxycodon ist 1,5 Mal so stark wirksam wie Morphin und hat somit eine leicht erhöhte schmerzlindernde Wirkung.

Hydromorphon ist ungefähr 7,5 Mal so stark wie Morphin und wird somit bei sehr schweren Schmerzzuständen eingesetzt.

Das letzte hier erwähnte Opioid ist Fentanyl. Dieses Opioid kommt oft in Form eines Pflasters zur Behandlung chronischer Schmerzen zum Einsatz. Fentanyl hat eine ungefähr 100 Mal stärkere Wirkung als Morphin.

Exkurs aus der Natur

Im Folgenden werden einzelne alternative pflanzliche Lösungen vorgestellt. Wictig: Diese bilden kein gleichwertiges Äquivalent zu Morphin. Wir wollen an dieser Stelle lediglich auf weitere Option beziehungsweise alternative, pflanzliche Möglichkeiten zur Schmerzlinderung eingehen. Wir befassen uns daher mit:

  • Weidenrinde
  • Hagebutte
  • Pfefferminze

Weidenrinde

Ein bekannter Klassiker ist die Weidenrinde. Sie gilt als sehr potentes pflanzliches Schmerzmittel. Die Weidenrinde gilt als Entzündungs- und Schmerzhemmer und eignet sich bei jeglichen Arten von Schmerzen, bspw. bei Gelenkschmerzen infolge von Arthrose, Rücken– oder Kopfschmerzen.

Hagebutte

Die Hagebutte ist nicht nur Zierde im Garten, sondern trägt auch zur Linderung von Arthrose-, Kopf- und Rückenschmerzen bei, ähnlich wie die Weidenrinde. Es wird empfohlen, täglich vier Teelöffel Hagebuttenpulver in Joghurt verrührt einzunehmen und zusätzlich dazu einen halben Liter Wasser zu sich zu nehmen. Die Wirkung tritt allerdings erst nach etwa drei bis vier Monaten ein. Bringen Sie bei dieser Alternative also Geduld mit!

Pfefferminze

Die Pfefferminze trägt ebenso zur Linderung von Kopfschmerzen bei. Das in ihr enthaltene Menthol wirkt schmerzlindernd, muskelentspannend und lokal betäubend. Sie kommt bspw. als Pfefferminzöl zum Einsatz.

Häufig gestellte Fragen

Was passiert bei einer Morphin-Überdosis?

Dr. T. Weigl:
Bei einer Überdosierung von Morphin kann es zu einem lebensgefährlichen Atemstillstand kommen. Die Atemfrequenz nimmt stetig ab, sodass zu wenig Sauerstoff in den Körper gelangt. Bei einer Überdosierung muss sofort Hilfe geholt werden. Dem Betroffenen wird ein Gegengift, im Fachjargon „Opioid-Antagonist“ genannt, verabreicht, das dafür sorgt, dass ein Atemstillstand verhindert und die Atmung wiederhergestellt wird. Eine unbehandelte Überdosis Morphin und anderer Opioide kann zum Tod führen.

Was passiert, wenn ich Morphin dauerhaft einnehme?

Dr. Dr. T. Weigl:
Eine dauerhafte Einnahme kann zu einer Toleranz, also einer Gewöhnung, zu einer physischen Abhängigkeit und auch zu einer psychischen Abhängigkeit führen. Diese drei Gefahren sollten Sie entsprechend ernstnehmen, um lebensgefährliche Situationen und sehr unangenehme Entzugserscheinungen zu vermeiden.

Ist Morphin verschreibungspflichtig?

Dr. Dr. T. Weigl:
Ja, Morphin ist verschreibungspflichtig. Gründe dafür sind die hohe Wirkstärke sowie die Missbrauchsgefahr. Morphin ist daher als Betäubungsmittel eingestuft und wird nur verschreibungspflichtig abgegeben.

Darf ich während der Schwangerschaft Morphin bekommen?

Dr. Dr. T. Weigl:
Das ist immer von der Situation abhängig. Der Wirkstoff kann auch während der Schwangerschaft zum Einsatz kommen – allerdings nur dann, wenn der Nutzen für die Mutter die Risiken für das Kind überwiegt. Die Ärzte werden in diesem Zusammenhang dann nach der Geburt besonders auf das Kind achten und es auf Entzugserscheinungen untersuchen. Sie sollten Ihr Kind nicht stillen, wenn Sie mit Morphin behandelt werden, da der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht.

Kann ich Auto fahren, wenn ich mit Morphin behandelt werde?

Dr. Dr. T. Weigl:
Auch hier kann pauschal keine Antwort auf die Frage gegeben werden. Generell ist es möglich, dass Morphin sowohl Reaktionsvermögen als auch Aufmerksamkeit beeinträchtigt. Sie sollten vor allem am Anfang Ihrer Behandlung oder bei Dosiserhöhung nicht am Straßenverkehr teilnehmen und mit Ihrem Arzt absprechen, ob Sie bei längerer Morphin-Behandlung fahrtauglich sind.

Ich habe eine Niereninsuffizienz – Kann ich trotzdem Morphin bekommen?

Dr. Dr. T. Weigl:
Hier würde ich Ihnen dazu raten, das Gespräch mit Ihrem Arzt zu suchen. Denn nur dieser kann Ihre Nierenfunktion genau bewerten. Allerdings ist bei Niereninsuffizienz die Funktion Ihrer Niere(n) beeinträchtigt. Das hat wiederum Einfluss auf den Wirkspiegel von Morphin, da es den Körper dann nur langsamer verlässt. In der Regel ist es unter diesen Umständen so, dass Anpassungen der Dosis unter strenger Überwachung erfolgen.

Typisches Patietenbeispiel

Gerda ist jetzt schon seit mehreren Jahren Arthrose-Patientin und hat diesen Augenblick tatsächlich nicht herbeigesehnt – sie soll ab nächster Woche Morphin bekommen. Sie wusste, dass sie möglicherweise irgendwann einmal stärkere Schmerzmittel bekommen wird, hat sich aber immerzu einreden wollen, dass der Zeitpunkt noch in weiter Ferne liegt und ihre Physiotherapie in Kombination mit der Elektrostimulation und den schwachen Schmerzmitteln lange helfen wird. Diese Kombination hat auch lange Abhilfe geschaffen. Aber nunmal nicht lange genug. Sie ist mit ihrem Arzt einmal die weiteren Optionen durchgegangen und der hat gesagt, man könnte es mal mit Morphin probieren. Aber kann das nicht süchtig machen?

Gerda hat jetzt schon Morphin bekommen. Und fühlt sich seit der Einnahme deutlich besser und vor allem beweglicher. Ihr war zu Beginn zwar etwas übel, aber das ist recht schnell verflogen. Die Angst vor der Sucht hat ihr Arzt ihr vorerst auch nehmen können. Denn die Mengen, die sie zur Verfügung hat, sind stark limitiert und werden streng überwacht. Die nächsten Wochen werden also zeigen, wie sie mit dem Medikament zurechtkommt…

Verwandte Themen

Haben Sie Fragen zu oder Erfahrungen mit Morphin oder anderen Opioiden? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um sich mit uns und anderen Lesern auszutauschen!

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Mona Alinezhad, Tobias Möller
Redaktion: Dr. Dr. Tobias Weigl
Veröffentlicht: 27.03.2018, zuletzt aktualisiert: 19.07.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Claudia Bausewein u.a. (Hrsg.) (2018): Leitfaden Palliative Care – Palliativmedizin und Hospizbetreuung. Elsevier, München.
  • Huiping Ding u. a. (2018): A bifunctional nociceptin and mu opioid receptor agonist is analgesic without opioid side effects in nonhuman primates. In: Science Translational Medicine 10/456.
  • Klaus Ellinger, Harald Genzwürker (Hrsg.) (2011): Kursbuch Notfallmedizin. Deutscher Ärzteverlag, Köln.
  • gelbe-Liste.de: Morphin.
  • Ernst Mutschler (2013): Arzneimittelwirkungen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage.
  • Susanne Poth (2000): Die Heilkraft der Pflanzen. Bassermann, München.
  • Dieter Weiß (2013): Opium. In: roempp.thieme.de.
[Gesamt:14    Durchschnitt: 3.9/5]
2.000000e+0 Antworten
  • C.R.
    28.03.2018 20:45

    Ganz ganz starker Artikel! Mehr davon bitte!

  • obijon
    27.04.2019 18:47

    ich hätte allg mehr über morphin und seine verwandten wegen copd gelesen

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