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Darmträgheit: Ernährung umstellen und Verdauung anregen?

Auf einen Blick – Darmträgheit

Was ist Darmträgheit?

  • verlangsamte Verdauung, vor allem im Dickdarm
  • tritt bei 20–30 % der Bevölkerung auf
  • in schweren Fällen folgt eine Verstopfung

Wer bekommt Darmträgheit?

  • alle Menschen können betroffen sein, Personen ab 60 Jahren besonders, 2/3 der Betroffenen sind Frauen
  • ist eine Folge von Bewegungsmangel (zum Beispiel aufgrund von Bettlägerigkeit)
  • Patienten mit einer Vorerkrankung des Darms, zum Beispiel Reizdarmsyndrom, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn

Symptome (Auszug)

  • Völlegefühl
  • seltener Stuhlgang und das Gefühl, nicht vollständig entleert zu sein
  • Schmerzen beim Stuhlgang

Behandlung (Auszug)

  • die Darmträgheit natürlich lösen: trinken Sie 1,5–2 Liter Wasser am Tag
  • eine Darmmassage vor dem Aufstehen regt die Darmtätigkeit an
  • Verzehr von ballaststoffreicher Kost: Obst und Gemüse, gegebenenfalls sehr ballaststoffreiche Lebensmittel wie Flohsamenschalen

Tipps

  • bewegen Sie sich genug: ein kleiner Spaziergang am Ende der Mittagspause an der frischen Luft regt die Darmtätigkeit an
  • essen Sie generell viel Obst und Gemüse, ergänzen Sie die Ernährung gegebenenfalls mit Vollkornprodukten oder hin und wieder ein bisschen Leinsamen
  • trinken Sie viel; Wasser ist wichtig für die Verdauung – auch, wenn akut keine Darmträgheit vorliegt

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

In Deutschland leiden rund 20 % der Bevölkerung mindestens gelegentlich unter einer Darmträgheit, unter den älteren Menschen sind es sogar rund 30 %. Insgesamt sind 2/3 der Betroffenen Frauen. Handelt es sich hier um eine unvermeidbare Beschwerde oder kann man aktiv etwas dagegen tun?

Die Ursache ist entweder eine Funktionsstörung im Darm, eine Vorerkrankung, die die Darmträgheit auslöst oder – wie in vielen Fällen – der Lebensstil. Vieles Sitzen, wenig Wasser trinken, Mahlzeiten mit einem hohen Anteil an tierischen Fetten und Kohlenhydraten, sowie der Verzehr von Süßigkeiten zwischen den Mahlzeiten sind manchmal zu viel für unseren Darm.

Die Folge ist, dass der Nahrungsbrei nicht in normaler Geschwindigkeit durch den Verdauungstrakt geleitet wird. Der Dünndarm schiebt kontinuierlich Nahrungsbrei in den Dickdarm. Im Dickdarm allerdings geht dieser nicht weiter und verdichtet sich. Daraufhin wird die Masse im Darm immer trockener und zäher, je länger sie sich dort befindet, da der Dickdarm dem Nahrungsbrei Wasser entzieht.

Das Endergebnis kennen viele: man fühlt sich voll und unwohl. Das spätere Ausscheiden des Stuhls – wenn es dann erfolgt – verursacht Schmerzen und man fühlt sich auch nach der Darmentleerung immer noch nicht richtig entleert.

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Bei trägem Darm muss man allerdings nicht gleich zu Abführmitteln greifen – natürliche Maßnahmen reichen oftmals aus. Dies bedeutet vor allem, viel Wasser zu trinken. Eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Bewegung tragen zusätzlich dazu bei, dass der Darm wieder in normaler Geschwindigkeit arbeitet und der Stuhl normal abgehen kann.

Vorbeugende Maßnahmen sind dieselben wie die natürliche Therapie: Insgesamt ist es wichtig, auf den Lebensstil und die Ernährung achten. Falls die Darmträgheit anhält, ist der Besuch beim Arzt sinnvoll: Es könnte sein, dass eine andere Erkrankung die Beschwerden verursacht.

Was ist Darmträgheit?

Man spricht von einer ‚Darmträgheit‘, wenn die Verdauung verlangsamt ist. Normalerweise sorgt die Darmmuskulatur durch wellenförmige Bewegungen dafür, dass der Nahrungsbrei weiter zum Enddarm transportiert wird. Bei trägem Darm ist die Verdauung im Dickdarm jedoch verlangsamt. Aus dem Dünndarm kommt dennoch neuer Nahrungsbrei an.

Die Folge dieses Phänomens ist, dass sich immer mehr Nahrungsbrei im Dickdarm befindet und dieser sich mehr und mehr verdichtet. Eine der Aufgaben des Dickdarms ist es, dem Nahrungsbrei (oder sog. ‚Stuhl‘) Wasser zu entziehen. Je länger der Stuhl also im Dickdarm bleibt, desto mehr Wasser wird ihm entzogen – dies verstärkt das Problem noch. Darmträgheit äußert sich daher in hartem, seltenem Stuhlgang.

Die Ursache klassifiziert die Darmträgheit

Mögliche Ursachen für Darmträgheit sind falsche Ernährung, wenig Bewegung oder eine Funktionsstörung des Darms. Diese Ursachen führen zur einer sogenannten ‚primären‘ Darmträgheit. Denn in einem solchen Fall ist keine andere Ursache erkennbar, die die Störung des Darmes bedingt. Bei einer funktionellen Darmträgheit ist die Ursache allerdings häufig nicht eindeutig identifizierbar.

In vielen Fällen verursachen Vorerkrankungen oder die Einnahme von Medikamenten, dass der Darm seine Funktion zu langsam ausführt. Dieses Phänomen bezeichnet man als ‚sekundäre‘ Darmträgheit. Das Reizdarmsyndrom ist eine der häufigsten Ursachen für Probleme mit dem Darm wie Darmträgheit. Aber auch andere Erkrankungen, wie z. B. die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus oder Morbus Parkinson sind mögliche Ursachen.

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Gut zu wissen!

Darmträgheit ist nicht gleich Verstopfung. Nur bei weniger als drei Stuhlgängen pro Woche und gleichzeitig wahrgenommenen Beschwerden des Patienten spricht man von einer Verstopfung (auch ‚Stuhlverstopfung‘ genannt, in der Fachsprache sog. ‚Obstipation‘).

Exkurs: Chronische Verstopfung oder Obstipation – Wenn gar nichts mehr geht

Man bezeichnet eine Verstopfung als ‚chronisch‘, wenn sie über einen längeren Zeitraum auftritt – die Stuhlentleerungsprobleme dauern über mehr als drei Monate hinweg an. Die Betroffenen haben so wenig Stuhlgang, dass Wasser trinken häufig nicht mehr als Therapiemaßnahme ausreicht und ein Arzt eingreifen muss.

Diese Art der Obstipation liegt dann vor, wenn neben dauerhaften Beschwerden mindestens zwei der folgenden Symptome auftreten:

  • harter oder klumpiger Stuhl
  • starkes Pressen nötig beim Stuhlgang
  • weniger als drei Stuhlgänge pro Woche
  • manuelles Entleeren des Darms (bei mehr als 25% der Stuhlgänge)

Die Therapie kann entweder manuell erfolgen oder durch den Einsatz von Abführmitteln.

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Möchten Sie mehr zum Thema Verstopfung erfahren? Lesen Sie unseren Artikel: Verstopfung bzw. Obstipation – Häufiges Symptom & mögliche Nebenwirkung

Das Reizdarmsyndrom verursacht neben Darmträgheit und Verstopfung auch Durchfall und heftige Bauchkrämpfe. Die Ursache für diese Erkrankung ist allerdings unklar. In diesem Video widmet sich Dr. Dr. Tobias Weigl dem Reizdarm und erklärt, wie die Schmerzen entstehen.

Der Darm: Reizdarm😱Wie entstehen chronische Bauchkrämpfe, Bauchschmerzen & Durchfall ohne Ursache?

Die Symptome: Welche Beschwerden verursacht Darmträgheit?

Die Symptome von Darmträgheit sind den Symptomen einer Verstopfung sehr ähnlich. Dies ist kaum verwunderlich, da die Verstopfung oftmals lediglich eine stärker ausgeprägte Form der Darmträgheit ist. Die Symptome äußern sich zunächst darin, dass der Stuhlgang viel seltener erfolgt als normalerweise. Der Patient hat zusätzlich das Gefühl, dass er sich nicht vollständig entleeren konnte – selbst wenn der Stuhlgang erfolgt ist.

Der ausgeschiedene Stuhl ist entweder klumpig oder hart. Dies führt dazu, dass sich der Darm nur durch starkes Pressen entleeren lässt. In vielen Fällen geht Darmträgheit daher mit Schmerzen beim Stuhlgang einher. Weitere Symptome sind Völlegefühl und allgemeines Unwohlsein.

„Falls ein Patient mit Darmträgheit Stuhlgang hat, ist das oft alles andere als angenehm: Der sehr harte Stuhl verursacht Schmerzen beim Stuhlgang.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Wer ist am ehesten betroffen? – Die Ursachen der Darmträgheit

Darmträgheit betrifft jeden: Weltweit sind etwa 20–30 % aller Menschen von Darmträgheit betroffen, besonders ab einem Alter von 60 Jahren. Denn mit dem Alter bewegen die Menschen sich weniger und die Darmtätigkeit geht zurück. Jedoch müssen nicht nur alte Menschen unter einem trägen Darm leiden – bei Kindern tritt Darmträgheit ebenfalls auf.

Innerhalb der Weltbevölkerung variieren die Zahlen. So sind zum Beispiel in Afrika generell weniger Menschen betroffen. Frauen leiden weltweit doppelt so häufig unter Darmträgheit wie Männer. In Deutschland betrifft die Darmträgheit rund 20 % mindestens gelegentlich, unter den älteren Menschen bis zu über 30 %. Auch in Deutschland sind 2/3 der Betroffenen Frauen.

Fett essen und wenig bewegen: Der Lebensstil als Ursache für die Darmträgheit

Eine sehr häufige Ursache für einen trägen Darm ist der Lebensstil – der Patient ruft also selbst die Fehlfunktion im Verdauungssystem hervor. Man spricht hierbei von einer ‚habituellen Darmträgheit‘.

Eine Ernährung mit wenigen Ballaststoffen aber viel tierischen Fett, Stress und wenig Bewegung sind weitere mögliche Auslöser oder begünstigende Faktoren. Auch kurzzeitige Veränderungen im Leben können eine Darmträgheit verursachen, zum Beispiel eine Urlaubsreise. Bettlägerigkeit oder Querschnittslähmung sind weitere Ursachen: durch die Bewegungslosigkeit des Patienten kann das Verdauungssystem den Nahrungsbrei nicht schnell genug weiterleiten.

Das Risiko für die Darmträgheit erhöht das gewollte Unterdrücken des Stuhlreizes: Man bemerkt, dass man zur Toilette muss, verkneift es sich aber. Denn das oftmalige Unterdrücken des Stuhlreizes ist eine Ursache für eine gehemmte Darmmotorik und die damit einhergehende Darmträgheit: der Enddarm wird mit der Zeit weniger sensibel (sog. ‚anorektale Hyposensibilität‘). Dies stört die Darmentleerung.

Gründe für eine funktionelle auftretende Darmträgheit

Eine funktionelle Darmträgheit liegt dann vor, wenn der Darm selbst eine Fehlfunktion hat. Man kann allerdings zu diesem Zeitpunkt in vielen Fällen noch nicht genau feststellen, was der Grund dafür ist. Die Darmmotorik ist in einer solchen Weise gestört, dass der Nahrungsbrei den Darm langsamer als normalerweise passiert. Auch hier ist eine gehemmte Darmmotorik ein möglicher Auslöser für weitere Störungen des Darms.

Erkrankungen als Ursache für Darmträgheit

Wenn eine andere Vorerkrankung die Darmträgheit verursacht, spricht man prinzipiell von einer ‚sekundären Darmträgheit‘. Denn die Darmträgheit ist in einem solchen Fall keine für sich alleinstehende Erkrankung, sondern die Folge einer anderen Erscheinung. Die folgenden Erkrankungen sind mögliche Auslöser für die Darmträgheit:

Einnahme von Medikamenten als Ursache für Darmträgheit

Medikamente können die Verdauung bei ihrer Tätigkeit unterstützen. Allerdings ist es auch möglich, dass Substanzen, die gegen andere Symptome helfen, die Verdauung auf biochemischer Ebene an einer normalen Tätigkeit hindern. Möglicherweise tritt Darmträgheit nach der Einnahme folgender Medikamente auf:

Haben Sie schon einmal unter eine Darmträgheit gelitten? Welche Ursache hat der Arzt festgestellt? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Angabe helfen Sie anderen Patienten dabei, Ihre eigenen Symptome besser zu verstehen.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnosestellung bei Darmträgheit

Die Diagnose verläuft schrittweise. Der Arzt beginnt mit einem Anamnesegespräch. Er erfragt, seit wann und in welcher Form sich die Darmträgheit äußert. Zusätzlich dokumentiert der Arzt, welche Vorerkrankungen vorliegen und welche Medikamente der Patient akut eingenommen hat oder im Rahmen einer Langzeittherapie einnimmt. Weiterhin erfragt und untersucht er, ob und wo der Patient Bauchschmerzen hat.

Falls der Patient Symptome zeigt, die auf das Reizdarmsyndrom hinweisen, folgt der Arzt den entsprechenden Diagnoseschritten. Diese sind zum Beispiel der Wechsel von Durchfall und Darmträgheit (beziehungsweise Verstopfung) und Schmerzen im Unterbrauch.

Leidet ein Patient häufiger unter Darmträgheit, dann führt er gegebenenfalls ein Stuhltagebuch. Dieses Tagebuch unterstützt die Diagnosestellung beim Arzt: Man kann genau herausfinden, wann Stuhlgang normal stattfand und wann nicht. Das schriftliche Dokumentieren ist genauer als die Aussage des Patienten. Zudem kann der Patient die Umstände, unter denen die Darmträgheit auftrat, ebenfalls dokumentieren. Dies hilft dabei, die Gründe für das Problem zu identifizieren.

Fakten-Box

Darmträgheit

  • verlangsamte Verdauung im Dickdarm
  • Nahrungsbrei kommt aus dem Dünndarm nach: der Stuhl verdichtet sich
  • häufig bei älteren Menschen, prinzipiell alle betroffen

Mögliche Symptome

  • seltener Stuhlgang
  • fester Stuhl
  • Völlegefühl im Bauch
  • Schmerzen beim Stuhlgang

Mögliche Gründe

  • zu geringe Flüssigkeitsaufnahme
  • Ernährung mit viel tierischen Fetten, Kohlenhydraten und wenig Ballaststoffen
  • Bewegungsmangel: zum Beispiel nach OP, aufgrund von Bettlägerigkeit

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung von Darmträgheit

Die Behandlung der Darmträgheit richtet sich danach, was diese verursacht. Ist eine Erkrankung der Auslöser, dann behandelt der Arzt diese. Krankheiten, die möglicherweise eine Darmträgheit auslösen, sind – wie weiter oben erwähnt– zum Beispiel das Reizdarmsyndrom, Multiple Sklerose, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Darmkrebs, Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion.

Wenn Sie die genauen Therapiemöglichkeit der verursachenden Erkrankungen nachlesen möchten, verweisen wir auf die entsprechenden Artikel. Ist die ursächliche Erkrankung behandelt, dann verschwindet bei vielen Patienten auch die Darmträgheit. In manchen Fällen muss der Arzt die Darmfunktion jedoch zusätzlich behandeln.

Falls die Vermutung besteht, dass die Beschwerden durch die Einnahme von Medikamenten hervorgerufen werden, dann setzt der Arzt diese ab. Je nachdem, welche Erkrankung man mit den Medikamenten behandelt, kann man diese nicht absetzen. In einem solchen Fall kann der Arzt abführend wirkende Präparate verordnen (sog. ‚Laxanzien‘).

Allgemeinmaßnahmen bei Darmträgheit

Das Ziel der allgemeinen Therapie bei Darmträgheit ist es, den Nahrungsbrei zu lösen, beziehungsweise die Verdauung zu beschleunigen. Viele Maßnahmen kann der Patient selbst ergreifen, sodass eine medikamentöse Therapie oft nicht notwendig wird. Bei Unsicherheit sollte man dennoch einen Arzt aufsuchen und die entsprechenden Maßnahmen mit dem Arzt gemeinsam in die Wege leiten.

Zunächst sollte man ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Hierbei ist die Rede von Wasser oder ungesüßtem Tee. Zuckerhaltige Getränke wie Limonade sind nicht zu empfehlen. Die Ernährung spielt außerdem eine wichtige Rolle. Ballaststoffe helfen dem Darm, seine Funktion auszuüben. Sie sind vor allem in Gemüse, Obst und Vollkornprodukten enthalten.

Um die Darmaktivität anzukurbeln, ist außerdem Bewegung sinnvoll: Man sollte es vermeiden, lange Phasen durchgehend zu sitzen oder zu liegen. Auch während des Arbeitsalltags sollten Patienten mit einem trägen Darm darauf achten, genügend zu laufen. Ein Spaziergang am Ende der Mittagspause ist daher eine empfehlenswerte Aktivität.

Gut zu wissen!

Ballaststoffe sind nicht nur gut für den Darm, sie senken auch den Blutdruck. Neue Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass die enthaltende Propionsäure den Bluthochdruck senkt. Die empfohlene Diät bei Bluthochdruck unterstützt die Therapie der Erkrankung also auf natürliche Weise.

Natürliche Maßnahmen regen den Darm an

Man kann den Ballaststoffgehalt im Darm gezielt erhöhen. Flohsamenschalen, Kleie oder Leinsamen sind sehr ballaststoffreiche Nahrungsmittel – sozusagen natürliche Abführmittel. Sie sind eine mögliche Ergänzung für die Ernährung bei Darmträgheit. Man muss diese Lebensmittel allerdings mit viel Wasser einnehmen, damit sie im Verdauungstrakt aufquellen und ihre Wirkung im Darm entfalten.

Außerdem kann man die Darmtätigkeit mechanisch unterstützen, indem man den Darm massiert. Man streicht morgens vor dem Aufstehen ein paar Minuten lang den Bauch auf der Höhe des Dickdarms entlang, um die Darmtätigkeit anzuregen. Man kann diese Maßnahme gut mit einem Glas Wasser auf leeren Magen unterstützen.

Darmträgheit gezielt vorbeugen

Es ist möglich, einer Darmträgheit durch das alltägliche Verhalten vorzubeugen. Man sollte generell auf eine ballaststoffreiche Ernährung achten und genügend Wasser (mindestens 1,5–2 Liter am Tag) zu sich nehmen. Sehr wichtig ist: Wenn sich der Stuhldrang meldet, dann sollte man auch zur Toilette gehen und den Drang nicht unterdrücken.

Bei erwarteter Darmträgheit aufgrund einer zukünftigen Einnahme von Medikamenten kann man ebenso vorbeugen: Wenn zum Beispiel eine Therapie mit Opiaten bei einem bettlägerigen Patienten nötig ist, verordnet der Arzt häufig stuhlanregende Präparate wie Abführmittel oder Lactulose.

Gut zu wissen!

Aktuelle Forschungsergebnisse aus China besagen, dass Akupunktur gegen Darmträgheit und Verstopfung hilft: Eine Besserung stellte sich bei Patienten ein, die mit elektrischer Akupunktur des Oberschenkels nach klassischer chinesischer Methode behandelt wurden. Die Symptome verbesserten sich Im Vergleich mit Patienten, die diese Behandlung nicht erhielten, signifikant.

Aktuelle Forschung – Wie eine ballaststoffreiche Ernährung vorbeugt

Patienten mit einer neurologischen Erkrankung wie Multipler Sklerose (kurz MS) leiden als Folgesymptom gegebenenfalls unter Darmträgheit. Ballaststoffe unterstützen den Körper dabei, die Darmaktivität anzuregen – sie verschaffen also Linderung bei einem trägen Darm. Aber was bewirken die Ballaststoffe noch im Körper?

Eine gesunde Ernährung wirkt sich positiv auf die Darmflora und das Immunsystem aus. Aktuelle Studien deuten sogar darauf hin, dass Ernährung im Zusammenhang mit der Erkrankung an Multipler Sklerose steht. Diese Entwicklungen in der Forschung hat Prof. Dr. Thomas Müller, Chefarzt für Neurologie im Joseph Krankenhaus in Berlin, in einer Übersichtsstudie zusammengefasst.

Zu wenige Ballaststoffe begünstigen eine Erkrankung an MS und Darmträgheit

Eine Hypothese ist, dass der westliche Ernährungsstil mit vielen schnell verdaulichen Kohlenhydraten (zum Beispiel Weizenmehl in Brot, Nudeln, Gebäck) eine Erkrankung an MS begünstigt. Ein Indiz für diese These ist, dass Japaner, die im europäischen Ausland gelebt haben, öfter an MS erkranken als Menschen, die sich ihr Leben lang in Japan aufhalten.

Die Erklärung ist auf der mikrobiologischen Ebene zu finden: Die Darmbakterien, die Ballaststoffe abbauen, produzieren normalerweise kurzkettige Fettsäuren. Diese wiederum leiten T-Zellen, die das Immunsystem regulieren (sog. ‚regulatorische T-Zellen‘) in den Körper. Es könnte sein, dass ein Mangel an T-Zellen das Risiko für eine Erkrankung an MS erhöht.

Eine ballaststoffarme Ernährung bewirkt also, dass die Darmbakterien weniger aktiv sind. Dadurch produzieren sie weniger kurzkettige Fettsäuren und das wiederum führt dazu, dass weniger immunregulatorische T-Zellen vorhanden sind. Dadurch soll das Risiko für die Erkrankung erhöht sein. Mit der Erkrankung an MS gehen wiederum mitunter weitere Beschwerden – wie die Darmträgheit – einher.

Weitere Forschung nötig, um den Zusammenhang zu belegen

Weitere Studien sind notwendig, um die Zusammenhänge weiter zu erforschen. Im Augenblick handelt es sich um eine Vermutung. Zukünftige Studien werden daher zeigen, ob ein kausaler Zusammenhang besteht, also ob die ballaststoffarme Ernährung eine Erkrankung an MS begünstigt oder gar auslöst.

Allerdings gibt die Studie einen Hinweis darauf, wie wichtig die Ernährung ist: Denn es könnte sein, dass noch weitere Beschwerden, die man nicht mit dem Darm assoziiert, mit der Ernährung zusammenhängen. Einer Darmträgheit durch ballaststoffreiche Kost vorzubeugen, könnte also noch lohnender für den Körper sein, als man denkt.


Quelle: Thomas Müller (2018): Prävention: Fettsäurehypothese erhält neue Nahrung. In: DNP. Der Neurologe & Psychiater 19, S. 11–12.

Häufige Patientenfragen

Sie sagen, dass den Stuhldrang unterdrücken zu Darmträgheit führen kann. Aber ich möchte im Büro nicht auf die Toilette gehen, das ist mir peinlich. Kann man den Stuhlgang mit irgendwelchen Medikamenten steuern?

Dr. Dr. T. Weigl
Sie sollten Ihre natürliche Verdauung nicht künstlich beeinflussen, wenn es nicht medizinisch notwendig ist. Dies bedeutet, dass es immer gut ist, dem Stuhldrang zu folgen. Daher ist es nicht empfehlenswert, grundlos Medikamente einzunehmen, um den Stuhlgang zu fördern oder zu verlangsamen.

Sie tun sich keinen Gefallen damit, wenn Sie den Stuhlreiz unterdrücken möchten. Stuhlgang muss Ihnen zudem kein Gefühl der Peinlichkeit verursachen – es ist ein ganz normaler körperlicher Prozess, den jeder Mensch hat. Es ist wichtig, dass die Verdauung auch während der Arbeitszeit normal funktioniert. Suchen Sie also eine Toilette auf, wenn Sie Stuhldrang haben.

Was kann ich tun, wenn mein Kind unter Darmträgheit leidet?

Dr. Dr. T. Weigl
Auch bei Kindern ist der erste wichtige Schritt, den Grund für die Darmträgheit herauszufinden. In manchen Fällen liegt der Grund in einer falschen Ernährung oder einer Vorerkrankung. Allerdings spielen bei vielen Kindern auch psychologische Ursachen eine Rolle: Wenn ein Kind einmal Schmerzen beim Stuhlgang hatte, dann entwickelt es gegebenenfalls eine Angst davor, dem Stuhldrang beim nächsten Mal nachzugeben.

Kinder, die Angst vor dem Stuhlgang haben, halten diesen deshalb zurück. Dieses Verhalten verschlimmert die Beschwerden allerdings noch: Der Stuhl wandert im Darm zurück, sodass der Stuhldrang verschwindet, und die Masse im Darm trocknet immer mehr aus. Beim nächsten Stuhlgang sind die Schmerzen dann noch heftiger, sodass das Kind immer mehr Angst vor dem Stuhlgang bekommt.

Diesem Kreislauf kann man mit natürlichen Mitteln entgegenwirken. Wenn möglich, sollte man mechanische Eingriffe vermeiden (zum Beispiel Einläufe oder die Gabe von Zäpfchen), da diese das Kind noch mehr verängstigen könnten. Die Aufnahme von viel Wasser und Ballaststoffen ist zunächst die bessere Wahl. Sie sollten auch insgesamt auf eine gesunde Ernährung Ihres Kindes achten, um vorzubeugen: Äpfel, Gemüse und Nüsse zum Naschen zwischendurch reduzieren das Risiko für Darmträgheit.

Kann man nicht einfach Abführmittel einnehmen, wenn der Darm träge ist?

Dr. Dr. T. Weigl
Es ist nicht sinnvoll, sich selbst Abführmittel über einen längeren Zeitraum zu verordnen. Denn die Einnahme von Abführmitteln über einen längeren Zeitraum hinweg bringt gegebenenfalls die Darmflora durcheinander. Falls die Beschwerden der Darmträgheit anhalten, dann sollte man einen Arzt aufsuchen und die Ursache dafür abklären. Bei anhaltenden Beschwerden könnte die Darmträgheit die Folge einer anderen Erkrankung sein. Nur ein Arzt kann diese diagnostizieren und gezielt behandeln.

Welche Hausmittel helfen gegen einen trägen Darm?

Dr. Dr. T. Weigl
Wie bereits beschrieben, unterstützen Wasser und ballaststoffreiche Nahrung die Darmtätigkeit. Der Berufsverband der Internisten rät neben einer ausreichenden Aufnahme an Wasser zu weiteren Maßnahmen: morgens ein Glas Saft auf leeren Magen oder die Einnahme von Milchzucker. Denn Milchzucker entzieht dem Körper Wasser, was den Wassergehalt im Dickdarm erhöht (man nennt das ‚osmotisch wirksam‘).

Typisches Patientenbeispiel

Klaus kann schon wieder nicht richtig zur Toilette gehen. Seit dem Unfall ist er stark eingeschränkt. Langsam geht es wieder besser, aber er merkt, wie sich sein ganzer Körper verändert hat. „Ich hätte niemals gedacht, dass ein paar Brüche am Körper alles, aber so wirklich alles durcheinanderbringen“, sagt er zu Freundin Claudia.

„Gut, dass ich ohnehin zur Nachkontrolle muss“, sagt er zu Claudia, als sie auf dem Weg zum Arzt sind. „Ja, du kannst das mit der Verdauung ja mal ansprechen. Aber ich denke schon auch, dass das von dem Unfall kommt. Immerhin hast du dich davor jeden Tag bewegt. Für einen professionellen Reiter ist es einfach ungewohnt, sich nicht zu bewegen.

Die Verdauung ankurbeln – Tipps vom Arzt

„Da Ihre Darmträgheit noch nicht zu einer Verstopfung geführt hat, rate ich Ihnen zunächst, auf natürliche Mittel zurückzugreifen. Sie sind bereits wieder etwa mobiler. Versuchen Sie sich ein bisschen zu bewegen, wann immer es geht. Natürlich sollten Sie sich nicht überlasten. Aber mit er Physiotherapie haben Sie auch schon begonnen. Insgesamt geht es jetzt darum, dass Sie sich wieder mobilisieren.

Zusätzlich empfehle ich Ihnen, jetzt besonders auf Ihre Ernährung zu achten. Damit der Darm wieder in normaler Schnelligkeit arbeitet, sollten Sie vor allem viel Wasser trinken, mindestens eineinhalb bis zwei Liter am Tag. Außerdem empfehle ich den Verzehr von ballaststoffreicher Nahrung, das heißt Obst, Gemüse, Vollkorn. Körner, wie zum Beispiel Leinsamen sind sehr ballaststoffreich. Falls die Probleme weiterhin anhalten, sehen wir weiter und greifen gegebenenfalls zu einem Abführmittel.“ 

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Haben Sie Erfahrungen mit Darmträgheit? Möchten Sie sich bei uns weiter über Verdauungsprobleme erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich untereinander auszutauschen!

 

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Melinda A. Mende
Lektorat: Timo Hülsmann
Veröffentlicht am: 04.04.2020

Quellen

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (2013): S2k-Leitlinie Chronische Obstipation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. AWMF-Register Nr. 021/019. In: awmf.org.
  • Ralf Behrens (2013): Verstopfung bei Kindern. Behandlungsziel: Schmerzfreier Stuhlgang. Genehmigter und bearbeiteter Nachdruck aus Ars medici 4/2013. In: Der Allgemeinarzt 35/8, S. 18–20.
  • Berufsverband Deutscher Internisten im Netz e.V. (2010): Bei Verstopfung lieber zunächst Ernährung umstellen als Abführmittel nehmen. In: internisten-im-netz.de
  • Deutsche Apotheker Zeitung (2010): Darmträgheit und Verstopfung. In: DAZ 12, S. 125.
  • Deutsche Medizinische Gesellschaft für Paraplegiologie (2019): S2k-Leitlinie Neurogene Darmfunktionsstörung bei Querschnittlähmung (Langfassung). AWMF-Register Nr. 079/004. In: awmf.org.
  • Zhishun Liu u. a. (2016): Acupuncture for Chronic Severe Functional Constipation: A Randomized Trial. In: annals.org.
  • Thomas Müller (2018): Prävention: Fettsäurehypothese erhält neue Nahrung. In: DNP. Der Neurologe & Psychiater 19, S. 11–12.
  • Stefan Müller-Lissner (2009): The pathophysiology, diagnosis, and treatment of constipation. In: Deutsches Ärzteblatt 106/25, S. 424–431.
  • Pschyrembel Online (2020): Obstipati¬on (Ver¬stop¬fung). In: pschyrebel.de.
  • Christiane Schäfer (2011): Obstipation. Was lässt sich mit Ernährung erreichen? In: Der Allgemeinarzt 33/2, S. 40–42.
  • Christa Tast (2020): Gesundheit beginnt im Darm. In: Dialyse aktuell 24/1, S. 40–43.
  • Peter Voltl (2019): Obstipation im Kindesalter. In: Pädiatrie & Pädologie 19, S. 1–3.
[Gesamt: 3   Durchschnitt:  5/5]
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