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Halsschmerzen – Beschwerden und mögliche Ursachen

Halsschmerzen sind ein sehr häufiges Symptom. Oft verschwinden sie wieder von selbst. Der Einsatz einer antibiotischen Therapie sollte sorgfältig abgewogen werden.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
 
Halsschmerzen sind ein Symptom, das auf verschiedene Erkrankungen in Hals-, Mund und Rachenraum hinweisen kann. In 50–80 Prozent der Fälle steckt eine virale Infektion der oberen Atemwege dahinter. Es wird unterschieden zwischen einer Entzündung des Rachens (sog. ‚ Pharyngitis‘), einer Entzündung von Nasen- und Rachenschleimhaut (sog. ‚Rhinopharyngitis‘), einer Mandelentzündung (sog. ‚akute Tonsillitis‘) und der Entzündung von Mandeln und Rachenschleimhaut (sog. ‚Tonsillopharyngitis‘). Alle Krankheitsbilder werden unter dem Begriff der Pharyngitis zusammengefasst und sind durch eine Dauer von maximal 14 Tagen definiert. Die Therapie besteht meist in Allgemeinmaßnahmen, Schmerzmedikation und einer Lokaltherapie. Selten kommt bei einer hartnäckigen, bakteriellen Infektion eine antibiotische Therapie hinzu.

 

 

Es ist Montagmorgen. Julia, 25 Jahre, fühlt sich heute früh gar nicht gut. Sie hat die letzte Nacht schlecht geschlafen, da sie zunehmend unter Gliederschmerzen leidet. Außerdem fängt ihre Nase an, zu laufen und der Hals tut beim Schlucken weh. Sie geht zunächst trotzdem zur Arbeit. Mittags leidet sie unter Schüttelfrost und beschließt in der Mittagspause kurzfristig, ihren Hausarzt aufzusuchen. Die Arzthelferin misst eine Temperatur von 38,8°C, der Arzt stellt eine Rötung des Rachenraumes fest und schreibt Julia den Rest der Woche krank.

 

Der Hals: Warum tut der Hals manchmal weh?

Julia aus unserem Beispiel hat eine Entzündung des Halses und einen Infekt der oberen Atemwege (Schnupfen, Halsschmerzen, Fieber). In der größten Zahl der Fälle, nämlich 50–80 Prozent, wird dies durch Viren verursacht (z. B. zu 20 Prozent durch Rhinoviren, zu 5 Prozent durch Coronaviren und zu weniger als 1 Prozent durch Coxackie-Viren). Seltener steckt eine bakterielle Infektion dahinter, dann meist mit den sog. ß-hämolysierenden Streptokokken (Gruppe A 15–30 Prozent mit Pharyngitis/Tonsillitis u. Scharlach, Gruppe C und G 5–10 Porzent mit Pharyngitis/Tonsillitis). Diese bakterielle Infektion wird oft antibiotisch behandelt. Die häufigere virale Infektion heilt in der Regel von selbst aus.
Der Spontanverlauf einer viralen Infektion sieht folgendermaßen aus:

  • Halsschmerzen: 3,5–5 Tage
  • Fieber: 2–3 Tage
  • Komplikationen mit Eiterbildung (Abszess), Mittelohrentzündung oder eine Nasennebenhöhlenentzündung sind selten bis sehr selten
  • Generell herrscht ein extrem niedriges Risiko einer Folgeerkrankung (zum Beispiel Nierenerkrankung = akute Poststreptokokkenglomerulonephritis), daher ist eine routinemäßige oder prophylaktische Antibiotikagabe nicht gerechtfertigt. Hinzu kommt, dass ein präventiver Erfolg gegen die Folgeerkrankungen durch die Antibiotikatherapie nicht belegt ist.

 

Das Symptom Halsschmerzen und die Begleiterscheinungen

Durch eine meist virale Infektion kommt es zu einer schmerzhaften Reizung und Entzündung der Schleimhäute von Mund-, Hals- und Rachenraum.
Neben den Halsschmerzen können weitere Beschwerden auftreten, nämlich:

  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • Schluckbeschwerden
  • Heiserkeit
  • Reizhusten
  • Fieber

 

Wen kann es erwischen?

Grundsätzlich kann jede Altersgruppe und jedes Geschlecht von Halsschmerzen betroffen sein.
 

Haben Sie schon einmal unter Halsschmerzen gelitten? Was waren Ihre Beschwerden? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einzuschätzen.
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Gut zu wissen: Der Centor-Score
Der Centor-Score (benannt nach dem Erstautor RM Centor) hilft, abzuschätzen, ob eine Pharyngitis durch Streptokokken der Gruppe A verursacht ist. Dadurch soll ein gegebenenfalls unnötiger Einsatz von Antibiotika verhindert werden. Sinnvoll eingesetzt werden kann der Score ab einem Alter von 15 Jahren. Für Kinder (ab 3 Jahren) wird der McIsaac-Score eingesetzt.
 
Es werden 4 Parameter erfasst, die jeweils einen Punkt geben:

  • Temperatur > 38°C
  • Fehlen von Husten
  • vordere Halslymphknoten sind geschwollen und druckschmerzhaft
  • Mandeln sind vergrößert oder belegt

Die Auswertung gibt die Wahrscheinlichkeit einer Streptokokken-Infektion an:

  • 4 Punkte: 50–60%
  • 3 Punkte: 30–35%
  • 2 Punkte: 15%
  • 1 Punkt: 6–7%
  • 0 Punkte: 2,5%

 

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Wie bei jedem Arztbesuch erfolgt als erstes die Anamnese, also die Befragung des Patienten nach seinem Befinden. Seit wann bestehen die Halsschmerzen? Gibt es andere Begleiterscheinungen (Fieber, Husten, Unwohlsein usw.)?
In der körperlichen Untersuchung wird der Arzt natürlich in den Mund schauen, um Rötungen, Beläge etc. festzustellen. Außerdem erfolgt das Abhören von Herz und Lunge mit dem Stethoskop und das Abtasten der Lymphknoten von Hals, Schlüsselbein und Achsel. Auch kann eine Untersuchung des Bauches erfolgen.
In der weiteren Diagnostik kann der Arzt bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion Scores, bspw. den Centor-Score, zur Einschätzung der Wahrscheinlichkeit bestimmen. Außerdem besteht die Möglichkeit, einen Rachenabstrich zu entnehmen. In Form eines Schnelltestes kann das sog. Streptokokken-Antigen bestimmt werden. Dieser Test sollte allerdings nur bei einer Entscheidungsrelevanz bezüglich einer antibiotischen Therapie durchgeführt werden.
 

Gut zu wissen!
Die Spezifität des Schnelltestes beträgt 95 Prozent, die Sensitivität 70–90 Prozent. Das heißt, dass bei 70–90 Prozent der Personen, die eine Infektion mit A-Streptokokken haben, der Test auch tatsächlich positiv ist und dass bei 95 Prozent der Patienten, die nicht erkrankt sind, der Test auch tatsächlich negativ ist.

 

Fakten-Box
Halsschmerzen
Betreffen jedes Alter und jedes Geschlecht
Meist handelt es sich um eine virale Infektion, selten um einen bakteriellen Infekt
 
Symptome

  • Halsschmerzen
  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • Schluckbeschwerden
  • Heiserkeit
  • Reizhusten
  • Fieber

 

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

In der Regel ist eine symptomatische Therapie bei Halsschmerzen ausreichend. Nach Leitlinien wird allen Patienten ohne Kontraindikationen eine 2–3 Tage lange Therapie mit Ibuprofen oder Paracetamol empfohlen, wobei die Medikamente dreimal täglich eingenommen werden sollten. Außerdem können lokal schmerzlindernde Medikamente genommen werden („Halstabletten“ aus der Apotheke).
Bei einem Centor-Score von 3–4 oder anamnestischen Kontakt zu einer Person mit nachgewiesener Streptokokken-Infektion erfolgt zusätzlich die antibiotische Therapie. Diese kann entweder sofort oder aber bei Verschlechterung des Zustandes begonnen werden. Als Antibiotikum wird Penicillin V über 7 Tage verschrieben (bei Penicillinunverträglichkeit Erythromycin über 7 Tage).
 

Gut zu wissen! Hausmittel bei Halsschmerzen

  • Gurgeln mit Salzwasser oder Salbeitee
  • Propolis zum Gurgeln und Trinken
  • Inhalation mit Salzwasser, Kamille, Thymian oder entsprechenden Lösungen aus der Apotheke bei Infekten der oberen Atemwege

 

Häufige Patientenfragen

Muss ich mit Halsschmerzen zum Arzt?

Dr. T. Weigl
Ob der Arztbesuch nötig ist, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Prinzipiell muss aufgrund von Halsschmerzen nicht direkt der Hausarzt aufgesucht werden. Je nach Schwere der Symptome und je nach persönlichem Befinden kann die Selbsttherapie mit Hausmitteln und freiverkäuflichen Medikamenten versucht werden. Bei ausbleibender Besserung, wenn jemand im Umfeld an einer bakteriellen Infektion des Halses oder der oberen Atemwege erkrankt ist oder auch für die persönliche Sicherheit ist der Hausarztbesuch sinnvoll.

Sind Halsschmerzen ansteckend?

Dr. T. Weigl
Sowohl die bakterielle als auch die virale Infektion der oberen Atemwege sind ansteckend. In der Regel erfolgt die Ansteckung durch Tröpfcheninfektion, also durch Husten, Niesen, Trinken aus demselben Glas usw.

Ich habe Halsschmerzen. Muss ich jetzt ein Antibiotikum nehmen?

Dr. T. Weigl
In 50–80 Prozent der Fälle sind Halsschmerzen durch eine virale Infektion verursacht. Hier ist kein Antibiotikum notwendig. Bei bakteriellen Infekten entscheidet der Hausarzt, inwieweit eine antibiotische Therapie vorgenommen werden sollte.

 

Müssen Halsschmerzen behandelt werden?

In den meisten Fällen reicht eine symptomatische Behandlung aus (Halstabletten, Ibuprofen/Paracetamol, Hausmittel). Erst unter bestimmten Bedingungen sollte eine antibiotische Therapie erfolgen.
 

Exkurs – Entfernung der Mandeln bei Kindern bis zum 15. Lebensjahr
Bei der Frage nach einer Entfernung der Mandeln im Kindesalter (sog. ‚Tonsillektomie‘) kommen die Paradise-Kriterien zum Einsatz:

  • ab 7 A-Streptokokken-Infektionen oder dem Verdacht darauf im Vorjahr
  • ab 5 A-Streptokokken-Infektionen oder dem Verdacht darauf pro Jahr in den letzten beiden Jahren
  • ab 3 A-Streptokokken-Infektionen oder dem Verdacht darauf pro Jahr in den letzten 3 Jahren

 

Der Hausarzt hat bei Julia den Verdacht auf einen viralen Infekt der oberen Atemwege. Mit einem Centor-Score von 2 (Fieber >38°C und fehlender Husten, jeweils 1 Punkt) besteht nicht der Verdacht auf eine A-Streptokokken-Infektion. Julia soll die nächsten zwei Tage dreimal täglich eine Tablette Ibuprofen nehmen, Bettruhe halten und viel trinken. Julias Mutter rät ihr außerdem dazu, mindestens dreimal am Tag mit Salbeitee zu gurgeln. Schon nach zwei Tagen geht es Julia deutlich besser. Bis zum Wochenende sind ihre Beschwerden fast komplett verschwunden.

 

RESIST – ein Projekt der kassenärztlichen Vereinigungen
In acht Bezirken der Kassenärztlichen Vereinigungen (Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein, Saarland und Westfalen-Lippe) gibt es das gemeinsame Projekt RESIST. RESIST steht für „Resistenzverminderung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz“ und hat zum Ziel, die zunehmende Anzahl von bakteriellen Resistenzen gegen Antibiotika auf Grund des oft zu leichtfertigen Einsatzes besser zu regulieren und Antibiotika bewusster einzusetzen. Seit Mitte 2017 ist es deshalb möglich, dass Ersatzkassen-Versicherte sich in den entsprechenden Bezirken bei dem Verdacht eines Infektes der oberen Atemwege im Rahmen von RESIST durch ca. 2.500 Internisten, Haus-, Kinder- oder HNO-Ärzte speziell beraten zu lassen.

 
Haben auch Sie Erfahrungen mit Halsschmerzen? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

 
Autoren: Claudia Scheur und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Tobias Möller
 

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 

Quellen

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