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Metformin – das orale Antidiabetikum bei Diabetes Mellitus und zum Abnehmen

Metformin auf einen Blick

Was ist Metformin?

  • Blutzuckersenkendes Mittel in Tablettenform für Diabetes Typ 2-Patienten

Wie wirkt Metformin?

  • Blutzuckersenkend, Wirkeintritt aber erst nach einigen Behandlungstagen
  • Bei gesunden Menschen wirkungslos

Wann wird Metformin angewendet?

  • Bei Diabetes Typ 2, vor allem bei gleichzeitigem Übergewicht
  • Versuch, Diabetes Typ 2 mit Sport, Abnehmen und Diät in den Griff zu bekommen, geht voraus

Welche Nebenwirkungen können bei einer Metformin-Einnahme auftreten?

  • Vor allem Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Appetitverlust
  • Sehr selten, aber mitunter lebensbedrohlich: Laktatazidose

Wann darf man Metformin nicht einnehmen?

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Schwangerschaft und in der Stillzeit
  • stark eingeschränkter Nierenfunktion (sog. Niereninsuffizienz)
  • akuter und instabiler Herzschwäche (sog. Herzinsuffizienz)
  • Diabetes-Koma und Präkoma
  • Ketoazidose infolge von Diabetes

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

„Metformin senkt als Tablette den Blutzuckerspiegel bei Typ-2-Diabetes-Patienten. Eine Insulinspritze entfällt, die Einnahme ist aber an gewisse Bedingungen gebunden.“
— Dr. Dr. Tobias Weigl

Spritzen sind nicht die angenehmste Form der Medikamenten-Einnahme, davon können viele Diabetes-Patienten ein Lied singen. Eine Tablette, die man nur zu schlucken braucht, um den Blutzucker zu senken – diese Option bieten orale Antidiabetika wie Metformin. Das Medikament hat stark an Bedeutung gewonnen, weil es in Langzeitstudien gute Erfolge aufweisen konnte: Bei Patienten mit Diabetes Typ 2, die über 20 Jahre Metformin einnahmen, konnte die Sterblichkeit um 36 Prozent gesenkt werden im Vergleich zu Patienten, die allein diätetisch behandelt wurden. Das Medikament ist vor allem für übergewichtige Diabetiker geeignet, bei denen Diät und Sport den Blutzucker nicht erfolgreich senken können. Allerdings darf nicht jeder Diabetes-Patient dieses Medikament einnehmen. Warum dies so ist, welche Wirkungen das Medikament genau im Körper hat und welche Nebenwirkungen es zu beachten gilt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist Metformin?

Metformin ist ein sogenanntes orales Antidiabetikum, also Wirkstoff einer schluckbaren Tablette, die den Blutzuckerspiegel von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 („Zuckerkrankheit“) reduziert. Metformin gehört zur Wirkstoffgruppe der Biguanid-Derivate. Es wird insbesondere bei Typ-2-Diabetes-Patienten mit Übergewicht angewendet.

Zur Geschichte des Medikaments

Erstmals auf den Markt kam Metformin als Medikament im Jahre 1958 in Großbritannien. In den USA wurde der Wirkstoff erst in den 90er Jahren zugelassen. Seine blutzuckersenkende Wirkung wurde erstmalig 1929 entdeckt, jedoch verlor man zunächst das Interesse an diesem Stoff. Dies ist mit der ebenfalls in den 20er Jahren des gleichen Jahrhunderts gelegenen Entdeckung von Insulin zu erklären. Als blutzuckersenkendes Hormon des Körpers beeinflusst dieses deutlich effektiver den Blutzuckerspiegel. Für die Patienten brachte das Spritzen von Insulin jedoch oft Unannehmlichkeit mit sich, vor allem vor Einführung der heutigen Injektionshilfen. Das war unter anderem ein Anstoß, die Forschungen an oralen Antidiabetika wiederaufzunehmen.

Im folgenden Video widmet sich Dr. Dr. Tobias Weigl dem Medikament im Detail und geht auf seine Vorteile sowie Nebenwirkungen und missbräuchliche Anwendung im Bodybuilding ein.

Metformin💊 Wirkung bei Diabetes & zum Abnehmen – Nebenwirkungen & Missbrauch beim Bodybuilding 👆

Welche Wirkung hat Metformin?

Metformin wirkt blutzuckersenkend, indem es die Neubildung des Einfachzuckers Glucose in der Leber hemmt. Außerdem verbessert es die Glucose-Verwertung in den peripheren Geweben von z. B. Unterschenkeln, Unterarmen oder Kopf. Die Wirkung stellt sich erst nach einigen Behandlungstagen ein. Wichtig zu wissen ist, dass die blutzuckersenkende Wirkung nicht bei gesunden Menschen erfolgt.

Gut zu wissen: Missbrauch von Metformin
Metformin soll im Körper zwei Effekte begünstigen: Die Hemmung der Aufnahme von Glucose (also Traubenzucker) in den Darm, sodass diese nicht in die Blutbahn gelangen kann, und die schnellere Glucose-Aufnahme in die Muskelzellen. Beides begünstigt, dass der Zucker nicht in Fett umgewandelt werden kann. Diese Effekte wurden bislang aber nicht sicher für Metformin nachgewiesen. Trotzdem soll es einige Bodybuilder geben, die Metformin als Supplement einnehmen um Fett abzubauen.

Was ist Diabetes und welche Typen gibt es?

Wenn wir Zucker zu uns nehmen, wird dieser normalerweise im Rahmen der Verdauung von den Darmepithelzellen aufgenommen. Von dort aus gelangt er ins Blut und kann mit Hilfe des Hormons Insulin in die Körperzellen befördert werden. In diesen wird der Zucker zur Gewinnung von Energie und der Synthese wichtiger Stoffwechselprodukte für den Körper genutzt. Das Insulin stammt dabei aus den B-Zellen der Bauchspeicheldrüse, des sog. Pankreas. Leidet man an Diabetes mellitus, ist dieser Weg gestört. Man unterscheidet hierbei verschiedene Formen des Diabetes:

  • Diabetes mellitus Typ 1: Autoimmunerkrankung, in der die B-Zellen der Bauchspeicheldrüse durch das eigene Immunsystem angegriffen und zerstört werden. Die Folge ist ein absoluter Insulinmangel. Der Zucker kann nicht mehr aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen werden.
  • Diabetes mellitus Typ 2: Vermindertes Ansprechen der Körperzellen auf (eigentlich in ausreichenden Mengen vorhandenes) Insulin. Relativer Insulinmangel. Macht sich oft erst ab 40 Jahren bemerkbar, kann genetisch und/oder durch Übergewicht bedingt sein, aber auch durch Bewegungsmangel oder zu fettreiche Ernährung hervorgerufen werden.
  • Diabetes mellitus Typ 3: Alle weiteren Formen des Diabetes, die nicht dem Typ 1 oder 2 zugeordnet werden können.
  • Diabetes mellitus Typ 4: Diabetes, der während der Schwangerschaft erstmalig auftritt. Er verschwindet meist nach der Schwangerschaft wieder, jedoch bleibt ein erhöhtes Risiko für eine spätere Entwicklung von Typ-1- oder Typ-2-Diabetes.

Für weitere Informationen zu Diabetes mellitus lesen Sie gerne unseren Artikel:

Diabetes mellitus / Zuckerkrankheit – Symptome und Behandlung

Oder schauen Sie sich den nachfolgenden Video-Beitrag von Dr. Dr. Tobias Weigl an, wenn Sie wissen möchten, welche gesundheitlichen Folgen die Krankheit mit sich bringen kann.

Diabetes und die Folgen: Nervenschäden, Durchblutungsstörungen, Diabetischer Fuß, Polyneuropathie

Vorteilhafte Wirkungen von Metformin

Da durch Metformin keine Insulinfreisetzung im Körper erfolgt, gerät der Patient in der Regel auch nicht in die Gefahr einer Unterzuckerung (sog. Hypoglykämie). Ausgenommen hiervon wäre der gleichzeitige Konsum größerer Mengen Alkohol. Beim gesunden Menschen hat das Antidiabetikum keine Wirkung und senkt den Blutzuckerspiegel folglich nicht. Eine wichtige sekundäre Wirkung von Metformin ist, dass es die Gewichtsreduktion erleichtert. Da Diabetes Typ 2-Patienten oft übergewichtig sind, ist dies vorteilhaft.

Ein gewichtiges Problem von Diabetes-Patienten ist das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dieses Risiko senkt Metformin, indem es High Density Lipoprotein-Cholesterin, also HDL oder „gutes Cholesterin“ im Blut erhöht. Das „schlechte Cholesterin“, fachlich unter dem Namen Low Density Lipoprotein Cholesterin (LDL-Cholesterin) bekannt, wird hingegen gesenkt wird. Insgesamt wird dadurch der Gesamt-Cholesterinspiegel verringert. Weil zu viel Cholesterin im Blut zu schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie z. B. Gefäßverkalkungen (sog. Arteriosklerose) führen kann, deren Folge ein Infarkt sein kann, ist dies eine wichtige zusätzliche Wirkung von des Medikaments. Kein anderes Medikament unter den oralen Antidiabetika zeigt diesen Zusatzeffekt.

Was sind die Anwendungsgebiete von Metformin?

Diabetes Typ 2

Angewandt wird Metformin bei Diabetes Typ 2 zur Blutzuckernormalisierung. Am Anfang der Behandlung steht zunächst der Versuch, durch Diät, Sport und Gewichtabnahme den Blutzucker zu regulieren. Ist dies jedoch erfolglos, kann Metformin verschrieben werden. Das Medikament wird insbesondere bei übergewichtigen Typ-2-Diabetes-Patienten eingesetzt, da es das Abnehmen unterstützt. Es kann auch in Kombination mit anderen Antidiabetika-Tabletten oder Insulin-Spritzen eingenommen werden.

Polyzystisches Ovarialsyndrom

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Behandlung des Polyzystischen Ovarialsyndroms. Hierbei handelt es sich um eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen geschlechtsreifer Frauen (4–12 Prozent in Deutschland). Das hormonelle Gleichgewicht ist dabei derart gestört, dass es zu Zyklusstörungen wie einem Ausbleiben des Eisprungs und infolgedessen auch zu einer Unfruchtbarkeit kommen kann. Die Sensitivität für Insulin ist bei diesen Patientinnen verringert, wodurch hohe Blutzuckerwerte entstehen. Metformin kann diese erhöhten Werte senken. Dies ist ein sog. off-label use, was bedeutet, dass das Medikament für diese Anwendung nicht von den Arzneimittelbehörden zugelassen ist. Es wird dennoch verwendet, weil sich der Arzt aufgrund aktueller Studien einen therapeutischen Nutzen für den Patienten verspricht. Der behandelnde Mediziner haftet selbst für den Therapieeffekt.

Gut zu wissen: off-label use – gar nicht so unüblich?
Gültige Leitlinien und wissenschaftliche Literatur bilden die Grundlage für einen off-label use. Diese Art der Medikation ist also nicht einfach aus der Luft gegriffen. Auf der Kinderstation eines Krankenhauses gehört es zum Alltag, Medikamente off-label anzuwenden, da nur wenige Medikamente auch für Kinder zugelassen sind. Für die behördlich genehmigte Anwendung bräuchte man klinische Studien, die jedoch sehr kostenintensiv sind.

Was sind die Nebenwirkungen von Metformin?

Eine Wirkung geht immer mit potentiellen Nebenwirkungen einher. So auch bei Metformin.
Die folgende Auflistung von Nebenwirkungen ist geordnet nach der Häufigkeit, mit der sie auftreten. Dabei gilt für die Angabe „sehr häufig“ ein Aufkommen von ≥1/10 (mehr als 1 von 10 Behandelten), für „häufig“ ≥1/100 bis <1/10 (1 bis 10 Behandelte von 100), für „gelegentlich“ ≥1/1.000 bis <1/100, für „selten“ ≥1/10.000 bis <1/1.000 und für die Angabe „sehr selten“ ein Aufkommen von <1/10.000 (weniger als 1 Behandelter von 10.000).

Sehr häufige Nebenwirkungen:

Diese Verdauungsprobleme treten meist zu Beginn der Behandlung mit Metformin auf. Vorbeugend hilft es, die Tagesdosis in mehrere kleinere Dosen aufzuteilen und über den Tag verteilt zu nehmen. Ebenso ist es möglich, Metformin mit oder kurz nach der Mahlzeit einzunehmen.

Selten kommt es zu Laktatazidose mit diversen Beschwerden

Häufige Nebenwirkungen:

  • Geschmacksveränderungen

Sehr seltene Nebenwirkungen:

  • Übersäuerung des Blutes mit Milchsäure (sog. Laktatazidose)
  • Auffällige Leberfunktionswerte bzw. Hepatitis

Die Laktatazidose ist zwar sehr selten, hat aber schwerwiegende gesundheitliche Folgen, vor allem bei gleichzeitiger Niereninsuffizienz. Die Symptome einer Laktatazidose sind zunächst unspezifisch: Starke Müdigkeit, gestörtes Allgemeinbefinden, Atemschwierigkeiten, Übelkeit und Magenschmerzen mit Muskelkrämpfen. Hinzu kommen im weiteren Verlauf eine erniedrigte Körpertemperatur und ein erniedrigter Herzschlag (sog. Bradykardie).

Achtung!
Wenn Sie die Symptome einer Laktatazidose bei sich feststellen, suchen Sie sofort einen Arzt auf! Diese Übersäuerung des Blutes kann zum Koma führen! Beenden Sie sofort die Einnahme von Metformin.

Sollten Sie an sich Nebenwirkungen beobachten, die hier nicht aufgeführt sind, informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker darüber. Sie können auch direkt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (kurz BfArM) benachrichtigen. Dadurch tragen Sie dazu bei, dass die Sicherheit des Arzneimittels durch mehr Informationen steigt.

Die mögliche Nebenwirkung der Laktatazidose schreckt einige Diabetiker ab. Sie ist jedoch sehr selten. Welche Nebenwirkungen haben Sie bei sich schon beobachten können, wenn Sie Metformin eingenommen haben? Mehrere Antworten sind wählbar. Durch Ihre Teilnahme helfen Sie anderen Patienten, Nebenwirkungen besser einschätzen zu können.

Auf einen Blick – Metformin

  • Metformin aus der Wirkstoffgruppe der Biguanid-Derivate

Wirkung

  • Blutzuckersenkung beim Typ-2-Diabetes-Patienten

Anwendungsgebiete

  • Diabetes Typ 2, wenn Diät und Sport den Blutzuckerspiegel nicht ausreichend senken
  • vor allem bei Diabetes-Patienten mit Übergewicht
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (off-label use)

Wichtigste Nebenwirkungen

  • Verdauungsprobleme wie Übelkeit, Magenschmerzen, Durchfall und Appetitverlust
  • veränderter Geschmack
  • sehr selten Laktatazidose

Darreichungsform

  • Tablette zu 850 mg oder 1.000 mg Wirkstärke

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen existieren für Metformin?

Als Kontraindikation bezeichnet man einen Umstand, der gegen eine bestimmte Therapie oder ein bestimmtes Medikament spricht, weil es sonst zu nachteiligen gesundheitlichen Folgen kommen kann. Man bezeichnet dies auch als Gegenanzeige.

Zu den Kontraindikationen von Metformin zählen:

  • Empfindlichkeiten den Arzneistoff betreffend
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • die Einnahme von Arzneimitteln, die den Blutzucker erhöhen können (z. B. Cortison und Sympathomimetika)
  • Diabetisches Koma und Präkoma
  • Ketoazidose bei Diabetes
  • akute und instabile Herzschwäche

In der Schwangerschaft sollte Metformin nicht angewendet werden. Stattdessen wird empfohlen, auf Insulin auszuweichen und so den Blutzuckerspiegel zu regulieren.
Auch in der Stillzeit ist eine Einnahme zu vermeiden, da das Medikament in die Muttermilch übergeht. Es wurden bislang zwar keine Nebenwirkungen bei gestillten Säuglingen bemerkt, jedoch gibt es nicht genug Daten, um eine Allgemeingültigkeit abzuleiten.

Wechselwirkungen vor allem mit Alkohol und Cortison

Wenn mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, können diese im Körper miteinander interagieren – man spricht von Wechselwirkung. Dabei können Wirkung und Nebenwirkung verstärkt oder verringert werden oder sogar neue Effekte auftreten.

Metformin bildet da keine Ausnahme. Potentielle Wechselwirkungen bestehen bei:

  • Alkoholkonsum: erhöhtes Risiko einer Laktatazidose
  • jodhaltige Kontrastmittel: Anreicherung von Metformin und dadurch Gefahr einer Niereninsuffizienz
  • Glucocorticoide (Cortison); Saluretika (Mittel zur Steigerung der Salzausscheidung); Schilddrüsenhormone (z. B. Levothyroxin); Sympathomimetika: All diese Medikamente verringern die blutzuckersenkende Wirkung von Metformin

Aktuelle Forschung – Metformin-Einnahme auch bei Typ-1-Diabetes?

Zur Behandlung zu hohen Blutzuckers bei Typ-2-Diabetes hat sich Metformin bewährt. Es ist seit Jahrzenten erprobt und gilt als sicheres Medikament. Wie sieht der Nutzen für Typ-1-Diabetiker aus?

Bei Diabetes Typ 1 handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die einen absoluten Mangel an Insulin im Körper bewirkt. Infolgedessen sind die Patienten auf eine Zufuhr von Insulin durch Insulin-Spritzen angewiesen. Oft verordnet man zusätzlich Metformin als Begleitmedikation, um die Wirksamkeit des Insulins zu verbessern. So ist es möglich, die benötigte Insulindosis zu senken.

Eine Studie aus Glasgow untersuchte 2017 den Nutzen von Metformin bei Diabetes Typ 1. Es wurde herausgestellt, dass die primär erwartete Wirkung den Langzeitblutzucker und damit die notwendige Insulindosis zu senken, nicht signifikant eintrat. Auch das Risiko der typischen Diabetes-Folgeerkrankung Arteriosklerose konnte nicht signifikant gesenkt werden. Als vorteilige Wirkungen gelten jedoch weiterhin die erleichterte Gewichtsreduktion und die Senkung des Cholesterinspiegels.

Für die Zukunft wird jedoch noch diskutiert, ob diese beiden Vorteile den Einsatz des Antidiabetikums bei Typ-1-Diabetes rechtfertigen.

Quelle: John R. Petrie et al. (2017): Cardiovascular and metabolic effects of metformin in patients with type 1 diabetes (REMOVAL): a double-blind, randomised, placebo-controlled trial. The Lancet, Diabetes & Endocrinology. Volume 5, ISSUE 8, P597-609, August 01, 2017

Häufige Patientenfragen

Muss ich gänzlich auf Alkohol verzichten, wenn ich Metformin einnehme?

Dr. Dr. T. Weigl
Nein, aber die Menge sollte gering gehalten werden. Durch zu viel Alkohol im Blut kann es mit Metformin zu der lebensbedrohlichen Nebenwirkung der Laktatazidose kommen. Gegen den moderaten Genuss alkoholischer Getränke, vor allem mit einer kohlenhydratreichen Grundlage, spricht in den meisten Fällen nichts. Moderat bedeutet dabei: Ein kleines Glas Wein von ca. 0,1 L oder ein kleines Bier (0,25 L), dies jedoch nicht täglich!

Halten die Verdauungsbeschwerden als Nebenwirkung lange an?

Dr. Dr. T. Weigl
Nein, meist treten diese Nebenwirkungen nur am Anfang der Therapie auf. Am häufigsten klagen Patienten in dieser Phase über Durchfall. Darauf folgt eine kurze Periode ohne Nebenwirkungen, die rasch von verschiedenen anderen Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit und Bauchschmerzen abgelöst wird. Sollten die Beschwerden jedoch über Wochen anhalten, sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Welche Tipps gibt es, um die Verdauungsprobleme zu vermeiden?

Dr. Dr. T. Weigl
Die Einnahme von Metformin während oder nach einer Mahlzeit kann die Nebenwirkungen abschwächen. Außerdem hilft es, die Dosis anfangs langsam bis auf den Sollwert – in der Regel 500–1.000mg als Tablette, zwei- bis dreimal täglich – „einzuschleichen“. Ein Beispiel wäre, mit einer Tablette täglich für eine Woche zu beginnen und ab der zweiten Woche auf zweimal täglich zu steigern. Der Grund für Nebenwirkungen kann auch in den Hilfsstoffen liegen, also in dem, was außer dem Wirkstoff Metformin sonst noch in der Tablette enthalten ist. Ein Beispiel hierfür wäre Milchzucker als Tablettenbestandteil bei gleichzeitiger Laktoseintoleranz. Sprechen Sie bei Verdacht mit Ihrem Arzt, um gemeinsam Metformin-Tabletten einer anderen Firma mit anderen Hilfsstoffen abzuwägen.

Ist Metformin verschreibungspflichtig?

Dr. Dr. T. Weigl
Ja, das Medikament kann nur nach Verschreibung durch einen Arzt von der Apotheke ausgegeben werden. Dabei werden die Kosten bei Typ-1-Diabetes von der Krankenkasse übernommen, für die Diagnose Polyzystisches Ovarialsyndrom jedoch nicht. Hierbei handelt es sich um einen off-label use, der nicht offiziell von den Gesundheitsbehörden genehmigt wurde, jedoch trotzdem einen therapeutischen Nutzen erbringt.

Exkurs: Worauf Diabetiker allgemein achten müssen

Die Diagnose Diabetes ist für viele Patienten zunächst ein Schock. Sie müssen auf einige Dinge im Leben mehr achten als gesunde Menschen.

So werden z. B. durch die Krankheit oft die Nieren in Mitleidenschaft gezogen. Dies kann wiederum die Verarbeitung anderer Medikamente erschweren wird, da die Niere wichtig für viele Stoffwechselwege ist.

Ebenso müssen Diabetes-Patienten auf ihre Füße achten: Der dauerhaft hohe Blutzucker sorgt für eine Schädigung der Blutgefäße und Nervenzellen. Erkrankte ziehen sich so leichter Wunden zu, die sie kaum bemerken und die sich infizieren können. Schlimmstenfalls kann eine Amputation nötig werden. Daher müssen Diabetiker gute Fußpflege betreiben und sollten Schuhe tragen, die nicht drücken.

Grundsätzlich können sich Typ-1-Diabetiker durch das Spritzen von Insulin so wie Gesunde ernähren. Typ-2-Diabetiker sollten ihre Gesamtenergie-Zufuhr jedoch drosseln, da sie oft mit Übergewicht zu tun haben. In beiden Fällen müssen Energiezufuhr und Insulinmenge aufeinander abgestimmt werden, um keine Unter- oder Überzuckerung des Blutes zu riskieren.

Leiden Diabetes-Patienten gleichzeitig unter Bluthochdruck, ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen höher als bei Gesunden. Die Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt.
Diabetiker müssen ihren Körper also in besonderem Maße pflegen sowie eine allgemein gesunde Lebensweise an den Tag bringen.

Typisches Patientenbeispiel

„Ich gehe drei Mal die Woche Joggen, Frau Doktor Langenfeld, das versichere ich Ihnen!“, sagt Gero und hebt dabei seine Arme hilfesuchend in die Höhe. Bei ihm wurde kürzlich Diabetes Typ 2 diagnostiziert und nun versucht er, seinen Blutzuckerspiegel in den Griff zu bekommen – Diät und Sport haben nicht geholfen, zu Geros Ärger. Deshalb hat er bei seiner behandelnden Ärztin einen neuen Termin gemacht. „Also werde ich mich an Insulin-spritzen gewöhnen müssen?“ „Nein, nicht unbedingt.“, entgegnet Dr. Langenfeld, „Es gibt auch blutzuckersenkende Medikamente in Tablettenform. Die brauchen Sie nur zu schlucken, Herr Oberberg. Gerade weil Sie übergewichtig sind, wäre dieses Medikament eine gute Option. Wir sollten uns näher ansehen, ob Sie für dieses Medikament in Frage kämen, ich kenne ja Ihre Angst vor Spritzen…“

Und so kommt es, dass Gero Metformin-Tabletten verschrieben bekommt. Anfangs ist ihm oft übel und er hat Durchfall, aber bald hat er diese Nebenwirkungen nicht mehr und freut sich darüber, dass es auch mit dem Abnehmen besser klappt. Seine Blutzuckerwerte normalisieren sich durch das Medikament.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Christopher Keck
Lektorat: Arlen-Celina Lücke
Veröffentlicht: 09.08.2019 zuletzt aktualisiert: 09.08.2019

Quellen

  • Gelbe Liste. Medizinische Medien Informations GmbH.: Metformin.
  • Arzneimittelgebrauchsinformation (2014): Fachinformation Metformin HEXAL ® 1000 mg Filmtabletten
  • Ernst Mutschler et al. (2013): Arzneimittelwirkungen, 10. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft GmbH, Stuttgart.
  • John R. Petrie et al. (2017): Cardiovascular and metabolic effects of metformin in patients with type 1 diabetes (REMOVAL): a double-blind, randomised, placebo-controlled trial. The Lancet, Diabetes & Endocrinology. Volume 5, ISSUE 8, P597-609, August 01, 2017
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1 Kommentar
  • Markus Seibel
    19.08.2019 23:58

    Hallo Herr Dr. Weigl,
    ch bin sehr froh Ihren Kanal entdeckt zu haben. Habe mir großem Interesse Ihre Beiträge verfolgt. Kurz zu meiner Krankheitsgeschichte: Ich bin 65 Jahre alt, von Beruf bin ich Fachpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin. Ich arbeitete > 35 Jahr auf einer Chirurg./Neurochirg. Intensivstation einer großen Klinik der Maximalversorgung.
    Seit ungefähr 20 Jahren habe ich Diab. mellitus Typ 2, der damals mehr oder weniger ein „Zufallsbefund“ war. Spritze seitdem Insulin (Actrapid/Lantus), da ich damals Metformin nicht vertrug. HbA1c lag immer so zwischen 6-8,5%. Hatte jetzt auf einmal starke Schmerzen. Klinik stationär, kons. Orthopädie. , Absolute Spinalkanalstenose ,NPP L2/3, …. Ging zu Fuß ins Krankenhaus, wurde nach 3 Wochen entlassen und konnte mich nur noch mit dem Rollator fortbewegen. Wurde lediglich wegen den starken Schmerzen auf Hydromorphin eingestellt; anschließend 3 Woche Rea brachte keine nennenswerte Besserung. Da ich vor dem Klinikaufenthalt nur noch Dosenessen zu mir nahm, (meine Tochter die mir zuvor einkaufte, war zum Studium in Kanada) So hatte ich einen HbA1c bei Aufnahme in Krh. von 11,2%.
    Beschloss dann die Verantwortung für mein Leben in die eigene Hand zu nehmen. So habe ich nach 4 Monaten von 101kg nur noch 79,kg durch Ernährungsumstellung,sowie einen aktuellen HbA1c von 6,1%.
    Begann dann Krankengymnastik (Liebscher &Bracht) 2-3x wöchentlich und habe auf eigene Regie das Hydromorphin ausgeschlichen (Hausarzt meinte, sollte es mind. 6-8 Monate weiter nehmen.
    Habe dann den Hausarzt gewechselt, da er nicht bereit war, Blutwerte außerhalb der Norm abzunehmen, auch nicht als IGEL-Leistung. Nahm dann zu meinen alten Mikrobiologen (der damals für die meine Intensivstation zuständig war Kontakt auf, da es mir immer noch nicht so besonders ging. Der arbeitet inzwischen in einem großen Labor. Da wir ein gutes freundschaftliches Verhältnis haben, nahm er mir mir sämtliche Blutwerte ab, da mein Hausarzt außer einem kleinen und großes Blutbild nichts unternahm.
    War dann ziemlich erschrocken nach der jetzigen Blutabnahme über bestimmte Blutwerte. Z.B. Vitamin D3 Spiegel lag bei 7,2ng/ml, Leuco bei 12,8, Ery 4,1, Hämogl. 11,7, …. (bekam inzwischen Eiseninfusionen und Meddivitan i.m.)
    Besonders aufschlussreich waren die CCP-Ak (CLIA) von 292kU/L, also ein fast sicheres Zeichen für eine Rheumatoide Arthritis (jetzt wusste ich endlich wo meine Schmerzen herkamen.)
    Hört sich fast unglaubwürdig an, aber lieber Herr Dr. Weigl es war wirklich so. Ich senden Ihnen gerne die Befunde der Laborwerte zu!
    Leider ist es recht schwierig einen Rheumatologen zu finden, habe jetzt aber über die KV in Mainz einen Termin für Anfang September bekommen.

    Habe jetzt Ihre Beiträge mir fast alle angesehen/angehört, und habe jetzt die Frage, ob es Sinn macht für mich auf Metformin umzusteigen.
    Ich bedanke mich recht herzlich, dass Sie sich die Zeit genommen haben meine Zeilen zu lesen und wäre dankbar für eine Antwort, falls es Ihre Zeit zulässt. Sie können mich gerne auch telefonisch erreichen, ich werde Sie dann zurückrufen, damit es nicht Ihr Geld kostet. Meine Nr. lautet: 017635479322!
    Nochmals herzlichen Dank für Ihre Bemühungen und stellen Sie weitere Beiträge ins Netz!
    MfG
    Seibel Markus

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