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Blausäurevergiftung – Genuss von Bittermandeln tödlich?

Auf einen Blick – Blausäurevergiftung

Was ist eine Blausäurevergiftung?

  • Blausäure: giftige, farblose Säure, evtl. Bittermandelgeruch
  • Blockade der Atmungskette: ‚Inneres Ersticken’
  • 0,5–3,5 mg Blausäure pro Kilogramm Körpergewicht tödlich

Wer bekommt eine Blausäurevergiftung?

  • Menschen, die beruflich Blausäuredämpfen ausgesetzt sind
  • Menschen, die blausäurehaltige Nahrungsmittel (in hohen Dosen) verzehren
  • Kinder: niedrigere Dosis bereits gefährlich

Symptome

  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Erbrechen
  • Atemnot

Behandlung

  • Sauerstofftherapie
  • medikamentös
  • Überwachung der Vitalfunktionen

Tipps

  • bei Verdacht: sofort den Rettungsdienst alarmieren
  • akute Blausäurevergiftung = Notfallsituation

Unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel und Erbrechen: Wissen Sie, wie sich eine akute Blausäurevergiftung noch äußern kann? Und war Ihnen bewusst, dass der Verzehr großer Mengen an Bittermandeln tödlich enden kann? Die giftige Säure ist besonders gefährlich, da sie farblos ist und leicht verdampft. Patienten mit Blausäurevergiftung müssen sofort ins Krankenhaus, damit lebenswichtige Funktionen überwacht werden können – die schnelle Einleitung einer Therapie ist essentiell. Informieren Sie sich in diesem Artikel darüber, worin Blausäure noch enthalten ist und weshalb in Zusammenhang mit Blausäurevergiftungen häufig der Begriff ‚Inneres Ersticken’ fällt.

Was ist Blausäure?

Die auch als Cyanwasserstoff bekannte Blausäure (chemische Summenformel: HCN) ist eine giftige Flüssigkeit. Blausäure ist außerdem leicht flüchtig – sie verdampft bei ca. 26 °C – und ist leicht brennbar. Die Salze der Blausäure bezeichnet man als Cyanide.

Blausäure ist farblos und riecht nach Bittermandeln (marzipanartig). Allerdings können nur 50–80 % der Menschen diesen besonderen Geruch wahrnehmen.

Gut zu wissen!
Dass nicht alle Menschen den Bittermandelgeruch von Blausäure riechen können, liegt an einer Variation in der Genetik. Die Gefahr besteht darin, dass diese Menschen die Dämpfe der Blausäure nicht rechtzeitig wahrnehmen und möglicherweise eine Vergiftung erleiden.

Vorkommen von Blausäure

Blausäure, deren Salze und weitere Verbindungen finden sich unter anderem in:

  • ungekochten Bambussprossen
  • Leinsamen
  • bestimmten Süßkartoffel-Sorten
  • Bucheckern
  • Tabakrauch
  • der Kunststoffverarbeitung (z. B. Verbrennung von Polyurethan)
  • der Gewinnung von Silber- und Golderz
  • Schädlingsmitteln
  • bestimmten Pflanzen (z. B. Kirschlorbeer)

Die Kerne von beispielsweise Aprikosen, Pfirsichen und Pflaumen enthalten den Stoff Amygdalin. Er gehört zur Gruppe der sogenannten cyanogenen Glykoside. Bei der Verdauung kann Amygdalin Blausäure abspalten. Amygdalin ist darüber hinaus in rohen Bittermandeln zu finden. Aufgepasst: Bittermandeln sind äußerlich nicht von süßen Mandeln zu unterscheiden.

„Beim Kochen von Bittermandeln verflüchtigt sich die Blausäure aufgrund der Hitze!“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Wie gelangt Blausäure in den Körper?

Blausäure kann auf verschiedenen Wegen vom Körper aufgenommen werden. Die erste Möglichkeit ist eine orale Aufnahme, also das Verschlucken blausäurehaltiger Stoffe, beispielsweise Nahrungsmittel. Die Blausäure wird dann über den Verdauungstrakt aufgenommen. Ein weiterer Aufnahmeweg ist über die Atemwege (sog. ‚inhalativ’). Zuletzt kann Blausäure über die (Schleim-)Haut in den Körper gelangen (sog. ‚transdermal’).

Blausäurevergiftung – Was passiert im Körper?

Um zu verstehen, wieso Blausäure für unseren Körper giftig ist, muss man den dahintersteckenden Wirkmechanismus betrachten:

Damit dem Körper genügend Energie zur Verfügung steht, läuft in Zellen die Zellatmung ab. Hier wird in verschiedenen Stoffwechselprozessen Energie in Form des Moleküls ATP gewonnen.  Als Atmungskette wird einer dieser Stoffwechselprozesse bezeichnet. Hierbei wird unter Sauerstoffverbrauch die größte Menge an Energie gewonnen. An den Stoffwechselprozessen sind Enzyme beteiligt: Sie setzen die Reaktionsschritte um und beschleunigen diese teilweise.

Sicherlich fragen Sie sich, worin nun der Zusammenhang von Blausäure und Energiegewinnung besteht. Die Salze der Blausäure können sich in der Zelle an eines der Enzyme der Atmungskette anlagern (sog. ‚Cytochrom-c-Oxidase’). Dadurch wird die Atmungskette blockiert. Die Folgen sind unter anderem:

Akute Vergiftungen (sog. ‚Intoxikationen’) mit Blausäure können innerhalb von Minuten zum Tode führen. Der Mediziner spricht aufgrund der behinderten Atmungskette auch von einem inneren Ersticken.

Abbau von Blausäure im Körper

Blausäure wird durch ein Enzym umgewandelt. Dazu wird Schwefel benötigt. Pro Stunde wird ca. 0,1 mg Blausäure pro Kilogramm Körpergewicht abgebaut. Selten kommt es daher aufgrund des recht schnellen Abbaus zu einer chronischen Blausäurevergiftung.

Deuten Übelkeit und Erbrechen auf eine Vergiftung hin? Welche Ursachen gibt es noch? In der Video-Visite stellt Dr. Dr. Weigl Behandlungsmöglichkeiten vor und erklärt, wann man zum Arzt gehen sollte.

Mir ist schlecht: Was tun bei Übelkeit & Erbrechen? Brechzentrum | Tipps | Erste Hilfe

Die Symptome: Welche Beschwerden verursacht eine Blausäurevergiftung?

Wann sich Symptome einer akuten Blausäurevergiftung bemerkbar machen, hängt von dem Aufnahmeweg der Blausäure ab. Eingeatmete Blausäure kann bereits nach einigen Sekunden Beschwerden auslösen, wohingegen durch den Magen aufgenommene Blausäure nach bis zu einer Stunde symptomatisch werden kann.

Die Patienten klagen möglicherweise über Schwindel und Kopfschmerzen. Typisch für eine akute Blausäurevergiftung ist außerdem Erbrechen. Folgende Beschwerden stellen weitere mögliche Symptome dar:

  • Atemnot bis hin zur Lähmung der Atmung
  • Krämpfe
  • Bittermandelgeruch in der Atemluft
  • vertiefte Atmung
  • hellrote Färbung der Haut, später: Blaufärbung (sog. ‚Zyanose’)
  • Abfall des Blutdrucks (sog. ‚Hypotonie’)

Örtliche Symptome

Darüber hinaus können – je nach betroffener Stelle – lokale Symptome auftreten. So können die Dämpfe unsere Augen reizen und für Rötungen und Schwellung sorgen. Durch das Einatmen sind gegebenenfalls die Schleimhäute der Atemwege gereizt.

Tödliche Dosis Blausäure

Im schlimmsten Falle versterben Menschen an einer Blausäurevergiftung. Die tödliche Dosis wird mit einer Blutkonzentration von ca. 0,5–3,5 mg pro Kilogramm Körpergewicht angegeben. Bei entsprechender Konzentration an Blausäure tritt der Tod nach etwa 20 Minuten ein.

Gut zu wissen!
Menschen, die an einer akuten Blausäurevergiftung versterben, haben häufig hellrote Totenflecken.

Exkurs: Alkoholintoxikation

Werden Vergiftungen nur durch Blausäure ausgelöst? Eindeutige Antwort: Nein! Es gibt eine Vielzahl an beispielsweise Medikamenten, Pflanzen und Drogen, die zu Intoxikationen führen können. Für viele Giftstoffe stehen Antidote zur Verfügung – dabei handelt es sich um Stoffe, die dem Gift entgegenwirken und seine Wirkung herabsetzen.

Ein weiterer möglicher Auslöser für eine akute Intoxikation ist Alkohol. Umgangssprachlich nennt man die Alkoholintoxikation auch Alkoholvergiftung. Es handelt sich dabei um eine Überdosis an Alkohol (sog. ‚Ethanol‘) im Blut. Eine Blutalkoholkonzentration von über 5 Promille ist in der Regel tödlich. Die Intoxikation macht sich durch Bewusstseinsstörungen, Atemlähmung und typische Trunkenheitszeichen bemerkbar. Abzugrenzen davon ist die chronische Alkoholintoxikation, die bei Alkoholabhängigkeit auftreten kann.

Welche Risiken eine Alkoholvergiftung in sich birgt und wie die Behandlung aussieht, erfahren Sie in unserem Artikel ‚Alkoholvergiftung  – Wann muss der Krankenwagen kommen?’.

Wer ist am ehesten betroffen?

Zum gefährdeten Personenkreis für Blausäurevergiftungen gehören zunächst Menschen, die blausäurehaltige Mittel (absichtlich oder unabsichtlich) konsumieren. Weiterhin besitzen jene Menschen ein erhöhtes Risiko, die beruflich beispielweise mit Verbrennungsprozessen von Kunststoffen beschäftigt sind. Die entstehenden Dämpfe können zu einer Blausäurevergiftung führen.

Gefährdet sind außerdem Kinder. Bedingt durch Körpergröße und -gewicht ist bereits eine geringere Menge an Blausäure giftig. Die gleiche Menge Blausäure kann für Kinder tödlich sein, während sie bei Erwachsenen ‚nur’ eine schwere Vergiftung auslöst. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind keinen Zugriff auf blausäurehaltige Stoffe/Nahrungsmittel hat!

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose von Blausäurevergiftungen

Eine akute Vergiftung bedarf schneller Handlung! Es handelt sich um eine Notfallsituation! Der Rettungsdienst sollte daher umgehend alarmiert werden, wenn Sie/Ihre Mitmenschen Symptome zeigen, die auf eine akute Vergiftung hindeuten können.

Anamnesegespräch

Die Diagnose einer Blausäurevergiftung ergibt sich meist aus Anamnese und körperlicher Untersuchung. Möglicherweise ist eine Kommunikation mit dem Patienten selbst nicht mehr möglich. Falls er in Begleitung ist, sollten die Mitmenschen befragt werden. Besteht der Verdacht auf eine Blausäurevergiftung, muss der Arzt abklären, ob der Patient blausäurehaltige Nahrungsmittel zu sich genommen hat. Außerdem sollte geklärt werden, ob ein Beruf ausgeübt wird, bei dem es Kontakt zu Blausäure gibt.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung kann man möglicherweise einen Bittermandel-Geruch in der Ausatemluft wahrnehmen. Spätestens dann sollte eine Bleisäurevergiftung in Erwägung gezogen werden! Auch die hellrote Verfärbung der Haut kann wegweisend sein. Darüber hinaus müssen unter anderem Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung, Kreislauffunktion und Sauerstoffsättigung überwacht werden. Dafür sollte der Patient an ein Monitoring angeschlossen werden. Ergänzt wird die Diagnostik durch ein EKG, um die Herzerregung zu überwachen.

Liefert eine Blutuntersuchung Erkenntnisse?

Die Konzentration des Blausäuresalzes (sog. ‚Cyanid’) kann in einer Blutuntersuchung gemessen werden. Als giftig erachtet man eine Konzentration von mehr als 0,2 mg pro Liter Blut. Die Blutkonzentration muss nicht mit dem Beschwerdebild korrelieren. Entscheidend ist nämlich die Cyanidkonzentration in den Zellen selbst, die wiederum nicht gemessen werden kann. Das bedeutet, dass eine hohe Blutkonzentration von Cyanid nicht unbedingt mit stärkeren Symptomen einhergehen muss als eine niedrige Blutkonzentration. Im Blut sollten außerdem Elektrolyte und Blutgase bestimmt werden.

Fakten-Box

Blausäurevergiftung

  • Blausäure: giftige, farblose Säure
  • Bittermandelgeruch
  • ‚Inneres Ersticken’ durch Blockade der Atmungskette
  • 0,5–3,5 mg Blausäure pro Kilogramm Körpergewicht tödlich

Mögliche Symptome

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung von Blausäurevergiftungen

Wenn Blausäuredämpfe eingeatmet wurden, sollte der Betroffene umgehend die Umgebung verlassen. Bei Hautkontakt mit Blausäure müssen die – möglicherweise durchtränkten Kleidungsstücke – ausgezogen und die Haut mindestens 10 Minuten mit Wasser gespült werden. Bei Augenkontakt muss das Auge genau wie die Haut mindestens 10 Minuten unter fließendem Wasser ausgespült werden. Es empfiehlt sich, Kontaktlinsen aus dem Auge zu entfernen.

Sauerstofftherapie

Vergiftete Patienten müssen anschließend umgehend mit Sauerstoff behandelt werden. Dazu wird ihnen beispielsweise eine Maske oder Nasensonde aufgesetzt, aus denen 100 %iger Sauerstoff strömt.

Medikamentöse Behandlung

Für die weitere Therapie muss zwischen eingeatmeter und oral aufgenommener Blausäure unterschieden werden. Patienten, die Blausäuredämpfe inhaliert haben, erhalten Hydroxycobalamin. Hydroxycobalamin ist eine Vorstufe von Vitamin B12 und bindet die Salze der Blausäure. Die Verbindung wird anschließend über den Urin ausgeleitet.

Bei oraler Aufnahme werden Bildner von Methämoglobin verabreicht. Die Salze der Blausäure können sowohl an die Cytochrom-c-Oxidase (das Enzym der Atmungskette) als auch an diese Hämoglobinform binden. Methämoglobin fängt somit einen Teil der Blausäure ab. Falls Sie einmal den Begriff 4-DMAP im Zusammenhang mit Blausäure hören sollten – hierbei handelt es sich um einen dieser Methämoglobinbildner.

Ein weiteres Präparat, das bei der Behandlung von Blausäurevergiftungen eingesetzt wird, ist Natriumthiosulfat. Der darin enthaltene Schwefel wird für die körpereigene Entgiftung der Blausäure benötigt. Der Wirkeintritt erfolgt jedoch langsam.

Überwachung der Vitalfunktionen

Während des gesamten Behandlungszeitraums müssen die Vitalfunktionen wie zum Beispiel die Herzfrequenz konsequent überwacht werden. Wichtig ist auch das Überwachen der Atmung. Gegebenenfalls muss der Patient künstlich beatmet werden.

Aktuelle Forschung –  Methylenblau zur Behandlung von Cyanid-Intoxikationen

Bei Methylenblau handelt es sich um ein Molekül, das insbesondere als Farbstoff in der Mikroskopie eingesetzt wird. Weiterhin findet es Verwendung in der Behandlung der Malaria tropica.

In einer amerikanischen Studie haben sich Forscher damit beschäftigt, ob jenes Methylenblau möglicherweise für die Behandlung von Cyanidintoxikationen verwendet werden kann. Zur Erinnerung: Cyanide sind Salze der Blausäure.

Ablauf der Studie

Im Tiermodell (Ratte) wurde zunächst die Giftigkeit (sog. ‚Toxizität’) von Methylenblau analysiert. Daraufhin erhielten die Tiere eine tödliche Dosis Kaliumcyanid und zusätzlich entweder Kochsalzlösung oder eine ungiftige Menge Methylenblau. Eine zweite Gruppe erhielt Methylenblau erst fünf Minuten nach einer nicht-tödlichen Dosis Kaliumcyanid. Man fand heraus, dass Methylenblau Einfluss auf Sauerstoffmangel, Blutdruck und Muskelkraft des Herzens hat. Die Tiere haben alle überlebt. In der zweiten Gruppe beeinflusste Methylenblau ebenfalls den Sauerstoffmangel und die Verwertung der anfallenden Milchsäure (sog. ‚Laktat’). Zudem konnten positive Effekte auf zelluläre Prozesse gemessen werden.

Ergebnisse

Methylenblau könnte zukünftig ein neues Therapeutikum für Cyanidintoxikationen darstellen. Möglicherweise kann es negativen Folgen für den Stoffwechsel durch Cyanid direkt entgegenwirken.

Quelle: Philippe Haouzi u. a. (2018): Revisiting the physiological effects of methylene blue as a treatment of cyanide intoxication. In: Clinical Toxicology (Phila). September 2018. 56(9): 828-840. doi: 10.1080/15563650.2018.1429615.

Häufige Patientenfragen

Ich backe häufig. Ist in den kleinen Fläschchen mit Bittermandelaroma auch Blausäure enthalten?

Dr. Dr. T. Weigl:
Handelsübliche Backaromen enthalten in der Regel keine Blausäure. Natürlich können Sie sich durch das Studieren der Inhaltsstoffe auf der Verpackung dessen vergewissern. Spätestens durch die Temperatur beim Backen müssten sich mögliche Rückstände verflüchtigen.

Von wie vielen Bittermandeln stirbt man?

Dr. Dr. T. Weigl:
Die tödliche Menge an Bittermandeln liegt bei Erwachsenen bei ca. 60 Stück – bei Kindern sind es etwa 10 Stück. Voraussetzung ist außerdem, dass die Mandeln gut zerkleinert beziehungsweise zerkaut wurden.

In meinem Betrieb arbeiten wir mit Blausäure. Wie kann ich mit vor einer Kontamination schützen?

Dr. Dr. T. Weigl:
Laut Arbeitsschutzgesetz muss der Arbeitgeber sinngemäß eine Beurteilung der arbeitsbezogenen Gefährdung der Beschäftigten durchführen. Anschließend müssen entsprechende Arbeitsschutz-Maßnahmen ergriffen werden, um Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu schützen. Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber auf mögliche Gefahrensituationen in Ihrem Betrieb an, sofern dies noch nicht geschehen ist!

Ich habe gehört, dass bittere Aprikosenkerne bzw. deren Extrakt als alternative Heilmethode bei Krebs verwendet werden. Ist es gefährlich, diese Kerne einzunehmen?

Dr. Dr. T. Weigl:
Aprikosenkerne enthalten den Stoff Amygdalin. Amygdalin gehört zu den sogenannten cyanogenen Gylcosiden. Es kann Blausäure abspalten – dadurch erklärt sich, weshalb Aprikosenkerne bei hohen Verzehrmengen eine Blausäurevergiftung auslösen können. Der mögliche Blausäuregehalt der Kerne liegt zwischen ca. 1,5 und 3 mg pro Gramm Kern. Zur Erinnerung: Die tödliche Blausäuremenge liegt bei ca. 0,5–3,4 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Das Bundesamt für Risikobewertung hat daher eine Empfehlung bezüglich der täglichen Dosis ausgesprochen. Pro Tag sollten Erwachsene höchstens zwei bittere Kerne beziehungsweise gar keine essen. Auch Kindern sollten auf gar keinen Fall Kerne zugeführt werden. Für die Wirkung bei Krebs stehen keine wissenschaftlichen Ergebnisse zur Verfügung.

Typisches Patientenbeispiel

Als die Großmutter der zwei jährigen Anna die Küche betritt, ist sie geschockt: Da steht das kleine Mädchen an der Schublade mit den Backzutaten und bedient sich genüsslich an einer Tüte mit Mandeln. Schnell realisiert sie, dass es sich nicht um irgendwelche Mandeln handelt, sondern um eine alte Tüte mit Bittermandeln. „Wie konnte das nur passieren, ich habe dich doch nur ein paar Minuten aus den Augen gelassen!“

Die Großmutter weiß, dass der Verzehr von Bittermandeln giftig sein kann. „Bei Kindern ist es vermutlich sogar noch schlimmer… Und ich weiß noch nicht einmal, wie viele Mandeln Anna genau gegessen hat.“ Die Großmutter steht unter Schock. Sie ruft den Rettungsdienst – Anna muss sofort ins Krankenhaus.

Überwachung und Behandlung im Krankenhaus

In der Notaufnahme angekommen, wird die Großmutter zunächst gefragt, was zuhause passiert sei. Zügig beginnt das Team, Anna mit den Monitoren zu verkabeln. So können ihre Vitalfunktionen durchgehend überwacht werden. Das kleine Mädchen wird zunehmend stiller. Plötzlich übergibt sie sich schwallartig und atmet ganz schwerfällig. „Wir müssen Anna über diese Sonde jetzt Sauerstoff geben. Außerdem geben wir ihr Medikamente, die die Bindung der Blausäure in den Zellen verhindern! Sie haben Glück, dass Sie sofort gekommen sind und wir direkt eingreifen konnten. Ihre Enkelin hätte sonst sterben können! Kinder können schon nach ca. 10 Bittermandeln an einer Blausäurevergiftung sterben.“

Der Großmutter fällt ein riesen Stein vom Herzen. Dennoch macht sie sich große Vorwürfe. Das hätte nicht passieren dürfen. Nie wieder wird sie die Kleine unbeaufsichtigt lassen.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl und Rabea Niehues
Lektorat: Nusha Chenari
Veröffentlicht: 02.02.2020

Quellen

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