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Immunsuppressiva – was sind ihre Wirkungen und Gefahren?

Was sind Immunsuppressiva?

  • Medikamente, die das Immunsystem des Körpers unterdrücken
  • Calcineurininhibitoren
  • Glucocorticoide
  • einige Zytostatika
  • u.a. monoklonale und polyklonale Antikörper

Welche Wirkung haben Immunsuppressiva?

  • unterdrücken das Immunsystem oder einen Teil davon
  • Einsatz bei unerwünschter (Über-)Reaktion des Immunsystems gegen den eigenen Körper

Wann werden Immunsuppressiva angewendet?

  • Autoimmunerkrankungen
  • (Arzneimittel-)Allergie
  • Verhinderung von Transplantatabstoßung

Was sind mögliche Nebenwirkungen von Immunsuppressiva (Auszug)?

  • Infektionsanfälligkeit
  • erhöhtes Risiko für Tumorentstehung

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Unser Immunsystem ist ein Lebensretter – es wehrt Krankheitserreger ab und bekämpft sie meistens, bevor sie uns großen Schaden zufügen. Manchmal wendet es sich aber auch gegen uns wie z. b. bei Autoimmunerkrankungen. Prominente Beispiele sind die Multiple Sklerose und die rheumatoide Arthritis. Das Immunsystem vermag hier nicht mehr zwischen körperfremden und körpereigenen Zellen zu unterscheiden und schaltet auf Angriff, obwohl es eigentlich nichts zu bekämpfen gibt.

Immunsuppressiva können gegen diese Autoimmunerkrankungen sinnvoll eingesetzt werden, um den Körper daran zu hindern, eigene gesunde Körperzellen zu beschädigen. Sie haben zwar auch teils schwere Nebenwirkungen, erleichtern aber den Patienten oft das Leben oder retten es sogar: Langfristig erfolgreiche Transplantationen sind erst durch den Einsatz von Immunsuppressiva möglich. Sie verhindern eine Abstoßungsreaktion.

Was Sie über Wirkung, Nebenwirkungen und Anwendungen von Immunsuppressiva wissen sollten, erfahren Sie im folgenden Artikel. Nutzen Sie auch gerne die Kommentarfunktion unterhalb des Artikels, um sich mit uns und anderen über das Thema auszutauschen.

Was sind Immunsuppressiva?

Immunsuppressiva sind Medikamente, die auf unterschiedliche Weise unser Körperabwehrsystem oder einen Teil davon unterdrücken. Mit ihnen ist es erstmals gelungen, Autoimmunerkrankungen wirksam bekämpfen und Transplantationen mit dauerhaftem Erfolg durchführen zu können. Zu ihnen zählen:

  • Calcineurininhibitoren
  • Glucocorticoide
  • Fusionsproteine
  • einige Zytostatika
  • monoklonale und polyklonale Antikörper
  • Fingolimod
  • Fumarsäuredimethylester
  • mTOR-Inhibitoren

Was sind Autoimmunerkrankungen?

Unser Immunsystem hat zwei wichtige Aufgaben: Es muss körperfremde Zellen identifizieren und gegebenenfalls bekämpfen können. Es muss aber auch körpereigene Zellen von Fremden unterscheiden und wissen, wann es nicht anzugreifen hat. Letztere Funktion ist bei einer Autoimmunerkrankung gestört, es fehlt die „Selbsttoleranz“.

Unser Abwehrsystem besteht aus zwei Teilen: Zum einen aus der angeborenen Immunabwehr, die Erreger unspezifisch bekämpft. Zum anderen aus einer erworbenen Immunabwehr, die sich speziell gegen bestimmte Erreger richtet und sie effektiver bekämpfen kann. Zu letzterem gehören auch die sog. „T-Zellen“. Ein Teil dieser T-Zellen wirkt autoreaktiv, bekämpft also eigene Zellen (zytotoxische Wirkung). Dies ist z. B. wichtig, um infizierte oder entartete Körperzellen zu beseitigen.

Bei einer Autoimmunreaktion werden diese autoreaktiven T-Zellen jedoch fälschlicherweise aktiviert. Grund dafür können genetische Faktoren oder Infektionen sowie Umwelteinflüsse sein. Als Folge werden Immunzellen wie zytotoxische T-Zellen, Makrophagen und B-Zellen aktiviert und schädigen den Organismus. Es kann der gesamte Organismus betroffen sein oder nur ein Teil davon, z. B. ein bestimmtes Organ.

Bei einigen Autoimmunerkrankungen sind es auch die Antikörper, die die gesunden Zielzellen befallen und für den Angriff auf diese sorgen. Es können also grob zwei Schädigungsmechanismen unterschieden werden: Solche durch T-Zellen und solche durch Antikörper. In der Therapie kann man diesen Umstand ausnutzen: Die Medikamentengabe kann spezifischer erfolgen. Wird eine Immunreaktion durch T-Zellen hervorgerufen, kann man Medikamente wie z. B. Ciclosporin und Tacrolimus einsetzen, die sich nur auf diesen Teil der Immunantwort auswirken.

Wie funktioniert unsere Immunabwehr im Ganzen? Im nachfolgenden Video erklärt Dr. Dr. Tobias Weigl, aus welchen Komponenten unser Immunsystem besteht, wie es wirkt und wie wir es stärken können:

Mein Immunsystem: Wie schützt es mich vor dem Coronavirus? 😷 Das eigene Abwehrsystem verstehen ✅

Was ist eine Transplantation?

Bei einer Transplantation wird lebendes Körpermaterial von einem Spender in einen Empfänger verpflanzt. Dies können Zellen, Gewebe oder ein komplettes Organ sein. Oft wird eine Transplantation dann vollzogen, wenn das entsprechende Pendant des Empfängers langfristig nicht durch Medikamente oder andere Maßnahmen zu retten ist. Beispiele dafür sind eine Nierentransplantation bei chronischer Niereninsuffizienz oder eine Brustrekonstruktion bei Brustkrebs.

Leider gibt es in Deutschland zu wenig Spender: Der Bedarf ist ungefähr dreimal so hoch wie das Angebot. Ca. 10.000 Patienten stehen auf einer Warteliste. Das sind Statistiken der Deutschen Stiftung Organtransplantation von 2018.

Gut zu wissen!

Paul Ehrlich, ein berühmter Mediziner des 20. und 21. Jahrhunderts, vertrat die Auffassung, dass ein Organismus keine Antikörper gegen sich selbst bilden könne. Er nannte dies „horror autotoxicus“, die „Furcht vor Selbstzerstörung“. Diese Ansicht musste jedoch korrigiert werden, weil das Immunsystem durchaus manchmal den eigenen Körper angreift, wie beispielsweise bei Autoimmunerkrankungen.

Welche Wirkung haben Immunsuppressiva?

Richtet sich das Körperabwehrsystem aufgrund einer Erkrankung gegen eigene gesunde Zellen, helfen Immunsuppressiva dabei, das Immunsystem zu unterdrücken. Denselben Zweck erfüllen die Medikamente bei Transplantationen: Die Abstoßung des Transplantats als „körperfremdes Gewebe“ soll durch Dämpfung des Immunsystems unterdrückt werden. Weil die Gruppe dieser Medikamente in sich nicht einheitlich ist, haben wir es mit vielen unterschiedlichen Substanzen zu tun. Ihre Wirkweise, ebenso wie ihre Nebenwirkungen, sind sehr verschieden. Im Folgenden werden wir die einzelnen Wirkungen der Immunsuppressiva-Untergruppen betrachten.

Calcineurininhibitoren

Besteht keine Toleranz gegen bestimmte körpereigene Zellen, wird eine Vermehrung der T-Zellen durch das Hormon Interleukin-2 (kurz: IL-2) stimuliert. Dieses Hormon stellt also einen Wachstumsfaktor dar. Die T-Zellen greifen im Zusammenspiel mit anderen Immunzelltypen ihre Zielzellen daraufhin an.

Der Zweck einiger Immunsuppressiva ist es daher, den T-Zell-Wachstumsfaktor IL-2 zu hemmen. Calcineurininhibitoren bildet eine Medikamentengruppe, die genau darauf abzielt. Beispiele für Vertreter dieser Gruppe sind:

  • Ciclosporin
  • Tacrolimus
  • Pimecrolimus

Sie hemmen das Molekül Calcineurin, das daran beteiligt ist, IL-2 zu produzieren. Somit werden weniger T-Zellen gebildet. Die von der Krankheit betroffenen Strukturen oder das Transplantat werden weniger angegriffen.

Glucocorticoide

Diese Medikamente sind Bestandteil der meisten immunsuppressiven Therapieschemata. Oft werden sie mit anderen Immunsuppressiva kombiniert, um bei langfristiger Anwendung die Nebenwirkungen der Glucocorticoide (Cushing-Syndrom) zu verringern. Nahezu jede Zelle besitzt einen Glucocorticoid-Rezeptor, an den der Wirkstoff bindet. Der entstandene Komplex behindert die Synthese verschiedener Proteine, die für eine entzündliche oder immunmodulierende Wirkung verantwortlich sind.

Sie hemmen beispielsweise die Bildung verschiedener Zytokine. Das sind Proteine, die Wachstum und Differenzierung von Zellen steuern. Dadurch schwächen sie die Bildung von Lymphozyten (Teil der weißen Blutkörperchen, der B-Zellen, T-Zellen und natürliche Killerzellen umfasst) und dämpfen die Immunreaktion. Beispiele für Glucocorticoide sind:

Belatacept

Belatacept ist ein sogenanntes „Fusionsprotein“. Es besteht nämlich aus zwei Komponenten:

  • Oberflächenprotein CTLA-4
  • Modifizierte Fc-Domäne des Immunglobulin G

Dieses Fusionsprotein bindet an eine bestimmte Struktur des T-Zellen und verhindert so deren Aktivierung.

Zytostatika

Die Zytostatika wirken als Medikamente allesamt immunsuppressiv. Im Gegensatz zu anderen Immunsuppressiva hemmen sich nicht die Aktivierung und Vermehrung von Lymphozyten, sondern vermindern ihre Anzahl. Man kennt Zytostatika vielleicht eher im Zusammenhang mit einer Krebstherapie (Chemotherapeutikum). Speziell als Immunsuppressiva werden benutzt:

  • Methotrexat (MTX): Dieser Arzneistoff wird in niedrigen Dosen als Immunsuppressivum verwendet, er ist z. B. Gold-Standard bei der Basis-Therapie der rheumatoiden Arthritis. Seine Wirkung beruht auf der Hemmung des Enzyms Dihydrofolatreduktase. Dieses Enzym wird von einer Zelle für das Zellwachstum gebraucht. So wird auch das Wachstum der T-Zellen verhindert.
  • Cyclophosphamid: Dieses Zytostatikum bildet im Körper einen Stoff, der die Zell-DNA schädigt, indem zwischen den DNA-Strängen Quervernetzungen hergestellt werden. Es wird bei Autoimmunerkrankungen und gegen Transplantat-Abstoßungen in niedrigen Dosen eingesetzt.
  • Azathioprin: Der Wirkstoff blockiert die Synthese der RNA und DNA, wodurch sich B- und T-Zellen nicht vermehren können. Seine immunsupprimierende Wirkung ist vergleichsweise gering und er wirkt eher unspezifisch.
  • Mycophenolatmofetil: Ein wichtiges Enzym damit sich B- und T-Zellen vermehren können, ist Inosin-Monophosphat-Dehydrogenase. Dieses wird durch Mycophenolatmofetil gehemmt, was die Antikörperbildung verhindert.

Monoklonale Antikörper

Bei diesen Medikamenten handelt sich um Antikörper, die aus einer Zelllinie produziert wurden, die auf eine einzige B-Zelle zurückgeht. Je nach Art sind sie zu 100 % Mausantikörper, zu 100 % menschliche Antikörper oder einer Mischung aus beidem. Diese Art der Therapie stellt einen relativ neuen und wachsenden Bereich der Pharmazie dar.
Der Vorteil von Antikörpern zur Therapiezwecken ist, dass sie sehr spezifisch bestimmte Strukturen erkennen, daran binden und blockieren können. Man nennt sie auch Biologika. Ihre Anwendung ist zwar teilweise sehr teuer, kann aber den Behandlungserfolg in einigen Fällen deutlich steigern. Sie können im Rahmen einer Immunsuppression eingesetzt werden gegen:

  • Zytokine: z. B. Infliximab, das an TNF bindet -- einem Signalstoff des Immunsystems, der die Aktivität verschiedener Immunzellen regelt
  • Zytokin-Rezeptoren: Tocolizumab, dessen Ziel Interleukin 6R ist
  • Strukturen auf Lymphzyten-Oberflächen: z. B. Rituximab

Gut zu wissen!

Der erste therapeutisch eingesetzte Antikörper war das Muromonab-CD3 1986. Wegen großer Nebenwirkungen wird er zurzeit jedoch in Deutschland nicht mehr vermarktet.

mTOR-Inhibitoren

mTOR ist ein bestimmtes Enzym im Körper, das andere Moleküle phosphoryliert und damit aktiviert. Sie steuert somit Reifung, Differenzierung und Vermehrung von Zellen. Unter anderem ist das Enzym auch an der Signalkaskade der Immunantwort beteiligt. Es gibt zwei Wirkstoffe, die das Enzym hemmen und somit die Immunantwort schwächen können:

  • Sirolimus
  • Everolimus

Sonstige

Neben den genannten Wirkstoffen werden weitere zur Immunsuppression verwendet wie z. B.

  • Fingolimod: Dieser Wirkstoff zählt zu den Immunmodulatoren. Er hindert Lymphozyten daran, das lymphatische Gewebe zu verlassen und in das zentrale Nervensystem einzudringen.
  • Fumarsäuredimethylester: Dieser Stoff wirkt immunmodulatorisch, antioxidativ und hemmt Entzündungen.
  • Polyklonale Antikörper: Hierbei handelt es sich um Antikörper, die durch Immunisierung von Tieren gewonnen wurden. Im Gegensatz zu monoklonalen Antikörpern sind sie jedoch aus unterschiedlichen Sequenzen aufgebaut.

Was sind die Anwendungsgebiete von Immunsuppressiva?

Immunsuppressiva werden zur Behandlung diverser Autoimmunerkrankungen angewandt und bei der Organtransplantation. Die anfängliche Behandlung mit diesen Medikamenten sollte nur in einer Klinik durchgeführt werden.

Autoimmunerkrankungen

Durch ihre Fähigkeit, das eigene Immunsystem zu unterdrücken und den Angriff gegen gesunde Zielzellen zu dämpfen, eignen sich Immunsuppressiva bei diversen Autoimmunerkrankungen:

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Unter diesem Begriff versteht man die Krankheiten Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. In beiden Fällen führt eine Entzündung zu nachhaltiger Darmschädigung, die mit Durchfällen verbunden ist. Ziel der Therapie ist es daher, den Entzündungsprozess zu stoppen und ein Wiederaufkommen zu verhindern. Von den Immunsuppressiva eignen sich dazu:

    Glucocorticoide: Sie werden bei Phasen schwerer Aktivität der Krankheit täglich eingenommen, bis die Aktivität versiegt. Sind nur Bereiche des Dickdarms betroffen, kann über Budesonid in Schaumform eine lokale Therapie erfolgen, um die Nebenwirkungen zu verringern. Ansonsten bedient man sich Prednisolon, das im ganzen Körper wirkt.
    Ciclosporin: Sie werden meist dann verwendet, wenn Glucocorticoide keine ausreichende Wirkung mehr erzielen. Alternativ kann der Wirkstoff Tacrolimus gegeben werden.
    Azathioprin und 6-Mercaptopurin: Diese Immunsuppressiva werden eingesetzt, um eine Wiederkehr der Entzündung zu verhindern. Die Medikamente werden daneben auch bei chronisch-aktivem Verlauf der Krankheit eingesetzt.
    verschiedene Antikörper: z. B. Infliximab, Vedolizumab, Ustekinumab und Golimumab

Myasthenia gravis

Bei der Myasthenia gravis handelt es sich um eine neuromuskuläre Übertragungsstörung. Antikörper blockieren bestimmte Rezeptoren, die für die Signalübertragung wichtig sind. Die Krankheit führt zu einer Muskelschwäche, insbesondere der Sprach-, Kau- und Schluckmuskulatur. Anfänglich wartet man ab, ob sich die Krankheit spontan zurückbildet. Ist dies nicht der Fall, wird eine Entfernung des Thymus als Teil des Immunsystems vorgenommen. Ergänzend begleitet den Patienten eine Pharmakotherapie mit folgenden Medikamenten:

    Glucocorticoiden
    Azathioprin
    Eculizumab, wenn beide Medikamente nicht wirken

Multiple Sklerose

Die Multiple Sklerose (MS) ist die zweithäufigste neurologische Erkrankung bei jungen Erwachsenen. Sie ist geprägt von einer Entzündung des Zentralnervensystems. Grund dafür ist der Abbau einer Teilstruktur der Nerven, nämlich der Myelinscheiden, durch körpereigene Abwehrzellen. Weil eine Heilung bisher nicht möglich ist, sind die Ziele der Therapie, Schübe zu verringern, neurologische Einschränkungen zu unterbinden und das Voranschreiten der MS zu verlangsamen. Man unterscheidet zwischen einer Schubtherapie und einer verlaufsmodifizierenden Therapie.

Zur Schubtherapie verwendet man das Glucocorticoid Methylprednisolon für wenige Tage. Blutzucker, Blutdruck und Elektrolyte müssen hierbei überwacht werden. Für eine verlaufsmodifizierende Therapie verwendet man folgende Immunsuppressiva:

  • Natalizumab, ein monoklonaler Antikörper
  • Azathioprin
  • Fingolimod
  • Mitoxantren, ein Zytostatikum
  • Teriflunomid: dieser Wirkstoff stört die DNA-Biosynthese aller Zellen und hemmt somit auch die Lymphozytenvermehrung

Wenn Sie sich über die Erkrankung Multiple Sklerose näher informieren wollen, lesen Sie dazu gerne unseren Artikel „Multiple Sklerose (MS) – Chronische Entzündungen in Gehirn und Rückenmark“.

Chronische Glomerulonephritis mit nephrotischem Syndrom

Hierbei handelt es sich um eine Entzündung bestimmter Teile der Nieren, nämlich der Glomeruli in den Nierenkörperchen. Tritt das Nephrotische Syndrom auf, ist dabei vermehrt Eiweiß im Urin zu finden, weniger Eiweiß im Blut und es kommt zu erhöhten Blutfettwerten sowie Ödemen. Bei dieser Form der Erkrankung reicht die Gabe von Glucocorticoiden nicht mehr aus und es müssen zusätzlich eingenommen werden:

Schwere Form der Schuppenflechte

Die Schuppenflechte (sog. Psoriasis) ist eine chronische Erkrankung mit auftretenden Schüben. Sie gilt als eine der weltweit häufigsten Hauterkrankungen. Bis heute hat man die genaue Ursache der Psoriasis noch nicht ausreichend erforscht. Vermutet wird jedoch, dass eine fehlerhafte Regulierung des Immunsystems die Beschwerden hervorruft. Es kommt zu auffälligen, silbrig-weißen Schuppungen auf der Haut.

Auch hier wählt man die Medikamente in Abhängigkeit des Schweregrads aus. Bei leichten Verläufen eignen sich neben anderen Medikamenten Glucocorticoid-Cremes zur Anwendung auf der Haut. In mittelschweren und schweren Fällen werden Medikamente mit Wirksamkeit auf den ganzen Körper eingesetzt. Die Immunsuppressiva unter ihnen sind:

    Methotrexat
    Ciclosporin
    Glucocorticoide
    Monoklonale Antikörper (Infliximab, Adalimumab Ustekinumab u. a.)
    Fusionsproteine wie Etanercept

Befällt die Krankheit auch die peripheren Gelenke und/oder die Wirbel in Form einer Entzündung, spricht man von einer Psoriasis-Arthritis. Dies kommt bei rund 33 % der Psoriasis-Patienten vor. Auch hier werden Immunsuppressiva eingesetzt, beispielsweise der Wirkstoff Leflunomid.

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

Unter diese Bezeichnung fallen alle rheumatischen Beschwerden, die durch eine Erkrankung des Immunsystems entstehen und in den meisten Fällen chronisch verlaufen. Betroffene haben Schmerzen in Gelenken und Muskeln, daneben können aber auch Fieber, Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust eintreten. Krankheitsbilder sind u. a.:

  • Rheumatoide Arthritis: Hierbei ist die Innenhaut von Gelenken betroffen, was zu Gelenkszerstörung und schweren Behinderungen führen kann.
  • Dermatomyositis: Diese Erkrankung befällt die Skelettmuskulatur, Haut und innere Organe.
  • Sklerodermie: Im Hautbindegewebe kommt es zu krankhafter Vermehrung von Bindegewebszellen und Kollagenfasern sowie zu Gewebsverhärtung.

Auch hier werden Immunsuppressiva eingesetzt, beispielsweise:

  • Glucocorticoide
  • Methotrexat (bei rheumatoider Arthritis wichtigstes Basistherapeutikum)
  • Ciclosporin
  • Azathioprin
  • Biologika: z. B. Adalimumab, Golimumab und Infliximab

Thrombopenische Purpura

Dies ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung. Durch sie entstehen blutplättchenhaltige Blutgerinnsel in Gefäßen v. a. des Gehirns und der Niere. Dadurch können die Organe schwere Schäden nehmen. Bei der erworbenen Form der Krankheit setzt man einige Immunsuppressiva ein:

  • Cyclophosphamid
  • Azathioprin
  • Glucocorticoide
  • Rituximab

Autoimmunhepatitis

Bei dieser seltenen Erkrankung greift das Immunsystem die eigenen Zellen der Leber an. Dies geschieht akut oder chronisch-entzündlich. Durch den Angriff kommt es zu einer Entzündung. Ohne Behandlung endet diese Krankheit tödlich, mit Behandlung haben rund 90 % der Patienten eine kaum reduzierte Lebenserwartung. Von den Immunsuppressiva eignen sich zur Therapie:

  • Prednison in Kombination mit Azathioprin
  • Budesonid und Azathioprin, was mit weniger Nebenwirkungen einhergeht als die obige Kombination
  • als Reservemittel, wenn die obigen Kombinationen nicht erfolgreich sind: Cyclophosphamid, Tacrolimus, Methotrexat oder Mycophenolatmofetil.

Transplantationen

Bei einer Transplantation wird dem Empfänger gewissermaßen ein „Fremdkörper“ eingesetzt, wenn das eingesetzte Gewebe oder Organ nicht von ihm selbst stammt. Das Immunsystem erkennt diese Strukturen ebenfalls als fremd und es werden T-Zellen aktiviert, die die Mechanismen der Transplantatabstoßung einleiten. T-Effektorzellen, die in das Transplantat wandern, zerstören es schließlich.

Um aber das gespendete Organ, auf das der Empfänger vielleicht sehr lange warten musste, im neuen Körper zu erhalten, kommt den Immunsuppressiva eine wichtige Rolle zu. Sie hindern die T-Zellen an ihrer Aktivität. Dabei beschreitet man einen Mittelweg: Ist die Dosis zu niedrig, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßungsreaktion. Ist die Dosierung zu hoch, nehmen Nebenwirkungen und Toxizität überhand. Um das Risiko für Nebenwirkungen zu minimieren, kann eine Kombinationstherapie aus mehreren Immunsuppressiva eingesetzt werden. Diese sind dann geringer dosiert als in einer Monotherapie.

Die Höhe der Dosierung richtet sich grundlegend nach vier Faktoren:

  • Zeitpunkt: In der Anfangs- und Frühphase der Transplantation wird eine höhere Dosierung gegeben als in der anschließenden Langzeitphase
  • Art des transplantierten Organs: Für Herz und Lunge wird eine höhere Dosis gebraucht als für Nieren, für Nieren wiederum eine höhere Menge als für eine Leber
  • Stärke des Immunsystems: Ist der Spendenempfänger jung, hat er in der Regel auch ein aktiveres Immunsystem und braucht dementsprechend höhere Dosen
  • Individuelles: Vorerkrankungen sind Teil der Abwägung, welche Dosierung sinnvoll ist.

Welche und wie viele Immunsuppressiva man bei einer Organtransplantation einnimmt, hängt von der Phase ab, in der man sich befindet. In manchen Fällen müssen Immunsuppressiva bereits vor der Transplantation gegeben werden, um den Patienten „vorzubereiten“. Dies ist die Induktionsphase. In der sogenannten Initialphase früh nach der Transplantation werden drei bis vier Immunsuppressiva eingenommen, typischerweise:

  • Glucocorticoide
  • Mycophenolat oder Azathioprin
  • Tacrolimus oder Ciclosporin
  • zusätzlich Basiliximab, wenn ein hohes immunologisches Risiko besteht

Nach einigen Monaten wird dann auf ein ähnliches, geringer dosiertes Therapieschema umgestellt, die sog. Erhaltungstherapie. Diese muss für einen dauerhaften Transplantationserfolg lebenslänglich eingenommen werden. Sie umfasst zwei bis drei Wirkstoffe:

  • Glucocorticoide
  • Tacrolimus oder Ciclosporin
  • Mycophenolat oder Azathioprin

Im Anwendungsgebiet der Organtransplantation ist vor allem Ciclosporin hervorzuheben: Es wird hierbei häufig eingesetzt, ist sehr gut hinsichtlich Wirkung und Nebenwirkungen erforscht und wirkt relativ spezifisch. Es dämpft nämlich nur die zelluläre Immunantwort, also die cytotoxischen T-Zellen. Die humorale Immunreaktion, die die Aktivierung von B-Zellen und Antikörpern vorsieht, ist nicht betroffen.

Achtung!

Unter einer Therapie mit Immunsuppressiva ist die Impfantwort herabgesetzt. Die Schutzwirkung tritt erst später ein. Gerade immunsupprimierte Patienten brauchen aber jede Verteidigung gegen Erreger, die sie bekommen können. Deshalb sollten rechtzeitig vor der Transplantation wichtige Impfungen, beispielsweise gegen Varizellen und Masern-Mumps-Röteln, wahrgenommen werden. 6–12 Monate nach der Transplantation kann und sollte dann wieder mit Impfungen begonnen bzw. weitergemacht werden, allerdings nur mit Totimpfungen! Lebendimpfstoffe sind untersagt. Eine Impfung ruft bei stabiler Transplantatfunktion keine Abstoßungsreaktion hervor. Auch enge Kontaktpersonen wie Familienmitglieder sollten geimpft sein.

Allergien

Reagiert der Körper auf einen normalerweise harmlosen Umweltstoff mit einer überschießenden Immunreaktion, bezeichnet man dies als Allergie. Es werden Antikörper gegen den Stoff gebildet. Die Symptome können von einem Hautausschlag bis hin zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock mit Atemnot reichen. Neben anderen Arzneistoffen können Glucocorticoide in höheren Dosierungen eingesetzt. Sie wirken sehr effektiv gegen einen akuten Fall und sind durch die kurzfristige Anwendung meist arm an Nebenwirkungen.

Ein spezieller Fall der Allergien ist eine Arzneimittelallergie. Bei schätzungsweise 15–20% der gesamten beobachteten Nebenwirkungen handelt es sich um eine Arzneimittelallergie. Häufig zeigt sich dies an der Haut: Ausschläge, Nesselsucht und Angioödeme können eintreten. Oft verschwinden die Hauterscheinungen nach Absetzen des auslösenden Medikaments wieder. Unterstützt werden kann der Heilprozess ebenfalls durch Glucocorticoide.

Vielleicht haben Sie selbst auch schon einmal Immunsuppressiva verordnet bekommen oder nehmen sie gegenwärtig ein. Zu welchem Zweck bzw. gegen welche Krankheit geschieht diese Einnahme? (Mehrere Antwortmöglichkeiten wählbar) Mit Ihrer Teilnahme helfen Sie anderen Menschen, ein Bild über die Anwendung von Immunsuppressiva zu bekommen.

Wie nehme ich Immunsuppressiva ein?

Die genaue Einnahme und Dosierung der Immunsuppressiva legt der behandelnde Arzt fest und fällt bei den verschiedenen Medikamenten auch unterschiedlich aus. Generell sollten Sie allerdings folgende Einnahme-Prinzipien beachten:

  • nehmen Sie die Medikamente immer genau nach Anweisung des Arztes, auch wenn Sie sich besser oder schlechter fühlen
  • nehmen Sie Immunsuppressiva immer zum gleichen Einnahmezeitpunkt
  • verringern Sie die Dosierung nicht eigenmächtig; bei Immunsuppressiva für eine Organtransplantation begünstigt dies die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßung
  • setzen Sie die Medikamente nicht eigenmächtig ab; es könnte zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems kommen
  • nehmen sie keine anderen Präparate als Ersatz statt der verordneten ein
  • verwenden Sie keine zusätzlichen Präparate wie pflanzliche oder homöopathische Mittel, wenn Ihr behandelnder Arzt Sie nicht verordnet hat; es könnten Wechselwirkungen entstehen
  • informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie die falsche Dosis des Immunsuppressivums eingenommen haben oder wenn Sie die Einnahme mehr als einmal vergessen haben
  • haben Sie die Einnahme nur einmal vergessen, nehmen Sie beim nächsten Zeitpunkt die normale Dosis ein. Verwenden Sie nicht die doppelte Menge, um die vergessene Dosis „nachzuholen“

Exkurs: Immunsuppressiva und COVID-19

Menschen, die auf die regelmäßige Einnahme von Immunsuppressiva angewiesen sind, stellen eine besondere Risikogruppe hinsichtlich des neuen Corona-Virus dar. Dabei kann leicht der Gedanke aufkommen, diese Mittel abzusetzen. Experten raten jedoch vehement davon ab. So auch Mitarbeiter der renommierten Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York.

Das Risiko für eine Verschlimmerung der bestehenden Erkrankung sei größer als die Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu erkranken. Dies gilt nach aktuellem Wissenstand (24.03.2020). Wichtiger ist es, die Empfehlungen für Risikogruppen hinsichtlich SARS-CoV-2 zu befolgen. Immunsupprimierte sollen also den Kontakt mit Menschen weitgehend einschränken und Reisen unterlassen.

Weitere Informationen zum Umgang mit Medikamenten bei COVID-19 erhalten Sie in unserem Artikel „Medikamente gegen Covid-19 – keine Heilung, aber Hilfe beim Coronavirus?“.

Was sind typische Nebenwirkungen von Immunsuppressiva?

Wo eine Wirkung ist, gibt es auch Nebenwirkungen. Von dieser Medikamenten-Regel sind auch Immunsuppressiva nicht ausgeschlossen. Die Nebenwirkungen der einzelnen Arzneistoffe fallen unterschiedlich aus, da Immunsuppressiva eine sehr inhomogene Medikamentengruppe sind. Es gibt jedoch solche, die generell typisch für Immunsuppressiva sind:

  • Infektionsanfälligkeit: Immunsuppressiva dämpfen die Wirkung unseres Immunsystems. Leider können Sie nicht unterscheiden zwischen den Zellen, die uns selber schaden, und denen, die uns helfen. Dadurch werden auch die „guten“ Immunzellen unterdrückt und fehlen bei der effektiven Bekämpfung eines Erregers. Diese Nebenwirkung kommt vor allem bei den weniger selektiv wirkenden Immunsuppressiva zu Tage.
  • erhöhtes Krebsrisiko: Unser Immunsystem ist grundsätzlich dazu fähig, gealterte oder beschädigte Körperzellen zu beseitigen. Auch Krebszellen kann es erkennen und vernichten. Wird das Immunsystem unterdrückt, steigt die Chance, dass sich Krebs im Körper manifestiert. So bilden sich bei ca. 50% aller Organtransplantierten nach 10 Jahren Hautkrebs, besonders an Stellen, die oft dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem „weißer“ und schwarzer Hautkrebs.

Achtung!

Wenn Sie Immunsuppressiva einnehmen, sollten Sie sich vor intensiver Sonneneinstrahlung schützen. Nehmen Sie keine intensiven Sonnenbäder. Verwenden Sie Sonnencreme mit mindestens Lichtschutzfaktor 30.

Neben diesen allgemeinen Nebenwirkungen gibt es solche, die typisch für bestimmte Untergruppen von Immunsuppressiva sind:

  • Glucocorticoide: oft werden sie zu Beginn einer Therapie oder bei Schüben der jeweiligen Krankheit in höheren Dosen eingesetzt. Die kurzfristige Einnahme verläuft in der Regel ohne große Nebenwirkungen. Problematisch wird es, wenn Glucocorticoide dauerhaft eingenommen werden. Dann kann es unter anderem zu Bluthochdruck, Diabetes und anderen Symptomen kommen, die man als Cushing-Syndrom zusammenfasst.
  • Weil Glucocorticoide sehr oft Bestandteile einer Immunsuppression sind, wollen Sie sich vielleicht mit deren Nebenwirkungen auseinandersetzen. Dafür können Sie gern unseren Artikel „Cushing-Syndrom – Zu viel Cortison? Symptome | Ursachen | Behandlung“ anschauen.

  • Calcineurin-Inhibitoren (z. B. Ciclosporin): dosisabhängig kann es durch diese Medikamente zu einer Nierenschädigung kommen; das impliziert jedoch nicht eine Abstoßung der Nieren nach einer Transplantation
  • Zytostatika: als Immunsuppressiva eingesetzt bringen sie vor allem folgende Nebenwirkungen mit sich: Blutbildstörung, Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit und Gallenstauung (sog. „Cholestase“) mit Gelbsucht
  • Methotrexat und Azathioprin/6-Mercaptopurin: die bedeutendste Nebenwirkung dieser Medikamente ist die Knochenmarksdepression: Sie bewirkt eine verringerte Zahl an Blutzellen im Körper; diese Nebenwirkung ist dosislimitierend für die Therapie

Die einzelnen Nebenwirkungen der jeweiligen Medikamente sind hier nicht vollständig dargestellt. Sie können diese beispielsweise der Packungsbeilage entnehmen.

„Immunsuppressiva haben teilweise schwere Nebenwirkungen, sie stellen aber eine unverzichtbare Therapiemöglichkeit für Menschen mit Autoimmunerkrankungen und für Transplantationsempfänger dar.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Fakten-Box – Immunsuppressiva

Wirkung

  • unterdrückt das Immunsystem
  • hindert es daran, eigene gesunde Zielzellen im Körper oder Transplantate anzugreifen

Anwendungsgebiete

Wichtigste Nebenwirkungen

  • Infektanfälligkeit
  • Tumorentstehung
  • Cushing-Syndrom (Glucocorticoide)
  • Nierenschädigung (Calcineurininhibitoren wie Ciclosporin)
  • Blutbildstörung, Magen-Darm-Beschwerden und Gallenstauung (Zytostatika)

Tipps zur Einnahme

  • regelmäßig
  • zu festen Zeiten
  • nach Anweisung des Arztes
  • nicht eigenmächtig die Dosierung verändern oder absetzen

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen existieren für Immunsuppressiva?

Kontraindikation bedeutet, dass es einen Umstand gibt, der eine bestimmte Therapie oder die Anwendung eines bestimmten Medikaments untersagt, weil es sonst zu nachteiligen gesundheitlichen Folgen kommt. Synonym dazu verwendet man das Wort Gegenanzeige.

Weil sich die Gruppe der Immunsuppressiva aus sehr unterschiedlichen Medikamenten zusammensetzt, lassen sich keine allgemeinverbindlichen Aussagen zu ihren Kontraindikationen treffen. Einige mögliche Kontraindikationen einzelner Wirkstoffe sind:

  • Überempfindlichkeit gegenüber einem Arzneistoff
  • schwere Infektionen
  • Krankheiten des Blutbildungssystems
  • Geschwüre im Magen-Darm-Bereich
  • unkontrollierter Bluthochdruck
  • Medikamente, die die Niere schädigen

Was sind Wechselwirkungen und welche bestehen bei Immunsuppressiva?

Wird mehr als ein Medikament gleichzeitig eingenommen, können diese im Körper miteinander in Kontakt treten und sich gegenseitig beeinflussen – man spricht von Wechselwirkung. Dabei können Wirkung und Nebenwirkung verstärkt oder verringert werden oder es treten neue Nebenwirkungen auf.

Auch hier sind die jeweiligen Wechselwirkungen des Immunsuppressivums im Einzelnen zu betrachten. Es gibt jedoch einige, die potenziell häufig auftreten und herausstechen:

  • Statine: Die meisten Immunsuppressiva sorgen für erhöhte Blutfettwerte (sog. „Hyperlipidämie“), denen oft nicht durch eine fettarme Ernährung alleine beizukommen ist. Sie erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aus diesem Grund bekommen Patienten oft ein Medikament dagegen verordnet, beispielsweise Statine. Hierbei ist allerdings Vorsicht geboten: Nehmen Sie Immunsuppressiva wie Ciclosporin, Tacrolimus, Everolimus oder Sirolimus ein, sollten Sie nicht gleichzeitig die Statine Lovastatin, Pitavastatin oder Simvastatin einnehmen. Möglich sind dagegen Rosuvastatin, Atorvastatin, Pravastatin oder Fluvastatin. Auch bei diesen sollte jedoch auf eine Dosisbeschränkung geachtet werden. Außerdem steht die Überwachung des Enzyms Kreatinkinase und Symptome von muskelbedingter Toxizität im Vordergrund.
  • Medikamente, die CYP-Enzyme beeinflussen: Die Enzymgruppe Cytochrom P450 ist am Stoffwechsel des Körpers beteiligt. Sie sorgen dafür, dass wasserunlösliche Stoffe wasserlöslich werden und der Körper sie schneller ausscheiden kann. Auch Ciclosporin ist Gegenstand dieser Enzyme. Arzneistoffe oder Lebensmittel, die die Enzyme hemmen oder mehr von ihnen herbeirufen, nehmen dementsprechend auch Einfluss auf den Ciclosporin-Blutspiegel. Die Wirkung von Ciclosporin kann dadurch nicht mehr ausreichend sein oder zu groß werden, sodass auch Nebenwirkungen verstärkt auftreten.

Aktuelle Forschung – Pflanzliches Apocynin gegen Autoimmunerkrankung?

Apocyanin ist ein Inhaltsstoff, der bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus der Wurzel des indianischen Hanfs isoliert wurde. Dieser Stoff wirkt hemmend auf das Enzym NADPH-Oxidase, das aus Sauerstoff Hyperoxid macht. Hyperoxid wird im Zuge einer Immunabwehrreaktion von weißen Blutkörperchen inklusive der Granulozyten gebildet. Dadurch können sie Bakterien und Pilze abtöten. Andere Aufgaben des Immunsystems laufen aber weiterhin ab.

Ein Forscherteam um Y.C. Tan untersuchte Apocyanin und das Enzym Katalase in einem Versuch an Ratten näher. Sie gaben den Versuchstieren zuvor das Immunsuppressivum Ciclosporin, welches eine Nierentoxizität verursachte. Anhand der Gabe der beiden genannten Wirkstoffe sollte untersucht werde, ob diese den ebenfalls hervorgerufenen Bluthochdruck und eine weitere Zellschädigung der Nieren reduzieren können.

Das Ergebnis

Apocynin, Katalase und deren Kombination senkten alle den Blutdruck der Versuchstiere. Außerdem bewirkten die einzelnen Stoffe sowie deren Kombination eine Wiederherstellung der Nierenfunktionsparameter. Ob die Wirkung beim Menschen ähnlich ist, bleibt bisher allerdings offen.

In einer niederländischen Studie des Jahres 1995 wurde bereits von der Beobachtung berichtet, dass Apocynin bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen helfe, die Schädigung des Darms zu verhindern. Die Entzündungsreaktion wird durch den Pflanzenstoff eingedämmt. Diese Beobachtung machte man ebenfalls an Ratten.

Quellen:

  • Y. C. Tan u. a. (2020): Apocynin and catalase prevent hypertension and kidney injury in Cyclosporine A-induced nephrotoxicity in rats. PLOS ONE, 15(4):e0231472. doi: 10.1371/journal.pone.0231472.
  • M.J.H.J Palmen u. a. (1995): Anti-inflammatory effect of apocynin, a plant-derived NADPH oxidase antagonist, in acute experimental colitis. The Netherlands Journal of Medicine, Volume 47, Issue 2, August 1995, Page A41.

Häufige Patientenfragen

Wie gefährlich sind Immunsuppressiva?

Dr. Dr. T. Weigl
Immunsuppressiva sind eine uneinheitliche Medikamentengruppe. Sie besitzen daher ein breites Spektrum möglicher Nebenwirkungen. Oft kann ein einzelnes Medikament mehrere, schwere Nebenwirkungen wie erhöhte Infektanfälligkeit und ein erhöhtes Risiko für Hautkrebs mit sich bringen. Die Medikamente sind in ihrer Nebenwirkung also keinesfalls zu unterschätzen. Genauso ist aber auch ihre therapeutische Bedeutung nicht zu unterschätzen: Sie wirken meist effektiv und tun das, was sie tun sollen, sehr gut. Trotz der Nebenwirkungen erleichtern sie Patienten im Kampf gegen Autoimmunerkrankungen das Leben. Sie sind sogar echte Lebensretter, wenn man daran denkt, dass Transplantationen mit langfristigem Erfolg erst durch Immunsuppressiva möglich wurden.

Ich habe das Gefühl, dass meine Symptome sich verbessern. Kann ich die Immunsuppressiva absetzen?

Dr. Dr. T. Weigl
Auf keinen Fall! Diese Entscheidung sollten Sie nicht alleine treffen. Durch ein plötzliches Absetzen der Immunsuppressiva kann es zu einer überschießenden Reaktion Ihres Immunsystems kommen und heftige Symptome ihrer Erkrankung hervorrufen. Im Falle einer Transplantation könnte das eingepflanzte Organ abgestoßen werden. Deshalb müssen Immunsuppressiva hier meist lebenslang eingenommen werden. Bei manchen Autoimmunerkrankungen besteht nach einiger Zeit der Einnahme die Möglichkeit, einen Auslassversuch zu unternehmen. Dies wird Ihr Arzt jedoch zu gegebener Zeit mit Ihnen besprechen. Sollten sich ihre Symptome verschlimmern oder sie verstärkt unter Nebenwirkungen leiden, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Er kann dann beispielsweise ein anderes Immunsuppressivum für Sie aussuchen.

Darf ich zusätzlich ein pflanzliches Mittel einnehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Nicht, ohne es mit dem behandelnden Arzt oder dem Transplantationszentrum abzusprechen. Grund dafür sind Wechselwirkungen, die mit Immunsuppressiva auftreten können. Pflanzlich ist nicht gleichzusetzen mit harmlos. Prominentes Beispiel ist die Wechselwirkung zwischen Johanniskraut, einem pflanzlichen Antidepressivum, und Ciclosporin. Johanniskraut sorgt für eine Verringerung des Ciclosporin-Plasmaspiegels, sodass dieses in seiner therapeutischen Wirkung geschwächt wird.

Wie verhalte ich mich unter einer starken Immunsuppression?

Dr. Dr. T. Weigl
Weil bei der Therapie mit Immunsuppressiva eine erhöhte Infektionsgefahr besteht, ist es wichtig, auf potentielle Gefahrenquellen zu achten. Gerade wenn Sie die Medikamente in hohen Dosen einnehmen müssen, wie z. B. kurz nach einer Organtransplantation, ist Ihr Körper anfällig. In dieser Phase sollten Sie einen Mundschutz tragen und auf engen Personenkontakt wie Händeschütteln oder Küssen verzichten. Auch Obst und Blumen können Krankheitserreger übertragen.

Ich habe ein Organ transplantiert bekommen. Bei welchen Beschwerden sollte ich einen Arzt hinzuziehen?

Dr. Dr. T. Weigl
Es gibt einige Symptome, die vor allem kurz nach einer Transplantation eintreten können. Auf diese sollten Sie achten und sofort einen Arzt verständigen, wenn sie auftreten:

  • Schmerzen im Bereich des Transplantates
  • Fieber und ähnliche Symptome eines Infekts
  • Durchfall
  • Blutiger Stuhlgang
  • Veränderte Urinausscheidung (verstärkt oder verringert)
  • Gewichtszunahme

Warum bekomme ich so viele Immunsuppressiva verschrieben?

Dr. Dr. T. Weigl
Immunsuppressiva führen eine Vielzahl möglicher, teils schwerer Nebenwirkungen mit sich. Bei einer Organtransplantation beispielsweise sind es je nach Phase zwei bis vier verschiedene Arzneistoffe, die Sie einnehmen müssen. Das hat den Zweck, die Nebenwirkungen zu verringern: Jedes der Medikamente besitzt eine immunsupprimierende Wirkung. Dadurch brauchen sie nicht so hoch dosiert zu werden, als wenn man nur eines von ihnen einnähme. Folglich fallen auch die Nebenwirkungen geringer aus. Dies ist gerade bei schwerwiegenden Nebenwirkungen wichtig, wie dem Cushing-Syndrom, einer langfristigen Glucocorticoid-Behandlung oder der Nierentoxizität durch Ciclosporin.

Typisches Patientenbeispiel

„Oh man, tut das wieder weh…“, sagt Paulina vor sich hin und hält sich den Bauch mit beiden Händen. Sie leidet seit Jahren unter Morbus Crohn. Die Krankheit sei unheilbar, haben die Ärzte gesagt. Ungefähr einmal im Jahr kommt ein Schub der Erkrankung, der Paulina einschränkt. Oft hat sie deswegen auch Durchfall. Zuerst bekam Sie Budesonid gegen die Schübe verordnet, doch das hat ihr nicht viel geholfen. Deshalb haben ihr die Ärzte nun Prednisolon verordnet. Ob das hilft? Paulina probiert es zum ersten Mal aus.

Nach der Medikamenteneinnahme geht es ihr schon etwas besser. Ihre Schmerzen sind nicht mehr so stark und sie muss nicht mehr so oft auf Toilette. Paulina hat aber gelesen, dass Prednisolon bei Dauertherapie schlimme Nebenwirkungen verursachen kann, wie Bluthochdruck, Diabetes und Gewichtszunahme. Deshalb, sagt ihr Arzt, solle sie Bescheid geben, wenn sie öfter als einmal im Jahr solche Schübe bekäme. Dann bekäme sie andere Medikamente.

Verwandte Themen

Vielleicht mussten auch Sie schon einmal Immunsuppressiva einnehmen. Wie gut hat das Medikament bei Ihnen gewirkt? Hatten Sie starke Nebenwirkungen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

 

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Christopher Keck
Lektorat: Timo Hülsmann
Veröffentlicht am: 03.05.2020

Quellen

  • Aktories u. a. (2017): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban und Fischer Verlag, Elsevier GmbH
  • Amboss -- Fachwissen für Medizinier: Immunsuppressiva
  • Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz: Info Organtransplantation
  • Deutsche Stiftung Organtransplantation (2018): Statistiken zur Organtransplantation.
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (2017): Immunsystem und Krebs.
  • Albrecht Eisert u. a. (2013): Interaktionen unter Immunsuppression. Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 30/2013
  • Gelbe Liste (2020): Ciclosporin
  • Gelbe Liste (2020): Cortison
  • Lutz Hein, Jens W. Fischer (2020): Taschenatlas Pharmakologie. 8. Auflage, Thieme Verlag
  • Damaris Mertens-Keller (2017): Statine in Interaktion. Deutsche Apotheker Zeitung 2017, Nr. 4, S. 34
  • Mutschler u. a. (2013): Arzneimittelwirkungen. 10. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
  • M.J.H.J Palmen u. a. (1995): Anti-inflammatory effect of apocynin, a plant-derived NADPH oxidase antagonist, in acute experimental colitis. The Netherlands Journal of Medicine, Volume 47, Issue 2, August 1995, Page A41.
  • Y. C. Tan u. a. (2020): Apocynin and catalase prevent hypertension and kidney injury in Cyclosporine A-induced nephrotoxicity in rats. PLOS ONE, 15(4): e0231472. doi: 10.1371/journal.pone.0231472.
  • Universitätsmedizin Mainz: Medikamente und Immunsuppression
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