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Schüttelfrost – Muskelzittern bei fieberhaften Erkrankungen

„Schüttelfrost ereignet sich häufig im Zusammenhang mit fieberhaften Erkrankungen. Er ist eine natürliche Reaktion unseres Körpers auf ein Kältegefühl. Unsere großen Muskeln ziehen sich schnell zusammen und sollen auf diese Weise Wärme produzieren.“ — Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Unter Schüttelfrost versteht man ein Gefühl von Kälte, das mit einem unwillkürlichen Muskelzittern einhergeht. Diese Reaktion wird ausgelöst, wenn unsere Körpertemperatur unterhalb des Soll-Werts liegt, also beispielsweise bei starker Kälteeinwirkung von außen oder bei fieberhaften Erkrankungen. Dies hat zur Folge, dass der Wärmebedarf unseres Körpers ansteigt. Im folgenden Artikel klären wir Sie über Ursachen, Diagnoseschritte und Therapiemaßnahmen im Zusammenhang mit Schüttelfrost auf.

„Du hast ja locker schon Fieber!“, sagt Birthe, als sie das Thermometer betrachtet, das sie ihrem Freund Udo entrissen hat.
„Aber irgendwie ist mir echt kalt“, stottert Udo mehr schlecht als recht, während er damit beginnt, mit den Zähnen zu klappern und am ganzen Leib zu zittern. „Das ist dieser Schüttelfrost, oder? Fühlt sich an wie zu dünn angezogen im Winter draußen rumlaufen!“, versucht er noch zu scherzen.
Birthe legt ihre Hand auf Udos Stirn und sieht ihren Verdacht bestätigt. Udo hat Fieber und das ist nicht ohne. Jetzt kommt auch noch Schüttelfrost dazu. Was kann das bedeuten? Sollte man damit zum Arzt? Ist vielleicht besser …
„Schatz, wir fahren gleich morgen früh zum Arzt, noch vor meiner Arbeit.“, sagt Birthe mit sorgenvollem Blick und ergänzt lächelnd: „Wir haben nächste Woche viel vor, da kannst du nicht einfach im Bett bleiben!“

Was ist Schüttelfrost?

Als Schüttelfrost bezeichnet man das Kältegefühl und das unwillkürliche Zittern, das häufig im Verlauf fieberhafter Erkrankungen sowie Tumorerkrankungen oder bei zu starker Kälteeinwirkung eintritt. Dieser Umstand hängt damit zusammen, dass in beiden Fällen der die Körpertemperatur unter den Sollwert fällt. Dadurch steigt wiederum der Wärmebedarf des Körpers. Das Kältegefühl soll uns dazu veranlassen, dem Körper von außen Wärme zuzuführen. Dabei helfen beispielsweise dickere Kleidung, eine Decke oder ein heißes Bad. Das für Schüttelfrost charakteristische und namensgebende Schütteln bzw. Zittern beschreibt dabei die Muskelkontraktion, also das Sich-Zusammenziehen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen, die letztlich zu vermehrter Wärmeproduktion führt.

Wie funktioniert die Wärmeregulation unseres Körpers und wie kommt bei Fieber eine Soll-Wert-Erhöhung zustande?

Für die Regulation der Wärme in unserem Körper ist der Hypothalamus verantwortlich, ein Teil unseres Zwischenhirns. Er hält die Temperatur in Herz, Nieren, Gehirn und Leber konstant bei etwa 37 °C. Ist unser Körper mit einer Infektion, einer Entzündung oder ähnlichem belastet, kann sich der Soll-Wert nach oben verschieben. Daraufhin veranlasst der Hypothalamus, den Körper letztlich aufzuheizen. Verantwortlich dafür sind sogenannte Pyrogene (von gr. pyros ‚Feuer‘ und gr. gennan ‚erzeugen‘), die als Bestandteile von Viren oder Bakterien von außen in den Körper gelangen können. Allerdings ist es auch möglich, dass diese Pyrogene im Körper als Reaktion auf eine Infektion entstehen.

Mithilfe dieser Temperaturerhöhung mobilisiert unser Körper seine Abwehrkräfte und geht eigenmächtig gegen Krankheitserreger vor, die sich bei hoher Temperatur schlechter vermehren können. Dieses Phänomen äußert sich dann in dem, was wir als Fieber kennen. Der Stoffwechsel steigert sich, zusätzliche Muskelarbeit wird geleistet und es kommt ggf. zu Schüttelfrost, weil der Körper den Soll-Wert erhöht. Die normale Körpertemperatur wird dann mit entsprechenden Reaktionen wie Frieren, Hautgefäßverengung und Zittern beantwortet.

Mehr Informationen zu Fieber können Sie in unserem Artikel „Erhöhte Körpertemperatur – Ursachen und Therapie, das Fieber zu senken“ nachlesen.

Dem Thema Fieber hat sich Dr. Tobias Weigl auch in einem separaten Video-Beitrag gewidmet, in dem er unter anderem auf die verschiedenen Ursachen sowie Behandlungsmethoden eingeht.

Was sind mögliche Ursachen für Schüttelfrost?

Eingangs wurde bereits erwähnt, dass sich Schüttelfrost vor allem im Rahmen fieberhafter Erkrankungen und bei zu starker Kälteeinwirkung von außen ereignet. Während letzteres im Grunde keiner weiteren Erklärung bedarf, kommen bei den fieberhaften Erkrankungen viele unterschiedliche Ursachen in Frage. Denn Schüttelfrost in Kombination mit Fieber kann bereits Rückschlüsse auf eine mögliche Ursache zulassen. Diese Kombination ereignet sich typischerweise bei:

  • Erkrankungen, bei denen sich Bakterien über unser Blut ausbreiten
  • bakteriellen Herzklappenentzündungen
  • bakteriellen Lungenentzündungen
  • durch Meningokokken verursachte Hirnhautentzündungen
  • Erysipel
  • Malaria
  • Nierenbeckenentzündungen
  • Morbus Weil
  • allergischen Reaktionen.

Darüber hinaus kann Schüttelfrost bei verschiedenen Tumorerkrankungen sowie als Folge einer Operation bzw. Narkose entstehen. Im Nachfolgenden finden Sie daher eine Auflistung möglicher Ursachen für Schüttelfrost. Eine vollständige Ausführung würde hier den Rahmen sprengen, weshalb die Auflistung beispielhaft erfolgt.

Gut zu wissen! Rheumatisches Fieber

Eine Ausnahme bildet hier das sogenannte rheumatische Fieber. Dieses beschreibt eine Autoimmunreaktion unseres Körpers, die eine Folgeerkrankung einer etwa zwei bis drei Wochen zurückliegenden Infektion des Rachenraums darstellt. In der Folge kommt es zu Entzündungsreaktionen am Herzen, an den Gelenken sowie an der Haut. Zu den Symptomen zählen neben dem namensgebenden Fieber auch Müdigkeit sowie Schwäche. Aber: Dieses Fieber geht niemals mit Schüttelfrost einher.

Fieberhafte Erkrankungen

Sepsis

Bei einer Sepsis dringen Erreger massiv in die Blutbahn ein. Sie ist auch bekannt als Blutvergiftung und beschreibt einen klinischen Notfall. Innerhalb kurzer Zeit kann sie zu Organversagen und damit zum Tod führen. Jeder zweite Betroffene überlebt sie nicht.

Eine Sepsis ist eine systemische, also den gesamten Organismus betreffende, Entzündungsreaktion unseres Organismus auf Infektionen. Diese wiederum werden verursacht durch Bakterien und deren Gifte sowie Viren, Pilze oder Parasiten. Die Sepsis hat kein Leitsymptom, sondern ist charakterisiert durch eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands. Weitere Anzeichen können Fieber, Schüttelfrost, Ödembildung, kalter Schweiß sowie zunächst warme, später dann kalte Akren. Akren beschreiben alle äußersten Körperteile wie Nase, Kinn, Arme, Beine, Finger und Zehen.

Grippe

In diesem Kontext ist nicht die Rede von einem grippalen Infekt, also einer Erkältung, sondern von der ‚echten‘ Grippe, der sogenannten Influenza. Denn anders als ein grippaler Infekt heilt die Influenza ggf. nicht ohne weiteres im Verlauf einer Woche aus. Sie unterscheidet sich auch vor allem im Krankheitsbeginn von einer Erkältung. Denn dieser erfolgt bei der ‚echten‘ Grippe häufig schlagartig. Es kommt zwar auch zu Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, einer verstopften sowie laufenden Nase und Husten. Aber die Beschwerden beschränken sich nicht auf die Atemwege, sondern können den gesamten Körper betreffen und ein allgemeines Erschöpfungsgefühl, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, trockenen Husten, Appetitlosigkeit, Schweißausbrüche, Müdigkeit sowie Mattheit verursachen. Gerade bei Kleinkindern und Säuglingen kommen noch Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfall hinzu.

Möchten Sie mehr über die Grippe, die Influenzaviren, die Ursachen für Grippe sowie Diagnose- und Behandlungsmethoden erfahren? Dann empfehlen wir die Lektüre unseres Artikels „Influenza – Die ‚echte‘ Grippe – Wie sie erkannt und behandelt wird“.

Video-Exkurs: Paracetamol als Grippemedikament

Grippe wird unter anderem mit Paracetamol zur Fiebersenkung behandelt. Dabei handelt es sich, anders als bei Ibuprofen, Diclofenac und Aspirin, um eine nicht-saure Verbindung, die keine entzündungshemmende Wirkung hat. Allerdings geht diese nicht-saure Verbindung auch kaum mit Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Trakt einher. Jährlich gehen in Deutschland etwa 50 Millionen Paracetamol-Präparate über die Theke. Aber was kann das Medikament tatsächlich und was kann man damit falsch machen? Dr. Tobias Weigl geht im nachfolgenden Video auf Paracetamol ein und erläutert dabei Fehldosierungen sowie Nebenwirkungen.

Lungenentzündung

Bei einer Lungenentzündung (sog. ‚Pneumonie‘) entzünden sich genau genommen die Lungenbläschen (die sog. Alveolen, daher ‚alveoläre Pneumonie‘) und/oder das Lungengewebe (das sog. Interstitium, daher ‚interstitielle Pneumonie‘). Das betroffene Lungenareal schwillt dadurch an und wird stärker durchblutet. In der Regel sammelt sich auch Flüssigkeit im Lungengewebe. Auslöser sind meist Bakterien, in seltenen Fällen auch Viren oder Pilze. Am häufigsten ereignen sich Lungenentzündungen während der kalten Jahreszeit, und dann auch vorwiegend bei älteren Patienten oder Menschen, die bereits vorerkrankt sind (bspw. Infekt im Hals-/Rachenbereich). Die bakterielle Lungenentzündung beginnt meist mit Schüttelfrost und Fieber über 38,5 °C, später kommen noch trockener und dann schleimiger Husten hinzu. Ebenfalls auffällig ist die angestrengte und schnelle Atmung.

Gut zu wissen! Todesrate bei Lungenentzündung

Deutschlandweit erkranken jährlich etwa 400.000 Menschen an einer Lungenentzündung, wobei diese bei jedem Siebten so schwer ausfällt, dass eine stationäre Behandlung erfolgen muss. Die Lungenentzündung ist die häufigste zum Tode führende Infektion in Westeuropa. Bundesweit sterben jährlich etwa 3–5 Prozent der Betroffenen an der Erkrankung.

Scharlach

Bei Scharlach handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die von Bakterien der Art Streptokokken verursacht wird. Auch wenn Scharlach gemeinhin als Kinderkrankheit gilt, da sie vor allem 3–9-Jährige betrifft, gibt es auch Fälle im Erwachsenenalter. Die Infektionskrankheit ereignet sich am häufigsten in den Wintermonaten und ist hochansteckend, meist über die Atemluft, selten über Körperflüssigkeiten. Der Krankheitsverlauf beginnt meist 1–3 Tage nach Ansteckung. Dann kommt es plötzlich zu Fieber, Schüttelfrost, Gliederschmerzen und einem ausgeprägten Krankheitsgefühl. Das Fieber kann auf bis zu 40 °C ansteigen, im Bereich der Rachenschleimhaut und um Gaumen und Zäpfchen bildet sich ein Ausschlag. Der Rachen ist dann leuchtend rot, die Mandeln sowie die Lymphknoten am Hals sind geschwollen. Die Zunge ist anfangs weißlich belegt, später treten die sogenannten Geschmackspapillen hervor und es kommt zur sogenannten Himbeerzunge. Etwa zeitgleich kommt es auf der Haut zu Ausschlag in Form einzelner kleiner roter Punkte, vor allem in den Achseln und im Bereich der Leiste.

Typhus

Bei Typhus handelt es sich um eine Erkrankung, die durch das Enterobakterium Salmonella enterica Serovar Typhi auf fäkal-oralem Weg übertragen wird. Ihre Inkubationszeit – also die Zeit, in der die Erkrankung nach Erregerübertragung ausbrechen kann – variiert stark und kann zwischen 3 und 60 Tagen betragen. Die Erkrankung verläuft generell in drei Stadien. In Stadium I ereignet sich zunächst ein langsamer Fieberanstieg kombiniert mit Verstopfung. In Stadium II kommt es dann zu für die Krankheit charakteristischen Symptomen wie Kontinua-Fieber (tagelanges Fieber oberhalb von 39 °C), hellrotem und kleinfleckigem Ausschlag auf der Bauchhaut, langsamer Puls, Benommenheit sowie erbsenbreiartigem Stuhl. Stadium III lässt die die Symptome letztlich abklingen. Im Zusammenhang mit Typhus ist Schüttelfrost zwar eher selten, kann aber vorkommen.

Gut zu wissen! Typhus in Europa meist eingeschleppt

Weltweit kommt es jährlich zu etwa 22 Millionen Typhus-Fällen, ungefähr 200.000 davon enden Schätzungen zufolge tödlich. Hierzulande haben sich seit 1951 die hygienischen Bedingungen stark verbessert, wodurch erhebliche Verbesserungen in Bezug auf das Vorkommen der Erkrankung erzielt werden konnten. Im Jahr 2014 kam es zu 0,1 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner, 1951 kam es bei 100.000 Menschen noch zu 10,6 Erkrankungen. Insgesamt wurden 2014 58 Fälle gemeldet, von denen mindestens 96 Prozent importiert waren. Ein Großteil der Betroffenen, 85 Prozent, berichtet von einer Ansteckung in Asien.

Tumorerkrankungen

Krebspatienten haben vor allem durch die Therapie mit einer Schwächung ihrer Abwehrkräfte zu kämpfen. Bei einer Chemotherapie ist die Produktion der für die körpereigene Abwehr zuständigen weißen Blutkörperchen beeinträchtigt. Dadurch steigt das Infektions- und somit das Fieberrisiko. In diesem Zusammenhang kann es dann auch zu Schüttelfrost kommen. Gegen Krebs kann auch eine Immuntherapie unternommen werden. Dazu kommen bestimmte Therapeutika wie Interferon oder Interleukin zum Einsatz. Diese aktivieren unser Immunsystem und rufen eine Reaktion hervor, die einem grippalen Infekt ähnelt. Dies führt dazu, dass sich Patienten öfter abgeschlagen fühlen, unter Muskelschmerzen leiden und es auch zu Fieber und Schüttelfrost kommen kann.

Exkurs: Krebs

Mit dem Oberbegriff Krebs beschreibt man eine große Gruppe Erkrankungen, die durch das Wachstum bösartiger Geschwülste (sog. ‚maligne Tumoren‘) charakterisiert ist. Diese sind wiederum gekennzeichnet durch eine unkontrollierte Zellteilung. Das bedeutet, sie wachsen unter anderem in das umliegende Gewebe hinein. Das bekannte „Streuen“ von Krebs ereignet sich, wenn die eben erwähnten Zellen über Blutgefäße oder Lymphbahnen abwandern und sich woanders ansiedeln, dort also sogenannte Tochtergeschwülste (sog. ‚Metastasen‘) entstehen.

Wenn Sie mehr über Krebs erfahren möchten, empfehlen unsere Artikel zum Thema:

Dr. Tobias Weigl hat sich diesem Thema auch im nachfolgenden Video-Beitrag gewidmet. Darin geht er auf Entstehung, Ausbreitung, Risikofaktoren und weitere wichtige Aspekte im Zusammenhang mit Krebs ein.

Schüttelfrost infolge einer Operation bzw. Narkose

Den Schüttelfrost infolge einer Operation bezeichnet man in der Medizin als sogenanntes postoperatives Shivering (von engl. toshiver ‚zittern‘). Dieses Zittern steht vor allem in Zusammenhang mit der Narkose (auch: Anästhesie), Es kommt sowohl nach Vollnarkosen als auch bei Regionalanästhesien vor. Mit dem Zittern reagiert der Körper auf einen Wärmeverlust durch die Anästhesie. Denn die dabei zum Einsatz kommenden Medikamente erweitern oft die Blutgefäße, wodurch sich die Wärmeabgabe des Körpers erhöht. Des Weiteren dämpfen Anästhesiemedikamente die im Hypothalamus gelegen Areale zur Thermoregulation. Wacht der Patient nach der Narkose auf, nimmt der Hypothalamus den Wärmeverlust wahr und leitet als Gegenreaktion das Zittern zur Wärmegewinnung ein.

Das postoperative Zittern stellt eine ernstzunehmende Komplikation einer Operation bzw. einer Narkose dar. Es kann nämlich dazu führen kann, dass frische Wundnähte aufreißen. Überdies kann es Schmerzen nach einer Operation verstärken und den Augeninnen- sowie Hirndruck erhöhen. Vor allem herzkranke Patienten können eine Hypoxie erleiden. Damit bezeichnet man eine Minderversorgung bestimmter Körperareale mit Sauerstoff. Behandeln kann man das postoperative Shivering mit Schmerzmitteln und anderen Medikamenten.

Hatten Sie schon einmal Schüttelfrost? In welchem Zusammenhang hat sich das unangenehme Symptom bei Ihnen ergeben? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an dieser Umfrage helfen Sie anderen Betroffenen dabei, ihre Situation besser einschätzen zu können.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Im Normalfall beginnt die Diagnose mit dem Gespräch zwischen Arzt und Patient, auch bezeichnet als sogenanntes Anamnesegespräch. Dieses Gespräch soll dazu dienen, den Grund des Arztbesuchs und bestehende Beschwerden zu erörtern. Für den Arzt ist es wichtig, ob regelmäßig Medikamente eingenommen werden. Die weitere Diagnose richtet sich nach den Vermutungen, die der Arzt aufgrund des Gesprächs aufgestellt hat.

Allgemein sei aber vorab gesagt, dass sich die Diagnose auch nach der Stärke und Dauer des bestehenden Fiebers richtet. So ist es wahrscheinlich, dass der Arzt bei länger bestehendem Fieber und Schüttelfrost mit unklarer Ursache Blut abnehmen lässt. Dieses Blut wird dann im Labor untersucht. So können lebensbedrohliche Ursachen, z. B. eine im Krankenhaus erworbene Infektion, erkannt bzw. ausgeschlossen werden.

Es ist wichtig, dass man im Zusammenhang mit Schüttelfrost und Fieber die Ursache ausfindig macht und dementsprechend ursachenorientiert weitere diagnostische Schritte unternimmt. So soll auch die Behandlung entsprechend der jeweiligen Ursache ausfallen.

Im Folgenden gehen wir daher davon aus, dass der Arzt eine Lungenentzündung vermutet und dementsprechend handelt.

Diagnose einer Lungenentzündung

Allgemein wird im Anamnesegespräch zunächst geklärt, wie sich die Beschwerden anfühlen, wie lange sie bereits bestehen und ob es Vorerkrankungen bzw. aktuell bestehende Erkrankungen gibt.

Darauf folgt in der Regel die körperliche Untersuchung. Dabei versucht der Arzt, Verdichtungen im Lungengewebe auszumachen, und zwar mithilfe diverser Methoden. Er wird dazu vor allem Lunge und Herz abhören und den Patienten an den entsprechenden Stellen abklopfen. Des Weiteren kann noch der sogenannte Stimmfremitus erfolgen. Dabei handelt es sich um einen Test, bei dem festgestellt werden soll, ob das Lungengewebe verdichtet ist, wie für eine Lungenentzündung üblich. Dies geschieht anhand weitergeleiteter Vibrationen: Der Patient soll die Zahl „99“ aussprechen, während der Arzt weitergeleitete Vibrationen auf dem Rücken erspürt. Wenn das Gewebe verdichtet ist, ist die normale Vibration verstärkt.

Darüber hinaus kommt auch bakteriellen Untersuchungen im Labor eine Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang kann der Auswurf beim Husten auf diverse Krankheitserreger untersucht werden. Außerdem ist es möglich, eine Blutprobe zu entnehmen, aus der man wiederum Bakterien gewinnt, die dann angezüchtet werden können. Dann spricht man davon, dass eine Bakterienkultur angelegt wird.

Erstellen eines Blutbilds, Bildgebung und Antikörpernachweis

Mithilfe eines Blutbilds (sog. ‚Hämogramm‘) lässt sich die Zusammensetzung des Blutes untersuchen. Das gibt dem Arzt die Möglichkeit, Informationen über vorliegende Krankheiten zu gewinnen, da sich das Blutbild oft entsprechend verändert. Bei einer bakteriell verursachten Lungenentzündung ist häufig der Anteil weißer Blutkörperchen erhöht. Bei einer viralen Infektion ist dies nicht der Fall oder die Veränderungen sind nicht auffällig. Das Blut liefert überdies noch einige weitere Hinweise und ermöglicht es, Rückschlüsse auf die Art der Lungenentzündung zu ziehen.

Ist der Verdacht einer Lungenentzündung bereits gefestigt oder sind die Symptome stark ausgeprägt, kann eine Röntgenaufnahme die Diagnose sichern. Dadurch können der Entstehungsort und mögliche Ursachen für die Erkrankung ausgemacht werden. Man kann die Entzündungsherde auf dem Röntgenbild als sogenannte Verschattungen erkennen. Des Weiteren bietet eine Röntgenaufnahme die Möglichkeit, etwaige andere bestehende Grunderkrankungen auszumachen, die das Risiko für die Entstehung der Lungenentzündung möglicherweise gesteigert haben.

Zu guter Letzt kann noch ein sogenannter Antikörper-Nachweis erbracht werden. Diese Untersuchungsmethode kommt vor allem bei sogenannten atypischen Lungenentzündungen zum Einsatz. Diese Form der Pneumonie wird in den meisten Fällen durch Viren verursacht. Sie verläuft um einiges langsamer als die bakterielle Form. Für den Nachweis von Antikörpern werden Urin, Auswurf oder sogar per Lungenspiegelung entferntes Gewebe untersucht.

Fakten-Box

Schüttelfrost

  • beschreibt ein Kältegefühl mit unwillkürlichem Muskelzittern
  • der Körper reagiert damit auf einen verstellten Soll-Wert der Temperatur
  • Schüttelfrost ereignet sich am häufigsten im Verlauf fieberhafter Erkrankungen
  • der Körper ist bestrebt, einen Wärmeverlust auszugleichen

Ursachen

  • fieberhafte Erkrankungen (z. B. Lungenentzündung, Grippe, Scharlach)
  • Tumorerkrankungen
  • Operation bzw. Anästhesiemedikamente (dann spricht man vom sog. ‚postoperativen Shivering‘)

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Wir widmen uns in diesem Abschnitt zunächst den allgemeinen Maßnahmen bei Schüttelfrost und veranschaulichen anschließend eine ursachenorientierte Therapie weiterhin am Beispiel einer Lungenentzündung.

Schüttelfrost entsteht durch eine Verschiebung unseres Temperatur-Soll-Werts nach oben. Um den Kreislauf zu entlasten, ist daher geraten, Wärme zuzuführen. So kann die körperliche Arbeit, das „Schütteln“, ausbleiben. Die Wärmezufuhr kann man mit unterschiedlichen Mitteln erzielt werden. Dazu zählen bspw.:

  • warm zudecken
  • Wärmflaschen
  • heiße Getränke

Steigt das Fieber über 39 °C, kann der Arzt, Antipyretika (Fieber senkende Mittel) verschreiben. Dabei handelt es sich um eine Arzneimittelgruppe, die verwendet wird, um Fieber symptomatisch zu behandeln. Oft haben diese Mittel auch eine leicht schmerzlindernde oder entzündungshemmende Wirkung. Beispiele für derlei Antipyretika sind Paracetamol, Acetylsalicylsäure, Naproxen oder Metamizol.

Im folgenden Abschnitt gehen wir davon aus, dass die Ursache für Fieber und Schüttelfrost eine Lungenentzündung ist und veranschaulichen anhand dieser Erkrankung weitere therapeutische Schritte. Denn bei Schüttelfrost gilt, wie bei vielen anderen Beschwerden auch, dass eine ursachenorientierte Behandlung im Fokus stehen sollte, um die Symptome effektiv und langfristig zu lindern bzw. zu beheben.

Eine Lungenentzündung behandeln

Zunächst einmal können bei einer Lungenentzündung allgemeine Maßnahmen ergriffen werden. Es ist wichtig, dass sich betroffene Patienten schonen und bei Fieber – auf ärztliche Empfehlung – Bettruhe einhalten. Ist der Verlauf der Erkrankung sehr schwer, ist eventuell sogar eine Einweisung in ein Krankenhaus erforderlich. Denn dann besteht das Risiko einer Atemnot mit Sauerstoffmangel, was eine Beatmung unerlässlich macht. Größtenteils von derlei Verläufen betroffen sind ältere, immungeschwächte Menschen sowie Kleinkinder.

Darüber hinaus sollten Betroffene viel trinken, besonders dann, wenn sie gleichzeitig schleimlösende Mittel einnehmen. Außerdem kann man eine sogenannte Atemgymnastik durchführen, bei der mit regelmäßigem Abklopfen des Brustkorbs durch die Lungenentzündung entstandene Beschwerden gelindert werden können.

Im weiteren Verlauf kommt dann besonders Medikamenten eine große Bedeutung zu. Häufig muss die Behandlung schon beginnen, obwohl der eigentliche Krankheitserreger noch unbekannt ist. Dann werden sogenannte Breitspektren-Antibiotika gegeben. Wie der Name schon sagt, agieren diese in einem breiten Spektrum und sind demnach gegen viele der in Frage kommenden Keime wirksam. Hat man den Erreger dann letztlich ausmachen können, kann man zu einem gezielter wirkenden Antibiotikum wechseln.

Bei einer bakteriell durch Pneumokokken ausgelösten Lungenentzündung (die „klassische“ Lungenentzündung), wird in der Regel Penicillin verabreicht. Je nach Erreger können auch die Antibiotika Ampicillin und Amoxicillin Abhilfe schaffen. Ist die Erkrankung hingegen durch Legionellen, Mykoplasmen (den kleinsten bekannten Bakterien) oder Chlamydien verursacht, kann eine Therapie mit Makrolidantibiotika in Erwägung gezogen werden. Makrolidantibiotika wirken nicht, indem sie Bakterien abtöten (sie wirken also nicht ‚bakterizid‘), sondern hemmen deren Wachstum und Vermehrung (sie wirken ‚bakteriostatisch‘).

Wenn Viren die Lungenentzündung verursachen

Antibiotika versagen dann, wenn die Lungenentzündung nicht durch Bakterien, sondern durch Viren verursacht wird. Man legt dann eher Wert auf die zuvor erwähnten allgemeinen Maßnahmen und die Vermeidung etwaiger Komplikationen. Es kann in diesem Kontext – und das nicht selten – zu einer sogenannten bakteriellen Superinfektion kommen. Dies beschreibt den Umstand, dass zu der viralen noch eine zusätzliche Infektion mit Bakterien hinzukommt. Dann sind Antibiotika wiederum notwendig.

Je nach Art der Lungenentzündung können noch zwei weitere Medikamente gegeben werden, die den Husten betreffen. Ist dieser produktiv, bildet sich also Schleim, der ggf. abgehustet werden kann, können sogenannte Serolytika gegeben werden. Diese helfen dabei, Schleim in der Lunge zu lösen, sodass dieser abgehustet werden kann. Bei einer atypischen Lungenentzündung ist es hingegen so, dass Patienten oft an trockenem Husten leiden. Diesem kann mit sogenannte Antitussiva entgegengewirkt werden, die den Hustenreiz unterdrücken.

Achtung!

Antitussiva und Serolytika dürfen nicht gemeinsam eingenommen werden, da der gelöste Schleim ansonsten nicht abgehustet werden kann. Eine möglicherweise bestehende Atemnot kann sich dann noch verschlimmern.

Exkurs: Antibiotika

Im Normalfall kommen Antibiotika dann zum Einsatz, wenn eine bakterielle Infektion vorliegt. Allerdings helfen sie nicht bei jeder Infektion und sind auch nicht immer Mittel der Wahl, um einen Behandlungserfolg zu erzielen. Antibiotika beeinflussen den Stoffwechsel von Mikroorganismen (oft: Bakterien) und hindern diese an der Vermehrung oder töten sie ab. Unterschiedliche Antibiotika-Gruppe greifen unterschiedliche Bestandteile der Bakterienzellen an.

Vielen Menschen ist bereits bekannt, dass Bakterien Resistenzen gegen Antibiotika bilden können. Dann ist das das Medikament unwirksam. Aber wussten Sie, dass Antibiotika auch die natürlich in unserem Darm kommenden Bakterien angreifen und schädigen können? Wenn Sie mehr über Antibiotika, ihre Wirkweise sowie ihre therapeutischen Einsatzgebiete erfahren möchten, empfehlen wir die Lektüre unseres Artikels „ Antibiotika – Wann und wie wende ich sie richtig an?“.

Häufige Patientenfragen

Was genau läuft bei Fieber im Körper ab?

Dr. T. Weigl:
Aus medizinischer Perspektive unterteilt man das Fieber in drei Stadien. Das erste Stadium bildet der Fieberanstieg (sog. ‚Stadium incrementi‘). Dieses ist bei Erwachsenen vor allem durch Schüttelfrost gekennzeichnet. Kleinkinder und Säuglinge mit einer gewissen Anfälligkeit können in diesem Stadium Fieberkrämpfe erleiden, die aber selten länger als 15 Minuten andauern. Ältere Kinder beginnen zu frösteln und bekommen kalte Glieder. Die Durchblutung von Herz und Gehirn verbessert sich, Muskulatur und Haut kriegen dafür weniger Blut ab. Im zweiten Stadium, der Fieberhöhe (sog. ‚Fastigium‘), kommt es dem Namen nach zu hohem Fieber mit der Gefahr eines Fieberdelirs, vor allem wenn die Körpertemperatur über einen längeren Zeitraum hoch ist. Das Delir kann einhergehen mit Bewusstseinstrübung bis hin zu Wahnvorstellungen und Halluzinationen sowie mit motorischer Unruhe. Das letzte Stadium ist dann der Fieberabfall (sog. ‚Stadium decrementi‘). Dieses ist gekennzeichnet durch die Entfieberung und geht mit Schweißausbrüchen und ggf. Kreislaufdysregulation einher.

Bei Fieber und Schüttelfrost kann man ja Paracetamol anwenden und es ist rezeptfrei erhältlich – aber hat das Medikament auch irgendwelche Nebenwirkungen?

Dr. T. Weigl:
Paracetamol ist ein Medikament, das vor allem zur Schmerzbehandlung und Fiebersenkung zum Einsatz kommt. Aber es gilt natürlich wie immer: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Allerdings ereignen sich Nebenwirkungen bei Paracetamol eher selten (bis zu 1 von 1.000 Behandelten) oder sehr selten (bis zu 1 von 10.000 Behandelten). Die seltenen Nebenwirkungen umfassen einen leichten Anstieg spezifischer Leberenzyme, Juckreiz, Hautausschlag sowie Hautrötungen. In sehr seltenen Fällen kann es überdies zu einer starken Abnahme des Anteils weißer Blutkörperchen, allergischen Reaktion, Atemwegsverengungen sowie schweren Hautreaktionen kommen.

Schon gewusst? In Europa nehmen 50–60 Prozent der Schwangeren Paracetamol ein, in den USA sind es sogar etwa 70 Prozent. Eine Studie aus dem Oktober 2017 untersuchte das Risiko für ADHS bei Neugeborenen, wenn während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen wird. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, können Sie sich gerne meinen nachfolgenden Video-Beitrag ansehen, in dem ich mich ausgiebiger mit der Studie befasse.

Kann ich Schüttelfrost auch selbst behandeln?

Dr. T. Weigl:
Unter den Behandlungsmaßnahmen in diesem Artikel haben wir bereits einige Maßnahmen angesprochen, die man bei Schüttelfrost auch selbst ergreifen kann. Da Ihr Körper das Schütteln einleitet, um Wärme zu produzieren, kann es helfen, Ihrem Körper selbst Wärme zuzuführen. Decken Sie sich warm zu, legen Sie sich eine Wärmflasche ins Bett oder trinken Sie heißen Tee. Damit wirken Sie einer zusätzlichen Kreislaufbelastung entgegen.

Udo hatte sich zunächst noch gegen einen Arztbesuch gewehrt und den starken Mann markiert. Aber der Schüttelfrost in Kombination mit 39 Grad Fieber und einem saftigen, schleimigen Husten hat letztlich dazu geführt, dass er kaum noch aus dem Bett aufstand. Die Diagnose war beim Arzt schnell klar: Udo hat eine Lungenentzündung, aber eine klassische, durch Bakterien verursachte. Neben den Antibiotika hat Udo Schleimlöser bekommen, sodass er den ganzen Kram abhusten kann. Jetzt heißt es erst einmal Bettruhe, viel trinken und abwarten. Birthe hat schon gesagt, dass es nicht so schlimm ist, wenn Udo nächste Woche aussetzt. Sie hat die Verabredungen mit ihren gemeinsamen Freunden, Museumsbesuche und das Kabarett jetzt erstmal abgesagt. ‚Wäre auch wohl ein bisschen viel gewesen …‘, denkt sich Udo angesichts seiner Lage und muss etwas lächeln, während er seinen Kopf ins Kissen fallen lässt und sich in der Mediathek seines Lieblings-Streaming-Dienstes umschaut …

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Haben Sie Erfahrungen mit Schüttelfrost? Möchten Sie sich bei uns weiter über das Symptom erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht am: 29.01.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

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