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Vitamin B12 – Nur für Veganer wichtig? Wofür brauche ich das?

Auf einen Blick – Was ist Vitamin B12?

  • wasserlösliches Vitamin aus der Klasse der Cobalamine
  • zwei aktive Formen: Methylcobalamin und Adenosylcobalamin
  • kommt vor allem in tierischen Lebensmitteln vor
  • wird ausschließlich von Mikroorganismen synthetisiert, weshalb geringe Mengen auch von der Darmflora gebildet werden können

Welche Funktion hat Vitamin B12 im Körper?

  • wichtiger Cofaktor bei vielen verschiedenen Stoffwechselvorgängen
  • Blutbildung
  • Fettsäureabbau
  • Folsäurestoffwechsel
  • wichtig für das Nervensystem

Welche Symptome zeigen sich bei einem Vitamin-B12-Mangel? (Auszug)

  • Kribbeln und Taubheitsgefühle
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Antriebslosigkeit, Depressionen
  • Blutbildungsstörungen, Blutarmut (sog. ‚Anämie‘)
  • Schäden an Haut und Schleimhaut

Wann bekommt man einen Vitamin-B12-Mangel?

  • bei einer verringerten Aufnahme, z. B. durch Resorptionsstörungen
  • durch einen erhöhten Bedarf, z. B. in der Schwangerschaft
  • bei einer unzureichenden Zufuhr, z. B. bei Magersucht oder strenger veganer Ernährung ohne Substitution

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Die Zahl der Menschen in Mitteleuropa, die Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel zu sich nimmt, wächst. Die Verkaufszahlen der Industrie zeigen, dass viele Menschen regelmäßig verschiedenste freiverkäufliche Produkte zu sich nehmen, um vermeintliche Mängel zu kompensieren – oft ohne ärztliche Absprache.

Vitamin B12 ist in der Medizin auch unter dem Namen Cobalamin bekannt und spielt im Körper bei verschiedenen wichtigen Prozessen eine Rolle. Dazu zählen unter anderem die Bildung von Blut und Zellen. Vitamin B12 kommt primär in tierischen Lebensmitteln wie Eiern, Fisch oder Innereien vor. Gebildet wird es allerdings nicht vom Tier selbst, sondern von kleinsten Mikroben. Funktioniert beim Menschen die Aufnahme im Magen-Darm-Trakt nicht, kann es zu einem Mangel kommen. Ein Leitsymptom ist dabei die Blutarmut (sog. ‚Anämie‘), es können aber Veränderungen der Zunge (sog. ‚Glossitis‘) sowie Schwindel und weitere Beschwerden auftreten. Da Vitamin B12 wasserlöslich ist, wird ein Übermaß über die Nieren ausgeschieden. Eine Überdosis ist folglich nur schwer möglich.

Was ist Vitamin B12?

Vitamin B12 – auch: Cobalamin – gehört zur Stoffklasse der Cobalamine. Seine chemisch aktiven Formen heißen Methylcobalamin und Adenosylcobalamin. Der Name dieser Stoffgruppe wird von dem darin enthaltenen Kobalt abgeleitet. Kobalt ist ein chemisches Element und gehört zu einer Unterkategorie der Metalle.

Cobalamin kann nur in sehr geringen und unzureichenden Mengen von Bakterien in unserem Darm hergestellt werden. Deshalb ist es wichtig, dass man sich ausreichend Vitamin B12 über die Nahrung und bei Bedarf auch Supplemente zuführt. Hauptsächlich findet sich das Vitamin proteingebunden in tierischen Nahrungsmitteln. Grundsätzlich ist aber kein Tier in der Lage, Cobalamin herzustellen. Auch das Vitamin B12 der tierischen Produkte stammt entsprechend aus Mikroben – genauer Einzellern, zu denen bestimmte Bakterien und Blaualgen gehören. Da viele Masttiere in der industialisierten Tierzucht nicht mehr genug Kontakt zu diesen Mikroorganismen haben wird auch ihnen Vitamin B12 zugefüttert, damit eine ausreichende Versorgung – auch für den Endkonsumenten Mensch – gewährleistet ist.

Exkurs: Was sind Vitamine?

Jedes Kind weiß: Vitamine sind gut für den Körper. Doch was sind Vitamine eigentlich? Der Begriff setzt sich zusammen aus dem lateinischen Begriff ‚vita‘ für „Leben“ und der chemischen Stoffgruppe der Amine. Vitamine sind folglich lebenswichtig. Sie werden in kleinen Mengen benötigt, um verschiedenste Prozesse im Körper aufrechtzuerhalten. Man zählt sie auch zu den Mikronährsoffen, was bedeutet, dass sie im Gegensatz zu den Makronährstoffen der Kohlenhydrate, Fette und Proteine nicht der Energiegewinnung dienen. Sie werden – mit Ausnahme von Vitamin D – nicht vom Körper selbst gebildet, sondern müssen über die Nahrung aufgenommen und umgewandelt werden.

Vitamine werden hinsichtlich ihrer chemischen Eigenschaften klassifiziert. So unterscheiden wir die fettlöslichen Vitamine A, Vitamin D, E und Vitamin K von den wasserlöslichen B-Vitaminen (Vitamin B1, B2, B3, B5, B6, B7, B9, B12) und dem ebenfalls wasserlöslichen Vitamin C. Der Bedarf an den einzelnen Vitaminen ist individuell und unterliegt großen Schwankungen, die u. a. von der Lebenssituation abhängen. Bei hoher körperlicher Belastung, in der Wachstumsphase oder Schwangerschaft bzw. Stillzeit benötigen Sie mehr Vitamine als üblich. Vitamine sind unter anderem als Hormone, Antioxidantien oder als Teil der Genexpressionsmaschinerie im Körper aktiv.

Vitamin B12 ist wie alle Vitamine ein lebenswichtiger Stoff für unsere Körperfunktionen. Normalerweise kann man seinen Bedarf über eine vollwertige und ausgewogene Ernährung mit tierischen Lebensmitteln decken. Vermeidet man diese oder verhindert eine Erkrankung die Aufnahme, kann sich ohne vernünftigen Ausgleich ein gefährlicher Mangel entwickeln. Im folgenden Video erklärt Dr. Dr. Tobias Weigl die Rolle und Bedeutung von Vitamin B12:

Vitamin B12 Mangel - Anzeichen, Symptome & Mythen rund um Krankheiten & Lebensmittel mit Cobalamin

Welche Funktionen hat Vitamin B12 im Körper?

Vitamin B12 ist essentiell für unser Überleben. Fehlt es im Körper, können wichtige Prozesse nicht mehr richtig ablaufen. Allerdings haben wir einen recht großen Speicher von 2–5 mg Cobalamin in Leber (ca. 60 %) und Muskelzellen (ca. 30 %), weshalb sich ein Mangel häufig nur langsam kenntlich macht.

Vitamin B12 ist im Körper an verschiedenen Prozessen beteiligt:

  • Abbau von Fettsäuren
  • Unterstützung der Blutbildung durch Aktivierung von Folsäure
  • Bildung der Isolierungssubstanz der Nerven, dem sog. ‚Myelin‘
  • Teil des Homocysteinstoffwechsels
  • Unterstützung des Immunsystems
  • Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung
  • Unterstützung der Zellteilung

Biochemisch dient das Vitamin B12 als sogenannter Cofaktor bei der Übertragung und Umlagerung chemischer Gruppen. Das bedeutet, dass es an Gruppenverschiebung beteiligt ist und die entsprechenden Enzyme ohne es nicht arbeiten können. Die beiden aktiven Formen Methylcobalamin und Adenosylcobalamin sind dabei an verschiedenen Prozessen beteiligt.

Der Weg des Vitamins durch den Verdauungstrakt

Vitamin B12 wird vor allem in unserem Magen-Darm-Trakt verarbeitet und aufgenommen. Ein kleiner Teil (ca. 1 %) wird passiv in Mund und Darm über die Schleimhaut aufgenommen. Den Löwenanteil der Aufnahme leistet aber die aktive Resorption im Darm. Im Magen wird das Cobalamin aus seiner nahrungsmittelbedingten Proteinbindung gelöst und an ein Schutzprotein gebunden, das einen Angriff durch die aggresive Magensäure verhindert. Im Zwölffingerdarm (sog. ‚Duodenum‘) wird diese Verbindung wieder gelöst. Stattdessen wird das Vitamin B12 an den sogenannten Intrinstic Factor gebunden, der ausschließlich im Magen produziert wird und essentiell für eine funktionierende Aufnahme von Vitamin B12 ist. Diese Intrinsic-Factor-bedingte Aufnahme aus dem Darmlumen in den Körper vollzieht sich letztendlich am Ende des Dünndarms, dem sog. ‚terminalen Ileum‘. Im Blut wird das Vitamin gebunden an das sog. ‚Transcobalamin‘ transportiert. Seine Aktivierung zu Methylcobalamin und Adenosylcobalamin vollzieht sich in der Leber.

Wie viel Vitamin B12 benötigt man um gesund zu bleiben?

Erst im letzten Jahr wurde der tägliche Bedarf an Vitamin B12 für Erwachsene von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Zusammenarbeit mit ihren Partnergesellschaften in der Schweiz und in Österreich nach oben gesetzt. Man empfiehlt daher derzeit eine tägliche Aufnahme von 4,0 µg pro Tag. Der tatsächliche Bedarf kann allerdings individuell recht unterschiedlich sein.

In folgender Tabelle können Sie die momentan von der DGE empfohlenen Mengen für die verschiedenen Lebensabschnitte einsehen:

AlterEmpfohlene Tagesdosis Vitamin B12 in µg
0 bis 4 Monate0,5
4 bis 12 Monate1,4
1 bis 4 Jahre1,5
4 bis 7 Jahre2
7 bis 10 Jahre2,5
10 bis 13 Jahre3,5
Jugendliche ab 13 Jahren und Erwachsene 4
Schwangere4,5
Stillende5,5

In welchen Nahrungsmitteln kommt Vitamin B12 vor?

Wie bereits erwähnt, findet man das proteingebundene Vitamin B12 fast ausschließlich in tierischen Produkten, vor allem in Fisch, Eiern, Milchprodukten und Innereien (Leber, Niere, Milz, Gehirn). Meist beinhalten die genannten Lebensmittel nicht das Vitamin B12 an sich, sondern dessen chemische Aktivvarianten Adenosylcobalamin und Hydroxycobalamin, in Käse und Eigelb Methylcobalamin.

Gut zu wissen!
Cobalamin ist relativ hitzeempfindlich. Wollen Sie Fleisch anbraten, kann es tatsächlich sein, dass sich durch den Vorgang die wichtigen Vitamine – wortwörtlich – in Luft auflösen. Durch die Zubereitung können Sie zwischen 7 und 30 % Cobalamin verlieren.

Wiederkäuer wie Rinder oder Schafe tragen eine erhebliche Menge der Vitamin-B12-produzierenden Mikroben in ihren Vormägen (sog. ‚Pansen‘). Bei einer ausreichenden Zufuhr von Kobalt können diese Mikroorganismen genügend Cobalamin produzieren, um das Tier zu versorgen. Anders sieht es bspw. bei Schweinen und Geflügel aus. In der Vergangenheit, als Farmtiere noch regelmäßig draußen waren, kam das Vitamin B12 in den meisten tierischen Produkten natürlicherweise vor. Die Tiere hatten genügend Kontakt zu den Cobalamin-produzierenden Einzellern, die außerhalb des Meeres vor allem im Erdreich, an Wurzeln sowie auf Pflanzen vorkommen.

Durch die extensive Landwirtschaft und Tierzucht der heutigen Zeit ist dieser Kontakt jedoch nicht mehr gegeben, auch, da die Bodenflora an Mikroorganismen inzwischen nicht mehr ausreichen würde, um die Versorgung zu gewährleisten. Auch die Produktion von Vitamin B12 durch Darmbakterien von Nutztieren genügt oft nicht, um den tierischen und menschlichen Bedarf zu decken. Daher wird in der Tierzucht häufig Vitamin B12 zugefüttert, damit die Produkte genug davon enthalten.

Pflanzliche Kost enthält nur wenig Vitamin B12

Es gibt allerdings auch einige wenige pflanzliche Lebensmittel, die Cobalamin aufweisen. Dazu gehört beispielsweise Sauerkraut. Da Vitamin B12 das Produkt bakterieller Stoffwechselprozesse ist, kommt es auch in geringen Mengen in Bier vor. Spuren können auch in Wurzel- und Knollengemüse sowie Hülsenfrüchten enthalten sein. Einige Algen enthalten ein Vitamin-B12-Analogon, das vom menschlichen Körper nicht verwertet werden kann.

Achtung!
Da Vitamin B12 fast ausschließlich in tierischen Produkten vorkommt, ist es wichtig, bei einer strengen vegetarischen und vor allem veganen Ernährung auf eine ausreichende Zufuhr zu achten.Vermeiden Sie Tierprodukte jeder Art, sollten Sie Ihren Vitamin-B12-Spiegel regelmäßig überprüfen lassen und entsprehend vernünftig substituieren.

Welche Symptome zeigen sich bei einem Vitamin-B12-Mangel?

Das Vitamin B12 ist zwar biochemisch nur an wenigen speziellen Reaktionen beteiligt, jedoch sind diese essentiell für viele Körperfunktionen. Durch einen Mangel kann es beispielsweise zu neurologischen Erkrankungen kommen. Da das Vitamin ebenfalls an der Ausbildung der Blutkörperchen beteiligt ist, können auch Defizite in der Blutbildung entstehen. Eine wichtige Folge des Vitamin-B12-Mangels ist daher eine Blutarmut. Andere Symptome können beispielsweise auch eine Entzündung der Zunge (sog. ‚Glossitis‘) umfassen. In manchen Fällen bleibt ein Mangel an Vitamin B12 jedoch auch ohne Symptome (sog. ‚asymptomatisch‘).

Im Folgenden finden Sie Beschwerden, die im Rahmen eines Vitamin-B12-Mangels auftreten können:

Achtung!
Auch wenn die durch den Vitamin-B12-Mangel ausgelöste Anämie häufig als vorrangiges Symptom genannt wird, können sich psychiatrische und neurologische Schäden durchaus auch vor der Blutarmut zeigen! Es ist also wichtig, sich hier nicht auf ein „klassisches Beschwerdebild“ zu verlassen!

Ein schwerer Mangel kann irreversible Schäden mit sich bringen

Bei schweren Verläufen eines Vitamin-B12-Mangels können unumkehrbare Schäden entstehen. Deshalb ist ein Mangel in keinem Falle auf die leichte Schulter zu nehmen und unbedingt zu behandelt! In manchen Fällen treten starke neurologische, also das Nervensystem betreffende, Probleme auf. So kann es zu teilseitiger Lähmung und Muskelschwäche bis zur Querschnittslähmung kommen. Auch Symptome, die die Persönlichkeit direkt betreffen, können auftreten, bspw. eine erhöhte Reizbarkeit, Vergesslichkeit bis hin zu Demenz und Psychosen. Unbehandelt hat ein Vitamin-B12-Mangel folglich eine schlechte Prognose. Greift man hingegen frühzeitig ein, sind die Beschwerden durch eine Zufuhr des Vitamins in der Regel komplett reversibel und die schweren Folgen vermeidbar. Je später die Therapie jedoch erfolgt, desto geringer ist die Chance, dass die Schäden sich rückgängig machen lassen.

Vitamin-B12-Mangel: Die Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen für einen Mangel an Cobalamin. Grundsätzlich haben wir einen recht großen Vitamin-B12-Speicher im Körper, der je nach Individuum lange vorhalten kann. Bei manchen Menschen wird ein Mangel entsprechend erst nach mehreren Jahren der Unterversorgung sichtbar. Allgemein liegen als Ursachen des Mangels entweder eine unzureichende Zufuhr des Vitamins über die Nahrung oder eine gestörte Aufnahme vor. Indirekt kann auch ein erhöhter Bedarf dazu führen, dass die zu sich genommene Menge des Vitamins nicht ausreicht.

Gut zu wissen!
Vitamin B12 ist das einzige wasserlösliche Vitamin, das im großen Stil im Körper gespeichert wird. Ansonsten werden nur fettlösliche Vitamine im Körper angereichert und somit gespeichert.

Ursachen für eine verringerte Aufnahme von Vitamin B12

  • Alkoholismus: Chronischer Alkoholkonsum geht häufig mit einem Vitaminmangel einher. Ursache hierfür ist, dass die Leber, die für den Vitaminhaushalt zuständig ist, durch den Alkohol in ihrer Funktion beeinträchtigt bzw. geschädigt wird.
  • Intrinsic-Faktor-Mangel oder -Blockade: Fehlt dieser im Körper, kann das Vitamin B12 nicht mehr aktiv in den Körper aufgenommen werden. Ursache für den Mangel des Glykoproteins ist beispielsweise eine Zerstörung der es produzierenden Zellen im Magen (sog. ‚atrophische Gastritis‘). Auch kann der Intrinsic Factor im Zuge einer Autoimmunreaktion von Antikörpern blockiert werden und so kein Cobalamin mehr binden.
  • Gestörte Funktion der Bauchspeicheldrüse (sog. ‚exokrinen Pankreasinsuffizienz‘).
  • Verschlechterte Aufnahme von Vitamin B12 durch Entzündungen im Darmtrakt, z. B. bei Zöliakie, Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa.
  • Abbau der Darminnenwand als Folge einer zu hohen oralen Einnahme von Vitamin C.
  • Abbau der Dünndarminnenwand aufgrund bakterieller Besiedlung oder Parasiten (bspw. Fischbandwurm).
  • Verringerte Magensäureproduktion, zum Beispiel durch Einnahme von Magenschutzmitteln.
  • Operative Entfernung von Teilen des Magen-Darm-Trakts, zum Beispiel nach einer Magen- oder Dünndarmresektion.
  • Imerslund-Gräsbeck-Syndrom: Hinter dieser Bezeichnung steht ein Defekt in der Cobalamin-Aufnahme durch Mutation zweier Intrinsic-Factor-Rezeptorengene.
  • Therapie mit Lithium.
  • Therapie mit Metformin bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2.
  • Andere Medikamente wie bspw. manche Verhütungsmittel hemmen die Resorption von Vitamin B12.

Ursachen für eine unzureichende Vitamin-B12-Zufuhr

  • Vegetarismus/Veganismus: Der Verzicht von tierischen Produkten führt langfristig zu einem Vitamin-B12-Mangel, da dieses in pflanzlicher Kost kaum bis gar nicht enthalten ist. Veganer, jedoch auch Vegetarier, nehmen dadurch häufig zu geringe Mengen des Vitamins zu sich. Daher ist es wichtig, dass Sie als Vegetarier/Veganer regelmäßig Ihren Cobalamin-Spiegel überprüfen lassen und mit Vitamin B12 angereicherte Produkte oder ein gutes Supplement zu sich nehmen.
  • Mangelernährung bspw. durch Magersucht (sog. Anorexie), langfristiges Hungern oder Kachexie im Alter.
  • Chronischer Alkoholmissbrauch.

Wann besteht ein erhöhter Vitamin-B12-Verbrauch?

  • Schwangerschaft
  • Stillzeit
  • bei Neugeborenen und Säuglingen
  • bei Kindern
  • im Rahmen einer malignen Erkrankung des Blutes wie Leukämie
  • bei Dialysepflichtigkeit
  • durch eine HIV-Infektion

Was tut der Arzt bei Verdacht auf einen Vitamin-B12-Mangel?

Gibt es einen Hinweis auf einen Vitamin-B12-Mangel wird der Arzt mit einer gründlichen Anamnese beginnen: Gab es Veränderungen im Essverhalten? Blutverluste? Liegt eine Schwangerschaft vor? Welche Auffälligkeiten konnten Beobachtet werden? Danach folgt eine körperliche Untersuchung, bei der über die Reflexe die Nervenfunktionen überprüft werden. Unabdingbar bei Verdacht auf einen Cobalamin-Mangel ist jedoch die Blutuntersuchung.

Serumwert ist häufig nicht ausreichend

Über den Serumspiegel des Vitamin B12 lässt sich ein ausgeprägter Mangel leicht feststellen. Allerdings ist dieser Wert nicht ausreichend sensitiv, um einen Mangel bei normalem bis niedrigem Spiegel (Werte zwischen 156–400 pmol/L bzw. 200–400 pg/mL) sicher auszuschließen. Auch dann kann jedoch bereits eine symptomatische Unterversorgung vorliegen. Daher ist der frühste Marker für einen manifesten Cobalamin-Mangel ein erniedrigter Holo-Transcobalamin-Wert (kurz: Holo-TC). Werte von unter 35 pmol/L sprechen für den Mangel. Das Holo-TC bezeichnet man auch als aktives B12. Es beschreibt den Komplex aus Vitamin B12 mit dem Transportprotein Transcobalamin. Liegt der Holo-TC-Wert bei über 50 pmol/L ist ein Vitamin-B12-Mangel hingegen unwahrscheinlich.

 Serumwert in ng/LSerumwert in pmol/L
(starker) Mangel< 180< 150
Wert niedrig/indifferenter Status< 300< 220
idR. gute Versorgung> 400> 300
Funktionelle Marker für die Vitamin B12 Versorgung sind weiterhin das Homocystein sowie die Methylmalonsäure (MMA). Beide Stoffe benötigen für Ihren Umsatz Vitamin B12 und liegen entsprechend bei einem Mangel in erhöhter Konzentration im Blut vor. Sie werden auch als Verlaufsparameter unter Therapie verwendet. Während das Homocystein auch bei einem Folsäuremangel erhöht sein kann, ist eine erhöhte MMA (Werte > 32 µg/L) spezifischer für den Vitamin-B12-Mangel. Bei klinischem Verdacht auf einen Cobalamin-Mangel sollte entsprechend der Holo-TC-Wert zusammen mit der MMA bestimmt werden.

Weitere Auffälligkeiten im Blut bei einem Vitamin-B12-Mangel

Da ein Mangel an Cobalamin zu einer bestimmten Form der Blutarmut führen kann, gibt es außer dem Serumspiegel und Holo-TC-Wert noch andere Blutwerte, die darauf hinweisen. Die sog. ‚megaloblastäre Anämie‘ zeichnet sich durch durch die mangelhafte Zellteilung vergrößerte (sog. ‚makrozytäre‘) rote Blutkörperchen (sog. ‚Erythrozyten‘) aus. Gleichzeitig befindet sich in diesen „geschwollenen“ Erythrozyten zu viel des Blutfarbstoffes Hämoglobin (sog. ‚hyperchrom‘). Die entsprechenden Marker im Blut, das Mittlere Korpuskuläre Volumen (Mean corpuscular volume, kurz: MCV) und das Mittlere Korpuskuläre Hämoglobin (Mean corpuscular hemoglobin, kurz: MCH) sind folglich erhöht. Da aber insgesamt eine Anämie, also eine Blutarmut vorliegt, ist der Gesamtgehalt des Blutes an Hämoglobin (kurz: Hb-Wert) erniedrigt. Außerdem ist häufig die Konzentration der Blutplättchen (sog. ‚Thrombozyten‘) erniedrigt.

Achtung!
Die Anämie ist kein verlässlicher Marker für den Vitamin-B12-Mangel. Auffälligkeiten wie erhöhte MCV- und MCH-Werte können entsprechend erst deutlich verzögert auftreten. Da ein Vitamin-B12-Mangel lange asymptomatisch bleiben kann, sollten Risikopatienten regelmäßig ihre Werte überprüfen lassen, ein kleines Blutbild ist hier nicht ausreichend.

Die Therapie eines Vitamin-B12-Mangels

Die generelle Therapie eines Vitamin-B12-Mangels ist eine Substitution. Abhängig von Schwere und Ursache des Mangels kann hierbei auf eine orale Substitution zurückgegriffen werden oder Injektionen zum Einsatz kommen. Letztere können subcutan oder intramuskulär (kurz: i.m.) verabreicht werden; In einigen Fällen kann das Vitamin auch intravenös appliziert werden. Um den Speicher aufzufüllen werden recht hohe Dosen eingesetzt. Da das wasserlösliche Vitamin im Überschuss über die Nieren ausgeschieden wird, ist dies eine ungefährliche und schnelle Methode, den Mangel zu behandeln. Das Blutbild sollte sich innerhalb von Tagen normalisieren, neurologische Ausfälle können Monate brauchen, um sich zurückzubilden.

Injektions-Dosierung im Falle eines akuten Mangels:

  • Hochdosistherapie für eine Woche mit 1000 µg i.m. täglich
  • in der zweiten Woche 1000 µg i.m. zweimal pro Woche
  • bis zur 6. Woche einmal wöchentlich 1000 µg i.m.
  • Erhaltungsdosis: Monatlich 100–500 µg i.m. oder 500–1000 µg i.m. alle 3 Monate

Bei einer oralen Substitution müssen die hohen Dosen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, da nur ein bestimmter Anteil einer Dosis auch tatsächlich vom Körper aufgenommen werden. Bei einem manifesten Mangel werden hier Präparate mit 1000 µg pro Tag eingesetzt. Für Veganer oder Menschen mit chronischem Vitamin-B12-Mangel, deren Aufnahme nicht gestört ist, wird eine langfristige Einnahme von 300–500 µg B12 täglich empfohlen.

Hat Ihr behandelnder Arzt bei Ihnen einen Vitamin-B12-Mangel diagnostiziert? Welche Symptome haben Sie bei sich festgestellt? Sie können Mehrfachantworten geben.

Grundlage: Nahrungsergänzungsmittel

Fehlende Nährstoffe können über sogenannte Nahrungsergänzungsmittel supplementiert werden. Die Kapseln, Pulver und Tabletten sind konzentrierte Varianten einer Substanz. Wir können verschiedene Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Pflanzenstoffe und sogar Kräuterextrakte über diese Mittel aufnehmen. Grundsätzlich sollen diese die normale Ernährung ergänzen. Wer sich allerdings ausgewogen ernährt und keine chronischen Beschwerden oder Erkrankungen hat, braucht eigentlich keine zusätzlichen Präparate zu sich zu nehmen. Es gibt allerdings – je nach benötigter Substanz – durchaus Risikogruppen, die auf solche Ernährungsergänzungen angewiesen sind. Das können beispielsweise stillende oder schwangere Frauen, Menschen mit chronischen Darmerkrankungen sowie ältere Patienten sein. Eine besondere Rolle kommt bei uns dem Jod zu. Im Jod-Mangelgebiet Deutschland ist eine ausreichende Versorgung durch die Ernährung so nicht gegeben. Durch die Anreicherung von Salz mit Jod sind wir dennoch in der Lage, auch hier gut damit versorgt zu sein.

Der Umsatz steigt

Nahrungsergänzungsmittel gehören nicht zur Gruppe der Medikamente. Das bedeutet, dass sie als normale Lebensmittel betrachtet werden und so in das Aufgabenfeld des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) fallen. Das BVL registriert neue Präparate; Die Freigaben orientieren sich an den Richtlinien des Europäischen Parlaments. Der Jahresabsatz für Nahrungsergänzungsmittel steigt jährlich; 2017 wurden in Deutschland beispielsweise 172 Millionen Packungen verkauft. Viele der Käufer besorgen sich allerdings Präparate ohne Absprache mit ihrem behandelnden Arzt. Die beliebtesten Präparate enthalten dabei Magnesium, Calcium und Vitamin D.

Vitamin B12 als Nahrungsergänzungsmittel

Vitamin B12 ist wie viele andere Vitamine auch als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Laut der Werbung der Hersteller helfen diese Präparate bei der Aufrechterhaltung des Energiestoffwechsels, stärken das Nervensystem und die psychischen Funktionen.

Die meisten Produkte basieren dabei auf Cyanocobalamin, einer Variante von Vitamin B12, die häufig mittels E. Coli Bakterien hergestellt wird. Einige dieser Bakterien sind gentechnisch verändert. Da für die Gewinnung des Vitamins aus Bakterien kein Tier zuleide kommt, sind diese Supplemente für Veganer und Vegetarier geeignet. Gegebenenfalls ist jedoch darauf zu achten, dass manche Hersteller den Milchzucker Laktose als Trägerstoff verwenden. Diese Produkte sollten von Menschen mit einer Laktoseunverträglichkeit gemieden werden. Auch Veganer werden aufgrund ihrer Ablehnung jeglicher tierischer Produkte auf Präparate ohne Laktose zurückgreifen müssen.

Verschiedene Formen mit unterschiedlicher Effizienz?

Der Markt bietet das Vitamin Cobalamin in Form verschiedener Präparate an. Die gängigsten sind Kapseln, Sprays bzw. Tropfen oder Tabletten. Es gibt Vitamim B12 sogar als Zusatz von Zahnpasta oder Nasensprays zu kaufen. Hierbei wird vor allem auf die Aufnahme über die Schleimhäute gezählt. Neben dem oben erwähnten synthetischen Cyanocobalamin können die Präparate auch die aktiven Formen Methylcobalamin oder Adenosylcobalamin enthalten. Es gibt Diskussionen, die diesen Substanzen mehr Wert für die Nahrungsergänzung zusprechen, da das Cyanocobalamin im Körper erst in die aktive Form umgewandelt werden muss. Bis heute existieren jedoch keine eindeutigen Studien, die den aktiven Formen eine therapeutische Überlegenheit gegenüber dem synthetischen B12 bescheinigen.

Auch die Dosierung der Präparate ist sehr unterschiedlich. Die Mengen variieren zwischen 3 und 3.000 µg pro Dosis. Da pro Einnahme nur ein bestimmter Anteil des Vitamins aktiv über den Darm aufgenommen werden kann, sollten die Dosen ggf. über den Tag verteilt werden (wie es bei der Nahrungsaufnahme ja ebenfalls der Fall ist).

Muss ich B12 substituieren?

Wie bereits mehrfach dargestellt, sollte eine ausgewogene und vollwertige Ernährung mit tierischen Produkten eine gute Versorgung mit Vitamin B12 gewährleisten. Wenn Sie jedoch eine chronische Entzündung im Körper haben, sich vegetarisch oder vegan ernähren oder sonst einen Grund haben, der eine mangelhafte Versorgung mit dem Vitamin vermuten lässt, sollten Sie Ihre Werte überprüfen lassen. Auch mit dem Alter kann die Aufnahmefähigkeit abnehmen. Besteht ein begründeter Verdacht für einen Mangel, wird der Test von der Krankenkasse übernommen. Viele Ärzte verlassen sich dabei auf den Serumwert des Vitamins. Es kann jedoch nötig sein, den Holo-TC-Wert zu bestimmen, um einen Mangel sicher auszuschließen. Diesen Test müssen Patienten in vielen Fällen selbst bezahlen. Informieren Sie sich im Zweifel bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt sowie bei Ihrer Krankenkasse dazu.

Bestätigt sich der Verdacht auf einen Magel, muss dieser unbedingt behoben werden. Wenn langfristig keine ausreichende Versorgung über die Nahrung stattfinden kann, muss das Vitamin dauerhaft substituiert werden. Sonst leert sich der Speicher über die Jahre schleichend wieder. Für eine Substitution ohne Mangelversorgung gibt es medizinisch keine Begründung.

Kann es zu Nebenwirkungen bei einer Einnahme von Vitamin B12 Präparaten kommen?

Das wasserlösliche Vitamin B12 lässt sich bei den handelsüblichen Dosen nur schwer überdosieren. Selbst sehr große Mengen haben in Studien keine negativen Folgen mit sich gebracht. Sehr selten wurden allergische Reaktionen beobachtet. Bei einer regelmäßigen Substitution höherer Dosen berichten manche Patienten von Reaktionen der Haut und Akne. Hier kann es nötig sein, die Dosis zu reduzieren oder das Präparat zu wechseln.

Im Jahr 2017 sorgte eine Studie aus den USA zu der hochdosierten Einnahme von B-Vitaminen und einem erhöhten Risiko der Entwicklung von malignen Erkrankungen wie Lungenkrebs für Aufsehen. Die Zusammenhänge scheinen vor allem bei männlichen Rauchern verdächtig. Bisher ist die Studienlage zu dem Risiko einer Krebsentwicklung bei Hochdosistherapien mit Vitamin B12 nicht ausreichend, um eine Warnung auszusprechen. Gegebenenfalls besteht ein solches Risiko auch unabhängig von der substituierten Menge nur dann, wenn sich die Menge an B12 in Blut und Körper abnorm erhöht.

Aktuelles aus der Forschung: Kognitive Schwächen und Demenz aufgrund niedriger Vitamin-B12-Spiegel

Es ist bekannt, dass ein Vitamin-B12-Mangel zu einer Anämie, neurologischen Schäden und psychiatrischen Auffälligkeiten führen kann. Dazu zählen neben Kribbelparäthesien und Taubheitsgefühlen auch Einschränkungen des Gedächtnisses und der kognitiven Fähigkeiten. Shazia Jatoi und Partner untersuchten in einer Studie den Effekt einer Vitamin-B12-Substitution bei Patienten mit einer nachweislich eingeschränkten Kognition.

Auswahl der Patienten

Die untersuchten Patienten wurden nach Ihren Werten bezüglich Vitamin B12 und Homocystein ausgewählt. Allen gemein war eine minimale Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten. Alle diejenigen, die verringerte Werte von Vitamin B12 aufwiesen, erhielten eine Substitutionstherapie für drei Monate und unterzogen sich anschließend einem sogenannten Mini-Mental-Status-Test (Mini-Mental-State-Examination, kurz: MMSE). Dieser Test wird bei Menschen mit kognitiven Veränderungen und beginnender Demenz eingesetzt, um das Stadium der Erkrankung einzuordenen.

Eine Vitamin-B12-Therapie konnte die kognitiven Fähigkeiten verbessern

Von den 202 behandelten Patienten berichteten 171 (84 %) von symptomatischen Verbesserungen nach der Therapie. 158 (78 %) der untersuchten Personen erzielten bessere Ergebnisse im MMSE. Von den 44 Patienten, die keine Verbesserung der Symptome feststellen konnten, erreichten 26 eine verbesserte Leistung im MMSE.

Mit Vitaminen gegen Demenz?

Die Aufnahme von Vitaminen ist bei alten und kranken Menschen häufig herabgesetzt. Vitamin B12 ist ein Vitamin, dem eine wichtige Rolle bei der Beibehaltung kognitiver und psychitatrischer Funtkionen zukommt. Die vorliegende Studie gibt Hinweise darauf, dass durch eine vernünftige Substitutionstherapie mit Vitamin B12 kognitive Defizite bei Patienten abgeschwächt werden könnten. Durch die relativ kleine Untersuchungsgruppe, weisen die Forscher jedoch auch darauf hin, dass es für endgültige Aussagen Studien in größerem Maßstab bedarf. Erst dann sei es möglich, zu bewerten, ob der neurologische Verfall bei solchen Patienten durch eine Vitamin-B12-Substitution aufgehalten werden könnte.

Quelle: Shazia Jatoi u. a. (2020): Low Vitamin B12 Levels: An Underestimated Cause Of Minimal Cognitive Impairment And Dementia. In: Cureus.

 

Fakten-Box – Vitamin B12

  • Tagesbedarf Erwachsene: 4 µg
  • kommt vor allem in tierischen Nahrungsmitteln vor (Innereien, Milchprodukte, Eier)
  • pflanzliche Lebensmittel enthalten kein oder nur wenig Vitamin B12 (Sauerkraut, Bier)
  • ein Mangel kann ausgelöst werden durch eine unzureichende Zufuhr über die Nahrung, Aufnahmestörungen oder einen erhöhten Bedarf

Symptome bei Mangel (Auswahl)

Relevante Blutwerte

  • Vitamin-B12-Serumwert: > 400 ng/L = Mangel unwahrscheinlich, < 200 ng/L = B12-Mangel
  • Holo-TC: Deutlich sensitiver, > 50 pmol/l = Mangel unwahrscheinlich, < 35 pmol/L = B12-Mangel
  • Methylmalonsäure: Mit Holo-TC zu bestimmen, 9–32 µg/L = Mangel unwahrscheinlich, > 32 µg/L = B12-Mangel
  • Hämoglobin-Wert: Bei Mangel ggf. verringert
  • MCV/MHV: Bei Mangel ggf. erhöht

Häufige Patientenfragen

Kann ich Nahrungsergänzungsmittel rezeptfrei erwerben?

Dr. Dr. T. Weigl
Nahrungsergänzungspräparate sind keine Medikamente und können entsprechend ohne Rezept in der Apotheke oder in Drogerien erworben werden. Per Definition können sie keine Beschwerden oder Erkrankungen heilen und zählen daher zu den Lebensmitteln. Allerdings sollten Sie einige Dinge beachten, bevor Sie die nächstbeste Packung an Nahrungsergänzungsmitteln kaufen:

  • Keine Wirkung ohne Nebenwirkung: Auch wenn Nahrungsergänzungsmittel nicht zu den Medikamenten zählen, können sie dem Körper schaden und überdosiert zu unerwünschten Wirkungen führen. Sprechen Sie sich daher vor einer eigenmächtigen Einnahme mit einer Ärztin oder einem Arzt ab.
  • Aufpassen bei Produkten aus dem Internet: Hersteller werben gerne mit natürlichen Inhaltsstoffen. In einigen Fällen ist die Zusammensetzung jedoch nicht überschaubar und kann nach Einnahme zu gefährlichen Gesundheitsschäden führen.
  • Beachten Sie mögliche Neben- oder Wechselwirkungen: Diese hängen häufig mit Allergien gegen Inhaltsstoffe zusammen. Die Symptome können Unwohlsein, Bauchschmerzen oder Durchfälle umfassen. Auch können bestimmte Stoffe mit Medikamtenen wechselwirken und dadurch zu unerwünschten Effekten führen.

Ich ernähre mich seit einigen Wochen vegan, habe ich nun einen Vitamin-B12-Mangel?

Dr. Dr. T. Weigl
Wenn Sie sich ausgewogen und gesund ernähren und gerade erst mit der veganen Ernährung angefangen haben, müssen Sie sich über einen Mangel an Vitamin B12 wahrscheinlich keine Sorgen machen. Dennoch sollten Sie Ihre Werte zeitnah überprüfen lassen und sich ein vernünftiges Präparat zur Substitution des Vitamins besorgen. Sollten Sie diese Ernährungsweise langfristig durchführen, sollte Ihr Arzt Ihren Holo-TC-Wert kontrollieren, damit ein Mangel nicht durch unklare Serumwerte übersehen wird.

Kann ich einen Vitamin-B12-Mangel haben, auch wenn ich tierische Produkte esse?

Dr. Dr. T. Weigl
Grundsätzlich sollten Sie mit einer gesunden und vollwertigen Ernährung ausreichend mit allen Vitaminen und Mikronährstoffen versorgt sein. Trotzdem haben deutlich mehr Menschen in Deutschland einen zu geringen Spiegel an Vitamin B12, als es Veganer bei uns gibt (ca. 1 %). Besonders Risikogruppen wie Schwangere, ältere Menschen, Kinder oder chronisch Kranke können einen Mangel haben. So ist der Vitamin-B12-Wert bei 10–30 % der über 75 Jährigen zu gering. Sollten Sie Anzeichen eines Mangels, wie Kribbeln und Taubheitsgefühle, Erschöpfung oder Vergesslichkeit bemerken, suchen Sie unbedingt eine Ärztin oder einen Arzt auf.

Ich habe im Internet einen Vitamin-B12-Test bestellt. Kann ich damit zuverlässig einen Mangel feststellen?

Dr. Dr. T. Weigl
Vorsicht bei Tests aus dem Internet! Häufig soll ein kleiner Tropfen Blut ausreichen, um die Versorgung zuverlässig zu überprüfen. Allerdings ist hier oft unklar, welche Techniken hinter der Untersuchung stecken und ob diese wissenschaftlich geprüft sind. Darüber hinaus werden Ihnen die Ergebnisse anschließend ggf. einfach zugeschickt, ohne weitere Erklärung. Durch die relativ weite Spannbreite des „Normalbereichs“ des Vitamin-B12-Serumwertes von 200–1000 ng/L können die Ergebnisse Ihnen gegebenenfalls nicht weiterhelfen und Sie müssen anschließend dennoch einen Mediziner aufsuchen. Liegen Ihre Werte außerhalb des angegebenen Bereiches, ist es sogar unbedingt notwendig, mit einem Arzt darüber zu sprechen! Daher empfiehlt es sich, die Tests lieber direkt an zuverlässiger Stelle durchführen zu lassen.

Was sind Folsäuren?

Dr. Dr. T. Weigl
Als Folsäuren bezeichnete man früher die Vitamine B9 bzw. B11. Sie gehören zur Gruppe der wasserlöslichen Vitamine. Wie viele andere Mikronährstoffe auch, müssen wir Folsäure über unsere Nahrung aufnehmen. Der Begriff Folsäure bezieht sich hierbei eigentlich auf die synthetisch hergestellten Substanzen, während der natürliche Stoff von Medizinern als Folat bezeichnet wird. Folsäure finden wir vor allem in grünem Blattgemüse wieder. Der Name Folsäure stammt von lateinischen Wort ‚folium‘, also „Blatt“ und spiegelt diese Quelle wider.

Welche Tagesdosis Vitamin B12 benötige ich?

Dr. Dr. T. Weigl
Der Tagesbedarf an Vitamin B12 liegt bei 4 µg, Dies gilt für Erwachsene sowie für Jugendliche ab 13 Jahren. Die bereits angesprochene Gruppe der Schwangeren oder Stillenden benötigt einen etwas höheren Tagessatz, der zwischen 4,5 und 5,5 µg liegt. Die hier angegeben Tageswerte können Sie über Ihre gewohnte Ernährung decken, wenn Sie tierische Produkte konsumieren. In Schwangerschaft und Stillzeit ist es dennoch angeraten, Ihre Blutwerte regelmäßig untersuchen zu lassen. Die Tagesdosis für Säuglinge und Kinder ist deutlich geringer und liegt zwischen 0,5 und 3,5.

Typisches Patientenbeispiel

Swetlana überlegt seit längerem, sich vegan zu ernähren. Sie hat sich ausgiebig mit den Haltungsbedingungen von Tieren auseinandergesetzt. Ihre Familie ist von ihrem Vorhaben nicht besonders begeistert. Besonders ihre Mutter hat kritisch angemerkt, dass sie dann wohl einen ganzen Tablettencocktail zu sich nehmen müsste, um die vielen „fehlenden Nährstoffe“ zu erhalten. Swetlana ist nun etwas verunsichert: Bei ersten Nachforschungen findet sie tatsächlich ein Forum, in dem Veganerinnen und Veganer ihre Erfahrungen zu dem Thema schildern. Ein User empfiehlt, Vitamin-B12-Ergänzungsmittel zu nehmen. Sie notiert sich dies und beschließt, sich bei ihrer Hausärztin bezüglich der veganen Ernährung beraten zu lassen.

„Wenn Sie sich vegan ernähren wollen, sollten Sie tatsächlich ein solches Präparat einnehmen“, empfiehlt die Hausärztin. „Ist ein Mangel denn wirklich so gefährlich?“, fragt Swetlana vorsichtig. „Nun, mit einem Vitamin-B12-Mangel ist schon nicht zu Spaßen! Sie könnten dadurch neurologische Schäden und eine Anämie entwickeln. Am besten wird es sein, wenn wir Ihre Werte regelmäßig untersuchen. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und vergessen Sie auch das Eisen nicht! Grundsätzlich spricht nichts gegen eine solche Ernährungsumstellung, Sie sollten sich aber wirklich gründlich mit allen Nährstoffen befassen. Und bitte melden Sie sich, falls sie sich irgendwie müde und abgeschlagen fühlen!“

Nach dem Arztbeusch ist Swetlana beruhigt. Zum Glück erhielt sie eine kompetente Beratung. Ihre Ärztin hat ihr sogar gleich ein geeignetes Vitaminpräparat empfehlen können. Sie beschließt, dieses gleich zu besorgen und sich im Anschluss noch einmal gründlich mit einer gesunden veganen Lebensweise auseinanderzusetzen, anstatt es einfach loszulegen. Denn irgendeinen Mangel möchte sie dann doch nicht riskieren!

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Andrea Lorenz, Arlen-Celina Lücke
Lektorat: Tobias Möller
Veröffentlicht: 23.01.2019
Letzte Überarbeitung: 31.03.2020

Quellen

  • Allgemeinarzt Online (2016): Vitamin-B12-Mangel – Frühzeitig gegensteuern, Langzeitschäden verhindern. In: allgemeinarzt-online.de
  • Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2018): Nahrungsergänzungsmittel.
  • Deutsches Ärzteblatt Online (2017): Nahrungsergänzungsmittel: Deutsche setzten vor allem auf Magnesium. In: aerzteblatt.de.
  • Deutsches Ärzteblatt Online (2019): Referenzwert für Vitamin-B12-Zufuhr um ein Drittel angehoben. In: aerzteblatt.de.
  • Deutsches Ärzteblatt Online (2008): Ursachen und frühzeitige Diagnostik von Vitamin-B12-Mangel. In: aerzteblatt.de.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: Vitamin B12 (Cobalamine). In: dge.de.
  • Theodore M. Brasky u. a. (2017): Long-Term, Supplemental, One-Carbon Metabolism–Related Vitamin B Use in Relation to Lung Cancer Risk in the Vitamins and Lifestyle (VITAL) Cohort. In: Journal Of Clinical Oncology.
  • Klinisches Wörterbuch Pschyrembel Online: Vitamin B12. In: pschyrembel.de
  • Claus Leitzmann u. a. (2003): Ernährung in Prävention und Therapie. Ein Lehrbuch, 2. überarbeitete Auflage. Hippokrates Verlag, Stuttgart.
  • Deutsche Apotheker Zeitung (2008):Vitamin B12 – komplexe Struktur, wichtige Funktion. In: deutsche-apotheker-zeitung.de.
  • Walter Siegenthaler und Hubert E. Blum (2006): Klinische Pathophysiologie, 9. völlig neu bearbeitete Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • David A. Smith u. a. (2010): Homocysteine-lowering by B vitamins slows the rate of accelerated brain atrophy in mild cognitive impairment: a randomized controlled trial. In: PloS one 5/9.
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