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Hb-Wert – Veränderung gefährlich? Welche Behandlungen gibt es?

Auf einen Blick – Hb-Wert

Was ist der Hb-Wert?

  • Hb = Hämoglobin
  • gibt den Hämoglobingehalt des Blutes an
  • Hämoglobin bindet Sauerstoff im roten Blutkörperchen

Wann ist der Hb-Wert verändert?

  • Anämie: Hb-Wert unter 12 g/dL bei Frauen, unter 13 g/dL bei Männern
  • am häufigsten: Eisenmangelanämie
  • Blutungen
  • erhöht bei: Polyzythämie

Symptome (Auszug)

  • erniedrigter Hb: Blässe, Müdigkeit, Atemnot
  • erhöhter Hb: gerötetes Gesicht

Behandlung (Auszug)

  • je nach Ursache
  • bei Eisenmangelanämie: Eisentabletten
  • Anämie: Bluttransfusion

Tipps

  • der Hb-Wert kann durch eine einfache Blutentnahme bestimmt werden

Der Mensch nimmt beim Einatmen Sauerstoff in den Körper auf. Sauerstoff ist wichtig für alle Prozesse, die im Körper stattfinden. Wie wird der Sauerstoff jedoch zu den Organen transportiert? Daran ist das Eiweiß Hämoglobin beteiligt. Es befindet sich in den roten Blutkörperchen und bindet Sauerstoff. Im folgenden Artikel erklären wir Ihnen unter anderem, was der sogenannte ‚Hb-Wert’ ist, wie man ihn bestimmt und wann er erniedrigt sein kann.

Was ist der Hb-Wert? Wie wird er gemessen?

„Hb“ ist die Abkürzung für Hämoglobin. Es handelt sich dabei um ein Eiweiß, das sich in den roten Blutkörperchen (sog. ‚Erythrozyten’) befindet. Es wird auch als Blutfarbstoff bezeichnet. Hämoglobin bindet Sauerstoffmoleküle und transportiert diese durch den Körper. Der Hb-Wert gibt den Hämoglobingehalt des Blutes an.

Aufbau des Hämoglobinmoleküls

Das Hämoglobin macht mit 88 % fast das gesamte Volumen eines roten Blutkörperchens aus. In einem Erythrozyten befinden sich ca. 300 Millionen Hämoglobinmoleküle, die Sauerstoff transportieren. Hämoglobin hat eine kugelige Form und besteht aus vier Einheiten. Eine Einheit ist aus folgenden Teilen aufgebaut:

  • Häm: ringförmiges Molekül, das in der Mitte ein Eisen-Ion enthält
  • O: Abkürzung für den Sauerstoff, der am Eisen-Ion des Häms gebunden werden kann
  • Globin: kettenförmiges Eiweiß (sog. ‚Protein’)

Ein Hämoglobinmolekül besteht somit aus vier Einheiten, die sich jeweils aus Häm, (dem daran gebundenen Sauerstoff) und Globin zusammensetzen. Daraus ergibt sich, dass ein Hämoglobin insgesamt vier Sauerstoffmoleküle aufnehmen kann. Der Stoff wird in den roten Blutkörperchen gebildet.

Verschiedene Hämoglobinformen

Es gibt verschiedene Hämoglobinarten. Diese unterscheiden sich durch die Struktur der jeweiligen Globineiweißketten. Man bezeichnet sie als alpha-, beta-, gamma-- oder delta-Kette. Wie Sie wissen, gibt es pro Hämoglobinmolekül vier Globinketten.

Man spricht von HbA1, wenn das Hämoglobin aus zwei alpha-Ketten und zwei beta-Ketten besteht. Diese Hämoglobinform macht 98 % des Hämoglobins bei Erwachsenen aus. Es gibt eine weitere Hämoglobinform, HbA2, die 2 % des Hämoglobins ausmacht.

Gut zu wissen!
Viele Diabetiker werden ihn kennen: den sogenannten ‚HbA1c-Wert’. Bei HbA1 handelt sich um eine Hämoglobinform. An dieses kann ein kleiner Teil des Zuckers, der im Erythrozyten aufgenommen wird, nicht-enzymatisch gebunden werden. Dem HbA1c-Wert kann man entnehmen, wie hoch der Blutzuckerspiegel in den letzten 4–6 Wochen war. Bei nicht oder schlecht eingestellten Diabetikern übersteigt der HbA1c-Anteil den normalen Wert von 4–6 % häufig.

Abbau von Hämoglobin

Die durchschnittliche Lebensdauer eines roten Blutkörperchens liegt bei 120 Tagen, danach wird der Erythrozyt abgebaut. Damit einher geht auch der Abbau von Hämoglobin. Noch einmal zur Erinnerung: Hämoglobin besteht aus ‚Häm’ und dem Eiweißanteil ‚Globin’. Es wird daher auch zunächst in diese beiden Bestandteile zerlegt. Der weitere Abbau sieht wie folgt aus:

  • Häm --> Bilirubin (orange)
  • Globin --> Abbau in einzelne Aminosäuren

Der Abbau von Hämoglobin beginnt in der Milz, der Leber und dem Knochenmark. Von der Leber gelangt das umgewandelte Bilirubin in die Galle und von dort aus in den Darm. Wenn man bedenkt, dass Bilirubin orangefarben ist, müsste unser Stuhl eben diese Farbe annehmen. Durch die Darmbakterien wird es jedoch so weiterverarbeitet, dass die entstehenden Stoffe die typische braune Farbe des Stuhls bewirken.

Wie wird der Hb-Wert gemessen?

Um den Hb-Wert – also den Hämoglobingehalt des Blutes – zu messen, benötigt man eine Blutprobe. Dazu wird dem Patienten Blut abgenommen. Im Labor wird die Probe untersucht. Man gibt zunächst eine Lösung hinzu, damit sich die roten Blutkörperchen auflösen. Dabei wird das Hämoglobin freigesetzt. Im Anschluss daran wird die Hämoglobin-Konzentration mit einem speziellen Messverfahren (sog. ‚Photometrie’) gemessen. Daraus ergibt sich der Hb-Wert.

Der Hb-Wert wird in Gramm pro Deziliter (g/dL) angegeben. Darunter versteht man den Hämoglobin-Gehalt (das Gewicht) in einer bestimmten Blutmenge. Abhängig vom Alter und Geschlecht des Patienten, gibt es verschiedene Referenzwerte von Hämoglobin. Die Referenzwerte beschreiben die durchschnittlichen Hb-Werte von 95 % der gesunden Bevölkerung.

Alter/GeschlechtHb-Wert (Referenzwert)
Säuglinge und Kinder ab der 12. Wocheca. 11,0–14,4 g/dL
Männerca. 13,3–17,7 g/dL
Frauenca. 11,7–15,7 g/dL
„Der Hb-Wert wird im Rahmen eines kleinen Blutbildes bestimmt.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Das kleine Blutbild umfasst folgende Blutwerte:

  • Anzahl der weißen Blutkörperchen (sog. ‚Leukozyten’)
  • Anzahl der roten Blutkörperchen (sog. ‚Erythrozyten’)
  • Anzahl der Blutplättchen (sog. ‚Thrombozyten’)
  • Hb-Wert
  • Hämatokrit-Wert: Volumenanteil der zellulären Bestandteile am Gesamtvolumen des Blutes (größtenteils Erythrozyten)
  • MCV: durchschnittliches Erythrozytenvolumen
  • MCH: durchschnittlicher Hämoglobingehalt der Erythrozyten
  • MCHC: durchschnittliche Hämoglobinkonzentration pro Erythrozyt

Welche Aufgaben hat unser Blut? Über die verschiedenen Bestandteile und Aufgaben des Blutes klärt Sie Dr. Dr. Weigl in der „Video-Visite“ auf:

Wozu brauchen wir Blut? Aufgaben & Funktionen rote Blutkörperchen, Thrombozyten & Blutplasma

Ursachen für einen Abfall des Hb-Wertes

In der Tabelle mit Referenzwerten erkennen Sie, dass Frauen natürlicherweise einen deutlich niedrigeren durchschnittlichen Hb-Wert als Männer haben. Es ist wichtig, den passenden Referenzbereich – für das Geschlecht und die Altersgruppe – zu betrachten. Weicht der Hb-Wert von dem jeweiligen Referenzwert ab, liegt eine Erhöhung oder Erniedrigung von Hämoglobin vor.

Der Hb-Wert ist relevant für die Feststellung einer sogenannten Anämie (umgangssprachlich: Blutarmut). Eine Anämie liegt vor, wenn der Hb-Wert bei Frauen unter 12,0 g/dL bzw. bei Männern unter 13,0 g/dL liegt.

Anämie bei Eisenmangel

Die häufigste Ursache für eine Anämie ist Eisenmangel. Eisen ist Bestandteil der Hämoglobin-Untereinheiten. Es ist die eigentliche Bindungsstelle von Sauerstoff innerhalb des Hämoglobins. Bei Eisenmangel wird nicht genügend Hämoglobin gebildet. Ursächlich sind unter anderem eine verminderte Eisenzufuhr über die Nahrung, eine gestörte Eisenaufnahme im Magen und Darm oder Eisenverlust durch Blutungen. Der Eisenbedarf des Körpers ist während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Wachstumsschüben gesteigert. In dieser Zeit muss der Mensch mehr Eisen zu sich nehmen, als sonst.

Gut zu wissen!
80 % der Patienten mit Eisenmangelanämie haben diese aufgrund eines Blutverlustes. Frauen haben einen natürlichen Blutverlust während ihrer Periode. Die Regelblutung ist die häufigste Ursache für eine Eisenmangelanämie durch Blutverlust. Zum Vergleich: Männer verlieren pro Tag (über den Darm etc.) 1 mg Eisen, wohingegen Frauen während der Regelblutung 2 mg Eisen täglich verlieren.

Anämie bei Folsäure-/Vitamin B12-Mangel

Ein weiterer Auslöser für eine Anämie ist Mangel an Folsäure und Vitamin B12. Die beiden Vitamine spielen eine Rolle bei der Zellteilung – bei einem Mangel ist diese beeinträchtigt. Anämien, die durch einen Folsäure- oder Vitamin B12-Mangel ausgelöst werden, bezeichnet der Mediziner als megaloblastäre Anämien. Dies bedeutet, dass die gebildeten roten Blutkörperchen und ihre Vorläufer durch die fehlerhafte Zellteilung zu groß sind.

Renale Anämie

Der entscheidende Reiz für die Bildung von Erythrozyten (und damit auch Hämoglobin) ist das Hormon Erythropoetin (kurz: EPO). Unter normalen Bedingungen wird EPO – bei erniedrigtem Sauerstoffgehalt des Blutes – in der Niere gebildet. Ein Mangel an EPO kann z. B. bei Niereninsuffizienz vorliegen. Bei dieser sogenannten ‚renalen Anämie’ werden nicht genügend rote Blutkörperchen gebildet.

Anämie bei chronischen Erkrankungen

Der zweithäufigste Grund für Anämien sind chronische Erkrankungen, bei denen eine Anämie als Begleiterscheinung auftritt. Sie ist hier auf die vermehrte Bildung von entzündlichen Botenstoffen zurückzuführen. Beispielhafte Krankheiten sind:

Anämie bei angeborenen Hämoglobindefekten

Zu Beginn des Artikels haben wir den strukturellen Aufbau eines Hämoglobinmoleküls erklärt. Die häufigste Form – HbA1 – besteht aus jeweils zwei alpha- und zwei beta-Ketten.

Bei den sogenannten ‚Thalassämien’ ist die Produktion der alpha-Ketten (alpha-Thalassämie) bzw. der beta-Ketten (beta-Thalassämie) herabgesetzt. Es wird fehlerhaftes Hämoglobin zusammengesetzt. Je nachdem, wie wenig fehlerfreies Hämoglobin hergestellt wird, kann sich eine Anämie ausbilden.

Darüber hinaus ist Hämoglobin bei der Sichelzellkrankheit verändert. Diese vererbbare Krankheit entsteht durch eine strukturelle Veränderung im Globin. Man nennt es Hämoglobin S (kurz: HbS). Patienten, die an der Sichelzellkrankheit leiden, haben einen HbS-Anteil von mehr als 50 % ihres gesamten Hämoglobins. Ihren Namen hat die Krankheit wegen der Form der roten Blutkörperchen: Bei Vorliegen von HbS haben die Erythrozyten eine sichelförmige Gestalt. Die Erythrozyten werden vorzeitig vom Körper abgebaut, wodurch sich eine Anämie ausbilden kann.

Hb-Abfall durch Blutungen

Blutungen sind eine weitere Ursache für einen Hb-Abfall. Bei leichtem Blutverlust (unter 250 mL in 24 Stunden) fällt der Hb-Wert nur wenig ab – bei einer starken Blutung hingegen (über 1 Liter in 24 Stunden) kann der Hb-Wert bis unter 9 g/dL sinken. Die Blutungsstelle kann äußerlich (z. B. eine Platzwunde) oder im Inneren (Organblutungen, z. B. im Magen oder Darm) auftreten.

Achtung!
Der Abfall des Hb-Wertes tritt nicht zeitgleich mit der Blutung auf. Erst wenn zum Ausgleich Gewebeflüssigkeit das verlorene Blut ersetzt, sinkt der Hb-Wert. Der Hb-Wert ist daher kein aussagekräftiger Messwert, wenn die Frage einer Blutung im Raum steht. Es ist außerdem möglich, dass er trotz gestoppter Blutung weiterhin (ca. ein bis zwei Tage) sinkt.

Aplastische Anämie

Als Letztes stellen wir die aplastische Anämie als mögliche Ursache für einen erniedrigten Hb-Wert vor. Bei dieser Krankheit ist die Blutbildung im Knochenmark gestört. Die Bildung aller Blutzellen (rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen, Blutplättchen) kann betroffen sein. Je nach betroffenem Zelltyp machen sich unterschiedliche Symptome bemerkbar:

  • rote Blutkörperchen – Anämie
  • weiße Blutkörperchen – Neigung zu Infekten
  • Blutplättchen – Störung der Blutgerinnung.

Man unterscheidet angeborene von erworbenen Formen der aplastischen Anämie. Die angeborenen Formen sind sehr selten. Bei ca. 70 % der erworbenen Formen kann keine Ursache für die aplastische Anämie ausgemacht werden. Bei den restlichen 30 % der Patienten hingegen sind Medikamente, giftige Stoffe oder Strahlung der Auslöser. Medikamente, die in Zusammenhang mit aplastischen Anämien stehen, sind zum Beispiel:

Aplastische Anämien können auch im Anschluss an eine Virusinfektion auftreten. Dazu zählen unter anderem Hepatitis-Viren, das Epstein-Barr-Virus (Pfeiffer-Drüsenfieber), Herpesviren und HIV.

Ursachen für eine Erhöhung des Hb-Wertes

Von einer Erhöhung des Hb-Wertes spricht man, wenn er den oberen Wert des Referenzbereichs übersteigt. Bei Frauen ist dies bei über ca. 16,0 g/dL der Fall, bei Männern über ca. 16,5 g/dL. Wie bei einer Anämie gibt es verschiedene Ursachen für eine Erhöhung des Hb-Wertes.

Polyzythämia vera

Polyzythämien treten häufiger als angeborene Formen auf. Polyzythämie bedeutet so viel wie „zu viele Zellen“. Bedingt durch eine Mutation werden aus einer Stammzelle –unabhängig von einem Reiz durch EPO – große Mengen an Erythrozyten hergestellt. Zudem werden vermehrt weiße Blutkörperchen und Blutplättchen gebildet. Wegen der erhöhten Erythrozytenzahl ist folglich der Hb-Wert erhöht.

Vermehrte EPO-Bildung

Wie Sie bereits wissen, wird das Hormon EPO bei vermindertem Sauerstoffgehalt des Blutes gebildet. Ein dauerhafter Zustand mit geringem Sauerstoffangebot findet sich bei längerem Aufenthalt in der Höhe. Es wird vermehrt EPO gebildet, die Erythrozytenproduktion gesteigert und der Hb-Wert steigt. Darüber hinaus sind Erkrankungen der Lunge ein möglicher Auslöser für eine vermehrte EPO-Produktion. Auch hier kann die Sauerstoffversorgung des Körpers stark eingeschränkt sein, sodass zum Ausgleich mehr EPO gebildet wird.

EPO kann jedoch auch unabhängig von der Sauerstoffversorgung erhöht sein – im Rahmen einer bösartigen Tumorerkrankung. Zu nennen sind unter anderem das Ovarialkarzinom und das Nierenzellkarzinom.

Hormonelle Förderung der Blutbildung

Die Erythrozytenbildung kann durch Hormone gesteigert werden. Dies ist bei hochdosierter Cortisontherapie oder Morbus Cushing der Fall.

Die Symptome: Welche Beschwerden verursacht ein veränderter Hb-Wert?

Eine Veränderung des Hb-Wertes löst typische Symptome aus, die wir Ihnen vorstellen werden. Je nach zugrundliegender Ursache/Krankheit kann der Patient zusätzliche Symptome bemerken.

Erniedrigter Hb-Wert

Patienten mit einem erniedrigten Hb-Wert fühlen sich häufig müde und schwach. Außerdem bekommen sie meist schlecht Luft (sog. ‚Dyspnoe’). Dies lässt sich durch die verminderte Anzahl an Sauerstoffträgern erklären. Zum Ausgleich erhöht sich oft die Herzfrequenz (Anzahl der Schläge pro Minute), damit der Körper besser mit Sauerstoff versorgt wird. Die Patienten haben meist blasse Haut und insbesondere blasse Schleimhäute. Blasse Haut kann allerdings auch andere Ursachen haben und muss nicht in jedem Fall auf eine Anämie hindeuten.

Erhöhter Hb-Wert

Die betroffenen Patienten haben oft ein gerötetes Gesicht. Manchmal zeigen sich auch blaue Lippen. Häufige Symptome sind außerdem Schwindel und Kopfschmerzen. Durch die vermehrte Blutfülle wird häufig ein Tinnitus/Ohrensausen ausgelöst.

Wer ist am ehesten betroffen?

Bei Erniedrigungen des Hb-Wertes, die sich mit einem Mangel erklären lassen, gibt es bestimmte Personengruppen mit einem erhöhten Anämierisiko.

Zu geringe Eisenzufuhr ist häufig bei (Klein-)Kindern und Vegetariern finden. Eisen ist nicht nur in Fleisch enthalten – insbesondere Hülsenfrüchte haben einen hohen Eisenanteil. Menschen, die auf bestimmte (tierische) Lebensmittel verzichten, müssen sicherstellen, die darin enthaltenen Nährstoffe durch andere Produkte aufzunehmen. Eine weitere Risikogruppe sind Personen mit Darmerkrankungen. Möglicherweise ist die Eisenaufnahme im Darm bei diesen Patienten beeinträchtigt. Darüber hinaus haben schwangere und stillende Frauen einen erhöhten Eisenbedarf. Auch sie sollten während dieser Zeit besonders auf eisenhaltige Lebensmittel achten.

Abgesehen vom Eisenmangel haben Vegetarier und Veganer zusätzlich ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin B12-Mangel und die daraus folgende Anämie. Vitamin B12 ist überwiegend in tierischen Produkten (Fleisch, Milchprodukte und Eier) zu finden. Weiterhin sind Patienten mit bestimmten Magenerkrankungen Anämie-gefährdet. Damit Vitamin B12 vom Körper aufgenommen werden kann, wird es an ein Molekül gebunden, das im Magen hergestellt wird (sog. ‚Intrinsic factor’). Durch Magenerkrankungen kann die Herstellung von Intrinsic factor gestört sein. Ein Vitamin B12-Mangel macht sich jedoch eventuell erst spät bemerkbar: Die Leber hat einen Speicher dieses Vitamins, der bis zu drei Jahre ausreicht.

Folsäuremangel kann bei Mangelernährung auftreten. Ein weiterer Grund ist auch hier wieder ein erhöhter Bedarf, z. B. in der Schwangerschaft.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose von veränderten Hb-Werten

Anamnesegespräch

An erster Stelle steht das Anamnesegespräch. Der Patient berichtet von seinen Symptomen. Im Anschluss kann sich der Arzt nach folgenden Aspekten erkundigen:

  • Wie lange bestehen die Symptome schon?
  • Haben Sie Vorerkrankungen?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Wie sieht Ihre Ernährung aus? Gibt es Lebensmittel, die Sie nicht essen?
  • Sind Sie schwanger? Stillen Sie?
  • Haben Sie (beruflich) Kontakt mit giftigen Stoffen und Strahlung?
  • Hatten Sie in der letzten Zeit einen Infekt?

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung liegt der Fokus auf äußerlich erkennbaren Merkmalen einer Anämie. Dazu betrachtet der Arzt die Haut- und Schleimhautfarbe. Die Schleimhäute lassen sich gut am Auge und im Mund untersuchen. Darüber hinaus wird der Arzt unter anderem die Bauchorgane abtasten. Bei einem erhöhten Hb-Wert gibt es ebenfalls äußerliche Auffälligkeiten, die man bei der körperlichen Untersuchung erkennen kann.

Blutuntersuchung

Der genaue Hb-Wert kann – wie im vorherigen Teil beschrieben – nur mit einer Blutuntersuchung bestimmt werden. Damit man die Ursache für die Veränderung des Hb-Wertes findet, sollten weitere Blutwerte bestimmt werden. Dazu gehört zunächst ein kleines Blutbild. Je nach Anämie gibt es typische Veränderungen der Zellzahlen und Erythrozytenwerte. Bei Verdacht auf eine Mangelanämie sollten Eisenwerte, Folsäure und Vitamin B12 bestimmt werden. Darüber hinaus lässt sich das Hormon EPO im Blut bestimmen.

Weiterführende Diagnostik

Störungen der Blutbildung im Knochenmark kann man mit einer Knochenmarkspunktion feststellen. Das gewonnene Material wird unter dem Mikroskop betrachtet. Man kann durch diese Untersuchung erkennen, ob eine vermehrte/verminderte Zellproduktion vorliegt. Außer dem Knochenmark kann man auch das Blut selbst unter dem Mikroskop betrachten. Ziel ist es, die Form und das Aussehen der roten Blutkörperchen zu analysieren. Bei Vorliegen einer Sichelzellkrankheit erkennt man die typische Sichelform. So eine Betrachtung der Blutbestandteile (sog. ‚Blutausstrich‘) unter dem Mikroskop wird in der Regel vor einer Knochenmarkspunktion herangezogen, da letztere eine deutlich invasivere Untersuchungsmethode darstellt.

Fakten-Box – Hb-Wert

  • Messwert für den Hämoglobingehalt des Blutes
  • Hämoglobin befindet sich im roten Blutkörperchen und bindet Sauerstoff
  • erniedrigt bei: Anämie, Blutung, chronischen Erkrankungen
  • erhöht bei: Polyzythämie, vermehrter EPO-Bildung

Mögliche Symptome

  • erniedrigter Hb-Wert: Blässe, Müdigkeit, Atemnot
  • erhöhter Hb-Wert: gerötetes Gesicht

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung von veränderten Hb-Werten

Da eine Veränderung des Hb-Wertes nur als Symptom verschiedener Krankheiten zu verstehen ist, gibt es kein spezielles Medikament, das standardmäßig verwendet werden kann. Stattdessen muss man die Ursache für eine Erniedrigung/Erhöhung von Hämoglobin herausfinden und diese behandeln.

Niedriger Hb-Wert

Eine Anämie (Hb-Wert <12 g/dL bzw. <13 g/dL) sollte in der Regel behandelt werden.
Liegt dem erniedrigten Hb-Wert ein (Vitamin-)Mangel zugrunde, wird dem Patienten der entsprechende Stoff verabreicht. Bei Eisenmangel können Patienten die Tabletten oral einnehmen. Allerdings ist die Resorption im Darm nicht besonders gut. Viele Menschen vertragen die Tabletten nicht und klagen über Bauchschmerzen nach der Einnahme. Ist die Eisenaufnahme im Darm gestört, muss es über eine Infusion verabreicht werden.

Bei Vitamin B12 ist die Darreichung als Tablette recht ineffektiv, da nur ca. 1 % des Vitamins über den Darm aufgenommen wird. Stattdessen wird bei einem starken Mangel eine Gabe in den Muskel oder das Unterhautfettgewebe bevorzugt. Folsäure kann oral als Tablette eingenommen werden. Bei jeglichen Mangelzuständen sollte der Patient darüber aufgeklärt werden, über welche Lebensmittel die benötigten Stoffe natürlich aufgenommen werden können. So kann langfristig einem Mangel mit folgender Anämie vorgebeugt werden.

Patienten, die eine Anämie aufgrund eines EPO-Mangels haben, werden mit genau diesem Hormon therapiert. EPO regt die Erythrozytenbildung an, wodurch der Hb-Wert wieder ansteigt.

Bei Patienten mit starken Anämiebeschwerden und einem Hb-Wert von 7–8 g/dL oder weniger kann eine Bluttransfusion nötig sein: Genauer gesagt die Gabe eines Konzentrates von Erythrozyten. Dadurch steigt der Hb-Wert wieder an. Weitere Faktoren, die bei der Entscheidung für eine Transfusion eine Rolle spielen sind Alter, Vorerkrankungen und Dauer der Anämie.

Erhöhter Hb-Wert

Bei einer Polyzythämie müssen die Patienten regelmäßig einen Aderlass durchführen lassen. Dabei werden ca. 500 ml Blut abgenommen. Die Erythrozytenanzahl und der Hb-Wert sinken dadurch.

Eine Erhöhung des Hb-Wertes durch vermehrte EPO-Produktion muss ursächlich behandelt werden. Hier steht die Behandlung der Lungenerkrankung oder des bösartigen Tumors im Vordergrund.

Aktuelle Forschung – Zusammenhang zwischen Anämie und Gebrechlichkeit

Gebrechlichkeit tritt bei vielen älteren Menschen auf und gilt als Auslöser für Stürze, Pflegebedürftigkeit und vermehrte Krankenhausaufenthalte. In einer aktuellen Studie aus China wurde erforscht, wie Anämie und Gebrechlichkeit bei über 50-Jährigen zusammenhängen.

Als Grenzwert für eine Anämie wurde in der Studie ein Hb-Wert von 12 g/dL bei Frauen bzw. 13 g/dL bei Männern verwendet. Bei 15 % der Studienteilnehmer wurde Gebrechlichkeit nachgewiesen; doppelt so viele Teilnehmer hatten eine Anämie. Um die Gebrechlichkeit objektiv zu beurteilen, wurde ein sogenannter ‚Gebrechlichkeits-Index’ erstellt, der als Messwerte unter anderem medizinische Symptome, medizinische Diagnosen, Aktivitäten des Alltags und Handkraft enthielt.

Hat eine Anämie einen Einfluss auf Gebrechlichkeit?

Das Ergebnis der Studie lieferte einen signifikanten Zusammenhang zwischen Anämie/niedrigen Hb-Werten und erhöhter Gebrechlichkeit. Dies ist mit der geringeren Sauerstoffversorgung von Gewebe und Muskeln zu erklären. In Zukunft ist es daher möglicherweise sinnvoll, insbesondere bei älteren Patienten auf Anämiesymptome zu achten. So könnten Gebrechlichkeit und damit verbundene Folgen gesenkt werden.

Quelle: Ye Ruan u. a. (2019): Association between anemia and frailty in 13,175 community-dwelling adults aged 50 years and older in China. In: BMC Geriatrics. 19: 327, 4. Dezember 2019.

Häufige Patientenfragen

Darf ich mit einem niedrigen Hb-Wert zur Blutspende?

Dr. Dr. T. Weigl
Es kommt darauf an, wie niedrig der Hb-Wert ist. Die meisten Blutspendedienste haben als Grenzwert bei Frauen einen Hb-Wert von 12,5 g/dL und bei Männern von 13,5 g/dL festgelegt. Unterhalb dieser Werte dürfen Sie – unabhängig von der Ursache – kein Blut spenden. Aus gutem Grund: Sie spenden ca. 400 – 500 mL Blut, die vom Körper wieder neu produziert werden müssen. Bei Patienten mit einem erniedrigten Hb-Wert ist der Körper allerdings ohnehin schon damit beschäftigt, genügend Blut herzustellen, sodass von einer Spende abzusehen ist.

Was muss ich bei der Einnahme von Eisentabletten beachten?

Dr. Dr. T. Weigl
Die meisten Eisenpräparate sollten alle ein bis zwei Tage eingenommen werden. Sie sollten nüchtern sein bzw. die Tablette eine Stunde vor dem Essen einnehmen. Achten Sie darauf, dass Sie das Eisenpräparat nicht gemeinsam mit Milch, Kaffee oder Tee einnehmen, ansonsten wird das Eisen nicht gut aufgenommen. Eine häufige Nebenwirkung ist Übelkeit. Eine besser Aufnahme kann durch die Einnahme gemeinsam mit Vitamin C, zum Beispiel durch ein Glas Orangensaft, erreicht werden.

„Die Einnahme von Eisenpräparaten kann zu einer Schwarzfärbung des Stuhls führen.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Wann steigt der Hb-Wert nach einer Eisentherapie wieder an?

Dr. Dr. T. Weigl
Der Hb-Wert sollte bei regelmäßiger und korrekter Einnahme nach ca. einer Woche ansteigen. Die Einnahme sollte nach Normalisierung des Hb-Wertes trotzdem noch für 3–6 Monate fortgeführt werden, damit die Eisenspeicher aufgefüllt werden.

Ich bin schwanger. Ist die Anämie gefährlich für mein Baby?

Dr. Dr. T. Weigl
Eine Anämie in der Schwangerschaft sollte unbedingt behandelt werden. Gerade während dieser Zeit ist es notwendig, dass für Mutter und Kind genügend Sauerstoff vorhanden ist. Es finden viele Zellteilungen statt. 80 % aller Anämien werden durch einen Eisenmangel ausgelöst. Es ist aufgrund des Mehrbedarfs an Eisen in der Schwangerschaft sehr wahrscheinlich, dass diese Anämieform vorliegt. Damit die Entwicklung des Kindes nicht negativ beeinträchtigt wird, muss der Eisenmangel ausgeglichen werden. Negative Folgen für die Entwicklung des Kindes können darüber hinaus durch einen Folsäure-Mangel ausgelöst werden. Dazu zählt die Entwicklung eines offenen Rückens (sog. ‚Spina bifida‘). Zur Vorsorge sollten Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere täglich Folsäure einnehmen.

Exkurs: Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung

Hämoglobin bindet nicht nur Sauerstoffmoleküle, sondern auch Kohlenstoffmonoxid. Und zwar bis zu 200x stärker als normalen Sauerstoff. Kohlenstoffmonoxid (CO) entsteht bei unvollständigen Verbrennungsprozessen. Beispiele hierfür sind Wohnungsbrände, kaputte Heizungen und die Luft in Shisha-Bars. Besonders gefährlich ist das Gas aufgrund seiner Farb- und Geruchlosigkeit. Mit Kohlenstoffmonoxid besetztes Hämoglobin kann keinen Sauerstoff mehr binden. Ab 30 % CO-Hämoglobin haben die Betroffenen Bewusstseinsstörungen. Auffällig ist die hellrote Hautfarbe. Bei Nichtrauchern liegt der CO-Hämoglobin Anteil natürlicherweise unter ca. 1 % – bei Rauchern hingegen erreicht er bis zu 8 %.

Informieren Sie sich gerne in unserem Artikel:

wie Sie einer CO-Vergiftung vorbeugen können.

Typisches Patientenbeispiel

Die 12-Jährige Lisa hat gemeinsam mit ihren Freundinnen beschlossen, von nun an vegetarisch zu leben. Fleisch schmeckte ihr ohnehin nie so richtig. Und ethische Gründe hat die junge Tierliebhaberin auch. Sie ist ziemlich wählerisch, was Essen betrifft. Gemüse ist nicht so der Hit – und so kommt es, dass sie seit ein paar Wochen überwiegend Nudeln isst. Auch ihre Mutter kann sie nicht zu einer ausgewogeneren Ernährung überzeugen.

In den kommenden Wochen fühlt sich Lisa zunehmend schlapper, sie kommt morgens kaum aus dem Bett und nach der Schule möchte sie am liebsten sofort wieder schlafen. Sie gähnt ständig.

Wenige Tage später schleppt die Mutter Lisa zum Arzt. Die Kinderärztin fragt Lisa, wie lange sie sich schon so schlapp fühle. Und ob sich in ihrem Leben in der letzten Zeit irgendetwas geändert habe. Lisas Mama gibt an, dass ihre Tochter kein Fleisch mehr esse und sich auch sonst sehr unausgewogen ernähre. Gemüse? – Fehlanzeige. Die Ärztin untersucht Lisa, leuchtet in ihren Mund, schaut sich die Augenlider von innen an. „Sehr blass sieht das bei dir aus, Lisa.“ Sie äußert den Verdacht, dass Lisa einen Eisenmangel hat. Den kriegt man unter anderem, wenn man nicht genügend Eisen zu sich nimmt oder gerade einen Wachstumsschub hat – beides trifft auf Lisa zu. Zur Abklärung wird Blut abgenommen um Hb-Wert sowie Eisenwerte zu bestimmen.

Ein paar Tage später besuchen Lisa und ihre Mutter die Ärztin zur Besprechung der Blutergebnisse zum zweiten Mal. Wie bereits vermutet hat Lisa tatsächlich eine Eisenmangelanämie. Die Ärztin übergibt ihr eine Liste von Lebensmitteln, die einen hohen Eisengehalt haben. Insbesondere wegen ihrer vegetarischen Ernährung muss Lisa darauf achten, zukünftig ausreichend Eisen zu sich zu nehmen. Sie erhält ein Rezept für Eisentropfen – denn Tabletten kann sie nicht gut schlucken. Zum Schluss erklärt die Ärztin ihr noch, worauf sie bei der Einnahme achten muss.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  
Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Rabea Niehues
Lektorat: Arlen-Celina Lücke
Datum: 22.12.2019

Quellen

  • Matti Aapro u. a. (2017): SUPPLEMENT: Perspektiven in der Onkologie. Anämie- und Blutmanagement: Neubewertung in verschiedenen Indikationen. In: Deutsches Ärzteblatt, 114(48): [29]; DOI: 10.3238/PersOnko/2017.12.01.07
  • Deutsches Ärzteblatt (2016): Vegan oder vegetarisch: Zu wenige Mediziner berücksichtigen Ernährungsgewohnheiten. In: aerzteblatt.de
  • Nicolas Graf, Robert Gürkov (2006): BASCIS. Klinische Chemie. 1. Auflage. Elsevier, München.
  • Gerd Herold (2020): INNERE MEDIZIN. Dr. med. Gerd Herold, Köln.
  • Florian Horn (2009): Biochemie des Menschen. Das Lehrbuch für das Medizinstudium. 4. Auflage. Thieme, Stuttgart.
  • Klaus P. Kohse (2019): Taschenlehrbuch Klinische Chemie und Hämatologie. 9. Auflage. Thieme, Stuttgart.
  • Ye Ruan u. a. (2019): Association between anemia and frailty in 13,175 community-dwelling adults aged 50 years and older in China. In: BMC Geriatrics. 19: 327, 4. Dezember 2019.
  • Christian Sailer, Susanne Wasner (2013): Differenzialdiagnose pocket. 6. Auflage. Börm Bruckmeier Verlag, Grünwald.
  • Nicola Siegmund-Schultze (2015): MEDIZINZREPORT: Studien im Fokus. Blutspende: Ohne erhöhte Eisenaufnahme ist die Erholungszeit lang. In: Deutsches Ärzteblatt, 112(45): A-1885 / B-1559 / C-1517.
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