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Bewusstseinsstörungen – Von Tunnelblick bis Koma

Was ist eine Bewusstseinsstörung?

  • eine Veränderung der psychischen Verfassung
  • es gibt die qualitative und die quantitative Bewusstseinsstörung
  • eine Bewusstseinsstörung schränkt die Interaktion mit den Mitmenschen ein

Wer bekommt Bewusstseinsstörungen?

  • Patienten mit Vorerkrankungen, wie zum Beispiel einem Schlaganfall
  • Menschen, die Drogen konsumieren
  • hypnotisierte Menschen

Symptome (Auszug)

  • übermäßige Fokussierung
  • Halluzinationen
  • Koma

Behandlung (Auszug)

  • Behandlung der verursachenden Erkrankung
  • medikamentöse Therapie
  • nicht-medikamentöse Therapie

Tipps

  • bei Verdacht auf eine Bewusstseinsstörung sollte ein Arzt aufgesucht werden
  • bewahren Sie einen ruhigen Umgang mit den Betroffenen
  • nehmen Sie die Wahrnehmungen einer betroffenen Person ernst
Eine Bewusstseinsstörung ist eine Veränderung der geistigen Verfassung. Sie kann viele Ursachen haben – psychiatrische Erkrankungen wie eine Schizophrenie, eine Schädigung des Gehirns, eine Entzündung der Nervenbahnen, einen erhöhten Hirndruck, einen gestörter Stoffwechsel oder auch die Einnahme von Drogen.
Zur Risikogruppe gehören alle Personen mit Vorerkrankungen, die eine Bewusstseinsstörung zur Folge haben können. Es gibt zwei Arten von Bewusstseinsstörungen – die qualitative und die quantitative. Die qualitative Bewusstseinsstörung beeinflusst die Qualität der Wahrnehmung im Wachzustand. Die quantitative Bewusstseinsstörung beeinflusst den Wachheitsgrad der Betroffenen.
Die Symptome von Bewusstseinsstörungen sind – so wie ihre Ursachen – vielfältig. Sie reichen von Müdigkeit oder auch Agitiertheit bis hin zu Angst, Halluzinationen und Koma. Die Betroffenen sind aufgrund ihrer Symptome stark in ihrer sozialen Interaktion eingeschränkt. Die Diagnostik ist umfassend, da der Arzt zunächst abklären muss, welche Ursache für die Bewusstseinsstörung vorliegt. Die Therapie richtet sich ebenfalls nach der verursachenden Vorerkrankung.
Falls Sie den Verdacht haben, unter einer Bewusstseinsstörung zu leiden, oder falls eine Person in Ihrem Umfeld unter einer Bewusstseinsstörung zu leiden scheint, dann verständigen Sie einen Arzt. Verhalten Sie sich gegenüber der betroffenen Person ruhig und versuchen Sie, diese nicht aufzuregen.

Was ist eine Bewusstseinsstörung?

Eine Bewusstseinsstörung ist eine Veränderung der psychischen Verfassung. Das normale Bewusstsein – so wie wir es kennen – ist in irgendeiner Weise gestört. Es gibt zwei Arten von Bewusstseinsstörungen: Die qualitative Bewusstseinsstörung, die im Wachzustand auftritt und die quantitative Bewusstseinsstörung, die den Wachheitsgrad betrifft.

Als zentrales Nervensystem (kurz: ZNS) bezeichnet man das Gehirn samt Hirnnerven und das Rückenmark. Alle anderen Nerven gehören zum peripheren Nervensystem. Sie sind unter anderem dafür verantwortlich, Umweltreize in das Gehirn weiterzuleiten, die dort interpretiert werden. Wenn auf dem Zuleitungsweg der Nervenbahnen zum Gehirn (sog. ‚afferente Nervenbahnen‘) irgendein Problem vorliegt, dann kommen die Reize nicht richtig im Gehirn an.

Bewusstseinsstörungen können neurologisch bedingt sein – durch eine Demenzerkrankung, eine Schädigung der Nervenbahnen (sog. ‚Neurone‘) oder ein Schädel-Hirn-Trauma. Bei Personen mit einer psychiatrischen Vorerkrankung treten ebenfalls Wahrnehmungsstörungen auf, da das Gehirn die Umweltreize nicht richtig interpretiert. Auch die Einnahme von Drogen ruft Bewusstseinsstörungen hervor. Betroffene können nicht mehr richtig agieren und interagieren.

Exkurs: Demenz

Auch eine überdurchschnittliche Wachheit (sog. ‚Vigilanz‘) ist eine Form der Bewusstseinsstörung. Die Symptome sind eine übermäßige motorische Aktivität (sog. ‚Agitiertheit‘) und Nesteln mit den Fingern. Eine Erkrankung, bei denen diese Symptome ebenfalls auftreten, ist die Demenz. Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Eine Demenz hat – so wie die Bewusstseinsstörung – viele Ursachen. Beispiele sind ein Schlaganfall (sog. ‚vaskuläre Demenz‘), eine Störung des Stoffwechsels (sog. –‚medikamentös bedingte und Stoffwechsel bedingte Demenz‘), oder eine Erkrankung an Parkinson (sog. ‚Parkinson-Demenz‘).

Bei einer Demenzerkrankung ist die Leistungsfähigkeit des Gehirns durch zerstörte Nervenbahnen beeinträchtigt. Die Folgen sind verlangsamtes Denken, Gedächtnislücken und Orientierungslosigkeit. Die Erkrankung ist fortschreitend und in den meisten Fällen nicht heilbar. Eine Ausnahme bildet in wenigen Fällen die medikamentös bedingte Demenz: Wenn die Patienten die verursachenden Medikamente absetzen, können die Symptome zurückgehen. Dies ist jedoch nur der Fall, wenn die Nervenbahnen und das Gehirn noch keine langfristigen Schäden erlitten haben.

Eine Demenz ist außerdem durch die entstehenden Schäden im Hirn ein möglicher Auslöser für Bewusstseinsstörungen. Wenn ein Demenzpatient also oben genannte Symptome zeigt, kann dies auf eine Bewusstseinsstörung hindeuten.

Bewusstseinsstörungen betreffen alle Lebensbereiche

Die betroffenen Personen leiden unter unterschiedlichen Symptomen, die sich in vielen Lebensbereichen äußern können. Dadurch sind die Patienten in ihren alltäglichen Handlugen beeinträchtigt. In vielen Fällen ist das Bewusstsein vermindert, was bedeutet, dass sie weniger wach und aufnahmefähig sind als ihre Mitmenschen. Symptome wie Desorientierung und Halluzinationen erschweren das Meistern der alltäglichen Aufgaben. Auch die Kommunikation und die soziale Interaktion ist z. B. durch auftretende Halluzinationen erschwert. Hinzu kommt, dass Menschen mit Bewusstseinsstörungen häufig unter einem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus leiden. Im Alltag wach und aufmerksam zu sein kann daher zu einer Herausforderung werden.
„Bei einer Bewusstseinsstörung funktioniert die Psyche nicht mehr richtig. Dies kann sich in vielen unterschiedlichen Formen äußern und den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Wie auf Bewusstseinsstörungen reagieren?

Es ist wichtig, einen ruhigen Umgang mit den Betroffenen zu wahren, damit sie keine Angst bekommen. Der Patient nimmt gegebenenfalls negative Dinge in seiner Verwirrung wahr und kann in diesem Zustand nur schlecht mit Aufregung und Unruhe umgehen. Auch ist es wichtig die Bewusstseinsstörung ernst zu nehmen. Einer betroffenen Person ist es nicht einfach möglich, die Störung abzustellen. Es ist also falsch zu fordern, sie solle sich zusammenreißen. Das würde nur Abwehr, Frust und Unmut auslösen.

Auch können wir nicht in das Bewusstsein einer anderen Person hineinsehen. Deshalb kann man nicht mit letzter Sicherheit sagen, wie sich ein Erkrankter fühlt. Es könnte sein, dass die äußeren Symptome nur einen Bruchteil davon zeigen, was er selbst wahrnimmt und denkt. Falls der Verdacht auf eine Bewusstseinsstörung besteht, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Die qualitative Bewusstseinsstörung

Eine qualitative Bewusstseinsstörung ist eine Veränderung des Bewusstseins, die die normalen psychischen Funktionen betrifft. Die Störung kann das Denken (sog. ‚kognitive Funktionen‘) oder die emotionalen Reaktionen (sog. ‚affektive Funktionen‘) betreffen. Die Bewegungsplanung (sog. ‚psychomotorische Funktionen‘) und die Wahrnehmung sind möglicherweise ebenfalls betroffen. Typische Formen einer qualitativen Bewusstseinsstörung sind die Bewusstseinstrübung, die Bewusstseinseinengung, und die Bewusstseinsverschiebung.

Die quantitative Bewusstseinsstörung

Die quantitative Bewusstseinsstörung ist eine Veränderung des Bewusstseins, die mit Schlaf und Wachheit (sog. ‚Vigilanz‘) zusammenhängt. Bei den betroffenen Personen tritt die Symptomatik folglich aufgrund einer gesteigerten oder einer verminderten Vigilanz auf. Eine quantitative Bewusstseinsstörung aufgrund von verminderter Vigilanz ist die Bewusstseinsverminderung, die sich zum Beispiel in Benommenheit oder Koma äußert.

Ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus ist eine Begleiterscheinung der Bewusstseinsstörung. Schafmangel ist ein häufig unterschätztes Phänomen. Wie wichtig Schlaf tatsächlich ist und welcher Zusammenhang zwischen Schlafmangel und chronischen Erkrankungen besteht, bespricht Dr. Dr. Weigl in diesem Video:

Unterschätzter Zusammenhang: Chronisch krank durch Schlafmangel ⚡ Wie wichtig ist Schlafen?! 🤔

Die Symptome: Welche Beschwerden verursachen Bewusstseinsstörungen?

Die Symptome von qualitativen und quantitativen Bewusstseinsstörungen unterscheiden sich aufgrund ihrer Ursachen. Erstere beeinflussen die Qualität der Wahrnehmung im Wachzustand. Die quantitativen Bewusstseinsstörungen hingegen beeinflussen den Wachheitsgrad der betroffenen Person.

Symptome der qualitativen Bewusstseinsstörung

Die qualitative Bewusstseinsstörung tritt auf, während der Betroffene wach ist. Sie äußert sich in einem verringerten oder erweiterten Bewusstsein. Patienten fokussieren sich oftmals auf einzelne Themen oder Aspekte in ihrem Umfeld und nehmen daher auch nur Teilaspekte der Realität wahr. Die Qualität des Bewusstseins ist zwar verändert, der Wachheitsgrad der Betroffen ist jedoch prinzipiell nicht betroffen. Allerdings tritt bei der qualitativen Bewusstseinsstörung eine gesteigerte Wachheit als ein Begleitsymptom auf.

  • Bei einer Bewusstseinseinengung ist man in seinem Denken eingeschränkt. Betroffene fokussieren sich auf wenige Themen oder auf nur einen Aspekt ihrer Umwelt. Dies betrifft sowohl die kognitiven als auch die emotionalen Fähigkeiten. Die Personen sind wenig sensibel gegenüber äußeren Reizen. Die Symptome können auch im Alltag Gesunder auftreten – beispielsweise wenn sich Menschen stark auf ihre Arbeit konzentrieren. Man spricht dann von einem Tunnelblick. Bei erkrankten Personen tritt die Bewusstseinseinengung jedoch stärker auf. Sie lassen sich – im Gegensatz zu einer stark konzentrierten Person – nicht so einfach aus ihrer Fokussierung herausholen.
  • Eine Bewusstseinsverschiebung äußert sich in einer gesteigerten Wahrnehmung einzelner Aspekte des eigenen Umfelds. Die Betroffenen nehmen nur bestimmte Dinge stärker wahr: Sie empfinden Raum, Zeit oder einzelne Sinneswahrnehmungen intensiver. Zudem haben sie häufig eine gesteigerte Wachheit (sog. ‚Hypervigilanz‘). Die Symptome äußern sich zudem oft in einem gesteigerten Beschäftigungsdrang, Agitiertheit oder Nesteln mit den Fingern.
  • Die Bewusstseinstrübung äußert sich in Angst, Desorientierung und Halluzinationen. Die Betroffenen sind in der Fähigkeit gestört ihre Umwelt zu verstehen und das Wahrgenommene sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Sie wundern sich darüber, dass die Welt plötzlich seltsam ist. Sie sind nicht in der Lage, ihr Umfeld aus eigener Kraft wieder normal wahrzunehmen. Gerade bei einer Bewusstseinstrübung benötigen Patienten Hilfe, damit sie in ihrer Verwirrung keine Gefahr für andere und sich selbst darstellen.

Symptome der quantitativen Bewusstseinsstörung

Die quantitative Bewusstseinsstörung betrifft den Wachheitsgrad der betroffenen Personen. Sie lässt sich in verschiedene Stufen einteilen. Benommenheit, Somnolenz, Sopor und Koma sind Stufen der Bewusstseinsverminderung mit einer herabgesetzten Wachheit. Die Hypervigilität hingehen beschreibt eine gesteigerte Wachheit.

  • Personen, die unter Benommenheit leiden, sind in ihrer Wachheit leicht beeinträchtigt. Sie sind zwar wach, wirken jedoch etwas schläfrig.
  • Menschen mit einer Somnolenz sind stark schläfrig. Sie schlafen immer wieder ein, lassen sich aber durch einfache Reize wieder aufwecken.
  • Von Sopor betroffene Personen wachen nur mit Mühe auf. Es ist nicht möglich, sie mit leichten Reizen aufzuwecken. Teilweise ist es sogar nötig, Schmerzreize einzusetzen, um sie aufzuwecken.
  • Patienten, die von einem Koma betroffen sind, lassen sich nicht mehr aufwecken. Sie reagieren nicht mehr auf Reize, selbst, wenn diese sehr stark sind.
Gut zu wissen!
Der Begriff der „Störung“ ruft negative Assoziationen hervor. Man geht automatisch davon aus, dass eine Bewusstseinsstörung auch von den Betroffenen als negativ empfunden wird. Dies ist aber nicht immer der Fall: Die Betroffenen können auch positive Veränderung aufgrund ihrer Bewusstseinsstörung empfinden. Trotzdem ist eine Bewusstseinsstörung eine Erkrankung.

Wer ist am ehesten betroffen?

Die Ursachen für Bewusstseinsstörungen sind unterschiedlich. Die Größe der Risikogruppe ist dadurch bestimmt, um welche Art der Bewusstseinsstörung es sich handelt. Prinzipiell gehören alle Menschen zur Risikogruppe, die unter verursachenden Erkrankungen leiden. Leichte Varianten der Bewusstseinsstörung treten in manchen Fällen sogar bei gesunden Personen auf.

Wer bekommt eine qualitative Bewusstseinsstörung?

Qualitative Bewusstseinsstörungen treten aufgrund von körperlichen und psychiatrischen Vorerkrankungen wie Alzheimer, Problemen mit dem Herz-Kreislauf-Systems, einem Schädel-Hirn-Trauma, einer Erkrankung an Schizophrenie oder Entzündungen des Gehirns auf. Auch der Konsum von Medikamenten und Drogen kann eine Bewusstseinsstörung zur Folge haben.

Die Bewusstseinseinengung und die Bewusstseinsverschiebung treten manchmal auch als eine gewollte Veränderung des Bewusstseins auf. Beispiele sind die Meditation oder eine Hypnose-Behandlung. Auch bei gesunden Menschen die sich sehr stark konzentrieren ist eine Bewusstseinseinengung möglich: Starke Konzentration am Arbeitsplatz führt zu einer Art Tunnelblick – einer leichten Form der Bewusstseinseinengung.

Wer bekommt eine quantitative Bewusstseinsstörung?

Die Risikogruppe für quantitative Bewusstseinsstörungen sind Menschen mit Vorerkrankungen und Unfallpatienten. Erkrankungen, die dieses Störung hervorrufen sind zum Beispiel ein erhöhter Blutzuckerspiegel, ein Schlaganfall, eine Schizophrenie, ein Schädel-Hirn-Trauma, Entzündungen des Nervensystems, Vergiftungen oder ein erhöhter Hirndruck.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose von Bewusstseinsstörungen

Da die Ursachen einer Bewusstseinsstörung sehr vielfältig sind, ist die Diagnosestellung durch den Arzt recht umfassend und erfolgt in mehreren Schritten. Die nachfolgenden Therapiemaßnahmen richten sich danach, welche Ursache der Arzt für die Bewusstseinsstörung identifiziert.

Die ersten Schritte in der Diagnostik

In einer Erstuntersuchung erfolgt ein umfassendes Anamnese-Gespräch. Der Arzt erfragt, wie sich die Bewusstseinsstörung äußert und wie sie sich mit der Zeit entwickelt hat. Er stellt weiterhin Fragen über die persönliche Vorgeschichte, über Vorerkrankungen, die Einnahme von Medikamenten und den Lebensstil. Zudem untersucht der Arzt die Funktionen des Körpers, um gegebenenfalls erste Fehlfunktionen zu entdecken: Er überprüft zum Beispiel die Funktion der Atemwege mit einem Lungenfunktionstest, und bewertet die Funktion des Herzens anhand eines Elektrokardiogramms (kurz: EKG).

Weitere Ursachenforschung: Die neurologische Untersuchung

Die neurologische Untersuchung ist ein Verfahren der Diagnostik, mit dem der Arzt die Ursache für eine Bewusstseinsstörung weiter eingrenzen kann. Eine Untersuchungsmaßnahme ist das Überprüfen der Pupillen auf ihre Größe, Seitengleichheit und die Reaktion auf Licht. Die Untersuchung der motorischen Fähigkeiten ist ebenfalls ein Teil der neurologischen Diagnostik. Der Arzt fordert den Patienten dazu auf, seine Extremitäten zu bewegen, auf einem Bein zu stehen oder auf einer Linie zu gehen. So kann er sehen, ob das motorische System in irgendeiner Weise eingeschränkt ist.

Die neurologische Untersuchung mit bildgebenden Verfahren

Um das Gehirn auf Schäden zu untersuchen, kann der Arzt bildgebende Verfahren einsetzen. Diese zeichnen Informationen über das Gehirn auf. Ein Elektroenzephalogramm (kurz: EEG) misst die Hirnströme mit Hilfe von Elektroden am Kopf. Das EEG liefert ein zweidimensionales Bild. Auf dem Bild sieht der Arzt, ob alle Areale des Gehirns Signale senden und ob sie korrekt arbeiten. Eine Magnetresonanztomographie (kurz: MRT) bildet die Strukturen des Gehirns drei-dimensional ab. Das Bild zeigt, ob Veränderungen im Hirn vorliegen. Beide Methoden sind von außen anwendbar, also nicht invasiv, so gut wie frei von Nebenwirkungen und verursachen keine Schmerzen für den Patienten.

Fakten-Box – Bewusstseinsstörungen

  • Veränderung der psychischen Verfassung
  • mögliche Ursachen sind Vorerkrankungen, zum Beispiel Schlaganfall oder Schizophrenie
  • durch Hypnose oder Meditation erleben auch gesunde Menschen eine leichte Form der Bewusstseinsstörung
  • eine qualitative Bewusstseinsstörung beschreibt eine Veränderung während der Wach-Phase
  • eine quantitative Bewusstseinsstörung ist eine verminderte oder eine gesteigerte Vigilanz

Mögliche Symptome

  • Verwirrtheit
  • Halluzinationen
  • gesteigerte Wahrnehmung von Raum und Zeit
  • übertriebene Fokussierung
  • Angst
  • Schläfrigkeit
  • Koma
  • gesteigerte Wachheit
  • Nesteln mit den Fingern

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung von Bewusstseinsstörungen

Bewusstseinsstörungen treten sehr häufig aufgrund von Vorerkrankungen auf. Die Therapie umfasst daher vor allem deren Behandlung. Es existieren vielfältige Behandlungsmethoden, um die verursachenden Erkrankungen von Bewusstseinsstörungen zu heilen. Gegebenenfalls verschwindet die Bewusstseinsstörung dann ebenfalls.

Medikamentöse Therapie

Die Gabe von Medikamenten ist eine gängige Therapieform. Der Arzt stimmt die Medikamente auf die Erkrankung ab. Liegt zum Beispiel eine Entzündung des Gehirns vor, verabreicht der Arzt möglicherweise ein entzündungshemmendes Präparat oder Antibiotika. Ist die verursachende Erkrankung eine Schizophrenie, kann eine medikamentöse Therapie mit Psychopharmaka sinnvoll sein. Bei einer Vergiftung werden entgiftende Präparate angewendet. Wichtig ist es auch, die Vitalfunktionen des Patienten zu stärken.

Psychotherapie

Die Psychotherapie ist eine Behandlungsmöglichkeit für durch psychiatrische Vorerkrankungen verursachte Bewusstseinsstörungen. Sie erfolgt durch Psychiater oder Psychotherapeuten – je nach Schwere und Ursache der Bewusstseinsstörung – entweder ambulant oder stationär. Die Psychotherapie lässt sich gut mit einer medikamentösen Therapie kombinieren.

Therapie mit Gehirnstimulation

In den letzten Jahrzehnten haben sich Stimulationsmethoden des Gehirns als weitere nützliche Therapieform erwiesen. Ein Beispiel ist die transkranielle Magnetstimulation (kurz: TMS). Mithilfe eines schwachen Magnetfeldes kann der Therapeut die Gehirnaktivität anregen oder hemmen. Diese Stimulation hilft dabei die Funktionen des Gehirns – zum Beispiel die motorischen Fähigkeiten – wiederherzustellen und zu erhalten. Ärzte setzen die Hirnstimulation bei der Rehabilitation von Schlaganfall-- oder Demenzpatienten ein. Bei psychiatrischen Erkrankungen trägt die Gehirnstimulation ebenfalls zum Therapieerfolg bei.

Veränderung des Lebensstils

Eine weitere möglich Ursache für eine Bewusstseinsstörung ist die Einnahme von Drogen oder Medikamenten. Wenn der Körper noch keine langfristigen Schäden erlitten hat, verschwinden die Symptome möglicherweise durch das Absetzen bzw. durch das Unterlassen des Missbrauchs der Substanzen.
Auch eine Umstellung der Ernährung kann die Symptomatik verringern, zum Beispiel, wenn die Bewusstseinsstörungen durch verfettete Blutgefäße verursacht ist. Es ist sinnvoll, nicht zu viel rotes Fleisch und fettige Soßen zu essen. Stattdessen empfiehlt es sich viel Gemüse, helles Fleisch und Fisch zu sich zu nehmen. Außerdem sollten die Betroffenen Alkohol und Nikotin meiden.

Alternative Therapieformen

Alternative Therapieformen beinhalten verschiedene Einzel- und Gruppentherapien. Ein Beispiel ist die Bewegungstherapie. Sie kommt in der Schlaganfall-Rehabilitation oder bei manchen Formen der Demenz zum Einsatz. Dort bewegen sich die Patienten gezielt, um die motorischen Fähigkeiten ihres Körpers zu bewahren. Als direkte Therapiemethoden für Bewusstseinsstörungen existieren kunstbezogene Ansätze wie zum Beispiel die Musiktherapie.

Aktuelle Forschung – Musik hilft gegen Bewusstseinsstörungen

Welche alternativen Therapieverfahren gibt es für Menschen mit einer Bewusstseinsstörung? Wie effektiv sind diese? Um diese Fragen zu beantworten, haben Wissenschaftler in den letzten Jahren eine Vielzahl von Studien durchgeführt. Ein Beispiel für eine untersuchte Therapieform ist die Musiktherapie. Ob eine Musiktherapie Patienten mit einer Bewusstseinsstörung wirklich hilft, haben die Musikwissenschaftlerin Teresa Grimm und Prof. Dr. Gunter Kreutz, Leiter des Instituts für Musik der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg beleuchtet. Die beiden Wissenschaftler haben vorhandene Forschungsergebnisse in einer Übersichtsstudie zusammengefasst. Sie haben dazu über 20 Studien ausgewertet, die sich mit der Effektivität von Musiktherapien befassen.

Warum funktioniert Musiktherapie?

Menschen mit einer schweren Bewusstseinsstörung haben aufgrund ihrer Symptomatik oft einen schlechten Zugang zu ihrer Umwelt. Musik hilft dabei, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Vor allem bekannte Stücke, die die Patienten bereits seit längerer Zeit kennen und mögen, geben ihnen ein positives Gefühl. In der Musiktherapie setzen die Therapeuten die Musik gezielt ein: Sie singen oder spielen den Patienten die Musikstücke vor. Dabei passen sie die Melodien und Rhythmen der Atemfrequenz ihrer Patienten an, damit die Musik intensiver auf diese einwirkt.

Welche Effekte hat Musiktherapie auf die Patienten?

Die Übersichtsstudie hat ergeben, dass ein gezieltes Einsetzen der Musiktherapie häufig positive Effekte für die Patienten mit sich bringt. In den Studien hat sich dies in den physiologischen Messungen bestätigt: die Patienten zeigen vermehrte Augenreflexe durch Blinzeln, sie atmen tiefer oder verändern ihren Gesichtsausdruck während der Therapie. Einige Studien haben auch gezeigt, dass die Patienten während der Musiktherapie eine erhöhte Gehirnaktivität oder einen veränderten Herzschlag aufweisen.

Es waren klare methodische Unterschiede zwischen den Studien zu erkennen. Aus den meisten Studien ist auch nicht hervorgegangen, was genau den Erfolg der Musiktherapie ausmacht. Es könnte sein, dass besondere Eigenschaften der verwendeten Musikstücke für die Wirkung der Therapie verantwortlich sind. Biografische Faktoren könnten jedoch ebenfalls der Grund für die positive Wirkung der Musik auf die Patienten sein.

Schlussfolgerungen der Forscher

Die beiden Forscher bemängeln, dass viele Studien noch keine hochwertigen Methoden verwenden. Dies bedeutet, dass weitere Forschung notwendig ist, um alle Zusammenhänge zwischen dem Therapieerfolg und äußeren Einflussfaktoren zu verstehen. Sie betonen jedoch, dass die Musiktherapie eine vielversprechende Intervention ist. Denn sie ist eine sehr sichere Methode ohne Nebenwirkungen.

Quelle: Teresa Grimm, Gunter Kreutz (2018): Music interventions in disorders of consciousness (DOC) – a systematic review, Brain Injury, 32 / 6, S. 704 – 714.

Häufige Patientenfragen

Gibt es Sportarten, die bei einer Bewusstseinsstörung verboten sind?

Dr. Dr. T. Weigl
Das kommt auf die Art der Bewusstseinsstörung und auf die Sportart an. Betroffene sollten Sportarten meiden, bei denen sie sich stark konzentrieren müssen, Angst bekommen könnten, oder sich und andere in Gefahr bringen könnten. Beispiele dafür sind Klettern, Mountainbike-Touren oder Schützensport.

Sie sollten ebenfalls vorsichtig sein mit Wassersportarten – vor allem bei einer quantitativen Bewusstseinsstörung. Denn es besteht die Gefahr einzuschlafen und zu ertrinken. In jedem Fall ist es sinnvoll, solche Fragen mit einem Mediziner zu besprechen. Gemeinsam können Sie erörtern, welche Symptome auftreten und so über mögliche Sportarten reden.

Meine Mutter leidet an Alzheimer und lebt im Altenheim. Sie verhält sich in letzter Zeit seltsam und sagt, dass manchmal so laute Musik gespielt wird. Ich habe ihr schon gesagt, dass sie sich das einbildet – sie ist schließlich schwerhörig. Könnte es sein, dass sie an einer Bewusstseinsstörung leidet?

Dr. Dr. T. Weigl
Eine gesteigerte Sinneswahrnehmung ist ein mögliches Symptom einer qualitativen Bewusstseinsstörung. Sie sollten jedoch keine Eigendiagnose stellen. Sprechen Sie mit dem Arzt Ihrer Mutter und schildern Sie die Symptome. Er kann abklären, ob die Symptome mit der Demenzerkrankung zusammenhängen oder eine andere Ursache haben. Versuchen Sie, sich gegenüber Ihrer Mutter offen und verständnisvoll zu verhalten. Nehmen Sie ihre Empfindung ernst und sprechen Sie ruhig mit ihr. So finden Sie gemeinsam mit dem Arzt am besten heraus, was genau der Grund für die Symptome ist.

Kann man vorbeugend Medikamente einnehmen, um keine Bewusstseinsstörung zu bekommen?

Dr. Dr. T. Weigl
Es ist grundsätzlich davon abzuraten, sich selbst vorbeugend Medikamente zu verordnen. Möglicherweise begünstigt die Einnahme von zu vielen Medikamenten eine Bewusstseinsstörung. Es ist immer abzuwägen, ob der Nutzen mögliche Nebenwirkungen übersteigt. Falls Sie den Verdacht haben, unter einer Bewusstseinsstörung zu leiden, dann konsultieren Sie Ihren Arzt. Er kann in einer Anamnese herausfinden, ob Sie betroffen sind und die richtigen Behandlungsmaßnahmen einleiten.

Wachen Personen die im Koma liegen wieder auf?

Dr. Dr. T. Weigl
Dies kann man pauschal nicht vorhersagen. Es kommt ganz darauf an, weswegen eine Person ins Koma gefallen ist und in welcher Verfassung sich ihr Körper befindet. Die Technik um Prognosen zu stellen verbessert sich immer mehr. Es existieren bereits Computerprogramme, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Berechnungen anhand der Vitalfunktionen des Patienten anstellen. Diese Berechnungen unterstützen die Ärzte bei Ihrer Prognose.

Kann man Bewusstseinsstörungen heilen?

Dr. Dr. T. Weigl
Es kommt darauf an, weswegen die betroffene Person unter einer Bewusstseinsstörung leidet. Tritt zum Beispiel eine Bewusstseinsverschiebung kurzfristig im Zusammenhang mit einer Hypnose auf, dann verschwindet sie mit hoher Wahrscheinlichkeit danach wieder. Handelt es sich jedoch um eine Bewusstseinsstörung als Folge einer nicht heilbaren neurologischen Erkrankung, ist eine Heilung nur schwer bis gar nicht möglich. Falls Sie unter einer Bewusstseinsstörung leiden oder den Verdacht haben, dann klären Sie Ihre Heilungsprognosen am besten ärztlich ab.

Mein Vater hatte letztes Jahr einen Schlaganfall. Es ist zwar alles gut verlaufen, aber ich habe Angst, dass es Folgeschäden gibt. Treten Bewusstseinsstörungen bei allen Schlaganfallpatienten auf?

Dr. Dr. T. Weigl
Nicht in allen Fällen tritt eine Bewusstseinsstörung nach einem Schlaganfall auf. Die Folgeuntersuchungen beim Arzt helfen dabei, mögliche Folgesymptome zu erfassen. Achten Sie selbst ebenfalls darauf, ob sich die Verfassung oder die Wahrnehmung Ihres Vaters verändert. Raten Sie ihm dazu, auftretende Symptome sofort zu melden und offen über seine Wahrnehmung zu sprechen.

In letzter Zeit fühle ich mich oft schläfrig. Leide ich unter einer Bewusstseinsstörung?

Dr. Dr. T. Weigl
Ein Gefühl von Schläfrigkeit kann viele Ursachen haben. Es muss sich daher nicht um eine Bewusstseinsstörung handeln. Versuchen Sie zu rekonstruieren, wann die Schläfrigkeit zum ersten Mal aufgetreten ist und wie Ihre körperliche Verfassung zu diesem Zeitpunkt war. Waren Sie möglicherweise erkältet? Hatten Sie Stress? Wenn die Symptome nicht wieder verschwinden, dann suchen Sie unbedingt einen Arzt auf. Dort kann eine gründliche Anamnese die Ursache für ihre Schläfrigkeit eingrenzen und eine geeignete Behandlung gefunden werden.

Kann man mit einer Bewusstseinsstörung Auto fahren?

Dr. Dr. T. Weigl
Das ist von Fall zu Fall verschieden. Wenn eine Bewusstseinsstörung vorliegt, die die Verkehrssicherheit beeinträchtigt, sollte der Patient auf keinen Fall Auto fahren. Allgemein ist es notwendig, vorher einen ärztlichen Rat einzuholen. Wenn Sie sich in einer Situation nicht sicher sind, dann verzichten Sie lieber auf das Autofahren um sich und andere nicht zu gefährden.

Typisches Patientenbeispiel

Seitdem Michael seine Diagnose erhalten hat, ist das Leben für ihn deutlich einfacher. Zu Beginn war er zwar schockiert, aber er kann sich langsam mit dem Gedanken anfreunden: Er hat die Diagnose Schizophrenie erhalten. Die Ärzte haben gesagt, dass sie ihn medikamentös behandeln und gleichzeitig eine Psychotherapie mit ihm beginnen.
Er hofft sehr, dass seine Wahrnehmung wieder normal wird. Lange Zeit hat Michael nicht verstanden, dass seine Halluzinationen nicht real sind. Er hat sich offenbar nur eingebildet, dass er die Vögel draußen fliegen hören kann. Aber es war so real und so laut. Er konnte sich nicht mehr konzentrieren. Nur laute Musik zu hören, hat im geholfen.

Mit Ruhe und Verständnis zu professioneller Hilfe

Michaels Ehefrau Laura hatte schwer mit der Situation zu kämpfen – sie wollte ihn nicht zu sehr zu einer Therapie drängen, hatte aber sehr viel Angst um ihn. Der Hausarzt hatte ihr geraten, sich verständnisvoll und ruhig gegenüber ihrem Mann zu verhalten. Sie hat ihm gezeigt, dass sie seine Wahrnehmung ernst nimmt – dass sie ihm glaubt, diese akustischen Empfindungen zu haben. Nur deshalb hat er am Ende auch auf sie gehört und eingesehen, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Ausführliche Anamnesegespräche und Untersuchungen haben das Ehepaar an den Punkt geführt, an dem sie jetzt sind: Michael lässt sich therapieren und Laura hat nun nicht mehr so viel Angst um ihn.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Melinda A. Mende
Lektorat: Arlen-Celina Lücke
Veröffentlicht am: 08.12.2019

Quellen

  • Hans-Christian Hansen (2019): Bewusstseinsstörung nach vernichtendem Kopfschmerz ohne Blutung. In Notfälle mit Bewusstseinsstörungen und Koma, S. 183 – 188. Berlin, Heidelberg: Springer Verlag.
  • Teresa Grimm, Gunter Kreutz (2018): Music interventions in disorders of consciousness (DOC) – a systematic review, Brain Injury 32 / 6, S. 704 – 714.
  • Eckhardt-Henn, Annegret, Carsten Spitzer (2018): Dissoziative Bewusstseinsstörungen: Grundlagen, Klinik, Therapie. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag.
  • Marie Madlener, Oezguer A. Onur (2018): Akute Bewusstseinsstörung. Fortschritte der Neurologie· Psychiatrie 86 / 5, S. 270 – 278.
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