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Abnorme Gewichtszunahme trotz richtiger Ernährung und Sport – Warum nehme ich so stark zu?

Zwei Drittel der Männer und in etwa die Hälfte der Frauen in Deutschland sind übergewichtig, größtenteils aufgrund einer fehlerhaften Ernährung. Doch auch einige Erkrankungen oder Störungen können maßgeblich eine Gewichtszunahme verursachen, ohne dass ein enger Zusammenhang mit der Ernährung besteht.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Als Synonyme für eine abnorme Gewichtszunahme gelten unter anderem Adipositas und Übergewicht. In etwa 95 Prozent der Fälle ist ein solches Zuviel an Körpergewicht vor allem auf Überernährung zurückzuführen. Aber was ist los mit dem Körper, wenn trotz korrekter Ernährung und Sport die Kilos nicht purzeln, sondern draufkommen? Dahinter können mitunter ernstzunehmende Erkrankungen bzw. Störungen stecken, bspw. endokrine Störungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion.

Tatjana hat ihren Onkel Udo jetzt schon länger nicht gesehen, muss aber nach knapp einem halben Jahr erstaunt feststellen: „Du hast aber ordentlich zugelegt, Onkel. Macht dir Tante etwa mehr zu essen, jetzt, wo du im Ruhestand bist?“, fragt Tatjana ihn scherzhaft. „Kind, ich habe keine Ahnung, was los ist. Ich kriege immer noch die gleichen Portionen und auf Süßes habe ich sogar verzichtet. Zunehmen tue ich trotzdem! Und guck mal…“, sagt Udo und zieht seine Ärmel nach oben, „…ich werd nur im Gesicht und am Bauch dick. Dann krieg ich noch so komische ‚Schwangerschaftsstreifen‘ und hab weniger Kraft als sonst.“ Tatjana schaut besorgt drein und sagt schließlich: „Wie wär es, wenn du zumindest vorsichtshalber mal beim Arzt vorbeischauen würdest?“

Wann spricht man von einer abnormen Gewichtszunahme?

Eine abnorme Gewichtszunahme liegt dann vor, wenn der Body-Mass-Index (BMI) die 30,0 überschreitet. Ab dann spricht man laut Weltgesundheitsorganisation von einer Adipositas (besser bekannt als Fettleibigkeit) 1. Grades. Die Unterteilung von Adipositas erfolgt in drei Stadien:

StadiumBody-Mass-Index (BMI)
Adipositas 1. Grades30,0–34,9
Adipositas 2. Grades35,0–39,9
Adipositas 3. Grades≥40
Mithilfe des Body-Mass-Index lässt sich generell errechnen, ob eine Person unter-, normal- oder übergewichtig ist. Dabei wird die Körpergröße mit dem Körpergewicht in Relation gesetzt. Die Formel zur Berechnung des BMI lautet:

Körpergewicht (in kg) geteilt durch Körpergröße (in m) zum Quadrat

Ein bspw. 75 kg schwerer Mann mit einer Körpergröße von 1,75 Metern kommt durch die Rechnung

75 : (1,75*1,75)

auf einen BMI von etwa 24,49 und gilt somit noch als normalgewichtig. Ab einem BMI von 25 würde man schon von Übergewicht sprechen. In diesem Zusammenhang empfehlen wir die Lektüre unseres Artikels zum Thema, in dem detailliert auf die Umstände von Fettleibigkeit eingegangen wird.
95 Prozent und mehr aller Fälle von Adipositas sind auf Überernährung zurückzuführen. Allerdings können dahinter auch andere Ursachen stecken, auf die Betroffene kaum direkten Einfluss nehmen können und die ärztlicher Behandlung bedürfen. Mehr dazu erfahren Sie im nachfolgenden Artikel.
 

Video: Adipositas
Wenn Sie sich vorab weiter über Übergewicht informieren möchten, schauen Sie sich doch folgenden Beitrag an, in dem Dr. Tobias Weigl sich mit dem Thema Adipositas im Detail auseinandersetzt und unter anderem der Frage nachgeht, worauf man achten muss, wenn man mit Adipositas Sport treiben möchte.

Was sind die möglichen Ursachen für eine abnorme Gewichtszunahme?

Wie bereits erwähnt, ist für Adipositas in den meisten Fällen eine falsche Ernährung bzw. eine Überernährung verantwortlich. Dies hängt u. a. eng damit zusammen, dass die Nahrungsaufnahme bei vielen Menschen nicht mehr durch natürlich körperliche Reize wie Hunger und Sättigung gesteuert wird, sondern vielmehr gewohnheitsmäßige und psychosoziale Verhaltensweisen das Essen bestimmen. Abgesehen von einer vermehrten Kalorienzufuhr infolge falscher Ernährungsgewohnheiten können aber auch diverse Erkrankungen und Störungen eine Gewichtszunahme bedingen. Diese werden im Folgenden unterteilt in:

  • Endokrine Störungen
  • Syndrome
  • Medikamente
  • Andere Ursachen für Fettsucht

Endokrine Störungen

Die Endokrinologie befasst sich mit allen Aspekten des sogenannten Endokriniums, auch bekannt als endokrines System. Dieser Begriff bezeichnet die Gesamtheit aller Organsysteme des Körpers, die endokrin aktiv sind. Weit gefasst bezeichnet dieser Begriff alle das Hormonsystem betreffenden Aspekte, eng gefasst beschreibt er den Sekretionsmechanismus, bei dem Hormone oder bspw. auch Wachstumsfaktoren über das Blut zum Zielort transportiert werden. Das Endokrinium ist also ein Mechanismus, der die Kommunikation zwischen Zellen und Organen ermöglicht und für diverse Aspekte zuständig ist, darunter unser Wachstum und unsere Entwicklung, die Fortpflanzung, die Anpassung an unsere Umwelt sowie unsere Reaktion auf Stress. Das Endokrinium verbindet ähnlich wie unser Nervensystem alle Organe miteinander, und die beiden Systeme stehen in enger Wechselbeziehung zueinander. So werden über das Gehirn bspw. Hormone ausgeschüttet, die den Körper samt seiner Funktionen hormonell beeinflussen. Das Gehirn empfängt aber im Umkehrschluss auch viele Hormone als Zielorgan. Ist das Endokrinium gestört, kann es zu zahlreichen Erkrankungen kommen. Dazu gehören u. a. der Diabetes mellitus, besser bekannt als Zuckerkrankheit, oder Erkrankungen der Schilddrüse wie bspw. eine Schilddrüsenüberfunktion (sog. ‚Hyperthyreose‘). Im Nachfolgenden wird vor allem auf diejenigen endokrinen Störungen eingegangen, die mit einer abnormen Gewichtszunahme in Verbindung stehen.

  • Hypophysenüberfunktion: Im Rahmen einer Hypophysenüberfunktion besteht häufig ein sogenanntes eosinophiles Adenom. Dabei handelt es sich um einen Tumor, der dafür sorgt, dass Wachstumshormone vermehrt ausgeschüttet werden. Bei Kindern und Jugendlichen, deren Epiphysenfugen noch nicht geschlossen sind, kommt es in der Folge zu Riesenwuchs. Die Epiphysenfugen, auch bekannt als Wachstumsfugen, sind verantwortlich für den Knochenwuchs in die Länge, welcher in der Regel über einen Zeitraum von 16–20 Jahren erfolgt. Im Anschluss an diesen Prozess verknöchern diese Fugen und das Wachstum wird gestoppt. Der Riesenwuchs bezeichnet die starke Vergrößerung des ganzen Körpers oder einzelner Körperteile. Sind die Epiphysenfugen geschlossen, kommt es stattdessen zum Großwuchs der Körperenden (sog. ‚Akromegalie‘), bei dem sich Hände und Füße vergrößern und die Gesichtszüge gröber werden. Zu den Symptomen zählen Stammfettsucht (also eine Gewichtszunahme vor allem im Bereich des Bauchs) und ein „Vollmondgesicht“. Hinzu kommen Bluthochdruck, eine Stoffwechsellage ähnlich der bei Diabetes mellitus sowie eine Entkalkung der Knochen (sog. ‚Osteoporose‘).
  • Nebennierenüberfunktion: Eine Nebennierenüberfunktion ist meist auf einen Morbus Cushing zurückzuführen, kann aber auch Karzinome oder Adenome der Nebennierenrinde, ein Adenom des Hypophysenvorderlappens, eine Hyperplasie der Nebennierenrinde oder eine Überdosierung von Kortison im Rahmen einer Therapie als Ursache haben. Bei einem Morbus Cushing werden die Nebennieren durch eine Störung der Hirnanhangdrüse dazu veranlasst, mehr Cortisol als nötig zu produzieren, was zu einer Gewichtszunahme am Körperstamm und im Gesicht (Vollmondgesicht, Hamsterbacken) führt. Mehr dazu erfahren Sie weiter unten unter „Morbus Cushing“.
  • Schilddrüsenunterfunktion: Als Schilddrüsenunterfunktion (sog. ‚Hypothyreose‘) bezeichnet man die verminderte oder gänzliche ausbleibende Produktion von Schilddrüsenhormonen. Häufige Ursachen dafür sind eine zu niedrige Dosis im Rahmen einer Behandlung mit Schilddrüsenhormonen, eine zu hohe Dosis Medikamente bei der Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion sowie die sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis, eine autoimmunbedingte Entzündung der Schilddrüse. Zu den Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion zählt neben Müdigkeit, Flüssigkeitseinlagerungen (sog. ‚Ödeme‘), depressiver Stimmung, Verstopfung, Kälteempfindlichkeit, langsamem Puls, Muskelschwäche, Konzentrationsstörungen und trockener Haut samt Haarausfall auch eine Gewichtszunahme.
  • Morbus Cushing: Diese Störung ist auch bekannt als Cushing-Syndrom. Von Morbus Cushing Betroffene leiden an einer gesteigerten Produktion des Hormons Cortisol, meist ausgelöst durch einen gutartigen (sog. ‚benignen‘) Tumor in der Hirnanhangdrüse (sog. ‚Hypophyse‘). Dadurch ergibt sich zunächst eine Überproduktion des Hormons ACTH, welches wiederum die Nebennieren stimuliert, mehr Cortisol zu produzieren. Zu Beginn der Erkrankung ist vor allem eine Gewichtszunahme im Bereich des Körperstamms und des Gesichts auffällig, während Arme und Beine schlank bleiben.
  • Ovarien-Unterfunktion: Allgemein bezeichnet man eine Unterfunktion der Eierstöcke (sog. ‚Ovarien‘) als Ovarialinsuffizienz und beschreibt damit den vorzeitigen Verlust bzw. die Verminderung der Eierstockfunktionen. Im Zusammenhang mit einer abnormen Gewichtszunahme steht dabei vor allem die Sonderform PCOS, das Polyzystische Ovarien Syndrom (von engl. polycystic ovary syndrome). Diese gehört zu den sogenannten hyperandrogenämischen, normogonadotropen Ovarialinsuffizienzen und geht einher mit Zyklusstörungen, männlichem Behaarungstyp, Akne, Haarausfall und einer Zunahme männlicher Geschlechtshormone im Blut. Mitunter kommt es bei betroffenen Frauen zu Brust- und Oberschenkelbehaarung, Bartwuchs, einer tiefen Stimme, Glatzenbildung, unterentwickelten Brüsten und einer vergrößerten Klitoris. Diese Veränderungen können minimal oder aber sehr stark ausgeprägt sein. Teilweise kommt es bei den Betroffenen auch zu Übergewicht.

Syndrome

Als Syndrom bezeichnet man in der Regel ein Krankheitsbild, dessen Symptome immer in einer bestimmten Konstellation auftreten und die allesamt auf eine gleiche Ursache zurückzuführen sind. Die Symptome treten meist gemeinsam auf. Aber welche Syndrome hängen mit einer abnormen Gewichtszunahme zusammen? Ebendieser Frage gehen wir im Folgenden nach und nennen beispielhaft drei Syndrome.

  • Prader-Labhart-Willi-Syndrom: Prader-Labhart-Willi-Syndrom, auch bekannt als Prader-Willi-Syndrom (kurz: PWS) bezeichnet eine genetische Erkrankung, die 1956 erstmals von den Schweizer Kinderärzten Andrea Prader, Alexis Labhart und Heinrich Willi beschrieben wurde. Im Durchschnitt ist jedes 15.000ste Neugeborene von dem Defekt auf Chromosom 15 betroffen. Dieser Effekt führt schon im Rahmen der Schwangerschaft zu Veränderungen im Hypothalamus, unserer Schaltzentrale im Gehirn, die zuständig ist für die Steuerung unserer Nahrungsaufnahme, unserer Körpertemperatur, unseres Blutdrucks, unserer Atmung, unseres Sexualverhaltens und unseres Schlafrhythmus’. In der Regel führen diese Veränderungen dazu, dass Betroffene kleinwüchsig sind und vor allem in frühen Jahren eine schwach ausgebildete Muskulatur haben. Im Zusammenhang mit abnormer Gewichtszunahme sei aber vor allem auf den Umstand hinzuweisen, dass an PWS erkrankte kein Sättigungsgefühl haben und daher ihr Essverhalten auch nicht so leicht regulieren können, denn sie leiden an unstillbarem Appetit. Dies kann zu lebensgefährlichem Übergewicht samt möglicher Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.
  • Laurence-Moon-Biedl-Bardet-Syndrom: Dieses Syndrom, mitunter unterteilt in Laurence-Moon- und Biedl-Bardet-Syndrom, beschreibt eine gengebundene Erkrankung, die vererbbar ist. An dem Biedl-Bardet-Sydrom erkrankt etwa jedes 20.000ste Kind. Zu den wichtigsten Kennzeichen der Erkrankung gehören eine geistige Behinderung (sog. ‚mentale Retardierung‘), Adipositas, mehr als fünf Finger oder Zehen an Händen bzw. Füßen (sog. ‚Polydaktylie‘), unterentwickelte Geschlechtsorgane (sog. ‚Hypogenitalismus‘) sowie die sogenannte Retinopathia pigmentosa. Letztere beschreibt eine Gruppe erbliche Augenerkrankungen, bei der es zum schrittweisen Absterben der Netzhautzellen kommt. In der Folge leiden Betroffene an einer verringerten Sehschärfe, Nachtblindheit und Ausfällen im äußeren Gesichtsfeld.
  • Morgagni-Syndrom: Bei dem Morgagni-Sydrom handelt es sich um eine Symptomkonstellation bestehend aus Adipositas, Hirsutismus und Hyperostose, die vor allem bei Frauen vorkommt. Als Hirsutismus bezeichnet man den Umstand, dass Frauen männliches Haar an Körper, Gesicht und im Genitalbereich wächst. Eine Hyperostose beschreibt indes die überschüssige Bildung von Knochengewebe.

Es gibt noch mehr Syndrome, die mit einer abnormen Gewichtszunahme in Zusammenhang stehen können, auf die an dieser Stelle aber nicht im Detail eingegangen wird. Dazu zählen u. a.:

  • DIDMOAD-Syndrom, auch bekannt als Wolfram-Syndrom
  • Carpenter-Syndrom
  • Cohen-Syndrom
  • Morel-Syndrom
  • Morgagni-Stewart-Morel-Syndrom

Medikamente

Diverse Medikamente können auf ihre ganz eigene Art zu einer Gewichtszunahme beitragen, indem sie bspw. bestimmte physiologische Prozesse ankurbeln oder hemmen. Im Nachfolgenden nennen wir einige Beispiele, die mit einem zunehmenden Körpergewicht einhergehen können:

  • Psychopharmaka: Als Psychopharmaka bezeichnet man diejenigen Medikamente, die zum Einsatz kommen, um die psychische Verfassung von Menschen zu verändern. Diesen Effekt erzielen sie, indem sie Stoffwechselvorgänge im Gehirn beeinflussen. Heutzutage gehören Psychopharmaka zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten und finden nicht nur im Bereich der Psychotherapie, sondern auch in vielen anderen Fachbereichen Anwendung. Allerdings gehen auch sie mit Nebenwirkungen einher. Im Zusammenhang mit diesem Artikel besprechen wir im Folgenden den Aspekt der Gewichtszunahme bei der Einnahme von Antidepressiva und Neuroleptika, die beide jeweils eine von sieben Untergruppen der Psychopharmaka bilden. Eine Gewichtszunahme bei Patienten, die Antidepressiva oder Neuroleptika einnehmen, ereignet sich nicht selten. Allerdings kann diese Gewichtszunahme zwei Bedeutungen haben. Zum einen kann sie gedeutet werden als psychische Stabilisierung: Patienten, die in einer akuten Krankheitsphase Essen gemieden haben, fangen wieder damit an, regelmäßig Mahlzeiten zu sich zu nehmen und legen daher an Gewicht zu. Zum anderen kann es sich bei der Gewichtszunahme aber auch um eine unerwünschte Medikamentennebenwirkung handeln. So gehen vor allem tri- und tetrazyklische Antidepressiva (bspw. Amitriptylin, Mirtazapin), sogenannte Phasenprophylaktika wie Lithium oder Valporinsäure, die Serotoninwiederaufnahmehemmer (kurz: SSRI) Paroxetin und Citalopram sowie die Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (kurz: SNRI) mit einer hohen bzw. moderaten Risiko der Gewichtszunahme einher. In dem Zusammenhang mit derlei Medikamente muss eine Gewichtszunahme aber als multifaktoriell betrachtet werden. So kann in einigen Fällen nicht das Medikament allein, sondern möglicherweise auch die Erkrankung selbst Ursache der Gewichtszunahme sein. Dies ist bspw. der Fall, wenn depressive Patienten versuchen, ihre Stimmung aufzuhellen, indem sie essen (vor allem Süßigkeiten).
  • Gestagene: Bei Gestagenen handelt es sich um Steroidhormone, die vor allem in der Frauenheilkunde zum Einsatz kommen. Sie werden u. a. eingesetzt zur Schwangerschaftsverhütung (sog. ‚hormonelle Kontrazeption‘), bei der Zyklusregulierung oder auch bei Endometriose. In Kombination mit Estrogen finden Gestagene zudem Verwendung bei u. a. Menstruationsschmerzen, Eierstockzysten oder einer Mastopathie, also bei Schwellungen, Knoten, Zysten oder Schmerzen in der Brust. Zu den hauptsächlichen Nebenwirkungen der Gestagene zählen Akne, depressive Verstimmungen, Veränderungen der Libido, irreguläre Monatsblutungen sowie Gewichtszunahme.
  • Thyreostatika: Thyreostatika kommen bei der Behandlung von Schilddrüsenüberfunktion (sog. ‚Hyperthyreose‘) zum Einsatz und sorgen dafür, dass die Produktion von Schilddrüsenhormonen gehemmt wird. Die Gewichtszunahme hängt hier, so komisch es sich anhört, mit der häufigen Gewichtsabnahme bei Schilddrüsenüberfunktion zusammen. Denn an Schilddrüsenüberfunktion Erkrankte führen dem Körper häufig mehr Kalorien zu, um der rasanten Gewichtsabnahme entgegenzuwirken. Wird dies in Kombination mit den Thyreostatika nicht schleunigst angepasst, kommt es zur unerwünschten Gewichtszunahme.
  • Insulin: Bei Insulin handelt es sich um ein Hormon, das verantwortlich ist für den Transport von Zucker aus dem Blut hin zu den jeweiligen Zellen sowie die Regulation von Fett- und Eiweißhaushalt. In der Regel wird Insulin bei gesunden Menschen in der Bauchspeicheldrüse (sog. ‚Pankreas‘) hergestellt. Diabetiker, vor allem die an Typ 1 Erkrankten, leiden unter einer konstant verringerten oder gar ausbleibenden Insulinbildung, weshalb sie sich das lebensnotwendige Hormon in den meisten Fällen selbst spritzen müssen. Diesen Umstand bezeichnet man als Insulintherapie. Dieser wird nachgesagt, dass sie für eine starke Gewichtszunahme verantwortlich sei. Allerdings ist dies nicht unbedingt allein auf das Insulin zurückzuführen. Zunächst sollte eines geklärt werden: Beginnt man eine Therapie mit Insulin, kann es sein, dass man 2–4 Kilogramm zulegt. Dies hängt aber damit zusammen, dass Insulin die Stoffwechsellage verbessert. Eine erhöhte, ungebremste Kalorienzufuhr kann in diesem Zusammenhang dann dazu führen, dass man an Gewicht zulegt. Aber es gibt noch weitere Gründe, warum Personen nach Beginn einer Insulintherapie zunehmen können. Es ist bspw. möglich, dass ein ehemals entgleister Diabetes – im Rahmen wessen Betroffen sehr häufig Wasser lassen und so Körperwasser ausschwemmen – korrekt eingestellt wird und die Gewichtszunahme dann mit einem normalisierten Wasserhaushalt in Verbindung steht. Des Weiteren begünstigt Insulin eine verbesserte Stoffwechsellage in Bezug auf den Blutzucker. Bei schlecht eingestelltem Diabetes werden ab einem bestimmten Schwellenwert Zucker und somit Kalorien über die Niere ausgeschieden. Auch dieser Aspekt entfällt, wenn die Insulintherapie entsprechend anschlägt. Zu guter Letzt kann ein Zuviel an gespritztem Insulin öfter zu Unterzuckerungen und somit zu einer erhöhten Kalorienzufuhr führen, da Betroffene den niedrigen Blutzuckerwerten mit mehr Essen als notwendig begegnen. In der Folge nehmen sie zu.
  • Steroide: Bei Steroiden handelt es sich um Medikamente, die bspw. im Rahmen rheumatoider Arthritis Anwendung finden. Dort kann das Steroid Prednison als sogenannter „bridging agent“ fungieren, um die Dauer bis zum Wirkeintritt des eigentlichen Medikaments (bspw. Methotrexat) zu überbrücken. Auf diese Weise können entzündliche Prozesse unter Kontrolle gebracht werden. Allerdings kann sich durch die Gabe auch das weiter oben erwähnte Cushing-Syndrom bzw. ein Morbus Cushing entwickeln. Dieser hat, wie ebenfalls bereits geschildert, zahlreiche Charakteristika, zu denen u. a. eine Gewichtszunahme sowie eine Entstellung des Gesichts gehören.
Exkurs: Rheumatoide Arthritis
Die rheumatoide Arthritis (kurz: RA) bezeichnet eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung mit bisher weitestgehend unbekannter Ursache. Es handelt sich Vermutungen zufolge aber um eine Kombination aus familiärer Veranlagung (sog. ‚genetischen Disposition‘) und einer Immunreaktion auf einen unbekannten Infekt. Die meisten Personen erkranken in einem Alter zwischen 35 und 55 Jahren. Von der Erkrankung betroffen sind vor allem die Gelenke, aber auch Herz, Lunge oder Augen können in Mitleidenschaft gezogen werden.
Betroffene leiden vor allem an Fehlstellungen sowie Problemen an Händen und Füßen. Hinzu kommen eine etwa einstündige Morgensteifigkeit sowie Schmerzen beim Händedruck. Die Gelenke können im Verlauf der RA anschwellen. Dabei sind immer erst kleine und erst später größere Gelenke betroffen. Als Folgeerkrankungen ergeben sich häufig eine Sehnenscheidenentzündung und/oder ein Karpaltunnelsyndrom.
Zunächst wird sich ein Arzt danach erkundigen, ob es in der Familie bereits zu Fällen von RA gekommen ist. Darüber hinaus inspiziert und ertastet er die von der Erkrankung betroffen stellen und setzt bildgebende Verfahren wie einen Ultraschall ein, um mögliche Gelenkergüsse zu erkennen. Eine Röntgenuntersuchung lässt sich dann noch die für RA typische Zerstörung der Knochen erkennen.
Für die Behandlung gilt grundsätzlich: Je früher, desto besser, gemäß dem Grundsatz: „Hit hard and early.“ Denn je eher die Behandlung beginnen kann, desto günstiger die Prognose für den weiteren Verlauf. Die zwei essentiellen Bausteine einer RA-Therapie bilden Medikamente, z. B. Methotrexat, Sulfasalazin oder Ciclosporin A, und die Physiotherapie.
Wenn Sie mehr über die rheumatoide Arthritis, ihre Behandlungsmöglichkeiten sowie den prognostizierten Verlauf der Erkrankung wissen möchten, empfehlen wir die Lektüre des umfassenden Artikels „Rheumatoide Arthritis bzw. Rheuma – Ursachen, Symptome und Behandlung“. Überdies können Sie sich zum Thema auch den detaillierten Video-Beitrag von Dr. Tobias Weigl zum Thema Rheuma ansehen, in dem er neben Diagnose und Behandlung auch erklärt, was der sogenannte Rheuma-Knoten ist.

Andere Ursachen für eine abnorme Gewichtszunahme

  • Lipomatosis dolorosa: Auch wenn die Lipomatosis dolorosa (kurz: Ld), auch bekannt als Morbus Dercum, im deutschsprachigen Raum als eher unbekannt gilt, soll sie an dieser Stelle Erwähnung finden. Bei der Erkrankung bilden sich Fettgewebsablagerungen in der Unterhaut, die zum Teil sehr starke Schmerzen verursachen, die mitunter bereits durch die kleinste Berührung ausgelöst werden (bspw. Kleidung). Die Ablagerungen bilden sich vorwiegend an der Innenseite der Oberarme, am Ellbogengelenk, am Bauch, am Gesäß, an den Kniegelenken sowie den Innen- und Außenseiten der Oberschenkel. Eine Behandlung mit herkömmlichen Schmerzmitteln sowie nicht-steroidalen Antirheumatika (z. B. Ibuprofen, Diclofencac oder Aspirin) erzielt in den meisten Fällen eine kaum nennenswerte Besserung.
  • Madelung-Fetthals: Der Madelung-Fetthals beschreibt eine seltene Erkrankung mit unbekannter Herkunft (Alkoholmissbrauch steht im Verdacht, die Erkrankung zu begünstigen), bei der sich Fettgewebe symmetrisch im Bereich von Hals und Kopf ablagert. Betroffen sind beinahe ausschließlich Männer in einem Alter zwischen 35 und 60 Jahren.
  • Die Symptome: Welche Beschwerden hat man, wenn man an einer abnormen Gewichtszunahme leidet?

    Zunächst sei an dieser Stelle zu erwähnen, dass es sich bei abnormer Gewichtszunahme natürlich selbst um ein Symptom handelt. Abhängig von der jeweiligen Ursache kann es aber zu zahlreichen Begleitsymptomen kommen.
    So können bspw. eine Antriebsschwäche, eine verringerte Toleranz gegen Kälte, trockene Haut sowie eine raue und heisere Stimme, verringerter Blutdruck und verringerter Puls auf eine Schilddrüsenunterfunktion hindeuten.
    Nehmen Sie hingegen seit einer gewissen Zeit ein Medikament und haben deswegen an Gewicht zugelegt, so besteht der Verdacht auf eine durch ebendieses Medikament verursachte Gewichtszunahme.
    Demgegenüber kann es auch sein, dass Sie Akne bekommen, ihnen männliches Haar wächst, gegebenenfalls gar das Haar ausfällt, ihre Regelblutung verringert ausfällt oder gar nicht mehr stattfindet. Dann besteht der Verdacht, dass die Gewichtszunahme auf das Polyzystische Ovarien Syndrom zurückführbar ist.
    Kommt es aber zu Dehnungsstreifen auf der Haut (sog. ‚Striae‘), leiden Sie an Muskelschwund und verkümmert die Haut, werden die Knochen brüchig und leiden Sie zunehmend an depressiven Verstimmungen, kann der Gewichtsverlust mit dem Cushing-Syndrom zusammenhängen.
    Wie Sie sehen, fallen die jeweiligen Symptome je nach Grunderkrankung vollkommen unterschiedlich aus, weshalb es immer wichtig ist, einen Symptomenkomplex zu betrachten und dahingehend eine eindringliche Untersuchung anzustellen. Wie der behandelnde Arzt dabei vorgeht, erfahren Sie im nachfolgenden Kapitel zum Aspekt „Diagnose“.

    Haben Sie schon einmal stark zugenommen, obwohl sich an ihrem Ess- und Bewegungsverhalten eigentlich nichts geändert hat? Welche Ursache lag der abnormen Gewichtszunahme zugrunde? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an dieser Umfrage helfen Sie anderen Betroffenen dabei, ihre Situation besser einschätzen zu können.

    Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

    Gehen Sie aufgrund einer sehr starken, unnatürlichen Gewichtszunahme zum Arzt, so wird dieser mit ihnen zunächst ein ausführliches Anamnesegespräch führen. Dabei handelt es sich um das Gespräch zwischen Arzt und Patient, in dem allgemeine Fragen zur Person sowie zur familiären Krankengeschichte, aber auch spezifische, auf die Beschwerden bezogene Fragen gestellt werden. Im Rahmen abnormer Gewichtszunahme wird sich ihr Arzt daher vor allem nach dem Beginn der Gewichtszunahme erkundigen und feststellen wollen, ob dieser zeitlich zusammenhängt mit

    • veränderten Lebensumständen,
    • einer Schwangerschaft,
    • den Wechseljahren,
    • einer Medikamenteneinnahme
    • oder psychischen Belastungen.

    Überdies ist für den Arzt von Interesse, wie das familiäre Essverhalten gestaltet ist, wie stark die Gewichtszunahme ausfällt, ob und wenn ja wie viel Alkohol getrunken wird und ob der Patient eine eigene Theorie bzgl. der Ursache der Gewichtszunahme hat. Zu guter Letzt wird er sich noch nach Symptomen und Erkrankungen erkundigen, die mit einer Gewichtszunahme möglicherweise in Verbindung stehen und die Lebenserwartung des Patienten maßgeblich beeinflussen können. Dazu gehören u. a.:

    Achtung!
    Seien Sie beim Arzt ehrlich. Nicht wenige Patienten betrachten das Thema Gewichtszunahme persönlich als sehr schambehaftet und neigen daher dazu, bspw. ihre Ernährungsgewohnheiten falsch darzustellen. Der Mediziner spricht in diesem Zusammenhang von Negierungstendenzen.

    Dieses Gespräch gibt dem Arzt bereits wertvolle Hinweise auf eine mögliche Erkrankung. Um einem Verdacht weiter nachzugehen, unternimmt der Arzt dann im Folgenden eine körperliche Untersuchung. Im Rahmen dieser wird bspw. der eingangs erwähnte BMI ermittelt. Außerdem führt der Arzt eine Sichtinspektion bestimmter Körperareale durch, die mit der Gewichtszunahme in Verbindung stehen können, und tastet diese Areale auch ab (sog. ‚Palpation‘). Dabei wird bspw. danach geschaut, wie das Körperfett verteilt ist, bspw. apfelförmig oder birnenförmig, nur an bestimmten Stellen usw. In diesem Zusammenhang wird häufig auch der Taillen- bzw. Hüftumfang gemessen sowie der Patient gewogen. Hinzu kommt das Abklopfen (sog. ‚Perkussion‘) der möglicherweise für die Gewichtszunahme verantwortlichen Organe sowie ein Abhören dieser (sog. ‚Auskultation‘).
    In einem weiteren Schritt kann zur Sicherung der Diagnose dann noch eine laborchemische Untersuchung erfolgen. In diesem Rahmen werden u. a. der Blutzucker, die Blutwerte sowie der TSH bestimmt. Bei letzterem handelt es sich um das Thyreoidea stimulierende Hormon, welches mitunter die Hormonproduktion der Schilddrüse anregt. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion ist dieser Wert erniedrigt.
    Letztlich kann bei Verdacht auf eine entsprechende Erkrankung noch die Bildgebung erfolgen. Diese umfasst grob Ultraschalluntersuchungen, vor allem im Bereich des Bauchs, Röntgenuntersuchungen sowie Computertomografie und Magnetresonanztomografie. Welches dieser Verfahren letzten Endes Anwendung findet, hängt von den zuvor ermittelten Befunden ab.

    Exkurs: Bildgebende Verfahren
    Worin unterscheiden sich Röntgen, Computertomografie (kurz: CT) und Magnetresonanztomografie (kurz: MRT) eigentlich? Im Grunde werden die einzelnen Verfahren danach ausgesucht, was letztlich abgebildet werden soll.
    So kommt eine Röntgenuntersuchung vor allem dann zum Einsatz, wenn man knöcherne Strukturen abbilden und anschließend beurteilen möchte. Nicht hingegen eignet sich Röntgenstrahlung für die Abbildung von Weichteilen, Nerven und Rückenmark.
    Eine Computertomografie ist eine spezielle Art der Röntgenuntersuchung. Dabei werden sogenannte Schnittbilder erstellt, der Körper wird in „Scheiben“ unterteilt, die nur mehr wenige Millimeter dick sind. Dieses Verfahren ermöglicht Röntgenbilder aus verschiedenen Richtungen und auf verschiedenen Ebenen, letztlich ergibt sich eine dreidimensionale Darstellung.
    Die Magnetresonanztomografie basiert nicht auf Strahlung, sondern auf der Magnetfelderzeugung und ermöglicht anders als CT und Röntgen die Darstellung von Weichteilen wie bspw. Bandscheiben, Knorpel oder Muskeln. Auf diese Weise lässt sich bspw. ein Bandscheibenvorfall erkennen. Wie man die Bandscheiben anhand einer via MRT erstellten Aufnahme beurteilt, können Sie im zugehörigen Artikel „Bandscheibenvorfall MRT: Muss ich bei Rückenschmerzen in die Röhre?“ nachlesen.
    Die hier genannten bildgebenden Verfahren sind in unserem Artikel „Die Radiologie: Nutzen von Röntgen, MRT, CT und Myelografie“ im Detail erklärt. Zudem können Sie sich gerne das nachfolgende Video zum Thema ansehen, in dem Dr. Tobias Weigl und Radiologe Dr. Heinz Schlolaut die Arbeit in der Bildgebung erklären sowie die Vor- und Nachteile der jeweiligen Verfahren erörtern.

    Faktenbox
    Abnorme Gewichtszunahme
    Bei Adipositas wird zwischen Adipositas 1., 2. und 3. Grades unterschieden

    In 95 Prozent der Fälle auf falsche Ernährung zurückzuführen, mitunter aber durch diverse Erkrankungen oder Störungen verursacht

    Verantwortlich können endokrine Störungen, aber auch Medikamente sein

    Symptome

    Betroffene nehmen ohne erklärbaren Grund stark zu

    Begleitsymptome

    • Können vielfältig sein und hängen mit der Ursache für die Gewichtszunahme zusammen
    • Antriebsschwäche, Kälteintoleranz, trockene Haut, niedriger Blutdruck → Schilddrüsenunterfunktion
    • Akne, männlicher Haarwuchs, Haarausfall, verminderte Regelblutung → Polyzystisches Ovarialsyndrom
    • Hautdehnungsstreifen, Muskelschwund, brüchige Knochen, verkümmerte Haut → Morbus Cushing

    Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

    Die Behandlung einer abnormen Gewichtszunahme erfolgt je nach Ursache. Eine symptomatische Behandlung kann aber anfangs auch Erfolg versprechen.
    Der Arzt kann Ihnen also zunächst bspw. zu einer Ernährungsumstellung raten, die durch sportliche Betätigung ergänzt wird. Im Rahmen regelmäßiger Arztbesuche erfolgen dann Gewichtskontrollen.
    Wie bereits erwähnt, hängt die eigentliche kausale, also auf die Ursachen bezogene, Therapie mit der zugrundeliegenden Erkrankung, Störung o. Ä. zusammen.
    So kann bspw. im Fall von Gewichtszunahme durch Medikamente die Gabe bestimmter Präparate überdacht werden und eine Medikamentenumstellung oder eine Dosisreduktion verlangt sein.
    Ist hingegen z. B. eine Schilddrüsenunterfunktion für die Gewichtszunahme verantwortlich, erfolgt eine Therapie mit dem Medikament L-Thyroxin. Dabei handelt es sich um ein Schilddrüsenhormon, das im Rahmen der Erkrankung anstelle der fehlenden Hormone zum Einsatz kommt.
    Bei einer psychogenen Ursache, wenn also die Gewichtszunahme bedingt ist durch Stress, Depression o. Ä., erfolgt in der Regel eine Psychotherapie, ggf. in Kombination mit einer Entspannungstherapie und Antidepressiva.
    Wie Sie sehen, ist der Medizin stets daran gelegen, ursachenorientiert und daher auf lange Sicht zu arbeiten und zu heilen. Es ist daher an dieser Stelle schwierig, allgemein zu beantworten, wie eine Therapie bei abnormer Gewichtszunahme verläuft, da die Ursachen und dementsprechend die therapeutischen Ansätze vielfältig sein können.

    Häufige Patientenfragen

    In den meisten Fällen ist Übergewicht bzw. Adipositas also auf eine falsche Ernährung zurückzuführen – Sollte man dahingehend Kalorien zählen?

    Dr. T. Weigl
    Bei von Übergewicht oder Adipositas Betroffenen liegt eine positive Energiebilanz vor. Die Bezeichnung positiv wird in diesem Zusammenhang allerdings nur dafür verwendet, um festzustellen, dass dem Körper mehr Energie zugeführt wird als nötig. Bei der Behandlung von Adipositas und der damit einhergehenden Umstellung der Ernährung ist es daher wichtig, ebendiese Energiebilanz wieder auszugleichen. Dahingehend muss zunächst eine Berechnung der täglich notwendigen Kalorien erfolgen. Hierfür kann die vereinfachte Formel 30–33 * Gewicht in Kilogramm
    verwendet werden. Damit berechnet man die sogenannten Erhaltungskalorien, welche die Aspekte Grund- sowie Leistungsumsatz einschließt und den Wert beschreibt, bei dem wir weder zu- noch abnehmen. 30–33 wird hier verwendet, um entsprechend der täglichen körperlichen Betätigung eine Variabilität abbilden zu können. So sollten Personen, die ihren Alltag sowie ihre Arbeit vorwiegend sitzend verbringen, die Faktoren 30 oder 31 für die Formel wählen, während Menschen mit schwerer körperlicher Arbeit oder Leistungssportler eher den Faktor 33 verwenden sollten. Die tatsächliche Ernährungsumstellung bei Adipositas sollte in Zusammenarbeit mit einem Arzt oder Ernährungsberater erarbeitet werden, da nur so garantiert werden kann, dass sich durch die Diät keine schweren gesundheitlichen Folgen ergeben, der Abnahmeeffekt anhält und ein Jojo-Effekt vermieden wird.
    Mehr über die Ernährung bei Übergewicht und darüber, ob Sie tatsächlich komplett auf Süßigkeiten verzichten müssen, erfahren Sie in unserem umfassenden Artikel zum Thema „Übergewicht – Ursachen und Risiken von Fettleibigkeit“.

    Was machen eigentlich die Nebennieren?

    Dr. T. Weigl
    Zunächst einmal sind die Nebennieren beidseitig oberhalb der entsprechenden Nieren zu finden. Sie fungieren als Hormondrüsen unseres Körpers und produzieren Cortisol, ein für uns lebenswichtiges Hormon, das viele Stoffwechselvorgänge beeinflusst, bspw. den Fettstoffwechsel, den Blutzucker oder den Proteinabbau. Die Nebennieren bestehen aus zwei Bestandteilen, nämlich der Nebennierenrinde und dem Nebennierenmark. Während in der Nebennierenrinde die drei Steroid-Hormongruppen Cortisol, Aldosteron und Androgene produziert werden, werden im Nebennierenmark Adrenalin und Noradrenalin sowie Dopamin gebildet.

    Kann man mit Intervallfasten gut abnehmen?

    Dr. T. Weigl
    Sie können Intervallfasten durchführen, um abzunehmen. Achten Sie aber in diesem Zusammenhang darauf, einige Regeln einer gesunden Ernährung einzuhalten. Und auch wenn Intervallfast im Regelfall alleine und eigenverantwortlich unternommen wird, sollten vor allem diejenigen, die überlegen, mit dem Fasten anzufangen, zu Beginn einen Arzt konsultieren, um einer fehlerhaften Ernährung vorzubeugen. Außerdem kann sich das Intervallfasten auf die Wirksamkeit von Medikamenten auswirken, weshalb gerade bei regelmäßiger Einnahme von Arzneimitteln Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden sollte.
    Mehr zum Thema Intervallfasten ergründe ich im ausführlichen Artikel zum Thema „Was ist Intervallfasten? Wirksamkeit und Risiken“.

    Es hat sich herausgestellt, dass Udo einen Tumor hatte. „Zwar einen gutartigen, aber immer noch ein Tumor!“, erzählt Udo aufgeregt seiner Nichte Tatjana. „An der sogenannten Hirnanhangdrüse. Dadurch wurde ein bestimmtes Hormon mit der Abkürzung ACTH zu viel produziert, was wiederum dafür sorgte, dass die Nebennieren mehr Cortisol produziert haben. Und davon zu viel zu haben, führt zum sogenannten Morbus Cushing. Und der macht letztlich unter anderem dick, vor allem am Körperstamm und im Gesicht. Ich werde jetzt demnächst operiert, das soll wohl das Mittel der Wahl sein. Wenn das nicht hilft, werde ich bestrahlt oder muss Medikamente nehmen. Aber lieber einmal unters Messer und nicht dauerhaft Tabletten schlucken!“

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    Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  

    Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
    Lektorat: Sebastian Mittelberg
    Veröffentlicht: 20.11.2018

    Quellen

    • Berufsverband der Frauenärzte e. V. (Hrsg.): Hyperandrogenämische, Normogonadotrope Ovarialinsuffizienz. In: frauenaerzte-im-netz.de.
    • Berufsverband Deutscher Internisten e. V. (Hrsg.): Hormondrüsen und mögliche Erkrankungen – Nebenniere. In: internisten-im-netz.de.
    • Bernhard O. Böhm et al. (Hrsg.) (2013): Klinische Diabetologie. Springer-Verlag, Heidelberg.
    • Thomas Brandhuber et al. (2018): MEX – Das Mündliche Examen – Allgemeinmedizin. Elsevier/Urban & Fischer, München.
    • Claudia Bruhn (2015): Wenn Medikamente dick machen – Unterstützung für Psychopharmaka-Patienten mit Gewichtsproblemen. In: Deutsche Apotheker Zeitung 30, S. 22.
    • Mark Buchta et al. (Hrsg.) (2013): Das Hammerexamen – Repetitorium für den 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung. Elsevier/Urban & Fischer, München.
    • Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V.: Retinitis Pigmentosa. In: dbsv.org.
    • Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e. V.: Endokrinologische Erkrankungen. In: endokrinologie.net.
    • Beate Fessler (2013): Von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Gestagene. In: Deutsche Apotheker Zeitung 23, S. 46.
    • Klinisches Wörterbuch Pschyrembel Online
    • Benno König et al. (Hrsg.) (2013): Kompendium der praktischen Medizin. Springer-Verlag, Heidelberg.
    • Carsten Kunz et al. (2004): Kompaktwissen Krankenpflege – Die rationelle Vorbereitung auf das mündliche und schriftliche Staatsexamen. Schlütersche, Hannover.
    • neurologen-und-psychiater-im-netz.de: Was sind Psychopharmaka?
    • PCOS Selbsthilfe Deutschland e. V. (Hrsg.): Das Polyzystische Ovarialsyndrom. In: pcos-selbsthilfe.org.
    • Prader-Willi-Syndrom Vereinigung Deutschland e. V. (PWSVD): Das PWS. In: prader-willi.de.
    • Klaus-Peter W. Schaps et al. (Hrsg.) (2008): Das Zweite – kompakt: Gesundheitsstörungen. Springer-Verlag, Heidelberg.
    • Martin Raguse (2013): Kinderheilkunde für Kinderkrankenschwestern und
      -pfleger. Springer-Verlag, Heidelberg.
    • Gertrud Teusen (2017): Kleine Schilddrüse – große Wirkung: Alles über Hashimoto, Über- und Unterfunktion. Bassermann Verlag, München.
    • Christine Uhlemann et al. (2007): Morbus Dercum – Lipomatis dolorosa – Ein Fall für Pregabalin und manuelle Lymphdrainage. In: Aktuelle Rheumatologie 32/5, S. 287–290. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
    • Dunja Voos (2017): Cortisol: Das Stresshormon. In: apotheken-umschau.de.
    • Matthias Weber (2014): Angst vor Gewichtszunahme – Macht Insulin dick? In: Diabetes-Journal 1/2014.
    • Thomas Weyerstahl (Hrsg.) (2013): Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
    • Alfred Wirth (2013): Adipositas – Epidemiologie • Ätiologie • Folgekrankheiten • Therapie. Springer-Verlag, Heidelberg.
    • Reinard Zeidler et al. (2002): Der Madelung-Fetthals. In: HNO 50/12, S. 1075–1078.
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