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Die Schilddrüse und ihre Hormone – wichtig für den Organismus?

„Die Schilddrüse ist ein Organ, das für den Stoffwechsel wichtige Hormone produziert. Gerade in Iodmangelgebieten wie Deutschland sind Erkrankungen der Schilddrüse recht häufig.“
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Die Schilddrüse ist ein kleines, relativ unbekanntes Organ. Die Hormone, die sie produziert, spielen allerdings eine wichtige Rolle im Stoffwechsel des Organismus. Daher wirken sich Erkrankungen der Schilddrüse oft auf unser Gewicht aus. Wie die Drüse und ihre Hormone funktionieren, was für Krankheiten es gibt und wie man sie heilen und ihnen vorbeugen kann, wird in diesem Artikel erklärt.

Martina ist verwirrt. Seit einigen Monaten schon hat sie diese Heißhungerattacken, aber statt zuzunehmen, hat sie sogar ein, zwei Kilo verloren. Dafür schwitzt sie so unangenehm … „Vielleicht hast du ja was mit der Schilddrüse. Das soll ja oft vorkommen, hab’ ich gehört“, sagt ihre Freundin Petra. Schilddrüse, denkt sich Martina. Ist das gefährlich, wenn die kaputt ist? Wie kriege ich das wieder hin? Und was zum Geier macht diese Schilddrüse überhaupt?

Was ist die Schilddrüse und welche Hormone produziert sie?

Bei der Schilddrüse handelt es sich um eine Drüse, die Hormone produziert bzw. sekretiert, d. h. absondert. Sie befindet sich beim Menschen unterhalb des Kehlkopfes. Ganz charakteristisch ist ihre Form, die einem Schmetterling ähnelt. Ihre Hauptfunktion ist die Speicherung und der Produktion (sog. ‚Synthese‘) von bestimmten Hormonen. Hierzu zählen die iodhaltigen Thyroxin und Triiodthyronin sowie ein weiteres Hormon, nämlich das Calcitonin (sog. ‚Peptidhormon‘). Aufgrund ihres Entstehungsortes werden diese drei auch Schilddrüsenhormone genannt.

Welche Funktionen haben die Schilddrüsenhormone im Körper?

Die Hormone der Schilddrüse haben vielfältige Funktionen und vielerlei Einfluss auf folgende Bereiche:

  • Stimulation des Sauerstoff-Verbrauchs
  • Stimulation des Energiestoffwechsels (des sog. Grundumsatzes)
  • Einfluss auf den Glucose Gehalt im Körper, durch Steigerung der Insulinfreisetzung
  • Wärmeproduktion
  • Knochenumbau
  • Erregbarkeit von Nervenfasern
  • Erregbarkeit am Herzen
  • Geistige Reifung
  • Wachstum der Zellen durch Förderung der Abgabe des Wachstumshormons
  • Veranlagung einzelner Organe

Welche Krankheiten sind mit der Schilddrüse und seinen Hormonen verbunden?

Gerade weil die Schilddrüse so vielfältige Funktionen für den Körper besitzt, kann eine Erkrankung schwere Folgen mit sich bringen.

Struma

Ganz wichtig für die Produktion von Schilddrüsenhormonen ist die Zufuhr von Iod zum Körper. Die Aufnahme erfolgt normalerweise aus der Nahrung. Nach der Aufnahme im Darm wird es in weiteren Syntheseschritten in ein für die Schilddrüse charakteristisches Protein (das sog. ‚Thyreoglobulin‘) eingebaut. Zum Schluss werden die Schilddrüsenhormone Thyroxin und Triiodthyronin produziert.

Doch bei einer unzureichenden oder verringerten Iodzufuhr und damit verbundenem Iodmangel über einen längeren Zeitraum kann es zur Entstehung eines Kropfes (einer sog. ‚Struma‘) kommen. Um den Iodmangel besser kompensiert zu können, wächst die Schilddrüse stark an, weshalb die Struma am Hals oft gut sichtbar ist.

Man unterscheidet dann zwischen euthyreoter Struma (vergrößerte Schilddrüse + normale Schilddrüsenaktivität) und hypothyreoter Struma (vergrößerte Schilddrüse + Schilddrüsenunterfunktion). Typische Symptome einer Struma sind neben der optisch sichtbaren Verdickung unterhalb des Kehlkopfes ein Engegefühl des Halses.

Schilddrüsenautonomie

Die Regulation und die Wirkweise von Schilddrüsenhormonen unterstehen der Kontrolle eines Steuerungshormons, dem sog. ‚Tyrotropin‘ oder ‚Thyreoidea stimulating hormone‘, kurz: TSH. Dieses wird von der Hirnanhangsdrüse (der sog. ‚Hypophyse‘) produziert. Bei einer Schilddrüsenautonomie ist die Schilddrüse nicht mehr abhängig von der Hypophyse und macht sich quasi „selbstständig“.

Die Aufnahme von Iod wird verstärkt und die Hormone werden unkontrolliert produziert bzw. in den Körper freigesetzt. Langfristig ist die Folge einer solchen Erkrankung eine Schilddrüsenüberfunktion (sog. ‚Hyperthyreose‘).

Zudem kommt es zum unkontrollierten Wachstum der Schilddrüse und zeitgleich der Ausbildung einzelner (sog. unifokaler) oder mehrerer (sog. multifokaler) Knoten. Eine solche Gewebsveränderung äußert sich in zwei Formen.

Zum einen spricht man von „heißen Knoten“, bei der die Schilddrüsenüberfunktion für die Vergrößerung verantwortlich ist. Diese Knoten kann man auch als „aktiv“ bezeichnen, da sie ebenfalls Schilddrüsenfunktionen wahrnehmen und z. B. Iod aufnehmen.

Zum anderen spricht man von „kalten Knoten“, wenn die Vergrößerung nicht mit einer Überfunktion der Schilddrüse einhergeht. Dieser Gewebeanteil nimmt im Gegenteil zum heißen Knoten kein Iod auf und zeigt keine Schilddrüsenaktivität. Es handelt sich somit um „inaktives“ Gewebe, welches durch Entzündungsprozesse oder Zysten entstehen kann.

Thyreoiditis

Eine weitere Krankheitsform der Schilddrüse ist ihre Entzündung, was als ‚Thyreoiditis‘ bezeichnet wird. Diese kann durch Pilze oder Bakterien verursacht werden, welche über verschiedene Blutgefäße die Schilddrüse erreichen. Eine Entzündung kann aber auch durch eine Schwächung des Immunsystems (etwa über HIV oder durch Chemotherapien) zustande kommen.
Es können auch chronische Entzündungen auftreten, welche im Folgenden näher erläutert werden:

Hashimoto-Thyreoiditis

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis (die Endung -itis bezeichnet Entzündungen) greift das Abwehrsystem (auch Immunsystem gennant) körpereigene Schilddrüsenzellen an und zerstört sie. Es handelt sich somit um eine Autoimmunerkrankung. Zuerst kommt es zu einer Überproduktion der Schilddrüsenhormone, doch wandelt sich diese mit der Zeit in eine Schilddrüsenunterfunktion. Das Tückische an dieser Krankheit ist, dass sie in der Anfangsphase oft unbemerkt bleibt und sich kaum in einer sichtbaren Form äußert. Die genaue Entstehung ist nicht ganz geklärt, doch Einfluss darauf haben Virusinfektionen oder hohe Iodzufuhren.

Morbus Basedow:

Bei der Basedow’schen Krankheit handelt es sich ebenfalls um eine Autoimmunerkrankung. Das Abwehrsystem greift das Steuerungshormon Tyrotropin an und es kommt folglich zu einer unkontrollierten und erhöhten Hormonproduktion und Hormonfreisetzung. Die Folge ist eine Schilddrüsenüberfunktion mit der typischen ‚Merseburger Trias‘ der Beschwerden. Diese äußert sich durch

  1. Schilddrüsenvergrößerung
  2. hervortretende Augäpfeln
  3. Herzrasen.

 

Kleines, aber wichtiges Organ! Video

Im diesem Video erklärt der Arzt Dr. Tobias Weigl weitere Einzelheiten zur Schilddrüse und zum Morbus Basedow.

Hyperthyreose

Bei der sogenannten Schilddrüsenüberfunktion kommt es zu einer Überproduktionder Schilddrüsenhormone. Die Körperfunktionen laufen auf Hochtouren und der Stoffwechsel ist beschleunigt. Die Folgen einer solchen Überfunktion sind

  • Erhöhter Energie-Grundumsatz des Organismus
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Warme, feuchte Haut
  • Erhöhte Herzfrequenz (sog. ‚Tachykardie‘)
  • Muskelzittern (sog. ‚Tremor‘)
  • Nervosität
  • Gewichtsverlust trotz ausreichender Ernährung

 

Hat ein Arzt bei Ihnen eine Hyperthyreose diagnostiziert? Welche dieser Symptome traten bei Ihnen auf? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einzuschätzen.

 

Hypothyreose

Bei der sogenannten Schilddrüsenunterfunktion werden zu wenige Schilddrüsenhormone in der Schilddrüse produziert. Die Folge ist eine Verlangsamung der Körperfunktionen. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann durch eine der oben genannten Vorerkrankungen der Schilddrüse auftreten oder auch angeboren sein. Die Folgen einer solchen Unterfunktion sind folgende:

  • Reduzierter Grundumsatz des Organismus
  • Kraft- und Antriebslosigkeit (sog. ‚Adynamie‘)
  • Müdigkeit
  • Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten
  • Trockene, kühle Haut
  • Erniedrigte Herzfrequenz (sog. ‚Bradykardie‘)
  • Fettleibigkeit (sog. ‚Adipositas‘)

Therapien bei Störungen der Schilddrüse

Bei einer Erkrankung der Schilddrüse kommen verschiedene Wirkstoffergänzungen (sog. Substitutionstherapien) zum Einsatz.

L-Thyroxin ist das verbreitetste Mittel der Wahl bei einer Schilddrüsenunterfunktion (sog. ‚Hypothyreose‘). Dadurch wird dem Körper das Hormon Thyroxin zugeführt, um die mangelnde Produktion dieses Hormons auszugleichen. Thyroxin wird auch nach operativer Entfernung der Schilddrüse als Substitutionsmittel eingesetzt. Dies soll die Stimulation von möglicherweise vorhandenen Tumorzellen unterdrücken. Handelsüblich spricht man von Medikamenten wie L-Thyroxin oder Euthyrox.

Mögliche Nebenwirkungen entstehen durch zu hohe Dosierung der Medikamente. Die Folge davon sind Symptome wie Herzrasen, Ängstlichkeit und Unruhe. Bei Diabetikern kann es sogar zu einer Insulinresistenz führen, da die Wirkung von Antidiabetika geschwächt wird.

Bei Vorerkrankungen wie den folgenden sollte von einer L-Thyroxin-Therapie abgesehen werden:

  • frischer Herzinfarkt
  • Koronare Herzkrankheit
  • Schneller bzw. unrhythmischer Herzschlag (sog. ‚Tachyarrythmie‘)

Wichtig zu wissen ist, dass die Wirksamkeit von L-Thyroxin bisweilen aufgehoben bzw. vermindert werden kann, so dass manchmal auch bei ausreichender Einnahme niedrige Werte der Schilddrüsenhormone gemessen werden. Daher sollte die Einnahme nüchtern erfolgen (ca. 30–60 Minuten vor dem Essen bzw. 2 Stunden nach der letzten Mahlzeit), denn Lebensmittel wie etwa Milch können die Aufnahme im Körper mindern.

Ebenfalls sollte das Präparat nicht oft gewechselt werden, da es signifikante Unterschiede in Bezug auf die Wirkweise von L-Thyroxin-Arzneimitteln gibt. Des Weiteren sollte bei einer Magenentzündung (sog. ‚Gastritis‘) die Dosierung erhöht werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Um eine intakte Schilddrüsenfunktion zu garantieren, ist die Einnahme von Iod als Iodsalz (z. B. Kaliumiodid) eine Grundvoraussetzung. Da eine Struma die Folge unzureichender Iodzufuhr ist, stellen Iodsalze die erste Wahl zur Heilung dar. Doch die Dosierung muss sehr genau eingehalten werden. Eine zu hohe Dosierung führt paradoxerweise zu einer Unterdrückung der Schilddrüsenaktivität.

Gerade deshalb gilt die iodinduzierte Hyperthyreose als eine der häufigsten Nebenwirkungen bei einer Iodsalz-Substitution. Bei einer Iodallergie oder einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse sollte von Iodtabletten natürlich auch abgesehen werden.

Was tun bei einer hyperaktiven Schilddrüse?

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion muss die Produktion und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen gehemmt werden. Dies erfolgt durch sogenannte Thyreostatika, die bei einer Überfunktion zum Einsatz kommen. Primär unterdrücken sie die Synthese von Schilddrüsenhormone und den Iodtransport in die Schilddrüse.

Solche Hemmstoffe werden bei Schilddrüsenautonomie oder einer chronischen Entzündung der Schilddrüse, wie beispielsweise der Autoimmunerkrankung Morbus Basedow, eingesetzt. Beispiele für solche Medikamente stellen Favistan oder Neo-Thyreostat dar.

Die Nebenwirkungen sind allergische Reaktionen, Schwächung des Immunsystems (durch Verminderung von Granulozyten, bestimmten weißen Blutkörperchen) und ebenfalls Hormonmangel durch hohe Dosierungen. Bei bereits vorhandenen Leberschäden sprechen Sie die Einnahme auf jeden Fall vorher mit Ihrem Arzt ab!

Was ist eine Radioiodtherapie?

Eine weitere Therapieform bei autonomen Knoten oder der Autoimmunerkrankung Morbus Basedow stellt die sogenannte Radioiodtherapie dar. Oral, also durch den Mund aufgenommen reichert sich das radioaktive Iod in der Schilddrüse an. Von dort sendet es beim Zerfall radioaktive Strahlen an das umliegende, kranke Gewebe und zerstört es.

Reagiert der Patient allergisch auf die typischen Hemmstoffe der Schilddrüsenhormonsynthese, kann ebenso Lithium oder Perchlorat zum Einsatz kommen. Diese unterbinden den Iodtransport bzw. Iodeinbau für die Synthese von Schilddrüsenhormone und wirken dadurch ebenso einer Schilddrüsenüberfunktion entgegen.

Video: Schilddrüsen-Selbsttest

Bei möglichen Verdacht empfehle ich Ihnen, den Arzt ihres Vertrauens einen Besuch abzustatten und sich auf Schilddrüsenerkrankung untersuchen zu lassen. Für einen Selbstcheck empfehle ich Ihnen mein Video aus meiner Reihe sogehtgesund, in der ich typische Symptome nochmals verdeutliche.

Gut zu wissen!

 

  • Wussten Sie schon, dass es bei jugendlichen Frauen oft zum Missbrauch von Schilddrüsenhormon-Arzneistoffen kommt? Durch den Hormonüberschuss der Schilddrüse kommt es zu einem höheren Grundumsatz, sprich einem höheren Energieverbrauch. Das wiederum führt zu einer Abnahme des Gewichts.
  • Wussten Sie schon, dass eine Erkrankung der Schilddrüse keine seltene Krankheit ist? Die Zahl von Patienten, bei denen in deutschen Krankenhäusern eine Schilddrüsenerkrankung diagnostiziert wurde, lag 2015 bei 93.432.

 

Na, jetzt bin ich schlauer – und beruhigt, denkt Martina, nachdem sie sich über die Schilddrüse und ihre Hormone informiert hat. Einiges bei ihr deutet auf eine Schilddrüsenüberfunktion hin. Und die scheint gut behandelbar zu sein. Mit dem guten Gefühl, wieder was gelernt zu haben, macht sie einen Termin beim Arzt aus.

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Haben auch Sie Erfahrungen mit Schilddrüsenerkrankungen? Was sind Ihre Erfahrungen bei der Therapie? Hat Ihnen der Artikel weitergeholfen? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Schajan Salahijekta, Marek Firlej

Lektorat: Marek Firlej

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen:

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1 Kommentar
  • Laura
    18.10.2018 10:16

    Vielen Dank für diesen informativen Artikel über Schilddrüsenprobleme. Ich habe einige Freunde, die darunter leiden, aber unterschiedliche Störungen der Schilddrüsenfunktion haben. Ich versuche mich über das Thema besser zu informieren, um sie besser verstehen zu können. Ist eine operative Entfernung der Schilddrüse bei der Hypothyreose normal, und in wie vielen Fällen wird es meistens gemacht?
    Mit freundlichen Grüßen, Laura

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