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Bisoprolol – Mittel gegen hohen Blutdruck | Dosierung und Nebenwirkungen

„Jeder Dritte in Deutschland hat Bluthochdruck. Das Krankheitsbild ist damit Todesursache Nr. 1, da es gefährlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorangeht.“
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Zu den typischen Gesundheitsproblemen in wohlhabenden Ländern zählen Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Letztere sind für die meisten Todesfälle in Deutschland verantwortlich. Umso wichtiger ist es, den oft schleichenden Bluthochdruck frühzeitig zu erkennen und durch eine gesündere Lebensweise und Medikamente dauerhaft zu senken. Eine Medikamentengruppe, die dafür eingesetzt wird, sind die sogenannten Beta-Blocker. Neben Metoprolol ist Bisoprolol der am häufigsten verwendete Beta-Blocker. Die Tabletten kommen auch bei anderen Herzbeschwerden zum Einsatz, führen aber oft zu Nebeneffekten wie Schwindel. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über seine Anwendung, Dosierung und weitere Nebenwirkungen.

„Fast da …“, schnauft Martin und betritt den letzten Treppenabsatz bis zur Wohnung, wo er endlich die schweren Einkaufstüten abladen kann. Seine Frau Monika macht ihm die Tür auf und bemerkt, dass Martin schwer atmet.
„Geht es dir gut Martin?“, fragt sie besorgt.
„Ja, es war gerade nur irgendwie anstrengender als sonst mit den Treppen. Ich werde erstmal den Einkauf abladen und dann …“ – Weiter kommt Martin nicht, denn als er die Einkaufstüten abstellt, wird ihm schwindelig und er gerät ins Straucheln. Zum Glück kann er sich noch am Türrahmen festhalten.
„Martin!“ Monika eilt herbei. Sie stützt Martin und setzt ihn auf einen Stuhl.
„Mir wurde auf einmal ganz schwindelig, Moni. Ich glaub, jetzt geht’s aber wieder …“.
Davon ist Monika jedoch nicht überzeugt. Sie überredet ihren Mann, einen Arzttermin zu machen.

Was ist Bisoprolol?

Bisoprolol ist ein Arzneiwirkstoff aus der Klasse der Beta-Adrenorezeptor-Antagonisten, auch bekannt als Betablocker. Er wird in Form von Tabletten eingenommen und ist ein wichtiges Medikament zur Therapie von Herz- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vor allem ältere Patienten, die häufiger mit hohem Blutdruck zu tun haben, aus denen sich Erkrankungen wie z. B. Herzrhythmusstörungen ergeben können, bekommen dieses Medikament verordnet. Oft wird Bisoprolol in Kombination mit einem ACE-Hemmer und einem Entwässerungsmittel (einem sog. Diuretikum) eingesetzt, um z. B. Herzinsuffizenz zu therapieren.

Gut zu wissen! Kassenschlager Betablocker
Betablocker gehören zu den am häufigsten verordneten Medikamenten in Deutschland: Im Jahr 2017 belegte Metoprolol den 6. Platz und Bisoprolol den 7. Platz. Dies belegt die hohe Relevanz von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Spitzenreiter in jenem Jahr war übrigens Ibuprofen 400 mit 25,6 Millionen verordneten Packungen, gefolgt vom Schilddrüsenmedikament Levothyroxin auf Platz zwei und schließlich dem Protonenpumpenhemmer Pantoprazol.

Welche Wirkung hat Bisoprolol im Körper?

Bispprolol wirkt den „Stress-Hormonen“ Adrenalin und Noradrenalin entgegen. Diese nämlich entfalten im Körper eine pulssteigernde, gefäßverengende und blutdrucksteigernde Wirkung, wenn sie an ihren Zielrezeptor β1 (Beta 1) docken. Bisoprolol setzt sich an eben diese β1-Rezeptoren und verhindert damit, dass Adrenalin und Noradrenalin andocken und ihre Wirkung entfalten. Daher kommt der Name Beta-Blocker.

Als Folge verringern sich Schlagvolumen und Blutdruck. So wird das Herz entlastet und es kann energiesparender arbeiten. Zusätzlich dämpft Bisoprolol die Erregungsleitung des Herzens, die mit ihren elektrischen Impulsen Taktgeber des Herzschlags ist. Dadurch verlangsamt sich der Puls. Bisoprolol wird nach seiner Einnahme in Tablettenform rasch vom Körper aufgenommen und wirkt langanhaltend: Nach 10 bis 11 Stunden ist die Hälfte der Ausgangsmenge verstoffwechselt und über die Nieren und die Leber ausgeschieden. Da die Ausscheidung zu gleichen Teilen über Leber und Nieren geschieht, muss die Dosis für Patienten mit Leber- oder Nierenschäden nicht angepasst werden.

Video-Exkurs: Betablocker-Medikamente

Vor allem bei Patienten hohen Alters werden Betablocker eingesetzt, um Bluthochdruck zu verringern und die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen zu senken. Was sollte man über die korrekte Einnahme des Medikaments wissen und warum darf man gerade Medikamente wie Betablocker nicht eigenmächtig absetzen? Auf diese und weitere Fragen geht Dr. Tobias Weigl im folgenden Videobeitrag ausführlich ein:

Wo kommt Bisoprolol zum Einsatz?

Vor allem werden Betablocker bei Herz- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt. Diese stehen nämlich oft im Zusammenhang mit Bluthochdruck (der sog. Arteriellen Hypertonie). Hoher Blutdruck ist ein sehr heimtückisches Krankheitsbild:  Oft äußert er sich gar nicht oder nur mit allgemeinen Beschwerden, bei denen man ihn nicht sofort als Ursache vermuten würde. Daher wird Bluthochdruck auch als „silent killer“, also „lautloser Mörder“ bezeichnet.

Bluthochdruck

Anzeichen für einen Bluthochdruck können sein:

  • Kopfschmerzen am Morgen (lassen sich durch eine erhöhte Kopflage verringern)
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Nasenbluten
  • Abgeschlagenheit
  • Schlaflosigkeit
  • Atemnot (sog. Dyspnoe) unter Belastung
  • Brustenge (sog. Angina pectoris)

Bluthochdruck zählt neben Tabakrauch, Diabetes mellitus und einem zu hohen Cholesterinspiegel (sog. Hypercholesterinämie) zu den vier großen gesundheitlichen Risikofaktoren in Industrieländern.

Vielleicht fragen Sie sich an dieser Stelle, ab wann man von Bluthochdruck betroffen ist. Hierzu gibt es eine Klassifikation der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie (ESH) und der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) aus dem Jahr 2018:

Systolischer Blutdruck [mm Hg] Diastolischer Blutdruck [mm Hg]Beurteilung
unter 120undunter 80optimal
120–129undunter 80normal
130–139oder80–89erhöht, aber normal
140–159oder90–99Grad-1-Hypertonie
160–179oder100–109Grad-2-Hypertonie
ab 180oderab 110Grad-3-Hypertonie

Bluthochdruck selbst ist nicht in jedem Fall ein Gesundheitsproblem: So steigt der Blutdruck beispielsweise automatisch an, wenn wir aufgeregt oder erregt sind, aber auch, wenn wir etwas besonders Salzhaltiges essen. Nach einiger Zeit sinkt er wieder. Problematisch wird es, wenn Bluthochdruck den Grundzustand darstellt.

Um festzustellen, ob dies der Fall ist, wird dem Patienten in der Regel ein mobiles Messgerät angelegt. Dieses misst für 24 Stunden in regelmäßigen Abständen automatisch den Blutdruck. In Kombination mit den ebenfalls gemessenen Puls-Werten ergibt sich ein aussagekräftiger Datensatz, der mit dem behandelnden Arzt besprochen wird. Nun kann der Arzt therapeutische Schritte mit dem Patienten einleiten.

Spezielle Anwendungsbereiche für Betablocker

Betablocker gelten nach neuestem Stand nicht mehr als Mittel erster Wahl bei unkompliziertem Bluthochdruck. Jedoch sollten sie bevorzugt werden bei

  • vorangegangenem Schlaganfall
  • vorangegangenem Herzinfarkt
  • Brustenge (sog. Angina Pectoris)
  • Herzinsuffizenz
  • Aortenaneurysma
  • der Vorbeugung von Vorhofflimmern
  • der Kontrolle der ventrikulären Frequenz bei Vorhofflimmern

Für weitere Informationen zu Bluthochdruck lesen Sie unseren Artikel:  Bluthochdruck (Hypertonie) – Symptome | Diagnose | Therapie

Gut zu wissen! Betablocker bei anderen Gesundheitsproblemen
Körperliche Angstsymptome wie Herzklopfen und Unruhe werden durch Betablocker deutlich vermindert. Vor allem nichtselektive Betablocker wie z. B. Propanolol werden daher auch bei Parkinson-Patienten eingesetzt, um das typische Zittern, den sogenannten Tremor, zu unterdrücken. Von Sportschützen wurde bzw. wird dieser tremorunterdrückende Effekt missbraucht, um ihre Leistung zu steigern. Daher stehen Betablocker auf der Doping-Liste.

Weitere Herz- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Typische Erkrankungen, die mit Bisoprolol behandelt werden, sind

    • Herzinsuffizienz: Pumpschwäche des Herzens. Das Organ ist dabei nicht mehr in der Lage, den Körper mit der benötigten Menge an sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Meist wird Bisoprolol hierfür mit einem ACE-Hemmer und einem Diuretikum kombiniert eingesetzt.
    • Herzfehler: Angeborene oder erworbene Strukturbesonderheit des Herzens, die zu Einschränkungen der Funktion des Herzens oder des Herz-Lungen-Systems führt.
    • Herzrhythmusstörungen: Oberbegriff für unregelmäßigen Herzschlag. Damit sind auch Symptome wie Kammerflimmern, Vorhofflimmern oder Herzstolpern beinhaltet.

  • Krankhafte Herzvergrößerung (sog. Kardiomegalie): Meist ist eine Kardiomegalie die Folge verschiedener anderer Erkrankungen. Sie erhöht zusätzlich die Pumplast des Herzens, die zu Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen führen kann.
  • Herzrasen (sog. Tachykardie): Das Herz schlägt dauerhaft schneller als 100 Schläge pro Minute.
  • Herzenge (sog. Angina pectoris): Plötzliche Schmerzen in der Brust in Kombination mit einem starken Engegefühl. Es wird durch die unzureichende Versorgung des Herzmuskels mit sauerstoffreichem Blut ausgelöst.
  • Koronare Herzkrankheit (KHK): Vor allem wird Bisoprolol hierbei zur Vorbeugung eingesetzt, und zwar bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben oder bei denen gleichzeitig Bluthochdruck besteht. Typische Symptome der KHK sind Brustschmerzen und Druck bzw. ein Engegefühl hinter dem Brustbein, die unter Belastung und Stress sowie spontan in Ruhe auftreten. Grund sind Engstellungen oder Verschlüsse der Herzkranzgefäße.
  • Herzinfarkt und Schlaganfall: Bisoprolol dient bei diesen Krankheiten zur Nachsorge-Behandlung

Weitere Anwendungsgebiete

Neben diesen Einsatzgebieten wird Bisoprolol eingesetzt in den folgenden Fällen:

  • Phäochromozytom: Hierbei handelt es sich um einen Tumor, der durch Erkrankung bestimmter Zellen des Nebennierenmarks entsteht. Der Tumor produziert vermehrt Noradrenalin und Adrenalin, die Bluthochdruck verursachen. Bisoprolol wird hier meist in Kombination mit Alphablockern eingesetzt, die ebenfalls die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin aufheben.
  • Migräneprophylaxe: Anfallsartige, stechende bis pulsierende Kopfschmerzen mit Begleitsymptomen wie Übelkeit und Licht- und Lärm-Empfindlichkeit zeichnen die Migräne aus. Eine Prophylaxe empfiehlt sich beispielsweise ab drei Migräneattacken pro Monat oder wenn die Akutmedikation nicht vertragen wird oder nicht effektiv ist .

Video-Exkurs: Migräne

Migräne zählt zu den häufigsten neurologischen Krankheiten. Ungefähr 12–14 Prozent aller Frauen sowie 6–8 Prozent aller Männer in Deutschland leiden darunter. Noch ist die genaue Ursache von Migräne nicht eindeutig geklärt. Verschiedenste Mythen ranken sich um dieses Krankheitsbild. Welche stimmen davon und welche nicht? Darauf geht Dr. Tobias Weigl im folgenden Videobeitrag genauer ein:

Vielleicht hatten auch Sie schon mit den aufgelisteten Krankheiten zu tun und waren auf die Einnahme von Bisoprolol angewiesen. Bei welchen davon haben Sie das Medikament einnehmen müssen? Mit Ihrer Teilnahme helfen Sie anderen Betroffenen, ihre Medikation besser einschätzen zu können.

Was sind Nebenwirkungen von Bisoprolol?

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung: Dieser allgemeine Satz über Medikamente trifft auch auf Bisoprolol zu. Gerade bei Beta-Blockern können die Nebenwirkungen sehr individuell ausfallen. Die schwerwiegendsten von ihnen betreffen die Herzfunktion. Daher sind die häufigsten Nebenwirkungen ein zu stark verlangsamter Herzschlag (sog. Bradykardie), Schwindel, übermäßiger Blutdruckabfall und Müdigkeit. Die nachfolgende Auflistung gibt einen Überblick über die nach Häufigkeit geordneten Nebenwirkungen des Arzneistoffes. Die Unterteilung erfolgt in sehr häufig (bei mehr als 1 von 10 Behandelten (>10 %)), häufig (bei 1 bis 10 Behandelten von 100), gelegentlich (bei 1 bis 10 Behandelten von 1.000), selten (1 bis 10 Behandelten von 10.000) und sehr selten (bei weniger als 1 Behandeltem von 10.000).

Sehr häufig: (bei mehr als 1 von 10 Behandelten (>10 %))

Häufig: (bei 1 bis 10 Behandelten von 100)

Gelegentlich: (bei 1 bis 10 Behandelten von 1.000)

  • Depressionen
  • Schlafstörungen
  • AV-Überleitungsstörungen (eine bestimmte Störung des Herzschlags)
  • Orthostatische Hypotonie (Schwarzsehen und Schwindel nach zu schnellem aufstehen durch Blutdruckabfall)
  • Bronchospasmus (Verkrampfung der Muskeln an den Atemwegen), wenn der Patient Asthma bronchiale oder eine obstruktive Atemwegserkrankung hat
  • Muskelschwäche und Muskelkrämpfe

Selten: (1 bis 10 Behandelten von 10.000)

  • Halluzinationen und Albträume
  • Kurze Ohnmachtsanfälle (sog. Synkope)
  • Verminderter Tränenfluss
  • Störungen des Hörsinns
  • Allergischer Schnupfen
  • Leberentzündung (sog. Hepatitis)
  • Juckreiz, Flush, Exanthem und andere Überempfindlichkeitsreaktionen
  • Potenzstörungen
  • Erhöhte Triglyzerid-Werte
  • Erhöhte Leber-Enzymwerte (ALT, AST)

Sehr selten: (bei weniger als 1 Behandeltem von 10.000)

Aus der Forschung

Eine Studie aus dem Jahr 2017 zeigt, dass Patienten von der Gabe von Bisoprolol bei akutem Herzinfarkt profitieren könnten. Kurz vor der Legung eines Katheters gegeben, begrenzt Bisoprolol das Absterben von Herzgewebe während der sogenannten Reperfusionsphase. Dabei handelt es sich um einen kritischen Zeitabschnitt, bei dem wieder Blut durch die verstopften Herzkranzgefäße fließt. Den angeschlagenen, aber noch lebensfähigen Herzmuskelzellen bringt dies oft den Tod.

Bisoprolol versetzt die Immunzellen des Herzgewebes dabei in eine Schockstarre. Damit können sie nicht an Blutplättchen binden. Diese können somit nicht durch die Herzkranzgefäße fließen. Die Überlebenschancen der infarktgeschädigten Muskelzellen steigen.

Die Studie wurde 2017 an Mäusen durchgeführt. Es muss untersucht werden, ob sich bei Menschen der gleiche Effekt erzielen lässt. Davon gehen die Forscher aber aus.

Quelle: García-Prieto, Jaime u. a. (2017): Neutrophil stunning by metoprolol reduces infarct size. In: Nature communications 8, Artikel 14780.

Bisoprolol auf einen Blick

Bisoprolol, Wirkstoffklasse: β1-Adrenorezeptorblocker (Beta-Blocker)
Wirkung:

  • Senkt den Blutdruck
  • Reduziert die Schlagkraft und Schlagfrequenz des Herzens
  • Mindert den Energie- und Sauerstoffverbrauch
  • Entlastet den Herzmuskel

Anwendungsgebiete:

Wichtigste Nebenwirkungen:

Empfohlene Dosis:

  • Sollte individuell mit dem Arzt abgesprochen werden
  • Nicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren anwenden
  • In der Schwangerschaft nur bei absoluter Notwendigkeit anwenden, nicht während der Stillzeit empfohlen
  • Zu Therapiebeginn niedrige Dosis, die dann gesteigert wird (einschleichende Dosierung)
  • Bei Therapiebeendigung ebenso langsames Absetzen der Dosis über Dosisverringerung („ausschleichen“) anstelle eines abrupten Aussetzens
  • Einmal täglich 1,25 – 10 mg, max. 20 mg, bei Patienten mit schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen jedoch max. 10 mg

Darreichungsform:

  • Tabletten zu 1,25 – 10 mg Wirkstärke

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen existieren für Bisoprolol?

Kontraindikationen

Bei Kontraindikationen handelt es sich um Umstände, die die Anwendung eines Medikaments oder einer Therapie verbieten. Bisoprolol sollte grundsätzlich nicht eingenommen werden, wenn Sie eine Überempfindlichkeit gegen den Arzneistoff oder andere Bestandteile des Medikaments besitzen. Daneben existieren diese Kontraindikationen:

  • Kardiogener Schock
  • Sinusknotensyndrom
  • AV-Block 2. oder 3. Grades
  • Sinutrialer Block
  • Symptomatischer niedriger Blutdruck (‚Hypotonie‘)
  • Unbehandeltes Phäochromozytom
  • Schwere symptomatische Lungenerkrankungen mit obstruktivem Charakter, z. B. Asthma bronchiale
  • Schwere periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) oder Raynaud-Syndrom
  • Akute oder dekompensierte Herzinsuffizienz, bei der eine intravenöse ionotrope Therapie erforderlich ist
  • Stoffwechselbedingte Übersäuerung des Blutes und Körpers (sog. metabolische Azidose)
  • Schwangerschaft: Nur bei absoluter Notwendigkeit
  • Stillzeit
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Wechselwirkungen

Verschiedene Wirkstoffklassen sollten nicht mit Bisoprolol zusammen angewandt werden. Dazu zählen:

  • Zentral wirksame Antihypertensiva, z. B. Alpha-Methyldopa und Moxonidin
  • Klasse-1-Antiarrhythmika, z. B. Ajmalin, Flecainid und Propafenon
  • Calciumantagonisten des Typs Verapamil sowie vom Diltiazem-Typ
  • Monoaminooxidase-Hemmer (sog. MAO-Hemmer): Gefahr hypertensiver Krisen
  • Rifampicin: verringert die Wirkdauer von Bisoprolol geringfügig. In der Regel keine Dosisanpassung notwendig
  • Ergotamine: Verschlechterung peripherer Durchblutungsstörungen

Daneben sollte die Kombination aus Bisoprolol und folgenden Wirkstoffen mit Vorsicht erfolgen (dabei handelt es sich v. a. um Wirkstoffe mit ebenfalls blutdrucksenkender Wirkung):

  • Klasse-3-Antiarrhythmika
  • Calciumantagonisten, z. B. Dihydropyridin-Derivate
  • Sympathomimetika, die Alpha-/Beta-Rezeptoren stimulieren
  • Digitalisglykoside
  • Topische Betablocker
  • Parasympathomimetika
  • Insulin und orale Antidiabetika
  • Narkosemittel
  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
  • Moxisylyt
  • Beta-Sympathomimetika

Achtung: Was sollte ich wissen?

Bisoprolol senkt den Blutdruck und den Puls. Es greift somit in die wichtigsten physiologischen Abläufe ein. Deshalb muss mit diesem Medikament aufmerksam und bewusst umgegangen werden. Beachten Sie in jedem Fall die oben aufgelisteten Kontraindikationen und Wechselwirkungen.

Hervorzuheben ist, dass Bisoprolol bei Therapiebeginn eingeschlichen wird: Es wird nicht direkt mit der Dosis angefangen, die für einen therapeutischen Nutzen sorgt, sondern mit einer niedrigen Dosis, um den Körper an den Wirkstoff zu gewöhnen. Bei Bisoprolol könnte dies z. B.  so aussehen: 1,25 mg täglich in der ersten Woche, in der nächsten Woche 2,5 mg, dann 3,75 mg am Tag. Daraufhin 5 mg täglich für vier Wochen, die nächsten vier Wochen eine Tagesdosis von 7,5 mg und schließlich 10 mg täglich.

Genau so verfährt man auch mit dem Absetzen bei Therapieende: über langsame Dosisverringerung. Dies ist wichtig, weil es anderweitig zum Rebound-Effekt kommen kann: Der Körper hat sich an die blutdrucksenkende und pulssenkende Wirkung des Bisoprolol gewöhnt. Setzt man das Medikament abrupt ab, kommt es zu einer Überschussreaktion im Körper. Blutdruck und Herzfrequenz steigen dann schlagartig an – das ist stark gesundheitsgefährdend!

Setzen Sie also das Medikament Bisoprolol NIE eigenmächtig ab!

Falls Sie die Einnahme einmal vergessen haben, verwenden sie zum nächsten Einnahmezeitpunkt NICHT die doppelte Dosis, sondern fahren Sie normal mit der Einnahme fort.

Außerdem sollten sie bei Schwangerschaft beachten, dass Bisoprolol zu einer unzureichenden Durchblutung der Plazenta führt. Dies kann zu Wachstumsverzögerungen, dem Tod des Fetus oder zu einer Fehlgeburt führen. Forschungen darüber, ob Bisoprolol über die Muttermilch an den Säugling weitergegeben werden kann, liegen nicht vor. Deshalb ist auch hier von einer Einnahme des Wirkstoffs abzuraten.

Bei Diabetikern ist besondere Vorsicht geboten: Bisoprolol verzögert den Wiederanstieg des Blutzuckerspiegels nach Gabe von Insulin oder oralen Antidiabetika. Somit riskieren Diabetiker die Folgen einer verlängerten Unterzuckerung. Weil Betablocker jedoch die sympathischen Impulse unterdrücken, kommt es nicht zu den typischen Warnsymptomen für Unterzuckerung wie Herzklopfen und Unruhe.

Häufige Patientenfragen

Ist Bisoprolol ein verschreibungspflichtiges Medikament?

Dr. T. Weigl:
Ja, unabhängig von der Wirkstärke ist Bisoprolol ein verschreibungspflichtiges Medikament. Der Arzt muss hierfür ein Rezept ausstellen.

Ich habe versehentlich zwei Tabletten Bisoprolol eingenommen statt einer, was muss ich tun?

Dr. T. Weigl:
Suchen Sie unverzüglich einen Arzt oder die nächstgelegene Notfallambulanz auf. Es kann bei einer Überdosierung zu Übelkeit und Schwindel und – je nach Höhe der Überdosierung – zu Bewusstlosigkeit kommen.

Darf ich die Dosis von Bisoprolol selbst erhöhen?

Dr. T. Weigl:
Davon ist abzuraten, da Sie ansonsten schwere Nebenwirkungen wie Bewusstlosigkeit riskieren. Gerade zu Beginn der Therapie wird Bisoprolol in niedrigen Dosen verordnet, die dann langsam gesteigert werden – jedoch immer nach Verordnung des Arztes. Wenn Sie das Gefühl haben, nicht den gewünschten Effekt durch Bisoprolol zu erzielen, sprechen Sie mit ihrem Arzt.

Martin bespricht seine Symptome mit seiner Hausärztin. Nach verschiedenen Tests stellt sich heraus, dass Martin unter Herzinsuffizienz leidet. Als Therapie verordnet die Ärztin ihm Medikamente. Martin gefällt es anfangs nicht, drei Medikamente auf einmal zu nehmen, nämlich Bisoprolol, einen ACE-Hemmer und ein Diuretikum. Aber bald schon kann er die Treppen wieder leichter hochgehen und gerät weniger schnell außer Puste.

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Haben auch Sie Erfahrungen mit Bisoprolol? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Christopher Keck
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht am: 13.04.2019, zuletzt aktualisiert: 20.05.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

[Gesamt:6    Durchschnitt: 5/5]
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  • Dieter Bölter
    28.05.2019 18:06

    Bei Einnahme von 5mg morgens Ruhepuls 50 Bd 135/80
    Wie hoch kann ich den Puls durch Sport bringen? Männlich, 77 Jahre

    • Dr. Tobias Weigl
      28.05.2019 18:34

      Hallo, man kann das nicht pauschal beantworten weil das individuell verschieden ist. Man sagt aber so als groben (!) Anhaltswert: 220 minus das Alter und dann +/- 10 Prozent.
      Das ist der Maximalpuls.
      Letztlich kann man es nur durch Belastung (zB Belastungs-EKG) herausbekommen.
      Viele Grüße
      Dr. T. Weigl

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