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Wadenschmerzen durch Muskelkater, Ischias oder Krampfadern?

Schmerzen im Bereich der Wade können viele Ursachen haben, darunter Durchblutungsstörungen, angeborene Fehler oder einfach nur Muskelkater.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Bei Wadenschmerzen handelt sich um Schmerzen, die im Bereich zwischen Kniekehle und Achillessehne ansetzen. Da Grund und Schweregrade bei Wadenschmerzen variieren, können auch die Schmerzausprägungen mitunter sehr verschieden ausfallen. Schmerzen in der Wade können durch vielerlei Dinge ausgelöst werden, die nicht nur den Muskel direkt betreffen. Dieser Artikel trägt mögliche Gründe für solche Schmerzen, wie beispielsweise Durchblutungsstörungen, für Sie zusammen.

„Au!“ Michael hält sich sein Bein. Seit dem Ende der zweiten Halbzeit hat der Amateurfußballer plötzlich ein Spannungsgefühl in der Wade. Und der Schmerz! Dehnen und auch nur Nachfühlen tun ihm furchtbar weh. Dabei hatte er doch in der ersten Halbzeit so gut gespielt. Michael hinkt zu seinen Kollegen auf der Bank. Die schauen in mitleidig an „Geh damit mal lieber schnell zum Arzt!“ sagt einer. „Ach ne, das wird schon wieder,“ sagt ein anderer. Mit so einem Schmerz will Michael lieber nicht warten. Er macht einen Arzttermin und informiert sich vorab etwas über die Wade.

Die Wade – was ist das eigentlich?

Um zu wissen, ob es sich bei den Schmerzen auch um Wadenschmerzen handelt, sollte erst einmal geklärt werden, was die Wade überhaupt ist. Die Waden befinden sich am hinteren Teil Unterschenkel, dem Teil des Beines zwischen Knie und Fuß auf beiden Seiten. Der prominente, also nach außen hin durch die Hautwölbung sichtbare, Teil der Muskulatur, der am Unterschenkel für die Beugung zuständig ist (auch Flexor genannt) wird als Wade bezeichnet. Dieser Muskel, durch den die Wade ihre Form zu großen Teilen bekommt, nennt man auch Musculus gastrocnemius. Dieser wird auch als Zwillingswadenmuskel beschrieben.

Arten von Wadenschmerzen

Schmerzen in der Wade können sich durch ihre Dauer, ihre Regelmäßigkeit und das Schmerzgefühl unterscheiden.

  • Rezidivierende Wadenschmerzen: Rezidivierende Wadenschmerzen sind Schmerzen, die nach einer völligen Abheilung trotzdem wieder auftreten.
  • Sensorische Schmerzqualität: Hierbei handelt es sich um die körperliche Wahrnehmung der Schmerzen. Bei Wadenschmerzen kann es sich um stechende, ziehende, dumpfe, krampfende und Druckschmerzen handeln.
  • Ruhe- und Bewegungsschmerz: Wadenschmerzen können sowohl in der Ruhephase (also wenn die Wade nicht angestrengt wird) also auch bei Bewegung eintreten.

Schmerzen in der Wade können durch vielerlei Dinge ausgelöst werden, die nicht nur den Muskel direkt betreffen. So können Durchblutungsstörungen der Auslöser für Schmerzen in der Wade sein. Dieser Artikel trägt mögliche Gründe für solche Schmerzen zusammen.

Gut zu wissen!
Auch wenn man sie vielleicht nicht direkt zur Wade zählt, ist die Achillessehne enorm wichtig für die Aufgaben der Wade. Als stärkste Sehne des gesamten Körpers, hilft sie bei der Kraftübertragung, um beispielsweise den aufrechten Gang.

Ursachen für Wadenschmerzen: Muskulatur

Wadenschmerzen können durch Probleme im Muskel ausgelöst werden, aber auch durch Krankheiten. So können Zysten in der Wade zu Schmerzen führen. Die konkreten Ursachen können auch außerhalb der Muskulatur liegen: So zum kann beispielsweise die Durchblutung des Muskels durch Herzprobleme verursacht werden. Zu den zugrunde liegenden Ursachen gehören:

  • Muskelkater: Der Muskelkater ist einer der häufigeren Gründe für Wadenschmerzen. Ein Muskelkater zeichnet sich durch ein schmerzhaftes Spannungsgefühl der Muskulatur, in diesem Fall der Waden, aus. Der Schmerz tritt ca. ein bis zwei Tage nach hoher bzw. zu hoher sportlichen Belastung auf. Waren Mediziner früher davon ausgegangen, dass ein Muskelkater mit der Ansammlung von Milchsäure in den Muskeln zusammenhängt, wird diese Theorie heutzutage nicht mehr verfolgt. Viel mehr geht man von winzigen Rissen im Muskel aus, wobei Schmerz und Steifigkeit von Ödemen (Flüssigkeitsansammlungen) in der Muskulatur verursacht werden. Meist gelingt eine spontane Abheilung nach maximal einer Woche.
  • Muskelzerrung: Eine Muskelzerrung passiert ebenfalls durch Belastung, meist durch eine Über- oder Fehlbelastung des Muskels. Diese Belastungen führen dazu, dass der Muskel übermäßig gedehnt wird. Ähnlich wie bei anderen Muskeln, führt eine Muskelzerrung bei der Wade zu einem akuten Muskelschmerz, der während oder auch im Anschluss an die Belastung auftritt. Diese Schmerzen sind sowohl Ruhe- als auch Bewegungsschmerzen. Des Weiteren kann es zu einer Schwellung kommen, jedoch ohne Funktionen des Muskels zu verlieren. Hier bieten sich eine Schonung des Muskels für mehrere Tage sowie Kühlung an.
  • Muskelkrampf: Durch sportliche Betätigung, kann es auch zu Krämpfen kommen. Diese entstehen dadurch, dass der Körper beim Schwitzen nicht nur Wasser, sondern auch Salze wie Natrium verliert. Wird der Verlust nicht durch Zuführung von Salzen wieder wett gemacht, kann es zu einem Natriummangeln im Blut kommen. Da Natrium wichtig für die Weiterleitung von Nervensignalen ist, kann ein Mangel dazu führen, dass die Muskeln gereizt werden und sich schmerzhaft zusammenziehen.
  • Muskelfaserriss: Ein Muskelfaserriss ist einer Zerrung nicht unähnlich, da auch der Muskelfaserriss durch Über- oder Fehlbelastung des Muskels entsteht. Anders als bei der Muskelzerrung jedoch, wobei der Muskel intakt bleibt, ist der Name des Muskelfaserrisses Programm; Teile des Muskels reißen. Muskelfasern reißen durch die ungesunde Belastung. Die Menge der gerissenen Fasern machen den Schweregrad der Verletzung aus. Beachten Sie: Die Fasern können auch komplett reißen! Anders als bei Zerrungen oder Muskelkater empfiehlt es sich, bei einem Muskelfaserriss einen Arzt zur Behandlung aufzusuchen!

Ursachen für Wadenschmerzen: Gefäße innerhalb der Wade

  • Varizen: Varizen werden auch Krampfadern genannt. Sie sind erweiterte Venen, die unter der Haut liegen. Sie weisen häufig eine gewisse Schlängelung auf, verlaufen also nicht gerade. Krampfadern entstehen beim akuten Überschreiten einer gewissen Druckhöhe und einem erschwerten Abfluss von Blut. Bei Krampfadern handelt es sich nicht nur um ein Problem der äußeren Sichtbarkeit der Venen. Wenn Sie an akuten Krampfadern leiden, haben sie eine Varikose. Ihre Symptome können ein dumpfer Schmerz oder ein Druckgefühl nach langem Stehen, aber auch Hautnekrosen (Absterben der Haut) sowie neurologische Folgen sein. Als Wadenschmerzen machen sie sich durch einen ziehenden oder stechenden Schmerz bemerkbar.
  • Phlebothrombose: Diese wird auch tiefe Beinvenenthrombose genannt. Tritt hier die Thrombose an einer spezifischen Stelle auf, namentlich der tiefen Beinvene, liegt eine tiefe Beinvenenthrombose vor. Wie entsteht eine Thrombose? Infolge einer Veränderung der Blutzusammensetzung kann es zu Blutgerinnseln kommen. Diese können nicht nur Venen verengen, sondern auch verschließen. Klinische, also direkt erkennbare, Merkmale für eine Thrombose sind Druckschmerzen, Schwellung und eine bläuliche Hautverfärbung. Dies kann sich bei der Wade mitunter plötzlich mit Schmerzen erkennbar machen. Allerdings sind hier klinische Symptome nicht zuverlässig, etwa die Hälfte aller diagnostizierten Verdachtsfälle hängen nicht mit einer Thrombose zusammen. Eine tiefe Beinvenenthrombose kann auch vollständig asymptomatisch verlaufen. Im ungünstigsten Fall macht sie sich erst durch die Symptome ihrer direkten Folge bemerkbar, einer Lungenembolie.

Exkurs: Mehr Informationen zur tiefen Beinvenenthrombose in diesem Video

Wieso kann es gefährlich sein eine Beinvenenthrombose zu übersehen? Was genau passiert bei einer Thrombose und wie wird sie dann behandelt? Wichtige Grundlagen und Wissenswertes zum Thema erklärt Dr. Tobias Weigl im Gespräch mit seinem Hospitanten in diesem Video.

Ursachen von Wadenschmerzen: Gefäße außerhalb der Wade

  • Aortenisthmusstenose: Die Aortenisthmusstenose (auch Coarctation oder kurz CoA genannt) bedeutet eine Verengung der Hauptschlagader, der Aorta, zwischen dem distalen (herzfernen) Aortenbogen und der absteigenden Aorta (sog. ‚Aorta descendens’). Vom Aortenbogen gehen die Abgänge in die einzelnen Körperregionen ab, wie die absteigende Aorta. Diese führt sowohl in die Brust als auch Bauchregion und ist dort an der Durchblutung beteiligt. Es wird zwischen zwei verschiedenen Typen der CoA unterschieden. Der zirkumskripte Typ ist die häufigere Variante und bedeutet, dass die Stenose nur kurze Strecken, meist wenige Millimeter betrifft. Der hypoplastische Typ unterscheidet sich vom zirkumskripten Typ dadurch, dass er eine längere Strecke betrifft. Der Körper versucht diese Verengung und Unterversorgung mit sog. Kollateralen zu umgehen. Kollaterale sind Nebenäste von Arterien und Venen, die das Blut an den benötigten Ort im Körper transportieren. So kann eine CoA, auch im Kindesalter, für längere Zeit symptomfrei sein. Wiederkehrende (sog. ‚rezidivierend’) Wadenschmerzen sind ein Leitsymptom einer Aortenisthmusstenose. Weitere Symptome sind Nasenbluten, Kopfschmerzen und sogar Schlaganfälle. Diese Symptome passieren meist im späten Kindes- und Jugendalter. Diese Unterversorgung führt zu einer sogenannten Claudicatio. Hierbei entsteht bei dem Betroffenen ein Hinken, dass durch Schmerzen in der Wade hervorgerufen wird. Da die Wadenmuskulatur nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Eine sogenannte Ischämie tritt auf.
  • pAVK: Hinter der Abkürzung verbirgt sich eine periphere arterielle Verschlusskrankheit, wobei periphere (also in den Randbereichen liegende) Arterien durch einen teilweise oder vollständigen Verschluss (sog. ‚Okklusion’) betroffen sind. Hierbei kommt es zu einer verringerten Durchblutung der Arterien, zumeist in den unteren Extremitäten. Ein Leitsymptom dieser Krankheit ist die oben erwähnte Claudicatio, also Schmerzen in der Wade, die durch eine Unterversorgung der Muskeln mit Sauerstoff (sog. ‚Ischämie’) ausgelöst wird. Diese sind belastungsabhängig und sind als krampfartige Schmerzen zu verstehen. Verbunden sind diese meist durch ein Schwäche- und Kältegefühl, wobei Pausen und Tieflagerungen zu einer Verbesserung der Symptome führen. Auch können die Beschwerden trotz weiterer Belastung wieder abnehmen, was als Walking-Through-Syndrom bezeichnet wird. Verschlimmert sich die ausgelöste Ischämie, kann es zu Gangrän, Ulzera und Nekrosen kommen.

Ursachen für Wadenschmerzen: Weitere Ursachen

  • Brüche: Da die Wade nicht nur der Muskel ist, sondern auch ein Knochen, kann es in der Wade auch zu Brüchen kommen. Die Ursache von sog. Frakturen kann vielfältig sein, von Unfällen über mutwilligen Verletzungen, bis hin zum so genannten Ermüdungsbruch. Dieser ist beim Wadenknochen relativ selten, kann aber vorkommen. Hierbei wird der Knochen zu lange und zu viel beansprucht und bricht, wie es der Name sagt, aus Ermüdung.
  • Rücken: Strahlt Ihr Wadenschmerz von Ihrem Rücken, ist eine Ursache im Rückenbereich wahrscheinlich. Gerade die Muskulatur, aber auch die Bandscheiben sind durch Degeneration oder falsche Haltung anfällig für Erkrankungen wie Verspannungen, Bandscheibenvorfälle oder Spinalkanalstenosen.

Exkurs: Mehr Informationen zu Rückenerkrankungen diesem Video

Der Rücken ist anfällig für eine Reihe von Erkrankungen. Was sind da nur die einzelnen Unterschiede? Woran erkenne ich einen Bandscheibenvorfall und woran eine Spinalkanalstenose? Wichtige Grundlagen und Wissenswertes zum Thema erklärt Dr. Tobias Weigl in diesem Video.

Wen kann es erwischen?

Grundsätzlich können jede Altersgruppe und jedes Geschlecht von Wadenschmerzen betroffen sein. Gerade Wadenschmerzen, die nicht durch angeborene Probleme (anders als z.B.: CoA) entstehen, lassen sich aber auf bestimmtes Verhalten zurückführen. So sind häufig die folgenden Dinge verantwortlich:

  • Falsche Haltung: Die Hohlkreuzhaltung, also den Oberkörper nach hinten gebeugt stehen, ist eine der Gründe für Wadenschmerzen. Diese werden durch die Haltung durchgehend strapaziert und beginnen zu schmerzen. Ein ähnlicher Druck kann beim Gehen oder Stehen mit gebeugten Knien passieren. Auch Probleme, die im Knie beginnen können zu Wadenschmerzen führen, wie beispielsweise die Bakerzyste.
  • Zu viel/falsch Sitzen: Das langes Sitzen nicht gesund ist, hört man mittlerweile überall. Aber auch für Waden ist es ein Problem. Thrombosen bei häufigem und langem Fliegen können in der Wade für Schmerzen sorgen. Langfristige Probleme wegen einer veränderten Blutzufuhr und fehlende oder falsche Anspannung der Waden im Sitzen können die Wahrscheinlichkeit für Wadenschmerzen erhöhen.
  • Gehstörungen: Jeder Mensch geht anders. Aber einige Arten zu gehen können schädlich sein: wenn beispielsweise die Druckverteilung auf dem Fuß aufgrund von falschem Auftreten nicht richtig funktioniert. Dies kann ebenfalls zu einer Überbelastung der Wadenmuskulatur beitragen.
  • Überstrapazieren durch Sport: Wie bereits oben erwähnt kann eine zu starke Belastung den Waden schaden oder schmerzhaft werden. Das gilt natürlich auch für Sport. Hier können Über- genauso wie Falschbelastung zu Wadenschmerzen führen.

Eine gute Prophylaxe hierfür können gemäßigte Bewegungs- und Dehnübungen sein, die die Blutzufuhr ankurbeln und auch zu Entspannung beitragen können. Bei größeren Haltungs-, Sitz- und Gehstörungen empfiehlt es sich, diese durch eine Behandlung bei einem Spezialisten genauer zu untersuchen und zu therapieren.

Sind Sie schon einmal wegen Wadenschmerzen zum Arzt gegangen? Welche begleitenden Symptome hatten Sie? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einzuschätzen.

Exkurs über Muskelaufbau durch pflanzliche Proteine

Da die Wade stark durch den Musculus gastrocnemius geformt wird, lohnt es sich zu schauen, was beim Aufbau von Muskeln wie dem Wadenmuskel hilfreich sein kann. Ein aufgebauter und gesunder Muskel kann eine gute Prophylaxe gegen bestimmte Wadenschmerzen sein. Hier bieten sich pflanzliche Proteine an.

Proteine, auch Eiweiße genannt, finden sich in vielen Produkten. Besonders Hülsenfrüchte weisen viel Protein auf. So kann eine Ernährung zusätzlich durch Linsen, Erbsen oder Bohnen mit Proteinen bereichert werden. Aber nicht nur Proteine sind in Hülsenfrüchten zu finden, sondern auch Vitamin B, Magnesium oder auch Kalium, die wichtig für den Körper sind. Daher ist es nicht nur wegen der Eiweiße ratsam, ab und zu Hülsenfrüchte zu sich zu nehmen. Weitere pflanzliche Proteinlieferanten sind auch Grünkohl oder Mais. Wenn Sie mehr über pflanzliche Proteine und ihre Wichtigkeit für den Muskelaufbau wissen wollen, schauen Sie hier vorbei.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Wie bei jedem Arztbesuch erfolgt als erstes die Anamnese, also die Befragung des Patienten nach seinem Befinden. Hierbei ist es nicht nur wichtig, die Schmerzen genau zu beschreiben. Dem Arzt helfen auch andere Anhaltspunkte weiter wie die Situation, in welcher die Schmerzen auftreten oder das erste Mal aufgetreten sind. Auch das Wissen über Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand (Raucher/Nicht-Raucher, Diabetiker/Nicht-Diabetiker) und Vorerkrankungen können dabei helfen, die Ursachen für Ihren Schmerz genauer festzustellen.

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die meisten Fälle von Wadenschmerzen nicht zwingend auf eine schwere Krankheit hinweisen müssen. Im Zweifel ist es natürlich immer besser den Arzt aufzusuchen, jedoch muss nicht mit dem Schlimmsten gerechnet werden, wenn Sie Wadenschmerzen haben.

Diagnosearten nach mutmaßlicher Erkrankung

Auf Grundlage des Anamnese-Gesprächs kann Ihr behandelnder Arzt weitere Maßnahmen zur Diagnose einleiten. Gibt es erste Anzeichen für eine Ursache, kann die weiterführende Diagnostik sehr unterschiedlich aussehen:

  • Bei Verdacht auf einen Muskelfaserriss, wird die Diagnostik nach der Anamnese zumeist von Palpation (also dem Betasten der Schmerzstelle), Sonographie oder auch MRT begleitet. Hier wird der Schweregrad des Risses eingeschätzt, der von einzelnen Muskelfasern bis hin zum Riss des gesamten Muskels reichen kann.
  • Bei Verdacht auf eine Varikosis wurde früher ein sog. Venenfunktionstest durchgeführt. Mittlerweile ist dieser durch die sogenannte Duplexsonographie abgelöst worden, da sie aussagekräftiger ist. Bei einer Duplexsonographie werden zwei verschiedene Verfahren kombiniert, um Strömungsrichtung und Strömungsgeschwindigkeit zu messen. Das sogenannte PW-Doppler-Verfahren und das B-Bild-Verfahren bringen jeweils diese beiden Informationen. Des Weiteren können die verschiedenen Venenklappen auf ihre Funktion untersucht werden, um zu schauen, ob dort eine Störung vorliegt. Ein weiterer Test kann die Durchgängigkeit der Venen – diese können ab und zu verschlossen oder verengt sein – bestimmen.
  • Bei Verdacht auf eine Phlebothrombose kann eine sog. Farbduplexkompressionssonographie der Beinvenen erfolgen. Hierbei werden die Venen im Bein von der Leistenregion abwärts auf ihre Komprimierbarkeit überprüft, in dem Druck auf sie ausgeübt wird. Hierbei wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz zumeist das ganze Bein untersucht.
  • Bei Verdacht auf Aortenisthmusstenose ist eine Ultraschallkardiographie häufig die erste Wahl. Bei diesem Verfahren wird das Herz mit Ultraschall sichtbar gemacht und auf die mögliche Stenose hin untersucht.
  • Bei einem Verdacht auf pAVK wird neben der Anamnese, auch eine vergleichende Palpation, also ein Berühren des betroffenen Beines und des gesunden Beines, vorgenommen. Dazu werden auch noch die Temperatur und der Puls an mehreren Punkten des Fußes gemessen. Es können aber auch Ultraschalluntersuchungen und Belastungsuntersuchungen vorgenommen werden, um zur letztendlichen Diagnose zu kommen.

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Hat Ihr Arzt mithilfe der Diagnostik die Ursache der Schmerzen gefunden, so kann dann die Behandlung einsetzen. Ähnlich wie bei der Diagnostik kann die Behandlung je nach Ursache vollkommen unterschiedlich ausfallen. So muss bei einer Muskelzerrung beispielsweise keine Therapie vorgenommen werden, außer dass eine Schonung des Muskels für einige Tage empfohlen wird. Auch den Muskel zu kühlen hilft. Bei einer Aortenisthmusstenose hingegen ist in den meisten Fällen ein operativer Eingriff notwendig, um die Stenose zu entfernen.

Häufige Patientenfragen

Was soll ich bei Wadenschmerzen tun?

Dr. T. Weigl
Zunächst sollten Sie vorhergegangene Last verringern, um die Wade zu schonen. Kühlen Sie danach die betroffene Stelle. Achten Sie darauf, Ihr Kühlpack in ein Küchentuch zu wickeln, um eine Unterkühlung und Erfrierungen zu vermeiden. Auch ein vorsichtiges Gegendehnen sollten Sie versuchen. Hierbei müssen Sie in der Situation selbst entscheiden, ob sofort ein Arzt aufgesucht werden sollte. Die Umstände sind ebenso wichtig. Tauchen die Schmerzen beispielsweise nach vielem Fliegen auf oder nach einem Fußballspiel? Sind zum Beispiel Vorerkrankungen bekannt, hört der Schmerz nicht auf oder kommt immer wieder, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Das Motto heißt auch hier: lieber Vor- als Nachsicht.

Habe ich vielleicht eine Thrombose?

Dr. T. Weigl
Bei einer Thrombose gibt es einige klinische Anzeichen, auf die Sie achten können, sollten Sie Wadenschmerzen haben. Aufgrund der Veränderung der Blutzusammensetzung entstehen Verengungen oder Gerinnsel. Diese bemerken Sie durch Anzeichen wie Druckschmerzen, Schwellung und einer bläulichen Hautverfärbung. Zeigen sich diese Anzeichen, empfiehlt es sich, umgehend einen Arzt für weitere Tests aufzusuchen. Es gibt vor allem zwei, die Ihr Arzt bei Ihnen anwendet, um die Vermutung zu bestätigen. Zunächst misst Ihr Arzt Ihre D-Dimerwerte. D-Dimer sind Endprodukte einer aktivierten Blutgerinnung (sog. ‚Fibrinolyse’). Eine Blutgerinnung wird in Fällen wie Operation, Entzündungen o.ä. aktiviert und ist somit ein sicheres Zeichen dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. Haben Sie einen negativen D-Dimerwert und es ist zudem klinisch unwahrscheinlich, haben Sie keine Thrombose. Ist es aufgrund von Vorerkrankungen oder ähnlichem nicht unwahrscheinlich, dass sie eine Thrombose haben, gehören Sie zur Gruppe der Patienten mit einer höheren klinischen Wahrscheinlichkeit. Als weiteren Schritt ordnet Ihr Arzt dementsprechend bildgebende Verfahren an, konkret eine Sonografie.

Wie errechnet sich die klinische Wahrscheinlichkeit bei einer Thrombose?

Dr. T. Weigl
Die klinische Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass das Risiko einer Thrombose bei Ihnen höher ist, wenn bestimmte Vorbedingen erfüllt werden. Diese werden im Rahmen des Wells-Tests aufgeschlüsselt. Es gibt insgesamt zehn Parameter. Erfüllen Sie einen davon, erhalten Sie einen Punkt. Je mehr Parameter erfüllt sind, desto höher die Punktzahl und desto höher die klinische Wahrscheinlichkeit einer Thrombose. Zu den Well’schen Parametern gehören u.a. Schmerzen oder Verhärtungen entlang der tiefen Venen, Schwellungen, Ödeme, frühere Erkrankungen, aber auch Lähmungen oder eine aktive Krebserkrankung.

Gibt es Möglichkeiten, Wadenschmerzen zu behandeln?

Dr. T. Weigl
Das kommt immer darauf an, was die Ursachen für Ihre Wadenschmerzen sind. In den meisten Fällen sind Behandlungsoptionen vorhanden. Bei einem simplen Kampf ist teilweise nicht einmal nötig, groß zu behandeln. Hier bietet es sich an, die Wade einfach zu schonen. Bei Schmerzen, die beispielsweise durch eine Thrombose entstehen, gibt es auch Behandlungsmöglichkeiten. Ist es ein Problem bedingt durch Probleme mit Blutzufuhr, kann es teilweise auch ratsam sein, sich einer Operation zu unterziehen. Die konkreten Therapiemöglichkeiten bespricht Ihr behandelnder Arzt mit Ihnen!

Es war ein Muskelfaserriss. Michael ist enttäuscht, er wird jetzt wahrscheinlich für eine längere Zeit nicht mehr Fußball spielen können. Trotzdem ist er schon erleichtert, nachdem er erfahren hat, was alles passieren kann. Jetzt heißt es für ihn erst einmal schonen und kühlen und wenn er wieder Wadenschmerzen hat, weiß Michael nun, was zu tun ist.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 

Autoren: Dr. Tobias Weigl und Mathis Gronau
Redaktion: Andrea Lorenz
Veröffentlicht: 14.03.2019

Quellen:

  • ÄrzteZeitung (2011): So lässt sich eine Thrombose aufdecken. Artikel vom 30.10.2011.
  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4993373/: Diagnosis of Musculus Gastronemicus Thightness – Key Factors for the Clinical Examination, in Journal of Visualized Experiments, vol. 113..
  • Yvonne Kollrack (2014): Verletzungen im Profifußball: Medizinischer Ausblick auf die Weltmeisterschaft. In: Dtsch Arztebl 2014; 111(22): A-1004 / B-858 / C-812.
  • HL Orsted et al .(2001): The impact of musuloskeletal changes on the dynamics of the calf muscle pump, in Diagnosis of Musculus Gastronemicus Thightness – Key Factors for the Clinical Examination, in Journal of Visualized Experiments, vol. 113.
  • Yvonne Kollrack (2014): Verletzungen im Profifußball: Medizinischer Ausblick auf die Weltmeisterschaft. In: Dtsch Arztebl 2014; 111(22): A-1004 / B-858 / C-812.
  • HL Orsted et al (2001): The impact of musuloskeletal changes on the dynamics of the calf muscle pump, in Ostomy/wound Management, 47(10), p. 18-24.
  • Markus Müller (2014/15): Chirurgie für Studium und Praxis, 12. Auflage. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach.
  • Christian Prinz (2012): Basiswissen Innere Medizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg.
  • Klaus-Peter Schaps et al. (Hg.) (2007): Innere Medizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg.
  • Stephan Zierz, Felix Jerusalem (2003): Muskelerkrankungen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • [Gesamt:2    Durchschnitt: 5/5]

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