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Das HWS-Syndrom – Nackenverspannung oder schlimmer? Ursachen, Symptome & Therapie

Was ist das HWS-Syndrom?

  • Sammelbegriff für Nackenbeschwerden und alle Symptome von Bandscheibenbeschwerden der Halswirbelsäule („HWS“)
  • vielfältige Ursachen; häufig falsche Körperhaltung, Stress oder fehlendes Training
  • heilt bei gesunder Wirbelsäule vollständig aus, kann bei Wirbelsäulenschäden aber chronisch auftreten
  • Schmerzbewältigung und Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit stehen im Behandlungsfokus

Wer bekommt das HWS-Syndrom?

  • häufiges Auftreten: ca. 71 % der Deutschen bekommen es mindestens einmal in ihrem Leben
  • oftmals durch Haltungsfehler oder einseitige Belastung, neuerdings auch „Handynacken“
  • langes Sitzen ist schädlich für die Wirbelsäule, Büroangestellte besonders gefährdet
  • Menschen mit wenig Bewegung und wenig Sport vernachlässigen die Muskeln im Rücken, Auftreten dadurch wahrscheinlicher

Symptome (Auszug)

  • Bewegungseinschränkung des Kopfes („steifer Nacken“)
  • Spannungskopfschmerzen vom Nacken bis in die Stirn
  • ziehende Schmerzen bis in die Schultern und Arme
  • Taubheitsgefühl in den betroffenen Körperteilen

Behandlung (Auszug)

  • konservative Behandlung mit Orthesen, Wärmeanwendungen
  • Akupunktur
  • Physiotherapie, Chirotherapie
  • Injektionen
  • Operationen

Tipps

  • Regelmäßige Kräftigungsübungen für Hals, Schultern und Arme helfen, die Wirbelsäule zu stärken
  • Entspannungsstrategien wie autogenes Training reduzieren Stress, einen der Hauptauslöser eines HWS-Syndroms
  • Ein warmer Schal kann bei einem leichten HWS-Syndrom die Halskrause ersetzen
71 % aller Deutschen erleiden in ihrem Leben mindestens einmal ein HWS-Syndrom. Das HWS-Syndrom umfasst alle Nackenbeschwerden oder Symptome, die von den Bandscheiben der Halswirbelsäule (HWS) ausgehen. In Zeiten steigender Schreibtischarbeit und sinkender Sportbeteiligung ist es kaum verwunderlich, dass immer mehr Menschen über Verspannungen und Muskelschmerzen klagen.

Sie verspüren dann unangenehme Verhärtungen der Nackenmuskulatur und am Haaransatz plagen Sie stechende Kopfschmerzen. Bei einer gesunden Wirbelsäule heilt ein HWS-Syndrom in der Regel problemlos aus. Doch hinter den Symptomen können sich auch schwerwiegende Krankheiten verstecken, die ein Arzt dringend untersuchen sollte. In dem folgenden Artikel erhalten Sie wertvolle Informationen, wie Sie ein harmloses HWS-Syndrom erkennen können und welche Warnzeichen auf eine schwere Erkrankung hindeuten.

Sind Sie von einem HWS-Syndrom betroffen oder haben Angehörige/Freunde, die über Beschwerden der Halswirbelsäule klagen? Informieren Sie sich im folgenden Artikel gerne weiter und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns und anderen Lesern im Kommentarbereich unter dem Artikel.

Was ist das HWS-Syndrom?

Das HWS-Syndrom, auch Zervikalsyndrom genannt, beschreibt alle Beschwerden, die von der Halswirbelsäule ausgehen. Die Halswirbelsäule (HWS) ist der obere Teil der Wirbelsäule. Sieben Wirbel reichen vom Schädelansatz bis herunter auf Höhe der Schultern. Alle Probleme, die von diesen sieben Wirbeln ausgehen, bezeichnet man als HWS-Syndrom.

Dieses Syndrom ist seinerseits unterteilt in das obere und untere Zervikalsyndrom. Zur einfacheren Diagnose besitzen die einzelnen Wirbel ein Kürzel aus einem Buchstaben und einer Zahl, das sich aus ihrer Lokalisation und der Position in der Wirbelsäule zusammensetzt. Die Wirbel der Halswirbelsäule tragen den Buchstaben C, abgeleitet aus dem Lateinischen „cervix“ für Hals, Nacken, Genick. Der oberste Wirbel erhält den Namen C1 bis zum unteren Halswirbel C7.

Die genaue Benennung des jeweiligen Symptoms ergibt sich aus dem zeitlichen Verlauf (akut oder chronisch), der Art der Schmerzen (lokal oder Nervenschmerzen), dem Ort des Schmerzes (oberes oder unteres Zervikalsyndrom) und der Ursache (funktionell, degenerativ oder posttraumatisch).

Oberes Zervikalsyndrom

Das obere Zervikalsyndrom betrifft die drei oberen Wirbel der Wirbelsäule. Häufig liegen Blockaden der Wirbel C1 bis C3 vor, die langanhaltende Kopfschmerzen erzeugen. Diese Spannungskopfschmerzen ziehen sich aus dem Nackenbereich kommend über den Hinterkopf bis in die Stirn. Begleitend dazu können verschiedene Ausprägungen von Schwindel, Ohrengeräuschen (beispielsweise Tinnitus) sowie Übelkeit und Erbrechen auftreten.

Unteres Zervikalsyndrom

Das untere Zervikalsyndrom betrifft die Wirbel C4 bis C7. Bei dieser Erkrankung berichten Patienten häufig von Schmerzen und Funktionsstörungen ausgehend vom Nacken über die Schultern bis in die Arme hinein. Neben Schmerzen in den betroffenen Gliedmaßen kann auch ein Kribbeln oder sogar Taubheitsgefühl in den Armen auftreten.

Im folgenden Video zeigt Ihnen Dr. Dr. Tobias Weigl, wie Nackenverspannungen entstehen und mit welchen Übungen Sie diese Verspannungen schnell wieder lösen können, bevor ernsthafte Folgen auftreten.

Nackenschmerzen und Nackenverspannungen - Lösen und Übungen, Ursache und Therapie

Ursachen des HWS-Syndroms

Funktionelle Ursachen

Die Ursachen für ein HWS-Syndrom können genauso vielfältig wie die verschiedenen Symptome sein. Als Hauptgrund gelten in den meisten Fällen Verspannungen und Verhärtungen der Nackenmuskulatur. Verantwortlich dafür ist der immer höhere Anteil sitzender Tätigkeiten im Beruf und in der Freizeit. Fehlhaltungen, die Sie sich über einen langen Zeitraum angewöhnen, sind schwer zu korrigieren und führen zu stetig wiederkehrenden Problemen im HWS-Bereich. Oftmals nimmt man diese Fehlhaltungen selbst nicht wahr, bis man sich bewusst darauf konzentriert. Dazu gehören auch einseitige Beanspruchungen des Körpers durch das Tragen schwerer Gegenstände.

Ein weiterer Auslöser ist beruflicher und privater Stress. Stress führt zu einer veränderten Körperhaltung, die sich in Muskelverspannungen niederschlägt. Dazu ist ein hohes Maß an Stress häufig mit Bewegungs- und Sportmangel verknüpft. Diese Aktivitäten helfen effektiv dabei, den Stresslevel zu senken und einen Ausgleich für den Alltag herzustellen.

Mithilfe einiger Verhaltensweisen kann Verspannungen entgegengewirkt werden.

Vorbeugende Maßnahmen umfassen:

  • regelmäßige Bewegung
  • gelegentliches Aufstehen bei Bürotätigkeiten, Arbeit im Stehen
  • Anti-Stress Vorkehrungen, klare Pausenzeiten, Einhaltung der Arbeitszeit und Freizeit
  • Meditationen, autogenes Training
  • gezieltes Rückentraining, Stärkung der Muskeln
  • bewusste Korrektur von Fehlhaltungen
„Fast Dreiviertel der Deutschen leiden in ihrem Leben mindestens einmal am HWS-Syndrom. Regelmäßiger Sport und Entspannungsübungen können dem vorbeugen.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Degenerative Ursachen

Mit steigendem Alter können auch degenerative Ursachen Auslöser eines HWS-Syndroms sein. In einem langen Leben wirken viele Kräfte auf den Rücken ein und im Laufe der Zeit zeigen sich die Spuren des Verschleißes bevorzugt an der Wirbelsäule. Gerade an den Bandscheiben nagt der Zahn der Zeit und führt zu einem erhöhten Risiko für Bandscheibenvorfälle und weitere Rückenverletzungen. Während die Bandscheiben anfangs noch weich und elastisch sind, härten sie mit der Zeit aus und ihre Wirkung als Stoßdämpfer der Wirbelsäule lässt nach.

Osteochondrose beschreibt die fortschreitende Degeneration der Wirbelsäule aufgrund von mechanischer Belastung. Im Anfangsstadium können bei dieser Krankheit vergleichbare Symptome zu einem HWS-Syndrom auftreten. Bei weiterem Voranschreiten zeigen sich aber gravierendere Folgen, wie beispielsweise Wirbelgleiten, die über ein simples HWS-Syndrom hinausgehen.

Was ist Osteoporose?

Osteoporose ist der medizinische Name für Knochenschwund. Diese Skeletterkrankung kann in einem frühen Stadium auch der Auslöser für ein HWS-Syndrom sein. Bei der Osteoporose werden die Knochen mit der Zeit porös und instabil. Besonders an der Wirbelsäule kann das dazu führen, dass die Wirbelkörper zwischen den Bandscheiben nachlassen. was sogar zu einer Wirbelsäulenfraktur führen kann. Selbst ohne einen Wirbelsäulenbruch führt Osteoporose zu heftigen Schmerzen und einer dauerhaften Bewegungseinschränkung.

Die Wirbelgelenksarthrose ist eine degenerative, nicht-entzündliche Erkrankung der Gelenkknorpel der Wirbelsäule. Sie ist eine häufige Form der Arthrosen, insbesondere im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule. Die Folgen sind starke Schmerzen und mitunter muss diese Erkrankung operativ behandelt werden.

Die Halbgelenksarthrose ist eine weitere degenerative Veränderung der Halswirbelsäule. Sie tritt häufig in Verbindung mit der Osteochondrose auf und beschreibt eine Veränderung der kleinen Gelenke in der HWS. Diese Gelenke existieren nur in der Halswirbelsäule und Erkrankungen dieser führen zu starken Schmerzen, die bei Bewegungen aller Art auftreten. Neben dem Nackenbereich können diese Schmerzen auch in den Oberkörper ausstrahlen.

Posttraumatische Ursachen

Der Begriff „posttraumatisch“ bedeutet, dass eine Verletzung als Folge eines Unfalls (sog. „Trauma“) auftritt. Das Schleudertrauma nach einem Verkehrsunfall ist ein häufiges Beispiel für eine posttraumatische Ursache. Man unterscheidet zwischen einem direkten und einem indirekten Trauma. Bei einem direkten Trauma wirkt ein Schlag oder Stoß direkt auf den Nacken und ruft die Verletzung hervor. Bei einem indirekten Trauma, wie beispielsweise das Schleudertrauma, verursachen ruckartige Kopfbewegungen die Schäden im Nackenbereich. Die Halswirbelsäule ist sehr beweglich, dadurch aber auch empfindlich gegenüber dieser Art von Verletzungen bei heftigen Bewegungen.

Entzündliche Ursachen

Entzündungen der Wirbelsäule sind ein weiterer Auslöser für HWS-Syndrome. Rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung, die Entzündungen an Gelenken auslöst. Gelangen Bakterien in die Wirbelsäule, versucht der Körper, sie zu bekämpfen und kann damit Symptome eines HWS-Syndroms auslösen. Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Krankheit, die einen Rundrücken entstehen lässt. Dadurch wird die Bewegungsfreiheit eingeschränkt und Schmerzen verursacht.

Angeborene Ursachen

Auch angeborene Entwicklungsstörungen können die Ursache eines HWS-Syndroms sein. Verschiedene Krümmungen der Wirbelsäule (sog. „Skoliosen“) können ursächlich für Schmerzen im HWS-Bereich sein und weitere Symptome auslösen. Ebenso ist die Scheuermann-Krankheit („Morbus Scheuermann“) eine Wachstumsstörung, die zu einer Fehlhaltung führt und damit Schmerzen auslöst.

Die Symptome: Welche Beschwerden verursacht das HWS-Syndrom?

Die Symptome eines HWS-Syndroms sind sehr vielseitig. In einigen Fällen sind sie auch nur frühe Symptome anderer Erkrankungen, die ähnliche Symptome aufweisen. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie deswegen immer ein Arzt aufsuchen, um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen.

Das grundlegende Symptom sind häufig Verspannungen und Verhärtungen im Nackenbereich. Diese führen zu einer Bewegungseinschränkung des Kopfes. Sofern die Wirbelsäule generell gesund ist, spricht man hier von einem „steifen Nacken“. Dieser Zustand heilt häufig auch ohne Behandlung in kurzer Zeit vollständig aus. Sollten diese Beschwerden nicht mehr umkehrbar sein, spricht man von einem chronischen HWS-Syndrom. Dabei sind dauerhafte Veränderungen der Wirbelgelenke der Auslöser für die Blockade der HWS.

Zusätzlich zu einer Bewegungseinschränkung kommt es oftmals zu Druckschmerzen an den betroffenen Muskelgruppen. Diese reagieren besonders im Bereich der Halswirbelsäule empfindlich auf Berührungen durch beispielsweise Massagen.

Weitere Symptome

Weitere Symptome zeigen sich seltener, sind aber ebenfalls Anzeichen für ein HWS-Syndrom und sollten von einem Arzt untersucht werden, wenn Sie langfristig keine Besserung erleben.

Diese weiteren Symptome umfassen:

Gut zu wissen!

Durch den steigenden Gebrauch von Mobiltelefonen hat sich in den letzten Jahren eine weitere Ursache für Nackenschmerzen herauskristallisiert. Die Haltung, in der viele Menschen über immer längere Zeiträume auf das Handydisplay schauen, führt zu einer Krankheit, die umgangssprachlich als „Handynacken“ bezeichnet wird. Der weit vornübergebeugte Kopf führt zu einer erhöhten Spannung auf die Muskulatur und Bänder im Nacken. In dieser Haltung kann der Kopf bis zu 27 Kilogramm Belastung auf die Wirbelsäule ausüben. Das hinterlässt Schäden an der empfindlichen Wirbelsäule.

Im folgenden Video zeigt Ihnen Dr. Dr. Tobias Weigl, welche Auswirkungen eine dauerhaft falsche Haltung auf den Nacken haben kann. Zusätzlich gibt er Ihnen 5 Tipps und Übungen gegen Nackenverspannungen.

Handy-Nacken ⚡ Nackenschmerzen & Nackenverspannungen durch Smartphone & Whatsapp | 5 Tipps & Übungen

Wer ist am ehesten betroffen?

Ein auschlaggebender Faktor für die Häufigkeit von HWS-Syndromen sind Muskelverspannungen. Menschen, die wenig sportliche Belastung oder Bewegung erleben, berichten wesentlich häufiger von Rückenschmerzen. Langes Sitzen an Schreibtischen in ergonomisch ungünstigen Positionen steigert die Wahrscheinlichkeit für HWS-Probleme. Deswegen gilt für Büroangestellte und sportlich inaktive Menschen ein höheres Risiko als für Menschen mit ausreichend Bewegung und einem sportlichen Ausgleich zu Schreibtischarbeit.

Neben angeborenen Krankheiten, kann auch einseitige Belastung zu einer Überanstrengung der Wirbelsäule bzw. zu einseitigem Muskelwachstum führen. Dadurch kann langfristig eine Schädigung der Wirbelsäule erfolgen, die das Auftreten eines HWS-Syndroms begünstigt.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose eines HWS-Syndroms

Die Diagnose eines HWS-Syndroms kann für Mediziner schwierig sein, denn durch die Vielseitigkeit der Symptome sind zahlreiche Grunderkrankungen auszuschließen. Die genaue Diagnose verläuft im Ausschlussverfahren, bis am Ende alle unpassenden Krankheiten ausgeschlossen werden. Übrig bleibt dann häufig ein unspezifisches HWS-Syndrom.

Zu Beginn der Untersuchung inspiziert der Arzt die Haut des Patienten. Insbesondere die Beschaffenheit der sogenannten Kibler-Hautfalte zwischen den Schulterblättern kann durch Verdickungen auf existierende Krankheiten hinweisen. Zusätzlich geben Feuchtigkeit, Elastizität oder die Reaktion der Haut auf Kratzer mit einem Holzspatel (sog. „Dermographismus“) oder einem ähnlich spitzen Gegenstand eine erste Rückmeldung über die Art der Erkrankung. Als zweiten Schritt untersucht der Arzt die Muskulatur im Nackenbereich. Druckschmerzen, Verspannungen, Krämpfe oder spürbare Verdickungen der Muskeln (sog. „Myogelosen“) sind ein weiterer Indikator für eine Krankheit.

Im Anschluss wird die Beweglichkeit getestet. Sowohl der Bewegungsradius beim Drehen, als auch beim seitlichen Neigen des Kopfes werden überprüft. Abweichungen von den Normalwerten weisen auf Blockierungen der HWS hin. Auch ihre Sensomotorik – das Zusammenspiel ihrer Nerven und Muskeln – wird überprüft. Damit sollen eingeklemmte Nerven oder Nervenschäden ausgeschlossen werden. Zusätzlich geben Abweichungen in der Gangart oder Gangsicherheit Aufschluss über Erkrankungen. Zuerst wird eine einfache Gangprüfung durchgeführt, die bei unsicherem Gangbild noch durch eine erschwerte Prüfung mit verbundenen Augen ergänzt wird. Damit erkennt der Mediziner Symptome wie beispielsweise Schwindel oder ein gestörtes Gleichgewicht.

Untersuchung auf Red Flags

Zum Schluss der Sichtuntersuchung werden die Reflexe kontrolliert. Bei drei verschiedenen Untersuchungen werden der Trömner- und der Knipsreflex an den Fingern, sowie der Babinski Reflex an der Fußsohle getestet. Damit testet der Arzt Schäden an den Nervenbahnen. Bei all diesen Untersuchungen können sogenannte diagnostische „Red Flags“ auftreten, die ihrerseits auf andere Erkrankungen hindeuten und ein reines HWS-Syndrom unwahrscheinlicher machen.

Red Flags

Der Begriff „Red Flags“ bezeichnet im medizinischen Zusammenhang Symptome, die auf eine behandlungsbedürftige Ursache oder Krankheit verweisen. Gerade die Kombination mehrerer Red Flags führt häufig zu einer radiologischen Folgeuntersuchung, um die Ursache der zahlreichen Symptome näher zu ergründen. Bei der Untersuchung sollte Ihr Arzt Wert darauflegen, mögliche Red Flags detailliert zu erfragen.

Die folgende Liste beinhaltet eine große Auswahl der gängigen Red Flags bei Rückenschmerzen:

  • Ruheschmerz, vor allem nachts
  • Schmerz reagiert nicht auf Behandlung/ nimmt sogar zu
  • steigender Schmerz bei Erschütterungen
  • Vorkommen von Rückenproblemen vor dem 20. oder nach dem 50. Lebensjahr
  • Anzeichen einer Infektion, wie beispielsweise Fieber oder Hautinfektionen
  • Neoplasien (Neubildungen) oder Anzeichen von Osteoporose
  • unsicherer Gang, gesteigerte Reflexe, fortschreitende Lähmung/motorische Schwäche
  • lang andauernde Kortikoidtherapie (bspw. Cortison)
  • keine Besserung nach mindestens vierwöchiger Behandlung und mehrere Therapieansätze
  • unerklärbare Gewichtsabnahme, eine Schilddrüsenfehlfunktion kann Rückenschmerzen verursachen

Bildgebung

Sollten mehrere dieser Symptome auftreten, ordnet der Arzt in den meisten Fällen eine Röntgenuntersuchung an. Bei neurologischen Symptomen muss in der Regel eine CT- oder MRT-Untersuchung Aufschluss über mögliche Erkrankungen geben. Falls Neoplasien ertastbar sind, muss eine Szintigrafie – ein Verfahren zur Darstellung innerer Organe – durchgeführt werden.

Sollte Ihr Arzt ein Nervenkompressionssyndrom – also eine dauerhafte Schädigung der Nerven – vermuten, ist eine elektrophysiologische Untersuchung notwendig. Bei dieser Untersuchung werden biegsame Sonden in das betroffene Organ eingeführt. Bei diesen Sonden handelt es sich um spezielle Elektrodenkatheter, mit denen der Arzt die Wirbelsäule direkt untersuchen kann. Teilweise lassen sich schon so Rückschlüsse auf Nervenschäden ziehen, wenn eine normale Reaktion auf die Elektroimpulse ausbleibt.

Differenzialdiagnosen bei einem HWS-Syndrom

Diese aufwendige Diagnoseprozedur hat das Ziel, simple HWS-Syndrome von schwerwiegenderen Erkrankungen zu unterscheiden. Zahlreiche Erkrankungen äußern sich anfänglich durch Schmerzen an den beteiligten Körperteilen oder sie teilen sich Symptome mit dem HWS-Syndrom. Die folgende Liste mit wichtigen Differenzialdiagnosen des HWS-Symptoms verdeutlicht, warum eine ärztliche Untersuchung bei langanhaltenden Nackenbeschwerden mit oben genannten Funktionsstörungen anzuraten ist:

  • Zervikalkanalstenose, eine Engstellung des Wirbelkörperkanals bzw. des Spinalkanals
  • Fibromyalgiesyndrom, ausgebreiteter Schmerz in verschiedenen Körperregionen begleitet von Schlafstörung und Erschöpfung
  • Neuralgien (anfallsartige Schmerzen der Nerven)
  • Schultererkrankungen
  • Gefäßerkrankungen (der Aorta, der Schlüsselbeinarterie oder der hirnversorgenden carotis interna)
  • Infektionen (Hirnhautentzündung, Enzephalitis)
  • Tumore und Metastasen (des Gehirns, der Nerven, der Wirbelsäule)

Viele dieser Krankheiten können im Ernstfall tödlich ausgehen und äußern sich unter anderem durch Rückenschmerzen. Deswegen ist eine gründliche Diagnose bei langanhaltenden Rückenschmerzen wichtig.

Fakten-Box

HWS-Syndrom

  • Sammelbegriff für Nackenbeschwerden
  • vielfältige Ursachen, häufig falsche Körperhaltung, Stress oder fehlendes Training
  • heilt bei gesunder Wirbelsäule vollständig aus, kann bei Wirbelsäulenschäden aber chronisch auftreten
  • Therapiemöglichkeiten: konservativ mit Orthesen, Akupunktur, Physiotherapie, Injektionen, Operationen
  • Schmerzbewältigung häufig im Vordergrund der Behandlung

Mögliche Symptome

Behandlung

  • multimodal, zusätzlich anschließende Vorsorgestrategien
  • konservative Therapien, Wärme- und Kältebehandlungen
  • Akkupunktur
  • Physiotherapie
  • Schmerzmedikamente (Analgetika, Kortikoide, Antirheumatika, Muskelrelaxantien), Injektionstherapie
  • Operationen

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung des HWS-Syndroms

Aufgrund der Vielfalt der Ursachen, sind auch die Behandlungsmöglichkeiten sehr zahlreich. Häufig steht für die Patienten die Schmerzlinderung im Fokus, langfristige funktionelle Defekte können aber mithilfe von Physiotherapie und einer Verhaltensumstellung vorzeitig verhindert werden.

Konservative Therapie

Das Ziel der konservativen Therapie ist die schnellstmögliche Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit. Schon in der Patientenberatung wird Wert daraufgelegt, Sie als Patienten in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. Sportliche Betätigung hilft vorbeugend und sollte Teil jeder Behandlungsmethode sein. Der Großteil der HWS-Syndrome heilt kurzfristig – meist spontan über Nacht – aus. Weitere Mittel zur Vorbeugung sind Entspannungstechniken wie beispielsweise Meditation oder autogenes Training. Individuell angepasste Schmerzbewältigungsstrategien helfen, wenn die Schmerzen bereits bestehen.

Zur Ruhigstellung des schmerzenden Bereichs sind manchmal Orthesen von Nöten. Diese Schienen, umgangssprachlich auch „Halskrause“ genannt, erhöhen die Wärmeentwicklung im Nackenbereich und entspannen somit die Muskulatur. Die Beweglichkeit wird durch die Orthesen nur minimal eingeschränkt und insbesondere leichte HWS-Syndrome werden durch die Wärme angenehmer wahrgenommen und heilen schneller aus. Tipp: In vielen Fällen erfüllt ein Wollschal die gleiche Funktion wie eine Orthese und Sie sparen sich die lästige Wartezeit beim Arzt und Geld.

Durch immer bessere Informationsangebote erhalten Patienten die Möglichkeit sich auch über alternative Methoden der Behandlung zu informieren. Nicht alle der im Internet beworbenen Methoden sind nachweislich wirksam, doch in Einzelfällen kann die Erwartungshaltung der Patienten das Behandlungsergebnis positiv beeinflussen. Deswegen können auch alternative Therapien zum Erfolg führen und sollten in diesem Fall nicht ignoriert werden.

Akupunktur

Die Wirkung der Akupunktur ist in zahlreichen Studien belegt worden. Sowohl auf die Beweglichkeit, als auch auf das Schmerzempfinden und das Schmerzgedächtnis sind positive Einflüsse der Nadeltherapie nachweisbar. Allerdings führten Akupunktur-Scheinverfahren zu einem ähnlichen Effekt, was in diesem Fall auf einen Placebo-Effekt zurückzuführen ist. Nichtsdestotrotz lindert auch dieser Placebo-Effekt die Schmerzen und steigert das Wohlbefinden. Die Wirkung dieser Methode ist umstritten, Studien zu diesem Thema haben unterschiedliche Ergebnisse hervorgebracht. Letztendlich wird Akupunktur zumindest bei chronischen Nackenschmerzen empfohlen, da das gesteigerte Wohlbefinden und die schmerzlindernde -- wenn auch kurzfristige -- Wirkung insbesondere bei chronischen Schmerzerkrankungen, die Therapie rechtfertigen. Dies gilt bei allen Nackenbeschwerden, die keiner Ursache zugeordnet werden können, also unspezifisch sind und länger als 12 Wochen anhalten.

Manuelle Therapien

Die Folgen eines unteren Zervikalsyndroms können durch Chirotherapie erfolgreich gelindert werden. Auch Schwindel undTinnitus können behandelt werden, sofern die Ursache im unteren (C5-C7) Halswirbelsäulenbereich liegt. Diese Behandlungen beinhalten allerdings auch immer ein sehr geringes Risiko, dass bleibende Schäden verursacht werden. Studien zufolge wird die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung allerdings mit 1:1,5 Millionen geschätzt. Diese Zahl bedeutet, dass lediglich eine von 1,5 Millionen Behandlungen schwerwiegende Komplikationen verursachen kann und zu einer Verschlimmerung der Situation führt.

Physiotherapie

Das primäre Ziel der Physiotherapie ist die Schmerzlinderung bei einem bestehenden HWS-Syndrom. Durch Taping beispielsweise sollen die Muskeln entspannt und – im Anschluss an die Genesung – gezielt aufgebaut werden. Durch vorsichtiges Bearbeiten der Wirbelsäule, Übungen zur Kräftigung der Halsmuskulatur und dem Erlernen eines rückenschonenden Alltagsverhaltens soll die Wahrscheinlichkeit auf weitere HWS-Syndrome gesenkt werden. In vielen Studien wurde die Wirksamkeit von Flexionsübungen zur Stärkung der Halsmuskulatur und Ausdauerübungen für die Schulter- und Armmuskulatur nachgewiesen. Im Anschluss an die Genesung sollte dieses Training definitiv unabhängig von den anderen genannten Behandlungsmethoden selbständig durchgeführt werden.

Chronische Schmerzen müssen durch ein erweitertes Behandlungskonzept behandelt werden. Neben schmerztherapeutischer Behandlung dienen Entspannungstechniken und Stressbewältigungstraining als effektive Bestandteile einer nachhaltigen Schmerztherapie. Der Nutzen von Elektrotherapie kann nicht belegt werden, im bestmöglichen Fall profitieren Patienten von einem Placebo-Effekt, der in diesem Fall die Behandlung allerdings nicht rechtfertigt.

Medikamente und Injektionen

Medikamentöse Langzeittherapien mit Analgetika (beispielsweise Fentanyl) sind aufgrund von Nebenwirkungen ungeeignet. Sind hauptsächlich die Muskeln betroffen, kann eine abendliche Einmaldosis von Muskelrelaxantien (Myotonolytika) helfen. Auch Cortison kann über einen kurzen Zeitraum bei der Schmerzlinderung helfen. Sobald die Krankheit in chronischer Form vorliegt, helfen trizyklische Antidepressiva wie beispielsweise Amitriptylin.

Neben den oralen Medikationsformen kann der Schmerz durch Injektionen auch direkt an der betroffenen Stelle gelindert werden. Die minimal-invasive Injektionstherapie (MIIT) bildet das Kernstück der Schmerztherapie, sofern keine bisherige Therapie helfen konnte, eine Operation aber auch nicht absolut notwendig ist. Diese Therapie kann zu Übelkeit und Erbrechen, Rededrang, Schwindel, Unruhe, akustischen und visuellen Störungen, Verlust der Orientierung, Muskelzucken oder selten sogar Atemlähmung führen. Sie sollte deswegen mit Bedacht eingesetzt werden und erfolgt in enger Abstimmung mit dem behandelnden Mediziner.

Operative Therapie

Sollte sich trotz konservativer Behandlung keine Besserung einstellen, ist die operative Therapie häufig die letzte Möglichkeit. Bei einer therapieresistenten Facettengelenksarthrose kann durch eine Operation der schmerzende Halswirbel versteift werden. Dadurch wird das Rückenmark entlastet. Auf Verengungen des Spinalkanals können mit einer Operation behoben werden. Außerdem werden bei einem Bandscheibenvorfall unterstützende Bandscheibenprothesen oder Knochenersatzprodukte an den betroffenen Stellen eingesetzt, um die Wirbelsäule zu stabilisieren.

Aktuelle Forschung – Haltungsanpassungen führen zur Linderung von HWS-Beschwerden – eine Fallstudie

In einer aktuellen Fallstudie aus den Vereinigten Staaten konnte nachgewiesen werden, dass die Körperhaltung einen direkten Einfluss auf das Wohlergehen der Wirbelsäule hat. Eine vorgestreckte Kopfhaltung (engl. forward head posture) und ein Rundrücken sind zwei häufige Begleiterscheinungen der steigenden Handynutzung. Diese Haltungsfehler führen zu einer erhöhten Belastung der Wirbelsäule. In der Studie wurde untersucht, ob eine Korrektur dieser Haltungsfehler zu einer Reduktion der erlebten Beschwerden führt.

Ablauf der Studie

Der 32-jährige Patient litt nach einem Arbeitsunfall vor 7 Jahren an chronischen Kopf- und Gliederschmerzen, die durch zahlreiche Behandlungen mit Medikamenten und Injektionen nicht behoben werden konnten. Die einzige Alternative zur dauerhaften Erwerbsunfähigkeit bildete eine Operation. Stattdessen fand über einen Zeitraum von 13 Wochen ein Trainingsprogramm statt, in dem der Teilnehmer drei Mal wöchentlich gezielte Übungen zu Beweglichkeit der Hals- und Brustwirbelsäule durchführte.

Ergebnis der Studie

Neben einschneidenden Verbesserungen der Körperhaltung berichtete der Patient von 90 % seltener auftretenden Schmerzereignissen und einem stark gesteigerten Wohlbefinden. In Fragebögen zur Erwerbsunfähigkeit bewertete er die Intensität der weiterhin auftretenden Rückenschmerzen nur noch mit 10 % der Schmerzen vor der Therapie. Auch seine körperliche Leistungsfähigkeit wurde durch die verbesserte Körperhaltung gesteigert. Leistungszuwächse in den Armen als auch ein wesentlich stärkerer Rücken ergaben sich aus den Sportübungen.

Quelle: Miles O. Fortner u. a. (2018) : Alleviation of chronic spine pain and headaches by reducing forward head posture and thoracic hyperkyphosis: a case report. In: Journal of Physical Therapy Science, 2018, Volume 30, Issue 8: S. 1117-1123.

Häufige Patientenfragen

Kann ein HWS-Syndrom auch Bluthochdruck auslösen?

Dr. Dr. T. Weigl
Ja, kann es. Lange Zeit konnten Mediziner keiner Verbindung zwischen Nackenbeschwerden und Bluthochdruck (Hypertonie)ausmachen. Eine aktuelle Studie entdeckte kürzlich eine Verbindung zwischen der Nackenmuskulatur und dem nucleus tractus solitarii. Dieses Kontrollzentrum in Ihrem Gehirn steuert den Blutdruck, die Atmung und den Herzschlag. Viele Beschwerden nach einem Schleudertrauma können ebenfalls durch diese Beziehung erklärt werden, da die Muskeln nach einem Unfall häufig verspannt sind und die Kommunikation stören.

Muss ich bei einem HWS-Syndrom zwingend einen Arzt aufsuchen?

Dr. Dr. T. Weigl
Nein, im Regelfall verheilt ein HWS-Syndrom ohne ärztliche Behandlung. Gerade bei häufigen Beschwerden durch Muskelverspannungen kann eine Verbesserung spontan „über Nacht“ eintreten. Wärme kann zur Entspannung der Muskeln beitragen, da hilft ein Schal oder ein Körnerkissen ebenso gut wie eine Halskrause. Bei längerfristigen Beschwerden sollte dagegen ein Arzt aufgesucht werden, um abzuklären, ob schwerwiegende Erkrankungen vorliegen.

Kann ich ein HWS-Syndrom auch mit Kälte behandeln?

Dr. Dr. T. Weigl
Ja, falls eine Entzündung wie beispielsweise die rheumatoide Arthritis die Schmerzen verursacht. In diesen Fällen sollte der Bereich gekühlt werden. Wichtig ist hierbei, dass das Eis niemals direkten Kontakt zur Haut hat. Tipp: Herkömmlicher Quark hat eine entzündungshemmende und abschwellende Wirkung. Einfach auf die Stelle auftragen, abdecken und 20 Minuten einwirken lassen.

Kann medizinisches Marihuana bei meinen Beschwerden helfen?

Dr. Dr. T. Weigl
Ja, es existieren Studien zur Wirksamkeit von medizinischem Marihuana bei HWS-Syndromen. Vor allem die schmerzlindernde Wirkung wird dabei hervorgehoben, bei Muskelverspannungen kann auch die entspannende Wirkung helfen. Bei chronischen Erkrankungen wie der Fibromyalgie oder Arthrose kann medizinisches Marihuana zur Schmerztherapie eingesetzt werden. Das Cannabinoid THC  wirkt schmerzstillend und entzündungshemmend, das Cannabinoid CBD ist ein Stimmungsaufheller. Aktuell existieren zu dem Thema noch nicht genug (Langzeit-) Studien, um die Wirksamkeit und Nebenwirkungen abschließend bewerten zu können. Die aktuelle Studienlage und zusätzliche Informationen zu medizinischem Marihuana präsentiere ich Ihnen in dem Artikel „Cannabis als Medikament und Medizin auf Rezept“.

Exkurs: HWS-Training

Ein gezieltes Kräftigungstraining der Schulter-, Nacken- und Halsmuskulatur verringert die Wahrscheinlichkeit auf ein HWS-Syndrom. Diese Muskelgruppen werden durch einen immer inaktiveren Lebenswandel unterfordert und verlieren an Stärke. Zusätzliche Dehnübungen helfen den verspannten Muskeln und tragen zu einer gesünderen Haltung bei. Fehlhaltungen können korrigiert und Überbelastungen reduziert werden. Neben Problemen mit den Muskeln, folgen häufig auch Beschwerden der Faszien, Bänder und Sehnen im Bereich des Nackens.

Im untenstehenden Video zeigen wir zusammen mit dem Physiotherapeuten Philipp Schumann gezielte Übungen zur Kräftigung der Nackenmuskulatur. Unabhängig von der Ursache ihrer Schmerzen können die Übungen zu einer schmerzfreien Zukunft verhelfen.

Nackenmuskulatur🏋HWS kräftigen & trainieren ✅ Übungen bei Nackenschmerzen & Nackenverspannungen

Typisches Patientenbeispiel

Wann es genau passiert war, konnte Bernd gar nicht genau sagen. Irgendwann bei der Wanderung gestern muss er sich falsch bewegt haben, denn heute nach dem Aufstehen hat er einen steifen Hals. Vielleicht hätte er auch einfach einen Schal mitnehmen sollen, der Wind bläst auch im Oktober schon ganz schön heftig in den Dünen. Nun ist es zu spät.

Bernd schleppt sich zur Arbeit, „Das bisschen Papierkram kriege ich schon hin“, reißt er sich zusammen und macht sich auf den Weg. Angekommen im Büro, vertieft er sich in seine Unterlagen und bekommt nicht mit, wie sich seine Nackenmuskulatur immer weiter verhärtet, bis er plötzlich durch ein Schwindelgefühl von der Arbeit abgehalten wird. Zusätzlich spürt er Übelkeit aufsteigen. „Was habe ich mir denn da eingefangen?“, denkt er sich. Seine Kollegin Sabine erkennt seine Beschwerden und rät ihm dringend zu einem Arztbesuch: „Eine Bekannte von mir hat sich wochenlang damit gequält, ist dann schließlich zum Arzt und wurde 4 Wochen krankgeschrieben.“ Davon beunruhigt begibt sich Bernd zwar nicht zu einem Arzt, aber direkt nach Hause und aufs Sofa.

Beim Abendessen kann er seine Schmerzen nicht vor seiner Familie verbergen und erzählt von seinen Beschwerden und Sabines Sorgen. Sein Sohn Arnold erkennt die Zeichen sofort und vermutet ein HWS-Syndrom. „Auch wenn du nicht mehr ganz taufrisch bist, solltest du dich von deiner Kollegin nicht so verrückt machen lassen. Vom Nacken einmal abgesehen bist du doch in ganz guter Verfassung, das sollte von alleine wieder ausheilen. In Zukunft musst du aber besser auf dich aufpassen und unter Umständen mal wieder etwas Sport treiben.“ Bernd schaut ihn fassungslos an, aktuell kann er sich eine schnelle Besserung nicht vorstellen. Verunsichert von diesen zwei vollkommen unterschiedlichen Ratschlägen entschließt er sich, erst einmal eine Nacht darüber zu schlafen und am nächsten Tag den Arzt aufzusuchen.

Immer noch Nackenprobleme?

Bernd erwacht früh am nächsten Morgen. Er macht sich kurz frisch und begibt sich in die Küche um einen Kaffee zu trinken. Arnold betritt die Küche: „Guten Morgen, wie geht es dem Nacken?“. Bernd schaut ihn verständnislos an, bisher hatte er seinen Nacken gar nicht bewusst wahrgenommen und wundert sich jetzt über die Selbstverständlichkeit, mit der er seine Morgenroutine erledigen konnte. „Siehst du Papa, ich hab dir doch gesagt, dass du noch lange nicht so alt bist, wie du dich manchmal fühlst. Achte aber in Zukunft ein wenig auf deine Körperhaltung und geh öfter zum Sport. Außerdem kann ich dir heute Abend noch ein paar Dehnübungen zeigen, die dir helfen, den Nacken nach der Schreibtischarbeit zu entspannen. Jetzt brauche ich aber erst einmal einen Kaffee.“

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Buchtipp:

 

Haben Sie Erfahrungen mit dem HWS-Syndrom? Möchten Sie sich bei uns weiter über Rückenbeschwerden erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich untereinander auszutauschen!

 

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Timo Hülsmann
Lektorat: Christopher Keck
Datum: 05.12.2019

Quellen

  • Johannes Jorg, Hermann Menger (1998): Das Halswirbelsäulen- und Halsmarktrauma: Neurologische Diagnose und Differentialdiagnostik. In: Deutsches Ärzteblatt, Ausgabe 95, Heft 21.
  • Miles O. Fortner u. a. (2018): Alleviation of chronic spine pain and headaches by reducing forward head posture and thoracic hyperkyphosis: a case report. In: Journal of Physical Therapy Science, 2018, Volume 30, Issue 8: S. 1117-1123.
  • Stefanie Füssel u. a. (2014): Was lässt sich wie konservativ behandeln? Chronisches HWS-Syndrom. In: MMW-Fortschritte der Therapie. 2014, Volume 156, Issue 10: S. 37–40.
  • Joachim Grifka u. a. (2017): Injektionstherapie bei Zervikal- und Lumbalsyndromen. In: Der Orthopäde. Ausgabe 2/2017: S. 573–82.
  • Heiko Körner (2014): „Red flags“ in der Diagnostik von Rückenschmerzen. In: Orthopädie & Rheuma, Volume 18, Issue 5: S. 12-14.
  • Dorota Losch u. a. (2017): Handynacken. In: Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie. 2017, Volume 30, Issue 4: S. 234-236.
  • Daniela Ohlendorf u. a. (2015): KOnservative Therapie des HWS-Syndroms. In: Manuelle Medizin, 2015, Volume 53, Issue 5: S. 350-356.
  • Alexander Schuh u. a. (2016): Das HWS-Syndrom. In: MMW -- Fortschritte der Medizin. Sonderheft 1/2016: S. 52-59.
[Gesamt:10    Durchschnitt: 5/5]

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