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Das Antibiotikum – Wann und wie wende ich es richtig an? Nebenwirkungen

„Bei der Therapie mit einem Antibiotikum ist die richtige Einnahme für den Behandlungserfolg essenziell. Dabei sind Regelmäßigkeit, Dauer und Art der Anwendung von großer Bedeutung.“ — Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Ein Antibiotikum wird in der Regel zur Behandlung einer bakteriellen Infektion eingesetzt. Dabei ist es wichtig, zu wissen, dass ein Antibiotikum nicht bei jeder Infektion geeignetes Mittel der Wahl ist und einen Behandlungserfolg mit sich bringt. Aber wann genau ist der Einsatz eines Antibiotikums sinnvoll bzw. gerechtfertigt? Wie wird es richtig eingenommen? Welche Antibiotika gibt es eigentlich und welches ist dann das Richtige? Diese und viele weitere Fragen rund um das Thema Antibiotika sollen im folgenden Artikel geklärt werden.

Es ist Sonntag. Anna, 29 Jahre, fühlt sich heute früh gar nicht gut. Sie hat Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Außerdem tut ihr der Hals weh. Über den Tag fällt ihr das Schlucken immer schwerer. Am Nachmittag misst sie eine Temperatur von 39° C. Anna beschließt, morgen ihren Hausarzt aufzusuchen.

Das Antibiotikum

Definition

Ein Antibiotikum (von griech. ἀντί-, anti- ‚gegen‘ und βίος, bios ‚Leben‘; Plural: Antibiotika) ist ein Medikament, das zur Behandlung von Infektionen zum Einsatz kommt. Meist wird es zur Bekämpfung von bakteriellen Infektionen, seltener auch zur Bekämpfung parasitärer Erkrankungen eingesetzt.

Wie wirken Antibiotika?

Allgemein gilt, dass die Antibiotika den Stoffwechsel von Mikroorganismen, wie z. B. Bakterien, beeinflussen. Dabei verhindern sie entweder, dass sich die Bakterien vermehren (sog. ‚bakteriostatisch‘) oder dass diese weiterleben (sog. ‚bakterizid‘).

Gut zu wissen!
Neben den Antibiotika, die gegen eine bakterielle Infektion eingesetzt werden, gibt es verschiedene andere sog. Antiinfektiva. Dazu zählen:

  • Virostatika gegen Virusinfektionen
  • Antimykotika gegen Pilzinfektionen
  • Anthelminthika gegen Wurminfektion

Die Antibiotika greifen je nach Gruppe unterschiedliche Bestandteile der bakteriellen Zellen an, um diese zu bekämpfen. Dabei gibt es die sog. Schmalspektrum-Antibiotika und die Breitspektrum-Antibiotika.

Gut zu wissen!
Ein Schmalspektrum-Antibiotikum wirkt gegen eine geringe Anzahl von Bakterien.
Das Breitspektrum-Antibiotikum wirkt im Gegensatz dazu gegen eine große bzw. breite Anzahl von Bakterien. Diese Antibiotika kommen zum Einsatz, wenn der Erreger nicht genau bekannt ist, aber eine schnelle Therapie erforderlich ist (z. B. bei Patienten unter Chemotherapie mit einem geschwächten Immunsystem).

 

Achtung!
Auch die natürlich im menschlichen Darm vorkommenden Bakterien können von einem Antibiotikum angegriffen und geschädigt werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über schützende oder vorbeugende Maßnahmen.

Welche Antibiotika gibt es? Wie werden sie unterteilt?

Es gibt viele verschiedene Gruppen von Antibiotika, die anhand Ihrer Wirkweise (bakterizid oder bakteriostatisch), nach ihrem Wirkungsort bzw. dem Wirkungsmechanismus im Bakterium oder ihrer chemischen Struktur eingeteilt werden können.
Einige wichtige Gruppen sind:

  • Beta-Laktam-Antibiotika: Dazu gehören u. a. Penicilline (z. B. PenicillinG, Amoxicillin), Cephalosporine (z. B. Cefuroxim) und Carbapeneme (z. B. Imipenem).
  • Aminoglykosid-Antibiotika (z. B. Gentamicin)
  • Makrolid-Antibiotika (z. B. Erythromycin, Clarithromycin)
  • Reserveantbiotika (z. B. Cephalosporine der 4./5. Generation)

Dies sind nur Beispiele für Antibiotikagruppen. Einige wichtige Gruppen finden Sie im Folgenden erläutert. Haben Sie noch Fragen? Interessieren Sie bestimmte Antibiotika genauer? Nutzen Sie gerne unsere Kommentarfunktion und treten Sie mit uns in Kontakt!

Achtung!
Einige Bakterien sind in der Lage, gegen Antibiotika sogenannte Resistenzen zu bilden. Das bedeutet, dass sie gegen den Wirkstoff des Antibiotikums (und ggf. andere ähnliche Wirkstoffe) immun werden. Das Antibiotikum ist dann unwirksam.

Penicilline

Zur Gruppe der Penicillin-Antibiotika zählen neben dem Namensgeber Penicillin ebenfalls das Ampicillin, das Amoxicillin, das Piperacillin und das Flucloxacillin. Sie zählen zu den Beta-Laktam-Antibiotika.
Für ausführliche Informationen lesen Sie doch auch unseren Artikel zum Thema Penicilline.

Cephalosporine

Die Cephalosporin-Antibiotika werden unterteilt in Cephalosporine der 1. bis 5. Generation und haben ein sehr breites Wirkspektrum. Sie zählen zu den Beta-Laktam-Antibiotika.
Ausführliche Informationen können Sie unserem Artikel zum Thema Cephalosporine entnehmen.

Achtung!
Alle Cephalosporine weisen die sogenannte Enterokokken-Lücke (verursachen z. B. Harnwegsinfekte) auf. Alle Bakterien dieser Gruppe sind gegen die Cephalosporine immun. Dasselbe gilt für die Listerien.

Makrolide

Die Makrolide wirken bakteriostatisch, unterbinden also die Vermehrung der Bakterien. Daher haben sie eine besonders gute Wirksamkeit gegen Bakterien, die einen sehr aktiven Stoffwechsel haben. Zu den Einsatzgebieten zählen u. a. Infektionen mit:

Für die Bakterien ist es bei dieser Antibiotika-Gruppe eher einfach, Resistenzen auszubilden. Sind sie gegen ein Makrolid resistent, gilt dies auch für alle anderen Antibiotika dieser Gruppe (sog. ‚Kreuzresistenz‘).
Die häufigeren Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden wie

  • Übelkeit,
  • Erbrechen und
  • Durchfall,
  • selten Leberschäden oder Allergien.

Unter strenger Indikationsstellung können die Makrolidantibiotika während der Schwangerschaft eingesetzt werden.

Aminoglykoside

Die Aminoglykoside haben ein breites Wirkspektrum. Das bedeutet, dass sie bei vielen Infektionen mit unterschiedlichen Erregern zum Einsatz kommen können.

Wichtig!
Alle Aminoglykoside weisen die sogenannte Streptokokken-Lücke auf. Diese Bakterien sind gegen die Aminoglykoside immun.

Mögliche Einsatzgebiete sind

  • Blutvergiftung (sog. ‚Sepsis‘),
  • Herzmuskelentzündung (sog. ‚Endokarditis‘)
  • Lungenentzündung (sog. ‚Pneumonie‘) und
  • Hirnhautentzündung (sog. ‚Meningitis‘).

Außerdem können einige Antibiotika dieser Gruppe bei einer Infektion mit Pseudomonas aeruginosa eingesetzt werden.

Gut zu wissen!
Pseudomonas aeruginosa ist einer der häufigsten Erreger der sogenannten nosokomialen Infektionen, also derjenigen Infektionen, die im Krankenhaus erworben werden. Die Infektion wird durch ein geschwächtes Immunsystem begünstigt. Beispiele für nosokomiale Infektionen mit Pseudomonas aeruginosa sind:

  • Lungenentzündung (sog. ‚Pneumonie‘),
  • Harnwegsinfekt und
  • Infektionen bei Früh- und Neugeborenen.

Meistens erfolgt eine Kombinationstherapie aus mehreren Antibiotika.

Reserveantibiotika

Die Reserveantibiotika umfassen u. a. Wirkstoffe aus der Gruppe der Cephalosporine der 4. und 5. Generation, Carbapeneme und das Linezolid. Sie kommen aufgrund ihrer teilweise schweren Nebenwirkungen nur bei strenger Indikationsstellung zum Einsatz. Reserveantibiotika sollen eigentlich erst zum Einsatz kommen, wenn alle Alternativen versagen.
Für ausführliche Informationen lesen Sie doch auch unseren Artikel zum Thema Reserveantibiotika.

Achtung!
Während der Schwangerschaft sollten nur Penicilline, Makrolide oder Cephalosporine eingesetzt werden. Bei den übrigen Antibiotikagruppen besteht die Gefahr einer schädigenden Wirkung für das ungeborene Kind.

Die Symptome: Woran erkennt man, dass die Behandlung mit einem Antibiotikum notwendig ist?

Die Behandlung mit einem Antibiotikum ist bei einer bakteriellen Infektion notwendig. Werden diese Erkrankungen nicht behandelt, kann es zu schwerwiegenden, mitunter lebensbedrohlichen Komplikationen kommen.

Achtung!
Antibiotika sind gegen Viren unwirksam. Sie wirken somit nicht gegen:

  • die meisten Erkältungen (Halsschmerzen, Schnupfen, Husten, Fieber),
  • die Grippe (Influenza),
  • die meisten Magen-Darm-Infekte.

Letztendlich ist das Spektrum der Erkrankungen, die von Bakterien verursacht werden können, sehr groß. Abschließend kann die Frage nach der Notwendigkeit einer Antibiotikabehandlung nur durch den (Haus-)Arzt geklärt werden.

Gut zu wissen!
Bei einer bakteriellen Infektion liegen häufig Begleitsymptome vor, unter anderem:

  • Fieber
  • Allgemeines Krankheitsgefühl
  • Ggf. Rötung, Schwellung, Eiter und Schmerz der betroffenen Region.

Beispiele für Erkrankungen, bei denen eine antibiotische Therapie notwendig sein kann:

Eine Bakterieninfektion liegt immer bei folgenden Erkrankungen zu Grunde und sollte somit antibiotisch behandelt werden:

  • Gonorrhö (auch Tripper, eine Geschlechtskrankheit)
  • Scharlach
  • Borreliose durch Zeckenbiss
Fakten-Box
Antibiotika

  • Verschiedene Antibiotikagruppen
  • Breitband- und Schmalbandantibiotika
  • Gefahr der Resistenzbildung
  • Nicht wirksam gegen virale Infektionen (z. B. die meisten Erkältungen oder die Grippe)

Symptome

  • Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl
  • Schwellung, Rötung, Eiter, Schmerz
  • Häufige bakterielle Infektion sind z. B.: Mandelentzündung, Blasenentzündung, Hautentzündung, Hirnhautentzündung, Lungenentzündung

Worauf ist bei einer Behandlung zu achten?

Bei der Einnahme eines Antibiotikums sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Sie es strikt nach Anweisung des Arztes einnehmen. Besonders wichtig sind:

  • Regelmäßige Einnahme: Wie oft am Tag sollte das Mittel eingenommen werden? Achten Sie dabei auf die gleichmäßig auf den Tag verteilte Einnahme.
    • Soll die Einnahme 1x täglich erfolgen, bedeutet das in etwa alle 24 Stunden.
    • Eine 2x tägliche Einnahme meint einen Abstand von ca. 12 Stunden zwischen den einzelnen Einnahmen.
    • Bei einer 3x täglichen Einnahme sollte das Präparat in etwa alle 8 Stunden genommen werden.
  • Dauer der Einnahme: Über welchen Zeitraum soll die Einnahme erfolgen? Wichtig ist hier, die Anweisungen des Arztes zu befolgen. Auch bei bereits abgeklungenen Beschwerden sollte der vorgeschriebene Einnahmezeitraum eingehalten und die Behandlung abgeschlossen werden. Sonst besteht die Gefahr eines erneuten Ausbruchs der Erkrankung und einer Resistenzbildung der Bakterien.
  • Art der Einnahme: Die unterschiedlichen Präparate unterscheiden sich gelegentlich in den Empfehlungen bezüglich des Abstandes zum Essen. Auch ist es wichtig, die Tabletten mit ausreichend Flüssigkeit (am besten Wasser) zu nehmen.
Wichtig!
Sprechen Sie mit Ihrem (Haus-)Arzt oder Ihrem Apotheker über mögliche Wechselwirkungen mit Ihren üblichen Medikamenten. Ein Beispiel: Die Antibabypille bei Frauen wird durch einige Antibiotika unwirksam, sodass es zu einer ungewollten Schwangerschaft kommen könnte.

Welche typischen Nebenwirkungen gibt es?

Die häufigsten zu beachtenden Nebenwirkungen sind zum einen Allergien und Kreuzallergien mit Juckreiz und Hautausschlag. Zum anderen besteht die Gefahr einer schädigenden Wirkungen für Leber (sog. ‚hepatotoxisch‘) und Nieren (sog. ‚nephrotoxisch‘).
Außerdem kommt es häufig zu:

 

Hat ein Arzt Ihnen ein Antibiotikum verschrieben? Welche dieser Nebenwirkungen traten bei Ihnen auf? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einzuschätzen.

Häufige Patientenfragen

Wann muss ich ein Antibiotikum einnehmen?

Dr. T. Weigl
Ein Antibiotikum sollte zur Behandlung einer bakteriellen Infektion eingenommen werden. Diese kann z. B. bei einer eitrigen Mandelentzündung, einer Mittelohrentzündung oder einer (eitrigen) Entzündung von Haut- und Unterhaut vorliegen. Unwirksam hingegen sind Antibiotika bei durch Viren verursachten Erkrankungen wie z. B. den meisten Erkältungen (Schnupfen, Husten etc.) oder der Grippe.

Kann ich einfach so ein Antibiotikum in der Apotheke kaufen?

Dr. T. Weigl
Nein. Antibiotika sind rezeptpflichtig und müssen von einem Arzt verschrieben werden.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Dr. T. Weigl
Häufige Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall). Außerdem können Antibiotika schädigend für Leber oder Nieren sein. Es kann zu allergischen Reaktionen mit Hautausschlag und Juckreiz oder sogar einem anaphylaktischen Schock kommen.

Der Hausarzt stellt bei Anna am nächsten Tag durch einen Schnelltest eine akute Tonsillitis fest. Dazu macht er in der Praxis einen Rachenabstrich. Der Test fällt positiv aus. Anna leidet also höchstwahrscheinlich an einer Streptokokkenangina. Gemäß der aktuellen Leitlinien verschreibt ihr der Hausarzt für 7 Tage ein Antibiotikum. Es sind keine Allergien oder Unverträglichkeiten bei Anna bekannt. Also nimmt sie eine Woche lang Penicillin V ein. Zusätzlich bekommt sie 3x täglich Ibuprofen. Nach 2 Tagen geht es Anna schon wieder viel besser. Der Hausarzt hat sie aber noch ausdrücklich darauf hingewiesen, das Antibiotikum zu Ende zu nehmen, damit auch wirklich alle Bakterien vernichtet werden.

Verwandthe Themen

  • Penicilline
  • Cephalosporine
  • Reserveantibiotika

Haben auch Sie Erfahrungen mit einer Antibiotikatherapie? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Claudia Scheur
Lektorat: Tobias Möller
Datum: 21.08.2018

Quellen

  • Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)
    Im Auftrag von: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Bundesärztekammer (BÄK): „Antibiotika-Behandlung“.
  • Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)
    Im Auftrag von: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Bundesärztekammer (BÄK): „Antibiotika-Resistenzen“.
  • M. Herold et al. (2013): Innere Medizin. Eigenverlag.
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