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Venlafaxin gegen Angst und Panik – Wirkungen, Nebenwirkungen und Anwendungsgebiete

Venlafaxin ist das Mittel der 1. Wahl bei generalisierter Angststörung und Panikstörungen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Venlafaxin ist ein Antidepressivum aus der Reihe der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (kurz: SNRI). Neben der Behandlung der Symptome von Depression findet es auch Verwendung bei generalisierter Angststörung und Panikstörungen. Weiterhin kann es auch zur Prophylaxe von Migräne Anwendung finden. Häufig sind mit dem Medikament Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Schwindel verbunden. Aufgrund der Absetzerscheinungen sollte Venlafaxin beim Absetzen langsamausgeschlichen“ werden.

Schon während seiner Kindheit mied Thorsten große Menschengruppen. Seine Eltern und er selbst vermuteten, es läge an seiner Schüchternheit. Doch mit zunehmendem Alter entwickelte sich eine Art Nervosität und Angst, wenn er in Situationen geriet, in denen er in Kontakt mit anderen Menschen trat. Eines Tages entschloss sich der nun 26-Jährige dazu, einen Psychotherapeuten zu besuchen und so mehr Klarheit zu gewinnen. „Herr Schmitt, meine Vermutung ist, dass sie unter sozialer Phobie leiden. Zuerst müssen wir ein Konzept entwickeln, um ihre Phobie näher zu beleuchten“, sagt der Psychotherapeut. „Kann ich nicht einfach Medikamente nehmen?“, fragt der 26-jährige Thorsten. „Eine medikamentöse Therapie erfolgt als Begleitung zur Psychotherapie. Diese kann dabei helfen, mit den Symptomen besser umzugehen. Meist helfen bestimmte Antidepressiva dabei“, klärt der Therapeut auf. „Antidepressiva? Aber ich fühle mich gar nicht depressiv.“

Was ist Venlafaxin?

Venlafaxin wurde erstmals im Jahre 1993 synthetisiert. Es ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der SNRI (sog. Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer). In Deutschland existieren zahlreiche Generika dieses Wirkstoffs (Handelsnamen Trevilor oder Venlafaxin). Diese finden Verwendung als medikamentöse Ergänzung einer multimodalen Therapie zur Behandlung von Depressionen oder Angststörungen. Der Leitlinie nach wird empfohlen, solche Erkrankungen primär in Form einer Psychotherapie zu behandeln. Erst bei nicht ausreichender Wirksamkeit soll eine Kombination von Psycho- und Pharmakotherapie angeboten werden.

Gut zu wissen!
In Deutschland sind neben Venlafaxin zwei weitere Wirkstoffe zugelassen, die zu den SNRI gehören. Bei diesen handelt es sich um Milnacipran und Duloxetin. Die Unterschiede dieser drei Arzneistoffe äußert sich vor allem darin, wie stark ihre Affinität zum Serotonin-Transporter im Vergleich zum Noradrenalin-Transporter ist. Generell gilt: Je stärker ein Wirkstoff an einem Transporter bindet und ihn somit für einen Botenstoff blockiert, desto höher wird die Konzentration des entsprechenden Botenstoffes, da dieser nicht wiederaufgenommen werden kann. Laut Studien bindet im Vergleich zum Noradrenalin-Transporter

  • Venlafaxin 30-mal so stark am Serotonin-Transporter,
  • Duloxetin 10-mal so stark am Serotonin-Transporter,
  • Milnacipran gleich stark am Serotonin-Transporter.

Somit hat Venlafaxin die höchste Selektivität für den Serotonin-Transporter, während Duloxetin die zweithöchste und Milnacipran die niedrigste aufweist.

Welche Wirkung hat Venlafaxin?

Bei Venlafaxin handelt es sich um ein Antidepressivum. Es besitzt stimmungsaufhellende, antriebssteigernde und angstlösende Wirkungen. Des Weiteren kann Venlafaxin leicht schmerzlindernde (sog. ‚analgetische‘) Effekte haben, was jedoch nicht zu den Hauptwirkungen zählt.

Die verschiedenen Wirkungen kommen durch die Hemmung der Wiederaufnahme von Noradrenalin- und Serotonin-Transporter zustande. Da ein Signal von Zelle zu Zelle elektrisch nicht weitergeleitet werden kann, greift das Nervensystem auf Botenstoffe zurück, die ebendieses Signal chemisch weitergeben. Um die Anzahl dieser Neurotransmitter und folglich die Stärke des Signals zu regulieren, können unterschiedliche Transporter spezifisch diese Botenstoffe aus dem Spalt zwischen den Nervenzellen (sog. ‚synaptischer Spalt‘) wiederaufnehmen. Venlafaxin bindet an Transporter, die für die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin verantwortlich sind. Eine Blockade dieser Transporter im Gehirn führt zu einer Konzentrationssteigerung der genannten Botenstoffe mit anschließendem Eintritt der oben genannten Wirkungen.

Wichtig hierbei ist die Affinität von Venlafaxin an den Transportern. Da es 30-mal so stark am Serotonin-Transporter bindet (im Vergleich zum Noradrenalin-Transporter) wirkt es in niedrigen Dosen eher wie ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Erst in höheren Dosierungen ist eine Freisetzung der noradrenergen Wirkung möglich. Diese ist ebenfalls für die leicht analgetische Wirkung verantwortlich, was jedoch von geringer klinischer Relevanz ist, da andere Medikamente besser für die Schmerztherapie geeignet sind.

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Was sind die Anwendungsgebiete von Venlafaxin?

Aufgrund seiner Wirkweise findet Venlafaxin in verschiedenen Gebieten Anwendung. Primär findet es jedoch Verwendung bei:

  • Depression (Episoden einer Major Depression)
  • Depressionsprophylaxe
  • Angsterkrankungen wie generalisierte Angststörung, soziale Phobie und Panikstörung

Da Venlafaxin durch die Hemmung des Noradrenalin-Transporters über schmerzlindernde Wirkungen verfügt, kann es als Koanalgetikum fungieren. Im Rahmen eines sogenannten Off-Lable-Use kann es bei den folgenden Erkrankungen zum Einsatz kommen:

Wichtig hierbei ist, dass Venlafaxin-Präparate als Koanalgetika Mittel der 2. Wahl darstellen und daher eher in seltenen Fällen zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden. Grund dafür ist die Vielfalt der Medikamente auf dem Markt, welche teilweise weniger Nebenwirkungen besitzen und stärker schmerzlindernd sind.

Exkurs: Depression und die Serotonin-Hypothese

Bei Depression handelt es sich um eine Störung psychischer Natur. Typische Symptome einer Depression sind Niedergeschlagenheit, gedrückte Stimmung und Antriebslosigkeit. Je nach Art der Depression können weitere Symptome mit ebenfalls sehr unterschiedlichen Schweregraden auftreten. Patienten sprechen oft auch vom Verlust der Freude, des Interesses am Leben, des Selbstwertgefühls und der Leistungsfähigkeit. Doch wie werden diese Beschwerden bzw. wie werden solche Gedanken vom Gehirn ausgelöst?

Die Grundlage einer Depression bildet die sogenannte Serotonin-Mangel-Hypothese. Eine Studie aus dem Jahr 1967 zeigte, dass eine verminderte Serotonin-Konzentration im Gehirn eines erkrankten Patienten zu den Symptomen der Depression führt. Demnach wirkt eine erhöhte Serotonin-Konzentration der Erkrankung entgegen. Diese Hypothese wurde jedoch in den nachfolgenden Jahren durch diverse andere Studien widerlegt. Es wurde einem Patienten bspw. ein Medikament (Wirkstoff: Tianeptin) verabreicht, welches die Serotonin-Konzentration im Gehirn senkt (sog. Serotonin-Wiederaufnahme-Verstärker). Laut der Theorie hätten sich die depressiven Zustände des Erkrankten verschlechtern müssen, doch das Gegenteil trat ein. Es wirkte besser als das Placebo und hatte eine lindernde Wirkung der Symptome bei leichter bis mittelschwerer Depression.

Der heutige Stand zeigt, dass die Ursachen von Depression nicht auf einzelne Faktoren zurückzuführen, sondern vielschichtig sind. Eine Depression entwickelt sich aus verschiedenen Einflüssen über einen längeren Zeitraum hinweg im Wechselspiel zwischen der Soziologie, den Lebensumständen, dem Hormonhaushalt und den beim Individuum vorhandenen genetischen Veranlagungen. Das bedeutet, dass Depression das Ergebnis eines Zusammenspiels aus psychosozialen und neurobiologischen Ursachen ist.

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Was sind die Nebenwirkungen von Venlafaxin?

Venlafaxin kann, wie viele andere Arzneimittel auch, zu verschiedenen Nebenwirkungen führen, die jedoch nicht in jedem Falle eintreten müssen. Das Eintreffen und die Stärke der Nebenwirkungen fallen bei jedem Menschen unterschiedlich aus. Nach der Häufigkeit sind die unerwünschten Arzneimittelwirkungen wie folgt aufzulisten:

Sehr häufig: (mehr als 1 von 10 behandelte Patienten möglich, also >10 %)

Häufig: (bis zu 1 von 10 behandelte Patienten möglich, also <10 %)

Gelegentlich: (bis zu 1 von 100 behandelte Patienten möglich, also <1 %)

  • Gefühl der Leere
  • Halluzinationen
  • Agitiertheit
  • Gehemmtheit
  • verminderte Gefühlswahrnehmung
  • Koordinationsstörungen
  • Erbrechen von Blut
  • Blut im Stuhl
  • Hautschwellungen
  • Veränderung des Gewichts

Selten: (bis zu 1 von 1000 behandelte Patienten möglich, also <0,1 %)

  • Krampfanfälle
  • Manie
  • unkontrollierte Harnentleerung

Da jeder Körper anders auf das Medikament reagiert, können auch Nebenwirkungen auftreten, die nicht aufgelistet sind. Die oben genannten Nebenwirkungen sollen deshalb nur einen Überblick über das Ausmaß schaffen. Wichtig hierbei ist, dass die vorgegebene Dosierung auf jeden Fall eingehalten wird und keine Abweichungen entstehen. Beim Auftreten der Nebenwirkungen oder einer Befindlichkeitsstörung sollte der behandelnde Arzt darüber informiert werden, da eine strikte Kontrolle und Absprache mit diesem zur Vermeidung vieler unerwünschter Wirkungen beitragen kann.

Neues aus der Forschung: S-Ketamin zur Behandlung von Depressionen

Ketamin wird seit mehreren Jahren als Allgemeinanästhetikum zur Durchführung der Vollnarkose eingesetzt. Charakteristisch hierbei ist die dissoziative anästhetische Wirkweise. Dadurch kann es seine schlaferzeugende und schmerzfreie Wirkung als Narkotikum entfalten, während die Reflextätigkeit weitestgehend erhalten bleibt. Dies ist vor allem von Vorteil, weil lebensbedrohliche narkotische Wirkungen wie Atemstillstand entfallen. Weiterhin besitzt Ketamin analgetische Wirkungen und kann bei Intensivpatienten Anwendung finden.
Arzneistoffe können je nach ihrer Struktur in verschiedenen dreidimensionalen Formen vorkommen. So kann ein Arzneistoff in einer Form vorkommen, bei der ein Atom nach links zeigt, während es in seiner anderen Form nach rechts zeigt. Verhält sich die andere Form des Wirkstoffs spiegelbildlich zum „Original“, so spricht man von sogenannten Enantiomeren. Die zwei Formen werden dabei mit S (linkswendig) oder R (rechtswendig) betitelt. Auf das Arzneimittel bezogen kann es sein, dass die eine Form pharmakologisch wirksam ist (sog. ‚Eutomer‘), während die andere wirkungslos ist (sog. ‚Distomer‘).

Ketamin durch die Nase

Bei Ketamin handelt es sich ebenfalls um einen chiralen Wirkstoff, der sowohl in S- als auch R-Enantiomer wirksam ist. Das S-Enantiomer wirkt laut Studien effektiv bei der Behandlung von Depressionen. Da es im Vergleich zu anderen üblichen Antidepressiva über die Blockade bestimmter Rezeptoren wirkt (sog. ‚Glutamatrezeptoren‘) ist ein Eintritt der Wirkung meist innerhalb weniger Stunden erzielt. Problematisch sind dennoch die Nebenwirkungen, welche bei einer Einnahme auftreten können. Üblicherweise werden Antidepressiva in Form von Tabletten verabreicht.

Seit März 2019 ist ein Ketamin-Nasenspray durch die Arzneimittelbehörde FDA (kurz für: Food and Drug Administration) in den USA zugelassen und bietet eine neue Therapieoption. Namentlich ist es im Handel als Spravado vom Unternehmen Janssen Pharmaceutica zu finden. Zu Beginn wird es zusätzlich zu einem klassischen Antidepressivum mitverordnet und neben der Psychotherapie zwei Mal pro Woche angewendet. Aufgrund des Missbrauchspotentials soll die Therapie bzw. die Verabreichung des Medikaments unter strenger Aufsicht mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Quelle: Vanina Popova u. a. (2019): Efficacy and Safety of Flexibly Dosed Esketamine Nasal Spray Combined With a Newly Initiated Oral Antidepressant in Treatment-Resistant Depression: A Randomized Double-Blind Active-Controlled Study . In: The American Journal of Psychiatry 176/6, S. 428–438.

 

Venlafaxin auf einen Blick

Venlafaxin aus der Wirkstoffgruppe der SSNRI (sog. Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer)

Wirkung

  • antidepressiv
  • stimmungsaufhellend
  • angstlösend
  • leicht schmerzlindernd

Anwendungsgebiete

  • Depressionen
  • generalisierte Angststörung
  • Panikstörungen
  • soziale Phobien
  • Migräne-Prophylaxe
  • diabetische Neuropathie

Wichtigste Nebenwirkungen

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel
  • verminderter Geschlechtstrieb
  • Appetitlosigkeit
  • Nervosität und Zittern

Empfohlene Dosis

  • Tagesdosis abhängig von der Art der Behandlung bzw. den Beschwerden
  • bei Depression: Anfangsdosis ungefähr drei Mal 75 mg pro Tag (maximale Tagesdosis von 375 mg)
  • bei generalisierter Angststörung: Anfangsdosis ungefähr 75 mg pro Tag (maximale Tagesdosis von 225 mg)
  • bei Gebrauch mehrerer Tabletten auf Zeitabstand (vom Arzt empfohlen) zwischen den Einnahmen achten
  • Keine Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, bzw. nur dann, wenn eine Einnahme des Medikaments laut dem Facharzt unausweichlich ist.
  • Während der Schwangerschaft und Stillzeit wird die Einnahme nicht empfohlen. Es liegen zwar nicht ausreichend Studien vor, jedoch ist ein Übergang des Wirkstoffs in die Muttermilch möglich, was folglich zu Absetzerscheinungen bei dem Neugeborenen führen könnte.

Darreichungsform

  • Tablette
  • Kapsel

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen existieren für Venlafaxin?

Fast alle Medikamente dürfen unter bestimmten Umständen keine Anwendung beim Patienten finden, da es zu lebensbedrohlichen Symptomen kommen kann. Man spricht auch von sogenannten Kontraindikationen. Venlafaxin ist bei den folgenden Umständen kontraindiziert:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Venlafaxin
  • wenn zeitgleich oder in den letzten 14 Tagen irreversible MAO-Hemmer (sog. Monoaminoxidasehemmer, eine andere Gruppe von Antidepressiva) eingenommen wurden

Bevor der Arzneistoff Venlafaxin eingenommen wird, sollte der leitende Arzt über die nachfolgenden Punkte informiert werden. Falls diese auf den Patienten zutreffen, ist nämlich besondere Vorsicht geboten.

  • erhöhter Augeninnendruck und bestimmte Arten des Glaukoms
  • Herzbeschwerden
  • niedrige Natrium-Blutwerte (sog. ‚Hyponatriämie‘)
  • Blutgerinnungsstörungen
  • erhöhte Cholesterinwerte
  • bipolare Störungen
  • Manie

Die Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten können durch andere Medikamente oder Substanzen verändert werden. Dabei kann die Wirkung und/oder Nebenwirkung verstärkt oder abgeschwächt werden. Eine solche Wechselwirkung findet bei Venlafaxin mit den folgenden Wirkstoffgruppen statt:

Medikamente bzw. Präparate, die einen der folgenden Wirkstoffe enthalten, können ebenfalls zu Wechselwirkungen mit Venlafaxin führen:

  • Linezolid (Antibiotikum)
  • Sibutramin (Mittel zur Reduktion des Gewichts)
  • Tramadol (Opioid-Analgetikum, Opioid-Schmerzmittel)
  • Johanniskraut (Phytopharmaka zur Behandlung von leichten Depressionen)
  • Tryptophan (Mittel bei Schlafstörungen und Depressionen, Vorstufe von Serotonin)
  • Ketoconazol (Mittel bei der Behandlung von Pilzinfektionen)
  • Haloperidol (Mittel zur Behandlung von psychischen Störungen)
  • Metroprolol (Mittel bei Bluthochdruck oder Herzbeschwerden, sog. Betablocker)

Weiterhin sollte der Konsum von Alkohol während der Einnahme von Venlafaxin vermieden werden, da dieser ebenfalls Einfluss auf die Wirkung hat. Wichtig hierbei ist, dass die oben genannten Punkte engmaschig mit dem Facharzt abgeklärt werden, damit die Behandlung mit Venlafaxin optimal verlaufen kann. Falls neue Beschwerden auftreten oder andere Medikamente eingenommen werden müssen, sollte dies dem behandelnden Arzt unverzüglich mitgeteilt werden.

Wie oben bereits erwähnt, kann Venlafaxin bei verschiedenen Erkrankungen Anwendung finden. Haben Sie schon einmal Venlafaxin zu sich genommen oder kennen jemanden, der dieses Medikament verordnet bekommen hat? Falls ja, welche Beschwerden sollten damit behandelt werden? (Mehrfachnennungen möglich)

Absetzen von Venlafaxin

Viele Antidepressiva können mit sogenannten Absetzerscheinungen einhergehen, wenn das Medikament zu schnell abgesetzt wird. Das Absetzen von Venlafaxin sollte idealerweise sukzessive erfolgen. Das heißt, dass die Dosis schrittweise so verringert wird, dass der Betroffene am Ende komplett auf das Medikament verzichten kann. Beim abrupten Absetzen können zuvor erlittene Symptome wiederkehren und einen Rückfall hin zur Einnahme des Medikaments erzeugen (sog. ‚Rebound-Effekt‘). Definitionsgemäß gehören Antidepressiva nicht zu den abhängigkeitsfördernden Medikamenten, doch wie oben bereits erwähnt, kann ein zu schnelles Absetzen des Wirkstoffs zu sogenannten Absetzerscheinungen führen. Ein Grund für die Absetzerscheinungen können die nach dem Absetzen stark reduzierten Neurotransmitterkonzentrationen sein, die während der Einnahme in hoher Menge vorhanden waren. Die Gegenregulation und der Versuch des Körpers, dieses Defizit wieder auszugleichen, äußert sich folglich durch die Absetzerscheinungen. Klassische Symptome wären:

  • Wiederauftreten der Depression
  • Wiederauftreten der anfänglichen Unruhe
  • Befindlichkeitsstörungen
  • Schlaflosigkeit

Was sollte ich wissen?

Bei der Einnahme von Venlafaxin sollten bestimmte Hinweise beachtet werden. Dadurch können mögliche Nebenwirkungen vermieden und eine bestmögliche therapeutische Wirkung erzielt werden.

  • Die Dosierungen zu bestimmten Zeitpunkten sollten eingehalten werden, da der Körper auch einige Zeit benötigt, um sich auf das Medikament einzustellen, sodass letztlich dessen volle Wirkung entfaltet werden kann.
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten dieses Medikament aufgrund des erhöhten Suizidrisikos nicht einnehmen.
  • Während der Schwangerschaft und der Stillzeit sollte die Einnahme von Venlafaxin vermieden werden. Nur bei zwingender Notwendigkeit und in Absprache mit dem Facharzt nach Abwägung eines Nutzen-Risiko-Verhältnisses kann eine Anwendung stattfinden.
  • Die Einnahme der Tablette sollte mit viel Flüssigkeit (1 Glas Wasser) und zum Zeitpunkt, der mit dem zuständigen Arzt abgesprochen wurde, erfolgen.
  • Im Rahmen der Therapie kann es dazu kommen, dass das Urteilsvermögen beeinträchtigt und die motorischen Fähigkeiten eingeschränkt sind. Das Führen eines Fahrzeuges während der Therapie sollte mit besonderer Vorsicht erfolgen.
  • Je nach Stärke der Mundtrockenheit als Nebenwirkung sollte vermehrt auf die Mundhygiene geachtet werden, um Probleme in diesem Bereich, beispielsweise Karies, zu vermeiden.
  • Individuell kann als Nebenwirkung eine Zunahme oder eine Abnahme des Gewichts stattfinden. Da die Einnahme von Antidepressiva nicht allein zur Behandlung der Depression erfolgt, sondern Teil einer ganzheitlichen Therapie ist (sog. ‚multimodalen Therapie‘), sollte durch ausgewogene Ernährung und Sport ein Ausgleich geschaffen werden.

Häufige Patientenfragen

Ist Venlafaxin ein rezeptpflichtiges Medikament?

Dr. T. Weigl:
Ja, da es sich bei Venlafaxin um ein psychostimulierendes Medikament handelt, kann es nur nach Anordnung eines Arztes mit einem Rezept in der Apotheke erworben werden. Antidepressiva sind generell rezeptpflichtig, jedoch können Arzneistoffe mit antidepressiver Wirkung wie beispielsweise Johanniskraut auch rezeptfrei erworben werden.

Was kann ich tun, wenn das Medikament bei mir nicht wirkt oder die Wirkung nachlässt?

Dr. T. Weigl:
Die Gründe für die Wirkungslosigkeit von Medikamenten oder eine abgeschwächte Wirkung können sehr unterschiedlich sein. Oft ist es so, dass entweder die Dosis nicht ausreicht oder das Medikament nicht optimal auf den Betroffenen „anspringt“ und eine Umstellung auf ein anderes Medikament erfolgen muss. In solchen Fällen ist es wichtig, dies schnellstmöglich mit dem behandelnden Arzt zu besprechen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Wichtig hierbei ist, dass die Dosis nicht eigenmächtig verändert wird, da dadurch stärkere Nebenwirkungen eintreten können. Erst nach Absprache mit dem Facharzt sollten eine Dosisänderung oder ein Wechsel des Präparates erfolgen.

Was kann ich tun, wenn ich vergessen habe, mein Medikament einzunehmen?

Dr. T. Weigl:
Falls die Einnahme des Medikaments vergessen wurde, sollte es ganz normal zum nächsten vorgeschriebenen Zeitpunkt wieder eingenommen werden. In diesem Rahmen können eventuell Nebenwirkungen eintreten. Wichtig ist, dass nicht zum nächsten Zeitpunkt zwei Tabletten eingenommen werden. Zwar hört es sich logisch an, 2 Tabletten einzunehmen, um einen Ausgleich zu schaffen. Allerdings können hierdurch die Effekte des Medikaments von der Norm abweichen und eine optimale Wirkung bleibt aus.

„Antidepressiva können ebenfalls bei sozialer Phobie helfen. Ein Beispiel hierfür wäre das Medikament Venlafaxin. Doch wir werden vorerst mit der Psychotherapie beginnen und dort ansetzen.“, erklärt der Psychotherapeut dem 26-jährigen Thorsten. „Ich habe all die Zeit gedacht, dass ich einfach nur schüchtern sei, aber anscheinend leide ich unter einer Phobie“, denkt sich dieser, ist aber guter Dinge – vor allem jetzt, da die Spekulationen nachlassen und man gemeinsam nach den Ursachen forschen kann.

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Haben auch Sie Erfahrungen mit dem Medikament Venlafaxin? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Schajan Salahijekta
Redaktion: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 01.06.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Klaus Aktories u. a. (2013): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, München.
  • Bandelow, B u. a. (2014): Deutsche S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen.
  • Gelbe Liste Online
  • T. Karow, R. Lang-Roth (2012): Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Vorlesungsorientierte Darstellung und klinischer Leitfaden für Studium und Praxis, 20. Auflage. Karow Verlag.
  • Jean Kim u. a. (2019): Esketamine for Treatment-Resistant Depression — First FDA-Approved Antidepressant in a New Class. In: The New England Journal of Medicine.
  • Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Martin Wehling, Lutz Hein (2016): Pharmakologie und Toxikologie, 18. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Vanina Popova u. a. (2019): Efficacy and Safety of Flexibly Dosed Esketamine Nasal Spray Combined With a Newly Initiated Oral Antidepressant in Treatment-Resistant Depression: A Randomized Double-Blind Active-Controlled Study. In: The American Journal of Psychiatry 176/6, S. 428–438.
  • S. Stahl u. a. (2005): SNRIs – Their Pharmacology, Clinical Efficacy, and Tolerability in Comparison with Other Classes of Antidepressants. In: CNS Spectrums 10/9, S. 732–747.
[Gesamt:3    Durchschnitt: 5/5]
1 Kommentar
  • Nicole
    14.07.2019 23:41

    Danke Herr Dr. Weigl für diese ausführliche Aufklärung über Venlafaxin. Ich wünschte, ich hätte im Jahr 2010 bereits ebenso ausführliche Informationen von meiner Ärztin erhalten. Mir wurde dieses Medikament gegen meine Antriebslosigkeit und depressive Verstimmung verschrieben (die, wie ich erst viel später erfuhr, eigentlich von einer Schilddrüsenunterfunktion bzw. Hashimoto kam). Bei mir führte die Einnahme von Venlafaxin ab 150 mg zu Angst- und Panikattacken (die ich vorher nie hatte) und die sich letztendlich zu einer sozialen Phobie entwickelten. Ich ging kaum noch raus, mied große Menschenmengen, konnte nicht in die Innenstadt, zum Einkaufen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. 6 Jahre hielt dieser Zustand an, statt die Medikation zu ändern, wurde bis zur Höchstdosis erhöht. Da ich dennoch keinerlei Verbesserung verspürte, schlich ich selbst aus. Die Absetzsymptome waren die Hölle. Ich benötigte über ein halbes Jahr für das Ausschleichen, bis ich wieder „clean“ war. Ab der Dosis von unter 150 mg hatte ich nie wieder eine Panikattacke. Später erfuhr ich von etlichen anderen Patienten, denen es mit Venlafaxin genauso ergangen war. Auch berichteten diese Leidensgenossen über extrem realistische Albträume unter der Einnahme, unter denen ich ebenfalls litt.

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