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Rezeptfreie Antidepressiva – Wie wirksam sind sie tatsächlich?

Auf einen Blick – Rezeptfreie Antidepressiva

  • antidepressiv-wirkende Substanzen, die bei der Therapie von Depressionen als Arzneimittel ihren Einsatz finden

Welche Wirkung haben rezeptfreie Antidepressiva?

  • antidepressiv
  • stimmungsaufhellend
  • antriebssteigernd

Welche Arten von rezeptfreien Antidepressiva existieren?

  • pflanzliche Präparate bzw. Extrakte

Wann können rezeptfreie Antidepressiva eingesetzt werden?

  • leichte bis mittelstarke Depression
  • saisonale Depression (z.B. Winterdepression)
  • Stimmungstief

Können rezeptfreie Antidepressiva gefährlich sein?

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen Bestandteil des Präparats
  • im Vergleich zu synthetischen Antidepressiva weniger Nebenwirkungen, jedoch können je nach Dosis schwere Nebenwirkungen auftreten
  • pflanzlich oder natürlich bedeutet nicht ungefährlich

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

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Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Schlechte Laune hat jeder mal. Ausgelöst durch verschiedene Faktoren, kann sich schnell eine Niedergeschlagenheit ausbreiten. Doch im Verlauf der Zeit, kann sich die schlechte Laune zu einer depressiven Verstimmung wandeln. Ist erstmal eine Depression vom Facharzt diagnostiziert, werden bei schweren Formen Medikamente für die Therapie verwendet. Problematisch sind hierbei jedoch zwei Aspekte. Zum einen wirkt das sogenannte Antidepressivum nicht sofort nach seinem Einsatz, zum anderen die dabei auftretenden Nebenwirkungen. Die Abhängigkeit, die bei der Verwendung von Antidepressiva auftreten kann, ist wohl eine der schwerwiegendsten Nebenwirkungen. Dies führt bei den meisten Patienten dazu, sich von solchen Medikamenten fernhalten zu wollen. Die Frage lautet dann meist: ‚Gibt es ein Antidepressivum ohne diese Nebenwirkungen?‘. Die Antwort lautet: ‚Ja und Nein.‘.

Sogenannte Rezeptfreie Antidepressiva besitzen kein Abhängigkeitspotenzial. Doch das Problem ist die unzureichende Wirksamkeit im Vergleich zu einigen stärker wirkenden Antidepressiva.

Somit lautet die Frage: Wie wirksam sind rezeptfreie Antidepressiva tatsächlich? Können rezeptfreie Antidepressiva gefährlich oder schädlich sein? Im folgenden Artikel klären wir Sie über die Wirksamkeit einiger rezeptfreier Antidepressiva auf. Des Weiteren soll erläutert werden, welche Mittel tatsächlich zu den rezeptfreien Antidepressiva zählen und welche therapeutisch keine Anwendung finden.

Was sind rezeptfreie Antidepressiva?

Bei rezeptfreien Antidepressiva handelt es sich um natürliche Arzneimittel, die antidepressiv wirken und so die Symptome einer Depression lindern sollen. Meist handelt es sich hier um Kräuter oder Kräutermischungen, die je nach Art und Begleitsymptomatik einer Depression eingesetzt werden.

Unterschied zu synthetisch hergestellten Antidepressiva

Der offensichtlichste Unterschied zu den synthetisch hergestellten Antidepressiva ist, dass sie rezeptfrei sind. Synthetisch hergestellte Antidepressiva, wie beispielsweise Amitriptylin, können nur nach Vorlage eines vom Facharzt ausgestellten Rezepts in der Apotheke erworben werden.

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Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, dass rezeptfreie Antidepressiva meist bei milden Symptomen einer Depression eingesetzt werden. Auch bei saisonaler Verstimmung, ausgelöst durch Stress oder Belastung, eignen sich rezeptfreie bzw. natürliche Antidepressiva.

Gut zu wissen!

Wussten Sie schon, dass es auch Medikamente gibt, die keine Antidepressiva sind aber dennoch antidepressive Wirkungen besitzen? Ein Beispiel hierfür wäre das Opioid-Analgetikum Tramadol. Als Opioid bindet es schwach an seinem Opioid-Rezeptor und setzt dabei eine eher schwache, schmerzlindernde Wirkung frei. Zur Stärkung dieser Wirkung nutzt es einen weiteren Mechanismus, nämlich die Wiederaufnahme-Hemmung von Serotonin und Noradrenalin. Hierbei entsteht der zusätzliche antidepressive und angstlösende (sog. ‚anxiolytische‘) Effekt.

Schwere Depression und Stimmungsschwankungen

Falls die depressive Verstimmung länger anhält und mit der Zeit immer stärker wird, sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Wichtig hierbei ist zu wissen, dass nur eine medikamentöse Therapie nicht ausreicht, um schwere Formen der Depression zu behandeln. Eine multimodale Therapie sollte vorzugsweise erfolgen. Das heißt, eine Therapie zusammengesetzt aus verschiedenen Fachbereichen wie beispielsweise Psychotherapie, Sport und medikamentöser Behandlung.

„Natürlich oder pflanzlich bedeutet nicht automatisch ungefährlich. Gerade bei unzureichender Aufklärung können auch pflanzliche Präparate schwere Nebenwirkungen auslösen.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Welche rezeptfreien Antidepressiva existieren?

Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich bei einem rezeptfreien Antidepressivum, um eine Substanz, die die Symptome einer Depression (leichten Formen) in einer oder mehreren klinischen Studien besser lindern konnte als ein Placebo und vorzugsweise einem synthetisch hergestellten Antidepressivum nicht unterlegen ist.

Achtung!

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Pflanzliche Arzneimittel sind nicht gleichzusetzen mit Nahrungsergänzungsmitteln, die dieselbe Substanz beinhalten. Pflanzliche Arzneimittel sind im Gegensatz zu Nahrungsergänzungsmitteln standardisiert. Weiterhin besitzen Nahrungsergänzungsmittel nicht dieselbe Dosis, wie dass dazu äquivalente pflanzliche Arzneimittel-Präparat. Dadurch kann bzw. wird durch das Nahrungsergänzungsmittel nicht die gewünschte Wirkung erzielt.

Johanniskraut-Extrakt

Das wohl bekannteste Beispiel für ein rezeptfreies Antidepressivum ist Johanniskraut. Jedoch sollte hier erwähnt werden, dass die meisten rezeptfreien Johanniskraut-Präparate bei der Behandlung von leichter depressiver Verstimmung eingesetzt werden. Zu einem gewissen Teil sind andere Präparate hingegen verschreibungspflichtig, sofern sie bei mittelschwerer Depression ihren Einsatz finden. Als pflanzliches Arzneimittel (sog. ‚Phytopharmakon‘) wirkt es antidepressiv, sowie stimmungsstabilisierend und antriebssteigernd. In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass es bei leichter und mittelschwerer Depression sowohl in einer kurzzeitigen Behandlung (sechs Wochen) als auch bei einer längerfristigen Gabe wirksamer ist als ein Placebo-Präparat. Weiterhin war es in der Studie in Bezug auf seine Wirksamkeit dem rezeptpflichtigen Antidepressivum Citalopram nicht unterlegen.

Johanniskraut – Wirkmechanismus

Der Wirkmechanismus von Johanniskraut ist noch nicht eindeutig geklärt. Es sollen hierbei verschiedene Inhaltsstoffe (wie z.B. Hypericine, Hyperforine und Flavonoide) daran beteiligt sein. Verschiedene Ansätze des Wirkmechanismus wären:

  • Erhöhung der Konzentration von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin via Hemmung des Enzyms Monoaminoxidase bzw. MAO (u.a. durch das Hypericin)
  • Beeinflussung des Stoffwechsels von Melatonin und Serotonin (u.a. durch das Hyperforin)

Johanniskraut – Bedenklichkeit

Die Verwendung von Johanniskraut-Extrakten zur Behandlung von Depressionen soll dennoch nicht leichtfertig erfolgen, denn oftmals wird angenommen, dass ein natürlicher bzw. pflanzlicher Wirkstoff unschädlich für den Körper ist. Dies ist aber nicht der Fall, auch wenn die Nebenwirkungen im Vergleich zu synthetisch hergestellten Antidepressiva sehr gering sind. So sollte eine Einnahme von Johanniskraut nicht zusätzlich zu einem synthetischen Antidepressivum erfolgen. Es könnten dadurch lebensbedrohliche Wechselwirkungen, wie ein Serotonin-Syndrom, entstehen.

Wie sieht es mit der Verträglichkeit von Johanniskraut aus? Kann es als natürliches Antidepressivum gefährlich oder schädlich für den Körper sein? Im folgenden Video erklärt euch Dr. Dr. Weigl, worauf geachtet werden soll bei der Einnahme von Johanniskraut.

Johanniskraut vs. Antidepressiva: Pflanzliches Wundermittel bei Depression und wie harmlos wirklich?

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Pflanzen mit antidepressiver Wirkung

Der obigen Definition eines rezeptfreien Antidepressivums steht eine Gruppe von Substanzen entgegen, die je nach klinischer Studie helfen können, die Stimmung anzuheben, aber dennoch nicht so effektiv wirken, wie rezeptfreies Antidepressivum. Das heißt, es kann in einer klinischen Studie gezeigt werden, dass ein stimmungsaufhellender Effekt vorhanden ist. Aber die Verwendung als ein Therapeutikum, ist aufgrund der mangelnden Wirksamkeit im Vergleich zu anderen Antidepressiva nicht möglich.

Lavendelöl

Reines Lavendelöl findet seine Anwendung bei der Behandlung von Unruhezuständen wie beispielsweise einer generalisierten Angststörung. Oft ist es so, dass ängstliche Unruhe in Kombination mit depressiven Zuständen auftreten kann. Bei dieser Kombination ist auch die Rede von einer ängstlich depressiven Verstimmung (sog. MADD, Mixed Anxiety and Depressive Disorder).

Laut einer Studie konnte gezeigt werden, dass ein spezielles Lavendelöl (sog. ‚Silexan‘, ein spezielles Öl aus Arzneilavendel) bei der Behandlung von ängstlich-depressiver Verstimmung einem Placebo-Präparat überlegen war. Der Wirkmechanismus ist hier jedoch nicht vollständig geklärt. Die angstlösende Wirkung kann jedoch durch folgenden Mechanismus erklärt werden:

  • präsynaptische Blockade spannungsabhängiger Calcium-Kanäle im Gehirn via Inhaltsstoffe Linalool und Linalylacetat

Ungefähr desselben Wirkmechanismusses bedient sich das Antikonvulsivum (Medikament zur Verhinderung von epileptischen Anfällen) Pregabalin, welches ebenfalls bei der Behandlung von generalisierten Angststörungen eingesetzt wird.

Achtung!

In der Studie konnte das Präparat im Vergleich zum Placebo zur Linderung der Symptome einer ängstlich-depressiven Verstimmung führen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine Behandlung dieser Erkrankung mit diesem Medikament allein ausreicht. Vorallem ausgeprägte Formen sollten wie oben bereits erwähnt mit Hilfe eines Facharztes therapiert werden.

Weiterhin wurde in der Studie kein Vergleich mit einem rezeptpflichtigen Antidepressivum durchgeführt, sodass nur feststeht, dass es besser als ein Placebo-Präparat wirkt, nicht aber ob es einem synthetisch hergestellten Antidepressivum ebenbürtig ist.

Rosenwurz

Bei Rosenwurz handelt es sich um ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel, welches in Apotheken ohne ärztliche Verordnung erhältlich ist. Eingesetzt wird es bei Erwachsenen vorallem zur Linderung von Stress-Symptomen wie Müdigkeits- und Schwächegefühl. Basis der Indikation in diesen Gebieten ist die langjährige Erfahrung und Wirksamkeit in der Volksmedizin. Der Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt. Mögliche Ansätze hier sind:

  • Erhöhung der Serotonin-Konzentration durch Hemmung des Enzyms Monoaminoxidase bzw. MAO
  • erhöhter Transport von Serotonin- und Dopamin-Vorstufen ins Gehirn, durch Erhöhung der Durchlässigkeit dieser in der Blut-Hirn-Schranke

Rosenwurz-Studien

In verschiedenen Studien konnte ebenfalls gezeigt werden, dass Rosenwurz-Extrakte besser wirken als Placebo-Präparate und fast genauso wirksam sind wie das synthetische Antidepressivum Sertralin. Jedoch soll hier erwähnt sein, dass die Studie mit nur 57 Personen durchgeführt wurde. Hier sollten demnach theoretisch weitere Studien mit einer höheren Anzahl an Probanden erfolgen, um eine repräsentativ stärke Aussage in Bezug auf die Wirksamkeit machen zu können.
In einem Beurteilungsbericht der europäischen Arzneimittelagentur wurden verschiedene Studien a
usgewertet. Das Ergebnis zeigte, dass aufgrund der starken Schwankungen hinsichtlich der Studienqualität, eine therapeutische Wirksamkeit nicht vollständig vorliegt. Dennoch wurde durch langjährige Erfahrung in der Naturmedizin, die Indikation in einigen Anwendungsgebieten zugelassen. Bis dato ist deshalb kein rosenwurzhaltiges Arzneimittel zur Behandlung von leichter bis mittelschwerer Depression freigegeben.

Zitronenmelisse

Die Zitronenmelisse besitzt eine beruhigende Wirkung. Ihr standardisierter Extrakt wird in verschiedenen Fertigarzneimitteln eingesetzt. Meist kommt es aber als pflanzliches Kombinationspräparat mit anderen Kräutern vor. Die beruhigende Wirkung kommt durch die Hemmung des Enzyms GABA-Transaminase zustande. Dieses Enzym ist für den Abbau des Neurotransmitters GABA (sog. ‚Gamma-Aminobuttersäure‘) zuständig. Die Hemmung dieses Enzyms führt zu einer Steigerung des GABA-Spiegels und in Folge kann eine entspannende Wirkung eintreten. Dies kann ebenfalls zu einer Reduzierung von Angst führen.

Zitronenmelisse-Studie

In einigen Studien konnte gezeigt werden, dass Inhaltsstoffe der Zitronenmelisse zu einer Hemmung des Enzyms Monoaminoxidase A (kurz: MAO-A) führen können. Dieses Enzym ist für den Abbau der Neurotransmitter Serotonin, Melatonin, Noradrenalin und Dopamin zuständig. Mit Hilfe der Studien konnte eine signifikante Reduktion bei Depressionen im Vergleich zu einem Placebo-Präparat gezeigt werden. Dennoch werden hierfür weitere Studien benötigt, da zwar ein Effekt vorhanden ist, aber für eine Behandlung von leichter bis mittelschwerer Depression nicht ausreicht. Stattdessen wird jedoch die beruhigende Wirkung der Melisse kombiniert mit Johanniskraut, bei einigen Formen von leichter Depression verwendet.

Kamille

Das Anwendungsgebiet der Kamille ist breit gefächert. Sehr bekannt ist ihre Anwendung bei Entzündungen in der Mundhöhle, da sie entzündungshemmende, wundheilungsfördernde und antimikrobielle Wirkungen besitzt.

In einigen Studien konnte eine schwach antidepressive und angstlösende Wirkung der Kamille gezeigt werden. Dabei wurden Personen mit ängstlich depressiver Verstimmung und generalisierter Angststörung untersucht. Jedoch werden auch hier weitere Studien benötigt, da die Anzahl der Teilnehmer in den Studien zu gering war, um repräsentativ zu sein. Weiterhin wurde bei den Studien lediglich gezeigt, wie es im Vergleich zu einem Placebo-Präparat wirkt. Ein Vergleich mit anderen, als Arzneimittel zugelassenen Präparaten, fand nicht statt.

Zur Behandlung von leichter bis mittelschwerer Depression, sollte deshalb von der alleinigen Gabe von Kamille abgesehen werden. In der klinischen Therapie besitzt dieser nämlich unzureichenden Erfolg.

Kava-Kava

Hierbei handelt es sich um ein Arzneimittel, das nicht mehr im Handel ist. Im Grunde genommen besitzt es angstlösende und beruhigende Wirkungen und wurde als Extrakt bei verschiedenen Angst- und Spannungszuständen eingesetzt. In einigen Studien konnten ferner leicht antidepressive und angstlösende Wirkungen gezeigt werden. Auch hier wären mehrere Studien vonnöten, da nur eine im Vergleich zum Placebo-Präparat erzielte Wirkung stattfand.

Kava-Kava Geschichte

Im Jahre 2007 wurde das Medikament in Deutschland widerrufen, da in diversen Fällen schwere Leberschäden zu Stande kamen. Im Jahre 2015 entschied das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (kurz: BfArM) kavahaltige Arzneimittel unter strengen Bedingungen bei leichter und mittelschwerer generalisierter Angststörung einzusetzen. Für Depressionen oder schwere Angsterkrankungen wurde es weiterhin nicht indiziert, da es therapeutisch bei diesen Erkrankungen nicht wirksam war. Am 20. Dezember 2020 wurde endgültig der Widerruf der Zulassung für Kava-Kava-Präparate von der BfArM angeordnet. Grund dafür ist das negative Nutzen-Risiko-Verhältnis.

Auch hier wird ersichtlich, dass zwar eine leichte antidepressive Wirkung vorhanden sein kann (laut Studie), aber ein Einsatz zur Behandlung von Depressionen nicht empfohlen wird. Vorallem auf Grund der Lebertoxizität und der mangelnden antidepressiven Wirkung.

Ginseng

Bekannt ist Ginseng als Stärkungs- und Kräftigungsmittel bei Müdigkeits- und Schwächegefühlen. Weiterhin kann es die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit fördern. Die Studienlage in diesem Anwendungsgebiet ist ebenfalls ausreichend geklärt. Auch hier ist dennoch wichtig, was für ein Präparat eingesetzt wird.

Bis dato existiert kein Präparat, das bei der Behandlung von leichter bis mittelschwerer Depression eingesetzt wird. In einigen Studien konnte eine positive Wirkung auf die Stimmung gezeigt werden. Der Mechanismus soll auf die Produktion und Ausschüttung von Vorstufen des Glückshormons Serotonin zurückzuführen sein. Eine Steigerung des Neurotransmitters Serotonin kann, laut der Serotonin-Mangel-Hypothese, die Symptome einer Depression lindern. Wichtig hierbei ist jedoch, dass die meisten Studien bei Tieren durchgeführt wurden. Dadurch kann der antidepressive Effekt in diesen Studien nicht auf den Menschen übertragen werden, da klinische Studien hierzu nicht vollständig vorliegen. Es werden somit weitere Studien benötigt, um aussagekräftigere Ergebnisse zu liefern.

Ginkgo

Extrakte aus den Blättern des Ginkgobaums werden bekannterweise bei Gedächtnisstörungen und Hirnleistungsstörungen eingesetzt. Weiterhin sollen sie hirnzellschützende Eigenschaften besitzen, die Durchblutung und Sauerstoffversorgung der Zellen verbessern. Aus diesem Grund kann es nachweislich Patienten, die an einer Demenz leiden helfen.

Einigen Aussagen nach, soll Ginkgo eine antidepressive Wirkung besitzen und bei Symptomen der Depression helfen. Die klinischen Studien bestätigen einen solchen Effekt nicht. Laut einer Studie konnte bei der Behandlung einer Winter-Depression mit Ginkgo Extrakt, keine signifikanten Unterschiede im Vergleich zu einem Placebo-Präparat festgestellt werden. Hier sei ebenso anzuführen, dass die Studie mit nur 27 Personen durchgeführt wurde und im Jahre 1999 stattfand.

Ginkgo bei der Behandlung von Post-Stroke-Depression

In einer Studie aus dem Jahre 2019, konnte aber ein Bezug von Ginkgo zu einer speziellen Depressionsform hergestellt werden. Nach einem Schlaganfall kann es vorkommen, dass der Patient an einer Depression erkrankt (rund jede dritte Person). Solch eine Depression wird auch als Post-Stroke-Depression (kurz: PSD) bezeichnet.

Eine Linderung der depressiven Symptome kann dabei durch ein synthetisches Antidepressivum erfolgen. In der Studie wurden Patienten, die unter einer PSD leiden mit dem Antidepressivum Venlafaxin behandelt. Die Probanden wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhielt nur das Venlafaxin, während die andere Gruppe zusätzlich zum Venlafaxin den Extrakt des Ginkgos erhielt. Das Ergebnis zeigte, dass die zusätzliche Gabe des Ginkgos (sog. ‚Augmentation‘), zu einer besseren Linderung der Symptome einer PSD führte. Jedoch werden hier noch weitere Studien benötigt, um in Zukunft eine therapeutische Wirksamkeit vollständig zu bestätigen.

Hopfen

Abgesehen von der Herstellung von Bier, erfolgt eine Anwendung von Hopfenblüten oder -zapfen meist bei der Behandlung von Befindlichkeitsstörungen wie Unruhe, Angstzustände und Schlafstörungen. Entgegen vieler Aussagen wurde hier ebenfalls keine Studie durchgeführt, die repräsentativ eine antidepressive Wirkung des Hopfens bestätigt. In einer kleinen Studie wird über eine milde antidepressive Wirkung, durch eine vierwöchige Supplementierung von getrockneten Hopfenextrakten berichtet. Jedoch nahmen hierbei nur 36 Personen teil, welche durchschnittlich knapp 25 Jahre alt waren. Auch hier werden weitere Studien benötigt, um eine therapeutische, antidepressive Wirksamkeit zu beweisen.

Kratom

Bei Kratom handelt es sich um eine Pflanze mit unterschiedlichen Wirkungen. So liefern die Blätter des Baumes in geringen Dosen eine antriebssteigernde Wirkung, während es in hoher Dosis opioidähnlich wirkt, also schmerzlindernd und sedierend. Die Forschung steht hier jedoch noch am Anfang. Klinische Studien und Folgen eines längerfristigen Konsums fehlen. Aus diesem Grund wird Kratom in Deutschland nicht als Arzneimittel aufgeführt und ist daher nicht in einer Apotheke erhältlich. Ferner wird von einer schwach antidepressiven Wirkung des Kratoms berichtet. In einer Studie an Mäusen konnte dieser Effekt bestätigt werden. Jedoch ist solch eine Studie nicht direkt auf den Menschen übertragbar. Es fehlt also weiterhin immer noch eine ausreichende Evidenz für eine klinische Anwendung.

Passionsblume in Kombination mit Johanniskraut

Die Verwendung von Zubereitungen der Passionsblume findet unter anderem bei der Behandlung von Unruhe, Nervosität und Spannungszuständen statt. Sie besitzt eine beruhigende, sowie angstlösende Wirkung. Die Passionsblume wird gerne in Kombination mit Johanniskraut bei der Behandlung von leichten Depressionen eingesetzt. Die Passionsblume selbst besitzt keine antidepressive Wirkung. Klinisch wird diese Pflanze bzw. dessen Extrakt nicht als alleiniges Mittel, zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. In einer Studie jedoch konnte gezeigt werden, dass eine Kombination mit Johanniskraut, zu einer Wirkungsverstärkung des Johanniskrauts führt. Als Maß für die Stärke der Wirksamkeit galt die Hemmung der Wiederaufnahme des Serotonins.

Baldrian in Kombination mit Johanniskraut

Die Baldrianwurzel besitzt beruhigende, angstlösende und schlaffördernde Eigenschaften. Eine Anwendung dieser Pflanze findet bei Schlafstörungen, Unruhezuständen sowie Prüfungsangst und Nervosität statt. Auch diese Pflanze besitzt selbst keine antidepressive Wirkung, wird dennoch mit Johanniskraut kombiniert eingesetzt. In einer Studie konnte nämlich gezeigt werden, dass die Kombination beider Pflanzen einen wirkungsvollen synergetischen Effekt erzielt. Demnach konnte das Kombinationspräparat therapeutisch die gleiche Wirksamkeit wie das synthetische Antidepressivum Amitriptylin erzielen. Eine weitere Studie belegt ebenfalls, dass durch die Kombination, der antidepressive Effekt des Johanniskrauts früher eintritt (normalerweise ca. drei bis vier Wochen früher).

Gut zu wissen!

Weiterhin sollen bekanntlich folgende Pflanzen antidepressiv und stimmungsaufhellend wirken, besitzen jedoch keine Evidenz bzw. gar klinische Studien die eine Anwendung zur Behandlung von Depressionen erlauben:

  • Giftlattich
  • Kolanuss
  • Weißdorn
  • Baobab Frucht
  • Bittermelone

Welche Maßnahmen können die Stimmung aufhellen?

Abgesehen von Arzneimitteln können bestimmte Maßnahmen helfen, die Stimmung zu verbessern. Aus diesem Grund erfolgt eine Behandlung von Depression multimodal und nicht rein medikamentös.

Gesprächstherapie

Dies ist die klassische Form der Behandlung von psychischen Störungen. Bei dieser Form der Therapie versucht der Therapeut mit Gesprächen Störungen der Denkweise, Handlungsweise und des Erlebens zu identifizieren und zu therapieren. Wichtig hierbei ist, dass die Behandlung die Behebung eines bestimmten Problems anstrebt.

Sport

In einigen Studien konnte gezeigt werden, dass Sport präventiv gegen Depressionen helfen kann. Durch Bewegung und Sport wird folgendes erzielt:

  • Sport und Bewegung können regelrecht von Grübeleien und verschiedene Gedanken ablenken, da man seinen Fokus auf den Sport legt
  • Sport und Bewegung führen zur Aktivierung von verschiedenen Glückshormonen, die Stimmungsaufhellend wirken können

Lichttherapie

Eine weitere Maßnahme zur Reduktion von Symptomen einer Winterdepression, ist die Behandlung mit Licht. Dabei wird täglich Zeit vor einer hellen Speziallampe verbracht. Durch die Lichtrezeptoren im Sehnerv und der Netzhaut, wird vermehrt Serotonin im Körper produziert. Dies soll zu einem antidepressiven Effekt führen.

Wann können rezeptfreie Antidepressiva eingesetzt werden?

Wie oben bereits erwähnt findet eine Anwendung meist bei leichten bis mittelschweren Depressionen statt. Verschrieben werden vor allem standardisierte Johanniskrautextrakten bzw. bestimmte johanniskrauthaltige Präparate, da diese praktisch das einzige rezeptfreie Antidepressivum darstellen, das Depressionssymptome, therapeutisch wirksam, behandeln kann.

Winterdepression

Weiterhin können saisonale Formen einer Depression durch rezeptfreie Antidepressiva behandelt werden. Die Winterdepression stellt eine besondere Form dar, da sie nicht dauerhaft auftritt, sondern, wie der Name schon verrät, vor allem im Winter anzutreffen ist. Hierbei erleiden die Betroffenen temporär Symptome einer depressiven Verstimmung.

Ursache einer Winterdepression

Die Ursache liegt an einem gestörten Serotonin – und Melatonin-Haushalt. Während des Schlafs produziert unser Körper vermehrt das Hormon Melatonin. Melatonin hat einen schlaffördernden Effekt. Durch Tageslicht, wird die Produktion jedoch stark gehemmt und dafür vermehrt Serotonin freigesetzt. Das heißt beide Hormone bestimmen kombiniert die innere Uhr des Körpers bzw. den Tag-Nacht-Rhythmus (sog. ‚circadiane Rhythmik‘).

Nun ist es so, dass in den Wintermonaten die Tage bekanntlich kürzer werden. Dadurch kann es folglich zu einer Störung des Tag-Nacht-Rhythmus und durch übermäßige Dunkelheit zu einem Melatonin-Überschuss kommen.

Folgen und Symptome einer Winterdepression

Die Folgen sind typische Symptome einer Depression (zusätzlich bedingt durch einen verringerten Serotonin-Spiegel):

  • negative bzw. bedrückte Stimmung
  • Antriebslosigkeit

Gefolgt werden die Symptome von untypischen Depressionssymptomen (aufgrund von Melatonin-Überschuss) wie:

Durch Schmerzen induzierte Depression

Vielen Patienten ist die Tatsache nicht bekannt, dass Schmerzen und Depression häufig gemeinsam auftreten. Bei Personen die unter beiden Krankheiten leiden, führten in knapp 80 % der Fälle, die chronischen Schmerzen zu einer Depression. Dies ist beispielsweise bei Patienten, die unter Fibromyalgie leiden, der Fall. Auch bei dieser Form der Depression kann eine Anwendung eines rezeptfreien Antidepressivums erfolgen.

Führen Schmerzen öfter zu Depression? Was war zuerst da? Die Depression oder die Schmerzen? Im folgenden Video erklärt euch Dr. Dr. Tobias Weigl alles rund um das Thema Depression durch Schmerzen:

Führen Schmerzen öfter zu Depressionen? Depression durch Migräne, Fibromyalgie & Arthrose

Vorteile rezeptfreier Antidepressiva

Ein offensichtlicher Vorteil ist, dass rezeptfreie Antidepressiva im Vergleich zu rezeptpflichtigen frei erhältlich sind. Wie oben bereits erwähnt sind sie jedoch nicht so stark wirksam, sodass das Anwendungsgebiet eingeschränkt ist. Des Weiteren sei nochmals zu erwähnen, dass die oben erwähnten Beispiele womöglich die Stimmung etwas aufhellen können, für eine alleinige medikamentöse Therapie jedoch eher ungeeignet sind (mit Ausnahme von Johanniskrautpräparaten).

Weniger Nebenwirkungen

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Nebenwirkungen nicht so stark ausgeprägt sind, wie synthetisch hergestellte Antidepressiva. Auch hier sollte nochmal erwähnt sein: Pflanzlich bzw. natürlich bedeutet nicht automatisch ungefährlich. Auch Johanniskraut besitzt Nebenwirkungen, die nicht zu unterschätzen sind. Ein Beispiel wäre die Photosensibilität, die während der Therapie auftreten kann. Weiterhin kann es mit einer Reihe verschiedener Medikamente wechselwirken und zu schwerwiegenden unerwünschten Symptomen führen.

Verhinderung suizidaler Gedankengänge

Auch wenn laut Studien nicht viele davon betroffen sind, können synthetische Antidepressiva, vorallem in den ersten zwei Behandlungswochen suizidale Gedanken hervorrufen. Suizidales und feindseliges Verhalten tritt insbesondere bei Kindern und jungen Menschen vermehrt auf. Aus diesem Grund erfolgt eine Indikation von synthetischen Antidepressiva bei Menschen dieser Altersgruppe mit größter Vorsicht. Ein weiterer Vorteil rezeptfreier Antidepressiva ist demnach, dass sie keine suizidalen Gedanken hervorrufen.

Kein Abhängigkeitspotential und keine Absetzerscheinungen

Das sogenannte Abhängigkeitspotenzial bei Antidepressiva kommt folgendermaßen zustande. Wenn synthetische Antidepressiva zu schnell abgesetzt werden, können verschiedene Absetzerscheinungen auftreten. Dies stellt ein zentrales Problem vieler Antidepressiva dar. Die Art und Stärke der Absetzerscheinungen sind individuell unterschiedlich. Charakteristisch hierbei ist jedoch das Abklingen der Symptome bei einer erneuten Einnahme des Antidepressivums. Laut Studien liegt die Ursache an der veränderten Serotonin-Konzentration. Während der Therapie ist diese erhöht, bei einer abrupten Beendigung sinkt sie stark ab. Durch die Gegenregulation und Anpassung des Körpers an die neuen Verhältnisse kommt dies zu Stande. Die Lösung hierfür ist das sogenannte ‚Ausschleichen‘ des Medikaments. Dadurch wird die Dosis in einem definierten Zeitraum schrittweise runtergefahren, sodass eine Absetzung ohne starke Beanspruchung des Körpers erfolgt.

Dies stellt ebenfalls einen Vorteil der rezeptfreien Antidepressiva dar. Es treten keine Absetzerscheinungen im Zuge einer Beendigung der Therapie mit dem verwendeten Arzneistoff auf.

Haben Sie schonmal ein Antidepressivum zu sich genommen? Falls ja, welche Art von Antidepressivum war es und was hätten Sie eher bekommen wollen? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Antwort helfen Sie anderen Betroffenen dabei, ihre Symptome besser zu verstehen.

Fakten-Box – rezeptfreie Antidepressiva

Wirkung

  • antidepressiv
  • stimmungsaufhellend
  • antriebssteigernd

Anwendungsgebiete

  • leichte bis mittelstarke Depression
  • saisonale Depression (z.B. Winterdepression)
  • Stimmungstief

rezeptfreie Antidepressiva mit therapeutischer Wirksamkeit

  • Johanniskraut und Johanniskrautpräparate

Arzneimittel mit stimmungsaufhellender Wirkung, ohne Einsatz als Antidepressivum (aufgrund unzureichender Wirksamkeit)

  • Lavendel
  • Rosenwurz
  • Zitronenmelisse
  • Kamille
  • Kava-Kava (nicht mehr auf dem Markt aufgrund von Lebertoxizität)
  • Ginseng
  • Hopfen

Arzneimittel zur Augmentation von Antidepressiva

  • Ginkgo (kann laut Studie die Wirksamkeit vom Antidepressivum Venlafaxin steigern)
  • Passionsblume (kann laut Studie die antidepressive Wirksamkeit von Johanniskraut erhöhen)
  • Baldrian (kann laut Studie die antidepressive Wirksamkeit und den Wirkeintritt von Johanniskraut erhöhen)

stimmungsaufhellende Maßnahmen

  • Gesprächstherapien
  • Sport und Bewegung
  • Lichttherapie

Welche Hormone und Vitamine können Einfluss auf die Stimmung haben?

Bei einer Depression können verschiedene Vitamine, Hormone und Neurotransmitter im Ungleichgewicht sein. In verschiedenen Studien und Tests konnte gezeigt werden, dass die folgenden Substanzen einen Einfluss auf die Stimmung haben können:

Aktuelle Forschung – Omega-3-Fettsäuren führen nicht zu einer Linderung von Angst und Depression

Fisch ist ein wertvoller Bestandteil einer gesunden bzw. ausgewogenen Ernährung. Der menschliche Körper ist nämlich nicht im Stande, ungesättigte Fettsäuren selbst zu produzieren. Aus diesem Grund werden Omega-3-Fettsäuren, die auch zu den ungesättigten Fettsäuren gehören, als Nahrungsergänzungsmittel häufiger eingesetzt. Es wird damit beworben, dass sie zur Linderung von Depression und Angst beitragen. Ein britisches Forscherteam untersuchte diesen Sachverhalt Ende des Jahres 2019 in einer Studie.

Studiendesign

Für die Studie wertete das Team 31 Studien aus. Dadurch betrug die Teilnehmerzahl knapp 42.000 Menschen. Diese wurden über mindestens 24 Wochen mit Omega-3-Fettsäuren, mit dem Ziel einer Besserung psychischer Symptome, behandelt. Die untersuchten Studien waren alle placebokontrolliert.

Ergebnis der Studie

Signifikant konnte kein positiver Effekt auf Angststörungen und Depression nachgewiesen werden. Aus diesem Grund schlussfolgerte das Team, dass eine Gabe von Omega-3-Fettsäuren bei Depressionen und Angsterkrankungen weder schützend noch lindernd wirkt.

Quelle: Katherine H.O. Deane et al (2019): Omega 3- and polyunsaturated fat for prevention of depression and anxiety symptoms: systemic review and meta-analysis of randomized trials; British Journal of Psychiatry.

Häufige Patientenfragen

Darf ich rezeptfreie Antidepressiva während der Schwangerschaft oder Stillzeit einnehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Nein, eine Einnahme des rezeptfreien Antidepressivums Johanniskraut und seinen Präparaten wird aus Sicherheitsgründen während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen. Jedoch ist hier eine genaue Absprache mit einem Facharzt die beste Lösung, da das Nutzen-Risiko-Verhältnis hierbei genau geklärt werden kann.

Was kann ich tun, wenn rezeptfreie Antidepressiva nicht bei mir nicht wirken?

Dr. Dr. T. Weigl
Auch bei Johanniskraut tritt der gewünschte therapeutische Effekt erst nach ca. drei bis vier Wochen ein. Jedoch können eine Reihe unterschiedlicher Faktoren, zu einer Unwirksamkeit des Medikaments führen. Wichtig ist vorallem die Dosis, denn ist diese zu niedrig gewählt, so kann es nicht therapeutisch wirken. Gegebenenfalls sollte hier eine Absprache mit dem Arzt erfolgen, welcher dann entscheidet, ob die gewählte Dosis ausreicht. Ist die Form der Depression zu stark, kann ebenfalls die Verwendung eines rezeptfreien Antidepressivums dazu führen, dass eine gewünschte Wirkung ausbleibt. In solch einem Falle sollte vielleicht ein neues Therapiekonzept in Absprache mit dem Arzt erfolgen, da die gewünschte Wirksamkeit des rezeptfreien Medikaments einfach zu gering ist. Wichtig hierbei ist natürlich eine ausreichende Aufklärung über das neu angewendete Medikament in Bezug auf:

  • Wirksamkeit
  • Wirkeintritt
  • maximale Tagesdosis bzw. die vorgeschriebene Dosierung
  • Vorteile und Nachteile
  • Warnhinweise
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Lebensmitteln
  • Nutzen-Risiko-Verhältnis

Können rezeptfreie Antidepressiva abhängig machen?

Dr. Dr. T. Weigl
Der klassischen Definition nach handelt es sich bei Antidepressiva im Allgemeinen nicht um abhängigkeitsfördernde Arzneistoffe. Jedoch gewöhnt sich der Körper auf biochemischer Ebene an das Medikament, wodurch ein abruptes Absetzen erschwert wird. Typischerweise treten Absetzerscheinungen ein. Bei rezeptfreien Antidepressiva wie Johanniskraut und seinen Präparaten treten im Vergleich zu synthetisch hergestellten Antidepressiva keine Absetzerscheinungen ein.

Sind alle Johanniskrautpräparate rezeptfrei?

Dr. Dr. T. Weigl
Die meisten Johanniskraut-Präparate sind rezeptfrei, jedoch existieren ebenfalls einige rezeptpflichtige Präparate. Dies ist vorallem davon abhängig, wie stark es dosiert ist, um welche Art von Extrakt es sich handelt und welches Anwendungsgebiet es besitzt.

Exkurs: Was ist eine Depression und welche Arten existieren?

Depression ist eine Erkrankung der Psyche. Folgende Symptome kennzeichnen das Krankheitsbild der Depression:

  • starke Stimmungsschwankungen
  • Antriebslosigkeit
  • Interessensverlust
  • gedrückte Stimmung

Aufgrund seiner Vielschichtigkeit, existieren je nach Art der Depression weitere Symptome, die charakteristisch für die Art sind.

Ursache und aktueller Stand

Eine eindeutige Erklärung für die Entstehung von Depression gibt es bis dato nicht. Zahlreiche Hypothesen, versuchen mit verschiedenen Ansätzen den Ursprung zu erläutern. Die wohl bekannteste, ist die sogenannte Serotonin-Mangel-Hypothese. Diese besagt, dass ein Serotonin-Mangel im Gehirn zu den typischen Symptomen einer Depression führen kann. Dies ist der Grund, warum der Wirkmechanismus von Antidepressiva zu einer Erhöhung der Konzentration von Serotonin und anderen Botenstoffen (wie bspw. Adrenalin und Noradrenalin) führt. Dadurch wird einem Mangel entgegengewirkt. Jedoch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass dies nicht als alleinige Ursache für eine Depression gelten kann. Ein Zusammenspiel aus neurobiologischen und psychosozialen Prozessen kann für das Auftreten einer Depression verantwortlich sein.

Depressions-Arten

Folgende Formen von Depression können unterschieden werden (abgesehen von ihrer Schwere:

  • unipolare Depression (Major Depression)
  • rezidivierende unipolare Depression
  • psychotische Depression
  • bipolare Depression
  • chronisch depressive Verstimmung (Dysthymie)
  • saisonal bedingte Depression (Herbst-Winter-Depression)
  • Schwangerschaftsdepression

Weitere Informationen zu Thema Depression finden Sie in unserem Artikel „Depression und schlechte Stimmung – Ursachen, Symptome und Therapie“.

Typisches Patientenbeispiel

Es ist Winter und die weihnachtliche Stimmung steigt langsam. Nur bei Daniel ist dies nicht der Fall. Im Grunde genommen mag er Weihnachten, doch trübes Wetter und dunkle Nachmittage schlagen ihm mittlerweile mehr und mehr auf die Stimmung. Zum ersten Mal trat so eine starke Niedergeschlagenheit bei ihm letztes Jahr um diese Zeit auf. Erst dachte er, es würde an seinem gebrochenen Herz liegen, da er zu dem Zeitpunkt frisch mit seiner Ex-Freundin getrennt war. Doch die depressive Verstimmung meldet sich nun erneut. Er fing an zu grübeln und erkundigte sich.

Winterdepression

Erst will er es nicht wahrhaben, doch als sich seine Niedergeschlagenheit verschlimmert, sucht er einen Arzt auf. Der 29-jährige schildert dem Arzt sein Dilemma. „Wird es mir jetzt jeden Winter schlecht gehen? Ich möchte nicht wieder über alles grübeln oder alles anzweifeln. Ich möchte Spaß haben an Weihnachten und mich nicht unter der Decke verkriechen.“, erklärt er verzweifelt dem Arzt. „Das müssen Sie auch nicht, es gibt verschiedene Methoden und Ansätze, wie wir ihr Problem wieder in den Griff bekommen.“, erwidert der Facharzt. „Ja aber ich habe mich schon erkundigt und ich will ganz bestimmt kein Medikament haben. Immer mehr lese ich in verschiedenen Foren, dass Antidepressiva viele Nebenwirkungen haben. Ich möchte auch nicht ein Leben lang Medikamente zu mir nehmen. Das ist doch bestimmt gefährlich.“, antwortet er panisch.

Hilfreiche Verhaltensweisen

„Ich kann Sie beruhigen Herr Müller. Sie werden womöglich kein Medikament benötigen. Außerdem sind Medikamente nicht die einzige Option, um eine saisonale Depression zu behandeln. Aktivitäten wie Sport oder auch nur ein Spaziergang an der frischen Luft können ebenfalls hilfreich sein. Wichtig ist jedoch, dass Sie mir jede Veränderung mitteilen. Vorallem auch ob es Ihnen während der Therapie besser geht oder nicht.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Schajan Salahijekta
Lektorat: Timo Hülsmann
Veröffentlicht am: 16.03.2020

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