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Ketamin – Anästhetikum, Schmerzmittel, Droge – was macht es aus?

Auf einen Blick – Was ist Ketamin?

  • Medikament in der Human- und Tiermedizin
  • von der WHO in der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel aufgeführt
  • Analgetikum, Anästhetikum und Dissoziativum

Wie wirkt Ketamin?

  • narkotisierend
  • schmerzlindernd
  • antidepressiv
  • halluzinogen und dissoziativ

Wo wird Ketamin angewandt?

  • in der Anästhesie, zur Narkoseeinleitung
  • als Anästhetikum und Schmerzmittel im Notfall
  • als Schmerzmedikation intubierter Patienten
  • bei therapieresistentem Status asthmaticus

Was sind Nebenwirkungen von Ketamin?

  • lebhafte Träume, Schwindel und andere Reaktionen beim Aufwachen
  • Anstieg des Blutdrucks und der Herzfrequenz

Wann darf Ketamin nicht angewandt werden?

  • Überempfindlichkeit gegenüber Ketamin
  • Angina pectoris
  • unbehandelter oder schlecht eingestellter Bluthochdruck
  • unbehandelte oder schlecht eingestellte Schilddrüsenüberfunktion
  • drohender Uterusriss, Nabelschnurvorfall und andere Situationen, bei denen ein entspannter Uterus wichtig ist
  • Präeklampsie und Eklampsie
  • Schwangerschaft im ersten Trimenon und Stillzeit

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

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Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Ketamin ist ein Medikament mit vielen Gesichtern: Es wird in der Anästhesie eingesetzt und lindert dabei innerhalb kürzester Zeit nach intravenöser Gabe Schmerzen. Einzigartig unter allen Narkosemitteln ist auch sein kreislaufaktivierender Effekt: Blutdruck und Herzfrequenz steigen. In jüngster Zeit wurde ein Nasenspray mit Ketamin entwickelt, das Patienten bei therapieresistenter Depression helfen soll.

Ketamin kann den Anwender den Eindruck gewinnen lassen, dass der Patient losgelöst neben sich stehe. Halluzinationen können auftreten. Diese Nebenwirkungen werden bei Missbrauch des Stoffes bewusst hervorgerufen. In diesem Artikel werden wir näher auf die Vorteile und die Nachteile von Ketamin eingehen.

Nutzen Sie gerne auch unsere Kommentarfunktion weiter unten, um sich über Ihre Erfahrungen mit Ketamin untereinander und mit uns auszutauschen.

Was ist Ketamin?

Bei Ketamin handelt es sich um einen Arzneistoff, der sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin eingesetzt wird. Er dient als Betäubungsmittel zu diagnostischen oder operativen Zwecken und zur speziellen Schmerzbehandlung von Menschen, die auf eine künstliche Beatmung (sog. ‚Intubation‘) angewiesen sind. Aufgrund seiner psychotropen Wirkung wird Ketamin auch als Droge missbraucht.

Der Chemiker Calvin L. Stevens synthetisierte den Wirkstoff erstmals 1962. Sein Ziel war es, ein Narkosemittel mit weniger starken Nebenwirkungen zu entwickeln, als die zu der Zeit üblichen Mittel hervorriefen. Erprobt wurde Ketamin später auch im Vietnamkrieg, wo es die Behandlung von Kampfverletzungen amerikanischer Soldaten ermöglichte.

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Gut zu wissen
Die Food and Drug Administration (FDA) in Amerika ist eine Behörde, die der Überwachung und Zulassung von Lebensmitteln und Arzneistoffen dient. Sie wurde 1927 gegründet. Den Wirkstoff Ketamin ließ sie 1970 als Arzneimittel zu. Ungefähr fünf Jahre später verbreitete sich Ketamin auch als Droge auf der Straße.

Ketamin wird vor allem in der Anästhesie und in der Schmerzbehandlung eingesetzt. Mit diesem Wirkstoff können Narkosen eingeleitet und aufrechterhalten werden. Häufige Fragen bei einer Narkose sind: „Was ist, wenn ich während der OP plötzlich wach werde?“ oder „Wie hoch ist das Risiko, dass ich nach dem Eingriff nicht mehr aufwache?“. Auf diese und andere Fragen geht Dr. Dr. Tobias Weigl in folgendem Videobeitrag ein:

Angst während einer OP aufzuwachen? Übelkeit nach der Narkose? Ab wann Essen, Trinken, Autofahren?

Wie wirkt Ketamin?

Die Wirkung von Ketamin ist komplex, da der Arzneistoff an vielen verschiedenen Stellen im Körper angreift. Hauptsächlich blockiert er aber den NMDA-Rezeptor. Dieser Rezeptor kommt vor allem im Zentralnervensystem vor und beeinflusst durch Bindung des Botenstoffs Glutamat die Lern- und Merkfähigkeit des Gehirns. Binden Substanzen wie Ketamin an diesen Rezeptor, blockieren sie diesen in seiner Aktivität Nervensignale weiterzuleiten. Daneben hat Ketamin vielfältige Einflüsse auf neuronale Prozesse:

  • hypnotische Wirkung: Vermutlich ausgelöst durch die Blockade von HCN-1-Kanäle und NMDA-Rezeptoren.
  • analgetische Wirkung: Die unmittelbare schmerzstillende Wirkung resultiert vermutlich aus einer Sensibilisierung der Opioid-Rezeptoren und einer Modulation der aminbedingten Schmerzweiterleitung.
  • antidepressive Wirkung: Der genaue Mechanismus der antidepressiven Wirkung ist bis heute umstritten. Möglich wäre eine Kombination aus NMDA-Hemmung und einer Enthemmung des Belohnungszentrums im Gehirn.
  • hypertone und tachykarde Wirkung: Noradrenalin und Dopamin sind Botenstoffe, die einen aktivierenden Effekt auf das Herz-Kreislauf-System haben. Sie steigern den Blutdruck und die Herzfrequenz. Ketamin blockiert nach einer Ausschüttung dieser Botenstoffe ihre Wiederaufnahme in die Nervenzelle und verstärkt somit ihre Wirkungen.
„Ketamin ist ein vielfältig wirkendes Arzneimittel, das seit 2013 von der WHO als unentbehrliches Arzneimittel gelistet ist.“ - Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Welche Komplikationen kann es während einer Narkose geben? Wie oft sterben wirklich Menschen durch eine Narkose? Auf diese und ähnliche Fragen gehen wir in folgendem Artikel ein:

Komplikationen während einer Narkose

Was sind die Anwendungsgebiete von Ketamin?

Als Arzneistoff findet Ketamin vor allem in der Anästhesie las Narkosemedikament Anwendung. Auch seine schmerzstillende Wirkung ist in bestimmten Fällen erwünscht. Insgesamt wird Ketamin angewandt zur:

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  • Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie, bei Erwachsenen oft mit einem weiteren Hypnotikum wie einem Benzodiazepin kombiniert.
  • Unterstützung einer Regionalanästhesie, also einer lokal begrenzten Betäubung.
  • notfallmedizinischen Anästhesie und Schmerzbehandlung.
  • Schmerzbehandlung intubierter Patienten.
  • Behandlung eines therapieresistenten Status asthmaticus. Dieser Zustand liegt vor, wenn Asthmapatienten über einen Zeitraum von 24 h hinweg eine schwere, anhaltende Symptomatik aufweisen. Dieser lebensbedrohlichen Symptomatik ist beim Status asthmaticus kaum durch herkömmliche Asthmamedikamente beizukommen. Der Patient verspürt Herzrasen, Unruhe, läuft blau an (sog. ‚Zyanose‘) und hat Atemnot (sog. ‚Dyspnoe‘). Ketamin erweitert die Bronchien und wird in Kombination mit einem muskelrelaxierenden Wirkstoff bei der Intubation im Status asthmaticus eingesetzt.
  • Anästhesie in der Tiermedizin in Kombination mit anderen Betäubungsmitteln.
  • Behandlung therapieresistenter Depression.

Anwendung bei Depression

In verschiedenen Studien wurde seit dem Jahr 2010 die Gabe von Ketamin zur Behandlung von Depressionen erforscht. In diesen wurde der Arzneistoff sowohl intravenös als auch sublingual (unter die Zunge) verabreicht. Eine Metaanalyse des Jahres 2015 aus verschiedenen Studien ergab, dass Ketamin nach einmaliger Gabe schon innerhalb der ersten 24 Stunden die Symptomatik uni- und bipolarer Depressionen gegenüber eines Placebos besserte. Eine systematische Übersichtsarbeit über neun Einzelstudien im Jahr 2015 fasste zusammen, dass bei den rund 137 suizidgefährdeten Depressiven der Studien eine Besserung ihres Zustands nach 40 Minuten erzielt wurde.

Insgesamt tritt durch Ketamin innerhalb weniger Tage eine Besserung von schweren Depressionen ein. Damit ist der Arzneistoff auch bei akuten Schüben anwendbar. Im Frühjahr 2019 empfahl die Food and Drug Administration in den USA den Einsatz von Esketamin zur Behandlung therapieresistenter Depression, woraufhin wenige Monate später ein Nasenspray mit diesem Arzneistoff auf den Markt kam. Auch seit Dezember 2019 ist es für den Europäischen Markt zugelassen, jedoch in Deutschland bislang noch nicht erhältlich (Stand: Juli 2020).

Esketamin ist das S-Enantiomer von Ketamin. Chemisch betrachtet besteht Ketamin aus einem Gemisch zweier verschiedener Formen des Moleküls, der sog. „R-Form“ und „S-Form“. Die S-Form ist dabei diejenige, die am stärksten im Körper wirkt. Setzt man nur diese Form als Arzneistoff ein, wirkt sie bei gleicher Menge stärker als das Gemisch aus R- und S-Form in Ketamin.

Einschränkungen des Nasensprays

Als Infusionslösung bei therapieresistenter Depression wird Esketamin schon seit einigen Jahren angewandt. Doch auch bei der Verwendung als Nasenspray ist keine eigenständige Anwendung möglich: Das Medikament muss von einem Psychiater verordnet werden. Es findet erst bei akuten mittel- oder schwergradigen Depressionsepisoden Verwendung, bei denen durch mindestens zwei verschiedene Therapien mit Antidepressiva kein Ansprechen erzielt werden konnte.

Das Nasenspray wird von dem Patienten unter Kontrolle medizinischen Fachpersonals eingenommen. Danach muss er zwei Stunden zur Nachbeobachtung vor Ort bleiben. Die erhoffte Flexibilität bleibt damit aus. Auch wird Esketamin als „add-on“ eingesetzt, sodass der Patient weiterhin andere Antidepressiva einnehmen muss.

Missbrauch als Droge

Nach einer Narkose mit Ketamin können den Patienten beim Aufwachen psychische Nebenwirkungen heimsuchen: Wahngedanken, Delir, Halluzinationen oder Verwirrtheit. Manchmal sind es auch außerkörperliche Erfahrungen. Bei einem Missbrauch werden diese Wirkungen bewusst hervorgerufen, was die Beliebtheit von Ketamin in der Drogenszene erklärt.

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Besonders erwünscht ist dabei, mit der Umgebung zu „verschmelzen“ und visuelle Halluzinationen sowie außerkörperliche Erfahrungen zu erleben. Teilweise gefürchtet ist jedoch das sogenannte „K-Hole“: Hierbei erlebt der Konsumierende für etwa eine halbe Stunde eine komplette Loslösung von der Umgebung und es können Zittern, Muskelzucken und Bewegungsunsicherheiten auftreten. Auf Außenstehende wirkt er dabei oft wie bewusstlos. Das K-Hole wurde am häufigsten bei Mehrfachkonsumenten beobachtet.

Wie nehme ich Ketamin ein?

Grundsätzlich war Ketamin für lange Zeit nur als Infusionslösung in Gebrauch. Seit 2019 existiert jedoch auch eine andere Arzneiform: Ein Nasenspray, zur Anwendung bei austherapierter Depression. Im Nachfolgenden ist je die nach Einsatzgebiet empfohlene Dosis angegeben. Dabei steht

  • i.v. für „intravenös“, eine kontinuierliche Gabe über die Venen,
  • i.v. Bolus für eine einmalige Verabreichung in die Venen,
  • i.m. für „intramuskulär“, in den Muskel hinein,
  • KG für „Körpergewicht“.
AnwendungsgebietEmpfohlene DosisAnmerkungen
AllgemeinanästhesieEinleitung: 1–2 mg/kg KG i.v. bzw. 4–8 mg/kg KG i.m.; Aufrechterhaltung: Alle 10–15 Min halbe Initialdosis/
Dauerinfusion1–6 mg/kg KG pro Stunde i.v.Niedrigere Dosis bei Polytrauma und schlechtem Allgemeinzustand wählen
Supplementierung bei der Regionalanästhesie0,25–0,5 mg/kg KG/
Notfallmedizinische Anästhesie0,25–0,5 mg/kg KG i.v. bzw. 0,5–1,0 mg/kg KG i.m./
Status asthmaticus, therapieresistente Form1–2 mg/kg KG i.v.Bei Bedarf auf bis 5 mg/kg KG zu steigern
Analgesie intubierter Patienten0,5 mg/kg KG als i.v. Bolus, anschließend 0,4–1,0(-3,0) mg Ketamin/kg KG als Dauerinfusion pro Stunde; gleichzeitig Anwendung eines BenzodiazepinsBehandlungsdauer sollte 4–6 Wochen nicht überschreiten

Anwendung gegen Depression

Seit Ende des Jahres 2019 ist der Wirkstoff Esketamin als Nasenspray von der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA zugelassen. Er dient der Behandlung schwerer Depressionen, bei denen bisherige Therapieversuche nicht den gewünschten Erfolg erzielten. Zu diesem Zweck wird das Nasenspray abhängig vom Alter des Patienten wie folgt angewandt:

  • Erwachsene bis 65 Jahre: Am ersten Tag 56 mg, anschließend für vier Wochen 56 mg oder 84 mg zweimal wöchentlich; in Woche 5–8 entweder 56 mg oder 84 mg einmal wöchentlich, ab Woche 9 alle 2 Wochen 56 mg oder 84 mg; der weitere Behandlungsbedarf ist in regelmäßigen Abständen zu prüfen.
  • Erwachsene ab 65 Jahren: Am ersten Tag 28 mg, anschließend für vier Wochen 28 mg, 56 mg oder 84 mg zweimal wöchentlich (Dosisänderung nur in 28 mg-Schritten); in Woche 5–8 entweder 28 mg, 56 mg oder 84 mg einmal wöchentlich, ab Woche 9 alle 2 Wochen 56 mg oder 84 mg; der weitere Behandlungsbedarf ist in regelmäßigen Abständen zu prüfen.

Tritt eine Besserung der Symptome ein, sollte die Behandlung trotzdem noch für mindestens 6 Monate fortgesetzt werden. Die Einnahme des Nasensprays erfolgt zwar durch den Patienten selbst, jedoch nur stationär unter Aufsicht von medizinischem Personal.

Für weitere Information zur Anwendung des Nasensprays können Sie gerne Informationen über die EMA einholen:

www.ema.europa.eu

Fakten-Box Ketamin

Anwendungsgebiete von Ketamin

Wirkung

  • narkotisierend
  • schmerzlindernd
  • antidepressiv
  • halluzinogen und dissoziativ

Nebenwirkungen

Darreichungsform

  • als Lösung zur Injektion in die Venen
  • Nasenspray (nur gegen Depressionen)

Was sind die Nebenwirkungen des Medikaments Ketamin?

Keine Wirkung ohne Nebenwirkungen. Dies ist ein Grundsatz, der auf die meisten Arzneimittel zutrifft. Bei Ketamin verhält es sich genauso. Die nachfolgende Auflistung zeigt, welche Nebenwirkungen durch die Anwendung von Ketamin auftreten können. Nicht alle davon werden auch eintreten.

Sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten) treten auf:

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen existieren für Ketamin?

Kontraindikation bedeutet, dass es einen Umstand gibt, der eine bestimmte Therapie oder die Anwendung eines bestimmten Medikaments untersagt, weil es sonst zu nachteiligen gesundheitlichen Folgen käme. Synonym dazu verwendet man das Wort Gegenanzeige. Für Ketamin sind dies:

  • Überempfindlichkeit gegenüber Ketamin
  • Brustenge (sog. ‚Angina pectoris‘)
  • unbehandelter oder schlecht eingestellter Bluthochdruck (sog. ‚Hypertonie‘) von 180/100 mmHg in Ruhe
  • unbehandelte oder schlecht eingestellte Schilddrüsenüberfunktion (sog. ‚Hyperthyreose‘)
  • Präeklampsie: Vorstufe der Eklampsie, die mit Bluthochdruck und vermehrter Proteinausscheidung durch Harnflüssigkeit einhergeht und in der Schwangerschaft auftreten kann. Sollte so früh wie möglich diagnostiziert werden.
  • Eklampsie: In einer Schwangerschaft vorkommender Symptomkomplex, der plötzlich auftreten kann und mit Symptomen wie Bluthochdruck, Krampfanfällen, Schwellungen und Nierenschädigung einhergeht. Kann für die Mutter und das ungeborene Kind tödlich enden.
  • drohender Riss der Gebärmutter, Nabelschnurvorfall und ähnliche Situationen, die eine Muskelentspannung des Uterus erfordern

Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft sollte Ketamin im ersten Trimenon, also bis zur 12. Schwangerschaftswoche, nicht eingenommen werden. Der Wirkstoff ist plazentagängig und kann bei Dosen von über 2 mg/kg Körpergewicht über die Venen eine Atemverflachung beim Neugeborenen auslösen. Daneben ist die Einnahme in der Stillzeit ebenfalls untersagt. Es wurde außerdem in Tierversuchen eine fruchtschädigende Wirkung festgestellt.

Was sind Wechselwirkungen und welche bestehen bei Ketamin?

Wird mehr als ein Medikament gleichzeitig eingenommen, können diese im Körper miteinander in Kontakt treten und sich gegenseitig beeinflussen – man spricht von Wechselwirkung. Dabei können Wirkung und Nebenwirkung verstärkt oder verringert werden oder es treten neue Nebenwirkungen auf.

  • Aminophyllin: Wirkstoff, der zu Entspannung der Bronchien (sog. ‚Bronchiospasmolytikum‘) bei Asthma bronchiale eingesetzt wird. Durch die zeitgleiche Anwendung sinkt die Krampfschwelle für einen erneuten Asthma-Anfall.
  • Nichtdepolarisierende Muskelrelaxantien: Medikamente, die unter anderem in der Anästhesie verwendet werden. Ihre Wirkung kann durch Ketamin verlängert werden.
  • Schilddrüsenhormone: Bluthochdruck und Herzrasen (sog. ‚Tachykardie‘) können auftreten.
  • Direkte und indirekte Sympathomimetika: Medikamente, die die Wirkung des Sympathikus imitieren. Sie können ebenfalls mit Ketamin zu Bluthochdruck und Herzrasen führen.
  • Hypnotika: Schlafmittel, die den Schlaf bewirken oder ihn fördern. Die Wirkdauer v. a. von Benzodiazepinen wie Diazepam und Midazolam sowie Neuroleptika wird verlängert. Nebenwirkungen fallen schwächer aus.
  • Halothan: Ebenfalls ein Narkosemittel, dessen Wirkung sich durch Ketamin erhöht. Halothan, Ketamin und Adrenalin zusammen können das Risiko einer Herzrhythmusstörung erhöhen
Achtung
Haben sie Ketamin als Narkosemittel erhalten, dürfen Sie mindestens 12 Stunden nach dem Aufwachen nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Auch dürfen Sie keine schweren Maschinen bedienen oder Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten. In dieser Zeit sollten Sie zudem kein Alkohol konsumieren. Lassen Sie sich auf dem Weg nach Hause begleiten.

Aktuelle Forschung – wie sicher ist Esketamin als antidepressives Medikament?

Wie im Artikel bereits erwähnt wurde, sind mit dem Wirkstoff Ketamin bzw. Esketamin einige Nebenwirkungen assoziiert: Außerkörperliche Erfahrung, Verwirrtheit, Delir und andere. Doch wie oft treten diese in der Praxis auf, wenn Esketamin als Nasenspray zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wird? In einer Studie des Jahres 2018 untersuchte ein Forscherteam mittels einer randomisierten klinischen Studie die Wirksamkeit und die Häufigkeit von Nebenwirkungen des Esketamin-Nasensprays.

In der Studie wurden von 67 Erwachsene mit behandlungsresistenter Depression 34 Teilnehmer über einen Zeitraum von 10 Wochen hinweg behandelt und über acht Wochen anschließend nachsorglich untersucht. Sie wurden anfangs in drei Gruppen unterteilt und mit 28 mg, 56 mg oder 84 mg Esketamin zweimal wöchentlich behandelt. Nach zwei Wochen nahmen diese Probanden das Esketamin nur noch einmal pro Woche ein und nach einiger Zeit nur noch einmal alle zwei Wochen. Die bisherige Therapie samt Medikation der Teilnehmer wurde beibehalten. Die übrigen 33 der 67 Teilnehmer erhielten ein Placebo zur Kontrolle. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt knapp 45 Jahre alt. Von den 67 Probanden waren 38 Frauen.

Die Ergebnisse

Den Zustand ihrer Depression erfassten die Studiendurchführenden mit Hilfe des Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale (kurz: MADRS). Dies ist ein Fragebogen zur Beurteilung der Schweregrad einer Depression. In allen drei Untergruppen der Behandlungsgruppe, die Esketamin tatsächlich erhielten, verbesserte sich ihr MADRS-Wert: Um durchschnittlich –4,2 unter 28 mg Esketamin, um –6,3 bei 56 mg und um –9,0 bei 84 mg. Die Skala reicht insgesamt von 0–60 Punkte. Je niedriger der Wert, desto geringer der Grad der Depression. Obwohl die Zeitabstände zwischen den Behandlungen zunehmend vergrößert wurden, blieb eine grundsätzliche Verbesserung der Depression erhalten.

Von den Probanden die Esketamin erhielten, berichteten insgesamt vier über unerwünschte Arzneimittelereignisse, die in einem Studienabbruch mündeten. Unerwünschte Arzneimittelereignisse sind negative Ereignisse, die nicht zwingend in einem kausalen, aber in einem zeitlichen Zusammenhang zu der Behandlung mit Arzneimitteln stehen. Diese waren bei je einem der vier Probanden Kopfschmerzen, kurze Bewusstlosigkeit, Losgelöstsein von der Realität und eine intrauterine Schwangerschaft (Schwangerschaft, bei der sich die befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutter einnistet).

Quelle: Ella J. Daly u. a. (2018): Efficacy and Safety of Intranasal Esketamine Adjunctive to Oral Antidepressant Therapy in Treatment-Resistant Depression. A Randomized Clinical Trial, JAMA Psychiatry, 75(2): 139–148.

Exkurs: Ketamin als Droge

Seit über 40 Jahren wird der Wirkstoff Ketamin als Arzneimittel eingesetzt. In den letzten Jahren stieg jedoch auch der Missbrauch als Partydroge. In der Drogenszene ist Ketamin als „Special K“, „Vitamin K“, „Kate“ oder auch schlicht „K“ bekannt. Hier wird es geschluckt, gespritzt, geschnupft oder geraucht.

Der Konsument hat das Gefühl, neben sich zu stehen und den eigenen Körper zu verlassen. Teilweise kommt es zum Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn. Im Vergleich zu LSD oder halluzinogenen Pilzen kommt es häufiger zu sog. „Horrortrips“, bei denen der Betroffenen an Angst, Panikattacken oder schlimmen Visionen leidet.

Eine weitere Nebenwirkung kann eine Bewusstlosigkeit sein, die über eine halbe Stunde anhalten kann. In Kombination mit Heroin oder Alkohol kann eine lebensgefährliche Atemlähmung auftreten. Als Folgen eines langfristigen Konsums werden die Gedächtnisleistungen beeinträchtig und es treten neurologische Störungen auf.

Häufige Patientenfragen

Welchen Stellenwert hat Ketamin als antidepressives Mittel?

Dr. Dr. T. Weigl
Ketamin kann als Reservemittel bei Patienten eingesetzt werden, die eine mittelgradige oder schwere depressive Episode haben und auf verschiedene Antidepressiva sonst nicht ansprechen. Übliche Antidepressiva weisen bei starken Depressionen im Durschnitt nur eine Ansprechrate von 30 bis 40 % auf. Ketamin wird unter Aufsicht intravenös verabreicht. Seit dem Frühjahr 2019 ist auch die wirksamere Form des Ketamins, das „Esketamin“, als Nasenspray in den USA zugelassen. In Deutschland ist diese Medikationsform bisher trotzt Zulassung durch die EMA noch nicht erhältlich.

Was ist besonders an Ketamin im Vergleich zu anderen Narkosemitteln?

Dr. Dr. T. Weigl
Die Besonderheit des Ketamins als Anästhetikum liegt in seiner dissoziativen Wirkung. Das bedeutet konkret: Ketamin leitet den Schlaf ein, ohne die (Schutz-)Reflexe des Körpers außer Kraft zu setzen. Damit bleibt auch der Atemreflex erhalten. Bei geringer Dosierung und langsamer intravenösen Verabreichung, gerät der Patient nicht in die Gefahr eines tödlichen Atemstillstands. Eine Anästhesie mit Ketamin ist daher möglich, ohne eine Atem- und Kreislaufüberwachung durchführen zu müssen. Außerdem ist Ketamin das einzige Injektionsnarkotikum, dass zugleich eine starke schmerzlindernde Wirkung ausübt. Es eignet sich daher sehr gut als Notfallmedikament z. B. bei einem Polytrauma. Dabei zeigen sich mehrere Verletzungen des Körpers gelichzeitig, von denen mindestens eine oder deren Kombination lebensbedrohlich ist.

Was sind Nebenwirkungen von Ketamin?

Dr. Dr. T. Weigl
Ketamin kann die Herzfrequenz und den Blutdruck erhöhen. Ein Anstieg von ca. 20 % des Ausgangswertes ist häufig. Daher ist es wichtig, vor der Anwendung etwaige Herz-Kreislauf-Erkrankungen abzuklären. In der Notfallmedikation kann dieses auch genutzt werden, um den Patienten zu stabilisieren. Bei einer OP mit Ketamin-Narkose können lebhafte Träume und Albträume auftreten, ebenso wie anschließende Aufwachreaktionen. Schwindel, Übelkeit und Erbrechen sowie Unruhe sind weitere Nebenwirkungen. Im Allgemeinen können psychotrope Effekte wie Halluzinationen auftreten.

Wie bekomme ich Ketamin bzw. Esketamin?

Dr. Dr. T. Weigl
Ketamin ist in Deutschland ein verschreibungspflichtiges Medikament. Auch Esketamin als Nasenspray darf erst nach einer Ausstellung durch einen Psychiater eingenommen werden, um therapieresistente Depression zu bekämpfen. Beide Wirkstoffe dürfen nur unter medizinischer Aufsicht eingenommen (Nasenspray) bzw. durch medizinisches Personal verabreicht werden (i.v. Dosierung).

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Sind Sie schon einmal mit Ketamin bei einer OP narkotisiert worden? Wie erging es Ihnen nach dem Aufwachen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Christopher Keck
Lektorat: Arlen-Celina Lücke
Datum: 13.09.2020

Quellen

  • Amboss (2019): Ketamin
  • Ella J. Daly u. a. (2018): Efficacy and Safety of Intranasal Esketamine Adjunctive to Oral Antidepressant Therapy in Treatment-Resistant Depression. A Randomized Clinical Trial, JAMA Psychiatry, 75(2): 139–148.
  • Doccheck (2020): Ketamin
  • Gelbeliste.de: Ketamin
  • Lutz Hein, Jens W. Fischer (2020): Taschenatlas Pharmakologie
  • A. McGirr u. a. (2015): A systematic review and meta-analysis of randomized, double-blind, placebo-controlled trials of ketamine in the rapid treatment of major depressive episodes. In: Psychological medicine. Band 45, Nummer 4, S. 693–704
  • Mutschler u. a. (2013): Arzneimittelwirkungen. 10. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
  • Lael Reinstatler, Nagy A Youssef (2015): Ketamine as a Potential Treatment for Suicidal Ideation: A Systematic Review of the Literature. Drugs in R&D;15(1):37-43
[Gesamt: 2   Durchschnitt:  5/5]
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