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Fettverbrennung mit L-Carnitin? Nahrungsergänzung ohne Wirkung

Abnehmen dank Pillen? Bessere Leistungen mithilfe von Kapseln? Zunächst wirken L-Carnitin-Präparate verführerisch. Auch die Grundthesen klingen zunächst logisch – Studien zeichnen allerdings ein anderes Bild.“ — Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Als „Fatburner“ soll der Ammonium-Nährstoff L-Carnitin aktiv die Fettverbrennung und Energiegewinnung unterstützen. Darüber hinaus sollen das Immunsystem und die Muskelregeneration verbessert werden. Es ist kein Wunder, dass eine Reihe von Produkten die Substanz enthalten – von Nahrungsergänzungsmitteln wie Tabletten oder Flüssigkapseln bis hin zu Proteinshakes.

Mehrere Studien haben allerdings mittlerweile gezeigt, dass die versprochenen Wirkungen so nicht haltbar sind. Weder eine höhere Leistung noch starke Abnehmeffekte setzen ein. Mehr noch kann eine dauerhafte Überdosierung zu Durchfall und Blähungen sowie Schädigungen des Herz-Kreislaufsystems führen.

Sofia ist unzufrieden. Sie hat in den letzten Wochen leider wegen der vielen Arbeit in der Uni nicht gesund essen können. Sie fühlt sich nicht wohl – ihre Waage bestätigt diesen Eindruck auch noch. Zugenommen! Na toll. Beim sonntäglichen Kaffeetrinken klagt Sofia von ihrer Mutter ihr Leid. Diese mustert ihre Tochter kritisch und holt dann eine ihrer geliebten Frauenzeitschriften aus dem Wohnzimmer. „Hier, ich habe gelesen, L-Carnitin soll beim Abnehmen helfen.“
Mit einem Stirnrunzeln überfliegt Sofia den Artikel. „Das sind Tabletten?“
„Das ist ein Nahrungsergänzungsmittel. Du weißt doch, Papa nimmt auch Vitamin D und das hilft ihm ja auch …“

Was ist L-Carnitin?

Carnitin ist eine chemische Verbindung, die eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel spielt. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort für Fleisch, carne, ab. Das ist ein Hinweis darauf, wo wir Carnitin besonders häufig finden – im Fleisch. Es gibt zwei verschiedene Varianten von Carnitin:

  • D-Carnitin
  • L-Carnitin

In der Natur taucht hauptsächlich L-Carnitin auf. In unserem Körper findet sich das Ammonium als kurz- wie langkettiges Acylcarnitin. Anders als viele andere Substanzen können wir es darüber hinaus in der Leber selbst herstellen (synthetisieren). Dies geschieht mithilfe von Aminosäuren – Lysin und Methionin. Für die verhältnismäßig langsame Synthese wird eine Reihe weiterer Stoffe benötigt: Vitamin C, Niacin, Vitamin B6, Vitamin B12, Folsäure und Eisen. Überschüssiges Carnitin wird über den Urin ausgeschieden.

Aufgaben von Carnitin im Körper

L-Carnitin fungiert als eine Art „Biocarrier“, als ein Shuttlebus für zu verwertende Fette. Wie funktioniert diese Shuttlefunktion?

  • Zunächst wird das L-Carnitin mithilfe einer Acyl-CoA-Synthetase an ein Enzym gebunden.
  • Im nächsten Schritt wandelt die nun entstandene Carnitin-Palmitoyl-Transferase 1 ankommende Acyl-CoA-Ester in Acylcarnitinestern
  • Der Acylcarnitinester ist nun in der Lage, die Zellmembran des Mitochondriums zu queren. Mitochondrien sind Zellen, die der Gewinnung von Energie aus Zucker (‚Glucose’) dienen.
  • Schließlich wird der Biocarrier regeneriert, sodass es als Acyl-CoA-Ester wieder einsatzbereit ist.

Der hier beschriebene Vorgang wird von Medizinern auch β-Oxidation (Beta-Oxidation) genannt bzw. Oxidation von Fettsäuren. Carnitin leistet also einen wichtigen Beitrag zur Energiegewinnung und Fettverbrennung des Körpers. Darüber hinaus ist es an weiteren Stoffwechsel direkt beteiligt:

  • Ausscheidung organischer Säuren
  • Übertragung von Phosphaten von einer Zelle zur anderen (sog. ‚Phosphorylierung’)

In welchen Nahrungsmitteln ist L-Carnitin enthalten?

Auch wenn Menschen Carnitin eigenständig synthetisieren können, haben wir die Möglichkeit, den Nährstoff auch über verschiedene Lebensmittel aufzunehmen. Das sind sowohl pflanzliche als auch tierische Produkte. Gerade Menschen, die einen vegetarischen oder veganen Lebensstil pflegen, sollten beachten, dass der Großteil der carnitinhaltigen Lebensmittel tierischen Ursprungs sind. Besonders viel L-Carnitin findet sich in Schaffleisch (210 mg/100 g), Rindfleisch (70 mg/100 g) und Schweinefleisch (30 mg/100 g). Neben Fleisch finden wir den Stoff auch in Fisch, Milch und Käse. Zu den nicht-tierischen Carnitin-Lieferanten gehören verschiedene Pilze. Besonders ergiebig sind dabei getrocknete Steinpilze, Spitzmorcheln und Pfifferlinge.

Achtung!
Wenn Sie Lebensmittel zubereiten, sollten Sie bedenken, dass der Stoff wasserlöslich ist. Wenn Sie also beispielsweise rotes Fleisch garen wollen, wird ein Großteil des darin enthaltenen Carnitins gelöst und verschwindet.

Synthetische Herstellung von L-Carnitin

Das L-Carnitin für Nahrungsergänzungsmittel wird industriell hergestellt. Es gibt zwei Verfahrenstypen: eine rein chemische Herstellung und eine chemisch-biologische. Die Industrie hat auf diese Weise verschiedene synthetische Varianten von Carnitin entwickelt. Diese sind allerdings nur eingeschränkt in der Pharmazie und der Lebensmittelindustrie einsetzbar:

  • L-Carnitin Tartrat: Das Tartrat besteht aus L-Carnitin und Weinsäure. Es ist nur schwach wasserbindend und wird als Pulver hergestellt. Es wird meistens in Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt.
  • L-Carnitin Fumarat: Dieser Typ ist ein als weißes Pulver und überdurchschnittlich sauer. Zudem ist es schwer löslich. Fumarat ist innerhalb der Europäischen Union nicht auf dem Markt zugelassen. Es besteht sowohl aus L-Carnitin als auch aus Fumarsäure. Fumarsäure ist ein Zusatzstoff für Lebensmittel, welcher nur eingeschränkt genutzt werden darf. Fumarsäure wird aus Pflanzen gewonnen und normalerweise gegen Schuppenflechte (sog. ‚Psoriasis’) angewendet. Seit 2014 wird Fumarsäure auch bei schubförmiger Multipler Sklerose eingesetzt.
  • L-Carnitinhydrochlorid (HCL): Auch diese Form ist als weißes Pulver erhältlich. HCL besteht großenteils aus L-Carnitin und Salzsäure. Entsprechend sauer riecht und schmeckt es auch
  • Gecoatetes L-Carnitin: Diese Art des Carnitins kann Wasser binden und kann in festen Produkten verarbeitet werden. Es ist allerdings nicht wasserlöslich.
  • Acetyl-Carnitin-Ester: Diese Verbindungen sind auch Teil der körpereigenen β-Oxidation, sind allerdings in künstlicher Variante in der EU nicht zugelassen.
  • D-Carnitin: Diese Version ist giftig und darf deswegen überhaupt nicht angewendet werden.

L-Carnitin als Abnehmhelfer

Gerade Sportler und Sportwissenschaftler haben sich in den letzten Jahren ausgiebig mit dem Energielieferanten auseinandergesetzt. So lautet ihre Grundannahme, dass je mehr L-Carnitin als Transportmittel zur Verfügung steht, umso mehr Fettsäuren in Energie umgewandelt werden können. Die Folge wäre eine Leistungssteigerung – gerade für Sportler oder Menschen, die abnehmen möchten, wäre dies hilfreich. So erhofft man sich durch die Nahrungsergänzungsmittel eine Art Trainingseffekt. Belegt ist dies jedoch nicht (siehe unten).

Weitere Effekte von Carnitin

Carnitin soll neben der gesteigerten Fettverbrennung und erhöhten Energiegewinnung weitere Prozesse im Körper anstoßen, die positiv sind:

  • Verbesserung der Blutwerte
  • Positiver Einfluss auf das Herz bei Herzerkrankungen
  • Steigerung der Sensitivität für Insulin
  • Förderung der Regeneration von Muskeln
  • Reduzierung von Stress

L-Carnitin im Sport

L-Carnitin wird gerne von Sportlern verwendet. So geben Sportwissenschaftler an, dass die Aufnahme am besten zwei Stunden vor dem Wettkampf oder der Trainingseinheit erfolgen solle. Gerade Sportler, die eine Langzeitbelastung wie beim Marathon oder Straßenradfahren vor sich haben, nehmen vorher zwei bis vier Gramm L-Carnitin zu sich. So sollen insgesamt folgende Parameter verbessert werden:

  • Belastungsverträglichkeit
  • Stimulierung des Immunsystems
  • Erhöhter Zellschutz
  • Beschleunigung der Regeneration

Empfohlen wird die Einnahme von mehreren kleinen Dosen am Tag von maximal 1 g. Grundsätzlich sollen zwei bis drei solcher Dosen ausreichen.

L-Carnitin als Nahrungsergänzungsmittel

L-Carnitin ist seit Jahren als Nahrungsergänzungsmittel käuflich zu erwerben. Die meisten Verbraucher erhoffen sich, davon abzunehmen, aber auch, bessere Ergebnisse im Sport zu erzielen. Solche Produkte bestehen entweder aus L-Carnitin-Basen, L-Carnitin Tartrate, Acetylcarnitin oder Carnitinhydrochlorid. Hersteller bewerben ihre Supplemente als Fatburner-Produkte, die die Gewichtsreduktion erleichtern sollen.

Der Mittel ist vornehmlich in Tablettenform erhältlich, aber auch als Kapseln oder Ampullen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind. Darüber hinaus bieten die Hersteller Kombipackungen an, die zusätzlich Omega-3-Fettsäuren, Magnesium und Vitamine anbieten.

Neben den Tabletten können Sie außerdem Eiweißshakes und Kohlenhydratgels in Drogerien, Apotheken und Sportstudios kaufen.

Videoexkurs: Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren finden sich in den sog. Fischölkapseln und sollen gegen Erkrankungen des Herzkreislaufes helfen. Doch stimmt das? Dr. Tobias Weigl geht dem Mythos nach und klärt alle wichtigen Fragen um Fischölkapseln! Lesen Sie dazu die folgenden Artikel und sehen Sie sich den Videobeitrag dazu an!

Sind L-Carnitin-Präparate sinnvoll?

Inwieweit Carnitin-Supplemente tatsächlich das halten, was sie versprechen, ist nach dem aktuellen Forschungsstand fraglich. So haben Tierversuche gezeigt, dass Carnitin den Umbau des Körpers unterstützen und den Fettanteil reduzieren kann. Gleichzeitig werde Muskelmasse erhalten. Eine immunstimulierende Wirkung konnten Forscher im Rahmen von in-vitro-Studien nachweisen, also Versuche im Labor außerhalb eines lebenden Organismus. Das Problem hierbei ist, dass solche Studien nicht unter realen Bedingungen (‚in vivo’) stattfinden, wie sie in der Natur herrschen, sondern in klinischen Laboren.

Die These, dass ein höherer L-Carnitin-Spiegel zu mehr Energie führt, wird in der Medizin allerdings abgelehnt. Energieherstellung und -bereitstellung hängen mit anderen Aspekten zusammen. Entscheidend ist die Anzahl bestimmter Enzyme sowie der Transport von Sauerstoff zu den Mitochondrien. Laut Fachleuten spielt die Transportkapazität von des Carriers in der Hinsicht kaum eine Rolle. Bewiesen wurde dies in einer Reihe von Studien, in denen die Versuchsteilnehmer Nahrungsergänzungsmittel mit L-Carnitin genommen haben. Die Studien konnten keine Leistungssteigerung nachweisen. Wissenschaftler weisen zudem darauf hin, dass die enthaltene Menge in Nahrungsergänzungsmitteln den Carnitin-Spiegel in den einzelnen Zellen kaum erhöhen können.

Achtung!

Studien, die von der Wirksamkeit von L-Carnitin für die Energiegewinnung berichten, sind häufig wissenschaftlich nicht haltbar. So sind einige nicht kontrolliert worden und damit methodisch fragwürdig. Häufig ergeben sich innerhalb der Studien Fragen und finden sich Widersprüchlichkeiten. Nicht auszuschließen ist, dass die gefühlte Leistungssteigerung von Teilnehmern von einem Placeboeffekt herrührt. Lesen und hinterfragen Sie Studien daher grundsätzlich!

Muss ich Neben- oder Wechselwirkungen beachten?

Da wir mit Lebensmittel und körpereigener Synthese zwei Carnitin-Quellen besitzen, kann es bei einer zusätzlichen Gabe von Supplementen über eine längere Zeit zu einer Überdosis kommen. Die Folgen sind Durchfall, Übelkeit und die Entstehung von Darmgasen, die einen charakteristischen Fischgeruch besitzen. Eine langfristige Überdosierung kann sich zudem negativ auf das Herz-Kreislaufsystem auswirken: Es kommt zu einer Schädigung der Arterien und des Herzens.

Problematisch ist auch, dass bei zu viel Carnitin im Körper (etwa durch Supplemente) die eigene Produktion aufhört. Das kann problematisch sein, wenn Sie mit der Nahrungsergänzung aufhören.

Aus der Forschung: Rotes Fleisch kann Herzerkrankungen fördern

Zu viel rotes Fleisch – und damit L-Carnitin – können das Risiko für Herzerkrankungen steigern. US-amerikanische Forscher haben 2013 in einer Tierstudie herausgefunden, dass sich bei einem erhöhten Verzehr von rotem Fleisch Plaque bildet, der sich in den Herzgefäßen absetzt. Das nennt sich Arteriosklerose. Die Studie wurde in ähnlicher Weise mit menschlichem Probanden durchgeführt – diese hat ergeben, dass Menschen, die regelmäßig rotes Fleisch zu sich nehmen, ein erhöhtes Arteriosklerose-Risiko aufweisen. Die Wissenschaftler haben bei den Untersuchungen zudem erfahren, dass sich die Darmfloren von passionierten Fleischessern und Vegetariern stark unterscheiden. Es wird vermutet, dass der Fleischkonsum zu einer erhöhten Konzentration von Trimethylamin-Oxid-Konzentration (TMAO) führt. Dieser Wert ist auch bei Menschen, die akut an Herzerkrankungen leiden, erhöht. Wird durch regelmäßigen Fleischkonsum vermehrt Carnitin zugeführt, verändert sich die Darmflora so, dass sie die Entstehung von TMAO unterstützt. Vor allem im Hinblick auf verschiedene Nahrungsergänzungsmittel sind laut der beteiligten Forscher weitere Studien nötig.

Quelle: Stanley Hazen u. a. (2013): Intestinal microbiota metabolism of L-carnezine, a nutrient in red meat, promotes athereoslerosis. In: Nature Medicine 19.

Videoexkurs: Herzerkrankungen

Plaque-Ablagerungen in den koronaren Gefäßen dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wie entstehen solche Ablagerungen und was sind die Folgen? In einem Fernsehinterview erklärt Dr. Tobias Weigl ausführlich alles, was mit diesem Thema zu tun hat!

Haben Sie oder nehmen Sie momentan Präparate, die L-Carnitin enthalten? Traten oder treten bei Ihnen Nebenwirkungen auf? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einzuschätzen.

Wie kann ich meinen Tagesbedarf decken?

Wie viel Carnitin braucht der Körper? Die Tagesmenge, die wir aufnehmen und selbst herstellen, setzt sich wie folgt zusammen:

  • aus der Nahrung: ca. 30 g
  • Körpereigene Herstellung: ca. 15 mg

Der Körper ist aber in der Lage, weit mehr als die 45 mg zu speichern: Insgesamt 15 g Carnitin können sich in Muskeln, Leber und Nieren befinden, 95 Prozent werden allerdings in der Skelettmuskulatur gespeichert. Der Tagesbedarf  wird über die Eigenherstellung gut gedeckt.

Gut zu wissen! Mangelerscheinungen selten
Ein tatsächlicher Carnitin-Mangel kommt in der Regel sehr selten vor. Selbst die unten genannten Risikogruppen sind kaum davon betroffen.

Bei einigen Menschen liegt der Carnitin-Spiegel unterhalb der oben genannten Normwerte. Ihnen wird von Ärzten manchmal empfohlen, zusätzlich zu supplementieren:

  • Vegetarier und Veganer
  • Schwangere und stillende Frauen
  • Leistungssportler, die sich vegetarisch ernähren

Manche Institutionen empfohlen, täglich 3 Gramm zusätzlich einzunehmen. Andere Mediziner dagegen lehnen diese Dosis ab.

Gut zu wissen! L-Carnitin wichtiger Bestandteil von Muttermilch
L-Carnitin ist ein wichtiger Bestandteil der Muttermilch. Säuglinge sind noch nicht in der Lage, den Nährstoff eigenständig herzustellen. Deswegen kommt der Muttermilch eine zentrale Rolle zu. Der Stoff findet sich zudem in milchbasierter Säuglingsnahrung. Die körpereigene Synthese ist erst ab dem 15. Lebensjahr vollständig möglich.

Unser Tipp

Beachten Sie beim Zubereiten von carnitinhaltigem Fleisch, dass es aufgrund der Wasserlöslichkeit der Substanz bei Hitzeentwicklung zu Verlust von Carnitin kommt: Sie kochen damit den Nährstoff weg.

Wenn Sie gerne Nahrungsergänzungsmittel nehmen wollen, die L-Carnitin enthalten, sollten Sie zuvor mit Ihrem behandelnden Arzt sprechen. Ein Großteil der Verbraucher tut dies genau nicht. Nur so können Sie aber unliebsame Neben- oder Wechselwirkungen effektiv vermeiden. Wenn Sie im nächsten Schritt ein Präparat erwerben wollen, lassen Sie sich am besten direkt in der Apotheke beraten. Kaufen Sie keine Produkte, die nicht angeben, wie viel von dem Nährstoff darin enthalten ist! So vermeiden Sie Überdosierungen, die zu Darm- oder Herzkreislaufproblemen führen können.

Fakten-Box L-Carnitin

Nährstoff, der teilweise im Körper hergestellt wird
Wichtig für die Fettverbrennung und Energiegewinnung

Vor allem in Fleisch reichhaltig vorhanden

Von Sportlern und zum Abnehmen benutzt, Wirkung aber nicht belegbar

Als Nahrungsergänzungsmittel erwerbbar

Symptome bei Überdosierung

Häufige Patientenfragen

Kann ich unter einem L-Carnitin-Mangel leiden?

Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, an einem L-Carnitin-Mangel zu leiden, sehr gering, da unser Körper auch selbst Carnitin herstellen kann. Es ist allerdings nicht grundsätzlich unmöglich.

Ich bin Vegetarierin – brauche ich Nahrungsergänzungsmittel mit L-Carnitin?

Nicht zwingend. Studien haben ergeben, dass Vegetarier tatsächlich erheblich weniger L-Carnitin aufnehmen können. Allerdings stellt der Körper auch selbst die Substanz her. Ein echter Mangel ist zudem trotz geringer Zufuhr selten und daher unwahrscheinlich.

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Als Nahrungsergänzungsmittel werden Präparate bezeichnet, die eine oder mehrere Substanzen konzentriert beinhalten. Sie werden ergänzend zur gewohnten Ernährungsweise genommen. Nahrungsergänzungsmittel werden als Tabletten, Pulver oder Kapseln verkauft – in Supermärkten, Drogerien, Apotheken und im Internet. Zu den beinhalteten Substanzen gehören:

Nahrungsergänzungsmittel sind, auch wenn sie als gesundheitsfördernd beworben werden, keine Arzneimittel. Sie heilen keine Krankheiten. Deswegen werden sie vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit überprüft, bevor sie auf dem freien Markt zugelassen werden. Sie sollten jedoch beachten, dass Sie bei einer ausgewogenen und gesunden Ernährung in der Regel keinen Bedarf an weiteren Präparaten haben!

Nach dem Gespräch mit ihrer Mutter hat sich Sofia mit ihrer Mitbewohnerin, die angehende Apothekerin ist, zusammengesetzt und über das angebliche Wundermittel ausgetauscht. Das Ergebnis der Recherche ist ernüchternd. „Da hilft nichts“, sagt die Mitbewohnerin mit einem Augenzwinkern zu Sofia, während sie die Lehrbücher wieder wegstellt: „Gesunde Ernährung und Bewegung sind nun mal die besten Mittel!“ Zähneknirschend gibt Sofia ihr recht. Insgeheim ist sie froh, nicht sofort in die nächste Drogerie gefahren zu sein und sich ein Präparat geholt zu haben.

Verwandte Themen

Haben auch Sie Erfahrungen mit L-Carnitin oder der Gewichtsreduktion mit dem Supplement? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Andrea Lorenz
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht: 20.03.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Peter Billigmann und Stefan Siebrecht (2004): Physiologie des L-Carnitins und seine Bedeutung für Sportler. Schlütersche-Verlag, Hannover.
  • Hans-Konrad Biesalski u. a. (Hrg.) (2004): Ernährungsmedizin. Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer. 3., erweiterte Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • rme/aerzteblatt.de (2013): Darmflora, Carnitin und das kardiale Risiko von Fleischessern. In: Deutsches Ärzteblatt online.
  • H.-H. Dickhuth u. a. (Hrg.) (2007): Sportmedizin für Ärzte. Lehrbuch auf der Grundlage des Weiterbildungssystems der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). Deutscher Ärzte-Verlag, Köln.
  • Stanley Hazen u. a. (2013): Intestinal microbiota metabolism of L-carnezine, a nutrient in red meat, promotes athereoslerosis. In: Nature Medicine 19.
  • Bernd Kerschner (2016): Ist rotes Fleisch ungesund fürs Herz? In: Medizin Transparent.
  • Georg Neumann (2016): Ernährung im Sport. 8., überarbeitete Auflage. Meyer und Meyer Verlag, Aachen.
  • Renata Micha, Sarah K. Wallace und Dariush Mozaffarian (2010): Red and Processed Meat Consumption and Risk of Incident Coronary Heart Disease, Stroke, and Diabetes Mellitus. In: Circulation 121, S. 2271–2283.
  • Katrin Raschke und Sven-David Müller (2004): Das Kalorien-Nährwert-Lexikon. 2., überarbeitete Auflage. Schlütersche-Verlag, Hannover.
  • Philipp Rauscher (2018): Handbuch Nahrungsergänzung. Die besten Supplements für mehr Leistung und Energie im Sport und im Leben. Riva-Verlag, München.
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