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Krampf im Bein – Nächtliche Wadenkrämpfe & Muskelkrämpfe nach sportlicher Belastung

„Muskelkrämpfe sind ein häufiges Leiden, gerade bei Sportlern. Denn ein durch die körperliche Belastung mit dem Schwitzen herbeigeführter Natriummangel begünstigt das Entstehen von Muskelkrämpfen enorm. Aber auch viele andere Störungen oder Krankheiten können für Muskelkrämpfe ursächlich sein.“ — Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Ein Muskelkrampf beschreibt den Umstand, dass sich Muskeln unwillkürlich schmerzhaft zusammenziehen, sie kontrahieren ohne direktes Zutun. Für gewöhnlich vergeht ein solcher Krampf innerhalb weniger Minuten, die Anspannung lässt schnell nach. Dies kann durch gezieltes Dehnen noch gefördert werden. Allerdings existieren auch andere Arten von Krämpfen, nämlich klonische und tonische Formen. In vielen Fällen reicht eine symptomatische Behandlung aus, um den Muskelkrampf in der Akutsituation loszuwerden, oft auch auf Dauer. Wenn aber eine schwerwiegende Erkrankung die Muskelkrämpfe als Begleitbeschwerden auslöst, wird die Behandlung umfassender. Welche Ursachen Krämpfen neben körperlicher Belastung noch zugrunde liegen können, wie man einen Krampf diagnostiziert und ihn letztlich auch bestmöglich behandelt, erfahren Sie im nachfolgenden Artikel.

Von links außen nähert sich Kevin dem Tor, den Ball vor sich hertreibend. Er hat einen ordentlichen Steilpass in den Lauf bekommen, sodass er einen Großteil der Verteidiger hat stehen lassen können. Auf seine Schnelligkeit konnte er sich schon immer verlassen. Blitzschnell sondiert er mit ein paar Kopfdrehungen seine Umgebung und muss feststellen, dass er keine Chance hat, einem Mitspieler den Ball auf den Fuß zu legen. Dann muss er das Tor halt selbst machen. Einfach reinziehen, den Ball auf seinen starken rechten Fuß legen und… der Ball rollt ins Aus. Kevin hat es nicht einmal mehr geschafft, ihn auch nur zu berühren. Unter Schmerzen in der Wade bricht er zusammen und versucht noch, sich auf den Beinen zu halten, allerdings vergebens. Thomas, einer seiner Teamkollegen, eilt herbei und beginnt damit, ihm beim Loswerden des Krampfs zu assistieren. Währenddessen ärgert sich Kevin bereits innerlich über die vergebene Chance. Schon öfter hat es ihn auf diese Art erwischt, allerdings nicht in so wichtigen Situationen. Warum krampft er bloß so häufig? Ernährt er sich falsch? Vielleicht sollte er doch mal den Besuch beim Arzt in Erwägung ziehen….

Was sind Muskelkrämpfe?

Als Muskelkrampf bezeichnet man ein Symptom, das mit einem unwillkürlichen, oftmals schmerzhaften „Sichzusammenziehen“ (sog. ‚Kontraktion‘) einzelner Muskeln oder häufig auch Muskelgruppen einhergeht. Diese Kontraktionen sind von außen sichtbar und können auch als verdickt, verkürzt oder verhärtet ertastet werden. Oft treten die Krämpfe in Form nächtlicher Wadenkrämpfe oder nach bzw. während sportlicher Belastung auf. Normale Krämpfe dauern in der Regel nur Sekunden bis Minuten und gelten als selbstlimitierend. Darunter versteht man, dass sich die Anspannung generell von allein wieder löst, ohne dass von außen Einfluss genommen wird.
Muskelkrämpfe werden abhängig von ihrer Art und Qualität gemäß der drei nachfolgenden Formen unterschieden:

  • Gewöhnlicher Muskelkrampf: Ein gewöhnlicher Muskelkrampf beschreibt die häufigste Form, bei der die schmerzhafte Kontraktion relativ kurz, einige Sekunden bis Minuten, anhält. Diese Krämpfe ereignen sich häufig in den frühen Morgenstunden in den Wadenmuskeln sowie Zehenbeugern und werden daher auch als Crampi nocturni (zu dt. etwa ‚nächtliche Krämpfe‘) bezeichnet.
  • Klonischer Muskelkrampf: Als klonisch bezeichnet man Krämpfe, die durch rasch aufeinanderfolgende und kurz andauernde rhythmische Zuckungen antagonistischer Muskeln (Bizeps und Trizeps sind bspw. Gegenspieler; wird ein Muskel gebeugt, wird der andere gedehnt) gekennzeichnet sind. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Myoklonien.
  • Tonischer Muskelkrampf: Diese Form der Muskelkrämpfe zeichnet sich dadurch aus, dass die Kontraktionen besonders stark sind und auch länger als gewöhnlich andauern. Tonische Muskelkrämpfe ereignen sich bspw. infolge der Bewegungsstörung Dystonie oder der Infektionskrankheit Tetanus.

Im Zusammenhang mit Krämpfen muss noch eine Abgrenzung hinsichtlich der sogenannten Myalgien erfolgen. Dabei handelt es sich um Muskelschmerzen, die zwar als krampfartig beschrieben werden, allerdings nicht mit einer Kontraktion des schmerzenden Muskels einhergehen.

Was sind die Ursachen für Muskelkrämpfe?

Muskelkrämpfe können viele verschiedene Ursachen oder aber idiopathischer Natur sein, also keine endgültig geklärte Ursache haben.

Idiopathische Muskelkrämpfe treten oft bei Ruhe sowie während der Nacht auf und betreffen größtenteils die Waden- sowie Fußgewölbemuskulatur. Bei etwa einem Drittel der Bevölkerung kommt es auch ohne vorherige Belastung zu einem Muskelkrampf, die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Man vermutet, dass bei der Entstehung eines solchen Muskelkrampfes Dehnungsrezeptoren in Sehnen und Muskeln sowie spinale, also zum Rückenmark gehörende, Strukturen beteiligt sind. Es existieren allerdings Faktoren, die das Entstehen idiopathischer Muskelkrämpfe begünstigen. Dazu zählen mitunter:

  • körperliche Anstrengung
  • Schlafentzug
  • Alkohol
  • Kaffee
  • gestörte Wasser-Elektrolyt-Balance, z.B. Magnesiummangel, Kaliummangel
  • Durchblutungsstörungen
  • mangelhaftes Schuhwerk
  • Flüssigkeitsmangel
  • Fehlstatik

Demgegenüber stehen die Muskelkrämpfe, die eindeutig mit einer Ursache in Verbindung gebracht werden können und als Symptom von bspw. Krankheiten und Störungen oder als Nebenwirkung von Medikamenten entstehen. Dieser Artikel widmet sich daher im Folgenden dem symptomatischen Muskelkrampf anhand einiger Beispiele.

Körperliche oder sportliche Belastung und Elektrolytstörungen

Ein Muskelkrampf kann sich häufig während oder infolge einer körperlich belastenden Tätigkeit, bspw. Sport, ergeben. Dies hängt zusammen mit dem verstärkten Schwitzen, das wiederum Ergebnis einer Hitzebelastung ist. Auf diese Weise verlieren wir wichtige Salze wie bspw. Natrium. Die Folge ist eine sogenannte Hyponatriämie, also eine zu geringe Natriumkonzentration im Blut. Da Natrium für die Weiterleitung von Nervensignalen zuständig ist, kann ein Natriummangel in Kombination mit einem Flüssigkeitsmangel eine Reizung der Muskulatur verursachen, was sich letztlich in einer unbeabsichtigten, schmerzhaften Kontraktion äußern kann. Zwar wird öfter davon gesprochen, dass auch ein Kalium– oder Magnesiummangel zum Entstehen von Muskelkrämpfen bei Sport beitragen kann. Allerdings ist der Verlust ebendieser Mineralien bei Sport als sehr gering einzustufen. Weiterhin wird vermutet, dass Magnesium während des Sports im Körper „umgelagert“ wird und es daher zu einem Ungleichgewicht im Elektrolythaushalt kommt. Derlei Vermutungen konnten bisher aber noch nicht bestätigt werden.

Ein Kaliummangel (sog. ‚Hypokaliämie‘), der letztlich auch Muskelkrämpfe auslösen kann, kann aber andere Ursachen haben, z. B. eine verminderte Kaliumzufuhr durch u. a. Anorexie, eine erhöhte Kaliumausscheidung bei etwa chronischer Niereninsuffizienz und Kaliumverluste bei bspw. Erbrechen.

Neurogene Ursachen

Hierunter versteht man diejenigen Ursachen, die mit Erkrankungen des Nervensystems in Verbindung stehen. Dazu gehören bspw. die Polyneuropathie oder Wurzelschäden infolge von Bandscheibenprozessen im Bereich des unteren Rückens. Die Polyneuropathie beschreibt eine Erkrankung des peripheren Nervensystems. Dieses beinhaltet all jene Nerven, die nicht zum aus Gehirn und Rückenmark bestehenden zentralen Nervensystem gehören. Dazu zählen unter anderem auch die sogenannten motorischen Nerven, welche verantwortlich für die Steuerung der Muskeltätigkeit sind. Bei der Polyneuropathie ist die Reizweiterleitung gestört und aufgrund der Länge der Nerven in Beinen und Armen machen sich besonders dort Symptome bemerkbar. Anfangs kommt es häufig zu Missempfindungen wie ein Brennen, im Verlauf ergeben sich auch Minderempfindungen; Schmerz oder Berührungen werden dann an einzelnen Stellen nicht mehr entsprechend wahrgenommen. Allerdings geht die Erkrankung auch mit diversen motorischen Symptomen einher, die vor allem die Muskulatur betreffen. Dazu gehören vor allem Muskelkrämpfe, Muskelschwund, Muskelzuckungen sowie Muskelschwäche. Wird die Erkrankung nicht schnell genug adäquat behandelt, können Betroffene eventuell gar gehunfähig werden.
Weitere neurogene Ursachen, die Muskelkrämpfe verursachen können, sind unter anderem die folgenden:

  • Wurzelirritationssyndrom (Wurzeln der Rückenmarksnerven werden gereizt)
  • Vorderhornerkrankungen (z. B. ALS)
  • neuronale Dysfunktionen

Muskuläre Ursachen

Hierbei handelt es sich um diejenigen Ursachen für Muskelkrämpfe, die direkt mit dem jeweiligen Muskel in Verbindung stehen. Dazu zählt bspw. eine sogenannte Myopathie, eine entzündliche oder degenerative Muskelerkrankung, bezogen auf einzelne Muskelgruppen oder die gesamte Muskulatur. Diese Erkrankung wiederum wird unter anderem verursacht durch einen erblichen Muskelschwund (sog. ‚Dystrophie‘). Eine andere mögliche Ursache für Krämpfe wäre in diesem Zusammenhang eine Muskelermüdung, die eine neuromuskuläre Störung nach sich zieht.

Zentralnervöse Ursachen

Im Rahmen zentralnervöser Ursachen kommen all jene Gründe infrage, die nicht mit dem peripheren, sondern dem zentralen Nervensystem in Verbindung stehen. Hierzu zählt mitunter die Dystonie, neurologische Bewegungsstörung, bei der es zu unwillkürlichen Kontraktionen unserer quergestreiften Muskulatur kommt. Dies führt möglicherweise zu sich wiederholenden krampfhaften Bewegungen und kann auch Fehlhaltungen einzelner Regionen unseres Körpers sowie des ganzen Körpers verursachen. Die Dystonie ist eine vielseitige Erkrankung. Sie kann sich bspw. in einem Schiefhals äußern, während andere Betroffene unter unkontrolliertem Augenblinzeln (sog. ‚Lidkrampf‘) leiden und wieder andere beim Schreiben in den Händen verkrampfen. Sie kann sowohl das Ergebnis einer Grunderkrankung sein als auch ein eigenständiges Krankheitsbild darstellen.

Eine weitere zentralnervöse Ursache ist die schwere Infektionskrankheit Tetanus, auch bekannt als Wundstarrkrampf. Hierzulande ist die, bei Infektion oft tödliche verlaufende, Erkrankung kaum vorzufinden.

Gut zu wissen!
Weltweit herrschen in Bezug auf das Vorkommen von Tetanus sehr große Unterschiede. 2006 kam es infolge von Tetanus global zu 290.000 Todesfällen. Dabei fielen 250.000 Fälle auf neonatalen Tetanus, welcher besonders Säuglinge und Neugeborene in Entwicklungsländern betrifft. Diesen erschreckenden Zahlen gegenüber stehen deutschlandweit 15 Erkrankungen im Verlauf der vergangenen Jahre. Diese betrafen größtenteils ältere Erwachsene.

Stoffwechselerkrankungen
Hierunter werden alle Erkrankungen zusammengefasst, die den Fett-, Kohlenhydrat-, Eiweiß- oder Mineralstoffwechsel betreffen. An dieser Stelle sei vor allem die Leberzirrhose zu nennen, die in mehr als 80 Prozent der Fälle auch mit Muskelkrämpfen einhergeht. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, im Rahmen welcher die normale Architektur der Leber zerstört und das dann fehlende Lebergewebe durch Bindegewebe ersetzt wird; allerdings kann dieses nicht mehr die Funktionen der gesunden Leber übernehmen. Einzelne Behandlungsansätze bei der Leberzirrhose haben zur Folge, dass sich eine Elektrolytstörung ergibt, welche wiederum Krämpfe herbeiführen kann. Die Leberzirrhose selbst ist häufig die Folge chronischen Alkoholkonsums.

Weitere mit Muskelkrämpfen in Verbindung stehende Stoffwechselerkrankungen sind bspw. eine Schilddrüsenunterfunktion (sog. ‚Hypothyreose‘) oder eine Niereninsuffizienz, in deren Folge Harn sowie harnpflichtige, also mit dem Harn auszuscheidende, Substanzen ins Blut gelangen.

Wenn Sie mehr über unseren Stoffwechsel erfahren möchten, empfehlen wir die Lektüre unseres Artikels „Warum der Stoffwechsel wichtig für unseren Körper ist – Einflussfaktoren Metabolismus“.

Exkurs: Alkoholismus und seine Folgen
Bei Alkoholabhängigkeit handelt es sich um eine Erkrankung, die durch das übermächtige Verlangen nach Alkohol gekennzeichnet ist. Sie gehört zu den sogenannten Substanzstörungen, welche dem Namen nach mit dem Konsum einer bestimmten Substanz in Verbindung stehen. Die Zahl der Alkoholabhängigen in Deutschland beläuft sich auf etwa 2 Millionen, die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weitaus höher.
Chronischer Alkoholkonsum hat zahlreiche mitunter schwerwiegende Folgen. Diese sind psychosozialer (z. B. Depressionen, Suizidgefährdung, Angstzustände) und/oder körperlicher Natur (alkoholische Leberkrankheit, Magenschleimhautentzündung). Des Weiteren hat Alkohol auf Dauer auch neuropsychiatrische Folgen wie epileptische Anfälle oder Hirnschrumpfen (sog. ‚globale Hirnatrophie‘).
Die Beschwerden, die mit Alkoholismus einhergehen, sind zahlreich. Allgemein leiden Betroffene aber in den meisten Fällen an:

Auf Dauer wird vor allem auch die Leber, ein lebenswichtiges Organ, in Mitleidenschaft gezogen. Im Verlauf von drei Stadien verschlechtert sich ihr Zustand bei anhaltendem Alkoholkonsum immer weiter, bis der Schaden letztlich nicht mehr umkehrbar ist.
Möchten Sie mehr über Alkoholismus, seine Folgen, seine Therapie sowie die mit ihm zusammenhängenden Leberschäden erfahren? Dann empfehlen wir einen der folgenden Artikel zum Thema:

Vaskuläre Ursachen
Von vaskulären Ursachen spricht man dann, wenn diese mit Gefäßen in Verbindung stehen. Im Zusammenhang mit Muskelkrämpfen sollte an dieser Stelle vor allem die periphere Arterielle Verschlusskrankheit (kurz: pAVK) Erwähnung finden. Dabei handelt es sich um eine Durchblutungsstörung der Arterien, die fast immer Folge einer Verkalkung ebendieser Arterien ist. In 80 Prozent der Fälle sind die unteren Extremitäten betroffen. Typisch für diese Erkrankung sind krampfartige Schmerzen in den Beinen, die sich beim Gehen verstärken. Grund dafür ist die durch die pAVK ausgelöste Unterversorgung der Muskulatur mit Blut.

Gut zu wissen!
Von pAVK Betroffene müssen das Gehen häufig aufgrund der Schmerzen unterbrechen und können erst nach einer Pause wieder weitergehen. Dieser Umstand hat der Erkrankung den Beinamen „Schaufensterkrankheit“ eingebracht.

Krämpfe durch Medikamente
Muskelkrämpfe können in Verbindung mit der Einnahme bestimmter Medikamente stehen. In diesem Zusammenhang spricht man dann von einer unerwünschten Arzneimittelwirkung (kurz: UAW). Medikamente, bei denen Muskelkrämpfe als eine solche Wirkung auftreten können, sind unter anderem die folgenden:

  • Steroide
  • Betablocker, z.B. Metoprolol
  • Neuroleptika
  • Metolazon
  • Terbutalin, Salbutamol
  • Succinylcholin
  • Methysergid
  • Chinidin
  • Osoniazid
  • orale Kontrazeptiva („die Pille“)
  • Morphinpräparate
  • Bazedoxifen
  • Lenalidomid

Im Kontext der Medikamente müssen aber auch die Opioide Erwähnung finden. Dabei handelt es sich um eine Medikamentengruppe, deren Haupteinsatzgebiete die Schmerztherapie und die Anästhesie sind. Werden ebensolche Opioide abgesetzt, kommt es möglicherweise zum sogenannten Opioid-Entzugssyndrom, das durch viele verschiedene Symptome gekennzeichnet ist, darunter Tränenfluss, eine laufende Nase, Durchfall, Muskelkrämpfe und einige weitere.

Hatten Sie schon einmal einen Muskelkrampf? In welchem Bereich war die Ursache für die schmerzhafte Kontraktion zu finden? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an dieser Umfrage helfen Sie anderen Betroffenen dabei, ihre Situation besser einschätzen zu können.

Wer ist am ehesten betroffen?

Der als gewöhnlich bezeichnete Muskelkrampf hat keine bestimmte Ursache und tritt häufig vor allem in der Nacht und während Ruhe auf. Zu einem großen Teil betrifft diese Form des Muskelkrampfs die Wade sowie die Fußmuskulatur. Etwa ein Drittel der Bevölkerung erleidet einen Muskelkrampf ohne vorangehende Belastung. Die Wahrscheinlichkeit sowie Häufigkeit nehmen mit dem Alter zu.
90 Prozent der jungen Erwachsenen berichten von vereinzelten Muskelkrämpfen. Wie gesagt steigt mit zunehmendem Alter die Häufigkeit. Etwa 33–50 Prozent der über
65-Jährigen leiden an regelmäßigen Muskelkrämpfen. Unter „regelmäßig“ versteht man in diesem Zusammenhang eine Frequenz von mindestens einmal pro Woche.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

In der Regel beginnt die Diagnose einer jeden Erkrankung im Rahmen des sogenannten Anamnesegesprächs, das zwischen Arzt und Patient geführt wird. In diesem Gespräch befasst sich der Arzt mit den akuten Beschwerden und versucht im Zusammenhang mit Krämpfen zunächst zu erörtern, was zu den Krämpfen geführt hat, ob es eine Provokation gab. Des Weiteren ist es für den Arzt wichtig, zu wissen, ob es in der Familie vergleichbare Fälle gibt und welche Medikamente Patienten auf regelmäßiger Basis oder im Rahmen der Krämpfe eingenommen haben oder einnehmen.

Anschließend wird der Arzt eine neurologische Untersuchung des entsprechenden Bereichs durchführen. Dabei handelt es sich um die Überprüfung von bspw. Extremitäten hinsichtlich

  • der Reflexe,
  • der Sensibilität,
  • der Muskulatur im Seitenvergleich (Kraft und Spannungszustand),
  • koordinierten Bewegung sowie
  • des Gangbildes.

Das Ergebnis dieser Untersuchung bezeichnet man dann als neurologischen Befund. Dieser wird stets unter Berücksichtigung des Beschwerdebilds erhoben.
Zu guter Letzt werden dann noch verschiedene Blutwerte im Labor untersucht. Dort achtet der Arzt im Zusammenhang mit Muskelkrämpfen vor allem auf Elektrolytwerte (Kalzium, Magnesium usw.), Leber- und Nierenwerte, den Blutzucker sowie Schilddrüsenhormone.
Mit diesem Schritt ist dann die sogenannte Basisdiagnostik abgeschlossen.

Weitere Untersuchungen

Die darauffolgenden möglichen Untersuchungen hängen mit der Vermutung zusammen, die der Arzt bezüglich der Ursache hat. So können bspw. weitere Werte im Blut bestimmt werden, z. B. Serumlaktat oder Kortisol und Aldosteron.
Darüber hinaus besteht noch die Möglichkeit, mithilfe einer Elektromyografie (kurz: EMG) oder einer Elektroneurografie (kurz: ENG) zusätzliche Informationen zu gewinnen. Bei einer EMG wird die natürliche elektrische Spannung eines Muskels gemessen, während eine ENG die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit ermöglicht.
Letztlich können dann auch noch verschiedene Funktionsuntersuchungen vorgenommen werden. In diesem Rahmen kommt bspw. die sogenannte Dopplersonographie zum Einsatz, eine spezielle Form der Ultraschalluntersuchung. Mithilfe dieser Methode kann die arterielle Beindurchblutung untersucht werden.

Fakten-Box
Muskelkrämpfe
Unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Art in gewöhnliche (Sekunden bis Minuten), klonische (viele rhythmische Zuckungen nacheinander) und tonische (besonders stark und länger andauernd) Krämpfe

Am häufigsten betroffen ist die Beinmuskulatur

33–50 Prozent der über 65-Jährigen erleiden mindestens einmal pro Woche einen Muskelkrampf

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Muskelkrämpfe können auf zwei Arten behandelt werden: symptomatisch und ursachenorientiert, kausal. Im Nachfolgenden wird zunächst auf die symptomatische Behandlung eingegangen.
Im akuten Fall sollte man immer versuchen, die entsprechende verkrampfte Muskulatur zu dehnen. Einen ähnlichen Effekt kann man erzielen, indem man die jeweiligen Gegenspieler der Muskeln anspannt. Wenn sich Wadenkrämpfe öfter nachts ergeben, empfehlen sich auf regelmäßiger Basis stattfindende passive Dehnübungen der Wadenmuskulatur. Dazu kann bspw. die im Folgenden beschriebene Übung genutzt werden:
Beugen Sie sich mehrmals am Tag wiederholt im Stand nach vorne. Dabei muss der Bodenkontakt der Ferse stets erhalten bleiben. Ältere Betroffene können diese Übungen durchführen, indem sie sich etwa 1 Meter von einer Wand entfernt platzieren und sich beim Vorbeugen an dieser abstützen.
Noch vor der Behandlung mit Medikamenten können überdies eine Trigger-Punkt-Therapie oder eine lokale Wärmetherapie erfolgen. Die Trigger-Punkt-Therapie behandelt dem Namen entsprechend bestimmte Trigger-Punkte an unserem Körper, die – aus der Sicht des Patienten – Ausgangspunkte fortgeleiteter Schmerzen sind. Eine lokale Wärmetherapie, als Teilgebiet der physikalischen Therapie, kann indes dafür sorgen, dass sich Muskeln entspannen und so Schmerzen gelindert werden. Dabei kommen sowohl wärmende Packungen und Wickel als auch fortschrittlichere Methoden wie Infrarotbestrahlung oder Hochfrequenztherapie zum Einsatz. Weiterhin können auch Entspannungsübungen dabei helfen, gegen Muskelkrämpfe vorzugehen.

Medikamente bei Muskelkrämpfen

Im Kontext der symptomatischen Therapie soll zu guter Letzt noch die medikamentöse Therapie Erwähnung finden. Als wirksam erwiesen haben sich bisher die Präparate Chininsulfat und Hydrochinin. Allerdings sind in diesem Zusammenhang die zwar seltenen, aber schwerwiegenden Nebenwirkungen in Erwägung zu ziehen. Denn Chinin kann auch Gerinnungsstörungen verursachen. Vor diesem Hintergrund wird vor allem auf die sogenannte Thrombozytopenie verwiesen, infolge welcher es zu einem Mangel an Thrombozyten kommt. Dabei handelt es sich um auch als Blutplättchen bezeichnete Zellen in unserem Blut, die dafür zuständig sind, dass unser Blut gerinnt und Blutungen gestillt werden. Ist ebendiese durch Chinin verursachte Thrombozytopenie einmal diagnostiziert, müssen Betroffene auf chininhaltige Lebensmittel oder Getränke verzichten. Während der Schwangerschaft und in der Stillzeit darf Chinin nicht eingenommen werden. Alles in allem wird der behandelnde Arzt sorgsam abwägen, ob es sich lohnt, Chinin einzusetzen. Es sollte erst dann eingenommen werden, wenn behandelbare Ursachen ausgeschlossen sind und die Muskelkrämpfe häufiger sowie schmerzhafter eintreten.

Es ist möglich, dass der behandelnde Arzt statt der Gabe von Chinin erst einmal einen Therapieversuch mit Magnesium unternimmt. Dieses hat eine gute therapeutische Breite. Leider lässt die aktuelle Studienlage keinen eindeutigen Nachweis über die Wirkung zu. Daher wird die Wirksamkeit je nach Fall eingestuft. Dies geschieht, indem während des Behandlungszeitraums Kontrollen sowie Auslassversuche durchgeführt werden. Das bedeutet, dass die verabreichte Substanz für einen bestimmten Zeitraum absichtlich nicht mehr gegeben wird. Im Anschluss kann man dann erörtern, inwiefern die Krämpfe in ihrer Häufigkeit und/oder Intensität zu- oder abgenommen haben.

Kausale Therapie

Im Rahmen einer kausalen Therapie werden die eigentlichen Ursachen einer Erkrankung behandelt. Sind die Muskelkrämpfe bspw. das Ergebnis einer peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit, so wird ebendiese Krankheit behandelt, um letztlich auch die Muskelkrämpfe loszuwerden.

Häufige Patientenfragen

Kann man Muskelkrämpfen auch irgendwie vorbeugen?

Dr. T. Weigl
Ja, das ist möglich, aber nur in Abhängigkeit von der Art der Entstehung. Sie können bspw. das Risiko eines Krampfes, der infolge von Belastung entsteht, verringern, indem Sie schon vor der Belastung Dehnungsübungen durchführen. Darüber hinaus empfiehlt sich eine entsprechende Anpassung der körperlichen Leistung, um Überbelastung zu vermeiden sowie eine Anpassung des Trainingsplans. Im Anschluss an eine Belastung können auch Massagen dazu beitragen, das Risiko für belastungsabhängige Krämpfe zu verringern.

Mein Kind hat nach dem Sport häufiger Krämpfe – Kann ich da selbst etwas machen oder sollten wir direkt zum Arzt?

Dr. T. Weigl
Wenn sich die Krämpfe nicht so häufig ergeben, können Sie zunächst selbst versuchen, etwas zu unternehmen. Manchmal reicht es schon aus, seine Kinder daran zu erinnern, vor, während und nach dem Sport auf ausreichend Flüssigkeitsaufnahme zu achten. Während des Sports sollte Ihr Kind alle 15–30 Minuten etwas trinken. Neben dem Sport sollten Sie auch darauf achten, dass Ihr Kind regelmäßig Dehnübungen macht und sich vor dem Sport stets ordentlich aufwärmt. Auch warme Umschläge zu Hause können dabei helfen, nächtlichen Muskelkrämpfen vorzubeugen, ebenso wie ein warmes Bad vor dem Zu-Bett-Gehen. Bei langanhaltenden und häufigen Muskelkrämpfen sollten Sie aber rasch einen Arzt aufsuchen, gerade dann, wenn diese mit starken Schmerzen und ungewöhnlichen Bewegungen einhergehen.

Was sind – neben Muskelkrämpfen – die anderen Beschwerden bei einem Opioid-Entzugssyndrom?

Dr. T. Weigl
Die Bandbreite an Symptomen bei Opioid-Entzugssyndrom ist relativ groß. Insgesamt gibt es 12 Symptome, die infolge eines solchen Entzugs auftreten können. Liegen drei davon vor, so gilt das Syndrom als sicher diagnostiziert. Die Symptome sind:

Kevin wurde die Entscheidung, zum Arzt zu gehen, von seiner Mutter und von seinem Trainer abgenommen. Beide bestanden darauf, dass er diese immer wiederkehrenden Krämpfe untersuchen lässt – die eine aus Sorge um ihn, der andere wohl zum Teil auch aus Sorge um einen möglichen Aufstieg. Wie dem auch sei: Beim Arzt angekommen, hat Kevin seine Beschwerden geschildert. Der Arzt hat ihn beinahe schon ausgefragt und wollte wissen, wann genau es immer zu den Krämpfen kommt. Als er hörte, dass sie am meisten während des Trainings oder während eines Spiels eintreten, hat er sich erkundigt, wie es um das Aufwärmen und die Trinkmenge steht. Im Detail haben die beiden diese Aspekte besprochen, und sind zu dem Schluss gekommen, dass sie es zunächst damit versuchen sollten, dass Kevin sich mehr dehnt als seine Mitspieler, auch während des Trainings alle 15 Minuten etwas trinkt und abends für warme Wickel oder ggf. sogar ein Bad sorgt. „Wenn das nicht hilft, kommen Sie einfach wieder und wir überlegen uns was Neues!“, hat der Arzt recht sorglos gesagt. Dieser Umstand hat auf Kevin gewirkt, der sich jetzt auch weit weniger Sorgen um seine Verfassung macht und zuversichtlich gen Saison-Meisterschaft blickt.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Lektorat: Mathis Gronau
Veröffentlicht:28.01.2019

Quellen:

  • Peter Berlit, Andrea Jaspert Grehl: Was ist Polyneuropathie (Diabetische Polyneuropathie)? In: neurologen-und-psychiater-im-netz.de.
  • Berufsverband deutscher Internisten e.V.: Was ist eine Leberzirrhose? In: internisten-im-netz.de.
  • Karin Elsesser, Gudrun Sartory (2001): Medikamentenabhängigkeit. Hogrefe Verlag, Göttingen.
  • Roland Gautschi (2016): Manuelle Triggerpunkt-Therapie: Myofasziale Schmerzen und Funktionsstörungen erkennen, verstehen und behandeln. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Klinisches Wörterbuch Pschyrembel Online
  • Lindemuth R. et al. S1-Leitlinie Crampi/Muskelkrampf. 2017. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Hrsg. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien. (abgerufen am 10.01.2019)
  • neurologen-und-psychiater-im-netz.de: Was sind Dystonien?
  • Redaktion von kinderaerzte-im-netz.de (2010): Muskelkrämpfe: Kinder sollten mehr trinken und Dehnübungen machen. In: kinderaerzte-im-netz.de.
  • Robert Koch-Institut (Hrsg.)(2018): RKI-Ratgeber – Tetanus. In: rki.de.
  • Stephan Zierz, Felix Jerusalem (2003): Muskelerkrankungen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Udo Zifko (2017): Polyneuropathie – So überwinden Sie quälende Schmerzen. Springer-Verlag, Heidelberg.
[Gesamt:6    Durchschnitt: 5/5]

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