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Vitamin-D-Mangel – Evidenz & Wirkung – Kein Wundermittel gegen Krebs und Co.

Es gibt unterschiedliche Meinungen von unterschiedlichen Gruppen wie Pharmakonzernen oder Medizinern, was die Wirksamkeit von Vitamin D angeht. Hilft es beispielsweise gegen Krebs oder kardiovaskuläre Erkrankungen? Neueste Studien bezweifeln diese Präventionswirkung stark.
— Dr. Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Seit Ende der Neunziger Jahre steigt das Interesse an Nahrungsergänzungsmitteln. Als neuestes Wundermittel gilt Vitamin D: Es ist nicht nur wichtig für den Stoffwechsel, sondern ist auch wesentlicher Bestandteil zum Erhalt der Knochen. Ein Mangel an Vitamin D hat den Um- und Abbau der Knochenstrukturen bis hin zur Osteoporose zur Folge. Als einziges Vitamin kann der Körper Vitamin D mithilfe von Sonnenstrahlung selbst herstellen, nur einen kleinen Teil unseres täglichen Bedarfs beziehen wir über Nahrungsmittel. Einige Risikogruppen müssen aber unter Umständen ergänzend Vitamin D zuführen. Dazu gehören beispielsweise Schwangere und Menschen mit einer dunklen Hautfarbe.
Immer mehr Menschen nehmen Nahrungsergänzungsmittel mittlerweile nicht nur, wenn der eigene Vitamin-D-Speicher leer ist, sondern auch in der Annahme, dass das Präparat vor Krebs oder Erkrankungen des Herz-Kreislaufes schütze. Seit Jahren existieren verschiedene Studien, die das sowohl belegen als auch widerlegen.

Mathilda ist beim Frauenarzt. Sie ist hier, weil sie ein neues Rezept für ihre Anti-Baby-Pille braucht. Das Wartezimmer ist voll und trotz eines Termins wartet Mathilda bereits seit 15 Minuten darauf, aufgerufen zu werden. Weil sie ihren aktuellen Roman zuhause gelassen hat, beschließt sie, in einer der immer gleichen, blauummantelten Zeitschriften und Klatschblätter zu stöbern. Das erste, was ihr in die Hände fällt, wirbt auf der Titelseite mit einem „medizinischen Wundermittel“. Mathilda stutzt. Das besagte Mittel, was sogar gegen Bedrohungen wie Krebs vorbeugend wirken soll, ist tatsächlich … Vitamin D . Vitamin D? Ist das nicht das Vitamin, was Menschen ausbilden, wenn sie in der direkten Sonne sind? Dunkel erinnert sich Mathilda an den Oberstufenunterricht in der Schule. Neugierig und skeptisch zugleich beginnt sie, den Artikel zu lesen. Nahrungsergänzungsmittel als Prophylaxe? Das klingt viel zu einfach für Mathildas Geschmack.

Was ist Vitamin D?

Vitamin D wird auch Calciferol genannt. Es ist fettlösend und wirkt im Körper als Hormon. Es gibt zwei Arten davon:

  • Vitamin D3 (sog. ‚Cholecalciferol‘): Dieses Hormon wird vom Körper selbst hergestellt. Allerdings funktioniert es nicht ohne Weiteres, sondern es braucht eine Aktivierung.
  • Vitamin D2 (sog. ‚Ergocalciferol‘): Dieses Hormon findet sich nicht im menschlichen Körper, sondern vor allem in Pflanzen.

Das körpereigene Vitamin D3 wird in der Haut und in der Leber gebildet. Zunächst wandelt die Leber das darin enthaltene Cholesterin in das sogenannte 7-Dehydrocholesterin um. Dieses ist die inaktive Vorstufe von Vitamin D3. Dieses Vorhormon wird in der Haut zunächst gespeichert und durch UV-Strahlen in der Sonne gespalten. Das chemische Ergebnis ist Cholecalciferol. Dieses wird im nächsten Schritt zurück in die Leber transportiert. Dort wird durch die Hinzugabe von Sauerstoff (sog. ‚Hydroxylierung‘) das Hormon 25-Hydroxycholecalciferol hergestellt. Dieses wird als Vorstufe vor Vitamin D in Fettgewebe gespeichert.

Neben der eigenen Herstellung können Sie Vitamin D auch über Nahrungsmittel wie fettem Fisch, Eier oder bestimmte Pflanzen aufnehmen. Insgesamt wird 80 Prozent des Bedarfs durch die Sonnenbestrahlung im Körper selbst gebildet. Wie lange Sie ungeschützt in der Sonne sein müssen, um das Vitamin bilden zu können, hängt von verschiedenen Faktoren wie den Breitengrad, die Jahreszeit oder der Kleidung ab. Die restlichen 20 Prozent nehmen wir über Nahrung auf. Beachten Sie: Eine intensive oder lange ungeschützte Sonneneinstrahlung kann Hautschäden bis hin zu Hautkrebs nach sich ziehen!

Gut zu wissen!
In Deutschland ist es möglich, den Tagesbedarf an Vitamin D selbst zu decken. Dafür reicht es in den Sommermonaten, zwischen 5 bis 25 Minuten am Tag in der Sonne zu verbringen. Die genaue Dauer hängt von Hauttyp, Tageszeit und Monat ab.

Heutzutage schwören immer mehr Menschen auf das „Sonnenhormon“ und nehmen es in großen Mengen in Form von Nahrungsergänzungsmitteln vorbeugend zu sich. Aber wer hat wirklich einen Mangel und einen Bedarf an Extra-Vitamin-D? Diese und weitere Fragen beantwortet Dr. Dr. Tobias Weigl im folgenden Video.

Vitamin D: Diese Menschen leiden unter Vitamin D Mangel – Funktion, Symptome & Unterversorgung

Wofür wird Vitamin D gebraucht?

Calciferol übernimmt drei Hauptfunktionen im menschlichen Körper. Zunächst wird es für den Calcium- und den Phosphatstoffwechsel benötigt. Vitamin D unterstützt aktiv die Aufnahme (sog. ‚Resorption‘) der beiden Mineralien und verhindert durch die Bildung von Calbindin einen Calciummangel. Calbindin fungiert als Transportprotein für Calcium und Phosphat. Weiterhin unterstützt das Vitamin den Knochenauf- und -umbau, indem es Teil des Mineralisierungsprozesses ist. Auch hier ist ein entsprechend hoher Calcium- bzw. Phosphatspiegel vonnöten. Als dritten Punkt ist Vitamin D Teil der sogenannten Genexpression. Darunter verstehen Mediziner die Herstellung von Produkten wie Proteine durch Gene.

Gut zu wissen!
Vitamin D ist das einzige Vitamin, was vollständig im menschlichen Körper hergestellt wird.

Wenn das Hormon fehlt: Vitamin-D-Mangel

Mit der Aufnahme über Nahrung, die Aktivierung über das Sonnenlicht und die körpereigene Synthese gibt es einige Varianten, wie der Körper an das wichtige Hormon kommt. Die Synthesekette ist allerdings lang, sodass es während der Herstellung beziehungsweise Umwandlung der einzelnen Zwischenschritte zu Fehlern kommen kann. Die Folge ist ein Vitamin-D-Mangel. Es gibt verschiedene, konkrete Ursachen dafür:

Symptome eines Vitamin-D-Mangels

Die Symptome werden vor allem hinsichtlich des Alters unterschieden. Kinder leiden so unter einer Rachitis, also einer Störung des Knochenwachstums. Die Folge ist eine Deformierung des Skeletts. Erwachsene Betroffene klagen über schmerzhafte Knochenerweichungen, die ebenfalls eine Deformation bis hin zu Frakturen zur Folge haben können. Dieser Prozess wird von Medizinern als Osteomalazie bezeichnet. Begleitet wird eine Osteomalazie durch Anzeichen wie Muskelschwäche und Kopfschmerzen. Je älter Sie sind, desto wahrscheinlicher kann es in der Folge zur Ausbildung einer Osteoporose kommen.

Weitere Symptome, die mit einem entsprechenden Mangel einher gehen können:

Exkurs: Osteomalazie und Rachitis
Hinter den beiden Begriffen Osteomalazie und Rachitis verbirgt sich der krankheitsbedingte Um- und Abbau von Knochenmaterial. Aufgrund von Mängeln – beispielsweise von Calcium oder Vitamin D – ist das Skelett untermineralisiert und weniger stabilisierendes Kalk wird gebildet. Dadurch werden die einzelnen Knochen weniger belastbar. Es kann zu Verbiegungen bis hin zu Brüchen (sog. Frakturen) kommen. Eine Osteomalazie betrifft Erwachsene. Den untermineralisierten Umbau der Knochen im Kindesalter nennen Mediziner Rachitis.
Eine Osteomalazie lässt sich zusammengefasst anhand von folgenden, grundlegenden Symptomen bestimmen:

  • Geringe Knochenbelastbarkeit
  • Gehbeschwerden: Von einem Watschelgang bis hin zu Bettlägerigkeit
  • Krümmung der Beine
  • Knochenverformungen
  • Niedriger Phosphatspiegel (sog. ‚Hypophosphatatämie‘)
  • Allgemeine Muskelschwäche

Da Kinder sich noch in der Wachstumsphase befinden, kommt es im Rahmen einer Rachitis zu sogenannten Gedeihstörungen. Neben der Muskelschwäche leiden Kinder an Schmerzen beim Gehen. Diese können dazu führen, dass die betroffenen Kinder erst spät laufen lernen.
Eine weitere Erkrankung, die mit dem Um- und Abbau von Knochen zusammenhängt und die auch mit einem Vitamin-D-Mangel zusammenhängt, ist Osteoporose. Alles Wissenswerte dazu erklärt Ihnen Dr. Dr. Tobias Weigl in folgendem Video.

Wer kann von einem Mangel betroffen sein?

Von einem Mangel kann prinzipiell jeder betroffen sein, der nicht im ausreichenden Maße Zeit in der Sonne verbringen kann. Dies kann beispielsweise witterungsbedingt sein. Mediziner haben darüber hinaus eine Reihe von Risikogruppen definiert, die zu einem Vitamin-D-Mangel tendieren:

  • Menschen mit dunkler Hautfarbe. Sie haben einen hohen Melaningehalt. Der schützt zwar die Haut vor aggressiver Sonnenstrahlung, sorgt aber auch dafür, dass sie weniger Vitamin D produzieren.
  • Ältere Menschen: Die Fähigkeit zur Synthese des Vitamins nimmt mit dem Alter ab. Erschwerend hinzu kommt, dass ältere Menschen aufgrund erschwerter Mobilität etc. nicht ausreichend nach draußen können.
  • Säuglinge: Frauenmilch, die Nahrungsgrundlage für Säuglinge, enthält nur wenig Vitamin D. Zusätzlich können sie, da der Hautschutz nicht voll ausgebildet ist, nicht direkt in die Sonne.
  • Menschen, die polarnah leben: Aufgrund der schwächeren Intensität und Kürze der Sonneneinstrahlung können Menschen, die nah an der Polarregion leben, nur wenig Vitamin D über UV-Einstrahlung produzieren.
Achtung!
Wen Sie zu den eben genannten Risikogruppen gehören, können Sie Ihren Vitamin-D-Spiegel bestimmen lassen. Ihre Krankenkasse übernimmt die Kosten dieses Tests für Sie, alle anderen müssen ihn aus eigener Tasche bezahlen. Im Rahmen dieses Tests wird Ihnen Blut entnommen und dann im Labor untersucht. Gemessen wird 25-Hydroxycholecalciferol. Allerdings ist das Verfahren gerade in niedrigen Messbereichen anfällig für Fehler, weswegen Labormediziner mehrere Messergebnisse vergleichen. So sollen Fehler ausgeschlossen werden.

Hat ein Arzt bei Ihnen einen Mangel an Vitamin D diagnostiziert? Welche der folgenden Symptome haben Sie bei sich festgestellt? (Mehrfachnennungen möglich)

Vitamin D als Zusatzpräparat

Besonders die bereits genannten Risikogruppen können im Falle von Mangelerscheinungen auf Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen. Damit kann die mangelnde körpereigene Bildung des Vitamins kompensiert werden. Die Zahl der verkauften Nahrungsergänzungspräparate steigt indes in Deutschland von Jahr zu Jahr. Besonders deutlich wird der Sprung in den USA: Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich der Anteil derer, die solche Supplemente zu sich nehmen, vervierfacht von 5,1 auf 19 Prozent der Bevölkerung.

Fraglich ist, ob die Präparate neben der Aufstockung des Vitaminspiegels im Körper präventiv gegen weitere Erkrankungen wirken. Lesen Sie dazu doch den Abschnitt „Vitamin-D-Präparate: Vor- und Nachteile“ weiter unten in diesem Artikel!

Exkurs: Nahrungsergänzungsmittel
Als Nahrungsergänzungsmittel werden Präparate bezeichnet, welche aus bestimmten Nährstoffen bestehen. Diese sind in konzentrierter Form zu finden. Dazu gehören beispielsweise Vitamine, Mineralien und Spurenelemente bis hin zu Pflanzen und Kräuterextrakten. Die Supplemente sind häufig als Tabletten, Pulver und Kapseln zu erwerben. Die Grundidee von Nahrungsergänzungsmitteln besteht darin, dass mithilfe der Supplemente die normale Ernährung ergänzt wird. Sie ernähren sich bereits ausgewogen und haben keine Mängelerscheinungen an sich bemerkt? Dann sind solche Supplemente für Sie überflüssig.
Bevor neue Präparate auf den freien Markt kommen, müssen diese beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) registriert werden. Das BVL orientiert sich hierbei an den vom Europäischen Parlament aufgestellten Richtlinien aus dem Jahr 2002. Von den Regelungen zur Registrierung ausgeschlossen sind bisher Präparate, die Aminosäuren, Fettsäuren sowie Pflanzen- oder Kräuterextrakte enthalten.
Grundsätzlich erfreuen sich Nahrungsergänzungsmittel in Europa und den USA enormer Beliebtheit. 2016 wurden in Deutschland so 165 Millionen Packungen verkauft, was ein Plus von sechs Prozent zum Vorjahr bedeutet. 2017 stieg die Zahl der verkauften Verpackungen nochmals um 4,2 Prozent auf 172 Millionen. Zu den beliebtesten Sorten gehörten Präparate, die Magnesium, Calcium oder Vitamin D enthielten. Die meisten Verbraucher kaufen sich die Präparate ohne Rezept. Nur knapp ein Viertel der Käufer nehmen Supplemente in Absprache mit dem behandelnden Arzt.

Nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel? Wenn ja, welche wären das? (Mehrfachnennungen möglich)

Faktenbox Vitamin D/Calciferol

  1. Vitamin der Steroidgruppe
  2. Für Knochen, Genexpression sowie Calcium- und Phosphatstoffwechsel relevant
  3. Synthese über UV-Strahlung (80 Prozent) und Nahrung (20 Prozent)

Symptome bei Vitamin-D-Mangel

Vitamin-D-Präparate: Vor- und Nachteile

Gerade den Punkt, dass Vitamin-D-Präparate mehr als nur zur Ergänzung der Nahrung dienen, beschäftigt die medizinische Forschung stark. Eine Studie zum Thema, welche auf der diesjährigen Jahrestagung der American Heart Association vorgestellt wurde, hat sich mit dieser Frage beschäftigt. Darin sind die Mediziner zu dem Ergebnis gekommen, dass Menschen, die täglich ein Vitamin-D-Präparat zu sich nehmen, nicht seltener an Erkrankungen wie Krebs leiden als andere. In dem Experiment der US-Wissenschaftler wurde eine zweite Gruppe von Probanden mit Placebo-Präparaten versorgt. Innerhalb des Versuchszeitraums (5,3 Jahre) ermittelten die Wissenschaftler, wer an Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen erkrankt ist. Die Zahlen der beiden Gruppen waren nahezu identisch.

Zu einem ähnlichen Ergebnis ist auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. in einer Studie aus dem Jahre 2011 gekommen: Auch dort heißt es, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Zusammenhang bestünde zwischen dem Auftreten von ausgewählten Krebsarten wie Prostatakrebs, Pankreaskrebs oder Speiseröhrenkrebs und einem Vitamin- D-Mangel. Die in dieser Studie aufgestellte These, die Gabe von Vitamin-D-Präparaten an die Risikogruppe der älteren Menschen könne Stürze und Knochenbrüche vorbeugen, wurde 2018 widerlegt. Eine aktuelle Studie von der University of Auckland in Neuseeland kommt genau zu diesem Ergebnis: Egal, wie hoch die Dosierung ist, Stürze können nicht verhindert werden. Auch Osteoporose kann nach der neuen Studie nicht durch die Gabe der Supplemente verhindert werden. Ausgenommen wird hier die Prävention von Rachitis und Osteomalazie.

Eine Studie des International Prevention Research Institute in Lyon aus dem Jahr 2017 hat zumindest ergeben, dass die Sterblichkeitsrate älterer Personen ein wenig gesenkt wird. Diese Verringerung sei nicht groß, aber signifikant. Ebenfalls könne Vitamin D nach der Lyoner Studie einen geringen positiven Effekt für die oberen Atemwege haben. Eine Studie von Londoner Mediziner ist bei einer Untersuchung zu diesem Ergebnis gekommen: So soll die Wahrscheinlichkeit, an einem Infekt der oberen Atemwege zu erkranken, um 12 Prozent gesenkt worden sein.

Achtung!
Gerade die Forschung zur Wirkung und Anwendung von Nahrungspräparaten wie Vitamin D wirkt widersprüchlich. Die verschiedenen Forschungsmeinungen liegen teilweise in den Anforderungen an die durchgeführten Studien begründet. So können sich Ergebnisse zugunsten einer mutmaßlich stärkeren Wirkung erzielen lassen, indem Studien kleiner und auch kürzer konzipiert werden. Vor allem große, über einen langen Zeitraum angelegte Studien sprechen Vitamin-D-Supplemente eine präventive Wirkung ab.

In einem Video hat sich Dr. Dr. Tobias Weigl noch einmal ausgiebig mit der Forschung zu Vitamin D im Zusammenhang mit Krebserkrankungen auseinandergesetzt und dabei 13 Studien unter die Lupe genommen, um einen bisweilen unklaren Sachverhalt zu verdeutlichen.

Schützt & heilt Vitamin D Krankheiten wie Krebs?⏩ Würdigung von Prof. Jörg Spitz & aktuelle Studien

Dosierung von Vitamin D: Wie viel ist gesund?

Mediziner haben errechnet, dass ein erwachsener Mensch im Durchschnitt bei fehlender körpereigener Bildung 20 μg Vitamin D pro Tag braucht. Eine Überdosierung liegt dann vor, wenn Sie mehr als 100 μg pro Tag, bzw. Kinder mehr als 50 μg pro Tag zu sich nehmen. Dies ist bei einer ausgewogenen Ernährung nur mit Ergänzungsmitteln zu erreichen. Eine solche Überdosierung kann u. a. folgende Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben:

  • Nierenverkalkung: Ablagerungen durch Calcium in der Niere werden Nierenverkalkung (sog. ‚Nephrokalzinose‘) genannt. Diese finden sich vor allem in der Nierenrinde bzw. im Nierenmark.
  • Nierenstein: Als Nierenstein oder Nephrolithen bezeichnen Ärzte Ablagerungen in den Nieren, die sich aus Teilen von Urin zusammensetzen und zusammenklumpen. Sind diese Klumpen groß, können sie die Harnwege und somit den Durchfluss blockieren. Dies führt zu Nierenschmerzen.

Bevor Sie also zu einem Vitamin-D-Supplement greifen, sollten Sie sich unbedingt mit Ihrem Arzt absprechen, um unerwünschte Nebenwirkungen durch eine Überdosierung zu vermeiden.

Häufige Patientenfragen

Woran merke ich, dass mein Körper zu wenig Vitamin D bildet?

Dr. T. Weigl:
Dass Sie zu wenig Vitamin D – beispielsweise im Winter oder wenn Sie zu den genannten Risikogruppen gehören – bilden, können Sie anhand mehrerer Symptome erkennen, die bei vielen Patienten auftreten. Neben Kopfschmerzen sind Sie müde und haben ein Stimmungstief. Zusätzlich können Schlafstörungen auftreten. Einige Betroffene klagen über Muskel- und Gelenkschwächen. Vitamin D  sorgt dafür, dass unsere Knochen stabil sind. Fehlt das Vitamin, können sie porös werden. Während Mediziner bei Kindern dann von einer Rachitis sprechen, erleiden Erwachsene eine Osteomalazie. Frakturen und auch Stürze aufgrund der instabilen Knochen sind dann möglich!

Haben Nahrungsergänzungsmittel Nebenwirkungen?

Dr. T. Weigl:
Ja, haben sie. Eine Studie aus dem Jahre 1998 in den USA hat gezeigt, dass von 1.466 Personen, die Nahrungsergänzungsmittel nehmen, 498 Menschen von Nebenwirkungen betroffen sind. Gerade der Konsum von verschiedenen Präparaten ist schwierig, da es zu Wechselwirkungen der einzelnen Stoffe kommen kann. Zu den unerwünschten Nebenwirkungen gehören z. B. Schädigungen der Leber.

Kann ich fehlende Sonneneinstrahlung im Winter mit Besuchen im Sonnenstudio kompensieren?

Dr. T. Weigl:
Nein – ein Gang zur Sonnenbank kann nicht als Kompensation für fehlende Sonnenstrahlung herhalten. Darüber hinaus bestehen bei solchen Besuchen im Solarium Risiken für die Haut. Gerade jüngeren Menschen, vor allem Kindern und Jugendlichen, wird abgeraten, ins Sonnenstudio zu gehen, da ein Hautkrebsrisiko besteht.

Was sind Vitamine?

Dr. T. Weigl:
Vitamine sind Verbindungen, die wichtig für unseren Stoffwechsel sind. Der Begriff leitet sich vom lateinischen „vita“ (auf Deutsch: Leben) ab. Amine bilden eine eigene Stoffgruppe in der Chemie. Jedes einzelne Vitamin erfüllt eine bestimmte Aufgabe; viele sind Teil von biochemischen Reaktionen oder sind Teil des Schutzmechanismus von Zellmembranen. Vitamine werden grundsätzlich in zwei Gruppen geteilt: in fettlösliche und wasserlösliche Vitamine. Zu den fettlöslichen gehören beispielsweise Vitamin A und Vitamin D und zu den wasserlöslichen Vitamin B und C.
Vitamine können – und müssen – wir über unsere Nahrung aufnehmen. Die einzige Ausnahme bildet Vitamin D, welches unser Körper mithilfe von UV-Strahlung selbst herstellen kann. Mangelerscheinungen sind aufgrund von mangelhafter Ernährung möglich. Wie viele Vitamine Sie benötigen, ist individuell und hängt auch mit Ihren Lebensumständen zusammen. Sind Sie erhöhter körperlicher Belastung ausgesetzt? Befinden Sie sich im Wachstum? Sind Sie schwanger oder stillen Sie bereits? In diesen Fällen brauchen Sie beispielsweise mehr Vitamine als sonst.

Nachdem ihr der Artikel nicht aus dem Kopf gegangen ist, hat Mathilda nach ihrem Arztbesuch recherchiert und eine befreundete Ärztin angerufen. Diese hat ihre Skepsis bestätigt: Die erwähnten Vitamin-D-Supplemente senken, nach derzeitigem Stand der Forschung, nicht die Wahrscheinlichkeit, an Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken. Nehmen sollte man solche Präparate wirklich nur, wenn ein Vitamin-D-Mangel vorliegt.

Verwandte Themen

Haben auch Sie Erfahrungen mit Vitamin-D-Nahrungsergänzungsmitteln? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Andrea Lorenz
Redaktion: Sebastian Mittelberg
Veröffentlicht: 09.12.2018, zuletzt aktualisiert: 16.04.2019

Quellen

  • Klartext – Nahrungsergänzungsmittel präventiv gegen Vitamin-D-Mangel einnehmen?
  • Philippe Autier (2017): Effect of vitamin D supplementation on non-skeletal disorders: a systematic review of meta-analyses and randomised trials. In: The Lancet. Diabetes & Endocrinology 5/12.
  • Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2018): Nahrungsergänzungsmittel.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (2018): Gesundheitliche Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln.
  • gie/aerzteblatt.de (2017): Nahrungsergänzungsmittel: Deutsche setzten vor allem auf Magnesium. In: Deutsches Ärzteblatt Online.
  • hil/aerzteblatt.de (2018): Nahrungsergänzung mit Vitamin D hilft nicht gegen Osteoporose. In: Deutsches Ärzteblatt Online.
  • rme/aerzteblatt.de (2018): Vitamin D und Fischölkapseln schützen (wahrscheinlich) nicht vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In: Deutsches Ärzteblatt Online.
  • Daniela Frank (2016): Wer sollte Vitamin D einnehmen? In: apotheken-umschau.de.
  • Jakob Linseisen u. a. (2011): Stellungnahme. Vitamin D und Prävention ausgewählter chronischer Krankheiten. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V., Bonn.
  • JoAnn E. Manson u. a. (2018): The Vitamin D and OmegA-3-TriaL (VITAL): Principal Results for Cardiovascular Disease and Cancer. American Heart Association Scientific Sessions, Chicago.
  • JoAnn E. Manson u. a. (2018): Vitamin D Supplements and Prevention of Cancer and Cardiovascular Disease. In: The News England Journal of Medicine.
  • Adrian R. Martineau (2017): Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analyses of individual participant data. In: The BMJ.
  • Gerd-Marko Ostendorf u. a. (2012): Versicherungsmedizin im 21. Jahrhundert. Private Krankenversicherung. Verlag Versicherungswirtschaft, Karlsruhe.
  • Gabriele Seher (2003): Unerwünschte Nebenwirkungen bei Nahrungsergänzungsmittel. In: Deutsches Ärzteblatt Online.
  • Walter Siegenthaler und Hubert E. Blum (2006): Klinische Pathophysiologie. 9., völlig neu bearbeitete Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
[Gesamt:12    Durchschnitt: 4.7/5]
1 Kommentar
  • herman
    08.02.2019 14:00

    Ich nehme aus Gesundheitlichen gründen Vitamin D seit 2 Jahren. Ich es nehme aber zusammen mit Vitamin K2 weil es angeblich besser absorbiert wird. 5000 IE sollen auch genug sein. Im Winter ist es auch notwending und es hat einen erheblichen einfluss auf die Laune.

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