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Clusterkopfschmerzen erkennen und behandeln – Ursachen | Symptome | Therapie

Auf einen Blick – Clusterkopfschmerzen

Was sind Clusterkopfschmerzen?

  • Kopfschmerz, dessen Ursprung vermutlich in einem Teil des Zwischenhirns liegt
  • Gefäße hinter dem Auge entzünden sich wegen überreizter Nervenzellen
  • andere Möglichkeit: mechanischer Druck, der durch erweiterte oder aufgequollene Blutgefäße verursacht wird

Was sind die Symptome von Clusterkopfschmerzen?

  • starke, einseitige Schmerzen ausgehend von der Augenpartie
  • Schmerzattacken können 15 bis 180 Minuten dauern
  • bohrender, stechender oder brennender Schmerz
  • nächtliche Unruhe durch Schmerzattacken
  • Tränenfluss
  • Augenschwellungen
  • Schleimhautschwellungen der Nase
  • Schwitzen
  • Gesichtsrötung
  • charakteristisch: periodisches Auftreten

Wen kann es erwischen?

  • vor allem Menschen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr
  • Männer sind drei Mal so häufig betroffen wie Frauen

Behandlung (Auszug)

  • meiden von Triggerfaktoren
  • Sauerstofftherapie
  • Medikamente wie Sumatriptan
  • ggf. operative Verfahren möglich
Clusterkopfschmerzen sind nicht Symptom einer Verletzung oder Krankheit; der Schmerz selbst ist die Erkrankung. Ihr Name leitet sich vom englischen „cluster“ (Haufen/Häufung) ab, da sich die Attacken periodisch über Wochen häufen, worauf eine längere beschwerdefreie Zeit folgt.

Clusterkopfschmerzen werden trotz ihrer eindeutigen Symptome oft erst spät angemessen diagnostiziert. Sie sind gekennzeichnet durch einseitige, bohrende, stechende oder gar brennende Schmerzen im Bereich der Augen. Die Schmerzintensität wird als hoch bis sehr hoch beschrieben. Betroffene beschreiben den Schmerz oft als ein „glühendes Messer im Auge“.

Die Ursachen für Clusterkopfschmerz: Erweiterte Blutgefäße in der Hirnbasis

Grundsätzlich gilt: Das Gehirn ist schmerzfrei. Schmerzempfindungen laufen über die Hirnhäute und die darin verlaufenden Gefäße. Allerdings sind Clusterkopfschmerzen und auch alle anderen Kopfschmerzarten noch nicht ausreichend erforscht, um sagen zu können, was genau bei einer Schmerzattacke passiert.

„Clusterkopfschmerzen zählen zu den schwersten und qualvollsten Kopfschmerzerkrankungen überhaupt.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Bei Clusterkopfschmerzen wird aufgrund von Untersuchungen vermutet, dass der Schmerz im Hypothalamus, einem Teil des Zwischenhirns im Bereich der Sehnervenkreuzung, angesiedelt ist. Verursacht wird er durch Gefäße hinter dem Auge, die sich wegen überreizter Nervenzellen entzünden. Man spricht auch von einer aseptischen (also keimfreien) Entzündung der venösen Blutgefäße. Als Ursache für die Nervenreizung gelten entzündungsverursachende Neuropeptide – das sind Botenstoffe, die von Nervenzellen freigesetzt werden.

Die Kopfschmerzarten im Überblick

Ein ebenso möglicher Auslöser ist ein mechanischer Druck, der durch erweiterte oder aufgequollene Blutgefäße verursacht wird. Diese Annahme beruht auf der Tatsache, dass die einseitigen Schmerzattacken vor allem die Augenregion befallen und z. B. Augenschwellungen und Tränenfluss nach sich ziehen. Auch die Tatsache, dass gefäßerweiternde Substanzen wie Alkohol als Trigger für Clusterkopfschmerzen gelten und das Gegenteil – z. B. die gefäßverengende Sauerstofftherapie – sofortige Besserung der Beschwerden zeigen, stützt diese Theorie.

Welche Form von Kopfschmerzen haben Sie? Ist es eine Migräne oder doch eher ein „normaler“ Kopfschmerz? Finden Sie es heraus und machen Sie Dr. Dr. Tobias Weigls Selbsttest!

Selbsttest🖊Habe ich Migräne, "normale" Kopfschmerzen, Spannungskopfschmerzen? sogehtgesund Test#3

Exkurs: Cannabis bei Clusterkopfschmerzen

Besonders in der Schmerztherapie wird seit einiger Zeit auch auf den Nutzen von medizinischem Marihuana verwiesen. Seit März 2017 gibt es auch in Deutschland Cannabis als legales Arzneimittel auf Rezept. Bei der Behandlung von Clusterkopfschmerzen gibt es erste Erkenntnisse, dass sich das in Cannabis enthaltene Tetrahydrocannabinol (THC) positiv auswirken kann. Es wird vermutet, dass es eben dort wirkt, wo der Schmerz vermutlich angesiedelt ist – im Hypothalamus. Einige Patienten sprechen davon, dass ihre Attacken durch Cannabis abgemildert und verkürzt werden. Wissenschaftliche Studien dazu bleiben allerdings noch abzuwarten.

Zu welchen Zwecken Cannabis in der Medizin noch eingesetzt werden kann, erklärt Dr. Dr. Tobias Weigl im folgenden Video-Beitrag.

Cannabis als Medizin auf Rezept (Basiswissen für Patient & Arzt) – Schmerzmittel keine Droge

Die Symptome: Woran erkennt man, dass es sich um Clusterkopfschmerzen handelt?

Clusterkopfschmerzen gehen mit eindeutigen Symptomen einher. Trotzdem erfolgen ihre Diagnose und eine entsprechende Therapie meist erst sehr spät.

Sie äußern sich in starken einseitigen Schmerzattacken, die zwischen 15 und 180 Minuten andauern können. Der Schmerz ist bohrend, stechend oder brennend. Häufig treten diese Attacken nachts auf, weshalb Patienten oft aufwachen und unruhig durch die Wohnung laufen. Es kann aber auch tagsüber, meist nach dem Aufwachen oder in der Mittagszeit, zu solchen Attacken kommen, ebenfalls begleitet von einem stetigen Bewegungsdrang.
Darüber hinaus sind Tränenfluss, Augenschwellungen, Schleimhautschwellungen der Nase, Schwitzen und Gesichtsrötung typische Begleiterscheinungen.

Die Symptome im Überblick:

  • starke, einseitige Schmerzen ausgehend von der Augenpartie
  • Schmerzattacken können 15 bis 180 Minuten dauern
  • bohrender, stechender oder brennender Schmerz
  • nächtliche Unruhe durch Schmerzattacken
  • Tränenfluss
  • Augenschwellungen
  • Schleimhautschwellungen der Nase
  • Schwitzen
  • Gesichtsrötung

Clusterkopfschmerzen treten zudem periodisch, also phasenweise auf. Eine solche Periode erstreckt sich über 1–2 Monate, mit 2–8 Schmerzattacken täglich. Man spricht hier von Clusterperioden. Danach folgt eine schmerzfreie Zeit, die Wochen oder Monate umfassen kann. In dieser Zeit treten dann überhaupt keine Attacken auf.

Handelt es sich um chronische Clusterkopfschmerzen, so kann es sein, dass es nur verkürzte schmerzfreie Phasen (unter einem Monat) oder gar keine schmerzfreien Phasen gibt.

Wer ist von Clusterkopfschmerzen betroffen?

Typischerweise treten Clusterkopfschmerzen erst nach dem 20. oder sogar 30. Lebensjahr auf. Die ersten Attacken manifestieren sich häufig zwischen dem 30. und dem 40. Lebensjahr. Eine Erkrankung im höheren Alter ist ebenfalls möglich, im Jugendalter hingegen nur sehr selten.

Schaut man auf die Geschlechtsunterschiede, so sind Clusterkopfschmerzen die einzige Form der primären Kopfschmerzerkrankungen, von denen überwiegend Männer betroffen sind (Verhältnis zwischen Männern und Frauen 3:1).

Ob es Unterschiede bei der Erkrankung an Clusterkopfschmerzen zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gibt, ist hingegen nicht belegt.

Hat ein Arzt bei Ihnen Clusterkopfschmerzen diagnostiziert? Welche dieser Symptome traten bei Ihnen auf? Gerade weil Clusterkopfschmerzen immer noch häufig undiagnostiziert bleiben, helfen Sie uns und anderen Betroffenen, indem Sie uns Ihre Symptome schildern. Gerne können Sie dazu auch unseren Kommentarbereich nutzen.
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Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Wie bei jedem Arztbesuch erfolgt als erstes das Anamnesegespräch, also die Befragung des Patienten nach seinem Befinden während der akuten Kopfschmerzen. Gerade bei Clusterkopfschmerzen sind hier für den Arzt folgende Punkte für eine Diagnose von besonderer Bedeutung:

  • Zeitpunkt des Auftretens der Schmerzen
  • Art des Auftretens
  • Dauer und Häufigkeit der Schmerzen
  • Tageszeit
  • Intensität der Schmerzen
  • Lokalisierung der Schmerzen
  • mögliche Begleitsymptome
  • Verhalten des Patienten während der Schmerzattacke

Neurologische Untersuchung

Im Anschluss an das ausführliche Gespräch findet die körperliche Untersuchung statt. Dabei testet der Arzt, inwiefern der Patient Berührungen wahrnimmt und prüft außerdem die Muskelkraft des Betroffenen.

Manchmal wird mithilfe der Magnetresonanztomografie (kurz: MRT) auch einmalig ein Bild angefertigt. Dies dient vor allem dazu, andere infrage kommende Krankheiten auszuschließen. Sogenannte Differenzialdiagnosen, also Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen, wären bspw. die Trigeminus-Neuralgie oder auch Migräne.

Generell müssen Betroffene gemäß der sogenannten „International Classification of Headache Disorders“ bestimmte Kriterien der folgenden Tabelle erfüllen, damit CLusterkopfschmerzen diagnostiziert werden können.

KriteriumBeschreibung
Aminimal 5 Attacken, die den Kriterien B–D zugeordnet werden können
Bstarke bis sehr starke Schmerzen in der Augenregion (15–180 Minuten), wenn nicht behandelt wird
C1. eines der folgenden Symptome auf der gleichen Seite wie der Kopfschmerz: gerötetes oder tränendes Auge, verstopfte oder laufende Nase, geschwollenes Augenlid (sog. ‚Lidödem‘), Schweiß auf der Stirn oder im Gesicht, Rötung von Stirn oder Gesicht, herabhängendes Augenlid oder Engstellung der Pupille;
2. Ruhelosigkeit
D
Häufigkeit der Attacken liegt zwischen einer Attacke pro zwei Tage und acht pro Tag während Clusterperiode
Ekein anderes Krankheitsbild erklärt die Symptome

Fakten-Box: Episodische und chronische Clusterkopfschmerzen

  • Verhältnis Frauen : Männer 1:3–4
  • erstes Auftreten der Attacken meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr
  • Dauer der Attacken zwischen 15 und 180 Minuten
  • Schmerzperiode bis zu einem Monat mit 2 bis 8 Attacken täglich

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Die Behandlungsmöglichkeiten bei Clusterkopfschmerzen sind vielfältig. Nichtmedikamentöse Behandlungsmethoden sind zwar nicht das erste und effektivste Mittel, können aber trotzdem unterstützend helfen. Dazu zählen z. B. bestimmte Verhaltensregeln wie das Meiden von Triggerfaktoren während der Clusterperioden (Verzicht auf Alkohol und Nikotin, kein Aufenthalt in größeren Höhen).

Ineffektiv hingegen sind all die Maßnahmen, die bei Spannungskopfschmerzen empfohlen werden (Entspannungsverfahren, Stressbewältigungstraining, Physiotherapie oder Akupunktur).

Behandlungsmöglichkeiten bei akuten Schmerzattacken

Gängiger, effektiver und schonend ist vor allem die Sauerstofftherapie, bei der der Patient über eine Gesichtsmaske reinen Sauerstoff einatmet. Der Arzt kann auch eine tragbare Sauerstoffflasche verordnen. Hervorzuheben sind hierbei die sehr gute Verträglichkeit, fehlende Wechselwirkungen mit anderen Substanzen und die Möglichkeit der ständigen Wiederholbarkeit. Die Inhalation sollte möglichst direkt nach Beginn einer Attacke erfolgen.

Noch wirksamer ist die Therapie mit Sumatriptan, einem Wirkstoff, der aus der Behandlung der Migräne kommt. Bei Clusterkopfschmerzen wird er unter die Haut gespritzt. Der Vorteil gegenüber der Sauerstofftherapie besteht dann darin, dass Patienten sich Sumatriptan jederzeit selbst spritzen können, was einfacher ist als ein unhandliches Sauerstoffgerät. Allerdings kann es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen, die auch bei der Behandlung von Clusterkopfschmerzen eingesetzt werden. Dazu zählen Ergotamintartrat oder Methysergid.

Vorbeugende Behandlungsmöglichkeiten

Neben den hier genannten akuten Behandlungsmöglichkeiten gibt es auch eine Reihe vorbeugender medikamentöser Therapien. Folgende Wirkstoffe kommen dabei in Frage: Verapamil, Ergotamil, Methysergid, Lithium, Kortikosteriode oder Valproinsäure. Je nachdem, ob es sich um episodische oder chronische Clusterkopfschmerzen handelt, sind die Wirkstoffe unterschiedlich gut wirksam und verträglich. Auch hier gilt: Eine entsprechende Medikation zur Prophylaxe wird in Absprache mit dem behandelnden Arzt vorgenommen.

Operative Verfahren

Gelegentlich werden auch operative Verfahren zur Behandlung von Clusterkopfschmerzen diskutiert. Unter anderem wird Occipitale Nervenstimulation (ONS) vorgeschlagen, bei der ein Neurostimulator unter die Haut implantiert wird, wo er dann für eine Stimulation der entsprechenden Nerven durch elektrische Impulse sorgt. Zu solchen operativen Verfahren sollte allerdings nur dann gegriffen werden, wenn ein Patient auf die konventionellen, medikamentösen Behandlungen absolut nicht anspricht.

Aktuelle Forschung – noch ein Migräne-Medikament gegen Clusterkopfschmerzen

Weiter oben haben wir bereits erwähnt, dass Clusterkopfschmerzen zum Teil mit Sumatriptan, einem Medikament gegen Migräne, behandelt werden können. Das Problem ist aber weiterhin: In Deutschland ist kein Medikament zugelassen, das die Häufigkeit der Cluster-Attacken reduziert. Medikamente wie Verapamil kommen lediglich „off-label“ zum Einsatz. Forscher haben jüngst herausfinden können, dass Galcanezumab – ein Wirkstoff zur Vorbeugung von Migräneattacken – auch die Häufigkeit von Clusterkopfschmerzen positiv beeinflussen kann. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im New England Journal of Medicine.

Grund für die Studie war letztlich die schon bei Migräne gute Wirksamkeit des Wirkstoffs. An den Untersuchung nahmen insgesamt 106 Patienten mit Clusterkopfschmerzen teil. Diese wurden per Zufall in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine erhielt unter die Haut gespritzt 300 mg Galcanezumab, die andere ein Placebo.

Attacken vor und nach den Untersuchungen

Die Forscher geben an, dass ihre Teilnehmer in der Galcanezumab-Gruppe vor der Behandlung auf 17,8 Attacken pro Woche kamen; in der Placebo-Gruppe waren es 17,3. Nach der Behandlung hat sich die Zahl der Attacken in der Wirkstoff-Gruppe um durchschnittlich 8,7 gesenkt, in der Placebo-Gruppe waren es im Schnitt 5,2 Attacken weniger. Die Forscher führen den Rückgang in der Placebo-Gruppe aber nicht auf den gleichnamigen Effekt zurück, sondern sind der Ansicht, dass in diesem Zeitraum einige Episoden für Attacken geendet haben.

Weiterhin konnten die Forscher ausmachen, dass nach 3 Wochen bei 71 Prozent der Galcanezumab-Gruppe die Häufigkeit von Attacken um mehr als die Hälfte zurückging. Dies traf nur auf 53 Prozent der Placebo-Gruppe zu.

Die FDA – das ist die Arzneimittelbehörde der USA – hat diese Ergebnisse zum Anlass genommen, um Galcanezumab im Juni 2019 für die Behandlung von Clusterkopfschmerzen zuzulassen.

Quelle: Peter J. Goadsby u. a. (2019): Trial of Galcanezumab in Prevention of Episodic Cluster Headache. In: New England Journal of Medicine 2019/381, S. 132–141.

Häufige Patientenfragen

Woran erkenne ich Clusterkopfschmerzen?

Dr. Dr. T. Weigl:
Clusterkopfschmerzen erkennen Sie an den tatsächlich sehr eindeutigen Symptomen. Dazu zählen ein einseitiger, bohrender, brennender Schmerz, Schmerzen im Bereich des Auges, begleitet von Augenrötung, Tränenfluss, Augenschwellung, Nasenverstopfung, Bewegungsdrang, Schwitzen im Bereich von Stirn und Gesicht sowie Pupillenverengung oder ein hängendes Lid. Die Schmerzattacken folgen zudem einem zeitlichen Muster: Sie treten überwiegend nachts auf und halten bis zu 3 Stunden an. Meist handelt es sich um 2–8 Attacken täglich über einen Zeitraum von bis zu 4 Wochen. Danach folgt eine schmerzfreie Periode von mehreren Wochen oder Monaten.

Kann man Clusterkopfschmerzen vorbeugen?

Dr. T. Weigl:
Grundsätzlich empfiehlt sich eine Vermeidung von sogenannten Triggerfaktoren, die Schmerzattacken auslösen können. Dazu zählen Alkohol, Nikotin oder der Aufenthalt in größeren Höhen. Sie sollten zum einen herausfinden, welche Faktoren die Attacken auslösen und zum anderen diese dann meiden. Es empfiehlt sich, diesbezüglich ein Kopfschmerztagebuch zu führen, mithilfe dessen Sie z. B. nachvollziehen können, was Sie vor einer Attacke gegessen, getrunken oder getan haben. In der Behandlung von Clusterkopfschmerzen ist eine medikamentöse Prophylaxe üblich. Zur Wahl stehen dabei unterschiedliche Wirkstoffe zu einer schnellen, aber zeitlich begrenzten Therapie einerseits und Wirkstoffe für eine Dauertherapie (bei chronischen Beschwerden) andererseits.

Werden Clusterkopfschmerzen als Behinderung anerkannt?

Dr. T. Weigl:
Je nach der Stärke der Beschwerden können Clusterkopfschmerzen für eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Krankschreibung) geltend gemacht werden. Ob sie als Behinderung anerkannt werden und welcher Grad der Behinderung (GdB) attestiert wird, ist laut Arbeitsministerium ebenfalls von dem Verlauf (episodisch oder chronisch) und der Intensität der Beschwerden abhängig.

Muss man Clusterkopfschmerzen behandeln?

Dr. T. Weigl:
Aufgrund der starken Schmerzen und teils längeren Schmerzperioden empfiehlt es sich in jedem Falle, Clusterkopfschmerzen behandeln zu lassen. Wichtig ist eine genaue Diagnose, die Beobachtung der Attacken, ihr zeitlicher Verlauf und eine angemessene und verträgliche Therapie. In Selbstmedikation mit gängigen Schmerzmitteln (z. B. Paracetamol, Ibuprofen, Naproxen) lassen sich Clusterkopfschmerzen nicht behandeln, ebenso wenig greifen bei dieser Form von Kopfschmerzen nichtmedikamentöse Verfahren wie Entspannung, Stressbewältigung, Physiotherapie oder Psychotherapie. Sowohl die Anfallsbehandlung als auch die Prophylaxe weiterer Attacken erfolgen medikamentös (z. B. in Form einer Therapie mit Sauerstoff oder anderen Substanzen wie Sumatriptan) und sind nur nach ärztlicher Anordnung möglich.

Ich bin zwar nicht selbst von Clusterkopfschmerzen betroffen, aber ich kenne jemanden, der das hat. Wie schlimm sind die Schmerzen?

Dr. Dr. T. Weigl:
Betroffene beschreiben die Schmerzen bisweilen als unerträglich. Wenn sie eine Attacke erleiden, können sie sich nicht auf andere Dinge konzentrieren, ein normales alltägliches Leben ist dann unmöglich. Dies schränkt natürlich sowohl das Berufs- als auch das Privatleben ein. Mitunter sind die Schmerzen sogar so stark, dass Betroffene ihren Lebenswillen einbüßen. Dies hat der Erkrankung auch den Beinamen „Suicide Headache“ eingebracht, da Betroffene bisweilen Selbstmordgedanken entwickeln.

Kann ich meinen Attacken auch durch Medikamente vorbeugen?

Dr. Dr. T. Weigl:
Generell ist es möglich, die Anzahl der Attacken zu reduzieren. Dazu verwendet man in der Medizin die Wirkstoffe Lithium und Kortison, vor allem aber Verapamil. Das Problem: Verapamil ist in Deutschland nicht als Medikament zur Behandlung von Clusterkopfschmerzen zugelassen und müsste demnach im Rahmen eines sogenannten „Off-Label-Use“ zum Einsatz kommen. Das Medikament findet dann Anwendung, obwohl es nicht für diese Behandlung vorgesehen ist, sich in Studien aber bereits Hinweise auf seine Wirkung bei bestimmten Erkrankungen – hier Clusterkopfschmerzen – gezeigt haben. Wichtig in diesem Zusammenhang: Das Medikament hat Herzrhythmusstörungen als mögliche Nebenwirkung.

Typisches Patientenbeispiel

Kurz nach dem Aufwachen ahnt Brigitte schon, was ihr bevorsteht, als sie schlagartig einen bohrenden Schmerz in der rechten Hälfte ihres Kopfes spürt: Eine erneute Schmerzattacke steht bevor. Sie hofft, dass sie dieses Mal nicht so lange dauert wie die vor zwei Tagen. Unruhig läuft sie durch die Wohnung, begleitet von einem brennenden Schmerz in der Augenregion, Augentränen, Schweiß im Gesicht und der Angst, heute erneut nicht zur Arbeit gehen zu können. Zwar hat sie sich schon daran gewöhnt, dass ihre Clusterkopfschmerzen immer wieder zu diesen Attacken führen. Wie sehr sie das allerdings in ihrem Leben einschränkt – daran wird sie sich wohl nie gewöhnen.

Auch die nächsten Tage wird Brigitte von Schmerzattacken überfallen, die nun auch einen Schlafmangel nach sich ziehen: Die Attacken reißen sie nachts aus dem Schlaf und lassen sie unruhig durch die Wohnung wandern. Gott sei Dank hat sie eine Ärztin, die sich gut mit Clusterkopfschmerzen auskennt und ihr umgehend eine Arbeitsunfähigkeit für die nächsten Tage ausstellt. Wie immer ist Brigitte dankbar für das Verständnis ihrer Familie, Kollegen und ihres Vorgesetzten. Nachdem sie sich lange Zeit nicht getraut hat, den anderen von ihrer Krankheit zu erzählen, ist es nun leichter für sie, damit umzugehen, da sie offen darüber reden kann.

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Haben auch Sie Erfahrungen mit Clusterkopfschmerzen? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Katharina Mraz, Tobias Möller
Redaktion: Christine Pepersack
Veröffentlicht am: 09.05.2018, zuletzt aktualisiert: 13.11.2019

Quellen:

  • Bundesärztekammer (Hg.) (2017): FAQ-Liste zum Einsatz von Cannabis in der Medizin.
  • Stefan Evers u. a. (2010): Die Begutachtung von idiopathischen und symptomatischen Kopfschmerzen. Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. In: Leitlinie der DMKG. Schattauer.
  • Peter J. Goadsby u. a. (2019): Trial of Galcanezumab in Prevention of Episodic Cluster Headache. In: New England Journal of Medicine 2019/381, S. 132–141.
  • Hartmut Göbel (2016): Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne: Ursachen beseitigen, gezielt vorbeugen, Strategien zur Selbsthilfe. Springer Medizin Verlag: Berlin, Heidelberg, New York.
  • Svenja Happe und Stefan Evers (2016): Kopfschmerz & Schlaf. In: Schlaf 1/2016. Schattauer Verlag.
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (Hrsg.) (2018): Cluster-Kopfschmerzen. In: gesundheitsinformation.de.
  • Heinz Lüllmann u. a. (2016): Pharmakologie und Toxikologie: Arzneimittelwirkungen verstehen. Medikamente gezielt einsetzen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Arne May (2015): S1-Leitlinie Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen. In: dgn.org.
  • Medizinische Datenbank Amboss: Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Syndrom). In: amboss.com.
  • Celine Müller (2019): FDA erweitert Zulassung von Migräne-Antikörper – Galcanezumab auch bei episodischem Clusterkopfschmerz. In: deutsche-apotheker-zeitung.de.
  • Schmerzklinik Kiel: Was ist Clusterkopfschmerz. In: schmerzklinik.de.
[Gesamt:7    Durchschnitt: 5/5]
6 Antworten
  • Peter Krön
    30.01.2019 03:48

    Im einleitenden Teil wird ausgesagt, dass Frauen häufiger unter Clusterkopfschmerz leiden. Fast alle anderen Publikationen stellen ein Verhältnis von 80% Männern zu 20% Frauen auf.
    Bin Zahnarzt und selbst betroffen.

    • Dr. Tobias Weigl
      31.01.2019 11:13

      Vielen Dank, JA das stimmt und war ein Tippfehler von mir. Männer sind häufiger betroffen. Beispielhaft steht auf der Webseite der Schmzerklinik Kiel dazu: „Die Neuerkrankungsrate des Clusterkopfschmerzes beträgt 15,6 auf 100.000 Personen pro Jahr für Männer und 4,0 auf 100.000 Personen pro Jahr für Frauen. Die durchschnittliche Erkrankungsrate beträgt 9,8 auf 100.000 Personen pro Jahr. Die Erkrankungshäufigkeit des Clusterkopfschmerzes in der Gesamtbevölkerung beträgt nach verschiedenen Studien ca. 0,9 %.“
      Ferner steht in meinem Text: „Schaut man auf die Geschlechtsunterschiede, so sind Clusterkopfschmerzen die einzige Form der primären Kopfschmerzerkrankungen, von denen überwiegend Männer betroffen sind (Verhältnis zwischen Männern und Frauen 3:1).“
      Das Bild werde ich entsprechend ändern…Danke
      Viele Grüße
      Dr. T. Weigl

  • Benno
    07.02.2019 12:01

    Sehr geehrter Herr Dr. Weigl !

    Grüsse aus dem wunderschönen Saarland.

    Können sie mir bitte einen kompetenten Arzt/Facharzt aus meiner Region nennen der mir ohne weitere Umschweife ein Rezept für medizinisches Cannabis ausstellt?
    Jemanden der sich mit der Materie auskennt?!
    Sie, als Arzt der sich damit offensichtlich beschäftigt, stehen doch sicher in kollegialem Kontakt und tauschen Sich aus…

    Ich leide unter chronischem Clusterkopfschmerz mit derzeit Drei schmerzfreien Tagen im Monat.

    Ärzte kennen sich mit Cannabis einfach nicht aus und scheuen sich deshalb vor der Dosierungsbestimmung, geschweige denn der Verschreibung.
    Das ist zumindest mein Eindruck, nach dem Ansprechen der Ärzte darauf.
    Aber wo im Saarland gibt es jemanden der genügend Erfahrung hat?

    Gerne unterhalte ich mich auch persönlich mit Ihnen und schildere ihnen meinen Leidensweg der letzten Jahre.
    Falls dies denn möglich ist.

    Niemand kann diese Schmerzen auf Dauer ertragen.

    Ich würde mir ein Bein amputieren lassen wenn das die Lösung wäre!

    Das wäre das geringere Übel.

    Es geht mir in allererster Linie einfach nur um eine effektive Schmerzlinderung.
    Nach knapp 13 Jahren, von episodisch zu mittlerweile chronisch,
    Ich halte den Schmerz einfach kaum noch aus.

    Sehr gerne nehme ich Kontakt zu Ihnen auf.

    Mit hoffnungsvollem Dank verbleiben,

    Benno

    • Joaquin
      10.03.2019 13:45

      Hallo Benno,
      ich kann von Cannabis bei Cluster Attacken nur dringend abraten.
      Habe es mehrfach selbst versucht und festgestellt, dass es zumindest für mich den stärksten Trigger darstellt.
      MfG

    • Dr. Tobias Weigl
      18.03.2019 17:09

      Hallo, vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Wie bereits auch in einem anderen Kommentar beantwortet – es gibt keine klaren Studien/ Erkenntnisse, dass Cannabis bei Clusterkopfschmerz hilft. Und da Cannabis in diesem Fall ein Medikament ist, ist nachvollziehbar, dass Ärzte sich damit schwer tun. Wir können ja auch andere Medikamente, wo wir Dosierung, Wirkung und Nebenwirkungen nicht wissen, d.h. in Studien nicht klar belegt/ getestet, einfach wahrlos verschreiben.
      So, fühlen sich viele Kollegen.

      Zu Ihrer Frage: Nein, ich kennen Niemanden im Saarland. Das tut mir leid…

      Viele Grüße
      Dr. T. Weigl

  • Benno
    16.03.2019 13:10

    Kurz und bündig….
    Das ist Ihre Erfahrung.
    ….
    Clusterkopfschmerz hat vielfache Behandlungsmöglichkeiten.
    Vielleicht sollte man sich mal Gedanken machen warum dies so ist.
    Ich denke wenn jemand seit 15 Jahren unter Clusterkopfschmerzen leidet, weiß er was das Beste für Ihn ist, was triggert, und auch was eben nicht.
    Diesen Ratschlag hätten sie sich-zumindest Mir gegenüber- sparen können….
    Denn bei mir ist das Gegenteil der Fall.

    Dem einen hilfts, dem anderen nicht.
    Danke.
    Das wusste ich bereits und war nicht meine Frage….

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