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Vasopressin / ADH und wie es sich aufs Pinkeln auswirkt

Vasopressin ist zuständig für die Regulation unseres Wasserhaushalts und sowohl ein Überschuss als auch ein Mangel an Vasopressin muss ärztlich abgeklärt und behandelt werden.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Was ist Vasopressin?

Vasopressin bzw. ADH (Anti-diuretisches Hormon) ist ein Peptidhormon bestehend aus 9 Aminosäuren. Die Produktion erfolgt durch die Nervenzellen des Hypothalamus, einem Teil des Gehirns, das sich über der Hirnanhangsdrüse (sog. ‚Hypophyse‘) befindet. Gespeichert wird Vasopressin im Hinterlappen der Hirnanhangsdrüse und die Freisetzung in die Blutlaufbahn erfolgt bei Bedarf. Sowohl der Hypothalamus als auch die Hirnanhangsdrüse sind Teile des Zwischenhirns (sog. ‚Diencephalon‘).

Exkurs aus der Biochemie: Was sind Hormone und wie werden sie eingeteilt?

Hormone stellen biochemische Botenstoffe im menschlichen Körper dar. Produziert werden diese von spezifischen Zellen (sog. endokrine Drüsen), welche die Hormone direkt in den Blutkreislauf abgeben. Hormone übernehmen im Körper regulatorische Prozesse oder erzielen spezielle Wirkungen, nachdem sie zu ihrer spezifischen Zielzelle angelangt sind bzw. an diese binden.
Da zwischen den Hormonen chemische und strukturelle Unterschiede existieren, werden diese folgendermaßen eingeteilt:

  • Peptidhormone (oder Preoteinhormone)
  • Aminosäurederivate
  • Steroidhormone
  • Arachidonsäurederivate (oder Eicosanoide)

Des Weiteren können Hormone nach ihrem Bildungsort eingeteilt werden. Demnach gruppieren sie sich wie folgt:

  • Schilddrüsenhormone
  • Bauchspeicheldrüsenhormone (sog. Pankreashormone)
  • Hirnanhangsdrüsenhormone (sog. Hypophysenhormone)

Was bewirkt Vasopressin im Körper?

Vasopressin ist für die Regulation des Wasserhaushaltes im menschlichen Organismus zuständig. Durch verschiedene Mechanismen bewirkt es die Rückresorption von Wasser aus dem Primärharn – dieser Rückresorptionsmechanismus findet in unseren beiden Nieren statt. Wenn also ein Wassermangel im Organismus herrscht oder das Volumen im venösen bzw. arteriellen System zu gering ist, registrieren dies bestimmte Rezeptoren (diese befinden sich an unserer Halsschlagader und im Herzen). Daraufhin veranlassen sie  die Freisetzung von Vasopressin.

Anschließend bewirkt dieses eine Rückgewinnung des Wassers aus dem Urin, welches sich in den Sammelrohren der Nieren befindet. Dadurch nimmt das Volumen des Urins ab und seine Konzentration steigt. Stehen die Ziele Osmolarität und Blutvolumen im Konflikt (sog. hypotone Dehydration), dann geht die Regulierung des Blutvolumens vor.
Darüber hinaus wird die Freisetzung von Vasopressin auch gesteuert bzw. beeinflusst durch:

  • Zusätzliche Freisetzung von Vasopressin durch die Triggerfaktoren Stress, Schmerz, Verletzungen und Erbrechen
  • Weniger Freisetzung von Vasopressin durch die Triggerfaktoren Alkohol und Kaffee

Eine weitere Funktion von Vasopressin ist seine verengende Wirkung auf die Blutgefäße und folglich die Steigerung des Blutdrucks. Bei Flüssigkeitsmangel (z.B. starkem Schwitzen) wird so sichergestellt, dass der Blutdruck konstant bleibt.
 

Wissenswertes über Vasopressin

  • Wussten Sie schon, dass es eine Verbindung zwischen Vasopressin und dem Nachdurst nach hohem Alkoholverzehr gibt? Alkohol senkt die Freisetzung des Vasopressins aus der Hypophyse. Die Folge ist eine erhöhte Ausscheidung des Wassers aus dem Körper. Durch die Dehydratation des Körpers leidet der Betroffene am Tag darauf unter Kopfschmerzen, an Nachdurst und an den sogenannten Symptomen des „Katers“.
  • Wussten Sie schon, dass Vasopressin auch unter anderem Namen bekannt ist? Synonyme sind Adiuretin oder das Anti-diuretische Hormon (ADH), welche sich auf die antidiuretische Wirkung beziehen.
  • Wussten Sie schon, dass Vasopressin strukturell dem Kuschel-Hormon Oxytocin ähnlich ist? Außerdem handelt es sich bei beiden um Hormone des Hypophysenhinterlappens, die aus Vorläufermolekülen entstehen, welche im Hypothalamus gebildet werden.
  • Wussten Sie schon, dass Vasopressin Vasopressin bei Tier und Mensch die Gedächtnisleistung verbessert? Dem Vasopressin wird außerdem eine Funktion bei der Gehirnentwicklung zugesprochen.

Im folgenden Video geht Dr. T. Weigl auf diesen Zusammenhang zwischen (wenig) Alkohol und (viel) pinkeln ein.

Welche Rolle spielt Vasopressin bei Krankheiten?

Da Vasopressin an regulatorischen Prozessen im menschlichen Körper beteiligt ist, drückt sich ein gestörter Haushalt in zwei verschiedenen Formen aus:

Vasopressinmangel (Diabetes insipidus bzw. Wasserharnruhr)

Bei einem Vasopressinmangel ist die Wasserrückresorption der Nieren nicht korrekt reguliert. Folglich wird täglich zu viel Urin ausgeschieden, da der Mangel an Vasopressin senkend auf die Rückresorption des Wassers aus dem Urin wirkt. Das kennzeichnende Symptom dafür ist die große Menge hellen und stark verdünnten Urins, welche ausgeschieden wird. Dabei ist eine Urinausscheidung von bis zu 20 Liter am Tag möglich. Um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und so eine Trocknung zu verhindern, muss der Betroffene ebenso viel Wasser zu sich nehmen. Aus diesem Grund verspüren Patienten großen Durst. Ein weiteres Symptom bzw. Folge dieser Krankheit ist die Müdigkeit. Das ständige Ausscheiden des Urins stört nämlich den Schlaf des Betroffenen.
Teilweise ist es aber für die Betroffenen nicht möglich, die Flüssigkeit, welche mit dem Urin ausgeschieden wird, durch das Trinken auszugleichen. Dieser große Flüssigkeitsverlust kann zu den folgenden Symptomen führen:

  • trockene Haut
  • trockene Schleimhäute
  • Verstopfung
  • niedriger Blutdruck
  • Erhöhung der Natrium Konzentration im Blut (sog. ‚Hypernatriämie‘) und als Folge Verwirrtheit und Anfälle von Krämpfen

Zwei Arten des Diabetes insipidus

Wichtig zu wissen ist, dass es zwei Arten des Diabetes insipidus gibt:

zentraler Diabetes insipidus

Diese Form der Krankheit zeichnet sich durch eine Veränderung im Bereich des Hypothalamus, des Hypophysenstiels oder des Hypophysenhinterlappens aus. Die Folgen sind:

  • nicht ausreichende oder keine Herstellung von Vasopressin im Hypothalamus
  • kein Transport von Vasopressin durch den Hypophysenstiel vom Hypothalamus zum Hypophysenhinterlappen
  • keine Speicherung des Vasopressins im Hypophysenhinterlappen bzw. keine Freigabe dessen ins Blutsystem

Die Ursache für die Entstehung dieser Form der Krankheit kann folgendes sein:

  • Zysten und bösartige Tumoren (sog. ‚maligne Tumoren‘) im Bereich des Hypothalamus, des Hypophysenstiels und des Hypophysenhinterlappens. Dadurch wird das normale Gewebe von fehlerhaften Zellen verdrängt und die Produktion, Ausschüttung bzw. Speicherung des Vasopressins gestört.
  • Hirnhautentzündung in Folge von schweren Erkrankungen wie z. B. Tuberkulose
  • Entzündung in Folge von Operation oder Bestrahlung
  • Blutungen bzw. Infarkte, die dafür sorgen, dass eine mangelnde Blutversorgung der Zellen des Hypothalamus herrscht. Dadurch bedingt können die Zellen absterben
  • Autoimmunerkrankung (seltener Fall), welche weitervererbt wird

renaler Diabetes insipidus

Diese Form wird ebenfalls nephrogener Diabetes insipidus genannt und zeichnet sich durch einen Defekt in den Nieren aus. Dadurch können diese die Signale, welche vom Vasopressin abgegeben werden, nicht korrekt ausführen. Demnach ist der Körper nicht in der Lage Wasser aus den Nieren zu resorbieren.
Die Ursache sind folgende:

  • chronische Nierenerkrankung
  • Schädigung der Nieren durch bestimmte Medikamente
  • Angeborener Gendefekt

Mehr zum Thema Diabetes insipidus haben wir in einem eigenen Artikel für Sie zusammengestellt.

Im folgenden Video erklärt Dr. T. Weigl was der Diabetes Insipidus ist, was die Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten sind.

Wurde bei Ihnen ein Diabetes insipidus diagnostiziert? Unter welchen Symptomen litten Sie? (Mehrfachnennung möglich) Ihre Beteiligung hilft Anderen dabei, die eigenen Symptome besser einschätzen zu können.
Abstimmen

Vasopressinüberschuss – das Schwartz-Bartter-Syndrom

Bei einem Vasopressinüberschuss sind zu hohe Mengen an Vasopressin im Blut vorhanden. Dadurch wird die Rückresorption des Wassers aus dem Urin stark erhöht. Die Folge ist eine zu hohe Wasseransammlung im Körper des Betroffenen und damit verbunden eine starke Verdünnung des Blutes.

Kennzeichnend für diese Krankheit ist, dass die Betroffenen viel weniger Flüssigkeit bzw. Urin ausscheiden als gesunde Personen. Außerdem ist der Urin stärker konzentriert und die Farbe dunkler. Die hohe Wasseransammlung im Körper des Betroffenen führt zwangsweise zu einer starken Gewichtszunahme. Eine weitere Folge der Wasseransammlung ist die Verdünnung von Inhaltsstoffen im Blut.

Ganz typisch sind Beschwerden, die infolge der starken Verdünnung des Natriums (sog. ‚Hyponatriämie‘), des Phosphats (sog. ‚Hypophosphatämie‘) und des Kaliums (sog. ‚Hypokaliämie‘) auftreten können. Dazu gehören:

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • erhöhte Reizbarkeit
  • Brechreiz
  • Erbrechen

Diese Beschwerden werden nicht immer direkt vom Betroffenen wahrgenommen. Die Geschwindigkeit, mit der die Inhaltsstoffe verdünnt werden, ist dabei ein entscheidender Faktor.
Ab einer bestimmten Verdünnung kann es zu Einlagerung von Wasser im Gehirn kommen. Die Folge ist ein Hirnödem, welches die Funktionen des Gehirns stören kann. Beim Betroffenen äußert sich diese Störung in Form von Unruhe, Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen.
Ein Vasopressinüberschuss kann in zwei Formen auftreten:

hypothalamischer Vasopressinüberschuss

Diese Form geht mit einer Veränderung im Bereich des Schädels bzw. des Hypothalamus einher. Die Folge ist eine unkontrolliert hohe Ausschüttung des Hormons Vasopressin im Körper des Betroffenen. Die Ursachen für diese Form der Krankheit können folgende sein:

  • Unfall mit Schädel-Hirn-Trauma
  • Tumor im Bereich des Hypothalamus
  • Blutungen
  • Entzündungen des Gehirns
  • Entzündungen der Hirnhäute
  • bestimmte Medikamente, welche eine positive Vasopressin-Produktion im Hypothalamus bewirken (z. B. Medikamente bei der Krebstherapie)

extrazerebraler Vasopressinüberschuss

Hauptursache für diese Form der Erkrankung sind bösartige Tumoren im Körper des Betroffenen. Diese können im Bereich der Lunge oder der Bauchspeicheldrüse auftreten und für eine starke Vermehrung des Gewebes sorgen. Des Weiteren können sie Tochtergeschwülste bilden und über die Lymphflüssigkeit im ganzen Körper verbreiten. Der Vasopressinüberschuss entsteht, da die Tumorzellen selbst in der Lage sind, Vasopressin zu produzieren (‚paraneoplastisches Syndrom‘)

Mögliche Therapien eines gestörten Vasopressin-Haushaltes

Für eine effektive Therapie muss vorher die Form der Krankheit bekannt sein.

Vasopressinmangel

Wichtig bei einem Vasopressinmangel ist, dass große Wassermengen ausgeschieden werden. Deshalb ist die hohe Einnahme von Flüssigkeit von enormer Wichtigkeit, um Dehydrierungen des Körpers zu vermeiden.
a) Bei einem zentralen Diabetes insipidus entsteht der Vasopressinmangel durch eine Veränderung im Hypothalamus, des Hypophysenhinterlappens oder des Hypophysenstiels. Die Zugabe von Vasopressin kann medikamentös erfolgen. Hierbei wird ein künstlich hergestelltes Protein verwendet, welches Desmopressin heißt. Dieses ist mit dem Vasopressin strukturverwandt und besitzt ebenfalls die Fähigkeit, die Wasserausscheidung zu hemmen.
Weitere Ursachen eines zentralen Diabetes insipidus sind Tumoren in der Hirnanhangsdrüse und Entzündungen der Hirnhaut. Die Behandlung hierzu wäre die operative Entfernung der Tumoren bzw. die medikamentöse Behandlung der Hirnhautentzündung.
b) Die Behandlung eines renalen Diabetes insipidus kann nicht mit einer Desmopressingabe erfolgen, da diese Form der Erkrankung auf einem Defekt der Niere beruht. In diesem Falle muss die Urinmenge mithilfe von Medikamenten (z. B. Antidiuretika) vermindert werden.

Vasopressinüberschuss

Da sich bei einem Vasopressinüberschuss viel Wasser im Körper ansammelt, kann eine verminderte Wassereinnahme von Vorteil sein. Betroffenen wird empfohlen, täglich
ca. 1–1,5 Liter zu trinken.
Des Weiteren empfiehlt sich eine medikamentöse Behandlung mit urinfördernden Arzneistoffen (sog. ‚Diuretika‘). Dadurch kann die Wirkung des Vasopressins gehemmt und die Rückresorption der Nieren gemindert werden.
Symptome, welche infolge der starken Natriumverdünnung im Blut entstehen, können durch eine Kochsalzlösungszugabe (per Infusion) behandelt werden. Wichtig dabei ist, dass die Kochsalzlösung viel Natrium enthält, um der Verdünnung im Blut entgegenzuwirken.

Vasopressin als Medikament

Die Verwendung von Vasopressin als Medikament erfolgt in verschiedenen Bereichen. Außerdem werden Arzneistoffe verwendet, die Analoga des Vasopressins darstellen. Diese sind mit dem Vasopressin strukturverwandt und besitzen ebenfalls eine gefäßverengende und antidiuretische Wirkung. Der Einsatz solcher Medikamente erfolgt:

  • Bei der Behandlung von Schockzuständen, durch die stark blutdrucksteigernde Wirkung des Vasopressins. Hier kann auch der Wirkstoff Terlipressin verwendet werden.
  • Bei der Behandlung von akuter Ösophagusvarizenblutungen. Hierbei handelt es sich um Krampfadern der Speiseröhre mit Blutungen. Als Medikament findet Terlipressin Verwendung.
  • Bei der Behandlung von Enuresis nocturna bzw. „Bettnässen“
  • Bei der Behandlung von Diabetes insipidus, sprich einem Vasopressinmangel des Körpers. Verwendet wird hierbei der Wirkstoff Desmopressin.

Die Darreichungsform der Medikamente ist unterschiedlich. Es existieren:

  • Injektionspräparate
  • Pulver- und Lösungsmittel zur intravenösen Injektion
  • Tabletten
  • Nasensprays
  • Nasentropfen

Verwandte Themen

Haben sie Erfahrung mit der Anwendung von Vasopressin? Wie haben sie die Einnahme des Medikaments erlebt? Möchten Sie sich bei uns über den Diabetes insipidus erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Autoren: Schajan Salahijekta, Dr. Tobias Weigl
Redaktion: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 23.04.2018, zuletzt aktualisiert: 15.09.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • M. A. Knepper: Systems biology in physiology: the vasopressin signaling network in kidney. In: American journal of physiology. Cell physiology. Band 303, Nummer 11, Dezember 2012.
  • Ron Stoop: Neuromodulation by Oxytocin and Vasopressin. In: Neuron. 76, 2012.
  • Ary Serpa Neto, Antônio P Nassar, Sérgio O Cardoso, José A Manetta, Victor GM Pereira, Daniel C Espósito, Maria CT Damasceno, James A Russell: Vasopressin and terlipressin in adult vasodilatory shock: a systematic review and meta-analysis of nine randomized controlled trials. In: Critical Care. 16, 2012.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2013.
  • Michael Obladen, Rolf F. Maier (Hrsg.): Neugeborenen-Intensivmedizin. 7., vollst. überarb. u. akt. Auflage. Springer, 2006.
  • Sandrina Balanescua, Jonas Rutishauser: Diabetes insipidus: Differentialdiagnostik und Therapie. In: Schweizerisches Medizin-Forum. 2010.
  • Clauss. C; Clauss. W., Humanbiologie kompakt, 2009.
  • Joachim Rassow, Karin Hauser, Roland Netzker, Rainer Deutzmann, Thieme Verlag, Duale Reihe Biochemie.
[Gesamt:2    Durchschnitt: 5/5]
3.000000e+0 Antworten
  • Frau H.
    30.05.2018 11:05

    Lieber Doktor Weigl,

    ich habe Ihren Bericht über Vasopressin gelesen. Ich bin sehr interessiert an dem Thema, da ich seit 1,5 Jahren an Oligurie leide. Ich trinke täglich 1,5-2l Wasser, scheide jedoch höchstens 300ml am Tag aus. Dadurch, dass mein Körper das gesamte Wasser speichert, habe ich im vergangenen Jahr mehr als 15kg zugenommen – obwohl ich sehr auf meine Ernährung achte und seit Beginn der Oligurie nur noch 1400kcal am Tag zu mir nehme. Dies hat inzwischen auch eine starke Mangelernährung ausgelöst. Neben starken Wassereinlagerungen in den Beinen habe ich zudem Aszites im Bauch und daher auch Atemnot. Dabei bin ich noch jung und lebe sehr gesund… Das Wasser werde ich nicht los und es ist körperlich und seelisch sehr belastend für mich.

    Bisher konnte mir kein Arzt helfen. Weder Nephrologe, Kardiologe, Internist oder Endokrinologe. Meine Blutwerte sind nicht gut und mein Blutdruck (90/60, Puls 48) ist extrem niedrig, so dass ich kaum meinen Alltag bewältigen kann. Jedoch konnte keiner der bisher besuchten Ärzte eine Diagnose stellen oder mich an einen anderen Facharzt überweisen, der mir helfen könnte. Auch im Internet finden sich nicht viele Informationen zu dem Thema. Ich war so verzweifelt, wegen dem ganzen Wasser in meinem Körper, dass ich mir vor 3 Wochen illegal Diuretika (Furosemid) selbst bestellt habe. Dies ist aber auch keine Lösung, da trotz Einnahme kaum Wasser meinen Körper verlässt und ich gelesen habe, dass Diuretika ebenfalls Ödeme bewirken können.

    Ich finde keinen Arzt, der mir helfen kann oder der an meinem Zustand überhaupt interessiert ist. Deshalb wende ich mich nun an Sie und hoffe, Sie können mir einen Rat geben.

    Viele Grüße

    • Dr. Tobias Weigl
      31.05.2018 20:32

      Sehr geehrte Frau H,
      vielen Dank für Ihre Nachricht. Dies ist wirklich ein sehr „schwieriger“ Fall, insb. da Sie bereits bei den „Experten“ für soetwas wie Nephrologe, Kardiologe, Internist und Endokrinologe waren.
      Erstens, bitte nehmen Sie auf KEINEN FALL weiter die Diuretika. Es scheint einen Grund zu geben, weshalb die Kollegen Ihnen dieses nicht verschrieben haben. Furosemid bewirkt ebenfalls Nebenwirkungen, die gerade in Bezug auf Elektrolyte, Herz etc. zu beachten sind.
      Ich kann (und es wäre berufsethisch auch nicht korrekt) Ihnen keine Therapie empfehlen.
      Ich Frage mich: Was haben Ihnen die Ärzte empfohlen bzw. welche Therapie (auch wenn diese aus Ihrer Sicht unzureichend ist) haben die Ärzte unternommen?
      Ggfs. würde ich einmal in einer Spezialklinik oder Uniklinik vorstellig werden. Dort werden auch „seltenere“ Krankheitsbilder „oft“ behandelt.

      Es tut mir leid, dass ich Ihnen in diesem Fall keine konkretere Antwort geben kann.
      Ich wünsche Ihnen aber alles Gute und hoffe sehr, dass sich Ihre Situation verbessert. Viele Grüße
      Dr. Tobias Weigl

  • Daniel B.
    28.09.2018 22:46

    Lieber Herr Dr. Weigl,
    zunächst mal herzlichen Glückwunsch zu dieser informativen Webseite und Ihrem YT-Kanal!
    Den Zusammenhang zwischen Alkohol und ADH und in der Folge vermehrtem Harndrang habe ich verstanden. Nun verhält es sich bei mir aber so, dass ich am „Tag danach“ ganz normal pinkeln muss. Allerdings ist es dann am übernächsten Tag so, dass ich quasi ständig muss. Noch einen Tag später normalisiert sich alles wieder. Offenbar fällt bei mir am zweiten Tag nach dem Alkoholkonsum der ADH-Spiegel noch mal ab. Warum ist das so und kann man da bspw. mit Desmopressin gegensteuern?
    Ich bin männlich, 41 Jahre alt, normalgewichtig und habe einen eher niedrigen Blutdruck (etwa 110/75).
    Wäre toll, wenn Sie einen Tipp für mich hätten. Habe schon das ganze Netz durchsucht, leider ohne Erfolg.

    Herzlichen Dank und viele Grüße!

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