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Lichen sclerosus – Jucken, Schmerzen, verhärtete Haut im Genitalbereich

„Lichen sclerosus betrifft besonders häufig Frauen. Leider wird die Krankheit meist erst nach längerer Zeit diagnostiziert – oft nach mehreren Jahren – was für die Betroffenen einen langen Leidensweg bedeutet.“
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Bei Lichen sclerosus handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Sie ist nicht angeboren, sondern wird erworben. Die genauen Ursachen sind bis heute unklar. Lichen sclerosus ist nicht ansteckend. Die Krankheit manifestiert sich als Juckreiz, Schmerzen und Verhärtung der Haut, meist ist dabei der Genitalbereich betroffen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Therapie besteht in den meisten Fällen in einer Behandlung mit Cortison. Mehr zu Beschwerden, Therapie und Behandlung erfahren Sie im folgenden Artikel.

Nina sitzt im Wartezimmer beim Arzt. Mal wieder. Sie weiß schon gar nicht mehr, bei wie vielen Ärzten sie in den letzten Jahren war. Es sind immer die gleichen Symptome: Jucken und Brennen im Intimbereich, oft auch ein Brennen beim Wasserlassen. Oft kommen noch Schwellungen dazu. An Sex ist kaum zu denken, der tut schon nach kurzer Zeit furchtbar weh. Das tut ihrer Beziehung gar nicht gut, auch deshalb ist sie so häufig zum Arzt gegangen. Dabei sind ihr die Beschwerden peinlich, sie findet es unangenehm, sie immer wieder aufs Neue schildern zu müssen. Nina hat schon mehrfach den Frauenarzt gewechselt. Zunächst wurde nämlich immer eine Pilzinfektion vermutet, doch nach der Behandlung wurde es immer nur kurz besser, wenn überhaupt. Dann kamen jedes Mal Tests auf Geschlechtskrankheiten, die alle negativ ausfielen. Und bald darauf wussten die Ärzte nicht mehr weiter, manche meinten sogar, sie müsse einfach damit leben, manche Frauen hätten nun einmal Probleme in dem Bereich. Doch damit will sich Nina nicht abfinden, immer wenn die Beschwerden besonders schlimm werden, unternimmt sie einen neuen Versuch. Nun hat ihre Hausärztin ihr einen Hautarzt empfohlen und Nina hofft, dass er ihr endlich helfen kann …

Was ist Lichen sclerosus?

Lichen sclerosus ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die partiell auftritt und das Bindegewebe betrifft. Sie wird auch ‚Lichen sclerosus es atrophicus‘ (LSA), oder ‚Weißfleckenkrankheit‘ genannt, beide Begriffe sind jedoch mittlerweile veraltet. Lichen sclerosus manifestiert sich auf der Haut und den Schleimhäuten, in den meisten Fällen (75 Prozent) ist der Genitalbereich betroffen. Sie kann jedoch auch an anderen Körperstellen, wie dem Rücken, den Beinen oder sogar den Mundschleimhäuten auftreten, was jedoch eher selten (in 6-20 Prozent der Fälle) geschieht. Die Krankheit ist nicht ansteckend, sie kann also nicht weitergegeben werden.

Exkurs: Myasthenia gravis

Bei der Myasthenia gravis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel ist hierbei gestört, daraus resultiert eine unnatürliche, muskuläre Ermüdbarkeit. Es kommt zum ‚Dekrement‘, was bedeutet, dass die Reizantwort bei wiederholter Reizung immer geringer ausfällt. Wiederholte Bewegungen werden daher immer schwieriger und energieloser. Betroffen sein können sowohl die äußere Augenmuskulatur, die Atemmuskulatur, die Muskulatur des Mundes, der Extremitäten oder des Schlundes.

Die Krankheit ist mit ca. 0,2 Neuerkrankungen pro Jahr verhältnismäßig selten. Besonders häufig betroffen sind Frauen zwischen 34 und 40 Jahren und Männer zwischen 60 und 80 Jahren. Prinzipiell kann die Erkrankung jedoch in jedem Alter auftreten.

Typische Symptome der Myasthenia gravis sind:

  • Das Sehen von Doppelbildern
  • Herabhängendes Augenlid auf einer oder beiden Seiten
  • Kopfhalteschwäche
  • Schluck- und Sprechbeschwerden
  • Schwäche der Extremitäten
  • Muskelschwund
  • Schwäche der Atemhilfsmuskulatur mit Atemnot

Myasthene Krise
Hierbei handelt es sich um eine gravierende Verschlechterung der Erkrankung, die einer sofortigen intensivmedizinischen Behandlung bedarf.
Mehr über die Myasthenia gravis, ihre Diagnose und Therapie lesen Sie in diesem Artikel.

Wer ist betroffen?

Lichen sclerosus kann in jedem Alter auftreten und beide Geschlechter betreffen. Schätzungsweise liegt die Geschlechterverteilung bei 6:1, Frauen sind also sechs Mal häufiger betroffen als Männer. Besonders häufig (ca. 50 Prozent) wird Lichen sclerosus bei Frauen nach der Menopause diagnostiziert. Kinder sind mit geschätzten 0,1 Prozent äußerst selten betroffen.

Es liegt zumeist eine Diagnoseverzögerung von circa fünf Jahren vor. Da die Erkrankung häufig falsch oder gar nicht diagnostiziert wird, kann die Anzahl der Betroffenen nur vermutet werden, schätzungsweise sind also 2-4 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Achtung!
Bei fehlender Behandlung kann es zu größerer Vernarbung und einem erhöhten Krebsrisiko kommen.

Symptome

Die Symptome treten oft in Phasen oder sog. ‚Schüben‘ auf. Die Dauer der Schübe, sowie deren Abstände sind dabei stark individuell und können beispielsweise durch Stress oder auch die Therapie der Lichen sclerosus beeinflusst werden.
Symptome betreffen meist den Genitalbereich und können bei Frauen um die Vulva und den Anus auftreten. Im frühen Stadium der Erkrankung können über Wochen oder auch Monate Beschwerden auftreten wie:

  • Juckreiz
  • Schmerzen
  • Erhöhte Empfindlichkeit

Im weiteren Krankheitsverlauf sind typische Symptome:

  • Starker Juckreiz
  • Verhärtung der Haut (kann bspw. bei Männern dazu führen, dass sie die Vorhaut nicht mehr zurückgeschoben werden kann. Das kann zu Infektionen und chronischen Entzündungen führt.)
  • Schnelles Einreißen (sog. ‚Fissuren‘), Bluten oder Entzünden der betroffenen Bereiche
  • Anschwellen
  • Rötungen
  • Weißlich-narbiges Aussehen der Haut (wie Knötchen)
  • Vernarbung
  • Schrumpfen der Hautareale, wie bspw. bei Frauen Rückbildung der Schamlippen (sog. ‚Atrophie‘)
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (sog. ‚Dyspareunie‘)
  • Schmerzen beim Wasserlassen und beim Stuhlgang
  • Vernarbung der Harnröhre (führt bspw. zu abgeschwächtem Harnstrahl)
  • Libidostörungen

Ca. 10 Prozent der Patienten zeigen jedoch keinerlei Symptome und Beschwerden, die Krankheit verläuft bei ihnen also ‚asymptomatisch‘.

Exkurs: Endometriose

Endometriose ist eine entzündliche Erkrankung des weiblichen Unterleibs. Der Name kommt vom sog. ‚Endometrium‘, der Gebärmutterschleimhaut. Zellen aus dieser siedeln sich bei einer Endometriose außerhalb der Gebärmutter an und wachsen und bluten im Rahmen des Menstruationsrhythmus’, wie sie es auch in der Gebärmutter tun würden. Diese Zellansammlung nennt man ‚Endometrioseherde’. Doch da die Zellreste und das produzierte Blut außerhalb der Gebärmutterschleimhaut nicht regulär ausgeschieden und vom Körper oft nicht unbemerkt abgebaut werden können, kommt es an den entsprechenden Stellen zu Entzündungen, Zysten oder Verwachsungen. Dies löst Schmerzen aus.
Die Ursachen für diese „Zellwanderung“ und das Festsetzen der Gebärmutterschleimhautzellen außerhalb ihres eigentlichen Ortes sind bislang unbekannt.

Ca. 2 bis 10 Prozent aller Frauen sind von Endometriose betroffen, besonders im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Sie tritt zudem familiär gehäuft auf. Trotz ihrer recht weiten Verbreitung wird Endometriose aufgrund ihrer vielen möglichen Symptome oft erst nach langer Zeit diagnostiziert.

Die Gebärmutterschleimhautzellen können sich an unterschiedlichen Orten festsetzen, beispielsweise in der Gebärmutter, aber außerhalb der Schleimhaut, im unteren Bereich des Eileiters, in weiteren weiblichen Geschlechtsorganen (wie etwa Eierstöcken, Eileitern, Gebärmutterbändern, Vagina, Vulva oder Damm) oder im Bauchfell oder auch außerhalb der Geschlechtsorgane, wie etwa in der Blase, dem Zwerchfell oder der Lunge.

Symptome

Die Symptome der Endometriose sind vielfältig und können in den unterschiedlichsten Kombinationen auftreten. Einige Symptome können beispielsweise sein:

  • Bauchschmerzen (abhängig oder auch unabhängig vom Menstruationszyklus)
  • Schmerzhafte Regelblutungen
  • Unfruchtbarkeit
  • Beschwerden der Blase oder des Magen-Darm-Traktes
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Ohnmachtsanfälle während der Menstruation
  • Vermehrte Allergien oder andere Autoimmunerkrankungen
  • Verwachsungen, Narben oder Zysten in dem betroffenen Bereich

Durch ihr unspezifisches Auftreten ist eine Diagnose der Endometriose erschwert. Oft wird sie im Rahmen einer anderen vorgenommenen Untersuchung als Zufallsbefund entdeckt.

In der Therapie einer Endometriose kann man entweder medikamentös oder operativ vorgehen. Das Ziel der medikamentösen Behandlung ist die Behandlung der Schmerzen und die Unterbrechung des Wachstums der Endometrioseherde. Mögliche Medikamente sind beispielsweise NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika). Mit operativen Methoden sollen möglichst alle Endometrioseherde entfernt werden.

Weitere Informationen zu Endometriose lesen Sie in diesem Artikel.

Ist bei Ihnen auch schon einmal Lichen sclerosus diagnostiziert worden? An welchen Symptomen litten Sie vor der Behandlung? Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Krankheit besser einzuschätzen.

Ursachen

Die konkrete Ursache von Lichen sclerosus ist bislang unbekannt. Die Krankheit ist nicht ansteckend und kann dementsprechend auch nicht durch bspw. den Geschlechtsverkehr übertragen werden. Es gibt jedoch verschiedene Theorien, wie Lichen sclerosus hervorgerufen werden kann. Dazu zählen:

  • vorangegangene Infektionen (wie etwa Pfeiffersches Drüsenfieber, das sog. ‚Eppstein-Barr-Virus‘)
  • genetische Hintergründe
  • Autoimmunkrankheiten, also eine Störung der Immunabwehr des Körpers
  • hormonelles Ungleichgewicht

Grob gesagt scheinen Risikofaktoren für Lichen sclerosus zu sein:

  • Frauen, die die Pille nehmen, haben ein erhöhtes Risiko
  • Genetische Prädisposition ist wahrscheinlich (ca. 10 Prozent der Betroffenen haben Angehörige, die ebenfalls an Lichen sclerosus leiden)
  • Traumata (wie etwa Kratzen, Reibung durch bspw. enge Kleidung, chirurgische Eingriffe, sexueller Missbrauch in der Kindheit)
  • Medikamente

Keine dieser Theorien konnte jedoch bislang ausreichend belegt werden. Auch ergeben sich daraus noch keine Behandlungsstrategien.

Fakten-Box

Lichen sclerosus

  • Eine Autoimmunerkrankung
  • Ist nicht ansteckend, kann also nicht beim Geschlechtsverkehr übertragen werden
  • Ursachen bis heute unbekannt
  • Meist (in 75 Prozent) ist der Genitalbereich betroffen
  • Frauen sind im Verhältnis 6:1 zu Männern betroffen
  • Lichen sclerosus kann in jedem Alter auftreten, besonders häufig sind jedoch Frauen nach der Menopause Betroffen (ca. 50 Prozent), Kinder sind äußerst selten betroffen (ca. 0,1 Prozent)

Typische Symptome

  • Juckreiz
  • Schmerzen
  • Schwellung, Rötung
  • Rissige Haut, dadurch bluten und schnelle Entzündungen
  • Weißliche Fleckenbildung, z.T. mit Knötchen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Schmerzen beim Stuhlgang und beim Wasserlassen
  • Atrophie der betroffenen Areale, so bspw. Rückgang der Schamlippen bei der Frau
  • Verhärtung der Haut, so bspw. kein Zurückschieben der Vorhaut beim Mann mehr möglich

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Die Diagnose der Lichen sclerosus ist häufig schwierig. Besonders im Frühstadium der Erkrankung können die Symptome beispielsweise denen einer Pilzerkrankung ähneln. Ist die Krankheit bereits weiter fortgeschritten, treten auffälligere Hautveränderungen auf. Trotzdem ist es wichtig, beim Verdacht auf Lichen sclerosus so schnell wie möglich einen Arzt hinzuzuziehen, um eben diese Hautveränderungen und damit bleibenden Beschwerden zu vermeiden. Ärzte, die einen Lichen sclerosus diagnostizieren sind zumeist:

  • Dermatologen
  • Gynäkologen
  • Urologen
  • Proktologen
  • Bei Kindern auch Kinderchirurgen

Zunächst findet, wie bei jedem Arztbesuch, ein Anamnesegespräch statt. Das bedeutet, der Arzt erfragt in einem Gespräch mit dem Patienten Informationen, wie etwa:

  • Welcher Art sind die Beschwerden?
  • Wie lange halten die Beschwerden schon an?
  • Sind andere Erkrankungen in dem Bereich bekannt?
  • Werden Hormonpräparate, wie etwa die Pille, eingenommen?

Hierbei ist es wichtig, dass Sie Ihre Beschwerden ausführlich schildern, auch wenn die Symptome eines Lichen sclerosus unangenehm und eventuell schambelastet sind.

Im Anschluss wird eine Begutachtung der betroffenen Stelle vom Arzt vorgenommen (ein sog. ‚Sichtbefund‘). Auffälligkeiten, auf die der Arzt dabei achtet sind beispielsweise:

  • Weißlich verfärbte Hautstellen
  • Veränderungen der Hautstruktur (wie etwa Risse, trockene Stellen, etc.)
  • Verletzte und dünne Schleimhäute
  • Verklebungen und Verwachsungen der Schamlippen

Ein Sichtbefund reicht jedoch für eine sichere Diagnosestellung nicht aus. Zur Sicherung der Diagnose wird daher eine Biopsie durchgeführt.

Biopsie

Bei der Biopsie wird eine Hautprobe des erkrankten Gewebes entnommen. Diese wird dann im Labor mithilfe eines Mikroskops feingeweblich untersucht.

Diese Diagnoseform sollte nicht während einer Korikosteroidtherapie durchgeführt werden. Daher sollte die Biopsie möglichst vor dieser Behandlung oder nach vier Wochen der Therapieunterbrechung erfolgen.

Bei einem akuten Krankheitsschub ist die Biopsie umstritten, da diese invasive Untersuchungsmethode zu einer Verschlimmerung des Zustandes führen kann. Auch bei Kindern wird von einer Biopsie normalerweise abgesehen, da diese invasive Untersuchung im genitalen Bereich für sie ein traumatisches Ereignis darstellen kann.

Manche Spezialisten bestehen bei dem Verdacht auf Lichen sclerosus sogar auf eine Biopsie, um die Diagnose zu sichern. In einigen Fällen kann es notwendig sein, die Untersuchung zu wiederholen. Beispielsweise wenn der histologische Befund (das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung) und der klinische Befund (also das Ergebnis der körperlichen Untersuchung) nicht die gleiche Diagnose nahelegen.

Differenzialdiagnosen

Die Klinik der Lichen sclerosus kann der von einigen anderen Hauterkrankungen ähneln. Dazu zählen unter anderem:

Exanthematische Erkrankungen, wie etwa Lues
Die Erkrankung Lues wird auch ‚Syphilis‘ genannt. Es handelt sich hierbei um eine durch Geschlechtsverkehr übertragbare Erkrankung. Sie hat einen stadienhaften, oft chronischen Verlauf und geht auf den Erreger Treponema pallidum zurück.

Candida-Infektion
Bei einer Candida-Infektion handelt es sich um eine übermäßige Vermehrung von Hefepilzen der Gattung Candida. Es ist eine örtliche begrenzte Infektion der Haut und der angrenzenden Schleimhäute.

Ekzem
Ekzeme sind entzündliche Veränderungen der Haut. Sie treten mit Rötungen und Juckreiz auf und können unterschiedliche Ursachen haben.

Vitiligo
Diese Erkrankung wird auch die ‚Weißfleckenkrankheit‘ genannt, damit sieht sie der Lichen sclerosus unter Umständen äußerlich sehr ähnlich. Es wird vermutet, dass auch die Vitiligo eine Autoimmunerkrankung ist.

Psoriasis
Auch hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Sie kann auch als ’Schuppenflechte‘ bezeichnet werden und zeigt sich als entzündliche Hauterkrankung.

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Da die Ursachen des Lichen sclerosus bis heute nicht sicher festgestellt werden können, richtet sich eine Therapie der Krankheit ausschließlich gegen die Symptome. Ziel der Behandlung ist es, den Patienten einen beschwerdefreien Alltag zu ermöglichen.

Cortison:
Eine Behandlung mit Cortison wird auch als ‚steroidale Therapie‘ bezeichnet, da Cortison die synthetische Variante des körperbasierten Steroidhormons Cortisol ist.

Eine Therapie mit Cortisonsalbe ist zumeist der erste Behandlungsschritt. In vielen Fällen kann so bereits ein Rückgang oder auch eine Einstellung der Symptome erzielt werden. Die Cortisonsalbe wird durch den Arzt verordnet, meist werden die betroffenen Stellen über eine Dauer von 12 Wochen einmal täglich mit der Salbe behandelt. In ca. 75-90 Prozent der Fälle zeigt bereits die Behandlung mit Cortisonsalbe eine deutliche Verbesserung der Symptome.

Gut zu wissen!
Bei der Therapie von Lichen sclerosus sollte mehrfach täglich eine Fettcreme (genital bspw. ‚Deumovan‘) auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden. Auch während der Behandlung mit cortisonhaltiger Salbe sollte eine Fettcreme angewandt werden. Sie hält die Haut geschmeidiger und wirkt somit der Trockenheit und den Rissen entgegen.

Auch die lokale Injektion von Cortison in die betroffenen Stellen kann als Therapiemittel angewandt werden.

Zeigt sich die Behandlung mit Cortisonsalbe als nicht oder wenig wirksam, so kann eine Cortison-Stoßtherapie empfohlen werden. Bei dieser Behandlung erhält der Patient einmal im Monat an drei aufeinanderfolgenden Tagen je eine Infusion mit einer höheren Dosis Cortison. Eine gleichzeitige Behandlung mit Cortisonsalbe ist möglich. Die Stoßtherapie wird in der Regel drei bis sechs Monate lang durchgeführt, je nach Symptomstand des Patienten.

Exkurs: Cortison

Bei Cortison handelt es sich um die synthetische Variante eines körpereigenen Steroidhormons. Es hat eine immunsuppressive und entzündungshemmende Wirkung gegen unterschiedliche Krankheitsbilder, wie etwa Autoimmunerkrankungen, Neurodermitis, Nebennierenrindeninsuffizienz oder Asthma bronchiale. Cortison kann in diversen Darreichungsformen vorkommen, von Salben, Inhalationssprays bis Injektionslösungen.

Aufgrund der immununterdrückenden Wirkung von Cortison können einige Nebenwirkungen auftreten. So etwa die Schwächung des Immunsystems. Weitere mögliche Nebenwirkungen können Hautveränderungen wie Gewebeschwund sein, Osteoporose, Erhöhung des Blutzuckerspiegels, Menstruationsstörungen oder Impotenz sowie psychische Auswirkungen.

Mehr Informationen zu dem Wirkstoff Cortison in diesem Video
In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl detailliert und verständlich, was die Unterschiede zwischen Cortison und Cortison sind, welche Aufgaben das Medikament hat und welche Gefahren und Nebenwirkungen bestehen.

Mehr zu Cortison, die Hintergründe des körpereigenen Stoffes, die Anwendungsbereiche als Medikament und die Risiken von Cortison finden Sie in diesem Artikel.

Immunsuppressiva
Da Lichen sclerosus eine Autoimmunkrankheit ist, kann eine Behandlung mit Immunsuppressiva (also Medikamenten, die die Abwehrkräfte des Körpers unterdrücken) hilfreich sein, um Symptome zu eliminieren. In der Behandlung der Lichen sclerosus kommen vor allem das Immunsuppressivum Methotrexat zum Einsatz.

Eine Nebenwirkung bei der Behandlung mit Immunsuppressiva ist die erhöhte Infektanfälligkeit, zudem ist bei Frauen während und mindestens sechs Monate nach der Behandlung von einer Schwangerschaft abzuraten.

Lichttherapie
Die Lichttherapie ist eine weitere Möglichkeit in der Behandlung von Lichen sclerosus, insbesondere bei extragenitalem Lichen sclerosus. Hierbei wird eine sog. ‚UV-A1-Lichttherapie‘ angewandt, es handelt sich um eine selektive Strahlentherapie, bei der UVA-1-Geräte Infrarot und Wärmestrahlen auf die betroffene Stelle geben. Die Behandlung wird im Regelfall über einen Zeitraum von 10 Wochen durchgeführt.

Operative Therapie
Bei männlichen Patienten kann es indiziert sein, die Erkrankung operativ zu behandeln.  Eine Möglichkeit ist hier die sog. ‚Zirkumzision‘, also die Beschneidung, um die Verhärtung der Haut zu beheben.

Bei genitalem Lichen sclerosus können zusätzlich eine Reihe an dauerhaften Maßnahmen sinnvoll sein:

  • Tragen von Seidenunterwäsche anstelle von Baumwollunterwäsche, um mechanische Reibung zu vermindern
  • Die Nutzung von speziellen Hautpflegemitteln (wie etwa Deumovan)
  • Zweimal wöchentliche Behandlung mit einer starken bis mittelstarken Cortisonsalbe
  • Allgemeine Vermeidung von mechanischer Irritation, beispielsweise durch raues Toilettenpapier oder harte Fahrradsättel

Häufige Patientenfragen

Kann ich Maßnahmen zur Prävention von Lichen sclerosus ergreifen?

Dr. T. Weigl
Da die Ursachen der Lichen sclerosus nicht mit Sicherheit bestimmt werden können, ist es schwer, Präventionsstrategien zu empfehlen. Lichen sclerosus kann nicht übertragen werden, es ist also nicht möglich, sich beispielsweise beim Geschlechtsverkehr zu infizieren. Zwar ist eine familiäre Prädisposition bei ca. 10 Prozent der Betroffenen nachgewiesen, doch auch daraus ergeben sich keine Präventionsmöglichkeiten.

Ist Lichen sclerosus heilbar?

Dr. T. Weigl
Leider nein. Auch hier ist der Umstand, dass die Ursachen des Lichen sclerosus unbekannt sind, der ausschlaggebende Faktor. Denn so können lediglich die Symptome der Lichen sclerosus bekämpft werden. Die Therapie kann jedoch so erfolgreich sein, dass Patienten vollkommen beschwerdefrei sind. Dies variiert jedoch von Patienten zu Patienten; und auch die Dauer und Art der Behandlung muss individuell abgestimmt werden, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Dies kann durchaus einige Zeit in Anspruch nehmen. Stress kann für das Auftreten der Symptome ein weiterer auslösender Faktor sein. Die Therapie des Lichen sclerosus sollte stets nur in enger Absprache mit dem Arzt erfolgen. Cortison als wirksamstes Behandlungsmittel ist auch in salbenform rezeptpflichtig, zudem sind bei dem Wirkstoff mögliche Nebenwirkungen zu beachten.

Ich habe häufiger Beschwerden wie Juckreiz und Schmerzen im Intimbereich. Eine Pilzinfektion wurde ausgeschlossen, könnte es sich hierbei um Lichen sclerosus handeln?

Dr. T. Weigl
Symptome wir Juckreiz und Schmerzen im Intimbereich sind durchaus klassische Symptome eines Lichen sclerosus. Bei dem Verdacht auf diese Erkrankung ist es ratsam, schnellstmöglich einen Arzt (Gynäkologen, Urologen oder Hautarzt) aufzusuchen, da besonders die frühe Behandlung wichtig ist, um anhaltende Folgen wie etwa Narben und Verwachsungen zu verhindern. Leider wird Lichen sclerosus von vielen Ärzten besonders im Frühstadium nicht erkannt und Patienten plagen sich häufig über Jahre ab, bis es zur Diagnosestellung kommt. Wichtig ist, sich nicht entmutigen zu lassen, den Weg zum Arzt immer wieder anzutreten, sich nicht von Überweisungen an Spezialisten abschrecken zu lassen und auch bei schambelasteten Symptomen offen mit den Ärzten darüber zu sprechen. Allerdings sollte man auch bedenken, dass es durchaus Differentialdiagnosen zu Lichen sclerosus gibt. Jucken und Schmerzen im Intimbereich können auch auf andere Erkrankungen hindeuten, wie etwa eine Pilzerkrankung. Es sollten daher keine übereilten Urteile und Selbstdiagnosen gestellt werden. Es ist auch durchaus möglich, dass Sie an einer Pilzinfektion leiden, die durch einen vorhandenen Lichen sclerosus begünstigt wird. Die eine Diagnose schließt die andere also nicht aus.

Ninas Besuch bei dem empfohlenen Hautarzt war erfolgreich. Er hat sich ihren Leidensweg und auch die Symptome angehört und dann zunächst einmal einen Blick auf die Stelle geworfen. Danach hat er ein kurzes, aber ruhiges Gespräch mit ihr geführt, dass der Sichtbefund und auch ihre beschriebenen Symptome deutlich auf Lichen sclerosus hindeuten. Der Name der Krankheit hat Nina zunächst einmal gar nichts gesagt, aber der Arzt hat sie ihr erklärt. Zunächst war Nina erschrocken, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt und auch, dass es keine sichere, dauerhafte Heilung gibt. Der Arzt hat ihr eine Cortisonsalbe verordnet, die sie nun ein Mal täglich über mehrere Wochen anwenden soll und zusätzlich eine Fettcreme empfohlen, um die Symptome zu lindern. Außerdem hat er sie an eine Hautklinik überwiesen, damit dort eine zweite Meinung eingeholt werden kann und eventuell auch eine Biopsie zur Sicherung der Diagnose erfolgen kann. Auf die Biopsie ist Nina zwar nicht sonderlich scharf, aber sie fühlt sich gut betreut und ist glücklich, dass der Arzt ihre Erkrankung ernst nimmt.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 
Autoren: Dr. Tobias Weigl und Sarah Sodke
Lektorat: Andrea Lorenz
Veröffentlicht: 13.04.2019

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