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Vitamin K – Funktion und als Nahrungsergänzungsmittel

Auf einen Blick – Vitamin K

Was ist Vitamin K?

  • Vitamin K1 (in pflanzlichen Nahrungsmitteln)
  • Vitamin K2 (v. a. in tierischen Nahrungsmitteln & durch Darmbakterien hergestellt)
  • Funktionen: Blutgerinnung, Knochenstoffwechsel

Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-K-Mangel?

  • Patienten mit bestimmten Erkrankungen: z. B. Morbus Crohn, chronische Lebererkrankungen
  • Patienten mit Alkoholismus
  • Menschen, die nicht genügend Vitamin K mit der Nahrung aufnehmen

Vitamin-K-Mangel: Symptome

  • erhöhtes Risiko für Blutungen/verlängerte Blutungszeit
  • verminderte Knochendichte

Vitamin K als Nahrungsergänzungsmittel

  • Vitamin-K-Bedarf wird i. d. R. durch eine ausgewogene Ernährung gedeckt
  • zusätzliche Einnahme für bestimmte Risikogruppen sinnvoll

Tipps

  • einige Medikamente, die die Blutgerinnung beeinflussen, haben Wechselwirkungen mit Vitamin K

Immer häufiger hört man von vielen Menschen, dass sie das Bedürfnis haben, ,etwas Gutes für den Körper zu tun‘. Und was bietet sich da besser an, als eine Tablette mit Vitaminen einzunehmen? Die Verkaufszahlen von Nahrungsergänzungsmitteln sind in den letzten Jahren stark gestiegen. In diesem Beitrag stellen wir Ihnen eines dieser viel verkauften Vitamine vor: Vitamin K. Es handelt sich dabei um ein Vitamin, das Funktionen bei der Herstellung Faktoren für die Blutgerinnung und den Knochenstoffwechsel erfüllt. Einen Großteil des Vitamins nehmen wir mit der Nahrung auf – insbesondere grünes Blattgemüse weist einen hohen Vitamin-K-Gehalt auf. Außerdem sind bestimmte Darmbakterien dazu fähig, das Vitamin eigenständig herzustellen. Ist es daher überhaupt sinnvoll, Vitamin K als Nahrungsergänzungsmittel zu supplementieren? Und wenn ja, für wen?

Vitamin K: Funktion im Körper

Vitamin K ist ein fettlösliches Vitamin, das als Vitamin K1 (sog. ,Phyllochinon‘) in pflanzlichen und als Vitamin K2 (sog. ,Menachinon‘) in tierischen und fermentierten Nahrungsmitteln vorkommt. Darüber hinaus kann Vitamin K2 durch Darmbakterien im unteren Dünndarm sowie im Dickdarm gebildet werden. Die Darmbakterien verwenden dazu Vitamin K1 und führen es in Vitamin K2 über.

Vitamin K2 kommt in verschiedenen Formen vor, die als MK-2 bis MK-14 bezeichnet werden. MK-4, MK-7 und MK-9 gehören zu den Vitamin-K2-Formen, die am besten untersucht sind.

Es gibt ein drittes Vitamin K, Vitamin K3, das aufgrund seiner Nebenwirkungen nicht zugelassen ist.

Exkurs: Vitamine

Bei Vitaminen handelt es sich um organische Verbindungen. Sie werden für verschiedene Stoffwechselreaktionen benötigt. Vitamine müssen über die Nahrung aufgenommen werden. Man unterscheidet wasserlösliche Vitamine (u. a. B1, B2, B3, B5, B7, B9, B12, C) von fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K). Vitamin D nimmt eine besondere Rolle ein: Es kann vom Körper unter UV-Einstrahlung aus Cholesterin hergestellt werden.

Verarbeitung im Körper

Das fettlösliche Vitamin K gelangt gemeinsam mit den Fetten aus der Nahrung in den Verdauungstrakt. Anschließend wird es von den Gallensäuren gebunden und im Darm resorbiert. Wie viel Vitamin K im Darm aufgenommen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Anschließend wird Vitamin K über das Lymphsystem zur Leber geleitet. Dort wird es gespeichert. Die Ausscheidung erfolgt über Galle und Urin.

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Vitamin K1, das sich in der Nahrung befindet, wird zu etwa 80 % vom Körper resorbiert. Es macht gleichzeitig den Großteil des im Blut befindlichen Vitamin Ks aus. Vitamin K2 liegt nur in geringen Mengen im Blut vor. Dahingegen befindet sich zur Speicherung in der Leber vor allem Vitamin K2. Dadurch, dass Vitamin K schnell verstoffwechselt und ausgeschieden wird, ergibt sich ein vergleichsweise niedriger Vitamin-K-Spiegel im Blut.

Blutgerinnung

Das Vitamin spielt eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung. Vitamin K fungiert als sogenanntes Coenzym bei der Herstellung von Gerinnungsfaktoren. Diese Faktoren werden benötigt, damit Gerinnungsprozesse stattfinden können und eine Blutung gestillt wird. Bei Anwesenheit von Vitamin K können folgende Gerinnungsfaktoren strukturell verändert werden:

  • Faktor II
  • Faktor VII
  • Faktor IX
  • Faktor X
  • Protein C
  • Protein S
„Vitamin K hat seinen Namen aufgrund seiner Funktion bei der Gerinnung (sog. ,Koagulation‘).“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Knochenstoffwechsel

Weiterhin ist Vitamin K wichtig für den Knochenstoffwechsel. Es ist an der Entstehung von Eiweißen (sog. ,Proteinen‘) in den Knochenzellen, den sogenannten Osteoblasten, beteiligt. Die Proteine heißen unter anderem Osteocalcin, MGP und Protein S – sie binden Calcium. Vitamin K bewirkt eine strukturelle Änderung der Proteine, sodass diese aktiviert werden. Bei Abwesenheit von Vitamin K ist viel inaktives Osteocalcin (sog. ,uncarboxyliert‘) vorhanden. Dieses uncarboxylierte Osteocalcin im Blut liefert Aufschluss über die Vitamin-K-Versorgung des Körpers.

Aktuelle Forschung – Review-Artikel

Rodríguez und Curiel haben einen Review-Artikel erstellt, um den aktuellen Forschungsstand zu Vitamin K wiederzugeben. Dazu wurden verschiedene Studien analysiert, in denen unter anderem Parameter wie Frakturrisiko und Knochendichte untersucht worden waren.

Vitamin K: Knochendichte, Frakturen

Eine Metaanalyse aus dem Jahre 2017 fasste fünf Studien mit insgesamt 80.982 Teilnehmern zusammen. Das Ergebnis verdeutlichte, dass eine höhere Vitamin-K1-Einnahme mit einem niedrigeren Frakturrisiko einhergeht. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass die fünf Studien jeweils sehr heterogen waren.

Weiterhin stellt sich die Frage, ob eine höhere Vitamin-K-Einnahme zu einer höheren Knochendichte führt. Dies wurde in einer Studie mit 888 Patienten, die durchschnittlich 75 Jahre alt waren, untersucht. Durch einen Fragebogen zur individuellen Ernährung wurde erfasst, wie viel Phyllochinon (Vitamin K1) die Studienteilnehmer zu sich nehmen. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen Knochendichte und Phyllochinon-Aufnahme konnte nicht gemessen werden. Allerdings wurde ein signifikanter Zusammenhang zwischen Phyllochinon-Einnahme und Frakturen festgestellt.

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Nach drei Jahren führten die gleichen Forscher eine weitere Studie durch. Die Studiengruppe bestand aus 2591 Teilnehmern und war im Durchschnitt jünger (Frauen: 58 Jahre, Männer: 59 Jahre). In dieser Studie stellte sich – im Gegensatz zur ersten Studie – heraus, dass niedrige Phyllochinon-Einnahmen zu einer altersunabhängigen Reduktion der Knochendichte in der Hüfte und der Wirbelsäule führten.

Vitamin K in der Osteoporosetherapie

Eine japanische Studie untersuchte bei 1874 Osteoporose-Patientinnen, ob eine kombinierte Therapie aus dem Medikament ,Risedrona‘ und Vitamin K2 ein besseres Endergebnis hat im Gegensatz zu einer alleinigen Behandlung mit Risedronat. Dazu wurde überprüft, wie viele Frakturen in den beiden Gruppen auftraten: Es gab ungefähr gleich viele Fraktur-Ereignisse.

In einer weiteren Studie mit nur 101 Teilnehmerinnen stellte sich erneut heraus, dass eine Kombinationstherapie aus Risedronat und Vitamin K2 keine Verbesserung bezüglich des Risikos für Wirbelfrakturen darstellt. Bei Teilnehmerinnen mit Wirbelfrakturen, die nur Risedronat erhielten, konnten jedoch höhere Werte des uncarboxylierten Osteocalcins gemessen werden.

Vitamin-K-Supplementation

Die Autoren haben verschiedene Studien – unter anderem auch Metaanalysen – zusammengefasst und sind zu dem Entschluss gekommen, dass eine Vitamin-K-Supplementation das Frakturrisiko zu reduzieren scheint. Allerdings seien auch hier weitere, hoch-qualitative Studien erforderlich, um definitive Therapieempfehlungen auszusprechen.

Ergebnisse

Abschließend fassen die Autoren zusammen, dass laut Beobachtungsstudien eine geringe Vitamin-K-Aufnahme, niedrige Vitamin-K-Spiegel im Blut und hohe Werte des uncarboxylierten Osteocalcins auf ein erhöhtes Frakturrisiko hindeuten. Nichtsdestotrotz postulieren sie, dass weitere qualitativ hochwertige klinische Studien erforderlich sind.

Quelle: Celia Rodríguez-Olleros Rodríguez, Manuel Díaz Curiel (2019): Vitamin K and Bone Health: A Review on the Effects of Vitamin K Deficiency and Supplementation and the Effect of Non-Vitamin K Antagonist Oral Anticoagulants on Different Bone Parameters. In: Journal of Osteoporosis. 31. Dezember 2019. 2019:2069176.

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Weitere Funktionen von Vitamin K

Es gibt ein weiteres Eiweiß, das bei Vorhandensein von Vitamin K hergestellt wird: Dabei handelt es sich um das sogenannte Matrix-Gla-Protein (kurz: ,MGP‘). MGP verhindert unter anderem die Verkalkung des Knorpelgewebes und der Gefäßwand-Muskelzellen. In ebendiesen Zellen wird MGP auch produziert. Seine Wirkung beruht auf der Bindung von Calcium. Die Bindung von Calcium verhindert gleichzeitig, dass es im Gewebe eingelagert wird und dort zu einer Verkalkung (sog. ,Kalzifikation‘) führt.

Aktuelle Forschung – Effekt von MK-4-Supplementation auf die Verkalkung der Herzkranzgefäße und die Festigkeit von Arterien

Die Teilnehmergruppe setzte sich aus 26 Menschen zusammen, deren Altersdurchschnitt bei 69 Jahren lag. Die Studienteilnehmer hatten alle mindestens einen gesundheitlichen Risikofaktor, der das Herz betraf (z. B. Bluthochdruck). Über einen Zeitraum von einem Jahr wurden täglich 45 mg Vitamin K2 in Form von MK-4 supplementiert. Vor Beginn und nach Abschluss der Supplementation wurde eine CT-Untersuchung der Herzkranzgefäße zur Darstellung der Verkalkung durchgeführt. Zu den gleichen Zeitpunkten wurde eine sogenannte Pulswellengeschwindigkeit gemessen.

Ergebnis

Die Kalzifikation, also die Verkalkung der Herzkranzgefäße nahm durch die MK-4-Behandlung signifikant zu. Obwohl es zwischen den Studienteilnehmern eine große Spannweite bezüglich der Ausprägung der Verkalkung gab, nahm sie in keinem Fall ab. Da es keine Vergleichsgruppe gab, kann nicht beurteilt werden, ob die Zunahme der Verkalkung unter MK-4-Gabe möglicherweise geringer war als ohne. Die Pulswellengeschwindigkeit hingegen zeigte keine Veränderung. Lediglich bei Patienten mit einem Vitamin-K-Mangel verbesserte sich die Geschwindigkeit.

Bei der Interpretation des Studienergebnisses muss berücksichtigt werden, dass die Studiengruppe nur eine geringe Teilnehmerzahl umfasste.

Quelle: Yuji Ikari u. a. (2016): Impact of menaquinone-4 supplementation on coronary artery calcification and arterial stiffness: an open label single arm study. In: Nutrition Journal. 12. Mai 2016. 15: 53.

Natürliches Vorkommen von Vitamin K

Folgende Lebensmittel weisen einen unterschiedlich hohen Vitamin-K-Gehalt auf:

hoher Vitamin-K-Gehaltmittlerer Vitamin-K-Gehaltniedriger Vitamin-K-Gehalt
Blumenkohl (208 µg/100 g)Bergkäse (30 µg/100 g) Apfel (4 µg/100 g)
Brokkoli (121 µg/100 g)Blätterteig (27 µg/100 g)Bier (0 µg/100 g)
Eisbergsalat (112 µg/100 g)Bockwurst (11 µg/100 g)Cornflakes (1 µg/100 g)
Feldsalat (200 µg/100 g)grüne Bohnen (22 µg/100 g)Fischstäbchen (1 µg/100 g)
Grünkohl (250 µg/100 g)Butter (60 µg/100 g)Joghurt (5 µg/100 g)
Eigelb (147 µg/100 g)Goudakäse (25 µg/100 g)Kaffee (0 µg/100 g)
Porree (200 µg/100 g)Haferflocken (63 µg/100 g)Kuhmilch (2 µg/100 g)
Rosenkohl (250 µg/100 g)Rinderhack (11 µg/100 g)Limonade (0 µg/100 g)

Vitamin K ist ein relativ hitzestabiles Vitamin, daher bleibt es bei der Zubereitung von Speisen in der Regel bestehen. Eine lange Lagerung von Vitamin-K-haltigen Nahrungsmitteln wirkt sich jedoch negativ auf den Vitamin-K-Gehalt aus.

Vitamin K: Tägliche Referenzwerte

Die ,Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.‘ hat Schätzwerte für eine angemessene Tageszufuhr an Vitamin K veröffentlicht. Diese lauten für verschiedene Altersgruppen (und Geschlechter) wie folgt:

Altermännlich (Vitamin k in µg/Tag)weiblich (Vitamin k in µg/Tag)
15 bis unter 19 Jahre7060
19 bis unter 25 Jahre7060
25 bis unter 51 Jahre7060
51 bis unter 658065
65 Jahre und älter8065
Schwangere60
Stillende60

Wer ist am ehesten von einem Vitamin-K-Mangel betroffen?

Neugeborene

Verschiedene Faktoren führen bei Neugeborenen dazu, dass sie ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-K-Mangel haben. Beispielsweise gelangt nur wenig Vitamin K über den Mutterkuchen (sog. ,Plazenta‘) zum Kind. Außerdem fehlen bei Neugeborenen jene Darmbakterien, die dazu fähig sind, Vitamin K herzustellen.

Aus diesen Gründen wird Neugeborenen im Anschluss an die Geburt sowie bei den Vorsorgeuntersuchungen U2 (am 3. – 10. Lebenstag) und U3 (mit 4 – 6 Wochen) eine sogenannte Vitamin-K-Prophylaxe von jeweils 2 mg Vitamin K verabreicht. Je nach Präparat ist eine Gabe in den Muskel, in die Vene oder eine orale Gabe vorgesehen. Die Prophylaxe beugt dem erhöhten Blutungsrisiko bei Neugeborenen vor. Blutungen können beispielweise im Gehirn, im Bauchraum, im Brustkorb oder in der Haut auftreten. Die Dokumentation der Vitamin-K-Prophylaxe erfolgt im gelben Kinder-Untersuchungsheft.

Gut zu wissen!

Auch bei Frühgeborenen sollte eine Vitamin-K-Prophylaxe erfolgen. Gegebenenfalls muss die Dosis in solchen Fällen angepasst werden.

Einnahme von Antibiotika

Eingangs haben wir bereits erwähnt, dass bestimmte Darmbakterien Vitamin K2 herstellen können. Bei einer längerfristigen Antibiotikaeinnahme kann die natürliche bakterielle Darmflora gestört sein. Dies kann zu einer Störung der Vitamin K2–Herstellung führen.

Einnahme von bestimmten Gerinnungshemmern

Viele Patienten mit einem erhöhten Gerinnungsrisiko nehmen sogenannte Vitamin-K-Antagonisten ein. Zu dieser Medikamentengruppe der Cumarine gehören beispielweise die Präparate Marcumar und Coumadin. Die Einnahme von Gerinnungshemmern (sog. ,Antikoagulantien‘) senkt die Gerinnungsaktivität im Blut. Sie werden unter anderem wie folgt eingesetzt:

Durch die Verwendung von Vitamin-K-Antagonisten wird sozusagen ein – wenn auch erwünschter – ,künstlicher‘ Vitamin-K-Mangel hervorgerufen.

Vitamin-K-Mangel bei bestimmten Krankheiten

Die deutsche Verbraucherzentrale hat einen Artikel zu Vitamin K veröffentlicht (Vitamin K-Produkte – was ist sinnvoll‘). Darin wird beschrieben, dass gesunde Menschen aufgrund ihrer Ernährung keinen Vitamin-K-Mangel haben. Es gibt jedoch Personengruppen, die aufgrund bestimmter Krankheiten möglicherweise vermindert Vitamin K aufnehmen. Darüber hinaus können Medikamente, die den Vitamin-K-Stoffwechsel beeinflussen, einen Mangel hervorrufen:

Die Symptome: Welche Beschwerden verursacht ein Vitamin-K-Mangel?

Allgemeine Symptome

Ein leichter Vitamin-K-Mangel kann sich durch allgemeine Symptome wie zum Beispiel Müdigkeit und Kopfschmerzen äußern.

Einfluss auf das Gerinnungssystem

Ein Vitamin-K-Mangel beeinflusst das Gerinnungssystem. Es kann zu Einblutungen in verschiedene Gewebe/in die Organe kommen. Außerdem können (verlängerte, vermehrte) Blutungen im Anschluss an Operationen auftreten. Weitere Beschwerden sind möglicherweise Nasenbluten und Zahnfleischbluten. Gleichzeitig besteht bei einem Vitamin-K-Mangel eventuell die Gefahr eines hohen Blutverlustes.

Ein einfaches Beispiel: Sie schneiden sich beim Kochen aus Versehen in den Finger und wundern sich darüber, dass es viel länger als sonst dauert, bis die Blutung sistiert.

Einfluss auf den Knochenstoffwechsel

Da Vitamin K den Calcium-Einbau in den Knochen bzw. die dafür vorgesehenen Proteine beeinflusst, kann die Knochendichte bei einem ausgeprägten Vitamin-K-Mangel vermindert sein. Daraus resultiert möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche (sog. ,Frakturen‘).

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose eines Vitamin-K-Mangels

Anamnesegespräch, Körperliche Untersuchung

Im Anamnesegespräch stellt Ihnen der Arzt zunächst viele Fragen, zum Beispiel:

  • Welche körperlichen Beschwerden haben Sie?
  • Haben Sie in der letzten Zeit vermehrt geblutet? Hat es länger gedauert bis beispielsweise Schnittwunden aufgehört haben zu bluten?
  • Wie ernähren Sie sich? Nehmen Sie viel (grünes) Gemüse zu sich?
  • Welche Medikamente nehmen Sie ein?
  • Nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel ein?

Im Anschluss an das Anamnesegespräch folgt die körperliche Untersuchung. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf (Ein-)Blutungen, die äußerlich sichtbar sind.

Blutuntersuchungen

Mögliche Anlässe für eine Blutuntersuchung können der Verdacht auf einen Vitamin-K-Mangel sein, künstliche (sog. ,parenterale‘) Ernährung oder die Behandlung mit bestimmten Gerinnungshemmern. Vor allem Letzteres ist eine häufige Indikation.

Im Rahmen einer Blutuntersuchung kann der Vitamin-K-Spiegel gemessen werden. Der Wert ist alters- und methodenabhängig. Er liegt (je nach Labor) zwischen ca. 50 – 580 ng/l. Es ist zurzeit noch unklar, ob der im Blut gemessene Vitamin-K-Spiegel wirklich aussagekräftig ist.

Darüber hinaus können die Parameter der Blutgerinnung gemessen werden. Bei einem zu niedrigen Vitamin-K-Spiegel können die Gerinnungsfaktoren beeinflusst werden. Dies spiegelt sich in der Thromboplastinzeit/Prothrombinzeit – auch bekannt als ,Quick‘ – wieder. Der Quick-Wert ist bei Vitamin-K-Mangel erniedrigt, die Gerinnungszeit verlängert. Ein anderes Maß ist die sogenannte INR, sie wäre bei einem Vitamin-K-Mangel erhöht.

Fakten-Box-Vitamin K

  • Vitamin K1 (in pflanzlichen Nahrungsmitteln)
  • Vitamin K2 (v. a. in tierischen Nahrungsmitteln, durch Darmbakterien hergestellt)
  • Funktionen: Blutgerinnung, Knochenstoffwechsel
  • Vitamin-K-Bedarf wird durch eine ausgewogene Ernährung gedeckt

Vitamin-K-Mangel

  • Patienten mit bestimmten Erkrankungen: z. B. Morbus Crohn, chronischen Lebererkrankungen
  • erhöhtes Risiko für Blutungen/verlängerte Blutungszeit
  • verminderte Knochendichte

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung eines Vitamin-K-Mangels

Sollte ein Vitamin-K-Mangel diagnostiziert worden sein, muss dieser behandelt werden. In Absprache mit dem Arzt wird entschieden, ob es ausreicht, die Ernährung umzustellen, oder ob eine Substitution des Vitamins erfolgen muss. Es ist daher wichtig, die Ursache des Vitamin-K-Mangels zu kennen.

Eine Substitution muss auch durchgeführt werden, wenn der Vitamin-K-Mangel auf der Basis einer bestimmten Grunderkrankung entstanden ist. Die Grunderkrankung muss dann natürlich ebenfalls behandelt werden.

Vitamin-K-Präparate stehen in verschiedenen Dosierungen und Darreichungsformen zur Verfügung.

Vitamin K als Nahrungsergänzungsmittel

Wie Sie bereits wissen, gilt ein Vitamin-K-Mangel bei einer ausgewogenen, vielseitigen Ernährung als relativ unwahrscheinlich. Eine Vitamin-K-Substitution mit Nahrungsergänzungsmitteln ist in solchen Fällen nicht notwendig. Dem gegenüber stehen die zuvor beschriebenen Risikogruppen, die gegebenenfalls einen Vitamin-K-Mangel ausbilden. Eine Substitution ist in diesen Fällen sinnvoll, um – abgesehen von einer normalen Gerinnungsfunktion – auch die Knochengesundheit zu gewährleisten.

Zuletzt sollten Sie wissen, dass Vitamin K-Präparate nur mit diesen beiden Aussagen ausgezeichnet werden dürfen:

  • „Vitamin K trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei.“
  • „Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.“

Verboten sind dahingegen Aussagen, die implizieren, dass Vitamin K vor Osteoporose schützt.

„Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine gesunde Ernährung mit viel frischem Gemüse und Obst.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Vitamin-K-Präparate

Vitamin K ist oft einer von vielen Bestandteilen in sogenannten Multivitamin-Präparaten. Es gibt jedoch auch Präparate, die ausschließlich Vitamin K enthalten oder es mit wenigen anderen Vitaminen kombinieren. Sollten Sie ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen wollen, empfiehlt es sich, vorher die (Dosis der) darin enthaltenen Inhaltsstoffe zu studieren.

MK-7

Ein bestimmtes Vitamin K2, nämlich das sogenannte MK-7, weist aufgrund seiner Struktur eine besonders hohe Bioverfügbarkeit auf. Das bedeutet, dass es dem Körper in hohem Maße zur Verfügung steht. MK-7 ist Bestandteil vieler Nahrungsergänzungsmittel.

Positiver Effekt auf die Knochengesundheit?

Aktuelle Forschungsprojekte beschäftigen sich mit der Frage, ob die (zusätzliche) Einnahme von Vitamin K einen Einfluss auf die Knochengesundheit hat.

Aktuelle Forschung – 3-jährige Einnahme von niedrig dosiertem MK-7 reduziert den Verlust der Knochenmasse bei postmenopausalen Frauen

MK-7 ist eine Form von Vitamin K2. In einer Studie wurde eine Gruppe von 244 Frauen untersucht, die bereits ihre letzte Periode hatte (sog. ,Menopause‘). Die Studienteilnehmer erhielten über einen Zeitraum von drei Jahren besagtes MK-7 oder ein Placebo-Präparat ohne Wirkstoff. In diesem Zeitraum wurden jährlich folgende Parameter gemessen:

  • uncarboxyliertes und carboxyliertes Osteocalcin (das carboxylierte Eiweiß kann nur bei Anwesenheit von Vitamin K produziert werden, carboxyliertes Osteocalcin liefert somit Aufschluss über die Vitamin-K-Versorgung des Körpers)
  • Knochendichtemessung der Lendenwirbel, der Hüfte und des Oberschenkelhalses
  • Knochendichtemessung der Wirbelkörper

Ergebnisse

Die Einnahme von MK-7 führte zu einer signifikanten Verbesserung des Vitamin-K-Spiegels. Daraus resultierte ein verminderter Rückgang der Knochendichte im Lendenbereich, nicht jedoch in der gesamten Hüfte. Außerdem zeigte sich im Bereich der unteren Brustwirbelsäule ein geringerer Höhenverlust der Wirbelkörper.

Beachten Sie, dass die Studiengruppe aus einer geringen Teilnehmerzahl bestand und es sich um eine spezielle Population handelte (nämlich postmenopausale Frauen).

Quelle: Marjo Knapen u. a. (2013): Three-year low-dose menaquinone-7 supplementation helps decrease bone loss in healthy postmenopausal women. In: Osteoporosis International. September 2013. 24(9): 2499-507.

Positiver Effekt auf das Herz-Kreislauf-System?

Abgesehen von möglicherweise positiven Effekten auf die Knochengesundheit wird erforscht, ob sich Vitamin K positiv auf das kardiovaskuläre – also das Herz und die Gefäße betreffende – System auswirkt:

Aktuelle Forschung – Effekt von MK-7-Supplementation auf die Gefäßverkalkung bei Patienten mit Diabetes

Eine Forschungsgruppe hat untersucht, ob eine Vitamin-K2-Supplementation in Form von MK-7 die Gefäßverkalkung (sog. ,Kalzifikation‘) reduziert. Die 68 Studienteilnehmer litten an Diabetes Mellitus Typ II und zusätzlich kardiovaskulären Erkrankungen. Eine Studiengruppe erhielt ein Placebo-Präparat ohne Wirkstoff, die andere Gruppe erhielt 360 µg MK-7 pro Tag. Die Studie lief über einen Zeitraum von sechs Monaten. Zu Beginn und nach sechs Monaten wurde die Verkalkung der Oberschenkelarterie (sog. ,Arteria femoralis‘) mit einer PET-Untersuchung gemessen. Weiterhin wurde eine CT-Untersuchung durchgeführt. Die zuverlässige Einnahme von MK-7 wurde über einen Blutwert (Matrix-Gla-Protein) überprüft.

Ergebnis

Wider Erwarten konnte im PET eine erhöhte Verkalkung der Gefäße bei MK-7-Einnahme gemessen werden. Im CT zeigte sich, dass die MK-7-Supplementation die Verkalkung der Gefäße nicht reduzierte. Das Studienergebnis ist jedoch dadurch limitiert, dass hier eine (bereits an unter anderem Diabetes) erkrankte Studiengruppe ausgewählt wurde. Trotzdem gibt es Hinweise darauf, dass MK-7 möglicherweise einen negativen Effekt auf die Verkalkung der Gefäße hat.

Quelle: Sabine Zwakenberg u. a. (2019): The effect of menaquinone-7 supplementation on vascular calcification in patients with diabetes: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. In: The American Journal of Clinical Nutrition. Oktober 2019. 110(4): 883-890.

Limitationen der Studien

Zusammenfassend lässt sich aufgrund der im Artikel vorgestellten Studienergebnisse sagen, dass bestimmte Trends erkennbar sind:

  • MK-4 und MK-7 reduzieren die Verkalkung der (Herzkranz-)Gefäße nicht, möglicherweise fördern sie diese sogar
  • MK-7 könnte die Reduktion der Knochendichte bei postmenopausalen Frauen vermindern
  • eine Vitamin-K1-Supplementation könnte das Frakturrisiko reduzieren

Dennoch bedarf es weiterer Forschung und Studien, um aussagekräftige, evidenzbasierte Ergebnisse hinsichtlich der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin K zu erhalten.

Gründe hierfür sind beispielsweise, dass es in manchen Studien keine Vergleichsgruppen gab, in denen die Menschen das untersuchte Nahrungsergänzungsmittel nicht eingenommen haben. Außerdem werden häufig unterschiedliche Vitamin-K-Formen untersucht (z. B. MK-4 vs. MK-7). Eine weitere Schwierigkeit ist dadurch gegeben, dass der Effekt eines Vitamins nicht isoliert betrachtet werden kann – durch die Nahrung wird schließlich nicht nur Vitamin K aufgenommen, sondern noch viele weitere Vitamine. Darüber hinaus werden in vielen Studien immer nur bestimmte Personengruppen betrachtet. Dazu gehören unter anderem postmenopausale Frauen. Es stellt sich somit die Frage, ob die Studienergebnisse dieser speziellen Teilnehmergruppe ohne Weiteres auf andere Personengruppen übertragen werden können.

Nahrungsergänzungsmittel sind aktuell – im wahrsten Sinne des Wortes – in aller Munde. Wie sinnvoll ist beispielsweise die Einnahme von Selen? In der Video-Visite erklärt Dr. Dr. Weigl unter anderem, welche Funktion Selen im Körper erfüllt.

Wundermittel Selen: Gut für Haare, Herz & Krebs? Nahrungsergänzungsmittel bei Selenmangel (Symptome)

Wie wird Vitamin K eingenommen?

Die Empfehlung des Bundesamtes für Risikobewertung für die tägliche Höchstdosis von Vitamin K in Nahrungsergänzungsmitteln und mit Vitamin K angereicherten Lebensmitteln liegt bei einer Menge von 80 µg. „Bei diesen ernährungsphysiologisch am Bedarf orientierten Vitamin-K-Mengen [seien] keine gesundheitlichen Risiken für den Verbraucher zu erwarten. (…) Ein Nutzen höherer Dosen ist bei gesunden Personen bislang nicht belegt.“

Vitamin K ist in Form von Tropfen und Kapseln verkäuflich. Da es sich bei Vitamin K um ein fettlösliches Vitamin handelt, ist in dem Nahrungsergänzungsmittel häufig eine fettige Komponente enthalten. Gleiches gilt für Vitamin-K-haltige Nahrungsmittel: Die Aufnahme des Vitamins wird verbessert, wenn die Mahlzeit beispielsweise etwas Öl enthält. Achten Sie darauf, dass das Präparat vor Licht geschützt ist.

Haben Sie schon einmal Vitamin K als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen? Welche Erwartungen hatten Sie an das Präparat? (Mehrfachnennungen möglich)

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Nebenwirkungen

Laut Verbraucherzentrale sind „[d]ie von Mikroorgansimen und Pflanzen gebildeten Vitamin-K-Verbindungen (…) für gesunde Menschen auch in hohen Dosierungen nicht gefährlich. Bis auf seltene, vereinzelt beobachtete allergische Überempfindlichkeitsreaktionen sind keine Überdosierungserscheinungen bekannt.“ Auch das Bundesamt für Risikobewertung spricht von einer „untoxisch[en]“ Wirkung, „selbst in hohen Dosen“. Selten gebe es „allergische Hautreaktionen“.

Wechselwirkungen

Hohe Dosen an Vitamin K in Nahrungsergänzungsmitteln können die Wirksamkeit von Vitamin-K-Antagonisten herabsetzen. In diesem Fall wäre die Gerinnungsaktivität wieder erhöht. Sprechen Sie die Vitamin K-Einnahme daher unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt ab! Außerdem sollten Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen, die Ernährung nicht plötzlich umstellen. Denn: viele (grüne) Gemüsesorten enthalten hohe Mengen an Vitamin K.

Die deutsche Verbraucherzentrale berichtet, dass „[b]ereits 10 µg Vitamin K2 (…) die gerinnungshemmende Therapie negativ beeinflussen“ können. Es empfiehlt sich daher, dass täglich ungefähr gleich viel Vitamin K aufgenommen wird.

Fazit zu Vitamin K

Sicherlich stellen Sie sich nach dieser Fülle an Informationen die Frage, ob es sinnvoll ist, Vitamin K im Alltag zu supplementieren.

Gesunde Menschen, die sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren, haben in der Regel kein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-K-Mangel. Der Tagesbedarf an Vitamin K kann durch die Nahrung gedeckt werden, sodass es keiner Supplementation bedarf. Zur Orientierung können Sie einen Blick in die Tabelle zu Beginn des Artikels werfen. Da keine giftigen Nebenwirkungen von Vitamin K bekannt sind, müssen Sie keine Sorge vor einer ‚Überdosierung’ in Nahrungsmitteln haben.

Bei bestimmten Risikogruppen kann eines Vitamin-K-Substitution sinnvoll sein. Dazu gehören Patienten mit bestimmten Krankheiten oder Patienten, die (aus welchen Gründen auch immer) nicht genügend Vitamin K mit der Nahrung zu sich nehmen. Eine Supplementation des Vitamins sollte in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Des Weiteren sollten Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen, Rücksprache mit dem zuständigen Arzt halten.

Im Hinblick auf einen therapeutischen Effekt von Vitamin K bedarf es weiterer Forschung, um zuverlässige Empfehlungen auszusprechen. Einige Studien kommen dahingehend überein, dass Vitamin K das Frakturrisiko senken könnte. Allerdings sind viele Studienergebnisse dadurch begrenzt, dass nur spezielle Patientengruppen (z. B. postmenopausale Frauen, Diabetiker etc.) eingeschlossen wurden oder die Studiengruppen zu klein waren. Von einer verminderten Gefäßverkalkung bei Vitamin-K-Einnahme ist nicht auszugehen.

Häufige Patientenfragen

Wird mein Kind während der Schwangerschaft mit ausreichend Vitamin K versorgt?

Dr. Dr. T. Weigl:
Nur bedingt. Über den Mutterkuchen (sog. ‚Plazenta‘) gelangen auch Vitamine in den kindlichen Kreislauf. Es besteht jedoch ein großer Unterschied zwischen dem Vitamin-K-Gehalt des mütterlichen Blutes und dem des kindlichen Blutes. Dies hat zur Folge, dass bis zur Geburt nur bedingt (Vitamin-K-abhängige) Gerinnungsfaktoren im Kind hergestellt werden können. Aus diesem Grund erfolgt nach der Geburt umgehend eine Vitamin-K-Prophylaxe.

Wie wird eine Überdosis von Gerinnungshemmern behandelt? Ich habe gehört, dass Vitamin K gegeben wird, stimmt das?

Dr. Dr. T. Weigl:
Ja. Zunächst ist es wichtig zu wissen, welcher Gerinnungshemmer vom Patienten eingenommen wird. Sollte dies ein Vitamin-K-Antagonist wie beispielsweise Marcumar sein, wird in der Tat Vitamin K als sogenannter Antidot verabreicht.

Ich nehme zur Blutverdünnung Marcumar ein. Kann ich bedenkenlos eine Fastenkur beginnen? Ich würde in dieser Zeit gerne viel Obst und Gemüse essen und Säfte trinken

Dr. Dr. T. Weigl:
Nein. Halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt, wie Sie die Fastenkur gestalten können. Sollten Sie in dieser Zeit (durch das Gemüse) viel Vitamin K zu sich nehmen, besteht die Möglichkeit, dass die Wirkung von Marcumar beeinflusst wird. Sie sollen unter gar keinen Umständen auf den Verzehr von Gemüse und Co. verzichten, starke Schwankungen im Ernährungsverhalten sollten jedoch möglichst vermieden werden.

Wie oft sollte ich meinen Vitamin K-Spiegel im Blut testen lassen?

Dr. Dr. T. Weigl:
Es ist davon auszugehen, dass der Vitamin-K-Bedarf über eine ausgewogene, vielseitige Ernährung gedeckt werden kann. Analysieren Sie Ihr Essverhalten und achten Sie darauf, ob Sie genügend Vitamin-K-haltige Nahrungsmittel zu sich nehmen. Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, ob es sinnvoll ist, eine Vitamin-K-Bestimmung des Blutes bzw. eine Bestimmung der Gerinnungsparameter durchzuführen. Nicht immer ist eine Blutuntersuchung sofort erforderlich.

Typisches Patientenbeispiel

Der 70-jährige Dieter leidet seit einigen Jahren an Leberzirrhose. Mit dazu beigetragen hat unter anderem seine Alkoholabhängigkeit. Und auch sonst pflegt er einen Lebensstil, den man wohl als ‚ungesund’ bezeichnen kann – er ernährt sich beispielsweise überwiegend von Fertignahrung und kocht selten frisch. Gemüse? Obst? Bei Dieter Fehlanzeige.

Vor ein paar Tagen hat er sich aus Versehen in den Finger geschnitten. „Komisch, es hört gar nicht auf zu bluten“, dachte sich Dieter. Nach knapp einer Stunde hörte es dann endlich auf. Außerdem hat er in der letzten Zeit häufig blaue Flecken am Körper und hin und wieder mal Nasenbluten.

Dieter ringt sich zu einem Arztbesuch durch. Vermutlich ist es doch besser, alles einmal abklären zu lassen. Der Arzt stellt ihm zunächst einige Fragen und führt anschließend eine körperliche Untersuchung durch. Er erkundigt sich unter anderem nach der Ernährung seines Patienten. Mit rotem Kopf berichtet Dieter leicht beschämt, dass er gerne auch mal eine Dose zum Mittagessen aufmacht.

„Herr Müller, ich vermute, dass Sie einen Vitamin-K-Mangel haben. Sie haben zwei Risikofaktoren, die dafürsprechen: Zum einen die Leberzirrhose, zum anderen Ihre Ernährung. Ich würde gerne eine kleine Blutuntersuchung zu machen, um Ihre Blutgerinnung zu überprüfen.“

Mit einer kleinen Lanzette sticht der Arzt in Dieters Finger– der Bluttropfen wird danach sofort von einem Gerät ausgelesen. „Wie ich es erwartet habe, konnte ich eine verlängerte Gerinnungszeit feststellen.“ Der Arzt erklärt seinem Patienten, dass die Herstellung aktiver Gerinnungsfaktoren wegen des Vitamin-K-Mangels beeinträchtigt ist. Er verschreibt ihm ein Vitamin-K-Präparat und soll zur Kontrolle wiederkommen. Zusätzlich informiert der Arzt seinen Patienten darüber, welche Nahrungsmittel einen hohen Vitamin-K-Gehalt aufweisen.

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Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl und Rabea Niehues
Lektorat: Nusha Chenari
Veröffentlicht: 03.03.2020

Quellen

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