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Hodenkrebs – wie werden Hodentumoren diagnostiziert und behandelt?

„Hodenkrebs betrifft vor allem Männer jüngeren Alters und ist in der Altersklasse von 25 bis 45 Jahren die häufigste Krebsart bei Männern. Dennoch ist Hodenkrebs eine eher seltene Krebsform, die gerade bei einer frühzeitigen Diagnose gut behandelt werden kann.“
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Hodenkrebs ist eine vergleichsweise seltene Krebserkrankung: Jährlich erkranken rund 4.100 Männer in Deutschland an Hodenkrebs. Damit gehört diese Erkrankungen zu den selteneren Krebsarten und macht lediglich einen Anteil von 1,6% aller neu diagnostizierten Krebserkrankungen aus. Statistisch gesehen erkranken in Deutschland 10,5 von 100.000 Männern pro Jahr. Dennoch ist sie bedeutend, da vor allem jüngere Männer an ihr erkranken und Hodenkrebs in dieser Altersgruppe sogar die häufigste Krebserkrankung bei Männern darstellt. Hodenkrebs kann tückisch sein, da er lange keine Symptome verursacht und auch die Potenz nicht beeinträchtigt wird. Bei einer frühen Diagnose sind die Heilungschancen sehr gut. Im folgenden Artikel erfahren Sie, welche Symptome dennoch auf Hodenkrebs hinweisen können, welche Risikofaktoren die Erkrankung begünstigen können und wie Hodenkrebs diagnostiziert und behandelt wird.

Timo kommt von seiner typischen Laufrunde am Wochenende wieder zurück nach Hause. Dabei hat es ziemlich stark geregnet und wirklich warm war es auch nicht. Umso mehr freut er sich auf ein heißes, gemütliches Bad, bei dem er mit schöner Musik richtig gut entspannen kann. Als er sich aber einmal gedankenlos in den Schritt fasst, erschrickt er: Irgendetwas fühlt sich nicht richtig an. Schon letzte Woche hat sich sein rechter Hoden etwas hart angefühlt: „Und irgendwie kommt der mir auch größer vor, so angeschwollen…“, denkt er für sich. Der Gedanke, dass etwas mit seinem Geschlechtsteil und dem Drumherum nicht in Ordnung sein könnte, macht ihm Angst. All das ist ihm unangenehm, aber trotzdem beschließt Timo, seinen Arzt aufzusuchen…

Was ist Hodenkrebs?

Allgemein ist „Krebs“ zunächst der Ausdruck für eine größere Gruppe von Erkrankungen, deren wichtigstes Kennzeichen ist, dass bösartige Geschwülste heranwachsen. Diese Geschwulste entstehen dadurch, dass körpereigene Zellen gewissermaßen außer Kontrolle geraten und sich ungehemmt vermehren. Entsteht eine derartige Geschwulst, spricht man von einem Tumor. Diese Tumoren werden fachsprachlich entweder als maligne oder als benigne bezeichnet, also als bös- oder gutartig. Medizinisch gesehen benennt man aber nur diejenigen Tumoren als Krebs, bei denen es sich um einen malignen Tumor handelt. Mit bösartig ist in diesem Zusammenhang gemeint, dass diese Tumoren in das umliegende Gewebe einwachsen und es zerstören. Ein großes Problem ist darüber hinaus, dass bösartige Tumoren Metastasen bilden können. Metastasen sind Tochtergeschwulste, die sich abseits des eigentlichen Tumors in anderen Körperregionen ansiedeln. Man spricht in solchen Fällen auch davon, dass der Tumor „streut“. Wenn Sie mehr grundsätzliche Informationen über Krebs erhalten möchten, empfehlen wir Ihnen, sich zusätzlich unsere folgenden Artikel anzusehen:

Wie Hodenkrebs im Detail entsteht, konnte bisher noch nicht abschließend geklärt werden. Nichtsdestotrotz ist Hodenkrebs eine Tumorerkrankung mit sehr hohen Überlebenswahrscheinlichkeiten: Nach 5 Jahren leben im Vergleich mit der gesunden, nicht von Hodenkrebs betroffenen männlichen Bevölkerungen gleichen Alters 96 von 100 Patienten. Nach 10 Jahren sind es noch 95 von 100 Patienten. Die Sterblichkeit ist dementsprechend gering: Rund 150 Männer sterben pro Jahr in Deutschland an Hodenkrebs. Zumeist wird Hodenkrebs in lediglich einem Hoden diagnostiziert. Lediglich bei 1% der Betroffenen sind beide Hoden befallen.

Videoexkurs: Fragen & Mythen über Krebs
Über Krebs kursieren viele Gerüchte, Irrtümer und Falschaussagen, wodurch Betroffene oft irritiert werden. Im folgenden Video hat sich Dr. Tobias Weigl deshalb einiger Mythen und Fragen über Krebs angenommen, um Klarheit für Patienten und Angehörige zu schaffen.

Welche Arten von Hodenkrebs gibt es?

Hoden haben unterschiedlichen Typen von Zellen, aus denen sich jeweils ein Tumor herausbilden kann. Die meisten bösartigen Tumoren der Hoden gehen von den Keimzellen aus, weswegen man auch von Keimzelltumoren spricht. Diese Keimzellentumoren werden in zwei Hauptgruppen aufgeteilt, die Seminome und die Nicht-Seminome. Das Seminom ist dabei die am häufigsten vorkommende Hodenkrebsart. Es entwickelt sich aus Spermatogonien, also aus den Vorläufern der Spermien. Nicht-Seminome hingegen ist eine Sammelbezeichnung für all diejenigen bösartigen Keimzelltumoren, die keine Seminome sind.

Videoexkurs: Tut Krebs weh?
Viele Krebspatienten leiden im Verlauf ihrer Krankheit an Tumorschmerzen. Diesem Problem wird aber eher weniger Aufmerksamkeit geschenkt, was auch damit zu tun hat, dass viele Krebspatienten ihre Schmerzen nicht adäquat äußern (können). Von den jährlich 430.000 Menschen, die jährlich in Deutschland an Krebs erkranken, sind ein Drittel zu Beginn, aber im weiteren Verlauf bis zu 90% von Tumorschmerzen betroffen. Im folgenden Video geht Dr. Tobias Weigl u.a. auf die Hauptgründe für Tumorschmerzen ein und erläutert, welche Behandlungsmöglichkeiten angezeigt sein können.

Welche Symptome verursacht Hodenkrebs?

Hodenkrebs kann sich durch bestimmte Veränderungen im Bereich des Hodens bemerkbar machen, sodass eine frühzeitige Erkennung gut möglich ist. Folgende Symptome können Anzeichen für Hodenkrebs sein:

  • Flüssigkeit sammelt sich im Hodensack an
  • Betroffene spüren ein Schweregefühl im Hodensack
  • ziehender Schmerz im Hoden, ggf. in der Leiste
  • es lässt sich eine Schwellung im Hodenbereich ertasten
  • es lässt sich ein Knoten oder eine Verhärtung am Hoden ertasten
  • ein Hoden hat sich vergrößert
  • bei fortgeschrittenem Hodenkrebs kann es sein, dass aufgrund einer Vergrößerung der Lymphknoten im hinteren Bauchraum zusätzlich Rückenschmerzen auftreten

Falls diese Symptome bei Ihnen auftreten, heißt das nicht, dass Sie zwangsläufig an Hodenkrebs erkrankt sind. Möglicherweise liegt lediglich eine andere Erkrankung vor. Nehmen Sie die Symptome dennoch ernst und suchen Sie früh einen Arzt auf. Erst seine Diagnose kann Gewissheit geben, vorher die Veränderungen im Hodenbereich stammen.

Umfrage: Waren oder sind Sie von Hodenkrebs betroffen? Welche Symptome sind bei Ihnen aufgetreten? (Mehrfachnennungen möglich). Mit Ihrer Teilnahme an dieser Umfrage helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einschätzen zu können.

Wer kann von Hodenkrebs betroffen sein?

Da Hodenkrebs eine bösartige Erkrankung der Hoden ist, sind dementsprechend nur Männer betroffen. Ein Tumor der Hoden ist – trotz seines eher seltenen Auftretens – insofern bedeutsam, da Sie vor allem Männer zwischen 25–45 Jahre betrifft: In dieser Alterspanne ist der Hodenkrebs sogar die häufigste Krebserkrankung des Mannes. In selteneren Fällen erkranken auch noch jüngere oder auch ältere an Hodenkrebs, durchschnittlich aber erkranken Männer im Alter von ca. 38 Jahren. Prinzipiell kann jeder Mann in seinem Leben von Hodenkrebs betroffen sein.

Welche Risikofaktoren für Hodenkrebs gibt es?

Es gibt mehrere verschiedene Risikofaktoren, die das Auftreten von Hodenkrebs begünstigen können:

  • im engeren Familienkreis (Vater/Bruder) gab es bereits einen oder mehrere Fälle von Hodenkrebs
  • Hypospadie – die Hypospadie ist eine angeborene Krankheit, bei der sich die Harnröhre nicht normal und vollständig entwickelt hat. Das zentrale Merkmal der Erkrankung ist dabei, dass sich die Mündung der Harnröhre nicht an der eigentlich normalen Stelle befindet, sondern an der Unterseite des Penis, des Hodensacks oder des Damms (Bereich, der After und Geschlechtsteile trennt).
  • es liegt eine Störung der Fruchtbarkeit vor
  • anhand von Gewebeproben aus dem Hoden konnten sogenannte „TIN-Zellen“ (testikuläre intraepitheliale Neoplasie) festgestellt werden. Diese Zellen sind Vorläuferzellen von Hodenkrebs und ein entscheidender Hinweis auf die Erkrankung
  • Hodenhochstand
Exkurs: Was ist ein Hodenhochstand?
Der mit Abstand größte Risikofaktor für Hodenkrebs ist aber der Hodenhochstand (sog. ‚Maldescenus testis‘). Kinder, bei denen ein Hodenhochstand festgestellt worden ist, haben später ein bis zu 8-fach erhöhtes Risiko, einen Hodentumor zu entwickeln. Normalerweise sinken die Hoden im Verlauf der Embryonalzeit in den Hodensack herab. Bei einem Hodenhochstand passiert genau dies nicht. Dabei lassen sich verschiedene Formen des Hodenhochstands unterscheiden:

  • Pendelhoden – der Hoden liegt meistens im Hodensack und verrutscht bei Kälte, Berührung oder sonstiger Bewegung in den Leistenkanal. Dabei kann der Hoden ohne eigenes Zutun wieder in den Hodensack gelangen. Zunächst wird der Pendelhoden nicht unbedingt behandelt, sondern über längere Zeit beobachtet.
  • Leistenhoden – der Hoden kann in der Leiste ertastet werden, lässt sich aber nicht in den Hodensack herunterziehen.
  • Gleithoden – in diesem Fall lässt sich der Hoden zwar herunterziehen, gleitet aber bald wieder in die Leiste.
  • Bauchhoden – der Hoden kann nicht ertastet werden und liegt im Bauchraum

In den allermeisten Fällen ist nur ein Hoden betroffen. Rund 3% der neugeborenen Jungen sind von einem Hodenhochstand betroffen.

Was kann ich zu einer Früherkennung von Hodenkrebs beitragen?

Da eine Früherkennung – wie grundsätzlich bei jeder Krebserkrankung – grundlegend ist, um eine Heilung zu ermöglichen, sollten Sie beim Auftreten der Symptome zeitnah ihren Arzt aufsuchen. Da die Hoden außerhalb des Körpers gut greif- und sichtbar sind, können Sie problemlos selbst ihre Hoden abtasten, um Veränderungen festzustellen. Das ersetzt einen Gang zum Arzt nicht, unterstützt aber effektiv eine Früherkennung. Die Deutsche Krebshilfe empfiehlt, dass jeder Mensch zwischen 15–40 Jahren seine Hoden in regelmäßigen Abständen selbst untersucht, etwa einmal im Monat.
Wenn Sie eine Tastuntersuchungen an den Hoden durchführen, sollten Sie dies am besten während des Duschens oder Badens tun. Dann ist die Haut weich und entspannt. Nehmen Sie dann abwechselnd die beiden Hoden in die Hand und vergleichen Sie Größe. Tasten Sie beide Hoden einzeln umfänglich ab und schauen Sie, ob sich Knoten ertasten lassen oder ob der Hoden sich ungewöhnlich hart anfühlt, besonders, wenn dies nicht mit Schmerzen verbunden ist.

Hodenkrebs auf einen Blick
Sammelbezeichnung für bösartige Hodentumoren
häufigste bösartige Krebsart bei Männern zwischen 25–45 Jahren
insgesamt eine seltene Krebsart

Formen

  • 90% der Hodentumoren gehen von Keimzellen aus
  • Keimzellentumoren werden in die beiden Hauptgruppen Seminome und Nicht-Seminome eingeteilt

Ursachen

  • die genauen Ursachen sind bisher noch nicht bekannt

wichtige Symptome

  • ein Schweregefühl im Hodensack
  • ertastbare Schwellungen im Hodenbereich
  • Flüssigkeitsansammlung im Hodensack
  • fühlbare Verhärtungen oder Knoten am Hoden
  • Veränderungen der Hodengröße
  • ziehender Schmerz im Hoden

wichtige Risikofaktoren

  • Hodenhochstand
  • Fälle von Hodenkrebs in der engeren Familie

Früherkennung

  • empfohlen wird Männern zwischen 25–45 Jahren, einmal im Monat gründlich ihre Hoden abzutasten
  • zeigen sich die genannten Symptome, sollten zeitnah ein Arzt aufgesucht werden

Frühzeitig erkannt, kann Hodenkrebs gut behandelt werden und endet in den allerwenigsten Fällen tödlich!

Was tut der Arzt? Teil 1: Diagnose von Hodenkrebs

Wenn Ihnen Verhärtungen o.Ä. am Hoden aufgefallen sind und Sie ihren Arzt aufsuchen, wird er Sie zunächst in einer Anamnese nach verschiedenen Dingen befragen, um sich ein genaues Bild Ihrer Situation machen zu können:

  • welche Beschwerden haben Sie genau?
  • wie lange halten die Beschwerden schon an?
  • leiden Sie an anderen Erkrankungen? (z.B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus, usw.)
  • nehmen Sie derzeit Medikamente ein? Wenn ja, welche genau?
  • gibt es Fälle von Hodenkrebs in ihrer Familie?
  • waren Sie schon einmal an Hodenkrebs erkrankt?

Nach der Anamnese wird der Arzt eine Tastuntersuchung durchführen. In vielen Fällen reicht dieser Befund schon, um einen Hodentumor festzustellen. Zudem wird der Arzt ihre Brustwarzen betrachten und abtasten. Das hat damit zu tun, dass Hodentumoren u.a. einige weibliche Geschlechtshormone produzieren, sodass die Brustdrüse des Mannes anschwillt. Im Anschluss daran erfolgen – je nach Befund und Einschätzung des Arztes – verschiedene radiologische Untersuchungen.

Mehr Informationen zu radiologischen Untersuchungen im folgenden Video

Radiologische Untersuchungsmethoden sind ein unabdingbares Hilfsmittel, um die verschiedensten Krankheiten zu überwachen und zu diagnostizieren. Doch was macht ein Radiologe typischerweise? Wieso geht man zum Radiologen und wie unterscheiden sich die unterschiedlichen Untersuchungsmethoden? Dies und mehr erläutert Ihnen Dr. Tobias Weigl im Gespräch mit Dr. Schlolaut.

Ultraschalluntersuchung

Um den ersten Befund zu bestätigen oder zu widerlegen, wird im Anschluss an die Tastuntersuchung eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Damit kann der Arzt identifizieren, ob wirklich eine Veränderung des Gewebes im Hoden vorliegt. Ob die Geschwulst gut- oder bösartig ist, müssen aber nachfolgende Untersuchungen zeigen. Meistens reichen aber die Tast- und Ultraschalluntersuchung, um abzuschätzen, ob ein operativer Eingriff vonnöten ist oder nicht. Dabei können mit einer Ultraschalluntersuchung selbst kleine Tumore recht gut sichtbar gemacht werden.

Computertomographie

Bei Hodenkrebs ist der Einsatz der Computertomographie (kurz CT) dann sinnvoll, wenn bereits festgestellt wurde, dass ein Hodentumor vorliegt. Dann ist das CT eine wichtige Untersuchung, um abzuklären, ob sich Metastasen (Tochtergeschwülste) etwa im Bauch oder im Kopf gebildet haben oder ob die Lymphknoten vergrößert sind. Für die Ärzte kann das CT dementsprechend wertvolle Hinweise hinsichtlich der Krebstherapie liefern.
Technisch gesehen „zerteilt“ das CT den Körper in kleinere Schichten, die schnittweise erfasst werden können. Mit einem Computer lassen sich diese Daten analysieren, sodass eine Art Querschnitt des Körpers angezeigt werden kann. Auf den so produzierten Bildern kann der Arzt dann den Tumor sowie dessen Größe und Lage erkennen.

Röntgen-Thorax

Bei der Aufnahme des Brustkorbs von vorne und von der Seite können sich die unterschiedlichen Körperstrukturen begutachten lassen. Bei Hodenkrebs wird die Röntgen-Thorax-Untersuchung vor allem dafür verwendet, um Lungenmetastasen zu identifizieren.

Magnetresonanztomographie

Mithilfe eines Magnetfeldes und Wasserstoffprotonen erzeugt die Magnetresonanztomographie (kurz MRT, auch als Kernspintomographie bezeichnet) ein exaktes Bild des Körpers. Auf diese Weise kann der Arzt Gewebestrukturen erkennen, die womöglich von Metastasen befallen sind. Hinsichtlich der Diagnostik von Hodenkrebs wird das MRT bspw. verwendet, wenn der Ultraschall keine eindeutigen Ergebnisse ergeben hat. Darüber hinaus kann das MRT ggf. ergänzende Informationen liefern.

Blutuntersuchungen – Bestimmung der Tumormarker

Grundsätzlich lässt sich mit Blutuntersuchungen der allgemeine Zustand des Patienten und die Funktionsfähigkeit von Organen wie die Leber bestimmen. Sie können hinsichtlich der Vorgehensweise bei der weiteren Behandlung wichtige Hinweise liefern. Im Zusammenhang mit Hodenkrebs werden darüber hinaus sog. Tumormarker bestimmt. Tumormarker sind Substanzen, die von den Tumorzellen selbst gebildet werden. Um Hodenkrebs definitiv zu identifizieren, reicht es allerdings nicht, lediglich die Tumormarker festzustellen. Nicht bei jedem Patienten sind Werte erhöht, andersherum haben auch Menschen ohne Tumor entsprechend erhöhte Werte. Trotzdem kann die Bestimmung dieser Werte Indizien liefern und ergänzen die anderen Untersuchungsmethoden. Die drei wichtigsten Tumormarker sind:

  • Beta-HCG (humanes Choriongonadotropin) – dieses Hormon wird im Mutterkuchen während der Schwangerschaft produziert. Wird dieses Hormon bei einem Mann nachgewiesen, kann dies ein Indiz für Hodenkrebs sein. Daneben können durch dieses Hormon die Brustdrüsen des Mannes anschwellen.
  • AFP (Alpha-Fetoprotein) – dieser Eiweißstoff wird eigentlich nur während der Schwangerschaft im Ungeborenen hergestellt. Die AFP-Werte steigen meistens dann erst wieder an, wenn die Keimzellen durch einen Tumor entarten
  • LDH (Laktatdehydrogenase) – liegt die Vermutung nahe, dass Hodenkrebs vorliegt, wird bei der Blutuntersuchung ebenfalls der LDH–Wert bestimmt. LDH ist kein für Hodenkrebs spezifischer Tumormarker, allerdings kann mit diesem Wert abgeschätzt werden, wie groß die Geschwulst bereits ist.

Was tut der Arzt? Teil 2: Behandlung von Hodenkrebs

Nach den verschiedenen Untersuchungen kann der Arzt in der Regel einschätzen, um welche Form des Tumors es sich handelt und in welchem Stadium sich die Erkrankungen befindet. Es lassen sich, vereinfach gesagt, drei Tumorstadien unterscheiden:

  • Stadium I – es liegt ein maligner Tumor im Hoden vor. Metastasen haben sich noch nicht gebildet.
  • Stadium II – benachbarte Lymphknoten sind befallen, es haben sich haben aber keine Tochtergeschwulste in weiter entfernten Geweben gebildet (sog. ‚Fernmetastasen‘).
  • Stadium III – es haben sich Fernmetastasen, zum Beispiel in der Lunge, gebildet.

Je nach dem, in welchem Stadium sich der Hodenkrebs befindet, kann sich die weitere Behandlung unterscheiden. In den allermeisten Fällen ist die wichtige Behandlungsmaßnahme die Entfernung des tumorbefallenen Hodens.

Aus der Forschung – Wirkstoff JQ1 soll gegen schwere Hodenkrebsformen helfen
Wissenschaftler der Universität Bonn haben einen neuen Wirkstoff getestet, der gegen schwere Hodenkrebsformen wirken soll, die mit anderen Behandlungsmöglichkeiten nur unzureichend bekämpft werden können. In der Studie, die 2016 im Journal of Cellular and Molecular Medicine erschienen ist, konnten sie nachweisen, dass der Wirkstoff JQ1 bei Mäusen entartete Zellen abgetötet hat und dadurch Hodentumoren schrumpfen lassen konnte.
Der Wirkstoff hemmt dabei diejenigen Proteine, die dafür zuständig sind, die sogenannten Histon-Markierungen auf der DNA abzulesen. Ein Histon übernimmt für die DNA zum einen eine ordnende Funktion, zum anderen signalisieren sie der Zelle aber auch, ob ein Gen überhaupt abgelesen und exprimiert (d. h. wie die genetische Information zum Ausdruck kommt, etwa durch den Geno- oder Phänotyp) werden soll. Man kann also sagen, dass JQ1 die Genaktivität der Zelle beeinflusst. Genau durch diese Einflüsse wird in den Krebszellen die sog. Apoptose aktiviert. Damit ist eine Art programmierter Zelltod gemeint. Bei den Mäusen der Studie wurde dadurch erreicht, dass die Tumoren schrumpften. Die Wissenschaftler haben darüber hinaus JQ1 mit einem weiteren Wirkstoff namens Romisdepsin kombiniert und ebenfalls gute Ergebnisse bei den Testobjekten erzielen können. OB JQ1 alleine oder mit anderen Wirkstoffen in Kombination in Zukunft Teil einer Hodenkrebsbehandlung werden kann, müssen allerdings noch klinische Studien zeigen.

Quelle: Sina Jostes et al. (2016): The bromodomain inhibitor JQ1 triggers growth arrest and apoptosis in testicular germ cell tumours in vitro and in vivo. In: Journal of Cellular and Molecular Medicine 21/7.

Orchiektomie – operativer Eingriff zum Entfernen des Hodens

Bei dem Eingriff wird ein Schnitt in der Leiste vorgenommen und dadurch der Hoden freigelegt. Der Hoden, der bei der Diagnose verdächtig erschien, wird mit einem Tuch umschlossen, wenn der Arzt den verdächtigen Bereich einschneidet. Dass soll verhindern, dass Tumorzellen auf umliegendes Gewebe übergreifen. In den allermeisten Fällen kann der Arzt schon durch das bloße Betrachten des Gewebes feststellen, ob der Hodentumor bösartig ist oder nicht. Falls es dennoch Unklarheiten gibt, kann ein Pathologe noch während der OP eine Gewebeprobe unter dem Mikroskop untersuchen, um Klarheit zu verschaffen. Liegt eine gutartige Geschwulst vor, ist es oftmals ausreichend, den Tumor aus dem Hodengewebe zu schneiden.

Stellt der Arzt aber fest, dass es sich um ein einen bösartigen Tumor handelt, muss der betroffene Hoden gemeinsam mit dem Nebenhoden und dem Samenstrang entfernt werden. Der in dem Eingriff entfernte Hoden wird mikroskopisch untersucht, um identifizieren zu können, um welche Art von Hodenkrebs es sich handelt. In den Fällen, in den bereits nur noch ein Hoden vorliegt, versucht der Arzt, diesen möglichst organschonend zu behandeln, um soweit wie möglich die Zeugungsfähigkeit zu erhalten. Allerdings muss der entsprechende Hoden im Nachgang bestrahlt werden.
Bei der Orchiektomie besteht außerdem die Möglichkeit, eine kleine, nur reiskorngroße Gewebeprobe aus dem anderen Hoden zu entnehmen. Denn bei rund 5% der Patienten, bei denen ein Hoden befallen ist, lassen sich im anderen Hoden TIN-Zellen feststellen, die einem Hodentumor vorausgehen.

Weitere Behandlung nach einer Orchiektomie

Wurde der befallene Hoden entfernt und der Tumor hat sich nicht in andere Körperregionen ausgebreitet – es liegt also Tumorstadium I vor –, gibt es verschiedene weitere Behandlungsmöglichkeiten, die am Anschluss der Orchiektomie erfolgen. Denn: Bei rund 20% der Betroffenen haben sich im hinteren Bauchraum winzige Metastasen gebildet, die nicht diagnostiziert wurden oder nicht diagnostiziert werden konnten. Ohne weitere Behandlung würden diese Patienten also wieder rückfällig. Das weitere Vorgehen muss dann gemeinsam von Patient und Arzt abgewogen werden.
Eine Möglichkeit ist dabei die sog. Surveillance– oder auch Wait-and-See-Strategie. Ein solches Vorgehen kann dann sinnvoll sein, wenn das Risiko unerkannter Metastasen als vergleichsweise niedrig eingeschätzt wird. Dabei wird der Patient in regelmäßigen Abständen engmaschig beobachtet, damit Tochtergeschwülste früh erkannt und behandelt werden können. Man spricht auch von „aktivem Beobachten“.

Strahlentherapie bei Hodenkrebs

Bei einer Strahlentherapie sollen die Krebszellen abgetötet werden, indem mithilfe ionisierender Strahlen die Kerne der Krebszellen angegriffen werden. Aufgrund der Bestrahlung soll die DNA der Krebszellen derartig beschädigt werden, dass die malignen Zellen sich nicht länger ausbreiten können. Die Strahlung bewirkt aber nur dort etwas, wo sie auf das Gewebe trifft. Ein grundsätzliches Problem der Strahlentherapie ist, dass durch eine zu starke und zu lange Strahlung auch gesundes Gewebe angegriffen wird. Nebenwirkungen einer Strahlentherapie können u. a. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Abgeschlagenheit sein. Diese Symptome klingen aber nach Therapieende normalerweise wieder ab.
Mit Blick auf Hodenkrebs kann eine Strahlentherapie im Fall von Seminomen dann verwendet werden, wenn der Tumor sich in einem frühen Stadium befindet und sich dementsprechend noch keine oder bei den Lymphknoten nur sehr kleine Metastasen gebildet haben. Falls bei einer Gewebeprobe des anderen Hodens bereits TIN-Zellen nachgewiesen worden sind, kann auch eine Strahlentherapie angezeigt sein. Dies hat allerdings zum Effekt, dass der Patient durch diese Strahlenbehandlung zeugungsunfähig wird. Die Testosteronproduktion ist dagegen kaum betroffen, da die entsprechenden Zellen relativ widerständsfähig gegenüber einer Strahlentherapie sind. Dem Patienten bleiben also Lust und Potenz grundsätzlich erhalten.

Entfernung der Lymphknoten

Eine Entfernung der Lymphknoten (sog. ‚Lymphadenektomie‘) ist dann angezeigt, wenn bei einem CT vergrößerte Lymphknoten im hinteren Bauchraum entdeckt werden konnten und sich bei dem Tumor um ein Nicht-Seminom handelt. Darüber hinaus wird dieser Eingriff nur unter bestimmten Voraussetzungen durchgeführt. Dazu zählen u.a.:

  • bei Ihnen wird keine Überwachungsstrategie und auch keine Chemotherapie durchgeführt
  • wenn bei der Untersuchung des entfernten Tumorgewebes eine Sonderform des Hodenkrebs entdeckt wird (das sog. reine Teratom)
  • beim Vorliegen eines Nicht-Seminom lassen sich auch nach einer Chemotherapie beim CT o.Ä. noch Tumorreste feststellen

Aufgrund dieser vergleichsweise seltenen Konstellationen ist es in den meisten Fällen nicht nötig, eine Lyphadenektomie vorzunehmen. Je nach Ausbreitungsgrad der Tumorzellen kann die Operation mitunter kompliziert sein, sollten derartige Eingriffe möglichst in spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Mitunter kann es postoperative Komplikationen für den Patienten geben: Wenn bei der Operation Nerven beschädigt werden, die für den Samenerguss zuständig sind, ist es möglich, dass der Patient keinen Samenerguss mehr hat oder der Samen in die Harnblase entleert wird. Dann spricht man von einem rückwärtigen Samenerguss. Dass solche Probleme auftreten können, hängt damit zusammen, dass die entsprechenden Nerven in der Nähe der entfernten Lymphknoten liegen und dafür verantwortlich sind, dass der männliche Samen beim Orgasmus von der hinteren in die vordere Harnröhre gelangt. Aufgrund der heutigen medizinischen Standards kann aber in rund 95% aller Fälle die Fähigkeit zum Samenerguss erhalten werden.

Chemotherapie bei Hodenkrebs

Falls durch die Hodenentfernung nicht alle sich im Körper befindlichen Krebszellen entfernt werden konnten, weil sich bspw. schon Metastasen gebildet haben, kann eine Chemotherapie angezeigt sein. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn es sich bei dem Hodenkrebs um Seminomen im späteren Stadium handelt. Bei Nicht-Seminomen kann eine Chemotherapie auch schon in einem frühen Krankheitsstadium eingesetzt werden, etwa nach der Entfernung eines befallenen Lymphknoten im Bauch oder als ergänzende Maßnahme nach einer Hodenentfernung. Mithilfe bestimmter Medikament, der sog. ‚Zytostatika‘, sollen Zellen zerstört werden, die sich schnell teilen und entsprechend ausbreiten können. Zytostatika greifen unmittelbar in die Zellteilung der Krebszellen ein. Diese können dadurch nicht mehr wachsen. Im Fall von Hodentumoren kommen bei der Chemotherapie meistens mehrere Medikamente zum Einsatz (sog. ‚Polychemotherapie‘). Häufig wird dabei das Medikament Cisplatin mit anderen Zytostatika kombiniert.
Ein Problem der Chemotherapie ist allerdings, dass es sich um eine sog. ‚systemische‘ Therapie handelt, sie betrifft also den ganzen Körper. Daher greifen die Medikamente auch gesunde Gewebszellen an, die einen ähnlich schnellen Zellteilungsprozess durchlaufen (z.B. Haarwurzelzellen). Mögliche andere Nebenwirkungen einer Polychemotherapie mit Cisplatin können u.a. sein:

  • Haarverlust
  • Geschmacksstörungen
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Blutarmut
  • erhöhte Infektionsgefahr
  • je nach Zytostatikum ggf. Schädigungen der Lungen- oder Nierenfunktion
  • die Zahl der befruchtungsfähigen Samenzellen sinkt
  • ggf. vorrübergehendes Auftreten eines Tinnitus
  • ggf. Durchblutungsstörungen an den Händen und Füßen

Welche Nebenwirkungen auftreten, hängt auch davon ab, welche Zytostatika genau eingenommen werden müssen. In den meisten Fällen klingen die Nebenwirkungen aber nach dem Ende der Therapie wieder ab.
Normalerweise erfolgt die Behandlung während eines stationären Aufenthalts im Krankenhaus. Der Patient erhält die Medikamente in mehreren Zyklen. Jeder dieser Zyklen umfasst die Tage, an denen Medikamente verabreicht werden, sowie eine Erholungspause. Diese Pause ist meist zweiwöchig und hat den Sinn, dass sich die gesunden Körperzellen, die von den Zellgiften geschädigt worden sind, wieder erholen können.

Achtung!
Bei Rauchern ist der Körper im Vergleich zu Nichtrauchern schlechter durchblutet. Patienten, die an Krebs leiden – unabhängig von der Krebsart – sollten das Rauchen aufgeben, denn: Aufgrund der schlechteren Durchblutung besteht die Möglichkeit, dass eine Chemotherapie weniger gut wirkt und die Heilungschancen vermindert.

Wie sieht die Nachsorge von Hodenkrebs aus?

Wenn Sie die eigentliche Krebstherapie geschafft haben, haben Sie bereits einen weiten und schwierigen Weg bis zur Heilung hinter sich. Um Komplikationen zu vermeiden und Ihnen – soweit wie möglich – eine Rückkehr in einen normalen Arbeits- und Lebensalltag zu ermöglichen, ist eine gute Krebsnachsorge unabdingbar. Eine Nachsorge ist dafür, um

  • frühzeitig zu erkennen, ob die Erkrankungen erneut auftritt. Man spricht dann von einem sog. Tumorrezidiv.
  • mögliche Begleit- und Folgeerkrankungen festzustellen und zu therapieren
  • Sie bei den körperlichen, sozialen und auch seelischen Problemen zu unterstützen.

Es ist deshalb wichtig, dass Sie sich regelmäßigen Kontrolluntersuchungen unterziehen. Um wieder ein im Rahmen der Möglichkeiten normales Leben zu führen, existieren spezielle Rehabilitationskliniken. Für einen Aufenthalt in diesen Kliniken muss ein entsprechender Antrag gestellt werden. Voraussetzung für eine derartige Betreuung ist aber, dass Sie sich selbständig ankleiden und waschen können. Außerdem sollten Sie sich selbständig über die Station bewegen können.
Nach, aber auch schon während der Erkrankung kann es hilfreich sein, einer Selbsthilfegruppe beizutreten. Dort treffen Sie Gleichgesinnte, die in einer vergleichbaren Situation gesteckt haben oder immer noch stecken und sich mit Ihnen austauschen können. Eine Adresse, an der Sie sich wenden können, ist „INKA – das Informationsnetz für Krebspatienten und Angehörige“.

Häufige Patientenfragen

Kann ich nach einer Hodenkrebsbehandlung wieder normal Sex haben?

Dr. T. Weigl:
Bei der alleinigen Entfernung eines Hodens, der von einem Tumor befallen war, wird die Potenz und Sexualität nicht negativ beeinflusst. Ein erfülltes Sexualleben ist dann prinzipiell möglich. Die Zeugungsfähigkeit bleibt grundsätzlich auch erhalten, allerdings kann es sein, dass schon während der Erkrankung die Hoden nur eingeschränkt Spermien bilden können. Im weiteren Lebensverlauf ist aber möglich, dass der übrige Hoden weniger Testosteron bildet. Dies ist aber individuell unterschiedlich.

Kann man einen entfernten Hoden ersetzen?

Dr. T. Weigl:
Es ist möglich, den fehlenden Hoden durch eine Prothese zu ersetzen. Dabei wird ein Silikonkissen, dass der Größe und der Form des Hodens gleicht, in den Hodensack eingesetzt. In relativ wenigen Fällen kann es sein, dass es im Nachgang des Eingriffs zu Entzündungen kommt oder der Körper die Prothese abstoßen will. Ist allerdings nach der Hodenentfernung zunächst noch eine Chemotherapie angezeigt, kann es sein, dass Ihnen ihr Arzt dann rät, die Hodenprothese erst nach der Therapie einsetzen zu lassen.

Ich bin wegen der Hodenkrebsbehandlung zeugungsunfähig geworden – was kann ich tun, wenn ich trotzdem Kinder möchte?

Dr. T. Weigl:
Empfehlenswert ist es auf jeden Fall, die eigene Fruchtbarkeit vor einer Behandlung untersuchen zu lassen. Dies kann entweder durch eine Samenerguss ermöglicht werden, oder durch die Bestimmung des Follikel-stimulierenden Hormons (FSH). Sind die Hormonwerte erhöht, ist das unter Umständen ein Hinweis darauf, dass die Samenproduktion eingeschränkt ist. Dementsprechend kann es langfristig gesehen sinnvoll sein, dass man sich vor einer Hodenkrebsbehandlung die Frage stellt, ob man vorsorglich Sperma konservieren lässt. Dadurch bleibt eine spätere künstliche Befruchtung zumindest im Rahmen des Möglichen, selbst, wenn ein Kinderwunsch zum Zeitpunkt der Therapie noch keine Rolle spielt. Größtenteils sind Ärzte für Männerheilkunde (sog. ‚Andrologen‘) und Kinderwunschzentren auf das Einfrieren von Samenzellen spezialisiert. Für den Fall, dass in der Samenflüssigkeit keine Spermien vorhanden sind, können auch mithilfe einer Operation aus dem Hoden Samenzellen entnommen werden. Dann spricht man von einer testikulären Spermienextraktion (kurz ‚TESE‘). Je nach Anbieter kostet das Einfrieren der Samenzellen zwischen 350–650€. Hinzukommen Lagerkosten, die sich jährlich auf 200–450€ belaufen. Eine Spermakonservierung wird in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen, die Patienten müssen die Kosten also selbst tragen. In seltenen Fällen kann aber eine Ausnahmeregelung mit der Krankenkasse möglich sein. Am besten informieren Sie sich frühzeitig bei Ihrer Krankenkasse über entsprechende Möglichkeiten.

Nachdem Timos Arzt an dessen Hoden eine Tastuntersuchung durchgeführt hat, überlegt er einen kurzen Moment. „Gut, dass Sie so früh gekommen sind“, sagt er dann, „da scheint wirklich etwas zu sein, was wir uns näher anschauen müssen. So eine Verhärtung oder auch ein Knoten kann auf einen Hodentumor hinweisen.“ Nach einigen weiteren Untersuchungen gibt es die Gewissheit: Tatsächlich liegt bei Timo ein Hodentumor vor, der allerdings noch klein ist und nicht gestreut hat. Sein Arzt klärt ihn über das weitere Vorgehen auf und erklärt ihm, dass die Heilungschancen gut sind: „Weil Sie so früh zum Arzt gegangen sind, können wir den Tumor noch gut behandeln. Sie werden im weiteren Leben keine Probleme haben!“

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Autoren: Dr. Tobias Weigl und Sebastian Mittelberg
Redaktion: Christopher Keck
Veröffentlicht: 20.04.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Frank Antwerpes: Apoptose. In: Flexikon.doccheck.com.
  • Oliver Bartsch: Nichtseminom. In: Flexikon.doccheck.com.
  • Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (Hg.) (2015): Hodenhochstand beim Jungen – Informationen für junge Eltern.
  • Deutsche Krebsgesellschaft e.V. und Deutsche Krebshife (Hg.) (2018): S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzellentumoren des Hodens (Konsultationsfassung).
  • Deutsche Krebshilfe und Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (Hg.) (2017): Hodenkrebs. Antworten. Hilfen. Perspektiven.
  • Deutsches Krebsforschungszentrum und Krebsinformationsdienst (Hg.) (2014): Männliche Sexualität und Krebs. Ein Ratgeber für Patienten und ihre Partnerinnen, 2. aktualisierte Auflage.
  • EB/gie/aerzteblatt.de (2017): Hodentumore: Neuer Wirkstoff tötet entartete Zellen ab.
  • Léo Franchetti: Seminom. In: Flexikon.doccheck.com.
  • Sina Jostes et al. (2016): The bromodomain inhibitor JQ1 triggers growth arrest and apoptosis in testicular germ cell tumours in vitro and in vivo. In: Journal of Cellular and Molecular Medicine 21/7.
  • Gunnar Römer: Hodenkrebs. In: Flexikon.doccheck.com.
  • Maria Yiallouros: Der Hoden – Aufbau und Funktion. In: Deutsche Krebsgesellschaft.de
  • Maria Yiallouros: Früherkennung von Hodenkrebs. In: Deutsche Krebsgesellschaft.de
  • Maria Yiallouros: Hodenkrebs – Behandlungsmethoden. In: Deutsche Krebsgesellschaft.de
  • Maria Yiallouros: Hodenkrebs – Besonderheiten. In: Deutsche Krebsgesellschaft.de
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