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Fentanylpflaster – welche Risiken und Möglichkeiten bietet diese Schmerztherapie?

Auf einen Blick – Fentanylpflaster

Was ist ein Fentanylpflaster?

  • Fentanyl ist ein Opioid, also mit Morphin verwandt
  • ungefähr hundertfache Wirkstärke des Morphins
  • Pflaster enthält Fentanyl und setzt es langsam frei

Welche Wirkung hat ein Fentanylpflaster?

  • schmerzstillend bei starken bis sehr starken Schmerzen

Wann wird das Fentanylpflaster angewendet?

  • schweren chronischen Schmerzen, die für den Patienten nur mit Opioiden befriedigend behandelt werden können
  • Durchbruchschmerzen von Krebs
  • schweren rheumatischen Beschwerden und anderen chronischen Gelenk-Schmerzen

Was sind mögliche Nebenwirkungen eines Fentanylpflaster?

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verstopfung
  • Kopfschmerzen und Schwindel
  • in schweren Fällen Atemdepression

Wann darf man Fentanylpflaster nicht anwenden?

  • Kindern unter 2 Jahre
  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder anderen Bestandteilen des Medikaments
  • kurzfristigen Schmerzen, z. B. nach einer OP
  • Herzrhythmusstörungen mit verlangsamtem Herzschlag
  • schweren Beeinträchtigung des Zentralnervensystems
  • Atemproblemen
  • bei der Geburt

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Aufreißen – draufkleben – schmerzfrei? Ganz so simpel ist es leider nicht mit Fentanylpflastern. Es müssen viele Dinge berücksichtigt werden, für den Patienten kommt da zu allererst die korrekte Anwendung. Fentanyl ist ein Opioid, das ähnlich wie Morphin zur Schmerzlinderung eingesetzt wird. Es ist zwar ungefähr um das hundertfache stärker als Morphin, kommt jedoch mit einem gewissen Risiko daher: Fentanyl besitzt eine enge therapeutische Breite. Zwischen einer schmerzlindernden Dosis und einer Dosis, die toxisch wirkt und zu Atemlähmung führen kann, besteht nur eine schmale Grenze. Es kommt immer wieder zu Todesopfern mit Fentanylpflastern: Sei es durch zu heißes Duschen oder durch Drogenmissbrauch.

Als Pflaster existiert Fentanyl in Deutschland seit 1995. Vorteil dieser Arzneiform ist, dass es meist nur alle 72 Stunden gewechselt werden muss, um chronische, starke Schmerzen zu lindern. Worauf muss man als Patient achten, um sich und andere nicht zu gefährden? Was sind zu erwartende Nebenwirkungen? In diesem Artikel klären wir Sie über das Fentanyl-Pflaster auf.

Was ist ein Fentanylpflaster?

Bei Fentanylpflastern handelt es sich um eine Arzneiform, die dazu geeignet ist, starke und langanhaltende Schmerzen zu behandeln. Die Pflaster werden dazu auf die Haut aufgetragen. Sie können bei Erwachsenen und Kindern ab 2 Jahren zum Einsatz kommen. Der Wirkstoff des Pflasters, nämlich das Fentanyl, ist ein stark wirksames Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide.

Was ist Fentanyl?

Fentanyl ist ein stark wirksames, synthetisches Schmerzmittel – es ist ungefähr hundertmal stärker als Morphin. Genau wie Morphin gehört es aber zur Gruppe der Opioide. In der Anästhesie wird es oft bei Narkosen verwendet, daneben auch in der Notfallmedizin. Fentanyl wird in der Schmerztherapie als starkes Schmerzmittel der WHO Stufe 3 eingesetzt.

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Genau wie Morphin birgt auch Fentanyl das Potenzial, eine Abhängigkeit zu erzeugen. In einigen Ländern wird der Wirkstoff als Droge missbraucht und auch in Deutschland gibt es dadurch immer mehr Todesopfer: Im Jahr 2015 gab es über 80 Tote durch eine Fehldosierung. Gefährlich am Fentanyl ist dabei seine enge therapeutische Breite: Der Mengenunterschied, der statt einer Wirkung (z. B. Euphorie) eine toxische Nebenwirkung (z. B. Atemstillstand) hervorruft, ist sehr gering.

Möchten Sie sich vorab ein umfassendes Gesamtbild über das Opioid Fentanyl machen? Im folgenden Videobeitrag klärt Dr. Dr. Tobias Weigl über Wirkung, Nebenwirkungen und die Anwendungsgebiete auf.

Fentanyl (Opiat, Opioid) - Narkosemittel (Anästhesie), Schmerzmittel & Droge | Medikamenten Check

Gut zu wissen: Opioide – nicht bloß Schmerzmittel
Opioide wie Morphin und Fentanyl werden zur Schmerzlinderung eingesetzt. Daneben existieren jedoch noch viele weitere Opioide: Codein beispielsweise wird aufgrund seiner starken hustenstillenden Wirkung bei Hustenreiz eingesetzt. Loperamid dagegen ist ein Opioid, das bei Durchfall Verwendung findet.

Wie funktioniert ein Schmerzpflaster?

Bei einem Fentanylpflaster handelt es sich um ein sogenanntes ‚Transdermal Therapeutisches System’ (kurz: TTS). Hierbei sind ein oder mehrere Wirkstoffe im Pflaster enthalten, die nach dem Aufkleben von der Haut resorbiert werden. Schließlich gelangt das Fentanyl an die Blutgefäße, durch die es im ganzen Körper verteilt werden kann.

Vorteile dieser Arzneiform sind:

  • gleichmäßiger Plasmaspiegel: Statt einer schlagartigen Erhöhung der verfügbaren Wirkstoffmenge und einem mitunter ebenso raschen Abfall wird immer gleichmäßig viel Wirkstoff vom Pflaster an den Körper abgegeben, was zu einer zufriedenstellenden Schmerzlinderung und der Vermeidung von Nebenwirkungen führen kann.
  • man muss das TTS im Falle des Fentanylpflasters nur alle 48 Stunden oder alle 72 Stunden – je nach Verordnung – wechseln

Nachteile eines TTS:

  • es dauert etwas, bis die Wirkung des Arzneistoffes eintritt. Bei kurzfristigen Beschwerden und in Notsituationen kann das Pflaster daher nicht sinnvoll verwendet werden.
  • manchmal kann es zu Hautirritationen an der betreffenden Aufklebestelle kommen
  • der Wirkstoff wird meist unvollständig an die Haut abgegeben. Auch nach 72 Stunden sind im Fentanylpflaster noch große Reste des Arzneistoffes zu finden. Deshalb sollten die Pflaster vor der Entsorgung zugeklebt werden, um beispielsweise Kinder vor einer Berührung zu schützen.

Welche Wirkung hat ein Fentanylpflaster?

Fentanyl ist dem Morphin sehr ähnlich. Beide sind Opioide und beide werden als Schmerzmedikamente eingesetzt. Die Wirkstärke des Fentanyls übertrifft die des Morphins jedoch um das Hundertfache. Außerdem tritt die Wirkung von Fentanyl rasch ein: Ca. 3 Minuten nach einer Spritze in die Vene wirkt der Arzneistoff, danach hält die Wirkung 15–20 Minuten an. Als Pflaster eingesetzt, wird durch einen sogenannten ‚Diffusionsprozess’ nach und nach Fentanyl über einen langen Zeitraum in den Körper abgegeben. Deshalb ist das Pflaster gut für die langfristige Schmerztherapie mit annähernd gleichbleibender Blutkonzentration geeignet.

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Fentanyl blockiert die Schmerzweiterleitung und Schmerzwahrnehmung des Körpers. Es greift ähnlich wie Morphin an den Opioid-Rezeptoren an und bewirkt, dass Schmerzsignale nicht durch Nervenfasern bis an das Zentralnervensystem weitergeleitet werden, wo sie sonst in eine Schmerzempfindung übersetzt würden.

Fentanyl erzeugt im Körper eine Vielzahl an Wirkungen:

  • Schmerzlinderung
  • Beruhigung
  • Euphorie
  • Hustenlinderung
  • Harndrang-Abschwächung
„Fentanylpflaster können chronische Schmerzen bei Patienten wirkungsvoll lindern, es können jedoch auch einige Anwendungsfehler auftreten, auf die es zu achten gilt.“ – Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Was sind die Anwendungsgebiete von Fentanylpflastern?

Aufgrund ihrer stark schmerzlindernden Wirkung werden Fentanylpflaster zur Behandlung chronischer, starker Schmerzen eingesetzt. Sie werden erst dann verwendet, wenn sich die Schmerzen nicht durch nicht-opioide Analgetika (z. B. Ibuprofen, Diclofenac), schwache Opioide (WHO Stufe 2: Tilidin, Tramadol) oder deren Kombination lindern lassen.

Fentanylpflaster finden Einsatz bei folgenden Beschwerden:

  • Tumorschmerzen: Dies sind Schmerzen, die bei Krebs auftreten können. Während der Patient einen Dauerschmerz verspürt, können episodisch auftretende Spitzen an intensivem Schmerz hinzukommen. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität der Krebspatienten enorm. Fentanylpflaster können die beständigen Tumorschmerzen lindern, reichen aber oft nicht aus, wenn sich der Schmerz plötzlich intensiviert, nämlich wenn sog. „Durchbruchschmerzen“ auftreten. Dann ist die Gabe eines weiteren, schnell wirksamen Opioids nötig, z. B. Oxycodon akut.
  • Palliativmedizin
  • Chronischen Schmerzen und chronischen Gelenkschmerzen, z. B. schwere Beschwerden durch Rheuma, schwere Rückenschmerzen

Exkurs: Das WHO-Stufenschema

Schmerztherapeutisch wird zwischen akuten und chronischen Schmerzen unterschieden. Letztere werden von der Weltgesundheitsorganisation WHO klassifiziert, das sog. ‚WHO-Stufenschema’. Es gibt drei Stufen, die unterschiedliche Medikamente abhängig von der Schmerzintensität vorsehen. Sie können auch kombiniert eingesetzt werden. Je höher dabei die Stufe, desto größer ist der zu behandelnde Schmerz:

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  • Stufe 1 beinhaltet nicht-opioide Analgetika: z. B. Diclofenac, Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure
  • Stufe 2 sieht nicht-opioide Analgetika in Kombination mit einem schwach wirkamen Opioid vor: z. B. Codein, Tilidin oder Tramadol
  • Stufe 3 besteht aus dem Einsatz nicht-opioider Analgetika + stark wirksamer Opioide wie Piritramid (Dipidolor), Morphin, Oxycodon

Wie verwende ich das Fentanylpflaster?

Fentanylpflaster werden auf eine freie, haarlose Stelle der Haut aufgeklebt. Der Hautabschnitt sollte außerdem frei von Wunden oder Narben sein, wozu auch frisch rasierte Bereiche zählen. Geeignete Stellen sind:

  • oberer Rücken
  • Oberarm
  • unter dem Schlüsselbein
  • Hüfte
  • Oberschenkel

Vor dem Aufbringen sollten Sie die Hautfläche mit Wasser reinigen – jedoch nicht mit Seife. Dadurch kann die Wirkstofffreisetzung beeinflusst werden!

Fentanylpflaster setzen ihren Wirkstoff über 72 Stunden frei. Anschließend wird das benutzte Pflaster abgezogen und so gefaltet, dass die klebenden Flächen aufeinander liegen und das Pflaster zusammengeklebt ist. Dies verhindert die unabsichtliche Berührung durch andere Personen, insbesondere Kinder.

Achtung: Vermeiden Sie große Hitze
Weil beim Fentanylpflaster der Wirkstoff durch die Haut in den Blutkreislauf diffundiert, kann der Prozess durch Hitze beschleunigt werden, sodass mehr Fentanyl auf einmal resorbiert wird. Direkte Sonneneinstrahlung auf die betreffende Stelle, heiße Duschen oder Saunagänge sind also zu vermeiden.

Vorsicht vor ‚dose Dumping’

Weiterhin sollten Sie darauf achten, das Pflaster nicht zu durchschneiden. Dabei könnte es nämlich zum sogenannten ‚dose Dumping’ kommen: Der Schnitt kann eine Membran im Pflaster zerstören, die für den gleichmäßigen Übergang des Fentanyls vom Pflaster in den Blutkreislauf wichtig ist. Dies resultiert in einem plötzlichen Freisetzen großer Mengen des Arzneistoffs – eine Überdosierung tritt ein.

Die Wirkstärke des Pflasters wird in Mikrogramm pro Stunde angegeben. Dies gibt die Menge Fentanyl wieder, die in einer Stunde vom Pflaster in den Körper übergeht. Welche Wirkstärke für Sie infrage kommt und ob Sie das Pflaster nach 48 Stunden oder nach 72 Stunden wechseln sollen, wird Ihr Arzt bestimmen. Unter anderem spielt die Überlegung eine Rolle, ob Sie zuvor schon Opioid-Schmerzmittel eingenommen haben und wie stark Ihr Schmerz ist.

Fahr- und Verkehrstüchtigkeit

Fentanyl hat unter anderem eine schläfrig machende Wirkung, auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch. Diese kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen – vor allem, wenn gleichzeitig Alkohol konsumiert wird. Beim Bedienen von Maschinen und der aktiven Teilnahme am Straßenverkehr ist deshalb Vorsicht geboten.

Beendigung der Therapie

Setzen Sie Fentanylpflaster nie eigenmächtig und abrupt ab – es könnte zu Entzugserscheinungen kommen. Wenn Ihr Arzt zusammen mit Ihnen befindet, dass Fentanylpflaster nicht mehr nötig seien, wird er ein Ausschleichen anordnen: Sie werden stufenweise geringere Dosen bekommen, bis Sie das Medikament ohne Entzugserscheinungen absetzen können.

Was sind die Nebenwirkungen des Fentanylpflasters?

Wie jedes Medikament weist auch das Fentanylpflaster potentielle Nebenwirkungen auf. Diese müssen jedoch nicht alle auftreten oder alle gleichzeitig. Die nachfolgende Auflistung gibt Auskunft über Art und Häufigkeit der einzelnen Nebenwirkungen. Dabei bedeutet „häufig“, dass 1 bis 10 von 100 Patienten bei der Einnahme hiervon betroffen sind, bei der Bezeichnung „gelegentlich“ sind 1 bis 10 von 1.000 Patienten und bei der Bezeichnung „selten1 bis 10 von 10.000 Patienten betroffen.

Achtung: Silent Death!
Fentanyl und andere Opioide haben als typische Nebenwirkung, dass eine Atemverflachung eintritt. Diese kann bis zum tödlichen Atemstillstand führen. Gefährlich wird es, wenn das Medikament aus herzfernen Teilen des Körpers wieder in den Blutkreislauf zurückkehrt: Es tritt erneut ein schmerzlindernder, aber auch ein stark atemverflachender Effekt ein! Folge kann der sogenannten ‚Silent Death’ sein, der ‚Stille Tod’. Er tritt deshalb still ein, weil der Patient keine Atemnot verspürt, während er erstickt. Der Effekt des Silent Death kann vor allem dann auftreten, wenn das Medikament abrupt abgesetzt wird und der Körper mit einer überschießenden Gegenreaktion (sog. ‚Rebound-Phänomen’) antwortet. Daher ist folgender Aspekt einer Fentanylpflaster-Behandlung extrem wichtig: Niemals das Medikament eigenmächtig absetzen! Fentanyl muss stufenweise in geringer werdenden Dosen ausgeschlichen werden.

Sehr häufig sind:

Häufig kommt es zu:

  • Mundtrockenheit
  • Verdauungsbeschwerden
  • Hautreaktionen an der Anwendungsstelle (verschwindet normalerweise einen Tag nach Entfernen des Pflasters)
  • Sedierung
  • Nervosität
  • Appetitlosigkeit

Gelegentlich treten auf:

  • Herzrasen (sog. Tachykardie)
  • verlangsamter Herzschlag (sog. Bradykardie)
  • krankhaftes Zittern von Extremitäten (sog. Tremor)
  • krankhafte Empfindungen auf der Haut wie z. B. ‚Ameisenlaufen’, die keine direkte Ursache haben
  • Sprachstörungen
  • Kurzatmigkeit
  • eingeschränkte Lungenbelüftung
  • Durchfall
  • Harnverhalt
  • Hautausschlag und Hautrötung (verschwindet normalerweise einen Tag nach Entfernen des Pflasters)
  • Bluthochdruck (sog. Hypertonie)
  • stark erniedrigter Blutdruck (sog. Hypotonie)
  • Benommenheit mit abnormer Schläfrigkeit
  • Euphorie
  • Vergesslichkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Halluzination
  • krankhafte Unruhe mit hastigen und heftigen Bewegungen (sog. Agitiertheit)

Selten kommt es zu:

  • unregelmäßigem Herzschlag
  • Schluckauf
  • Gefäßweitung
  • Kältegefühl
  • Bildung von Wasseransammlung im Gewebe (sog. Ödeme)

Sehr selten beobachtet man:

  • Atemdepression bis hin zum Atemstillstand
  • gestörte Bewegungskoordination
  • Krampfanfälle
  • Schwachsichtigkeit
  • schmerzhafte Blähungen
  • Darmverschluss (sog. Ileus)
  • Schmerzen der Harnblase
  • verminderte Urinproduktion
  • allergische Reaktion
  • Wahnideen
  • Störungen der Sexualfunktion
  • Entzugserscheinung
  • Angstzustände
  • Depression
  • Verwirrungszustände

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit sind:

  • Gewöhnung
  • physische und psychische Abhängigkeit
  • Entzugserscheinung durch Änderung des Opioid-Medikaments oder abruptes Absetzen

Werden schwerwiegende Nebenwirkungen festgestellt, sollte der Arzt den Patienten noch 24 Stunden lang überwachen! Grund ist die lange Zeit, die es braucht, bis Fentanyl im Körper abgebaut wird.

Achtung: Lebensbedrohliche Nebenwirkungen!
Wenn Sie nicht im Vorfeld schon opioidhaltige Schmerzmittel eingenommen haben, könnten Sie lebensbedrohliche Nebenwirkungen durch das Fentanylpflaster erleiden, da es sich um ein sehr starkes Opioid handelt. Vor Kindern sollte man die Pflaster insbesondere schützen: Landet ein Fentanylpflaster versehentlich auf der Haut oder im Mund eines Kindes, kann dies tödlich enden – auch wenn das Pflaster schon benutzt wurde.

Haben Sie schon einmal Fentanylpflaster verwendet? Welche Nebenwirkungen haben Sie dabei verspürt? Mit Ihrer Teilnahme helfen Sie anderen Menschen, ein Bild von der Sicherheit dieser Arzneiform zu gewinnen.

Fakten-Box Fentanylpflaster

  • aus der Gruppe der Opioid-Medikamente

Wirkung

  • Schmerzstillend bei starken bis sehr starken Schmerzen

Anwendungsgebiete

  • schwere chronische Schmerzen, wenn keine anderen Schmerzmedikamente den Schmerz stillen

Wichtigste Nebenwirkungen

  • Atemdepression bis hin zu Atemstillstand
  • Verstopfung
  • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Verdauungsprobleme
  • vermehrtes Schwitzen
  • Gewöhnung
  • physische und psychische Abhängigkeit

Darreichungsform

  • Pflaster in verschiedenen Wirkstärken zwischen 12 Mikrogramm und 150 Mikrogramm, die pro Stunde vom Pflaster freigesetzt werden

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen existieren für ein Fentanylpflaster?

Kontraindikation bedeutet, dass es einen Umstand gibt, der eine bestimmte Therapie oder die Anwendung eines bestimmten Medikaments verbietet, da es sonst zu negativen gesundheitlichen Folgen käme. Dies wird auch als Gegenanzeige bezeichnet. Demnach dürfen Fentanylpflaster nicht angewendet werden bei

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder anderen Inhaltsstoffen
  • Kindern unter 2 Jahren
  • schwerer Beeinträchtigung des Zentralnervensystems
  • akuten oder postoperativen Schmerzen, weil eine Dosis-Einstellung bei kurzfristiger Anwendung nicht möglich ist
  • Atemproblemen
  • Herzrhythmusstörungen mit verlangsamtem Herzschlag
  • Einnahme von Hemmern des Enzyms Monoaminooxidase (MAO-Hemmer)

Was ist in Schwangerschaft und Stillzeit zu beachten?

Während der Schwangerschaft sollten Fentanylpflaster nur angewendet werden, wenn es unbedingt erforderlich ist. Dauert die Behandlung weniger als 30 Tage, ist es sehr unwahrscheinlich, dass das Neugeborene Entzugserscheinungen aufweist oder Atemprobleme hat. Dauert die Behandlung länger als einen Monat, steigt das Risiko jedoch erheblich an. Eine risikoärmere – jedoch nicht risikofreie – Alternative zu Fentanyl während der Schwangerschaft ist das Opioid Tramadol.

In der Stillzeit sollten Fentanylpflaster nur kurz und bei absoluter Notwendigkeit genutzt werden. Werden die Pflaster wiederholt angewandt, birgt dies ein großes Risiko für Atembeschwerden beim Säugling. Mittel der Wahl für Opioide während des Stillens ist Morphin. Eventuell sollte ein Abstillen erwägt werden, wenn das Fentanylpflaster häufiger angewandt werden muss.

Was sind Wechselwirkungen und welche gibt es bei Fentanylpflaster zu beachten?

Wechselwirkungen treten immer dann auf, wenn ein Medikament mit einem anderen Medikament oder einer Substanz im Körper reagiert. Dadurch können sowohl deren Wirkungen als auch Nebenwirkungen verstärkt oder abgeschwächt werden. Beides ist für die Therapie nicht gewollt. Deshalb ist es vor Medikamenteneinnahme wichtig zu wissen, welche Substanzen solche Reaktionen herbeiführen.

Es gibt einige Medikamente, die die atemlähmende und Müdigkeit erzeugende Wirkung von Fentanyl verstärken können. Diese sind

Weitere Medikamente, die die Wirkung des Fentanyls verstärken oder verlängern können, sind

  • Ritonavir (Mittel bei HIV-Infektion)
  • Fluconazol, Itraconazol (Wirkstoffe gegen Pilzinfektionen)
  • Erithromycin (Antibiotikum)

Bei welchen Vorerkrankungen ist zusätzliche Vorsicht angebracht?

Bevor das Fentanylpflaster angewandt werden darf, sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker sprechen, wenn einer der folgenden Umstände bzw. Erkrankungen schon einmal bei Ihnen auftrat oder gegenwärtig auftritt:

  • Probleme mit der Lunge oder beim Atmen
  • Hirntumor
  • Probleme an Herz, Niere oder Leber
  • niedriger Blutdruck
  • dauerhafte Kopfschmerzen oder -Verletzungen
  • hohes Alter (durch dieses könnten Sie empfindlicher auf den Wirkstoff reagieren)
  • Myasthenia Gravis (Krankheit, die sich durch Muskelschwäche und schnelle Ermüdung de Muskeln auszeichnet)
  • Missbrauch von Alkohol, Drogen oder verschreibungspflichtigen Medikamenten

Aktuelle Forschung – Fentanylpflaster gegen postoperative Schmerzen?

Könnte ein Fentanylpflaster bei richtiger Anwendung genauso effektiv sein, postoperative Schmerzen zu lindern, wie eine Fentanyl-Infusion? Diese Frage stellte sich ein Forscher-Team um J.S. Jang.

Dabei untersuchten sie Patienten, denen operativ die Gallenblase entfernt werden sollte. Die Patienten wurden dabei zufällig in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe erhielt 14 Stunden vor der Operation ein Fentanylpflaster mit einer Wirkstärke von 25 Mikrogramm pro Stunde, während die andere Gruppe ein wirkstoffloses Placebo-Pflaster erhielt. Nach der OP wurde die Gruppe, die zuvor ein wirkstoffhaltiges Pflaster erhielt, mit einer Kochsalzlösung als Placebo behandelt, die andere wiederum erhielt eine Fentanyl-Infusionslösung. In bestimmten Zeitabständen wurde über 48 Stunden der Fentanyl-Blutwert sowie das Schmerzlevel der Patienten bestimmt.

Das Ergebnis

Zwischen den beiden Gruppen gab es keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich des Schmerzlevels, dass die Patienten empfanden. In beiden Gruppen kam es zudem nicht zu einer Atemdepression.
Das Fentanylpflaster sorgte im Vergleich zur Fentanyl-Infusionslösung für einen konstanteren Blutspiegel.

Quelle: J.S. Jang u. a. (2018): Is the transdermal fentanyl patch an efficient way to achieve acute postoperative pain control?: A randomized controlled trial. Medicine (Baltimore).

Häufige Patientenfragen

Wo bringe ich das Fentanylpflaster am besten an?

Dr. Dr. T. Weigl
Das Pflaster sollte auf trockene, flache und unbehaarte Stellen des Körpers geklebt werden. Auch sollte die betreffende Stelle keine Verletzung (nicht nach Rasuren!) oder Vernarbung aufweisen. Sie sollten das Pflaster außerdem auf eine Fläche kleben, mit der Sie nicht oft in Kontakt mit anderen Menschen kommen. Beispiele für gute Klebeflächen sind die obere Rückenpartie, unter dem Schlüsselbein, die Hüfte oder der Oberschenkel. Vor dem Aufkleben sollten Sie die betreffende Stelle kurz mit Wasser reinigen und trockentupfen – verwenden Sie jedoch keine Seife dabei. Dies kann die Wirkstoffaufnahme über die Haut beeinflussen.

Worauf sollte ich achten, wenn das Pflaster angebracht ist?

Dr. Dr. T. Weigl
Durch Wärme kann mehr Fentanyl vom Pflaster in den Körper gelangen. Daher sollten Sie heiße Duschen vermeiden. Auch sollten Sie auf die betreffende Stelle keine Wärmeflasche legen oder sie dem Sonnenlicht aussetzen. Saunagänge sind ebenfalls zu vermeiden.

Wie beende ich die Verwendung der Fentanylpflaster?

Dr. Dr. T. Weigl
Niemals sollten Sie die Fentanylpflaster von dem einen auf den anderen Tag komplett absetzen. Es kann hierdurch zu Entzugserscheinungen kommen. Ihr Arzt wird Ihnen, wenn sich Ihre Schmerzen gebessert haben, eine schrittweise Verringerung der Fentanyl-Menge verordnen, sodass sich Ihr Körper daran gewöhnen kann, den Arzneistoff nicht mehr zu bekommen. Das Medikament wird „ausgeschlichen“.

Wie entsorge ich ein Fentanylpflaster richtig?

Dr. Dr. T. Weigl
Je nach Verordnung ist es nach 48 bis 72 Stunden an der Zeit, das alte Pflaster durch ein neues zu ersetzen. Dabei sollten Sie wissen, dass nach dieser Zeit immer noch Wirkstoff-Reste im Pflaster enthalten sind! Um sicher zu gehen, dass andere Personen weder versehentlich noch absichtlich in Kontakt mit dem enthaltenen Fentanyl kommen, drücken Sie das Pflaster an den Klebeflächen zusammen. So kann das Pflaster in einem geschlossenen Behälter zusammen mit dem Hausmüll entsorgt werden. Anschließend waschen Sie sich die Hände. Ist das Pflaster noch unbenutzt, bringen Sie es nach Möglichkeit in die Apotheke zurück.

Woran würde ich eine Überdosierung bemerken?

Dr. Dr. T. Weigl
Achten Sie bei der Anwendung der Fentanypflaster auf Ihren Zustand: Ist Ihre Atmung flach oder langsamer als sonst? Fühlen Sie sich besonders müde? Fällt es Ihnen schwerer, zu denken, zu sprechen oder zu laufen? All dies können Zeichen einer Überdosierung sein. Entfernen Sie das Pflaster bei diesen Anzeichen und begeben Sie sich in die Hände eines Arztes. Er wird Sie über 24 Stunden lang beobachten.

Typisches Patientenbeispiel

„Hallo Herr Flickenschild, wie geht es Ihnen heute?“, fragt Doktor Werner seinen Patienten, während dieser sich langsam im Bett aufrichtet. Dabei erkennt Doktor Werner schon, dass seinen Patienten Schmerzen quälen: Die Augen zusammengekniffen und die Stirn gerunzelt. „Die Schmerzen…werden stärker. Dieser vermalledeite Krebs… es macht…alles keinen Spaß.“. Herr Flickenschild presst diese Worte geradezu heraus, als wäre es viel Arbeit. „Ich sehe schon, dagegen müssen wir etwas tun. Ich werde ein Fentanylpflaster für Sie verschreiben. Fentanyl ist ein starkes Schmerzmittel, ähnlich wie Morphin. Es wird die Tumorschmerzen lindern.“ „Ja, bitte, das ertrage ich sonst nicht länger. Und…wie funktioniert es?“. Doktor Werner legt seine Mappe auf den Tisch und erklärt Herrn Flickenschild geduldig, was es mit dem Pflaster auf sich hat…

Kurz darauf bekommt Herr Flickenschild das Fentanylpflaster. Es ist ihm lieber, ein Pflaster auf seine Haut zu kleben als eine Tablette zu schlucken, weil ihm oft schlecht ist und er sich übergeben muss. Herrn Flickenschilds Schmerzen bessern sich nach dem Anbringen.

Verwandte Themen

Haben Sie bereits ein Fentanylpflaster verordnet bekommen? Gab es Probleme bei der Anwendung? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Christopher Keck
Lektorat: Clara Spottke
Veröffentlicht: 03.03.2020

Quellen

  • Aktories u. a. (2017): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban und Fischer Verlag, Elsevier GmbH.
  • Bauer/Frömming/Führer (2017): Pharmazeutische Technologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart. 10. Auflage.
  • Gelbe Liste (2019): Fentanyl.
  • Hexal AG (2009): Fachinformation Fentanyl-Hexal MAT.
  • J.S. Jang u. a. (2018): Is the transdermal fentanyl patch an efficient way to achieve acute postoperative pain control?: A randomized controlled trial. Medicine (Baltimore).
  • Ernst Mutschler et al. (2013): Mutschler Arzneimittelwirkungen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart. 10. Auflage.
  • Stiftung Warentest (2015): Wirkstoffpflaster: Wie Sie medizinische Pflaster richtig anwenden.
[Gesamt: 3   Durchschnitt:  5/5]
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