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Clusterkopfschmerzen erkennen und behandeln – Ursachen | Symptome | Therapie

Clusterkopfschmerzen zählen zu den schwersten und qualvollsten Kopfschmerzerkrankungen überhaupt.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Clusterkopfschmerzen sind nicht Symptom einer Verletzung oder Krankheit; der Schmerz selbst ist die Erkrankung. Ihr Name leitet sich vom englischen „cluster“ (Haufen/Häufung) ab, da sich die Attacken periodisch über Wochen häufen, worauf eine längere beschwerdefreie Zeit folgt.
Clusterkopfschmerzen werden trotz ihrer eindeutigen Symptome oft erst spät angemessen diagnostiziert. Sie sind gekennzeichnet durch einseitige, bohrende, stechende oder gar brennende Schmerzen im Bereich der Augen. Die Schmerzintensität wird als hoch bis sehr hoch beschrieben. Betroffene beschreiben den Schmerz oft als ein „glühendes Messer im Auge“.

Kurz nach dem Aufwachen ahnt Brigitte schon, was ihr bevorsteht, als sie schlagartig einen bohrenden Schmerz in der rechten Hälfte ihres Kopfes spürt: Eine erneute Schmerzattacke steht bevor. Sie hofft, dass sie dieses Mal nicht so lange dauert wie die vor zwei Tagen. Unruhig läuft sie durch die Wohnung, begleitet von einem brennenden Schmerz in der Augenregion, Augentränen, Schweiß im Gesicht und der Angst, heute erneut nicht zur Arbeit gehen zu können. Zwar hat sie sich schon daran gewöhnt, dass ihre Clusterkopfschmerzen immer wieder zu diesen Attacken führen. Wie sehr sie das allerdings in ihrem Leben einschränkt – daran wird sie sich wohl nie gewöhnen.

Die Ursachen für Clusterkopfschmerz: Erweiterte Blutgefäße in der Hirnbasis

Grundsätzlich gilt: Das Gehirn ist schmerzfrei. Schmerzempfindungen laufen über die Hirnhäute und die darin verlaufenden Gefäße. Allerdings sind Clusterkopfschmerzen und auch alle anderen Kopfschmerzarten noch nicht ausreichend erforscht, um sagen zu können, was genau bei einer Schmerzattacke passiert.

Bei Clusterkopfschmerzen wird aufgrund von Untersuchungen vermutet, dass der Schmerz im Hypothalamus, einem Teil des Zwischenhirns im Bereich der Sehnervenkreuzung, angesiedelt ist. Verursacht wird er durch Gefäße hinter dem Auge, die sich wegen überreizter Nervenzellen entzünden. Man spricht auch von einer aseptischen (keimfreien) Entzündung der venösen Blutgefäße. Als Ursache für die Nervenreizung gelten entzündungsverursachende Neuropeptide – Botenstoffe, die von Nervenzellen freigesetzt werden.

Ein ebenso möglicher Auslöser ist ein mechanischer Druck, der durch erweiterte oder aufgequollene Blutgefäße verursacht wird. Diese Annahme beruht auf der Tatsache, dass die einseitigen Schmerzattacken vor allem die Augenregion befallen und z. B. Augenschwellungen und Tränenfluss nach sich ziehen. Auch die Tatsache, dass gefäßerweiternde Substanzen wie Alkohol als Trigger für Clusterkopfschmerzen gelten und das Gegenteil – z. B. die gefäßverengende Sauerstofftherapie – sofortige Besserung der Beschwerden zeigen, stützt die Theorie.

Exkurs: Cannabis bei Clusterkopfschmerzen

Besonders in der Schmerztherapie wird seit einiger Zeit auch auf den Nutzen von medizinischem Marihuana verwiesen. Seit März 2017 gibt es auch in Deutschland Cannabis als legales Arzneimittel auf Rezept. Bei der Behandlung von Clusterkopfschmerzen gibt es erste Erkenntnisse, dass sich das in Cannabis enthaltene Tetrahydrocannabinol (THC) positiv auswirken kann. Es wird vermutet, dass es eben dort wirkt, wo der Schmerz vermutlich angesiedelt ist – im Hypothalamus. Einige Patienten sprechen davon, dass ihre Attacken durch Cannabis abgemildert und verkürzt werden. Wissenschaftliche Studien dazu bleiben allerdings noch abzuwarten.

Zu welchen Zwecken Cannabis in der Medizin noch eingesetzt werden kann, erklärt Dr. Tobias Weigl in diesem Video.

Die Symptome: Woran erkennt man, dass es sich um Clusterkopfschmerzen handelt?

Clusterkopfschmerzen gehen mit eindeutigen Symptomen einher. Trotzdem erfolgen ihre Diagnose und Therapie meist erst sehr spät.

Sie äußern sich in starken einseitigen Schmerzattacken, die zwischen 15 und 180 Minuten andauern können. Der Schmerz ist bohrend, stechend oder brennend. Häufig treten diese Attacken nachts auf, weshalb Patienten oft aufwachen und unruhig durch die Wohnung laufen. Es kann aber auch tagsüber, meist nach dem Aufwachen oder in der Mittagszeit zu solchen Attacken kommen, ebenfalls begleitet von einem stetigen Bewegungsdrang.
Darüber hinaus sind Tränenfluss, Augenschwellungen, Schleimhautschwellungen der Nase, Schwitzen und Gesichtsrötung typische Begleiterscheinungen.

Die Symptome im Überblick:

  • starke, einseitige Schmerzen ausgehend von der Augenpartie
  • Schmerzattacken können 15 bis 180 Minuten dauern
  • bohrender, stechender oder brennender Schmerz
  • nächtliche Unruhe durch Schmerzattacken
  • Tränenfluss
  • Augenschwellungen
  • Schleimhautschwellungen der Nase
  • Schwitzen
  • Gesichtsrötung

Clusterkopfschmerzen treten zudem periodisch, also phasenweise auf. Eine solche Periode erstreckt sich über ein bis zwei Monate, mit 2 bis 8 Schmerzattacken täglich. Man spricht hier von Clusterperioden. Danach folgt eine schmerzfreie Zeit, die Wochen oder Monate umfassen kann. In dieser Zeit treten dann überhaupt keine Attacken auf.

Handelt es sich um chronische Clusterkopfschmerzen, so kann es sein, dass es nur verkürzte schmerzfreie Phasen (unter einem Monat) oder gar keine schmerzfreien Phasen gibt.

Wer ist von Clusterkopfschmerzen betroffen?

Typischerweise treten Clusterkopfschmerzen erst nach dem 20. oder sogar 30. Lebensjahr auf. Die ersten Attacken manifestieren sich häufig zwischen dem 30. und dem 40. Lebensjahr. Eine Erkrankung im höheren Alter ist ebenfalls möglich, im Jugendalter hingegen nur sehr selten.

Schaut man auf die Geschlechtsunterschiede, so sind Clusterkopfschmerzen die einzige Form der primären Kopfschmerzerkrankungen, von denen überwiegend Männer betroffen sind (Verhältnis zwischen Männern und Frauen 3:1).

Ob es Unterschiede bei der Erkrankung an Clusterkopfschmerzen zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gibt, ist hingegen nicht belegt.

Hat ein Arzt bei Ihnen Clusterkopfschmerzen diagnostiziert? Welche dieser Symptome traten bei Ihnen auf? Gerade weil Clusterkopfschmerzen immer noch häufig undiagnostiziert bleiben, helfen Sie uns und anderen Betroffenen, indem Sie uns Ihre Symptome schildern. Gerne können Sie dazu auch unseren Kommentarbereich nutzen.
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Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Wie bei jedem Arztbesuch erfolgt als erstes die Anamnese, also die Befragung des Patienten nach seinem Befinden während der akuten Kopfschmerzen. Gerade bei Clusterkopfschmerzen sind hier für den Arzt folgende Punkte für eine Diagnose von besonderer Bedeutung:

  1. Zeitpunkt des Auftretens der Schmerzen
  2. Art des Auftretens
  3. Dauer und Häufigkeit der Schmerzen
  4. Tageszeit
  5. Intensität der Schmerzen
  6. Lokalisierung der Schmerzen
  7. Mögliche Begleitsymptome
  8. Verhalten des Patienten während der Schmerzattacke

Fakten-Box: Episodische und chronische Clusterkopfschmerzen

  • Verhältnis Frauen : Männer 3:1
  • Erstes Auftreten der Attacken meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr
  • Dauer der Attacken zwischen 15 und 180 Minuten
  • Schmerzperiode bis zu einem Monat mit 2 bis 8 Attacken täglich

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Die Behandlungsmöglichkeiten bei Clusterkopfschmerzen sind vielfältig. Nichtmedikamentöse Behandlungsmethoden sind zwar nicht das erste und effektivste Mittel, können aber trotzdem unterstützend helfen. Dazu zählen z. B. bestimmte Verhaltensregeln wie das Meiden von Triggerfaktoren während der Clusterperioden (Verzicht auf Alkohol und Nikotin, kein Aufenthalt in größeren Höhen).

Ineffektiv hingegen sind all die Maßnahmen, die bei Spannungskopfschmerzen empfohlen werden (Entspannungsverfahren, Stressbewältigungstraining, Physiotherapie oder Akupunktur).

Behandlungsmöglichkeiten bei akuten Schmerzattacken

Gängiger, effektiver und schonend ist vor allem die Sauerstofftherapie, bei der der Patient über eine Gesichtsmaske reinen Sauerstoff einatmet. Der Arzt kann auch eine tragbare Sauerstoffflasche verordnen. Hervorzuheben ist hierbei die sehr gute Verträglichkeit, fehlende Wechselwirkungen mit anderen Substanzen und die Möglichkeit der ständigen Wiederholbarkeit. Die Inhalation sollte möglichst direkt nach Beginn einer Attacke erfolgen.

Noch wirksamer ist die Therapie mit Sumatriptan, einem Wirkstoff, der aus der Behandlung der Migräne kommt. Bei Clusterkopfschmerzen wird er in Form von Injektionen unter die Haut verabreicht. Der Vorteil gegenüber der Sauerstofftherapie ist, dass Patienten sich Sumatriptan jederzeit selbst injizieren können, was einfacher ist als ein unhandliches Sauerstoffgerät. Allerdings kann es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen, die auch bei der Behandlung von Clusterkopfschmerzen eingesetzt werden. Dazu zählen Ergotamintartrat oder Methylsergid.

Vorbeugende Behandlungsmöglichkeiten

Neben den hier genannten akuten Behandlungsmöglichkeiten gibt es auch eine Reihe vorbeugender medikamentöser Therapien. Folgende Wirkstoffe kommen dabei in Frage: Verapamil, Ergotamil, Methysergid, Lithium, Kortikosteriode oder Valproinsäure. Je nachdem, ob es sich um episodische oder chronische Clusterkopfschmerzen handelt, sind die Wirkstoffe unterschiedlich gut wirksam und verträglich. Auch hier gilt: Eine entsprechende Medikation zur Prophylaxe wird in Absprache mit dem behandelnden Arzt vorgenommen.

Operative Verfahren

Gelegentlich werden auch operative Verfahren zur Behandlung von Clusterkopfschmerzen diskutiert. Unter anderem wird Occipitale Nervenstimulation (ONS) vorgeschlagen, bei der ein Neurostimulator unter die Haut implantiert wird und für eine Stimulation der entsprechenden Nerven durch elektrische Impulse sorgt. Zu solchen operativen Verfahren sollte allerdings nur dann gegriffen werden, wenn ein Patient auf die konventionellen, medikamentösen Behandlungen absolut nicht anspricht.

Häufige Patientenfragen

Woran erkenne ich Clusterkopfschmerzen?

Dr. T. Weigl:
Clusterkopfschmerzen erkennen Sie an den tatsächlich sehr eindeutigen Symptomen. Dazu zählen ein einseitiger, bohrender, brennender Schmerz, Schmerzen im Bereich des Auges, begleitet von Augenrötung, Tränenfluss, Augenschwellung, Nasenverstopfung, Bewegungsdrang, Schwitzen im Bereich von Stirn und Gesicht, sowie Pupillenverengung oder ein hängendes Lid. Die Schmerzattacken folgen zudem einem zeitlichen Muster: Sie treten überwiegend nachts auf und halten bis zu 3 Stunden an. Meist handelt es sich um 2 bis 8 Attacken täglich über einen Zeitraum von bis zu 4 Wochen. Danach folgt eine schmerzfreie Periode von mehreren Wochen oder Monaten.

Kann man Clusterkopfschmerzen vorbeugen?

Dr. T. Weigl:
Grundsätzlich empfiehlt sich eine Vermeidung von sogenannten Triggerfaktoren, die Schmerzattacken auslösen können. Dazu zählen Alkohol, Nikotin oder der Aufenthalt in größeren Höhen. In der Behandlung von Clusterkopfschmerzen ist eine medikamentöse Prophylaxe üblich. Zur Wahl stehen dabei unterschiedliche Wirkstoffe zu einer schnellen, aber zeitlich begrenzten Therapie einerseits und Wirkstoffe für eine Dauertherapie (bei chronischen Beschwerden) andererseits.

Werden Clusterkopfschmerzen als Behinderung anerkannt?

Dr. T. Weigl:
Je nach der Stärke der Beschwerden können Clusterkopfschmerzen für eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Krankschreibung) geltend gemacht werden. Ob sie als Behinderung anerkannt werden und welcher Grad der Behinderung (GdB) attestiert wird, ist laut Arbeitsministerium ebenfalls von Verlauf (episodisch oder chronisch) und Intensität der Beschwerden abhängig.

Muss man Clusterkopfschmerzen behandeln?

Dr. T. Weigl:
Aufgrund der starken Schmerzen und teils längeren Schmerzperioden empfiehlt es sich in jedem Falle, Clusterkopfschmerzen behandeln zu lassen. Wichtig ist eine genaue Diagnose, Beobachtung der Attacken, ihr zeitlicher Verlauf und eine angemessene und verträgliche Therapie. In Selbstmedikation mit gängigen Schmerzmitteln lassen sich Clusterkopfschmerzen nicht behandeln, ebenso wenig greifen bei dieser Form von Kopfschmerzen nichtmedikamentöse Verfahren wie Entspannung, Stressbewältigung, Physiotherapie oder Psychotherapie. Die Anfallbehandlung als auch Prophylaxe weiterer Attacken erfolgen medikamentös (z. B. in Form einer Therapie mit Sauerstoff oder anderen Substanzen wie Sumatriptan) und sind nur nach ärztlicher Anordnung möglich.

Auch die nächsten Tage wird Brigitte von Schmerzattacken überfallen, die nun auch einen Schlafmangel nach sich ziehen: Die Attacken reißen sie nachts aus dem Schlaf und lassen sie unruhig durch die Wohnung wandern. Gott sei Dank hat sie eine Ärztin, die sich gut mit Clusterkopfschmerzen auskennt und ihr umgehend eine Arbeitsunfähigkeit für die nächsten Tage ausstellt. Wie immer ist Brigitte dankbar für das Verständnis ihrer Familie, Kollegen und ihres Vorgesetzten. nachdem sie sich lange Zeit nicht getraut hat, den anderen von ihrer Krankheit zu erzählen, ist es nun leichter für sie damit umzugehen, da sie offen darüber reden kann.

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Haben auch Sie Erfahrungen mit Clusterkopfschmerzen? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Tobias Weigl und Katharina Mraz
Redaktion: Christine Pepersack
Veröffentlicht am: 09.05.2018, zuletzt aktualisiert: 11.11.2018

Quellen:

  • Bundesärztekammer (Hg.) (2017): FAQ-Liste zum Einsatz von Cannabis in der Medizin.
  • Evers, Stefan u. a. (2010): Die Begutachtung von idiopathischen und symptomatischen Kopfschmerzen. Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. In: Leitlinie der DMKG. Schattauer.
  • Hartmut Göbel (2016): Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne: Ursachen beseitigen, gezielt vorbeugen, Strategien zur Selbsthilfe. Springer Medizin Verlag: Berlin, Heidelberg, New York.
  • Svenja Happe und Stefan Evers (2016): Kopfschmerz & Schlaf. In: Schlaf 1/2016. Schattauer Verlag.
  • Heinz Lüllmann u. a. (2016): Pharmakologie und Toxikologie: Arzneimittelwirkungen verstehen. Medikamente gezielt einsetzen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
[Gesamt:3    Durchschnitt: 5/5]

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