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Hydromorphon – eins der stärksten Opioide | Wirkung | Verwendung | Risiken

Hydromorphon (Handelsname Palladon) ist ein Morphinderivat und wirkt 7,5 Mal stärker als Morphin.
– Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Hydromorphon gehört zu den stärksten Opioiden, die Ärzte verschreiben können. Es ist äußerst wirkstark, birgt aber wie andere Schmerzmittel dieser Art viele Gefahren, z. B. die der Abhängigkeit. In diesem Artikel klären wir auf über Aufbau, Wirkweise, Einsatz, Risiken und Nebenwirkungen.

Es gibt noch Hoffnung für Monika. Der Tumor kann operativ entfernt werden. Es gibt aber viel zu besprechen mit dem Arzt. So viel Papier, so viele schwierige Wörter! Und dann steht da etwas von ‚Schmerzbehandlung mit Hydromorphon‘. Was ist das bloß? Auf Nachfrage hat der Arzt gesagt, es sei ein Opioid. Hat das was mit Opium zu tun? Ist das nicht gefährlich?

Was ist Hydromorphon?

Hydromorphon wurde erstmals von der (heute nicht mehr existierenden) Firma Knoll im Jahre 1921 hergestellt und 5 Jahre später in Kliniken eingeführt. Es handelt sich bei dem Wirkstoff um eine abgewandelte Form (ein sog. ‚Derivat‘) des Morphins. Damit ist es sozusagen ein Verwandter des Morphins. Es gehört zu den stärksten Opioiden, die in der Schmerztherapie , z.B. bei der Behandlung sog. Tumorschmerzen, zum Einsatz kommen. Im Vergleich zu Morphin hat es eine 7,5-mal höhere Wirkstärke (sog. ‚Potenz‘) und weniger Nebenwirkungen. Dafür hat es aber eine kürzere Wirkungsdauer. Im Gegesatz zu Hydromorphon werden die Opioide Tilidin und Tramadol als sog. schwach wirksame Opioide bezeichnet.

Im folgenden Video über Opiate erklärt Schmerzexperte Dr. Tobias Weigl ausführlich die Skalierung der Wirkstärke von verschiedenen Opiaten.

 

Wegen seiner euphorisierenden Wirkung und dem damit verbundenen Suchtpotential unterliegt Hydromorphon dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Laut diesem ist Hydromorphon verschreibungspflichtig und der Handel wird strengstens kontrolliert.

Gut zu wissen!

  • Wussten Sie, dass nach oraler Aufnahme (also durch den Mund) Hydromorphon seine Wirkstärke im Körper Stück für Stück verliert? Sobald es eingenommen wird, gelangen maximal 15–50 % des Wirkstoffes in den menschlichen Blutkreislauf. Somit kann niemals eine hydromorphonhaltige Tablette niemals ihren Wirkstoff komplett in den Körper freisetzen.
  • Wussten Sie, dass Hydromorphon in der Natur nicht existiert? Als ein Abkömmling des Morphins kann es nur synthetisch hergestellt werden. Über eine Reihe von chemischen Reaktionen gelangt man zum Endprodukt, in diesem Fall zum Molekül C17H19NO3 – also Hydromorphon.
  • Wussten Sie schon, dass Hydromorphon nicht nur zur Schmerzlinderung eingesetzt wird? Im US-Bundesstaat Ohio wurde es im Jahre 2014 in Kombination mit einem anderen Arzneistoff als „Gift“ für die Hinrichtung verwendet. Wie viele andere Arzneistoffe auch kann eine zu hohe Dosis im Körper tödliche Folgen haben.

Wirkweise von Hydromorphon

Die folgenden Tabellen stellen verschiedene Wirkungen und Nebenwirkungen von Hydromorphon dar:

Wirkungen
beruhigend (sog. sedierend)
euphorisierend
Husten lindernd (sog. antitussiv)
schmerzlindernd (sog. analgetisch)
Übelkeit und Erbrechen fördernd (sog. emetisch)
Nebenwirkungen
Verstopfung (sog. Obstipation)
Benommenheit
Stimmungsschwankungen
Verengung der Pupillen (sog. miosis)
angstlösend (sog. anxiolytisch)
Blutdruck abfallend (sog. orthostatisch)

Im folgenden Video von Dr. Weigl erfahren Sie mehr über allgemeine Wirkungen und Nebenwirkungen von Opiaten.

Einsatzgebiete

Überwiegend wird Hydromorphon in der Schmerztherapie zur Behandlung von starken bis sehr starken Schmerzen verwendet. Es wird sowohl als kurzzeitige Therapie bei akuten, aber auch als Langzeittherapie bei chronischen Schmerzen verwendet. Die Art bzw. der Ort des Schmerzes ist dabei breit gefächert. Ob bei Gelenk- oder Muskelschmerzen, bis hin zu Bein-oder Rückenschmerzen. Jedoch werden auch andere Wirkungen des Hydromorphons genutzt, z.B. seine leicht antidiuretische Wirkung. Das bedeutet, dass es zur verminderten Urinausscheidung führt.

Anwendung und Dosierung

Die Darreichungsform des Hydromorphons ist je nach Gebrauch und Symptom angepasst. Meist wird es oral als Tablette (z.B. unter dem Namen Palladon) verabreicht. Hierbei gibt es je nach Therapie normale, aber auch retardierte Tabletten. Retardierte Tabletten setzen ihre Wirkstoffe langsamer frei.

Die Wirkung des Hydromorphons hält etwa für 12 Stunden. Seit 2006 gibt es aber eine neue Darreichungsform, die auf einem neuem System beruht (dem sog. ‚oral-osmotischen System‘). Diese hat eine Wirkdauer von 24 Stunden. Das heißt, dass für den Patienten meist eine Tablette am Tag ausreicht, damit dieser den ganzen Tag davon Nutzen trägt.

Wie oben aber bereits erwähnt, wird der Wirkstoff bei peroraler Gabe nicht zu 100 % im Körper freigesetzt. Im Zuge der Aufnahme werden Teile des Wirkstoffes im Körper verwertet und umgewandelt, so dass am Ende ca. 50 % effektiv dem Körper zur Verfügung stehen. Um so was zu umgehen, kann die Gabe auch intravenös in Form einer Injektion, also Spritze, erfolgen. So gelangt mehr von Wirkstoff ins Blut. Außerdem wirkt der Wirkstoff so auch shcneller. Zusätzlich kann Hydromorphon in den Muskel, sprich intramuskulär, appliziert werden.

Diese Tabelle zeigt eine Übersicht über Darreichungsform, Dosierung und die Wirkdauer:

Medikament/HandelsnameDarreichungsformDosierung (mg)Wirkdauer (h)


Palladon retard ®
Junista ®
Oral2,6 - 54 - 6
Oral retard4 - 810 - 12
Oral-osmotisch4 - 824
Intramuskulär1,5 - 34 - 6

Was sind die Gefahren einer dauerhaften Einnahme?

Die Einnahme von Hydromorphon für längere Zeit birgt einige Gefahren. So sollte man sich selbst immer wieder prüfen und von einem Arzt prüfen lassen. Man kann die folgenden Gefahren auf alle Opioide beziehen.
Eingeteilt werden diese in drei Kategorien:

  1. Toleranz (Gewöhnung)
  2. Physische Abhängigkeit
  3. Psychische Abhängigkeit

Im folgenden Abschnitt werden die Kategorien detaillierter erklärt.

Toleranz (Gewöhnung)

Bei regelmäßiger Einnahme derselben Dosierung lässt die Wirkung – nach subjektivem Empfinden – stetig nach. Man entwickelt mit der Zeit eine Toleranz gegen das Mittel. Im Falle von Hydromorphon handelt es sich um eine schnelle Toleranzentwicklung. Um die gleiche Wirkung zu erzielen wird auf eine höhere Dosierung zurückgegriffen. Wenn es um die schmerzlindernde Wirkung geht, ist dieser Effekt zu einem gewissen Grad ungefährlich. Jedoch besitzt Hydromorphon auch eine euphorisierende Wirkung. So kann die Droge aufgrund dieser Wirkung missbraucht werden. Für den Betroffenen ist es wie ein „Kick“, sie können abhängig werden. Doch mit steigender Dosierung steigt auch die Lebensgefahr.

Je nach Individuum zeigt sich die Wirkung anders. Demgegenüber stehen auch Wirkungen die der Toleranzentwicklung nicht ausgesetzt sind. Beispielsweise die Verkleinerung der Pupillen. Selbst nach langjähriger Einnahme treten diese immer wieder auf.

Physische Abhängigkeit

Diese Abhängigkeit manifestiert sich in Form von Entzugserscheinungen, welche nach einer dauerhaften Einnahme bzw. nach einer Absetzung des Wirkstoffes auftreten können. Sie sind breit gefächert und äußern sich in verschiedenen Weisen:

  • Weite Pupillen
  • Herzrasen
  • Zittern
  • Schlechte Stimmung
  • Muskelschmerzen

Psychische Abhängigkeit

Nach einer dauerhaften Einnahme hat sich der Körper so stark an den Wirkstoff gewöhnt, dass die Sehnsucht danach nicht mehr gestillt werden kann. Man bezeichnet diesen Effekt auch als ‚craving‘. Es ist der unwiderstehliche Verlangen nach dem Wirkstoff bzw. dem Medikament. Diese Art der Abhängigkeit ist die Hauptursache für einen Rückfall beim Opioid-Entzug. Man spricht hierbei auch vom ‚Rebound-Effekt‘. Im Vergleich zur physischen Abhängigkeit hält die psychische länger an.

Verwandte Substanzen bzw. weitere Opioide

In der Schmerztherapie kommen neben dem Hydromorphon weitere Opioide zum Einsatz. Darunter finden sich:

Obwohl alle der gleichen Stoffklasse angehören, unterscheiden sie sich sowohl in ihrer Struktur als auch in ihrer Wirkweise bzw. Wirkstärke. Je nach Individuum kommt es zu einer besseren oder schlechteren Verträglichkeit dieser Wirkstoffe. Mit einer therapeutischen Potenz (Wirkstärke) von 1 dient Morphin als Referenzwirkstoff zum Vergleich mit anderen Wirkstoffen. Demnach kann man dann die Wirkstärke von Opioiden in stark und schwach wirksam einteilen.

OpioidTherapeutische Potenz
Morphin1
Oxycodon1,5 – 2
Hydromorphon7,5
Burpremorphin30
Fentanyl100

Exkurs aus der Natur

Man darf nicht vergessen, dass die Natur uns ebenfalls viele Optionen zur Schmerzlinderung bietet. Natürlich können diese keinen exakten Vergleich bzw. keine exakte Wirkung zum Medikament selbst liefern. Die genannten Optionen sind viel geringer in ihrer Wirkung. Eine direkte Alternative zu Hydromorphon stellen diese pflanzlichen Stoffe nicht dar. Bei weniger starken Schmerzen allerdings sind sie verträglichere Mittel.

Im Folgenden werden zwei dieser Alternativen vorgestellt:

Knoblauch

Im alltäglichen Leben kennen wir Knoblauch aus der Küche. Mit seinem einzigartigen Aroma lässt es in manchen Gerichten die Herzen der Menschen höher schlagen und ist somit unabdingbar für das Rezept.

Doch es besitzt eine weitere gute Eigenschaft, nämlich eine antibiotische und entzündungshemmende Wirkung. Dadurch findet er überwiegend Einsatz gegen Zahnschmerzen, reduziert diese und fördert den Heilungsprozess.

Pfefferminze

Viele kennen die Pfefferminze aus einem allseits beliebten Getränk. Für den Beifahrer ist es Mojito, für den Fahrer selbst genügt die Ipanema. Im Sommer sorgt es mit seiner frischen Note für eine kleine Abkühlung im Körper.

Seine wunderbare Heilkraft erhält er dennoch durch die krampflösende und gallenflussfördernde Wirkung. Dadurch werden Magen-Darm-Beschwerden gelindert. Des Weiteren findet es Verwendung bei Spannungskopfschmerzen. Der im ätherischen Öl der Blätter enthaltene Wirkstoff Menthol lindert dabei die Schmerzen.

 

Häufige Patientenfragen

Kann ich Hydromorphon dauerhaft einnehmen?

Dr. T. Weigl
Da Hydromorphon auch bei chronischen Schmerztherapien zur Geltung kommt, ist eine dauerhafte Einnahme prinzipiell möglich. Jedoch muss mit äußerste Vorsicht und regelmäßiger Prüfung eines Arztes gerechnet werden, da dieser wegen seines hohen Suchtpotentials als äußerst gefährlich gilt. Die dabei entstehenden Gefahren sind oben unter der Rubrik „Was sind die Gefahren einer dauerhaften Einnahme“ detaillierter erklärt.

Was kann ich tun, wenn das Medikament nicht zur Schmerzlinderung führt?

Dr. T. Weigl
Wichtig ist, dass hierbei die Dosis nicht einfach selbstbestimmend, sprich ohne Anweisung des Arztes, erhöht wird. Eine Überdosierung kann zu verschiedenen Symptomen wie zum Beispiel starkem Blutdruckabfall (sog. Orthostase) oder Atemstillstand (sog. Atemdepressionen) und damit verbunden zum Tod führen. Unbedingt sollte dies mit dem dafür beteiligten Arzt abgesprochen und vielleicht nach alternativen Medikamenten oder sogar Therapien diskutiert werden.

Können Hydromorphon enthaltende Medikamente zur einfachen Schmerzlinderung gekauft werden?

Dr. T. Weigl
Nein, denn Hydromorphon ist ein verschreibungspflichtiges Medikament und kann nur vom Arzt nach erfolgter Diagnose ausgestellt werden. Da es aufgrund seiner euphorisierenden Wirkung und den damit verbundenen Missbrauch, als Betäubungsmittel eingestuft wird, ist der „einfache“ Kauf, also ohne Rezept, davon in einer Apotheke nicht erlaubt.

Wie wirkt Hydromorphin im Körper?

Dr. T. Weigl
Die schmerzstillende (analgetische) Wirkung von Opioiden (also auch von Hydromorphon) beruht darauf, dass diese Stoffe bestimmte Rezeptoren im Gehirn blockieren. So werden Schmerzreize vom Gehirn nicht verarbeitet. Weitere Wirkungen sind: Herabsetzung des Atems, Sedierung und auch Hustenstillung.

Die Operation ist geglückt. Der Tumor ist draußen, doch die Schmerzen sind unerträglich. Deshalb bekommt Monika nun dieses Hydromophon. Es ist beruhigend zu wissen, dass es solche Schmerzmittel gibt. Und so lange das Krankenhauspersonal darüber wacht, wie viel Monika davon bekommt, ist auch alles gut. Hoffentlich lassen die Schmerzen dann auch nach, wenn sie aus der Klinik entlassen wird …

Wenn sie Opioide einnehmen: Welche Nebenwirkungen treten bei Ihnen auf? (Mehrfachnennungen möglich)

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Autoren: Schajan Salahijekta, Dr. Tobias Weigl
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht: 07.02.2018 / zuletzt aktualisiert: 28.07.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Mussten Sie in Ihrer Vergangenheit bereits Hydromorphon einnehmen? Falls ja, für wofür? Konnte die Wirkung Ihnen positiv zur Nutzen kommen und welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Gerne schreiben Sie diese in das Kommentarfeld und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns.

Quellen

  • Ernst Mutschler u. a. (2012): Mutschler Arzneimittelwirkungen: Pharmakologie – Klinische Pharmakologie – Toxikologie. 10. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart
  • Heinz Schilcher (Hg.) (2010): Leitfaden Phytotherapie. 4. Auflage. Urban & Fischer/Elsevier/li>
  • Gebrauchsinformationen Palladon retard
  • G. Lindena, H. Arnau, J. Liefhold (1998): Hydromorphon – pharmakologische Eigenschaften und therapeutische Wirksamkeit. In: Der Schmerz 12/3
[Gesamt:3    Durchschnitt: 5/5]
1 Kommentar
  • W.-Peter
    05.09.2018 23:21

    Mit Skoliose und Spondylosis deformans der BWS habe ich meinen Weg von normalen Analgetika über Palexia, Tillidin, Oxycodon, Targin zu Hydro-Morphon 2mg retardierend gefunden. Ich nehme jetzt 2x täglich 2mg Hydro-Morphon als Kapsel und bin seit einem Jahr endlich annähernd schmerzfrei. Peaks mit 10/10 habe ich nicht mehr, ich deute meinen Schmerz eher als normalen Belastungsschmerz.
    Nebenwirkungen habe ich keine, bis auf ein gestörtes Temperaturgefühl. Ich friere halt eher und schwitze auch öfters als früher. Das mag aber auch am Alter liegen. Mit 50 Jahren kann und darf das auch passieren.
    Sonst hat mir das Medikament meine Lebensqualität zurück gebracht und dank engen Monitoring durch meinem Schmerzarzt fühle ich mich dahingehend sicher.

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