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Neurodermitis und Ernährung: Worauf muss ich achten? Verzicht als Maßnahme auch bei Kindern?

Auf einen Blick – Neurdodermitis und Ernährung

Was ist Neurodermitis?

  • chronische, entzündliche Hautkrankheit
  • zentral: die Schutzbarrieren der Haut funktionieren nicht richtig, es kommt zu Entzündungen bei Kontakt mit externen Substanzen
  • Schübe können aber auch aufgrund von Stress auftreten
  • vor allem Säuglinge und Kinder betroffen, aber auch Erwachsene (aber wenig Neuerkrankungen)

Wieso ist Ernährung wichtig?

  • Nahrungsmittel können den Krankheitszustand verschlechtern
  • besonders bei Kindern tritt parallel eine Nahrungsmittelallergie auf
  • Nahrung spielt bei erwachsenen Betroffenen eher eine untergeordnete Rolle
  • Trigger können potenziell alle Lebensmittel sein, besonders verbreitet sind Kuhmilch, Eier, Weizen/glutenhaltige Lebensmittel, Erdnüsse

Gesunde Lebensmittel (Auswahl)

  • basenreiches Gemüse
  • frischer (!) Fisch und Fleisch
  • Backprodukte aus Mais- oder Dinkelmehl, Quinoa

Unsere Tipps

Stehen Sie am besten im engen Austausch mit Ihrem behandelnden Arzt. Dieser kann Ihnen viele Tipps zum Umgang mit der Ernährung geben. Gerade bei Kindern ist die Auseinandersetzung mit dem Thema wichtig, da es bei vielen zu gleichzeitigen Lebensmittelallergien kommt.

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Neurodermitis gehört in Deutschland zu den häufigsten Erkrankungen. Die Komplexität der chronischen Hauterkrankung, die sich in Entzündungen und teilweise starkem Juckreiz äußern kann, bedarf an vielen Stellen noch weiterer Forschung. Der Verlauf einer Neurodermitis ist sehr individuell von dem Betroffenen abhängig. Dessen Schub kann durch verschiedene Faktoren wie Stress oder Allergien ausgelöst werden. Die Therapie einer Neurodermitis richtet sich stark nach den individuellen Beschwerden des Betroffenen.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist die Ernährung. Auch wenn dessen Bedeutung mit steigendem Alter des Betroffenen abnimmt, ist die Beschäftigung mit dem Thema doch essentiell in der Auseinandersetzung mit der Krankheit. In diesem Artikel gehen wir auf die Zusammenhänge ein und geben Tipps, die Sie bei Ihrer Ernährung beachten können.

Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine chronische Hautkrankheit. Bekannt ist die Erkrankung auch unter den Namen atopische Dermatitis bzw. atopisches Ekzem. ‚Atopisch‘ bedeutet, dass der Körper über die Haut auf äußere Reize überempfindlich reagiert. Es kommt zu einer Entzündung der entsprechenden Stelle. Die hierbei auftretenden Ekzeme können in verschiedenen Bereichen des Körpers in Erscheinung treten, bspw. in den Arm- und Kniebeugen, am Hals, im Gesicht oder an den Händen.
Neurodermitis tritt vor allem bei jüngeren Menschen (Säuglingen und Kleinkindern) in Schüben auf – es wechseln sich dann Phasen mit und ohne Beschwerden ab. Der Schub kann durch verschiedene Dinge hervorgerufen werden:

  • Austrocknung der Haut
  • Allergene, die bspw. über die Luft oder die Nahrung aufgenommen werden
  • irritierende Stoffe und Duft- und Konservierungsstoffe
  • Besiedlung der Haut mit Bakterien oder Viren
  • externe Wetter- und Klimaeinflüsse
  • Giftstoffe wie Tabakrauch oder Dieselabgase
  • emotionale Belastung, bspw. erhöhter Stress

Neben den Schüben können sich permanent Ekzeme auf Ihrer Haut bilden. Das ist bei jedem Betroffenen anders.

Was passiert bei einer Neurodermitis?

Wie bereits angemerkt, ist die Schutzfunktion der Haut, die sie normalerweise innehat, bei Betroffenen einer Neurodermitis eingeschränkt. Das trockene Hautbild ist auf eine verminderte Talgproduktion zurückzuführen. Das macht die Haut dann leichter reizbar durch externe Einflüsse. Sie reagiert schneller mit Infektionen und Entzündungen bspw. auf das Kratzen eines Pullovers.

Das trockene Hautbild macht den Körper anfälliger für externe Einflüsse. Mediziner haben zudem herausgefunden, dass bei Betroffenen der sog. ‚Immunglobin-E-Wert‘ (kurz: IgE) erhöht ist. Immunglobin E ist ein Antikörper, der u. a. für allergische Reaktionen zuständig ist. Ist der Wert erhöht, weiß Ihr Körper, dass eine allergische Abwehrreaktion nötig ist. Dies kann als Folge auf unterschiedliche Substanzen passieren und erfordert zunächst eine Sensibilisierung.

Gut zu wissen!
Neurodermitis ist nicht die einzige atopische Erkrankung. Auch Heuschnupfen (sog. ‚allergische Rhinokonjunktivitis‘) und Asthma bronchiale sind Erkrankungen dieser Art. Gemeinsam werden sie deswegen zum sog. ‚atopischen Formkreis‘ gezählt. Im Laufe des Lebens können Personen, die als Kinder Neurodermitis gehabt haben, bspw. eine Asthma-Erkrankung entwickeln.

Ursachen einer Neurodermitis unklar

Leider ist bisher nicht klar, worin genau die Ursachen für die chronische Erkrankung liegen. Mittlerweile vermuten Ärzte einen Zusammenhang verschiedener Faktoren. Wesentlich sind vor allem die Punkte:

  • gestörte Barriere der Haut
  • gestörtes Immunsystem
  • Überreaktion des Immunsystems, wahrscheinlich genetisch prädisponiert

Vor allem letzteres muss nicht bedeuten, dass Neurodermitis in jedem Fall bei einer genetischen Prädisposition ausbricht. Sind allerdings weitere Rahmenbedingungen vorhanden, kann die Krankheit so ihren Anfang nehmen.

Die Symptome einer Neurodermitis

Eine Neurodermitis tritt in der Regel individuell zu Tage und kann bei jedem Betroffenen anders ausgeprägt sein. Die Ausprägungen haben aber die folgenden typischen Beschwerden gemein:

  • trockene Haut, die zu Entzündungen neigt und (starken) Juckreiz hervorruft
  • Lichenifikation der Haut: Verdickung der Haut an einigen größeren Stellen
  • Auftreten von Knoten und Pusteln

Die Stellen, an denen die Hautveränderungen auftreten, variieren mit dem Alter. So neigen Säuglinge eher zu Milchschorf am Kopf. Betroffene Stellen sind zudem das Gesicht und die Streckseiten von Armen und Beinen sowie die jeweiligen Beugen. Bei Kleinkindern und Jugendlichen dominieren die Symptome an den Gelenken (Arm- und Beinbeuge, Handgelenk) sowie im Nacken und an den Händen. Ähnlich ist das Muster bei Erwachsenen.
Weitere mögliche Symptome sind eine doppelte Unterlid-Falte der Augen, Glanznägel sowie eine feine Schuppung der Finger- und Zehenkuppen.

Wer ist davon betroffen?

In der Regel sind vor allem Kinder und Jugendliche von einer Neurodermitis betroffen. Aber auch 2 bis 4 Prozent der Erwachsenen leiden noch an einer Neurodermitis. Die Erkrankung tritt in unterschiedlichen Phasen auf.

Gut zu wissen!
Häufig klingen die Symptome bei Betroffenen mit dem Eintritt in die Pubertät ab. Dies gilt für Personen, die bereits in früher Kindheit an einer Neurodermitis erkrankt sind. Allerdings leiden 60 Prozent aller Menschen, die bereits in der Kindheit die Diagnose erhalten haben, auch im Erwachsenenalter an den Symptomen.

Wie kann ich Neurodermitis behandeln?

Als chronische Erkrankung ist eine langfristige Heilung der Neurodermitis nicht möglich. Das oberste Ziel ist es demnach, den enormen Leidensdruck, den Betroffene teilweise erfahren, zu senken. An vorderste Stelle steht demnach die Linderung des Juckreizes. Insgesamt besteht eine optimale Behandlung der Neurodermitis aus verschiedenen Grundpfeilern, die im Zusammenspiel Linderung schaffen.

  • Vermeidung von Triggern, die einen Schub auslösen
  • spezielle Pflege der Haut, um deren Schutzbarriere zu stärken
  • Vorbeugung von Infektionen und Entzündungen

Diese verschiedenen Aspekte können durch eine Anpassung des Lebensstils erreicht werden. Neben dem Tragen von atmungsaktiver Kleidung, die nicht kratzt, sollten Sie in Ihrer Wohnung Heizungstrockenheit im Winter und Wärmestau vermeiden. Auch die Reduzierung von Hausstaub tut Ihrer Haut gut. Die Vermeidung von Stress oder für Sie stressige Situationen ist hilfreich, um weiteren Schüben vorzubeugen. Grundsätzlich gilt es, an den entsprechenden Triggerfaktoren anzusetzen und die Therapie nach diesen auszurichten.

Ein häufig verwendetes Mittel gegen die Beschwerden einer Neurodermitis ist Cortison, das in unserem Körper als natürliches Hormon vorkommt. Es ist entzündungshemmend, weswegen es in Form von Salbe bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis, aber auch gegen bspw. Asthma als Akut- und Langzeittherapie Verwendung findet. Allerdings birgt Cortison einige Nebenwirkungen. Über diese spricht Dr. Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Videobeitrag.

Cortison Tablette & Spritze | Kortison gegen Schmerzen Pickel Neurodermitis Rheuma | Nebenwirkungen

Ernährung: Wie hängt sie mit Neurodermitis zusammen?

Die Ernährung spielt für Betroffene einer Neurodermitis eine nicht zu unterschätzende Rolle. Verschiedene Inhaltsstoffe oder Lebensmittel(-gruppen) können als Trigger fungieren und so einen Schub auslösen. Gerade Säuglinge reagieren stark auf bestimmte Lebensmittel. Mediziner gehen davon aus, dass wir es bei 50 Prozent der betroffenen Säuglinge mit einer sog. ‚nahrungsmittelsensitiven Neurodermitis‘ zu tun haben. Diese Zahl verkleinert sich mit höherem Alter zunehmend, sodass die Prävalenz, also das Vorkommen einer Neurodermitis, bei Jugendlichen in der Pubertät bei 10 bis 15 Prozent liegt.

Bei betroffenen Kindern ist die Erkrankung in vielen Fällen an eine Lebensmittelallergie gekoppelt. Das verliert sich mit voranschreitendem Alter. — Dr. Dr. Tobias Weigl

Die Hypersensibilisierung auf einige Lebensmittel geht mit einer Lebensmittelallergie einher. Diese ist bei Kindern mit Neurodermitis viel wahrscheinlicher als bei Kindern ohne diese Beschwerden. Welche Lebensmittel Auslöser allergischer Reaktionen sind, ist in der Forschung umstritten. Problematisch ist, dass in vielen Lebensmitteln Proteine, also Eiweiße enthalten sind. Diese Eiweiße sind diejenigen Substanzen, die vom Körper als fremd eingestuft und dann in Form eines neurodermetischen Schubs angegriffen werden. Einig ist sich die Forschung aber über folgende Lebensmittel:

  • Eier und Milch: Ursache ist das darin enthaltene Eiweiß
  • Erdnüsse, Samen und andere Nüsse
  • Getreide wie Weizen und Weißmehl
  • Soja
  • Tomaten
  • Zitrusfrüchte wie Orangen; Ananas oder Rhabarber: Ursache ist die darin enthaltene Säure
  • Süßigkeiten und Schokolade
  • Softdrinks
  • Alkohol und Nikotin

Exkurs: Was sind Allergien?

Allergien sind weit verbreitet: Jeder Dritte in Deutschland macht in seinem Leben Erfahrungen mit Allergien. Besonders häufig treten Pollenallergien – auch als Heuschnupfen bekannt – und Hausstauballergien auf. Bei einer Allergie handelt es sich um eine Abwehrreaktion des Immunsystems auf (vermeintlich) fremde und vom Körper als gefährlich eingeordnete Substanzen. Es gibt vier Typen der Allergie. Fast 90 Prozent aller Betroffenen leiden unter einer Allergie des Typs 1. Dieser wird auch Soforttyp genannt. Darunter fallen die bereits genannten Pollenallergien, Allergien gegen Hausstaubmilben, aber auch gegen Nahrungsmittel sowie Bienen- und Wespengift. Bei einer Allergie von Typ 1 entwickelt der Körper vermehrt Antikörper namens Immunglobulin E (kurz: IgE). Erkennen diese das Allergen, setzen Sie Hormone wie Histamin frei, die wiederum eine Entzündungsreaktion hervorrufen. Dies geschieht schnell nach Kontakt mit dem Allergen; meist dauert es nur wenige Minuten, bei einigen Menschen kann die Reaktion noch Stunden später auftreten. Weitere Allergietypen sind:

  • Typ II: Hierbei bildet unser Immunsystem Antikörper, die gegen bestimmte Körperzellen eingesetzt werden. Erkennen die Antikörper entsprechende Strukturen, werden diese angegriffen. Deswegen nennen Mediziner diesen Typ auch den zytotoxischen Allergietyp.
  • Typ III: Die Antikörper befinden sich im Gewebe oder in den Blutgefäßen. Dies ist die Ursache für Gefäßentzündungen.
  • Typ IV: Hier reagiert der Körper auch vor allem auf externe Substanzen. Anders als bei Typ I tritt die Immunantwort allerdings vergleichsweise spät auf, nämlich erst bis zu drei Tage später. Hierunter fällt das sog. Kontaktekzem, wenn Sie bspw. in Berührung mit Nickel oder Duftstoffen gekommen sind. Bei Typ IV wird die Allergie durch T-Helfer-Lymphozyten ausgelöst.

Was bei den einzelnen Allergietypen getan werden kann, können Sie im Detail auf unserer Website nachlesen. Wir empfehlen die folgenden Artikel als Einstieg:

Weitere Trigger

Gerade die Grundnahrungsmittel wie Milch, Ei und Weizen führen vor allem bei Säuglingen und Kindern zu einer Verschlechterung des Allgemeinzustands. Dagegen kommen solche Reaktionen bei erwachsenen Betroffenen eher selten vor.

Neben konkreten Lebensmitteln sind auch Zusatzstoffe in unserer Nahrung problematisch. Eine prominente Rolle spielen vor allem bestimmte Farb- und Konservierungsstoffe. Ebenfalls problematisch sind Säuren, die in unserer Nahrung enthalten sind. Diese gelten als grundsätzlich entzündungsfördernd. Säuren finden sich in Lebensmitteln wie Obst oder bestimmtem Getreide wie Roggen. Neben den darin enthaltenen Säuren wandelt unser Körper aus anderen Substanzen (z. B. tierische Eiweiße oder Zucker) weitere Säuren um, die auch als krankheitsfördernd gelten.

Auch wenn der Faktor Ernährung für Erwachsene eine untergeordnete Rolle spielt, sollten Sie sich mit dem Thema auseinandersetzen und sich die Zusammenhänge bewusst machen.

Wurde bei Ihnen oder Ihrem Kind eine Neurodermitis diagnostiziert? Bei welchen der folgenden Lebensmittel treten Unverträglichkeiten auf? (Mehrfachantworten sind möglich). Auf diese Weise helfen Sie anderen, ihre Beschwerden besser einschätzen zu können!

Worauf Sie bei einer Neurodermitis-Ernährung achten sollten

Forscher sind sich einig: Eine Anpassung der Ernährung stellt einen wichtigen Pfeiler der Neurodermitis-Behandlung dar. Dennoch ist es nicht leicht, dafür allgemeine Leitlinien zu formulieren. Gründe hierfür sind die individuellen Verläufe einer Neurodermitis-Erkrankung. Hinzu kommt, dass die an die Erkrankung gekoppelte Lebensmittelunverträglichkeit unterschiedliche Lebensmittel und Substanzen betreffen kann. Aus diesen Gründen gibt es keine einheitliche Diät.

Vorgehen: Vermeiden von Lebensmitteln

Seit Jahrzehnten raten Mediziner zu diätischen Ernährungsmaßnahmen, also dem Verzicht auf diejenigen Lebensmittel, die potenziell schubauslösend sind. Die Umgehung von solchen Triggern nennen Mediziner auch Karenz. Zunächst müssen Sie in Erfahrung bringen, ob und welche Lebensmittel eine Verschlechterung darstellen. Dies geschieht über einen Pricktest oder den Nachweis der Immunkörper in Ihrem Blut. Die Ergebnisse werden in den folgenden drei bis vier Wochen im Rahmen einer sogenannten Eliminationsdiät getestet. Innerhalb dieser Zeitspanne verzichten Sie auf die potenziell allergenen Lebensmittel. Wichtig ist hierbei, dass Sie sich am besten an eine Ernährungsberatung wenden, die Sie bei der richtigen Ernährung unterstützt. Auf diese Weise können Sie eine Fehlernährung vermeiden. Bessern sich innerhalb dieser Wochen Ihre Beschwerden und Ihr allgemeines Wohlbefinden, testet Ihr behandelnder Arzt die vermutete Allergie noch einmal konkret mit einer Provokationstestung.

Daran anschließend empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Klinischen Immunologie e.V. (kurz: DGAKI) eine mindestens einjährige, weitere Diät. Auch hier ist eine begleitende Beratung notwendig. Eine konsequente Vermeidung von Triggern im Rahmen von zwei Jahren habe laut einer Studie von 1989 ergeben, dass 25 Prozent der Patienten keine allergischen Reaktionen oder Schübe auf diese Lebensmittel hatten. Allerdings seien Allergien gegen Lebensmittel wie Eier oder Milch länger bestehen geblieben. Gerade bei Kindern wird eine regelmäßige Testung der Allergie alle ein bis zwei Jahre empfohlen.

Eine Studie aus China/Japan, die Säuglinge in einem Alter von unter sechs Monaten untersuchte, kommt zu dem Ergebnis, dass diese mit Neurodermitis wesentlich geringere Beschwerden bei Gabe hydrolisierter Kuhmilch-basierter Nahrung hatten. Hydrolisiert bedeutet, dass die in der Milch vorhandenen Proteine kleinstmöglich aufgespalten sind. Auf diese Weise werden die allergenen Eigenschaften reduziert.

Eine langfristige Wirkung wird von der DGAKI allerdings in der aktuellen Leitlinie zum Umgang mit Neurodermitis angezweifelt: Es fehlten bisher ausreichend randomisierte Studien, die Langzeiteffekte untersuchen.

Ausgewogene Ernährung

Unabhängig von der Frage, ob Sie Triggernahrungsmittel in Ihren Speiseplan integrieren wollen oder nicht, sollten Sie als Neurodermitis-Betroffener eine vollwertige und ausgewogene Ernährung anstreben. Auf diese Weise unterstützen Sie Ihr Immunsystem. Neben der Reduktion von Schüben tun Sie sich mit einer ausgewogenen Ernährung weitere Gefallen: Sie steigern Ihr Wohlbefinden und vermeiden weitere Erkrankungen wie die koronare Herzkrankheit, Arteriosklerose oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ II oder Gicht.

Konkret sollten Sie also, unabhängig von individuellen Allergien, die folgenden Lebensmittel in den Speiseplan integrieren, vermeiden oder zumindest reduzieren:

  • Behalten Sie Ihren Säure-Base-Haushalt im Auge. Reduzieren Sie säurehaltige Lebensmittel. Gemüse kann ausgleichend wirken und enthält wichtige Inhaltsstoffe. Um diese nicht zu verlieren, sollten Sie das Gemüse schonend zubereiten. Dünsten Sie es beispielsweise nur kurz an. Würzen Sie Ihren Salat doch mit kaltgepresstem Olivenöl. Die darin enthaltenen, ungesättigten Fettsäuren wirken zusätzlich entzündungshemmend.
  • Frisches Fleisch und Fisch liefern Eiweiße sowie weitere Inhaltsstoffe wie Mineralien oder Spurenelemente wie Eisen oder Omega-3-Fettsäuren.
  • Seien Sie vorsichtig mit Weizenprodukten. Das Getreide ist ein typisches Allergen. Versuchen Sie es alternativ mit Backwaren aus Dinkel oder Maismehl.
  • Gerade jüngere Patienten reagieren auf Milchprodukte und Eier mit Beschwerden. Allerdings verlieren viele Betroffene mit der Zeit ihre Allergie und können die Produkte beschwerdefrei zu sich nehmen.
  • Nehmen Sie Abstand von Nussprodukten. Diese gehören zu den am meisten verbreiteten Allergenen.
  • Verzichten Sie auf Fertigprodukte. Diese können Inhaltsstoffe beinhalten, die potenziell krankheitsfördernd sind. Backen Sie doch beispielsweise selbst eine Pizza, anstatt sie fertig aus dem Tiefkühlregal zu besorgen!

Ein Beispielrezept als Weizenalternative

Weizen ist ein gängiges Allergen für Neurodermitis-Patienten. Mit diesem Rezept können Sie sonntagmorgens Ihre Brötchen genießen und gleichzeitig Alternativen zu Weizen testen. Für 12 Dinkelbrötchen benötigen Sie folgende Zutaten:

  • 1 Hefewürfel
  • 480 ml lauwarmes Wasser
  • 750 g Dinkelmehl
  • 2 TL Meersalz

Füllen Sie als erstes lauwarmes Wasser in einen Becher. In diesen füllen Sie den zerkrümelten Hefewürfel. Rühren Sie die Mischung gut. Den Inhalt des Bechers füllen Sie in eine Mulde, die Sie in dem Mehl in einer weiteren Schüssel gebildet haben. Lassen Sie das Ganze 15 Minuten stehen.

Während dessen lösen Sie das Meersalz in dem übrigen Wasser und gießen die Mehlmischung vorsichtig hinein. Kneten Sie die entstandene Masse fünf Minuten lang mit Ihrem Handmixer. Am Ende sollten Sie einen zähen Teig haben. Der Teig sollte warm zugedeckt an einem warmen Ort liegen, während Ihr Backofen vorheizt. Die Brötchen, die Sie auf einem Backblech samt -papier geformt haben, backen Sie bei 230 Grad Celcius zehn Minuten lang. Danach drehen Sie den Ofen auf 200 Grad Celcius und lassen die Brötchen weitere sieben bis zehn Minuten im Ofen. Besprühen Sie die Brötchen während des Backens immer wieder mit ein wenig Wasser.

Fakten-Box – Neurodermitis und Ernährung

Einfluss von Ernährung auf die Erkrankung

  • Nahrungsmittel können den Krankheitszustand verschlechtern
  • besonders bei Kindern tritt parallel eine Nahrungsmittelallergie auf
  • Nahrung spielt bei erwachsenen Betroffenen eher eine untergeordnete Rolle
  • Trigger können potenziell alle Lebensmittel sein, besonders verbreitet sind Kuhmilch, Eier, Weizen/glutenhaltige Lebensmittel, Erdnüsse

Mögliche Maßnahmen (Auswahl)

  • Verzicht auf mögliche Allergene oder entzündungsfördernde Lebensmittel
  • bewusste, ausgewogene Ernährung
  • Vermeiden bestimmter Trigger nach vormaliger Eliminationsdiät
  • es gibt keine allgemeine Diät; der Speiseplan ist individuell auf Sie abgestimmt
  • bei Kindern verlieren sich Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten im Laufe der Zeit

 

Aktuelle Forschung – Konfrontation anstelle von Karenz?

Neuere Studien rücken sogenannte allergenspezifische Immuntherapien in den Fokus. Anders als bei einer Karenz werden Sie als Betroffener direkt mit Ihrem Allergen konfrontiert. Im Rahmen der oralen Immuntherapie (kurz: OIT) sollen Sie kontrolliert an das Lebensmittel herangeführt werden. Die Therapie sieht vor, dass sie täglich mehrere kleine Portionen erhalten. Die in die Speisen eingearbeiteten Allergene sollen somit langfristig nicht mehr zu allergischen Reaktionen oder Schüben führen.

Im Anschluss wird die Therapie für einige weitere Wochen gestoppt. Gibt es danach keine weiteren allergischen Reaktionen bei Einnahme der Substanz, sprechen Mediziner von anhaltender klinischer Verträglichkeit bzw. robuster Toleranz. Eine entsprechende Studie mit Kindern zwischen dem 1. und dem 16. Lebensjahr hat ergeben, dass nach fünf Jahren OIT nach einem Auslassungsmonat keine allergischen Reaktionen aufgetreten seien. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt dieselbe Forschungsgruppe in ihrer Studie mit Säuglingen zwischen 9 und 36 Monaten.

Kritik am Vorgehen

Ärzte und Verbände kritisieren allerdings sowohl Methodik als auch den derzeitigen Mangel an Studien, die eine langfristige Wirkung untersuchen. Problematisch seien auch die Nebenwirkungen einer OIT, beispielsweise Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Störungen des Schluckvorgangs. Die Nebenwirkungen, die vor allem zu Beginn auftreten, werden teilweise auf medikamentösem Wege behandelt. Doch auch hier fehlen die Studienbelege. Ebenfalls unklar ist, wie man mit Patienten umgeht, die an mehreren Allergien leiden, was keine Seltenheit darstellt. Auch der Aufwand einer solchen Behandlung ist vergleichsweise hoch.
Die European Academy of Allergy and Clinical Immunology (kurz: EAACI) hat die OIT dennoch als mögliche Therapieform klassifiziert.

Quellen:

Brian Vickery et al. (2017): Early oral immunotherapy in peanut-allergic preschool children is safe and highly effective. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology 139/1, S. 173–181.

Brian Vickery et al. (2013): Sustained unresponsiveness to peanut in subjects who have completed peanut oral immunotherapy. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology 133/2, S. 468–475.

Häufige Patientenfragen

Mein Säugling hat womöglich Neurodermitis – was muss ich beachten?

Dr. Dr. T. Weigl
Die Forschung ist sich sicher, dass, solange das Kind gestillt werden kann, Muttermilch die beste Nahrung ist. Die darin enthaltenen Nährstoffe sind für den Säugling von enormer Wichtigkeit: Sie werden für den Aufbau des Immunsystems gebraucht. Es ist auch möglich, dass Sie sich als Mutter während der Stillzeit – oder schon während der Schwangerschaft – allergenarm ernähren. Allerdings fehlen an dieser Stelle Studien, ob dem Kind damit geholfen ist und eine Neurodermitis aufgehalten oder ihr sogar vorgebeugt werden kann. Etwas anders liegt der Fall bei Elternteilen, die selbst Atopiker sind. Dann empfehlen Mediziner, zumindest auf die häufigsten Allergene wie Kuhmilch, Hühnereier oder Erdnüsse zu verzichten.
Sollte Stillen nicht möglich sein, können Sie hypoallerge Säuglingsmilch nutzen. Diese enthält Eiweiße, die soweit aufgespalten sind, dass sie für das Kind leicht zu verdauen sind. Ab dem sechsten Monat können Sie mit dem Abstillen beginnen und langsam Beikost beigeben. Am besten fügen Sie nur einmal die Woche ein neues Lebensmittel hinzu. Einen Monat später können Sie anfangen, dem Brei Fett, bspw. Keimöl und Fleisch (nicht mehr als 30 g) hinzuzufügen.

Ab dem 10. Lebensmonat wird das Hinzugeben von Jogurt (bspw. Schaf) und kaltgepressten Pflanzenölen empfohlen. Ab dem 1. Geburtstag sind dann auch auf Kuhmilch basierende Produkte sowie glutenhaltige Lebensmittel Teil des Speiseplans.

Ich ernähre mich vegetarisch – ist das ein Problem?

Dr. Dr. T. Weigl
Nein, nicht zwingend. Auch wenn frische Fisch- und Fleischprodukte empfohlen werden, da diese beispielsweise Eiweiße enthalten, können Sie sich als Vegetarier dennoch gut und ausgewogen ernähren. Die Proteine können Sie aus anderen Lebensmitteln beziehen. Besonders gut eignen sich für Sie bspw. Quark oder Linsen.

Kann ich mit einer bewussten Ernährung meine Neurodermitis/die meines Kindes heilen?

Dr. Dr. T. Weigl
Nein. Auch wenn Ernährung und Lebensmittel gerade im Falle von Kindern und Jugendlichen eine erhebliche Rolle spielen, kann selbst eine bewusste, auf Karenz ausgelegte Veränderung der Ernährung eine Neurodermitis nicht heilen. Eine Neurodermitis-Therapie ist immer multimodal angelegt. Das bedeutet, dass diese aus verschiedenen Grundpfeilern besteht. Einen wichtigen Baustein macht beispielsweise die richtige, schonende Pflege der Haut aus. Mehr Informationen zum therapeutischen Umgang mit Neurodermitis finden Sie in den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinischen Immunologie e.V. (kurz: DGAKI) sowie in unserem Artikel „Neurodermitis (atopische Dermatitis) – Ständig juckt und kratzt die Haut“.

Löst Zucker einen Neurodermitis-Schub aus?

Dr. Dr. T. Weigl
Zucker ist tatsächlich ein möglicher Trigger und kann dementsprechend einen Schub auslösen. Entsprechende Ärzteverbände lehnen den Verzehr von Süßigkeiten im Falle einer Erkrankung ab. Auch Forscher sehen den allgemeinen Zuckerkonsum kritisch. So wird eine Reduktion von Zucker – der auch in Lebensmitteln wie Brot verarbeitet wird – empfohlen. Neben dem positiven Effekt für Ihre Neurodermitis reduzieren Sie Folgen wie Karies, Übergewicht oder Diabetes mellitus.

Typisches Patientenbeispiel

Max hat sich für seine Freundin Derya überlegt, ein kleines Dinner zu kochen. Sie hat vor wenigen Tagen ihr erstes Staatsexamen überstanden. Zur Feier des Tages soll es was richtig Feines geben. Da er seit einigen Wochen weiß, dass Sie unter Neurodermitis leidet, hat er sich im Internet eingelesen und ein allergenfreies Dinner gekocht: Zucchinisuppe mit Rosmarin-Kartoffeln.

Derya freut sich über die Überraschung, fängt allerdings bei seiner Begründung an, zu kichern. Dieser ist irritiert – und pikiert. Hat er sich denn nicht Gedanken gemacht? Als sie sein säuerliches Gesicht sieht, prustet sie los, entschuldigt sich aber schnell. „Tut mir leid, aber so viel Aufwand wäre gar nicht nötig gewesen.“ Sie erklärt ihm, dass sie als Kind starke Probleme mit Unverträglichkeiten und einer Erdnussallergie hatte. Damals musste sie sogar zeitweise Diäten machen und auf diese Nahrungsmittel verzichten. „Seit der Pubertät geht es mir aber viel besser. Ich muss nur tatsächlich bei Nüssen aufpassen – und Süßigkeiten auch. Aber ich bin jetzt mittlerweile eh eher der herzhafte Typ.“ Sie bedankt sich dennoch überschwänglich bei Ihrem Freund für die Idee.

Verwandte Themen

Haben Sie Erfahrungen mit Neurodermitis und Ernährung? Möchten Sie sich bei uns weiter über das Thema erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich untereinander auszutauschen!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Andrea Lorenz
Redaktion: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 28.08.2019

Quellen

  • Dietrich Abeck und Regina Fölster-Holst (2003): Was hilft meinem Kind bei Neurodermitis? Auslösefaktoren, Behandlung und Vorbeugung. Thieme-Verlag, Stuttgart.
  • Dietlinde Burkhardt und Klaus Degitz (2005): Neurodermitis. Die neuesten Erkenntnisse, Rat und Hilfe – Optimale Pflege – Richtige Ernährung – Psychologische Aspekte: Extra: Neurodermitis bei Kindern. Südwest-Verlag, Gütersloh.
  • Heike Muess-Kovács (2014): Neurodermitis und Schuppenflechte natürlich behandeln. Die Therapie natürlich unterstützen. Schlütersche-Verlag, Hannover.
  • Mechthild Hellermann (2005): Neurodermitis und Allergien. Das Familienkochbuch. Trias-Verlag, Stuttgart.
  • Maximilian Ledochowski (2014): Nahrungsmittel-Intoleranzen. Unverträglichkeiten erkennen und gut damit leben. Trias-Verlag, Stuttgart.
  • Martina Lenzen-Schulte (2018): Nahrungsmittelallergien: Allergene essen, statt meiden. In: Deutsches Ärzteblatt 115/40, 1754–1759.
  • Claus Leitzmann u.a. (2003): Ernährung in Prävention und Therapie – Ein Lehrbuch. 2., überarbeitete Auflage. Hippokrates-Verlag, Stuttgart.
  • Claudia Thiel (2004): Der große Trias-Ratgeber. Nahrungsmittel-Allergien. Trias-Verlag, Stuttgart.
  • Brian Vickery et al. (2017): Early oral immunotherapy in peanut-allergic preschool children is safe and highly effective. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology 139/1, S. 173–181.
  • Brian Vickery et al. (2013): Sustained unresponsiveness to peanut in subjects who have completed peanut oral immunotherapy. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology 133/2, S. 468–475.
  • Thomas Werfel u. a. (2018): Leitlinie Neurodermitis [atopisches Ekzem; atopische Dermatits]. In: Journal of German Society of Dermatology.
  • Thomas Werfel u. a. (2014): Diagnostik und Stufentherapie der Neurodermitis. In: Deutsches Ärzteblatt 111/29–30, S. 509–520.
[Gesamt:3    Durchschnitt: 5/5]

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