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Das Ödem – Flüssigkeitsansammlung im Körpergewebe

Viele Erkrankungen können Flüssigkeitsansammlungen im Körper begünstigen. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, die Entstehungsursache des Ödems auszumachen, um entsprechend behandeln zu können.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Bei einem Ödem handelt es sich um eine Flüssigkeitsansammlung, die im Gewebe außerhalb der Gefäße liegt. Diese Flüssigkeitsansammlungen wiederum verursachen Schwellungen, die entweder in einem begrenzten Bereich (‚lokalisiert‘), bspw. in den Beinen, oder über den gesamten Körper verteilt (‚generalisiert‘) vorliegen können. Teils kann es dabei zu starken Schwellungen der Extremitäten oder anderer Körperteile kommen, je nach Ursache des Ödems. Denn bei diesem handelt es sich nicht um ein eigenständiges Krankheitsbild, sondern vielmehr um ein Symptom vieler verschiedener möglicher Grunderkrankungen. Daher kommen bei der Diagnose neben dem Anamnesegespräch auch viele weitere Untersuchungsmethoden zum Einsatz, u. a. Blutuntersuchungen, Ultraschall, Röntgen und Computertomografie. Die Behandlung richtet sich stets nach der Ursache des Ödems, da Ödeme nur mit einer gezielten Therapie erfolgreich ausheilen können.

„Friedrich, du hast neuerdings so dicke Beine“, sagt Ute, als sie am Abend ins Badezimmer schaut und ihren Mann in Unterwäsche beim Zähneputzen ertappt. „Hast du mich gerade als dick bezeichnet?“, entgegnet Friedrich scherzhaft und kaum hörbar durch den ganzen Schaum, den die Zahnpasta im Mund verursacht hat. Ute kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, mahnt aber zur Ernsthaftigkeit: „Spaß beiseite. Ich hab jetzt schon öfter gesehen, dass du vor allem abends so dicke Beine hast. Das ist bestimmt Wassersucht. Und wer weiß, woher das kommt! Meinst du nicht, ein Arztbesuch könnte helfen? Ich hab nämlich gelesen, dass da durchaus schwere Erkrankungen hinter stecken können.“ Nachdenklich spuckt Friedrich die restliche Zahnpasta aus und spült sich den Mund, bevor er sich an Ute wendet und sagt: „Ist ja gut… Ich hab das jetzt auch schon öfter bemerkt und es kann ja nicht schaden. Ich ruf gleich morgen früh an, auch wenn meine Beine dann wieder dünner sind.“

Was ist ein Ödem und wann entsteht es?

Ein Ödem (von altgr. oídēma ‚Schwellung‘) beschreibt dem Umstand, dass sich wässrige Flüssigkeit im Körpergewebe ansammelt. Umgangssprachlich bezeichnet man das Vorliegen eines oder mehrerer Ödeme auch als Wassersucht. Allerdings trifft dieser Begriff den Sachverhalt nicht richtig. Denn die Ansammlungen bestehen nicht nur aus Wasser, sondern beinhalten auch Eiweiße (‚Proteine‘). Die Ansammlungen verursachen wiederum Schwellungen des betroffenen Gewebes und können entweder auf einen bestimmten Bereich (‚lokalisiert‘), bspw. ein Körperteil, begrenzt sein oder auf den gesamten Körper verteilt (‚generalisiert‘) auftreten.

In den meisten Fällen entstehen Ödeme infolge einer bestimmten Grunderkrankung, bei der entweder zu viel Gewebeflüssigkeit anfällt oder aber deren Abtransport so stark erschwert ist, dass ein Stau entsteht. Häufig entstehen Ödeme aufgrund von Herz- und Nierenerkrankungen, Abflussstörungen venösen Blutes in den Beinen, Eiweißmangel, allergischen Erkrankungen oder Störungen des Lymph-Abflusses. Überdies findet sich die Mehrzahl der Ödeme im unteren Bereich des Körpers, vor allem in den Füßen, den Knöcheln und den Unterschenkeln. Dies ist vorrangig auf die Schwerkraft zurückzuführen, infolge welcher die Flüssigkeit bei aufrechtem Stand natürlich nach unten hin absackt.

Gut zu wissen!
Durch Ödeme verursachte Schwellungen im Bereich der Füße, Knöchel und Unterschenkel erreichen abends meist ihre größte Ausprägung. Über Nacht lassen die Schwellungen dann durch den verringerten Einfluss der Schwerkraft in Teilen nach.

Überdies können auch bestimmte Medikamente zum Entstehen von Ödemen beitragen. Dazu zählen bspw. Medikamente gegen Bluthochdruck, verschiedene Schmerzmittel, z. B. nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac, Präparate, die das Glukokortikoid Kortison enthalten sowie Antidepressiva.

Allerdings muss nicht in jedem Fall eine Erkrankung vorliegen, damit ein Ödem entsteht. So kann es bspw. vorkommen, dass sich leichte Knöchelödeme schon nach längerem Stehen oder bei großer Hitze ergeben. Darüber hinaus gibt es noch das sog. prämenstruelle Ödem, durch das es bei Frauen kurz vor der Regelblutung zu wässrigen Ansammlung im Bereich des Gesichts, der Hände oder der Brüste kommen kann.

Wie entsteht ein Ödem?

Ödeme entstehen im Zusammenhang mit erhöhtem Blutdruck, da dann der Druck in den kleinen Blutgefäßen steigt und so Flüssigkeit in das darum gelegene Gewebe gepresst werden kann.

Zudem kann es im Zusammenhang mit einer zu geringen Eiweißkonzentration im Blut zur Bildung von Ödemen kommen. Eiweiße binden in Verbindung mit dem sogenannten kolloidosmotischen Druck Flüssigkeit. Befinden sich zu wenige Eiweiße im Blut, sinkt der Druck, die Flüssigkeit kann von den Eiweißen nicht mehr gebunden werden und wird in das Gewebe gedrückt, wodurch ein Ödem entsteht. Der Eiweißmangel kann entstehen, wenn der Körper zu viel Eiweiß verliert, er gar nicht erst ausreichend Eiweiße bildet oder aber nicht genügend Eiweiß aufnehmen kann.

Es können auch Lymphabflussstörungen vorliegen, infolge welcher sich sogenannte Lymphödeme bilden können. Man unterscheidet hier zwischen einem primären und einem sekundären Lymphödem. Bei beiden Krankheitsbildern ist der Abtransport von Flüssigkeit aus dem Gewebe gestört.

Zu guter Letzt können auch die Blutgefäße beschädigt sein, wodurch sie für Wasser durchlässiger werden. Auch bei normalem Blutdruck kann dieser dafür sorgen, dass bei einer beschädigten Zellwand mehr Flüssigkeit in das umliegende Gewebe gelangt, sodass dort ein Ödem entstehen kann.

Welche Erkrankungen können Ödeme zur Folge haben?

Die zuvor erwähnten Umstände, unter denen Ödeme entstehen – also erhöhter Blutdruck, geringe Eiweißkonzentration, Lymphabflussstörungen sowie beschädigte Blutgefäße – können die Folge vieler unterschiedlicher Erkrankungen sein. Nachfolgend finden Sie daher eine beispielhafte Auflistung möglicher Ursachen, die derartige Umstände herbeiführen und letztlich Ödeme entstehen lassen:

  • Herzinsuffizienz/Herzschwäche: Bei einer Herzschwäche sammelt sich Flüssigkeit vor allem in Armen und Beinen sowie im Bauchraum (sog. ‚Aszites‘) an. Dies geschieht, da ein geschwächtes Herz nicht mehr dazu imstande ist, das Blut mit ausreichend Druck durch den Körper zu transportieren, wodurch es zu einem Rückstau vor dem Herzen kommt. Erhöht sich gleichzeitig der Druck in den Venen, kommt es zum Übertritt von Flüssigkeit aus den Gefäßen ins Gewebe. Diese Probleme ergeben sich vor allem infolge einer Rechtsherzinsuffizienz. Bei einer Linksherzinsuffizienz hingegen ist die linke Herzkammer nicht mehr dazu in der Lage, ausreichend Blut in den Körper zu pumpen, sodass die Lunge mehr Blut in die Herzkammer transportiert als diese weiterleiten kann. Das Blut staut sich in der Folge in der Lunge zurück, wo es einen erhöhten Blutdruck in den Lungengefäßen verursacht und Flüssigkeit in das Lungengewebe presst. Auf diesem Weg kann bei starker Insuffizienz Flüssigkeit in die Lungenbläschen und Luftwege gelangen, wo sich dann ein sogenanntes Lungenödem bildet. Dann ist Vorsicht geboten, denn dies ist ein lebensbedrohlicher Zustand. Zu den Beschwerden im Zusammenhang mit einem Lungenödem zählen Atemnot, eine schnelle und flache Atmung sowie Husten. Der bei einer Herzinsuffizienz entstehende Blutrückstau kann indes auch zu einer sogenannten Stauungsleber führen, die eine Leberzirrhose, also eine weitgehende und meist nicht umkehrbare Zerstörung der Leber, zur Folge haben kann. Außerdem kann es zu einer Entzündung der Magenschleimhaut (hier sog. ‚Stauungsgastritis‘) kommen. Da das Blut auch vor den Nieren gestaut wird, kommt es zu einer Einschränkung der Filterfunktion, wodurch Eiweiße verloren gehen und die Entstehung von Ödemen begünstigt wird.
  • Veneninsuffizienz/Venenschwäche und Venenerkrankungen: Diese kann dazu führen, dass Ödeme in den Füßen, den Unterschenkeln oder den Fußgelenken entstehen, da das Blut nicht mehr in ausreichendem Maße zum Herzen zurücktransportiert werden kann. Die Schwerkraft sorgt in diesem Zusammenhang für die Stauung in den Beinen, wo die angestaute Flüssigkeit in das umliegende Gewebe gedrückt wird. Überdies kann es dazu kommen, dass ein Blutgerinnsel (sog. ‚Thrombus‘) verstopft, also eine Thrombose entsteht. Auch hier wird dann durch den steigenden Druck Flüssigkeit in das umliegende Gewebe gepresst, sodass Ödeme entstehen können.
  • Nierenerkrankungen: Auch bei Erkrankungen der Nieren können Ödeme entstehen. So kann es bspw. im Rahmen des sogenannten nephrotischen Syndroms dazu kommen, dass die Niere mehr Eiweiße als im Normalfall über den Urin ausscheidet, wodurch es zu einer verringerten Eiweißkonzentration im Blut kommt und so weniger Flüssigkeit in den Gefäßen gebunden werden kann. In der Folge wird mehr Flüssigkeit in das umliegende Gewebe gepresst. Außerdem kann es sein, dass die Nieren nicht mehr dazu imstande sind, dem Körper ausreichend Wasser sowie Natrium zu entziehen, wodurch sich der Druck in den Gefäßen zusätzlich erhöht. Ein nephrotisches Syndrom kann u. a. die Folge von Diabetes mellitus bzw. einer mit der Zuckerkrankheit in Zusammenhang stehenden Nierenschädigung sein (sog. ‚Diabetische Nephropathie‘).
  • Lebererkrankungen: Im Rahmen von Lebererkrankungen soll an dieser Stelle vor allem die Leberzirrhose genannt werden. Diese sorgt nämlich in zweierlei Hinsicht dafür, dass Ödeme leichter entstehen können. So kommt es zum einen dazu, dass die beschädigte, teils zerstörte Leber nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Eiweiße zu bilden, die verantwortlich für die Bindung der Flüssigkeit in den Blutgefäßen sind. Überdies kann es dazu kommen, dass sich das Blut in der zur Leber führenden Arterie staut, da eine zerstörte bzw. beschädigte Leber mitunter nicht mehr dazu imstande ist, das Blut schnell genug abfließen zu lassen. In der Folge erhöht sich der Blutdruck, während gleichzeitig die Flüssigkeit durch den Eiweißmangel nicht mehr ausreichend gebunden werden kann. Die Flüssigkeit wird in das umliegende Gewebe und in die Bauchhöhle gepresst.
  • Allergien: Allergien können zu einem sogenannten allergischen Ödem führen, das definiert ist als Wassereinlagerung, die durch allergene Substanzen ausgelöst wird. Bestimmte Allergene können dafür sorgen, dass sogenannte Gewebshormone wie Histamin freigesetzt werden, wodurch sich wiederum die Durchlässigkeit der Gefäße für Flüssigkeit (sog. ‚Kapillarpermeabilität‘) erhöht. Auf diese Weise können Flüssigkeiten und Proteine austreten, was die Entstehung eines Ödems begünstigt, da auch die Eiweiße, die normalerweise Flüssigkeit binden, in ihrer Konzentration abnehmen. Bestimmte Wirkstoffe, wie sie in Medikamenten zu finden sind, bspw. Acetylsalicylsäure (ASS) oder Penicillin, können ein allergisches Ödem begünstigen.
  • Medikamente: Verschiedene Medikamente sorgen dafür, dass sich Flüssigkeit im Gewebe einlagert. Dazu gehören bspw. Diuretika, da diese bewirken, dass der Körper das Hormon Aldosteron verstärkt bildet, welches wiederum dafür sorgt, dass Kochsalz und Wasser im Körper gehalten werden. Des Weiteren gibt es Medikamente, welche die Ausscheidung von Flüssigkeit über die Niere hemmen und so das Entstehen von Ödemen begünstigen. Zu diesen Medikamenten gehören nicht-steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac, verschiedene Glukokortikoide wie bspw. Kortison, aber auch Antidepressiva.
Exkurs: Ibuprofen und Diclofenac
Bei Ibuprofen und Diclofenac handelt es sich um gängige, rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel, die vor allem bei der Behandlung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen Anwendungen finden. Die häufigsten Anwendungsgebiete sind Gelenkschmerzen, bspw. infolge von Arthrose, Rückenschmerzen sowie Schmerzen in den Knien und den Beinen. Die beiden Wirkstoffe gehören zur Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (kurz: NSAR) und zeichnen sich neben der Schmerzlinderung und der Fiebersenkung vor allem durch ihre entzündungshemmende (sog. ‚antiphlogistische‘) Wirkung aus.Allerdings gilt auch hier: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Denn mitunter können die Wirkstoffe Magen-Darm-Beschwerden, Nierenprobleme oder auch Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System verursachen. Wichtig in diesem Zusammenhang: Bei bereits vorliegenden Magenproblem ist höchste Vorsicht geboten, denn es handelt sich um eine Kontraindikation. Damit ist gemeint, dass diese Medikamente nicht eingenommen werden sollten, wenn bereits Probleme mit Magen oder Darm bestehen. Auch wenn bereits Magengeschwüre vorliegen oder man an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leidet, ist von der Anwendung von Ibuprofen abzusehen.Möchten Sie mehr über die beiden häufig angewendeten Medikamente in Erfahrung bringen? Im nachfolgenden Beitrag erörtert Dr. Tobias Weigl im Detail die Vor- und Nachteile der beiden NSAR.

Spezialfall Lymphödem

Zunächst sollte an dieser Stelle geklärt werden, was die Lymphe ist. Die Lymphe bezeichnet eine klare bis hellgelbe Flüssigkeit, die sich aus Lymphplasma und Lymphozyten, einer für die Immunabwehr verantwortlichen Gruppe weißer Blutkörperchen, zusammensetzt. Lymphe entsteht, wenn Blutplasma aus Kapillargefäßen ins Gewebe austritt. Dort fließt sie in Gewebespalten und wird dann über Lymphgefäße und Lymphknoten wieder dem Blutkreislauf zugeführt. Die Lymphe bildet ein wichtiges Transportsystem im Körper, das unter anderem Nährstoffe, Fremdkörper sowie Keime transportiert und der Immunabwehr dient.

Ein Lymphödem entsteht dann, wenn ein ungehindertes Abfließen der Lymphe nicht mehr gewährleistet wird und sie sich außerhalb der Lymphgefäße sammelt. Derlei Lymphödeme sind häufig an Armen und Beinen, aber auch an Kopf, Hals, Leiste oder Achseln zu finden. Man unterscheidet je nach Entstehungsgrund zwischen primären und sekundären Lymphödemen.

Bei primären Lymphödemen handelt es sich um eine angeborene Lymphgefäß-Erkrankung, die entweder direkt im Rahmen der Geburt vorliegt oder aber innerhalb der ersten 30 Lebensjahre zum Vorschein kommt. Menschen mit primären Lymphödem haben von Geburt an entweder keine oder aber zu kleine Lymphgefäße und -knoten. Außerdem kann es sein, dass in den Lymphknoten lokalisierte Wucherungen von Bindegewebe den Abfluss der Lymphe behindern.

Ein sekundäres Lymphödem kann auf mehrere Ursachen zurückzuführen sein. Dazu zählen u. a. Parasitenbefall, Infektionen, Tumoren oder eine Thrombose. Außerdem ereignen sich Lymphödeme häufig infolge einer operativen Lymphknoten-Entfernung.

Die Symptome: Welche Beschwerden entstehen bei einem Ödem?

Ein Ödem selbst macht sich als Symptom natürlich durch die Schwellung des betroffenen Gewebes, in dem sich die Flüssigkeit ansammelt, bemerkbar. Allerdings existieren im Rahmen von Ödemen erste Anzeichen, die auf ihr Entstehen hindeuten können. So kann es bspw. sein, dass sich sowohl Arme als auch Beine schwer und aufgedunsen anfühlen oder gar im Ganzen angeschwollen aussehen. Des Weiteren entstehen möglicherweise Dellen, wenn man auf die betroffenen Stellen drückt. Ein Ödem kann sich auch dadurch bemerkbar, dass Schmuck oder Kleidung, den oder die man sonst einwandfrei tragen konnte, auf einmal unbequem sitzen oder eng erscheinen. Der betroffene Bereich kann sich gespannt anfühlen und möglicherweise sogar Schmerzen verursachen. Überdies ist ggfs. die Bewegungsfreiheit betroffener Gelenke eingeschränkt und die Haut im Bereich des Ödems erwärmt.

Einige Symptome sind besonderen Arten von Ödemen zuzuordnen, je nachdem, welche Grunderkrankung diese verursacht. So laufen Patienten mit Linksherzinsuffizienz bspw. Gefahr, an einem Lungenödem zu erkranken, das die Atmung erschwert und den Puls erhöht. Oft begeben sich Betroffene in diesem Zusammenhang in eine aufrechte Sitzposition, da das Atmen so leichter fällt. Bei fortschreitender Erkrankung kann die Atemnot mitunter schwerwiegend werden, sodass sich die Haut blass oder gar bläulich färbt. Hinzu kommt möglicherweise ein trockener Husten mit weißlichem Auswurf. Ist hingegen die rechte Herzkammer von der Insuffizienz betroffen, kommt es an Füßen und Beinen beidseitig zur Bildung Ödemen, beginnend mit dem am tiefsten liegenden Punkt, also den Füßen. Wenn in diesem Rahmen auch Flüssigkeit in die Bauchhöhle eindringt, kann sich der Bauch aufblähen.

Bei Ödemen infolge einer Venenschwäche hingegen sind die Beine nicht beidseitig, sondern nur dort geschwollen, wo die Venen auch tatsächlich geschwächt sind.

Ein Ödem als Folge einer Nierenerkrankung äußert sich dagegen vor allem durch Schwellung an den Augen und allgemein im Gesicht.

Ödeme infolge einer allergischen Reaktion verursachen Schwellungen im Gesicht und im Bereich von Magen und Darm. Häufig leiden Betroffene an geschwollen Augenlidern sowie Lippen.

Lymphödeme verursachen in ihrer primären Form meist eine Schwellung der Fußknöchel und rufen im Bereich des Sprunggelenks tiefe Hautfalten hervor. Auch die Zehen können von der Schwellung betroffen sein. Sekundäre Lymphödeme betreffen indes zunächst den Rumpf und später die Extremitäten. Gemein ist den beiden Formen, dass sie ein Gefühl von Spannung und Schwere sowie Schmerzen verursachen.

Umfrage: Hatten Sie schon einmal ein Ödem? Auf welche Ursache war die Flüssigkeitsansammlung bei Ihnen zurückzuführen? Mit Ihrer Teilnahme an dieser Umfrage helfen Sie anderen Betroffenen dabei, ihre Beschwerden besser einschätzen zu können.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Kommen von Ödemen Betroffene zum Arzt, so wird dieser im Rahmen des Anamnesegesprächs, also dem einleitenden Gespräch zwischen Arzt und Patient, einige Informationen erfragen. Im Zusammenhang mit Ödemen wird er sich vor allem danach erkundigen, ob der Patient an bereits bekannten Begleiterkrankungen leidet, ob eine Infektion vorliegt, ob eine Operation stattgefunden hat und seit wann der Patient an dem Ödem leidet.

Darauf folgt eine körperliche Untersuchung, im Rahmen welcher der Arzt betroffene Körperstellen inspiziert und den Umfang der von dem Ödem betroffenen Stellen misst. Außerdem überprüft er, indem er Druck auf die Stellen ausübt, ob und inwiefern die Stellen nachgeben. Hinterlässt der Test eine Delle, die bestehen bleibt, ist dies für den Arzt bereits ein Hinweis auf eine unnatürliche Flüssigkeitsansammlung im Gewebe. Allerdings werden Ödeme dahingehend auch unterschieden. Lymphödeme sind eher hart, während bspw. Ödeme infolge von Eiweißmangel weich und leicht einzudrücken sind. Des Weiteren wird der Arzt nach Verfärbungen der betroffenen Körperteile suchen, da bspw. eine bläuliche Färbung auf eine Abflussstörung der Venen hindeutet.

Aber auch die Labordiagnostik wird für die Diagnose hinzugezogen. Im Rahmen dieser wird ein Blutbild erstellt und die Serumelektrolyte und -lipide, harnpflichtige Substanzen, das Gesamteiweiß sowie der Urinstatus werden untersucht. Im Rahmen der Untersuchung der Serumlipide kann bspw. ermittelt werden, ob dem Ödem ein nephrotisches Syndrom oder eine Schilddrüsenüberfunktion (sog. ‚Hyperthyreose‘) zugrunde liegt.

Gut zu wissen!
Als harnpflichtige Substanzen bezeichnet man alle Stoffwechselprodukte sowie anorganischen Substanzen, die über die Nieren bzw. über den Urin ausgeschieden werden müssen. Dazu gehören vor allem die Substanzen Kreatin, Harnstoff und Harnsäure. Bei Niereninsuffizienz können sich diese Substanzen anstauen, was mehrere Symptome zur Folge haben kann, u. a. Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder Flüssigkeitseinlagerungen.

Zur Unterscheidung der einzelnen Ödemtypen nutzt der Arzt dann diverse bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen oder Computertomografie (kurz: CT).

Ist dann ein Verdacht formuliert, erfolgt darauf basierend die weiterführende Diagnose, im Rahmen welcher dann bspw. eine Allergiediagnostik durchgeführt wird, wenn der Arzt der Ansicht ist, das Ödem sei aufgrund einer allergischen Reaktion entstanden. Überdies ist es bspw. auch möglich, einen sogenannten Auslassversuch zu unternehmen, wenn der Verdacht nahe liegt, dass Medikamente die Ödeme verursachen. Wenn hingegen ein gestörter Lymphfluss vermutet wird, kann dieser unter Zuhilfenahme des Verfahrens der (Isotopen-)Lymphografie direkt nachgewiesen werden. Dabei wird eine Testsubstanz unter die Haut oder in die Lymphgefäße gespritzt, die dann auf dem Röntgenbild dunkel erscheint.

Fakten-Box
Ödeme

  • Ein Symptom, keine Erkrankung
  • Flüssigkeitsansammlungen und in der Folge Schwellungen können lokalisiert oder generalisiert auftreten
  • In den meisten Fällen liegt eine Grunderkrankung vor, die hohen Blutdruck, eine verringerte Eiweißkonzentration im Blut, Lymphabflussstörungen oder eine Beschädigung von Blutgefäßen verursacht

Symptome

  • Schwellung betroffener Körperstellen
  • Arme und Beine fühlen sich aufgedunsen an
  • Arme und Beine sehen gedunsen aus
  • Druck auf die betroffene Stelle hinterlässt eine Delle
  • Schmuck und Kleidung liegt enger an als üblich, sind unbequem
  • Eingeschränkte Gelenkbewegung
  • Haut an der betroffenen Stelle wirkt gespannt, schmerzt und ist erwärmt

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Grundsätzlich steht bei der Therapie von Ödemen die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Denn bleibt diese bestehen, werden auch die Ödeme nicht in Gänze abheilen können. So steht bspw. die Behandlung einer Herz-, Venen- oder Nierenschwäche im Fokus der Therapie.

Allerdings ist es möglich, auch symptomatisch zu behandeln, also gezielt Beschwerden zu lindern. Bei besonders schweren Ödemen kommen in diesem Zusammenhang eine salzarme Ernährung in Kombination mit harntreibenden Medikamenten (sog. ‚Diuretika‘) zum Einsatz. Auf diese Weise kann der Wasser- und Mineralstoffhaushalt kontrolliert werden. Unter sorgfältiger Berücksichtigung der Umstände kann es auch sein, dass der Arzt Betroffenen empfiehlt, die tägliche Flüssigkeitszufuhr einzuschränken, da dies natürlich auch bedeutet, dass weniger Flüssigkeit in das Gewebe gelangen kann.

Gut zu wissen!
Ausschwemmende Medikamente (sog. ‚Diuretika‘) kommen bei Lymphödemen kaum zum Einsatz, da sie dem Körper Wasser entziehen, wodurch sich die Eiweißkonzentration im bereits vorliegenden Ödem nur erhöht. Im Ergebnis strömt noch mehr Flüssigkeit aus den Gefäßen in das Lymphödem.

Behandlung von Lymphödemen

Lymphödeme werden unterschiedlich behandelt. In diesem Zusammenhang besteht das Ziel der Behandlung darin, den Abtransport der Lymphe zu verbessern. Zunächst kann dabei alleinige Kompression zum Einsatz kommen. Handelt es sich aber um ein schwerwiegendes Lymphödem, so kann eine sogenannte Entstauungstherapie eingeleitet werden. Diese beginnt in der Regel mit einer manuellen Lymphdrainage. Dabei werden zunächst Hals und Oberkörper und im Anschluss Unterbauch und Beine massiert. Dies verfolgt den Zweck, Flüssigkeit im Gewebe in die Lymphgefäße zu verschieben und so das Gewebe zu entwässern. Diese Maßnahme wird kombiniert mit einer Bewegungs- sowie Kompressionstherapie. Die betroffenen Körperstellen werden zunächst jeden Tag bandagiert, sodass sich deren Umfang reduziert. Im Anschluss müssen konsequent Kompressionsstrümpfe getragen werden, da nur so ein nachhaltiger Erfolg der Lymphdrainage gewährleistet werden kann. Diese Behandlung kann durch verschiedene Faktoren negativ beeinflusst werden, u. a. durch Übergewicht, Akupunktur oder Langzeitblutdruckmessungen.

Gut zu wissen!
Eine korrekt ausgeführte Lymphdrainage hat immer zur Folge, dass die Behandelten im Anschluss einen Harndrang verspüren.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Lymphgefäße entzündet sind und daher die Lymphe nicht mehr ordentlich weiterleiten. Dann kann auch eine medikamentöse Therapie erfolgen, die unter anderem den Einsatz von Antibiotika vorsieht. Zeigen alle bis hierher genannten Ansätze keinen Erfolg, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden, bei der chirurgisch ein neuer Lymphabfluss konstruiert wird oder Lymphgefäße transplantiert werden.

Achtung!
Ein Lungenödem oder ein Allergisches Ödem bedürfen einer schnellen Behandlung, da von ihnen Betroffene mitunter daran ersticken können. Auch Lymphödeme können unbehandelt dazu führen, dass sich Gewebe bildet und verhärtet, was wiederum zu entzündlichen Reaktionen führen kann, die sich bspw. in Form einer Wundrose (sog. ‚Erysipel‘) äußert.

Häufige Patientenfragen

Wodurch bekommt man erhöhten Blutdruck?

Dr. T. Weigl
Bluthochdruck (sog. ‚Hypertonie‘) bezeichnet die krankhafte dauerhafte Erhöhung des Blutdrucks. Bei vielen Betroffenen bleibt die Ursache ungeklärt und kann nur in seltenen Fällen auf einen organischen Ursprung zurückgeführt werden. Allerdings existieren einige Risikofaktoren, die hohen Blutdruck begünstigen, u. a. Übergewicht, Stress, Bewegungsmangel, familiäre Veranlagung und ein hoher Salzkonsum.

Weitere Informationen zum Thema Bluthochdruck in diesem Video

Im nachfolgenden Video-Beitrag befasst sich Dr. Tobias Weigl mit dem Thema Hypertonie und erklärt, warum im Alter von unter 65 Jahren fast jeder zweite Deutsche an den Spätfolgen eines dauerhaft erhöhten Blutdrucks stirbt.

Was ist Diabetes mellitus?

Dr. T. Weigl
Bei Diabetes mellitus, allgemein bekannt als Zuckerkrankheit, handelt es sich um eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen, die durch einen erhöhten Glukosegehalt im Blut gekennzeichnet sind. Dabei unterscheidet man vor allem zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Während Typ-1-Diabetiker darunter leiden, dass auf Dauer diejenigen Zellen der Bauchspeicheldrüse, in denen Insulin produziert wird, zerstört werden, verhält es sich bei Typ-2-Diabetikern so, dass das Insulin seine Wirkung nicht in ausreichendem Umfang entfalten kann, da der Körper nicht genügend auf das Hormon reagiert. Diabetes mellitus kann mitunter schwerwiegende Folgeerkrankungen nach sich ziehen, darunter bspw. Nervenschädigungen im Rahmen einer sogenannten Diabetischen Polyneuropathie oder Schäden an der Netzhaut bei einer sogenannten Diabetischen Retinopathie.

Weitere Informationen zum Thema Diabetes in diesem Video

Im nachfolgenden Video-Beitrag informiert Dr. Tobias Weigl über die Erkrankung und ihre möglichen Folgen.

Was ist eine Elephantiasis?

Dr. T. Weigl
Elephantiasis bezeichnet ein stark ausgeprägtes Ödem, das auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein kann. Infrage kommen Entwicklungsstörungen der Lymphabflussbahnen im Säuglingsalter, die Zerstörung der Lymphabflusswege als Folge eines Gefäßverschlusses oder durch Insekten hervorgerufene Infektionen. Charakteristisch für die Erkrankung ist das zum Teil massive Anschwellen eines Körperteils, verursacht durch einen chronischen Lymphstau. Meist sind die Beine und/oder die äußeren Geschlechtsteile betroffen. Das Ödem kann mithilfe einer Entstauungstherapie unter Kontrolle gebracht und verringert werden.

Friedrich leidet laut seinem Arzt unter einer leichten Venenschwäche. Sein Blut kann nicht mehr in ausreichendem Maße zum Herzen zurückgeführt werden. Daher sind auch seine Beine abends manchmal so dick, das sind Flüssigkeitsansammlungen! Zunächst wird jetzt die Ernährung umgestellt, weniger Salz soll er zu sich nehmen. Außerdem bekommt er harntreibende Medikamente verordnet, welche die überschüssige Flüssigkeit aus dem Körper treiben sollen. Zeitgleich wird die Venenschwäche selbst in Angriff genommen, und zwar mit einer Kompressionstherapie, die besonders bei körperlicher Bewegung den Blutrückfluss beschleunigen soll.

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Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller

Lektorat: Christine Pepersack

Veröffentlicht: 26.10.2018

Quellen

  • Bundesverband Deutscher Internisten e. V.: Manuelle Lymphdrainage.
  • Bundesverband Deutscher Internisten e. V.: Was ist eine Leberzirrhose?
  • Bundesverband Deutscher Internisten e. V.: Was sind Ödeme?
  • Deutsche-apotheker-zeitung.de (2007): Wie Sie müden Venen Beine machen. In: DAZ 15/2007.
  • Deutsches Netzwerk Lymphologie e. V.: Elephantiasis.
  • Ulrich Herpertz (2010): Ödeme und Lymphdrainage – Diagnose und Therapie von Ödemkrankheiten. Schattauer Verlag, Stuttgart.
  • Martina Hoffschulte (2018): Ödeme – wenn sich Wasser im Gewebe ansammelt.
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (Hrsg) (2016): Ursachen und Anzeichen eines Ödems.
  • Mark Buchta et al (Hrsg) (2013): Das Hammerexamen. Elsevier; Urban & Fischer, München.
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