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Hydromorphon – ein starkes Opioid und seine Nebenwirkungen

Auf einen Blick – Hydromorphon

Was ist Hydromorphon?

  • starkes Opioid
  • Gefahr von Sucht und Abhängigkeit

Wie wirkt Hydromorphon?

  • schmerzlindernd

Wann wird Hydromorphon eingesetzt?

  • bei der Schmerztherapie von starken bis sehr starken Schmerzen

Was sind mögliche Nebenwirkungen von Hydromorphon?

  • vor allem zu Beginn Übelkeit und Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Verstopfungen

Wann darf man Hydromorphon nicht bekommen?

  • gleichzeitige Einnahme von Monoaminoxidase-Hemmern (bestimmte Antidepressiva)
  • akute Bauchschmerzen
  • Lähmung der Darmtätigkeit

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Hydromorphon ist eines der stärksten Opioide und gehört zur Gruppe der sogenannten Opioidanalgetika. Aufgrund seiner starken Wirkung unterliegt dieses Schmerzmittel dem Betäubungsmittelgesetz. Hydromorphon ist verschreibungspflichtig und wird bei starken und sehr starken Schmerzen eingesetzt. Bei falscher oder einer zu langen Anwendung besteht eine große Gefahr, dass Sie abhängig von Hydromorphon werden. Welche möglichen Nebenwirkungen hat Hydromorphon noch und wie wirkt das Medikament? Dies und mehr erfahren Sie im nachfolgenden Artikel.

Was ist Hydromorphon?

Als erster Hydromorphon hergestellt hat die Firma Knoll im Jahre 1921. 5 Jahre später wurde das Medikament in Kliniken eingeführt. Es handelt sich bei dem Wirkstoff um eine abgewandelte Form (ein sog. ‚Derivat‘) des Morphins. Damit ist es ein Verwandter des Morphins. Hydromorphon gehört zu den stärksten Opioiden, die in der Schmerztherapie , zum Einsatz kommen. Ein Anwendungsbereich sind zum Beispiel Tumorschmerzen. Im Vergleich zu Morphin hat es eine 7,5-mal höhere Wirkstärke (sog. ‚Potenz‘) und weniger Nebenwirkungen. Dafür hat es aber eine kürzere Wirkungsdauer. Im Gegensatz zu Hydromorphon werden die Opioide Tilidin und Tramadol als sogenannte schwach wirksame Opioide bezeichnet.

Im folgenden Video über Opiate erklärt Schmerzexperte Dr. Dr. Tobias Weigl ausführlich die Skalierung der Wirkstärke von verschiedenen Opiaten.

Stark wirksame Opioide: Morphin, Oxycodon, Hydromorphon, Buprenorphin & Fentanyl | Abhängigkeit USA

 

Wegen seiner euphorisierenden Wirkung und dem damit verbundenen Suchtpotential unterliegt Hydromorphon dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Laut diesem Gesetz ist Hydromorphon verschreibungspflichtig und der Handel wird strengstens kontrolliert.

Gut zu wissen!

  • Wussten Sie, dass nach oraler Aufnahme Hydromorphon seine Wirkstärke im Körper Stück für Stück verliert? Sobald es eingenommen wird, gelangen maximal 15–50 % des Wirkstoffes in den menschlichen Blutkreislauf. Somit kann eine Hydromorphon-Tablette niemals ihren Wirkstoff komplett in den Körper freisetzen.
  • Wussten Sie, dass Hydromorphon in der Natur nicht existiert? Als ein Abkömmling des Morphins kann dieses Opioid nur künstlich hergestellt werden. Über eine Reihe von chemischen Reaktionen gelangt man zum Endprodukt, in diesem Fall zum Molekül C17H19NO3 – die chemische Bezeichnung für Hydromorphon.
  • Wussten Sie, dass Hydromorphon nicht nur zur Schmerzlinderung eingesetzt wird? Im US-Bundesstaat Ohio wurde es im Jahre 2014 in Kombination mit einem anderen Arzneistoff als „Gift“ für die Hinrichtung verwendet. Wie viele andere Arzneistoffe auch kann eine zu hohe Dosis im Körper tödliche Folgen haben.

Wie wirkt Hydromorphon?

Die schmerzstillende Wirkung von Opioiden wie Hydromorphon beruht darauf, dass diese Stoffe bestimmte Rezeptoren im Gehirn blockieren. Das Gehirn verarbeitet auf diese Weise die Schmerzreize nicht. Welche Wirkungen Hydromorphon insgesamt hat, können Sie der folgenden Tabelle entnehmen.

Wirkungen
beruhigend (sog. sedierend)
euphorisierend
Husten lindernd (sog. antitussiv)
schmerzlindernd (sog. analgetisch)
Übelkeit und Erbrechen fördernd (sog. emetisch)

Welche Nebenwirkungen hat Hydromorphon?

Die meisten Arzneimittel verursachen Nebenwirkungen. Diese müssen für die Patienten im Beipackzettel oder Packungsbeilage des jeweiligen Medikaments verzeichnet sein. Dabei gilt, dass Nebenwirkungen auftreten können, aber nicht müssen. Nebenwirkungen werden nach ihrer Häufigkeit und ihrem Schweregrad eingeteilt.

Die folgende Aufzählung nennt Ihnen nun die nach ihrer Häufigkeit eingeteilten Nebenwirkungen.

Die Angabe „häufig“ bedeutet, dass bei 100 Behandelten etwa 1 bis 10 diese Nebenwirkungen erfahren (≥1/100 bis <1/10). Häufiger auftretende Nebenwirkungen von Hydromorphon sind u.a.:

„Gelegentlich“ heißt, dass die Nebenwirkungen bei 1 bis 10 von 1000 Behandelten auftreten. (≥ 1/1.000 bis < 1/100). Bei der Einnahme von Hydromorphon können u.a. folgende Nebenwirkungen gelegentlich auftreten:

Treten Nebenwirkungen selten auf, ist 1 von 1.000 Patienten betroffen. Bei Hydromorphon zählen u. a. folgende Nebenwirkungen als selten:

Die Angabe „sehr selten“ bedeutet, dass weniger als 1 Behandelter von 10.000 von dieser Nebenwirkungen betroffen ist. Bei Hydromorphon zählen als sehr seltene Nebenwirkungen u.a.:

  • Schwellungen an Händen, Fußgelenken oder Füßen
  • Anstieg von Leberenzymen (wird bei Bluttests festgestellt)
  • die Schmerzempfindlichkeit ist erhöht
  • Darmtätigkeit wird gelähmt

Nehmen oder haben Sie Hydromorphon eingenommen? Wenn ja, welche der folgenden häufigeren Nebenwirkungen sind bei Ihnen aufgetreten? (Mehrfachnennungen möglich)

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen gibt es für Hydromorphon?

Als Kontraindikation bezeichnen Mediziner den Umstand, bei dem eine bestimmte Behandlungsweise, die normalerweise angebracht wäre, nicht eingesetzt werden darf. Das kann sowohl die Gabe eines Medikaments sein als auch eine bestimmte therapeutische Maßnahme. Bei Hydromorphon gibt es u.a. folgende Kontraindikationen:

  • Koma
  • plötzlich auftretende, heftige Bauchschmerzen
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Lähmung der Darmtätigkeit (sog. ‚paralytischer Ileus’)
  • Atemdepression, die mit einer Hypoxie (Sauerstoffmangel im Gewebe) oder mit einem erhöhten Kohlendioxidspiegel im Blut verbunden ist. Bei einer Atemdepression liegt eine herabgesetzte Atmung vor. Dies lässt sich etwa darauf zurückführen, dass die Atemsteuerung des zentralen oder peripheren Nervensystems (ZNS beziehungsweise PNS) beeinträchtigt ist.
  • gleichzeitige Gabe von Monoaminoxidase-Hemmern (Antidepressivum) oder wenn die letzte Einnahme nicht länger als zwei Wochen zurückliegt
  • schwere Lungenfunktionsstörungen

Was sind Wechselwirkungen von Hydromorphon?

Arzneimittelwechselwirkungen beschreiben in der Medizin eine gegenseitige Beeinflussung von Medikamenten, wenn diese gleichzeitig oder zeitlich eng aneinander eingenommen werden. Möglich sind Wechselwirkungen auch zwischen Medikamenten und Lebensmitteln.
Bei Hydromorphon gibt es Wechselwirkungen u.a. mit folgenden Stoffen und Medikamenten:

Was sind die Anwendungsgebiete von Hydromorphon?

Überwiegend wird Hydromorphon in der Schmerztherapie zur Behandlung von starken bis sehr starken Schmerzen verwendet. Es wird sowohl als kurzzeitige Therapie bei akuten als auch als Langzeittherapie bei chronischen Schmerzen verwendet. Die Art beziehungsweise der Ort des Schmerzes ist dabei breit gefächert – ob bei Gelenk- oder Muskelschmerzen, bis hin zu Bein-oder Rückenschmerzen. Jedoch werden auch andere Wirkungen des Hydromorphons genutzt, zum Beispiel seine leicht antidiuretische Wirkung. Das bedeutet, dass es zur verminderten Urinausscheidung führt.

Exkurs aus der Natur

Man darf nicht vergessen, dass die Natur uns ebenfalls viele Optionen zur Schmerzlinderung bietet. Natürlich kann man mit diesen Mittel keine vergleichbare Wirkung erzielen – eine direkte Alternative zu Hydromorphon stellen diese pflanzlichen Stoffe nicht dar. Bei weniger starken Schmerzen allerdings sind sie verträglichere Mittel.

Im Folgenden werden zwei dieser Alternativen vorgestellt:

Knoblauch – Im alltäglichen Leben kennen wir Knoblauch aus der Küche. Mit seinem einzigartigen Aroma lässt es in manchen Gerichten die Herzen der Menschen höher schlagen und ist somit unabdingbar für das Rezept. Doch es besitzt eine weitere gute Eigenschaft, nämlich eine antibiotische und entzündungshemmende Wirkung. Dadurch findet er überwiegend Einsatz gegen Zahnschmerzen, reduziert diese und fördert den Heilungsprozess.

Pfefferminze – Viele kennen die Pfefferminze aus einem allseits beliebten Getränk. Seine Heilkraft erhält er durch die krampflösende und gallenflussfördernde Wirkung. Dadurch werden Magen-Darm-Beschwerden gelindert. Des Weiteren findet es Verwendung bei Spannungskopfschmerzen. Der im ätherischen Öl der Blätter enthaltene Wirkstoff Menthol lindert dabei die Schmerzen.

 

Wie wird Hydromorphon angewendet?

Die Darreichungsform des Hydromorphons ist je nach Gebrauch und Symptom angepasst. Meist wird es oral als Tablette (z.B. unter dem Namen Palladon) verabreicht. Hierbei gibt es je nach Therapie normale, aber auch retardierte Tabletten. Retardierte Tabletten setzen ihre Wirkstoffe langsamer frei.

Die Wirkung des Hydromorphons hält etwa für 12 Stunden. Seit 2006 gibt es aber eine neue Darreichungsform, die auf einem neuem System beruht (dem sog. ‚oral-osmotischen System‘). Diese hat eine Wirkdauer von 24 Stunden. Das heißt, dass für den Patienten meist eine Tablette am Tag ausreicht, damit dieser den ganzen Tag davon Nutzen trägt.

Wie oben aber bereits erwähnt, wird der Wirkstoff bei peroraler Gabe nicht zu 100 % im Körper freigesetzt. Im Zuge der Aufnahme werden Teile des Wirkstoffes im Körper verwertet und umgewandelt, so dass am Ende ca. 50 % effektiv dem Körper zur Verfügung stehen. Um dies zu umgehen, kann die Gabe auch intravenös in Form einer Injektion, also Spritze, erfolgen. So gelangt mehr von dem Wirkstoff ins Blut. Außerdem wirkt das Medikament so auch schneller. Zusätzlich kann Hydromorphon in den Muskel, sprich intramuskulär, verabreicht werden.

Diese Tabelle zeigt eine Übersicht über Darreichungsform, Dosierung und die Wirkdauer:

Medikament/HandelsnameDarreichungsformDosierung (mg)Wirkdauer (h)


Palladon retard ®
Junista ®
Oral2,6 - 54 - 6
Oral retard4 - 810 - 12
Oral-osmotisch4 - 824
Intramuskulär1,5 - 34 - 6

Was sind die Gefahren einer dauerhaften Einnahme von Hydromorphon?

Die Einnahme von Hydromorphon für längere Zeit birgt einige Gefahren. So sollte man sich selbst immer wieder prüfen und von einem Arzt prüfen lassen. Man kann die folgenden Gefahren auf alle Opioide beziehen.
Eingeteilt werden diese in drei Kategorien:

  1. Toleranz (Gewöhnung)
  2. Physische Abhängigkeit
  3. Psychische Abhängigkeit

Im folgenden Abschnitt werden die Kategorien detaillierter erklärt.

Toleranz (Gewöhnung) gegenüber Hydromorphon

Bei regelmäßiger Einnahme derselben Dosierung lässt die Wirkung – nach subjektivem Empfinden – stetig nach. Man entwickelt mit der Zeit eine Toleranz gegen das Mittel. Im Falle von Hydromorphon handelt es sich um eine schnelle Toleranzentwicklung. Um die gleiche Wirkung zu erzielen wird auf eine höhere Dosierung zurückgegriffen. Wenn es um die schmerzlindernde Wirkung geht, ist dieser Effekt zu einem gewissen Grad ungefährlich. Jedoch besitzt Hydromorphon auch eine euphorisierende Wirkung. So kann die Droge aufgrund dieser Wirkung missbraucht werden. Für den Betroffenen ist es wie ein „Kick“, sie können abhängig werden. Doch mit steigender Dosierung steigt auch die Lebensgefahr.

Je nach Individuum zeigt sich die Wirkung anders. Demgegenüber stehen auch Wirkungen, die der Toleranzentwicklung nicht ausgesetzt sind, beispielsweise die Verkleinerung der Pupillen. Selbst nach langjähriger Einnahme treten diese immer wieder auf.

Physische Abhängigkeit von Hydromorphon

Diese Abhängigkeit zeigt sich in Form von Entzugserscheinungen, welche nach einer dauerhaften Einnahme oder nach einer Absetzung des Wirkstoffes auftreten können. Sie sind breit gefächert und äußern sich in verschiedenen Weisen:

Hydromorphon ist eines der stärksten Opioide und hat ein hohes Sucht- und Abhängigskeitpotenzial.
– Dr. Tobias Weigl

Psychische Abhängigkeit von Hydromorphon

Nach einer dauerhaften Einnahme hat sich der Körper so stark an den Wirkstoff gewöhnt, dass die Sehnsucht danach nicht mehr gestillt werden kann. Man bezeichnet diesen Effekt auch als ‚craving‘. Es ist der unwiderstehliche Verlangen nach dem Wirkstoff beziehungsweise dem Medikament. Diese Art der Abhängigkeit ist die Hauptursache für einen Rückfall beim Opioid-Entzug. Man spricht hierbei auch vom ‚Rebound-Effekt‘. Im Vergleich zur physischen Abhängigkeit hält die psychische länger an.

Bei chronischen Schmerzen orientieren sich Ärzte normalerweise am sogenannten Stufenschema der WHO. Was genau dieses Stufenschema ist, wofür es eingesetzt wird und welche Klassifizierungen der Schmerzmittel es dort gibt, erfahren Sie im folgenden Videobeitrag von Dr. Dr. Tobias Weigl.

Schmerztherapie nach WHO Stufenschema bei chronischen Schmerzen & Tumorschmerz – Analgetika, Opioide

Verwandte Substanzen und weitere Opioide

In der Schmerztherapie kommen neben dem Hydromorphon weitere Opioide zum Einsatz. Darunter finden sich zum Beispiel:

Obwohl alle der gleichen Stoffklasse angehören, unterscheiden sie sich sowohl in ihrer Struktur als auch in ihrer Wirkweise bzw. Wirkstärke. Je nach Individuum kommt es zu einer besseren oder schlechteren Verträglichkeit dieser Wirkstoffe. Mit einer therapeutischen Potenz (Wirkstärke) von 1 dient Morphin als Referenzwirkstoff zum Vergleich mit anderen Wirkstoffen. Demnach kann man dann die Wirkstärke von Opioiden in stark und schwach wirksam einteilen.

OpioidTherapeutische Potenz
Morphin1
Oxycodon1,5 – 2
Hydromorphon7,5
Burpremorphin30
Fentanyl100

Hydromorphon auf einen Blick

Hydromorphon ist ein stark wirksames Opioid und gehört zur Gruppe der Opioidanalgetika. Es unterliegt aufgrund seiner starken Wirkung dem Betäubungsmittelgesetz.

Wirkung

  • Schmerzlinderung

Anwendungsgebiete

  • Schmerztherapie bei starken bis sehr starken Schmerzen (z. B. Tumorschmerzen)

Wichtigste mögliche Nebenwirkungen

Empfohlene Dosis

  • Dosierung hängt von der Stärke der Schmerzen ab
  • ebenfalls wichtig bei der Dosierung ist der bisherige Schmerzmittelbedarf
  • Dosis hängt ebenfalls davon ab, ob Hydromorphon als retardiertes oder unretardiertes Präparat eingenommen wird
  • je nach Präparat bis zu max. 32 mg Tagesdosis

Darreichungsform

  • meistens als Tablette

 

Was muss ich bei der Einnahme von Hydromorphon beachten?

Bei der Einnahme von Hydromorphon gibt es einige Grundsätze und Regeln, die Sie beachten sollten, um eine optimale Wirkung zu erreichen:

  • Halten Sie sich an die verschriebene Dosis und nehmen Sie das Medikament so ein, wie es der Arzt Ihnen verschrieben hat! Wenn Ihnen etwas unklar ist, scheuen Sie sich nicht davor, mehrfach nachzufragen.
  • Brechen Sie die Behandlung nicht eigenmächtig, sondern nur in Rücksprache mit Ihrem Arzt ab.
  • Nehmen Sie die Tabletten mit ausreichend Flüssigkeit, etwa mit einem Glas Wasser, ein.
  • Wenn Sie versehentlich zu viele Tabletten zu sich genommen haben, kontaktieren Sie rasch Ihren Arzt, Apotheker oder das nächstgelegene Krankenhaus.
  • Falls Sie die Einnahme einmal vergessen haben, nehmen Sie auf keinen Fall die doppelte Dosis bei der nächsten Einnahme zu sich. Nehmen Sie das Medikament dann ein, wenn Ihnen wieder einfällt, dass Sie die Einnahme vergessen haben. Allerdings dürfen Sie nicht zwei Dosen in zu kurzen Abständen zu sich nehmen; welche Zeitabstände empfohlen werden, hängt u. a. von der Dosierung ab. Fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Arzt.

Aus der Forschung – erhöhtes ambulantes Pneumonierisiko bei Opioideinnahme

Eine Studie hat herausgefunden, dass Opioid-Schmerzmittel das Risiko erhöhen können, ambulant an einer Lungenentzündung (sog. ‚Pneunomie’) zu erkranken. In solchen Fällen sprechen Mediziner von einer community-acquired pneumonia (kurz CAP). Dabei waren vor allem Patienten gefährdet, die bedingt durch eine HIV-Infektion eine verminderte Immunabwehr hatten und/oder die Ärzte diese mit immunsupprimierenden Opioiden behandelt haben. Das bedeutet, dass diese Medikamente die eigene Immunabwehr unterdrücken beziehungsweise beeinträchtigen. Einige Opioide besitzen eine immunsupprimierende Wirkung, dazu zählen zum Beispiel Fentanyl oder Morphin.
Forscher und Forscherinnen der amerikanischen Yale University haben jetzt die Auswirkungen der Immunsuppression bei der Behandlung mit Opioiden untersucht. Dabei haben sie auf die sogenannten ‚Veterans Aging Cohort Study’ zurückgegriffen. Diese Studie hat untersucht, welchen Einfluss HIV-Infektionen auf das Alter haben und vergleicht Veteranen, die infiziert beziehungsweise nicht infiziert sind. Hierbei hat sich herausgestellt, dass von den rund 25.000 Teilnehmern mehr als 4.000 im Verlauf von zwölf Jahren an einer ambulant erworbenen Lungenentzündung erkrankten. Unter den Erkrankten waren überdurchschnittlich viele, die mit Opioiden behandelt wurden. Das Risiko, eine derartige Lungenentzündung zu erlangen, stieg mit der Dosis und war bei immunsupprimierenden Opioiden höher als bei anderen Opioiden.
Die genaueren Zusammenhänge müssen die Wissenschaftler noch untersuchen. Die Forscher raten dazu, das CAP-Risiko bei der Opioid-Verordnung zu beachten.

Quelle: E. Jennifer Edelmann et al. (2019): Association of Prescribed Opioids With Increased Risk of Community-Acquired Pneumonia Among Patients With and Without HIV. In: JAMA Intern Med. 179(3), S. 297–304.

Häufige Patientenfragen

Kann ich Hydromorphon dauerhaft einnehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Da Hydromorphon auch bei chronischen Schmerztherapien zur Geltung kommt, ist eine dauerhafte Einnahme prinzipiell möglich. Jedoch muss mit äußerste Vorsicht und regelmäßiger Prüfung eines Arztes gerechnet werden, da Hydromorphon wegen seines hohen Suchtpotentials als äußerst gefährlich gilt.

Darf ich Auto fahren, wenn ich Hydromorphon eingenommen habe?

Dr. Dr. T. Weigl
Das Medikament kann gerade am Anfang Ihre Verkehrstüchtigkeit ein Stück weit beeinflussen. Wenn Sie allerdings auf eine stabile Dosis eingestellt sind, sollte Sie Hydromorphon nicht großartig beim Autofahren beeinträchtigen. Aufpassen müssen Sie aber, wenn Sie das Medikament gemeinsam mit anderen Substanzen einnehmen, bei denen eine Wechselwirkung mit Hydromorphon bekannt ist – ich empfehle ausdrücklich, dass Sie dann Ihren Arzt befragen, ob Sie in diesem Fall noch ein Fahrzeug führen dürfen.

Darf ich während der Schwangerschaft Hydromorphon einnehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Während der Schwangerschaft, aber auch während der Geburt sollte das Opioid nicht angewendet werden. Dadurch kann die Fähigkeit der Gebärmutter beeinträchtig sein, sich zusammen zu ziehen. Darüber hinaus kann es zu Atmungsproblemen bei Neugeborenen kommen. Nimmt man während der Schwangerschaft zudem für eine längere Zeit Hydromorphon ein, können beim Neugeborenen Entzugserscheinungen auftreten, die sich etwa in Durchfall, Krampfanfällen oder Unruhe äußern.

Was kann ich tun, wenn das Medikament nicht zur Schmerzlinderung führt?

Dr. Dr. T. Weigl
Wichtig ist, dass hierbei die Dosis nicht einfach selbstbestimmend, sprich ohne Anweisung des Arztes, erhöht wird. Eine Überdosierung kann zu verschiedenen Symptomen wie zum Beispiel starkem Blutdruckabfall (sog. ‚Orthostase’) oder Atemstillstand (sog. ‚Atemdepressionen’) und damit verbunden zum Tod führen. Unbedingt sollte dies mit dem dafür beteiligten Arzt abgesprochen und vielleicht nach alternativen Medikamenten oder sogar Therapien diskutiert werden.

Können Hydromorphon enthaltende Medikamente zur einfachen Schmerzlinderung gekauft werden?

Dr. Dr. T. Weigl
Nein, denn Hydromorphon ist ein verschreibungspflichtiges Medikament und kann nur vom Arzt nach erfolgter Diagnose ausgestellt werden. Da es aufgrund seiner euphorisierenden Wirkung und den damit verbundenen Missbrauch, als Betäubungsmittel eingestuft wird, ist der „einfache“ Kauf, also ohne Rezept, davon in einer Apotheke nicht erlaubt.

Typisches Patientenbeispiel

Es gibt noch Hoffnung für Monika. Der Tumor kann operativ entfernt werden. Es gibt aber viel zu besprechen mit dem Arzt. So viel Papier, so viele schwierige Wörter! Und dann steht da etwas von ‚Schmerzbehandlung mit Hydromorphon‘. „Was ist dieses Hydromorphon? Ist das was bei der Operation?“, schaut Monika ihren Arzt fragend an. „Ah, gut das Sie fragen. Hydromorphon ist ein starkes Schmerzmittel, ein Opioid, das Sie nach der Operation bekommen werden. Sie werden es sich sicher schon gedacht haben, dass das Ganze nach der Operation nicht ohne Schmerzen ablaufen wird. Und da soll Ihnen das Medikament helfen.“ „Was ist ein Opioid? Ist das so etwas wie Opium? Macht das nicht süchtig?“, hakt Monika weiter nach. Der Arzt erklärt ihr weiter, welche Nebenwirkungen auftreten können und das man davon unter Umständen abhängig werden kann, „aber wenn man aufpasst und Hydromorphon nicht zu lange verwendet wird, kann es effektiv Schmerzen lindernd und ist deshalb ein wichtiges Medikament.“ Sie klären noch viele Details und bald schon steht Monikas Operation an…
Die Operation ist geglückt – es ist den Ärzten gelungen, den Tumor bei Monika zu entfernen. Aber Monikas Schmerzen sind unerträglich, weshalb ihr die Ärzte nun das Opioid Hydromorphon geben. Es ist beruhigend zu wissen, dass es solche Schmerzmittel gibt. Und so lange das Krankenhauspersonal darüber wacht, wie viel Monika davon bekommt, ist auch alles gut. Sie hofft, dass dann später, wenn Sie entlassen wird, auch die Schmerzen weg sind…

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Autoren: Schajan Salahijekta, Dr. Dr. Tobias Weigl, Sebastian Mittelberg
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht am: 07.02.2018, zuletzt aktualisiert: 22.06.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Mussten Sie in Ihrer Vergangenheit bereits Hydromorphon einnehmen? Falls ja, für wofür? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Gerne schreiben Sie diese in das Kommentarfeld und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns.

Quellen

[Gesamt:26    Durchschnitt: 4.6/5]
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  • W.-Peter
    05.09.2018 23:21

    Mit Skoliose und Spondylosis deformans der BWS habe ich meinen Weg von normalen Analgetika über Palexia, Tillidin, Oxycodon, Targin zu Hydro-Morphon 2mg retardierend gefunden. Ich nehme jetzt 2x täglich 2mg Hydro-Morphon als Kapsel und bin seit einem Jahr endlich annähernd schmerzfrei. Peaks mit 10/10 habe ich nicht mehr, ich deute meinen Schmerz eher als normalen Belastungsschmerz.
    Nebenwirkungen habe ich keine, bis auf ein gestörtes Temperaturgefühl. Ich friere halt eher und schwitze auch öfters als früher. Das mag aber auch am Alter liegen. Mit 50 Jahren kann und darf das auch passieren.
    Sonst hat mir das Medikament meine Lebensqualität zurück gebracht und dank engen Monitoring durch meinem Schmerzarzt fühle ich mich dahingehend sicher.

  • Iris Meier
    01.10.2018 03:30

    Ich nehme auch hydromorphon aufgrund einer chronischen Pankreatitis. (3 x täglich 4mg plus jeweils novalgin 500.Bei den immer häufigeren Schüben reicht nicht mal mehr das aus.Was kann man dagegen tun?

    • Dr. Tobias Weigl
      01.10.2018 21:08

      Leider ein sehr typischer Vorgang. Man nennt dies Gewöhnung bzw. Toleranz:
      1. man benötigt eine höhere Dosierung für die gleiche Wirkung, oder
      2. gleiche Dosierung aber dann geringere Wirkung
      Man kann auf andere Präparate wechseln, zB Fentanyl etc. Jedoch sind das keine Dauerlösungen. Ziel muss es sein, die chronische Pankreatitis schrittweise in den Griff zu bekommen. Die Tabletten (gerade starke Opioide) können bzw sollten nur als „Brücke“ dienen. Viele Grüße
      Dr. T. Weigl

  • Steffen Freese
    08.10.2018 23:04

    Hallo Dr. Weigl

    Ich bekomme seit ca 2,5 Jahren hydromorphon 8mg 1-0-2 also 24mg .
    Zuvor tillidin 3x200mg aufgrund einer schweren colitis ulcerosa und einer primärsklerodierenden cholangitis. Hatte bzw habe teilweise noch starke Bauchschmerzen und begleiterkrankungen die zu stärken Schmerzen führen/führten. Da ich lieber die Schmerzen aushalten möchte und ich eine gewisse Toleranz entwickelt habe (manchmal muss ich 3x tgl nehmen oder 2×2 o 1x2und1x3 da ich in letzter zeit häufig trotz einnahme entzugserscheinungen habe .

    Ich würde gerne einen forcierten bzw einen Narkose Entzug machen weil es immer weiter bergab mit mir geht. Bin erst 29 und möchte mich nicht so schlapp fühlen da ich eh schon schlapp von meiner psc bin (anfängliche leberzhirrose ) . Könnten Sie mir helfen mit einem Narkose Entzug? In Notfall trage ich die Kosten selber (verdiene sehr gutes Geld, das wird kein Problem sein ) aber mein Ziel ist es ohne opioide zu leben auch wenn ich Schmerzen haben sollte . Vll können sie mir helfen bei weiterem Kontakt gebe ich meine Telefonnummer usw bekannt.

    Lieben Gruß
    Steffen

    • Gabriele Große
      30.01.2019 14:06

      Hallo Herr Dr. Weigel,

      Wegen Stalker Osteoporose ( 5Wirbel betroffen, Rippen liegen schon auf Becken auf ) nehme ich seit 4Jaren Opiate ( Oxicodon, Targin ) und seit nun 2 Jahren Hydromorphon 3 x 1, 8mg.retardt alle 8 Std. sowie bei Bedarf Hydromorphon 2,6mg akut wegen starker Schmerzen. Habe aber in letzter Zeit immer Mal Entzugserscheinungen. Wie hoch kann noch Dossiers werden und wie lange können diese Medikamente eingenommen werden, gibt es Alternativen ?

      Danke und Grüße
      von G. Große

      • Dr. Tobias Weigl
        31.01.2019 11:03

        Hallo, vielen Dank für die Frage. 2 Jahre sind bereits eine lange Zeit und es ist wichtig nun aufzupassen, dass keine Abhängigkeit entsteht – gleichzeitig gibt es keine wirklichen Alternativen.
        Hier irgendwas vorzuschlagen wäre unseriös, ich empfehle unbedingt mit Ihrem Schmerztherapeuten darüber zu sprechen…denn Sie schildern ja bereits erste Entzugserscheinungen und da ist es wichtig schnell aber bedacht zu reagieren (kein abruptes Absetzen !).
        Viele Grüße
        Dr. Tobias Weigl

  • Sandy Reinhold
    15.02.2019 07:03

    Hallo, ein Klient von uns bekam von der Schmerzärztin 8mg, 4mg und 2x 1,3mg Hydromorphon morgens und abends verschrieben. Zusätzlich noch 3x 40 Tropfen Novaminsulfon. Jetzt war er eine Weile im Krankenhaus und dort wurde reduziert auf nur 2x tgl. 8 mg. Er gab keine Schmerzen an. Seit er wieder zurück ist aus dem Krankenhaus, hat die Schmerzärztin wieder die alte Dosis angesetzt. Jetzt klagt er wieder über Schmerzen. Kann zuviel Schmerzmedikation auch Schmerzen verursachen? Vielen Dank im Vorraus. MfG

  • Peter Schneider
    15.03.2019 08:35

    Hallo Herr Dr. Weigel,
    ich bin seit 18 Jahren Schmerzpatient. Die Geschichte in einzelnen ist so dick wie ein Buch. Nur die wesentlichen Punkte aufgelistet:
    – angefangen hat alles mit Wadenschmerzen beidseitig
    – ca. 1 Jahr fingen meine Oberarme an
    – ich würde von Krankenhaus zu Krankenhaus gereicht ( Halle 4 x, 3x ) hatte 8 Muskelbiopsien. Wo nach eine
    aber wohl auch nicht richtig, aussagekräftig war. Eine junge Genetikerin erklärte mir damals das vermutlich eine Muskelfasser am absterben ist. Das konnten die darauf in den darauf folgenden Biopsien nicht eindeutig nach gewiesen werden.
    – Die Jahre vergingen, man gab mir Morphium, in Tabletten Form und wenn es nicht mehr zu aushalten war bekam ich es gespritzt.
    – Mein leben änderte sich, ich ging nach Amerika. Sonne, trockenen Wärme, brachte mir anfangs Linderung. Ja ich setzte das Morphin ab und kam eine Weile mit „normalen“. Schmerzmitteln aus.
    – Das sollte aber nicht lange dauern, ich würde Patient in der Mayo Clinic in Phönix / Scottsdale. Mein Leidensweg begann
    – Man diagnostizierte Parkinson. Wer zweifelte das bei einer Clinic mit diesen Weltrum an ? Im Gegenteil man tat hier so als müsste ich den Boden küssen dort Patient zu sein.
    – Es kostete ( obwohl PPO KV) viele 1000$ für Tests, die alle nicht eindeutig waren.
    – Ich nahm über 5 Jahre 2200 Tabletten im Monat ein.
    – Das Problem war ich hatte wirklich immer wieder Phasen ( 2-3 Monate ) wo ich gut über die Runden kam.
    – Bis im Sommer 2018 ich nahm Oxi, alles was nach Schmerzmittel aussah wie Smarties. Es half nichts, mir liefen vor Schmerzen die Tränen runter. Ich war 2 mal wegen Überdosis in der Clinic. Was sie taten, sie haben mir ein Spray mit, was mir meine Frau geben sollte falls es nochmal vorkommt.
    – Längst wusste ich nicht mehr was real oder Einbildung war.
    – Irgendwie kam ich an eine lokalen Schmerzdoc ( Dr. Erlendson )
    – er verschrieb mir sehr teure Tabletten, die aber ihre Wirkung wieder sehr schnell verloren.
    – schließlich gab er mir einen Medikamentenmix direkt in meine Wirbelsäule, ein paar Minuten später rollten mir die Tränen, aber nicht vor Schmerzen, sondern vor Freude. Nach so langer Zeit fühlte ich nix, absolut keine Schmerzen
    – ich bekam diese Injektion noch 2 mal und dann entschied ich mich zu den Schritt, der meine Leben zum 2 mal ändern sollte. Ich bekam eine Painpump.
    – Am Tag der Op ( 10.01.2019 ) setzte ich ohne wissen von Dr. Erlendson alle Medikamente von der Mayoclinic ab.
    – Als ich es ihm nach 3 Wochen erzählte, schickte er mich press zum Neurologen, ich drückte alle meine Papiere aus und laut seiner Diagnose haben die Ärzte sich wohl schon alle selber wiedersprochen. Ich weis es nicht, mein Wissen ist viel zu klein um ein Urteil zu fällen, was ich weiß ist , das ich bei jeden Termin immer mit den gleichen Worten angefangen habe. ( Ich habe Schmerzen in jeden Muskel meines Körpers )
    – Das einzige was ich weiß, ich habe 2 Jahre wie in einen Schleier gelebt. Noch heute finde ich Sachen, wo ich mich fragen wann oder für was hast du das gebraucht. Oder Bücher, früher las ich Bücher und nach Jahren brauchte ich nur die ersten paar Zeilen zu lesen und konnte den Inhalt fast wörtlich wiedergeben. Die Zeiten sind vorbei. Man untersucht gerade ob das von den vielen Pillen oder von etwas anderes kommt, aber selbst wenn, damit muss ich umgehen.
    – Meine Frage (endlich) ich bekomme durch die Pumpe Dilaudid, Bupivicaine und Clonidine.
    – Auch bekomme ich Neupro 2mg Patch, wegen restless Syndrome, was hauptsächlich nachts sehr nervig ist. Nur leider muss eine Alternative her, da mir die Monatspackung 600$ kostet und auf Dauer das mein Rahmen sprengt.
    Ich beabsichtigte wieder nach Deutschland zu kommen, meinen Sie ich finde einen guten Arzt, der die Behandlung fortsetzt, oder ist es ehr wahrscheinlich das ich den ganzen Testwahnsinn von vorne beginnen muss ?
    Es ist mir völlig egal wo die Schmerzen herkommen, ich kann wieder ohne Hilfsmittel gehen, ich bekomme meine Füße hoch, so das ich nicht ständig hin falle. Womit ich wohl leben muss, ist ich werde schnelle „schlapp“ als andere in meine Alter ( 48 Jahre ), meine Muskelkraft verringert sich, vielleicht verlangsamt es die Sport Therapie…..
    Und wenn es sich nicht mehr gibt ist mein Gedächtnis beschädigt, warum auch immer.
    Es ist länger geworden ….
    Vielen Dank

  • Reichmann
    26.04.2019 00:58

    Sehr geehrter Herr Weigel,

    ich leide schon seit über drei Jahrzehnten an einer Zangsstörung mit etlichen depressiven Episoden.
    Bin nun 45 Jahre und aufgrund meiner Erkrankung musste ich einen top bezahlten Job in der Autoindustrie aufgeben und bekomme nun eine EU-Rente, was für Zwangserkrankte sehr schädlich ist.

    Nun bin ich auch seit 2 Jahren Schmerzpatient. Ich habe starke Rückenschmerzen, Muskelschmerzen, Gliederschmerzen und Bandscheibenvorfälle, die zuerst mit IBO und Diclo behandelt wurden. Da ich von Geburt an nur eine Niere habe und diese bisher leicht eingeschränkt war, hatte ich nach 6 Wochen Diclo Therapie auf einmal Wasserablagerungen in den Beinen. Mein Nephrologe stellte nun einen Nieren-Clearenceverlust von 40% fest, d.h. im Alter dann noch an die Dialyse.

    Mir wurde sofort sämtliche Therapie mit IBU und Diclo Medikamenten verboten und ich wurde zuerst auf das leichte Opiat Tilidin umgestellt. Dadurch verstärkte sich extrem meine Depression. Mein Neurologe vermutet das könnte am Naloxan liegen, welches ja in Tilidin enthalten ist. So soll ich jetzt auf Hydromorphon umgestellt werden. Da gibt es aber ein erhebliches Problem.

    Aufgrund meiner Zwangsstörungen muss ich laut Goldstandart 3-fache Dosis Antidepressiva nehmen.
    So nehme ich 60mg Mirtazapin und 225mg Venlafaxin. Das Venlafaxin hat mein Leben verändert und zwar ins Negative. Selten eine so gefährliche „Droge“ genommen. Das einschleichen war der Horror und an ausschleichen ist gar nicht mehr zu denken. Stromstöße im Kopf, Wahrnehmungsstörungen, Magenschmerzen, schon zweimal die Rippe gebrochen ohne einen Grund, Verkrampfungen in den Fingern und und und.

    Ich war wegen der Zwangsstörung schon in etlichen Therapien und Kliniken, aber da ist nichts mehr zu machen, manchmal beruhigen mich meine starken Schmerzen, so habe ich weniger brutale Zangsgedanken gegen die ich ankämpfen muss. Jedenfalls war ich in der Uni in Freiburg und in Köln bei Spezialisten, wegen einer Beratung zur Tiefenhirnstimulation, was eventuell 35% Linderung bei Zwangsstörung bringt, nicht gerade viel, aber wenn Dein Tag zu 95% aus Zangsgedanken besteht ist das ein Traum.

    Wie bei allen schwerst Betroffenen an Zwangsstörungen landen die meisten irgendwann bei den Benzos. Das half natürlich 1/2 Jahr und war ein Segen, aber die Dosis von 1mg Tavor erhöhte sich rasch auf Stand heute 7,5mg Tavor täglich. Natürlich helfen die Pillen mir schon lange nicht mehr, aber es federt ein bisschen den Entzug ab. Ohne Tavor wäre ich nicht mehr lebensfähig. Denke auch schon oft daran einfach Diclo weiter zu nehmen, in der Hoffnung das meine Niere endlich aufgibt und mein Leidensweg vorüber ist. Das fiese an der Zwangsstörung ist ja, dass Sie eben chronisch ist und im Alter immer härter und brutaler wird und man hat nichteinmal die Hoffnung an ein frühes Sterben, den tödlich ist die Erkrankung leider nicht. Dieser psychische Schmerz ist mit nichts zu vergleichen, es ist einfach nur brutal und reißt einen in schwerste Depression. Mit dieser mörderischen Erkrankung und nun auch noch Schmerzpatient, werde ich sicher nicht mehr 1-2 Jahre weiter machen. Nicht weil ich nicht mehr leben will, sonder weil ich in 1-2 Jahren einfach nicht mehr leben kann, es ist grauenvoll wenn Dein Hirn 24h denkt und immer wieder die gleiche Platte, jeden Tag ununterbrochen, ein Alltag habe ich schon lange nicht mehr und natürlich lebe ich nun auch isoliert, der Freundeskreis ist abgebrochen. Die Zwangsgedanken sind wie ein Tinitus im Kopf zuhören oder an Gesprächen Teilnehmen ist für mich unmöglich geworden, ein Buch lesen oder TV schauen geht seit 2 Jahren nicht mehr, zu laut sind die ZG. Die Anspannung ist permanent bei 100% und durch die vielen Medis die ich nehme brennt mein ganzer Körper aber besonders ein Brennen/Druck 24h im Kopf, teilweise so stark, als wäre ein glühendes Eisen hinter meiner Stirn, laut meinem Neurologen liegt das am vielen Denken, das Hirn ist auf Dauerstress und kann nicht mehr abschalten
    Nun endlich zum Punkt, ich weiß ich auch, dass Hydromorphon in Verbindung mit Benzos und dann noch in meiner hohen Dosierung kontraproduktiv ist, aber ich muss schleunigst etwas unternehmen daher meine Überlegung ich nehme das Hydromorphon, weil ich mir auch vorstellen kann, das ein Opiat vielleicht den Zwangsdruck lindern kann und reduziere, dafür werde ich das Tavor, das bereits alles Leben in mir ausgelöscht hat, reduzieren. Aber wenn es nicht hinhaut habe ich zwei Suchtmedikamente an der Backe, aber das ist mir bereits völlig egal ich erwarte nichts mehr vom Leben nur noch ein paar Jahre ein wenig Linderung der psychischen und physischen Schmerzen.
    Es tut mir leid, dass ich hier so negativ schreibe, aber ich greife jetzt nach jedem Strohhalm und gehe dafür auch gerne das Risiko einer Atemdepression ein. Ein Tavorentzug ist bei mir nicht mehr möglich, habe bereits 3 hinter mir und dadurch war der Zangsdruck unaufhaltbar bis hin zu Suizidgedanken. Ich weiß es ist gefährlich diese beiden Präparate zu mixen, aber was bleibt mir sonst noch an Möglichkeit? Werde das auch mit meinen Schmerzarzt noch besprechen, ich bin völlig ratlos, wie ich verfahren soll, habe natürlich Angst vor einer Atemdepression, anderseits ist ein Leben mit der jetzigen Medikation fast nicht mehr möglich. Mein letzter Therapeut meinte auch schon in meiner Situation nochmals alles ausschöpfen, andernfalls neues Karma neues Glück. Sehr Makaber, aber auch ehrlich gesprochen.
    Welche Erfahrungen haben Sie mit Tavor und Opiate gemacht. Können Sie mir da bitte Ihre Erfahrung mitteilen?

    Vielen Dank und schöne Grüße.

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