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Das Immunsuppressivum Ciclosporin – Erfolgsträger der modernen Organtransplantation

Auf einen Blick – Ciclosporin

Was ist Ciclosporin?

  • Ein Medikament aus der Gruppe der Immunsuppressiva, das also in der Lage ist, das körpereigene Abwehrsystem zu unterdrücken

Welche Wirkung hat Ciclosporin?

  • Unterdrückt das Immunsystem
  • Calcineurin-Hemmer
  • Unterdrückt die Aktivierung und Vermehrung einer bestimmten Gruppe weißer Blutkörperchen, die für das Immunsystem wichtig sind

Wann wird Ciclosporin angewendet?

  • Organtransplantation, zur Verhinderung von Abstoßungsreaktionen
  • Schwere Formen bestimmter Autoimmunerkrankungen: atopische Dermatitis, rheumatoide Arthritis („Rheuma“), Schuppenflechte, endogene Uveitis und nephrotisches Syndrom infolge einer Erkrankung des Nierenkörperchens

Was sind mögliche Nebenwirkungen von Ciclosporin? (Auswahl)

  • Schädigung von Niere, Leber und Magen-Darm-Trakt
  • Ödeme (verstärkte Wasseransammlung im Körpergewebe)
  • Bluthochdruck

Wann darf man Ciclosporin nicht bekommen?

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Stillzeit
  • In der Schwangerschaft nur in Rücksprache mit dem Arzt
Die Organtransplantation – sie ist für ungefähr 9.500 wartende Menschen in Deutschland (Stand: 2018) ein Hoffnungsschimmer, ihrem Leiden oder sogar ihrem Tod zu entgehen. Ist ein passender Spender gefunden, gilt es jedoch, noch eine zweite Hürde zu überwinden: Abstoßungsreaktionen. So nennt man es, wenn das Immunsystem des Patienten das gespendete Organ als Fremdkörper erkennt und Maßnahmen zu seiner Bekämpfung einleitet. Es behandelt das transplantierte Organ dann wie einen Krankheitserreger. Daher werden nach der Operation Immunsuppressiva eingesetzt, die die Aktivität des Abwehrsystems dämpfen. Diese Medikamente muss der Patient lebenslang einnehmen. Einer der in diesem Kontext häufig eingesetzten Mittel ist Ciclosporin: Es hindert bestimmte Abwehrzellen im Körper an ihrer Reifung, sodass diese das fremde Organ nicht mehr angreifen können. Ciclosporin ist jedoch sowohl Licht als auch Schatten: Nebenwirkungen können z. B. die Schädigung von Leber, Niere und dem Magen-Darmtrakt sein. Auch gibt es ein erhöhtes Risiko, sich eine Infektionskrankheit einzuhandeln. Was sollten Sie über weitere Nebenwirkungen und Anwendungsgebiete von Ciclosporin wissen? Im folgenden Artikel erfahren Sie mehr über dieses Arzneimittel.

Was ist Ciclosporin?

Bei Ciclosporin handelt es sich um ein Immunsuppressivum. Das sind Medikamente, die das Abwehrsystem des Körpers unterdrücken. Normalerweise stellt unser Körperabwehrsystem einen wichtigen Schutz vor schädlichen Bakterien, Viren und anderen Fremdkörpern dar. In einigen Fällen jedoch wandelt sich dieses System und wird krankhaft intolerant gegenüber dem eigenen Körper – man spricht von Autoimmunerkrankungen. Prominente Beispiele dafür sind Schuppenflechte, die Hashimoto-Schilddrüsenerkrankung oder Rheuma. Neben einer Organtransplantation bilden diese Krankheiten daher weitere Einsatzgebiete für Ciclosporin. Das Medikament kann vom Patienten als Weichkapsel, Lösung oder Augentropfen eingenommen werden. Außerdem ist eine Infusion durch medizinisches Personal direkt in die Blutbahn des Patienten möglich.

Videoexkurs: Rheumatoide Arthritis/ Rheuma
Bei der rheumatoiden Arthritis, auch als „Rheuma“ bekannt, handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung. Sie tritt in Schüben auf und ihre typischen Symptome sind geschwollene und schmerzende Hand- und Fußgelenke. Die Krankheit kann jedoch auch innere Organe und die Augen befallen. Wie bei vielen Autoimmunerkrankungen, ist auch der Ursprung von Rheuma nicht genau bekannt. Wie aber behandelt man rheumatoide Arthritis? Warum sollte man so früh wie möglich mit der Behandlung beginnen? Diese und weitere Aspekte des Krankheitsbildes Rheuma beleuchtet Dr. Dr. Tobias Weigl im folgenden Videobeitrag:

Rheuma Symptome, Rheumatoide Arthritis, Schwanenhalsdeformität, Gelenkrheuma: Ursachen & Therapie

Zur Geschichte des Medikaments

Entdeckt wurde Ciclosporin Anfang der 1970er Jahre durch Hartmann Stäheli und Jean-François Borel. Erstmalig für eine Organtransplantation genutzt wurde der Arzneistoff 1978 an der Cambridge University – mit großem Erfolg. Die Überlebenszeit der Patienten stieg unter dieser Behandlung deutlich an, da es zu weniger Abstoßungsreaktionen kam. Ciclosporin sorgte somit für einen wichtigen Durchbruch in der Transplantationsmedizin.

Gut zu wissen: Woher kommt der Wirkstoff?
Ciclosporin ist ein Stoff, der in der Natur bei zwei verschiedenen Pilzarten vorkommt: Tolypocladium inflatum und Cylindrocarpon lucidum. Es handelt sich um norwegische Schlauchpilze. Auch heute noch wird Ciclosporin aus diesen Pilzen isoliert, um es für die Medikamentenherstellung zu nutzen.

Welche Wirkung hat Ciclosporin?

Ciclosporin unterdrückt das Immunsystem, indem es in die Entwicklung der T-Zellen eingreift. T-Zellen sind sogenannte Lymphozyten, die zu den weißen Blutkörperchen gehören und mit B-Zellen zum erworbenen Immunsystem zählen. T-Zellen sind normalerweise in der Lage, sich mit Hilfe des Stoffes Interleukin-2 aus sogenannten T-Helferzellen weiterzuentwickeln. Dadurch erlangen sie die Fähigkeit, Tumorzellen oder virusinfizierte Zellen abzutöten, also „cytotoxisch“ zu wirken. Ciclosporin hemmt die Freisetzung von Interleukin-2 aus den T-Helferzellen, wodurch die T-Zelle nicht zur cytotoxischen T-Zelle heranreifen kann. Eine Immunreaktion auf Fremdkörper wie fremde Organe oder Viren wird so unterdrückt.

Organtransplantation

Ciclosporin kommt aufgrund seiner immununterdrückenden Wirkung eine wichtige Rolle bei der medikamentösen Behandlung von Transplantationspatienten zu. Es verhindert, dass das Immunsystem mit einer Abstoßungsreaktion auf das eingesetzte Organ reagiert und dieses bekämpft. Die Reaktion kann dabei zu verschiedenen Zeitpunkten eintreten:

  • Hyperakute Abstoßung: Wenige Minuten nach Einsetzen des Transplantats reagiert der Patient mit bereits vorhandenen Antikörpern gegen das Transplantat. Folge können Blutgerinnungskaskaden sein, die am ganzen Körper auftreten. Sie werden oft lebensbedrohlich für den Patienten, weshalb das Transplantat in solchen Fällen wieder herausgenommen werden muss.
  • Akute Abstoßung: Diese tritt frühestens einige Tage nach der Operation ein, kann aber auch erst Monate bis Jahre später auftreten. Verantwortlich für diese Abstoßungsreaktion sind sehr wahrscheinlich die T-Zellen des Körperabwehrsystems. Hierin besteht der Angriffspunkt von Ciclosporin: Es hemmt die Reifung von T-Zellen zu zytotoxischen T-Zellen. Diese können das transplantierte Organ dann nicht mehr angreifen. Wird eine akute Abstoßung rechtzeitig erkannt, kann sie gut medikamentös behandelt werden. Das Organ muss nicht zwingend entfernt werden wie bei der hyperakuten Phase.
  • Chronische Abstoßung: Diese Art der Abstoßung ist ein langsam fortschreitender Prozess, der über viele Jahre gehen kann. Charakteristisch ist die Entzündung der Blutgefäße im Transplantat, welche schließlich vernarben können. Dies führt zu einer verminderten Durchblutung des Transplantats und es muss ein neues eingesetzt werden. Der Fachbegriff für diese Reaktion ist ‚Transplantationsvaskulopathie‘.

Ciclosporin wird dabei oft mit anderen Immunsuppressiva kombiniert, um deren Nebenwirkungen und die des Ciclosporins gering zu halten. Glucorticoide (Cortisol) und ein monoklonaler Antikörper (z. B. Basiliximab) werden meist dazu verwendet.

Dosierung bei Transplantationspatienten

Die Dosierung von Ciclosporin hängt vom Körpergewicht des Patienten ab und wird individuell vom Arzt festgelegt. In der Regel werden 2 bis 6 mg pro kg Körpergewicht am Tag gegeben, verteilt auf zwei Einzeldosen. Am Anfang wird vom Arzt eine größere Menge verordnet (sog. ‚Initialdosis‘), damit beim Patient schneller die gewünschte Wirkung einsetzt. Diese beträgt 10 bis 14 mg pro kg Körpergewicht pro Tag.

Die Blutwerte sollten dabei jedoch gut kontrolliert werden: 100-400ng/ml Vollblutprobe sollten vor der nächsten Gabe nicht überschritten werden. Bei normaler Medikation dauert es in der Regel drei Monate, bis Ciclosporin seine volle Wirksamkeit entfaltet.

Ciclosporin ist bei Transplantationen sehr wichtig, weil es als Immunsuppressivum Abstoßungsreaktionen des Spende-Empfängers verhindert. — Dr. Dr. Tobias Weigl

Autoimmunerkrankungen

Wegen seiner immununterdrückenden Wirkung wird Ciclosporin gegen diverse Autoimmunerkrankungen eingesetzt. Durch die Krankheit greift der Körper eigene gesunde Zellen an.

Diese Autoimmunerkrankungen können sein:

Sonstige Anwendungsgebiete

Vornehmlich werden mit Ciclosporin zwar Transplantationspatienten und autoimmunerkrankte Patienten behandelt. Außerdem ist der Wirkstoff jedoch noch für folgende Erkrankungen zugelassen:

  • Schwere endogene Uveitis: Dies ist eine Entzündung der mittleren Augenhaut. Die Krankheit äußert sich durch Symptome wie Schmerzen, Tränenfluss, Lichtempfindlichkeit und ein Fremdkörpergefühl im Auge.
  • Fokal segmentale Glomerulosklerose: Hierbei verhärtet das Nierenkörperchen der Niere. Symptome sind eine massive Ausschwämmung von Proteinen durch den Urin, hohe Bluttfettwerte, Ödembildung, ein niedriger Albumin-Blutwert und ein renaler Hypertonus (Bluthochdruck, der durch Nierenerkrankungen entsteht).
  • Membranöse Glomerulonephritis: Dies umschreibt eine chronische Entzündung der Nierenkörperchen. Es geht mit einem nephrotischen Syndrom einher. Symptome sind neben dem nephrotischen Syndrom Bluthochdruck und Blutausscheidungen im Urin, die mit dem bloßen Auge nicht sichtbar ist.

Was sind die Nebenwirkungen von Ciclosporin?

Weil sich Ciclosporin auf das Immunsystem auswirkt und dieses insgesamt schwächt, bleibt der Arzneistoff nicht ohne Nebenwirkungen. Wichtig zu wissen ist dabei, dass nicht alle aufgelisteten Nebenwirkungen auch eintreten müssen.
Die nachfolgende Auflistung gibt einen Überblick über die nach Häufigkeit geordneten Nebenwirkungen des Arzneistoffes. Die Unterteilung erfolgt in sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten), häufig (1 bis 10 Behandelte von 100), gelegentlich (1 bis 10 Behandelte von 1.000), selten (1 bis 10 Behandelte von 10.000) und sehr selten (unter 1 Behandelter von 10.000).

Sehr häufig:

Häufig:

  • Leberfunktionsstörungen
  • Müdigkeit
  • Abnorm dichte Körperbehaarung an einzelnen Stellen des Körpers oder auf der gesamten Körperoberfläche (sog. ‚Hypertrichose‘)
  • Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe
  • Ein Gefühl des Brennens an Händen und Füßen
  • Appetitlosigkeit
  • Erhöhter Harnsäurespiegel im Blut
  • Erhöhter Kaliumblutwert (sog. ‚Hyperkaliämie‘)
  • Erhöhte Magnesiumwerte im Blut (sog. ‚Hypermagnesiämie‘)
  • Leichte und reversible Erhöhung des Blutfettwertes, vor allem bei gleichzeitiger Gabe von Koritkosteroid-Medikamenten

Außer diesen Nebenwirkungen gibt es noch weitere, die jedoch seltener auftreten. Diese können mit Ihrem behandelnden Arzt besprochen werden. Einige Nebenwirkungen mögen sich schlimm anhören oder auch unangenehm sein – doch gerade, wenn Sie ein Organ transplantiert bekommen haben und dadurch Ciclosporin einnehmen müssen, kann das Medikament lebenswichtig sein.

Vielleicht ist Ihnen Ciclosporin schon verordnet worden. Welche Nebenwirkungen sind bei Ihnen aufgetreten? Mehrere Antworten sind möglich. Mit Ihrer Teilnahme helfen Sie anderen Betroffenen, Nebenwirkungen des Medikaments besser einschätzen zu können.

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen existieren für Ciclosporin?

Eine Kontraindikation ist ein Umstand, der eine bestimmte Therapie oder die Anwendung eines bestimmten Medikaments untersagt, weil es sonst zu nachteiligen gesundheitlichen Komplikationen kommen könnte. Man verwendet dafür auch das Wort ‚Gegenanzeige‘.

Zu den Kontraindikationen von Ciclosporin zählen:

  • Überempfindlichkeit gegen Ciclosporin oder einen der anderen Stoffe im Arzneimittel
  • Stillzeit; eventuell sollte ein Abstillen eingeleitet werden
  • Schwangerschaft: nur nach Rücksprache mit dem Arzt
  • Medikamente, die sich ebenfalls schädigend auf die Niere auswirken. Sollen diese Medikamente aus bestimmten Gründen trotzdem eingenommen werden, ist auf eine strenge Überwachung der Nierenfunktion (Serum-Kreatinin-Spiegel) zu achten.
  • unkontrollierter Bluthochdruck
Ciclosporin auf einen Blick
Ciclosporin ist ein Immunsuppressivum

Wirkung

  • Calcineurin-Hemmer
  • Unterdrückt als solcher das Immunsystem
  • Unterdrückt die Aktivierung und Vermehrung einer bestimmten Gruppe weißer Blutkörperchen, die für das Immunsystem wichtig sind

Anwendungsgebiete

  • Organtransplantation, zur Verhinderung von Abstoßungsreaktionen
  • Schwere Formen bestimmter Autoimmunerkrankungen: atopische Dermatitis, rheumatoide Arthritis („Rheuma“), Schuppenflechte, endogene Uveitis und nephrotisches Syndrom infolge einer Erkrankung des Nierenkörperchens

Wichtigste Nebenwirkungen

Darreichungsform

  • Weichkapseln zu 25, 50 oder 100mg
  • Augentropfen zu 1mg/ml
  • Lösung zu 50mg/ml oder 100mg/ml
  • Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Was sind Wechselwirkungen und welche bestehen bei Ciclosporin?

Wenn mehr als ein Medikament gleichzeitig eingenommen wird, können diese im Körper miteinander in Kontakt treten und sich gegenseitig in ihrer Wirkung beeinflussen – man spricht von Wechselwirkung. Dabei können Wirkung und Nebenwirkung verstärkt oder verringert werden oder es treten neue Nebenwirkungen auf.

Achtung: Besonders bei Ciclosporin ist auf Wechselwirkungen zu achten!
Gerade bei Ciclosporin ist es wichtig, auf die vielen potentiellen Wechselwirkungen zu achten. Grund ist die sogenannte enge therapeutische Breite des Arzneistoffes. Damit ist gemeint, dass man nur wenig Spielraum dafür hat, wieviel des Ciclosporin in den Körper eingeführt werden muss, um die beabsichtigte Wirkung zu erzielen. Zu viel davon wäre toxisch für den Patienten, zu wenig würde nicht ausreichen, den gewünschten Effekt herbeizuführen. Wechselwirkungen mit den nachfolgend genannten Stoffen können dafür sorgen, dass trotz planmäßiger Einnahme zu viel Ciclosporin im Blut ist. Der Patient landet somit außerhalb des therapeutischen Bereichs, nämlich im schädlichen toxischen Bereich.

Potentielle Wechselwirkungen von Ciclosporin bestehen bei:

  • anderen Calcineurin-Inhibitoren wie Tacrolimus: Erhöht das Risiko für Nierenschädigungen
  • Kombination mit anderen immunschwächenden Mitteln: erhöht die Infektionsanfälligkeit und ein Lymphomrisiko
  • Orlistat: Erhöht die umgesetzte Menge von Ciclosporin im Körper
  • Fibrat-Arzneimittel: starke, aber umkehrbare Einschränkung der Nierenfunktion
  • Glucocorticoide wie Prednison: erhöhtes Risiko für Krampfanfälle, die vom Großhirn verursacht werden
  • Grapefruitsaft: Erhöht den Ciclosporin-Blutspiegel
  • Repaglinid: Unterzuckerungsrisiko steigt
  • Statine, z. B. Simvastatin: muskelschädigend mit den Symptomen Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit und Myositis (entzündliche Erkrankung der Skelettmuskulatur); auch Rhabdomyolyse möglich
  • Lercanidipin: Erhöht den Ciclosporin-Spiegel, Lercanidipinspiegel wird selbst auch erhöht
  • Everolimus und Sirolimus: erhöhen den Serum-Kreatinin-Spiegel
  • Colchicin, Digoxin und Prednisolon: Nebenwirkungen können verstärkt werden
  • kaliumreiche Medikamente/ Ernährung und kaliumsparende Arzneimittel: erhöhter Kalium-Blutspiegel
  • alle Medikamente, die die Aktivität des Enzyms CYP3A4 senken: Erhöhung des Ciclosporin-Blutwertes

Aktuelle Forschung – Eine Nebenwirkung von Ciclosporin wird zum Ideengeber

Menschen, die an kreisrundem Haarausfall (sog. ‚Alopezie‘) leiden, haben oft mit hohem psychischen Druck zu kämpfen. Ein Forscherteam der Manchester University hatte es sich in diesem Kontext zur Aufgabe gemacht, nach einem effektiveren Mittel als den bestehenden zu suchen. Und sie wurden fündig, als sie Ciclosporin genauer unter die Lupe nahmen.

Eine mögliche Nebenwirkung von Cicilosporin ist das vermehrte Haarwachstum an bestimmten Stellen des Körpes oder gar am ganzen Körper. Das Forscherteam stellte sich die Frage, ob man diesen Umstand nicht nutzen könnte, um daraus ein Medikament für Patienten mit Haarausfall zu entwickeln.

Die Idee, aus der Not eine Tugend zu machen, ist bei Medikamenten nichts Neues: Während der Entwicklung des Blutdrucksenkers Sildenafil beispielsweise wurde zufällig festgestellt, dass eine Nebenwirkung sich in Form einer Erektion beim Mann bemerkbar macht. Aus dieser Nebenwirkung entwickelte die Firma Pfitzer ein Medikament, das schließlich 1998 unter dem Namen Viagra auf den Markt kam.

Test an echten Haarfollikeln

Mit Ciclosporin selbst ist dies nicht möglich, weil seine Toxizität dafür zu groß wäre. Er wurde aber als Leitverbindung angesehen, um einen neuen Wirkstoff zu finden: WAY-316606. Von diesem seien bisher keine Nebenwirkungen bekannt. Im Labor wurde die Wirksamkeit von WAY-316606 an echten Haarfollikeln getestet, die gespendet wurden.

Das Ergebnis: Bereits nach zwei Tagen der Anwendung wurden die Haare effektiv verlängert. Damit wäre es als Medikament wirksamer als Finasterid: Dieses häufig verwendete Mittel bei Haarausfall stoppt die Alopezie nur, macht sie aber nicht rückgängig. Minoxidil, das zweite häufig genutzte Mittel bei Haarausfall, hat den Nachteil vieler und teils schwerer möglicher Nebenwirkungen wie Impotenz und Herzrasen. Nun muss sich in klinischen Studien zeigen, ob das Medikament auch wirklich sicher eingesetzt werden kann.

Quelle: Ralf Paus et al. (2018): Identifying novel strategies for treating human hair loss disorders: Cyclosporine A suppresses the Wnt inhibitor, SFRP1, in the dermal papilla of human scalp hair follicles. PLOS Biology.

Häufige Patientenfragen

Wie äußert sich eine Überdosis von Ciclosporin?

Dr. Dr. T. Weigl
Eine Vielzahl an Symptomen kann bei einer Überdosierung mit Ciclosporin eintreten. Die häufigsten davon sind Kopfschmerzen, Erbrechen, Herzrasen und Herzbeschwerden oder Benommenheit/Schläfrigkeit sowie eine vorübergehende Einschränkung der Nierenfunktion. Sollten Sie diese Symptome an sich bemerken oder grundlegend den Verdacht einer Überdosis haben, setzen Sie sich rasch mit einem Arzt in Verbindung.

Wie lange muss ich Ciclosporin nach einer Transplantation einnehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Lebenslänglich. Abstoßungsreaktionen, die das erhaltene Organ oder Gewebe bekämpfen, können nach der Operation jederzeit eintreten. Sogar Jahre danach kann dies passieren, in einem schleichenden Prozess. Sicherlich ist diese Aussicht bei all den möglichen Nebenwirkungen von Ciclosporin unangenehm, doch der Nutzen überwiegt das Risiko: Wenn das gespendete Organ wieder abgestoßen wird, muss man nämlich mitunter wieder lange Zeit warten, bis ein passender Spender gefunden wurde.

Wie lange muss ich Ciclosporin nach einer Transplantation einnehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Ciclosporin entwickelt eine Reihe von möglichen Nebenwirkungen bei seiner Einnahme. Gerade bei einer dauerhaften Medikation wie beispielsweise nach einer Transplantation ist es wichtig, regelmäßige Blutkontrollen durchzuführen. Somit können einige dieser Nebenwirkungen überwacht werden. Wichtig ist hier z. B. der Serum-Kreatinin-Spiegel, der Auskunft darüber gibt, wie stark die Nierenfunktion durch Ciclosporin beeinträchtigt wird. Eine eingeschränkte Nierenfunktion ist eine der Hauptnebenwirkungen des Medikaments.

Auf welche Ernährungsgewohnheiten sollte ich achten, wenn ich Ciclosporin einnehme?

Dr. Dr. T. Weigl
Auf Grapefruitsaft sollten Sie verzichten, weil hierin ein Stoff steckt, der das Enzym CYP3A4 im Körper hemmt. Dieses Enzym hat die Aufgabe, eine Vielzahl von Medikamenten im Darm aufzunehmen und zu verstoffwechseln. Wird es gehemmt, bleibt der Wirkstoff länger im Körper und man riskiert mehr Nebenwirkungen und toxische Auswirkungen. Bei jedem Menschen ist dieses Enzym von Natur aus unterschiedlich stark aktiv. Deshalb ist es unberechenbar, wie groß die (negative) Auswirkung des Grapefruitsaftes auf das Individuum ist. Daneben sollten Sie auf natriumarme, kaliumhaltige Salzersatzprodukte verzichten. Alkohol sollte nur in Maßen getrunken werden.

Typisches Patientenbeispiel

„Wir haben endlich eine passende Spenderleber für Sie gefunden, Herr Veltes!“, verkündet Doktor Rose und strahlt dabei. Herr Veltes liegt seit einigen Wochen auf der Station und wird medikamentös behandelt. Er hat Leberkrebs. Dieser stellt sich als hartnäckig heraus, sodass Doktor Rose eine Lebertransplantation als notwendig erachtet. Geschwächt von der Behandlung, aber ob dieser Nachricht erleichtert, entgegnet Herr Veltes: „Gott sei Dank. Ich bin sehr froh darüber.“ Er rutscht nervös in seinem Bett hin und her und fragt schließlich: „Aber was kommt nach der Operation auf mich zu? Was wird sich ändern?“ „Ich werde Ihnen alles erklären…“, spricht Doktor Rose in ruhigem Ton.

Herr Veltes wird erfolgreich operiert und er erhält die Spenderleber. Der Krebs ist herausoperiert worden. Damit die neue Leber aber erhalten bleibt und nicht abgestoßen wird, muss Herr Veltes nun sein Leben lang Ciclosporin zusammen mit einigen anderen Medikamenten einnehmen. Seine Blutwerte werden regelmäßig kontrolliert und auch sonst bedeutet die Operation ein paar Umstellungen für sein Leben. Doch seine Freude darüber, nach einem langen Weg den Krebs besiegt zu haben, ist größer.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  
Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl und Christopher Keck
Lektorat: Sebastian Mittelberg
Veröffentlicht: 27.08.2019

Quellen

  • Frank Antwerpes et al.: Transplantatabstoßung, in: flexikon.doccheck.com.
  • Frank Antwerpes et al.: Ciclosporin, in: flexikon.doccheck.com.
  • gelbe-liste.de: Ciclosporin.
  • Ralf Paus et al. (2018): Identifying novel strategies for treating human hair loss disorders: Cyclosporine A suppresses the Wnt inhibitor, SFRP1, in the dermal papilla of human scalp hair follicles. PLOS Biology.
  • Hexal (2018): Fachinformation Ciclosporin Hexal 50mg Kapseln.
  • Ernst Mutschler et al. (2013): Mutschler Arzneimittelwirkungen. 10. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft GmbH, Stuttgart.
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