Sign up with your email address to be the first to know about new products, VIP offers, blog features & more.

Valsartan – nebenwirkungsarmer Wirkstoff gegen Bluthochdruck und Herzinsuffizienz

„Valsartan ist einer der Wirkstoffe, die am häufigsten gegen Bluthochdruck verwendet werden. Ebenso kommt er aber auch bei Herzinsuffizienzen und nach Herzinfarkten zum Einsatz.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Hauptsächlich werden Arzneistoffe mit dem Wirkstoff Valsartan gegen Bluthochdruck eingesetzt und können auch mit bestimmten anderen blutdrucksenkenden Stoffen kombiniert werden. Andere Erkrankungen, die mit Valsartan behandelt werden können, sind Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und kürzlich aufgetretene Herzinfarkte. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Wirkweise von Valsartan und seine Anwendungsgebiete. Außerdem klären wir Sie über Neben- und Wechselwirkungen auf und darüber, wann Valsartan nicht eingenommen werden sollte.

Dieter fühlt sich schlapp und müde. Seit einiger Zeit schon kann er nicht mehr gut schlafen, fühlt aber auch sonst matt. „Ich weiß gar nicht, was los ist … Das war doch sonst nicht so. Ich esse gesund und mache Sport … hmpf“, schimpft er innerlich. Dazu kommt seit ein paar Tagen ein leichtes Ziehen in der Herzgegend. Das ängstigt und verunsichert Dieter so sehr, dass er schließlich über seinen eigenen Schatten springt und seine Hausärztin aufsucht. Schon bei der ersten Routineuntersuchung scheint eine mögliche Ursache gefunden zu sein: Dieters Blutdruck ist deutlich zu hoch.

Was ist Valsartan?

Valsartan ist ein Arzneimittel, das vor allem bei der Behandlung von Bluthochdruck (der sog. ‚Hypertonie’) eingesetzt wird. Neben ACE-Hemmern wie Ramipril oder Beta-Blockern wie Metoprolol ist Valsartan einer der Wirkstoffe, die am häufigsten dagegen verschrieben werden. Valsartan ist auch auch als Kombinationspräparat mit Amlodipin und/oder Hydrochlorothiazid verfügbar. Diese können einen höheren blutdrucksenkenden Effekt erreichen. Medikamente mit Valsartan sind rezeptpflichtig und können nur unter Vorlage des Rezepts in Apotheken gekauft werden.

Gut zu wissen! – So oft geht Valsartan über den Apothekentisch

Dass Valsartan ein wichtiger und häufig verschriebener Wirkstoff ist, zeigen folgende Zahlen: Laut Bundesministerium für Gesundheit sind allein im Jahr 2017 in Deutschland rund 9 Millionen Packungen mit Arzneimitteln verordnet worden, die Valsartan beinhalteten.

Chemische Strukturformel von Valsartan

Welche Wirkung hat Valsartan?

Valsartan zählt damit zu den Antihypertensiva (‚Blutdrucksenkern‘) und gehört zur Gruppe der Sartane. Diese gehören zu den sogenannten AT1-Rezeptorantagonisten. Sie werden auch Angiotensin-II-Antagonisten genannt.

Aber was ist Angiotensin II überhaupt? Es handelt sich dabei um ein Hormon, das eine wichtige Rolle im sogenannten Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (kurz RAAS) spielt. Das RAAS reguliert den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt unseres Körpers. Damit übt es einen großen Einfluss auf den Blutdruck aus. Angiotensin II entsteht, wenn Angiotensin I durch das angiotensin converting enzyme (also ‚Angiotensin-Umwandlungs-Enzym‘, kurz: ACE) umgewandelt wird.

Durch regelmäßiges Blutdruckmessen wird die Wirkung der medikamentösen Therapie durch Valsartan oder andere Medikamente (z.B. Candesartan, Furosemid, Lisinopril, Enalapril, Ramipril) geprüft und die Therapie ggfs. angepasst.

So wirkt das Hormon Angiotensin

Das Hormon Angiotensin hat eine starke vasokonstriktorische Wirkung. Das bedeutet, dass Angiotensin-II die Blutgefäße verengt. Der Blutdruck steigt dadurch an und die Organe werden besser durchblutet. Andere Wirkungen von Angiotensin II, die selbst blutdruckerhöhend wirken, sind:

  • Freisetzung von Aldosteron und Vasopressin
  • Filtrationsprozess in den Nierenkörperchen (glomeruläre Filtration)
  • Anregung des Zellwachstums
  • Beeinflussung der Herzkontraktilität (des Zusammenziehens des Herzens)

Damit Angiotensin aber überhaupt seine Arbeit aufnehmen kann, sind sogenannte AT1-Rezeptoren vonnöten. Diese lassen sich im Gefäßsystem, dem Herzen, der Leber, der Nieren oder dem Gehirn finden. Sie vermitteln die Wirkung von Angiotensin II im Körper. Genau bei diesen Rezeptoren entfalten die Sartane wie Valsartan oder Candesartan ihre Wirkung: Sie blockieren teilweise den AT1-Rezeptor, wodurch Angiotensin II dort nicht mehr binden kann. Auf diese Weise kann das Hormon nicht mehr seine Wirkweise entfalten. Das bewirkt, dass der Blutdruck sinkt.

Videoexkurs: Was sind Beta-Blocker?

Beta-Blocker sind eine Wirkstoffgruppe, die ebenfalls häufig bei der Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt wird. Was genau sind aber Beta-Blocker und wie wirken sie? All das erfahren Sie im folgenden Video von Dr. Tobias Weigl.

Was sind die Anwendungsgebiete von Valsartan?

Valsartan wird hauptsächlich gegen Bluthochdruck eingesetzt. Zusätzlich kann der Wirkstoff bei der Behandlung einer leichten bis mittelschweren Herzinsuffizienz/Herzschwäche verwendet werden.  Das ist dann der Fall, wenn Unverträglichkeiten gegenüber ACE-Hemmern bestehen oder man diese aufgrund typischer Nebenwirkungen – besonders trockenem Reizhusten – nicht einsetzen will. Außerdem wird Valsartan nach einem erst vor kurzem aufgetretenen Herzinfarkt (12 Stunden bis 10 Tage) gegeben.

Videoexkurs: Bluthochdruck

Valsartan wird vor allem zur Behandlung von Bluthochdruck verwendet. Was genau ist aber Bluthochdruck? Im folgenden Video klärt Dr. Tobias Weigl auf, wie es zur sogenannten Hypertonie kommt und wie sie diagnostiziert und behandelt wird.

 

Valsartan hilft nicht nur gegen Bluthochdruck. Haben Sie diesen Wirkstoff bereits einmal von Ihrem Arzt verschrieben bekommen? Welche Erkrankung sollte mit Valsartan behandelt werden? (Mehrfachnennungen möglich)

Was sind die Nebenwirkungen von Valsartan?

Die meisten Arzneimittel verursachen Nebenwirkungen. Diese müssen für die Patienten im Beipackzettel oder Packungsbeilage des jeweiligen Medikaments verzeichnet sein. Dabei gilt, dass Nebenwirkungen auftreten können, aber nicht müssen. Nebenwirkungen werden nach ihrer Häufigkeit und ihrem Schweregrad eingeteilt.

Bei folgenden Nebenwirkungen sollten Sie sofort die Behandlung abbrechen und rasch Ihren Arzt kontaktieren oder ins nächstgelegene Krankenhaus gehen:

  • Angioödem mit Symptomen wie bspw. Schwellungen der Lippen, der Zunge, des Gesichts und des Rachens
  • Schwierigkeiten beim Schlucken oder Atmen
  • Atemnot
  • Juckreiz
  • Nesselsucht
  • geschwollene Füße oder Beine
  • Schwierigkeiten, im Liegen zu atmen

Die folgende Aufzählung nennt Ihnen nun die nach ihrer Häufigkeit eingeteilten Nebenwirkungen.

Die Angabe „häufig“ bedeutet, dass bei 100 Behandelten etwa 1 bis 10 diese Nebenwirkungen erfahren (≥1/100 bis <1/10).
Häufige Nebenwirkungen sind:

  • Schwindel
  • niedriger Blutdruck, eventuell mit Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen
  • Atemwegsinfektionen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • eingeschränkte Nierenfunktion (deutet auf eine Nierenfunktionseinschränkung hin)

Gelegentlich“ heißt, dass die Nebenwirkungen bei 1 bis 10 von 1000 Behandelten auftreten. (≥ 1/1.000 bis < 1/100). Als gelegentliche Nebenwirkungen werden eingestuft:

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit sind u. a.:

  • Muskelschmerzen
  • Vaskulitis (Entzündung der Blutgefäße)
  • Hautausschlag
  • Abfall des Hämoglobinspiegels
  • erhöhte Serumkreatininwerte (können auf Nierenfunktionsstörungen hinweisen)
  • erhöhte Kaliumwerte (kann in schlimmeren Fällen Herzrhythmusstörungen verursachen)
  • ungewöhnliche Blutungen oder Blutergüsse – deutet auf eine Thrombozytopenie hin (zu wenig Blutplättchen im Blut vorhanden)
  • Juckreiz
  • erhöhte Leberfunktionswerte (kann ein Hinweis auf Leberschädigungen sein)
  • erniedrigte Natriumwerte (verursacht in schweren Fällen Müdigkeit, Verwirrtheit, Muskelzucken oder auch Krämpfe)
  • Angioödem
  • Nesselsucht

Bei Kindern und Jugendlichen wurden ähnliche Nebenwirkungen wie bei Erwachsenen beobachtet.

Videoexkurs: Die Arzneimittel mit den häufigsten Nebenwirkungen

Arzneimittelwirkungen gehen oftmals mit Nebenwirkungen einher. Aber welche Arzneimittel verursachen am meisten Probleme? Und welche Nebenwirkungen treten am häufigsten auf? Mehr dazu erfahren Sie im folgenden Videobeitrag von Dr. Tobias Weigl.

Valsartan auf einen Blick

Valsartan aus der Wirkstoffgruppe der Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten

Wirkung

  • senkt den Blutdruck (wirkt ‚antihypertensiv‘)

Anwendungsgebiete

  • Bluthochdruck
  • Herzinsuffizienz
  • nach einem kürzlich aufgetretenen Herzinfarkt (12 Stunden bis 10 Tage)

Wichtigste Nebenwirkungen

Empfohlene Dosis

  • bei Bluthochdruck liegt die empfohlene Dosis zunächst bei 80 mg pro Tag
  • je nach Schweregrad und Einschätzung des Arztes wird die Dosis langsam auf bis zu 160–320 mg liegen
  • bei Kindern unter 35 kg liegt die empfohlene Dosis bei 40 mg, bei Patienten mit höherem Gewicht bei 80 mg, die bis max. 320 mg erhöht werden kann
  • bei einem kürzlich aufgetretenen Herzinfarkt ist die Dosierung anders: Normalerweise wird mit 2 x 20 mg pro Tag begonnen und dann schrittweise gesteigert bis max. 2 x 160 mg pro Tag.
  • bei einer Herzinsuffizienz wird mit 2 x 40 mg täglich begonnen, die Dosis wird langsam bis zum Maximum von 2 x 160 mg täglich gesteigert
  • die jeweilige Dosierung hängt auch davon ab, welche Dosis der Patient verträgt

Darreichungsform

  • Tablette

Kontraindikationen und Wechselwirkungen bei Valsartan

Was sind Kontraindikationen und welche gibt es?

Mit dem Begriff der Kontraindikation bezeichnet man in der Medizin ein Kriterium oder auch Umstand, bei der eine Behandlungsweise nicht eingesetzt werden darf. Das kann sowohl eine therapeutische Maßnahme sein als auch die Gabe eines Medikaments.

Zu den Kontraindikationen von Valsartan zählen:

Ähnlich wie bei Candesartan gibt es keine hinreichenden Erkenntnisse darüber, wie sich die Einnahme von Valsartan während der Stillzeit auswirkt. Entsprechend sollten stillende Mütter kein Valsartan einnehmen. Ebenfalls nicht empfohlen wird die Behandlung mit Valsartan während des ersten Schwangerschaftstrimesters. Im zweiten und dritten Trimester darf es nicht eingenommen werden. Da Valsartan dem Fötus schaden kann, ist es unabdingbar, Ihren Arzt über eine geplante oder laufende Schwangerschaft zu informieren. Dann kann eine alternative Behandlung erwogen werden, die dem ungeborenen Kind nicht schadet.

Gut zu wissen! – Nebenwirkungen melden

Wussten Sie, dass Sie selbst auch Nebenwirkungen, die bei Ihnen aufgetreten sind, melden können? So tragen Sie dazu bei, Arzneimittelrisiken zügig zu identifizieren und helfen damit langfristig auch anderen Patienten. Wenn Sie auf den folgenden Link klicken, gelangen Sie zu einer Online-Plattform des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), wo Sie die Nebenwirkung(en) melden können: Unerwünschte Arzneimittelwirkungen melden.

Was sind Wechselwirkungen und welche treten auf?

Wechselwirkungen beschreiben in der Medizin eine gegenseitige Beeinflussung von Medikamenten, wenn diese im selben Zeitraum eingenommen werden. Ebenfalls möglich sind Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Lebensmitteln.

Folgende Wechselwirkungen spielen bei Valsartan eine größere Rolle:

  • Werden kaliumsparende Medikamente wie Diuretika, kaliumhaltige Salzersatzmittel, Kaliumpräparte oder allgemein kaliumspiegelerhöhende Substanzen zusammen mit Valsartan eingenommen, kann sich der Kaliumspiegel (deutlich) erhöhen. In schwerwiegenderen Fällen kann dies Herzrhythmusstörungen verursachen.
  • Eine gleichzeitige Gabe von Valsartan kombiniert mit Medikamenten gegen Schmerzen und Entzündungen kann die blutdrucksenkende Wirkung mindern. Betroffen sind also etwa NSAR wie Ibuprofen oder auch COX-2-Hemmern wie Etoricoxib). Zudem steigt das Risiko, dass sich die Nierenfunktion verschlechtert. Außerdem kann sich auch hierbei der Kaliumspiegel erhöhen.
  • Nicht empfohlen wird zudem die gleichzeitige Einnahme von Lithium, das zu den Neuroleptika und Antidepressiva gezählt wird. In Verbindung mit Valsartan kann es zu einer erhöhten Serum-Lithium-Konzentration und damit verbunden zu einer erhöhten Toxizität (Giftigkeit) im Blut kommen.

Ebenso wenig empfohlen wird die gleichzeitige Verwendung von Valsartan und anderen AT-II-Rezeptor-Antagonisten, Aliskiren oder ACE-Hemmern. In diesem Fall spricht man von einer dualen Blockade des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS). Eine solche duale Blocke erhöht nach derzeitigem Stand das Risiko der folgenden drei Erkrankungen: einer verminderten Nierenfunktion bis hin zum akuten Nierenversagen, einer Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss) und eines niedrigen Blutdrucks (sog. ‚Hypotonie’).

Was muss ich bei der Einnahme von Valsartan beachten?

Bei der Einnahme von Valsartan gibt es einige Regeln, die Patienten einhalten sollten, um die bestmöglichste Wirkung des Medikaments erzielen zu können. Daher gilt Folgendes:

  • Valsartan kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden, sie müssen also nicht zwingend vorher etwas gegessen haben.
  • Wichtig ist dagegen, dass Sie Valsartan mit einem Glas Wasser
  • Empfehlenswert ist es, Valsartan stets ungefähr zur gleichen Tageszeit So vermeiden Sie, die Einnahme des Medikaments zu vergessen.
  • Wenn Sie die Einnahme dennoch einmal vergessen haben und dies erst später bemerken, nehmen Sie die Tablette ganz normal zu sich. Falls Sie dies erst bemerken, wenn es bereits an der Zeit ist, die nächste Tablette zu nehmen, lassen Sie die vergessene Dosis einfach aus. Nehmen Sie also nicht die doppelte Dosis.
  • Eigenmächtige Erhöhungen der Dosierung sollten Sie unter keinen Umständen Folgen Sie diesbezüglich den ärztlichen Anweisungen.
  • Gleiches gilt für das eigenmächtige Abbrechen der Behandlung: Sprechen Sie auch dies mit Ihrem behandelnden Arzt ab.
  • Haben Sie aus Versehen mehr Valsartan eingenommen, als Sie sollten, sollten Sie rasch Kontakt aufnehmen mit Ihrem Arzt oder Ihrem Apotheker.
  • Während der Schwangerschaft oder Stillzeit sollten Sie Valsartan nicht einnehmen.

Achtung!

Es kann bei der ersten Einnahme von blutdrucksenkenden Arzneistoffen wie Valsartan dazu kommen, dass man sich schlapp und müde fühlt. Es kann ggf. einige Tage dauern, bevor sich Ihr Kreislauf auf die Blutdrucksenkung eingestellt hat. Das bedeutet nicht, dass Sie Valsartan nicht vertragen, sondern, dass sich Ihr Körper anpasst. Sie sollten die Einnahme von Valsartan daher nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt beenden.

Häufige Patientenfragen

Welche anderen Medikamentengruppen gegen Bluthochdruck gibt es noch?

Dr. T. Weigl:
In Bezug auf Blutdruck spricht man von den „Big 5 der Blutdrucksenker“. Hierzu zählen neben den AT1-Rezeptor-Antagonisten auch:

Mehr Informationen zu den Medikamenten gegen Bluthochdruck in diesem Video

Fast jeder zweite Deutsche unter 65 Jahren stirbt an den Spätfolgen von Bluthochdruck. Dabei zeigen nur rund 40 % der Betroffenen überhaupt Symptome dieser Erkrankung. Umso wichtiger ist eine frühzeitige Erkennung der Hypertonie. Wichtig für Betroffene ist daher zu wissen, welche Medikamente überhaupt gegen Bluthochdruck helfen und wie wirken. Dies und mehr erläutert Dr. Tobias Weigl im folgenden Video.

Wieso wurde 2018 Valsartan vom Hersteller zurückgerufen?

Dr. T. Weigl:
Möglicherweise haben Sie durch verschiedene Medien erfahren, dass es im Sommer 2018 zu einer Rückrufaktion von Arzneimitteln mit Valsartan gekommen ist. Grund für diesen Rückruf waren Verunreinigungen von Valsartan beim chinesischen Zulieferer Zhejiang Huahai Pharmaceutical mit den Stoffen N-Nitrosodimethylamin (NDMA) und N-Nitrosodiethylamin (NDEA). Dass dieser Stoff ins Valsartan gekommen ist, hängt wahrscheinlich mit einer Umstellung des Herstellungsverfahrens beim Zulieferer zusammen.

NDMA gilt als sehr schädlich. Die International Agency for Research on Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft es als „potenziell krebserregend“ ein. Diese Verunreinigungen sind beim Hersteller selbst aufgefallen, sodass dieser von der Verunreinigung betroffenen Chargen zurückgerufen hat. Kurze Zeit danach wurde dem Hersteller auch die Herstellungserlaubnis (das sog. „Certificate of suitability“, kurz CEP) durch das Europäische Direktorat für Arzneimittelqualität (EDQM) in Straßburg vorsorglich entzogen.

Nach Bekanntwerden dieser Verunreinigungen erfolgte – und erfolgt z. T. immer noch – eine Überprüfung aller valsartanhaltiger Arzneistoffe, bei denen durch ihre chemische Struktur und durch ihren Herstellungsprozess die gleichen oder zumindest ähnliche Verunreinigungen auftreten können. Verantwortlich für diese Überprüfung sind die amtlichen Untersuchungsstellen der Landesbehörden und der europäischen Mitgliedsstaaten sowie die Pharmazieunternehmen selbst.

Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) liegen die bisherigen Befunde aber in einem sehr niedrigen Bereich, der deutlich unter den gemessenen Werten des Valsartans von Zhejiang Huahai Pharmaceutical liegt. In den meisten Fällen liegen diese Befunde innerhalb des zu tolerierenden Bereichs (Stand Ende November 2018). Einige Hersteller haben entsprechende Chargen vorsichtshalber dennoch zurückgerufen. Einen Überblick über die bisherigen Chargen-Rückrufe von valsartanhaltigen Arzneimitteln erhalten Sie von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände (ABDA), die laufend aktualisiert wird.

Darf ich Valsartan trotz der Rückrufaktion noch einnehmen?

Dr. T. Weigl:
Nach bisheriger Einschätzung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) sei das Krebsrisiko durch diese verunreinigten Valsartan-Medikamente gering. Allerdings fehlen natürlich noch langfristig angesetzte Studien. Ohne Weiteres sollten Sie ihre Behandlung mit Valsartan jedoch nicht abbrechen. Kontaktieren Sie unbedingt vorher ihren Arzt, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Zum einen kann geprüft werden, ob ihr Arzneimittel überhaupt von den Verunreinigungen betroffen ist. Zum anderen kann man dann ggf. auf einen anderen Wirkstoff ausweichen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass Valsartan nicht grundsätzlich verunreinigt ist. Die Hersteller weichen etwa auf andere Wirkstoffzulieferer aus, deren Valsartan keine Verunreinigungen aufweist.

Dieters Hausärztin beruhigt ihn zunächst und klärt ihn über die möglichen schwerwiegenden Folgen von Bluthochdruck auf. Nach mehreren weiteren Untersuchungen – Blut, Urin und einer Langzeitmessung – scheint sich der Verdacht der Ärztin zu bestätigen. Um langfristige Schäden zu vermeiden, verschreibt Sie ihm ein blutdrucksenkendes Mittel mit dem Wirkstoff Valsartan. „Valsartan ist ein Wirkstoff, der relativ wenige Nebenwirkungen hat. Ich hoffe, sie kommen damit gut klar. Ansonsten müssen wir vielleicht auf einen anderen Wirkstoff umsteigen …“, verabschiedet ihn seine Ärztin. In der Tat: Die ersten Tage war Dieter noch etwas komisch. Danach aber klappt die Behandlung super. Seine Blutdruckwerte sind wieder so ziemlich im normalen Bereich und er fühlt sich fit.

Verwandte Themen

Nehmen Sie oder eines Ihrer Familienangehörigen Valsartan ein? Warum nehmen Sie die Tabletten ein? Leiden Sie unter Nebenwirkungen? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Tobias Weigl und Sebastian Mittelberg
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht am: 25.02.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

[Gesamt:5    Durchschnitt: 5/5]

Noch keine Kommentare.

Was denkst Du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.