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Dipidolor – Opioid zur Schmerzsenkung – Wirkung, Nebenwirkungen und Anwendung

Opioide sind das Mittel der Wahl bei starken bis sehr starken Schmerzen. Dipidolor ist ein solches und wird in Deutschland oft bei postoperativ auftretenden Schmerzen gegeben.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Starke Schmerzen nach einer OP – das ist mehr als nur eine unangenehme Vorstellung: Unbehandelt verzögern sie den gesamten Erholungsprozess und verlängern die Rehabilitationsdauer des Patienten. Sie können sogar die Wahrscheinlichkeit für weitere Komplikationen erhöhen. Deshalb ist eine schnelle und erfolgreiche Schmerztherapie nach einem chirurgischen Eingriff sehr wichtig. Dipidolor mit seinem Wirkstoff Piritramid ist ein Opioid, das hier Anwendung findet und den Schmerz rasch lindert. Wie der Arzneistoff wirkt, welche Nebenwirkungen auftreten können und was es bei diesem Betäubungsmittel sonst noch zu beachten gibt, erfahren Sie in diesem Artikel.

„Der Pudding hier schmeckt einfach nicht…“, grummelt Ulrich vor sich hin, während er in seinem Krankenhausbett liegt. Er hat vor einigen Stunden eine Wirbelsäulen-OP gehabt und nimmt nun wieder die erste Mahlzeit zu sich. „Na, deine Geschmacksnerven sind schon einmal heil geblieben bei der Operation, das ist doch was.“, scherzt seine Frau Beatrice, die neben ihm auf einem Stuhl sitzt. „Ach, eigentlich ist mir das Essen auch gerade egal, ich habe seit ein paar Minuten Schmerzen im Rücken, die…“ – er stöhnt kurz vor Schmerzen auf „…einfach immer stärker werden.“. Beatrice ist besorgt. „Dann sag ich mal der Krankenschwester Bescheid, sie kann dir bestimmt ein Schmerzmittel geben.“

Was ist Dipidolor?

Dipidolor ist ein Medikament zur Schmerzbehandlung, ein sogenanntes Analgetikum. Der für die Wirkung zuständige Arzneistoff ist Piritramid, ein Opioid. Opioide sind Substanzen, die natürlich vorkommen, halbsynthetisch oder synthetisch hergestellt werden und die gleichen Wirkeigenschaften wie Morphin haben. Piritramid wurde 1960 erstmals vom belgischen Chemiker Paul Janssen synthetisiert und wird hauptsächlich in Europa eingesetzt, während es in den USA und Kanada beispielsweise kaum bekannt ist. Es ist in Deutschland das am häufigsten eingesetzte Schmerzmittel zur Behandlung postoperativer Schmerzen, also Schmerzen nach einem chirurgischen Eingriff.

Gut zu wissen: Woher kommt Morphin?
Morphin ist ein sogenanntes Alkaloid, das aus Opium gewonnen wird. Opium wiederum ist eine Bezeichnung für den getrockneten Milchsaft des Schlafmohns Papaver somniforum. Morphin ist das stärkste natürlich vorkommende Analgetikum, das derzeit bekannt ist. Seine Isolierung aus Schlafmohn gelang erstmals im Jahr 1806.

Welche Wirkung hat Dipidolor im Körper?

Als Opioid greift Dipidolor bzw. sein Wirkstoff Piritramid an den Opioidrezeptoren des Körpers an und führt dort zu einer schmerzlindernden (sog. ‚analgetischen‘) Wirkung. Diese Opioidrezeptoren befinden sich im Zentralnervensystem, aber auch im peripheren Nervensystem, in vielen Organen und Geweben. Bindet Piritramid an einen solchen Rezeptor, wird eine Signalkaskade in den anliegenden Nervenzellen in Gang gesetzt, welche die Weiterleitung des Schmerzsignals von einer Nervenzelle über einen Spalt zur anliegenden Nervenzelle hemmt. Dies geschieht zum einen präsynaptisch durch Hemmung von Calciumkanälen, die an der Transmitterfreisetzung (z. B. von Glutamat) für Schmerzsignale beteiligt sind. Zum anderen werden postsynaptisch Kaliumkanäle aktiviert, die eine Hyperpolarisation in der Folge-Nervenzelle auslöst und so die Signalweitergabe des Schmerzes hemmt.
Die Wirkung von Dipidolor und anderen Opioiden kann man bildlich mit einem Radioempfang zu Hause vergleichen: Die Radiowellen stellen hierbei das Schmerzsignal dar, das unter normalen Umständen vom Radiosender (Nervenzelle A) zum Empfängergerät (Nervenzelle B) weitergeleitet wird. Wird Dipidolor eingesetzt, erscheint jedoch ein Gewitter über dem Radiosender und das Empfängergerät wird in den Keller gestellt. Beides erschwert einen guten Empfang, dementsprechend eine Weiterleitung des Schmerzsignals.
Wirkungen und Nebenwirkungen aller Opioide sind untereinander ähnlich, weshalb die nachfolgende Auflistung auch repräsentativ für andere Opioide steht. Unterschiede existieren in der Schnelligkeit ihres Wirkeintritts, in ihrer Wirkstärke und ihrer Wirkdauer. Weil sich Opioidrezeptoren in vielen verschiedenen Organen und Geweben des Körpers befinden, sind die Wirkungen vielfältig. Sie lassen sich grundsätzlich in eine zentralnervöse und eine periphere Wirkung unterteilen.

Zentrale Wirkungen

  • Analgesie: Dipidolor unterdrückt Schmerzsignale (sog. ‚nozizeptive Impulse‘). Es verändert außerdem im limbischen System des Gehirns, das Emotionen und Triebe verarbeitet, das Schmerzerlebnis. Deshalb werden die Schmerzen nicht mehr als unangenehm oder bedrohlich empfunden. Dies ist die primäre, erwünschte Wirkung beim Einsatz von Dipidolor.
  • Anxiolyse: Dipidolor besitzt eine angstbefreiende Wirkung.
  • Sedierung: Zwar senkt Dipidolor Aufmerksamkeit und Konzentrationsvermögen und der Patient wird ruhiggestellt, es treten jedoch keine Gedächtnislücken auf.
  • Euphorie bzw. Dysphorie: Je nach Stimmung des Patienten wirkt Dipidolor stimmungsaufhellend oder stimmungsdrückend.
  • Atemdepression: Dipidolor hemmt das Atemzentrum des Körpers und lässt so die Atmung abflachen.
  • Versteifung der Skelettmuskulatur
  • Antitussive Wirkung: Dipidolor blockiert das Hustenzentrum, der Hustenreiz wird unterdrückt.
  • Miosis: Dipidolor verengt die Pupillen.
  • Antidiuretische Wirkung: Dipidolor erhöht die Freisetzung von antidiuretisch wirksamem Hormon, z. B. Aldosteron. Die Folge ist eine verminderte Urinausscheidung.

Periphere Wirkung

Achtung!
Neben den genannten Wirkungen besteht bei Opioiden wie Dipidolor eine Gefahr für Gewöhnung und psychischer sowie physischer Abhängigkeit.

Was sind die Anwendungsgebiete von Dipidolor?

Als stark wirksames Opioid der WHO-Stufe 3 wird Dipidolor in erster Linie zur Schmerzbehandlung bei starken Schmerzen eingesetzt. Vor allem zur Behandlung von postoperativen Schmerzen, die also nach einer Operation auftreten, ist Dipidolor gut geeignet, da es den Schmerz schnell stillen kann. In der Regel wird das Medikament in das Unterhautfettgewebe oder intramuskulär als Einmaldosis gespritzt. Ist ein besonders schneller Wirkeintritt gewünscht, kann der Arzneistoff auch über die Vene injiziert werden, sodass bis zur Schmerzlinderung nur wenige Minuten verstreichen. Die Wirkung hält ungefähr 6 Stunden an, sodass eine erneute Gabe von Dipidolor erst nach dieser Zeit durchgeführt wird, wenn der Schmerz anhält.

Gut zu wissen: Applikationsarten und ihre unterschiedliche Bioverfügbarkeit?
Arzneistoffe können auf unterschiedliche Arten ihren Weg in den Körper finden: Man kann sie z. B. über die Vene oder in den Muskel sowie in das Unterhautfettgewebe einspritzen, wie bei Dipidolor. Man kann sie aber auch über den Mund aufnehmen. Arzneistoffe, die über die Venen injiziert werden, sind meist vollständig verfügbar und können rasch ihre Wirkung entfalten – dies ist also beispielsweise bei starken Schmerzen nach einer OP erstrebenswert. Über den Mund aufgenommene Arzneimittel unterliegen Stoffwechselwegen, bevor sie ihre Wirkung entfalten, daher ist der Wirkeintritt langsamer und nicht vollständig.

Opioide werden allgemein dann zur Schmerzbehandlung eingesetzt, wenn übliche Schmerzmedikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen nicht mehr ausreichend wirken oder diese aus medizinischen Gründen nicht verwendet werden dürfen. Die Einnahme von Dipidolor folgt dabei einem festen Zeitplan, um eine gleichmäßige und gute Schmerzlinderung zu erzielen.
Daneben können mit Dipidolor Tumorschmerzen behandelt werden. Diese Art Schmerzen treten dann auf, wenn sich ein Tumor in unmittelbarer Nähe von Schmerzrezeptoren befindet und dieser im Rahmen seines Wachstums auf die Rezeptoren stößt. Diese werden dann aktiviert und der Patient empfindet starke Schmerzen. Wichtig zu wissen ist dabei, dass dies nicht bei jedem Tumor der Fall ist: Tumoren, die in inneren Organen sowie im Gehirn auftreten, verursachen keine Schmerzen, da hier keine Schmerzrezeptoren liegen. Sie können deshalb lange unentdeckt bleiben.

Video-Exkurs: Schmerzen und WHO-Stufenschema

In der Schmerztherapie wird zwischen akuten und chronischen Schmerzen unterschieden. Chronische Schmerzen werden von der Weltgesundheitsorganisation WHO in ein Stufenschema gebracht und Schmerzpatienten haben oft mit diesem Schema zu tun. Die Stufen beinhalten unterschiedliche Kategorien von Schmerzmitteln, die zur gewünschten Schmerzfreiheit des Patienten führen. Je höher die Stufe, desto größer die zu behandelnden Schmerzen:

Weiteres zu den Prinzipien des WHO-Stufenschemas erfahren Sie im nachfolgenden Video-Beitrag von Dr. Tobias Weigl.

Was sind die Nebenwirkungen von Dipidolor?

Ebenso wie für andere Medikamente gilt auch für Dipidolor: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Das Medikament weist die für die Wirkgruppe der Opioide typischen Nebenwirkungen auf.
Die nachfolgende Auflistung gibt einen Überblick über die nach Häufigkeit geordneten Nebenwirkungen des Arzneistoffes. Die Unterteilung erfolgt in sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten), häufig (1 bis 10 Behandelte von 100), gelegentlich (1 bis 10 Behandelte von 1.000), selten (1 bis 10 Behandelte von 10.000) und sehr selten (weniger als 1 Behandelter von 10.000).

Sehr häufig:

Häufig:

Gelegentlich:

Unbekannte Häufigkeit:

  • schwere allergische Reaktion (sog. ‚anaphylaktischer Schock‘)
  • Bewusstlosigkeit
  • Pupillenverengung
  • Entzugserscheinungen durch Absetzen des Medikaments (z. B. erhöhte Herzschlagrate, Erbrechen, Muskelschmerzen und Schwitzen)
  • verlangsamter Herzschlag (sog. ‚Bradykardie‘)
  • Atemprobleme wie Atemschwäche, Atemnot oder Atemstillstand
  • Sauerstoffmangel im Blut und dadurch Blaufärbung der Haut (sog. ‚Zyanose‘)
  • Juckreiz
  • allergische Hautentzündung
  • Reaktionen an der Einstichstelle
  • schwere Asthmaanfälle
  • Krämpfe der Bronchienmuskulatur
  • Hemmung der Magen-Darm-Aktivität und dadurch Verstopfung (sog. ‚Obstipation‘)

Wichtig zu erwähnen ist, dass nicht all diese Nebenwirkungen gleichzeitig auftreten. Mitunter werden Sie auch überhaupt keine Nebenwirkungen spüren.
Sollten Sie Nebenwirkungen beobachten, die nicht aufgelistet sind, können Sie diese direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mitteilen. Dadurch können Sie dazu beitragen, dass mehr sicherheitsrelevante Informationen über Dipidolor zur Verfügung gestellt werden.
Um mehr über Schmerzmittel in Bezug zu ihrem Abhängigkeitspotential zu erfahren, lesen Sie auch folgenden Artikel:

Als Opioid teilt Dipidolor auch die für diese Medikamentengruppe typischen Nebenwirkungen. Wenn Sie dieses Medikament schon einmal bekommen haben: Welche Nebenwirkungen machten sich bei Ihnen bemerkbar? Mit Ihrer Teilnahme helfen Sie anderen Patienten, ihre Symptome besser einzuordnen.
 

Aus der Forschung

Ist Dipidolor im Vergleich zu Morphin tatsächlich nebenwirkungsärmer?
In Deutschland gehen Ärzte davon aus, denn es ist das im Anschluss an Operation meistverwendete Opioid. In einer Untersuchung aus dem Jahr 1971 zeigte der Wirkstoff Piritramid im Vergleich zu Morphin ein geringes Ausmaß an Nebenwirkungen am Patienten, vor allem bzgl. Übelkeit und Erbrechen. Eine Studie aus dem Jahr 2003 konnte diesen Unterschied allerdings nicht erneut belegen, sodass die Bevorzugung von Dipidolor gegenüber Morphin fraglich ist.

Quellen:

  • B. Kay (1971): A clinical investigation of Piritramide in the treatment of postoperative pain. In: British Journal of Anaesthesia 43/12, S. 1167–1171.
  • C. Breitfeld u. a. (2003): Emetic effects of morphine and piritramide. British Journal of Anaesthesia 91/2, S. 218–223.

Dipidolor auf einen Blick

Dipidolor, Wirkstoff: Piritramid, Wirkstoffklasse: Opioide

Wirkung

  • schmerzlindernd bei starken und stärksten Schmerzen

Anwendungsgebiete

  • Schmerzlinderung, vor allem bei postoperativ auftretenden Schmerzen
  • Tumortherapie, zur Bekämpfung von Tumorschmerzen

Wichtigste Nebenwirkungen

  • Herzrasen
  • Schwindel, Blässe, niedriger Blutdruck, Schläfrigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen, Würgereiz
  • Abhängigkeit
  • verlangsamte Atmung

Empfohlene Dosis

  • verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel, daher Einnahme unter sorgfältig kontrollierten Bedingungen und in der Regel keine Unter- oder Überdosierung
  • Während der Schwangerschaft oder in der Stillzeit nur streng überwacht anwenden!
  • Standarddosierung: intravenös 7,5–22,5 mg (ungefähr 0,2 mg/kg Körpergewicht), intramuskulär 15–30 mg, jeweilige Wiederholung der Dosis bei nachlassendem schmerzlindernden Effekt: alle 6–8 Stunden
  • Dosiserhöhung sollte aufgrund der möglichen sinkenden Atemfrequenz vorsichtig gehandhabt werden

Darreichungsform

  • als Injektionslösung: intravenös, intramuskulär
  • als Feststoff: Pflaster

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen existieren für Dipidolor?

Kontraindikationen sind Umstände, die die Anwendung eines Medikaments bzw. einer eigentlich zweckmäßigen Therapie verbieten. Dipidolor sollte nicht eingenommen werden bei einer Überempfindlichkeit gegen den Arzneistoff (Piritramid) oder gegen andere Bestandteile des Medikaments. Daneben existieren folgende Kontraindikationen:

  • gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern (Antidepressiva)
  • bereits vorliegende zentrale Atemdepression
  • schwere obstruktive Lungenerkrankungen, z. B. verschlimmerte COPD

Grundsätzlich anwendbar, jedoch nur mit strenger Überwachung, ist Dipidolor bei:

  • Morbus Addison
  • gleichzeitiger Gabe von Neuroleptika
  • gutartiger Vergrößerung der Prostata
  • eingeschränkter Leberfunktion
  • Schwangerschaft und in der Stillzeit: Anwendung nur bei absoluter Notwendigkeit. Eine wiederholte Anwendung von Dipidolor kann hier Abhängigkeit und Entzugserscheinungen im Neugeborenen hervorrufen.
  • erhöhtem Schädelinnendruck (sog. ‚ICP‘, kurz für engl. intracranial pressure)
  • Untergewicht, Schwächungszustand oder hohem Alter
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Alkoholvergiftungen
  • Krampfanfällen, z. B. epileptischen Anfällen
  • Schockzuständen

Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Einnahme von Dipidolor und Beruhigungsmitteln wie z. B. Benzodiazepinen, Barbituraten, Phenothiazinen und Anästhetika erhöhen das Risiko für Atemdepression und Schläfrigkeit bis hin zum Koma und kann lebensbedrohlich sein. Daher sollte diese Medikamentenkombination nur angewandt werden, wenn es keine Alternativen gibt. Eine Wechselwirkung mit anderen Medikamenten besteht außerdem bei:

  • MAO-Hemmern (Antidepressiva): Die Anwendung dieser Medikamente muss wenigstens 10 Tage vor der Behandlung mit Dipidolor gestoppt werden.
  • Pentazocin, ein Schmerzmittel
  • Arzneimitteln, die den Abbau vom Wirkstoff Piritramid hemmen (CYP3A4-Hemmern): Die Anfangsdosis muss eventuell gesenkt werden.

Achtung: Was sollte ich wissen?

  • Informieren Sie Ihren behandelnden Arzt, wenn Sie vor der Verabreichung von Dipidolor Alkohol getrunken haben.
  • In der Schwangerschaft und in der Stillzeit darf Dipidolor nur bei absoluter Notwendigkeit eingenommen werden, weil sich der Wirkstoff auf den Fötus überträgt bzw. er über die Muttermilch in den Säugling gelangt!
  • Verkehrstüchtigkeit und Reaktionsfähigkeit können durch die Einnahme abnehmen. Daher dürfen Sie 24h nach der letzten Einnahme kein Fahrzeug führen und keine Werkzeuge oder Maschinen bedienen.
  • Wird Dipidolor über längere Zeit oder in hohen Dosen eingenommen, steigt auch das Risiko der psychischen und physischen Abhängigkeit. Eine Gewöhnung des Wirkstoffs an den Körper kann damit einhergehen, dass immer höhere Dosen erforderlich sind, um eine schmerzstillende Wirkung zu erreichen.
  • Die gleichzeitige Einnahme von Dipidolor mit Beruhigungsmitteln kann zu einer starken Abnahme der Atemfrequenz führen!

Häufige Patientenfragen

Macht Dipidolor als Opioid abhängig?

Dr. T. Weigl:
Potentiell ja. Wie allen anderen Opioiden wohnt auch Dipidolor die Fähigkeit inne, bei einer Einnahme über einen längeren Zeitraum und mit zunehmender Dosis abhängig zu machen. Dabei ist es jedoch von Patient zu Patient unterschiedlich, ob sich während der Therapie nur eine psychische Abhängigkeit oder auch eine körperliche Abhängigkeit einstellt und ab wann dies eintritt, wenn es überhaupt dazu kommt.

Was kann ich machen, wenn ich im Krankenhaus das Gefühl bekomme, eine Abhängigkeit zu entwickeln?

Dr. T. Weigl:
Besprechen Sie Ihre Symptome mit dem behandelnden Arzt. Fragen Sie nach, ob es im Krankenhaus einen Schmerzdienst gibt, der sich mit Ihren Bedenken auseinandersetzt. Diesen Dienst gibt es zunehmend oft in Kliniken und er besteht personell z. B. aus auf Schmerztherapie spezialisierten Anästhesisten und Fachkrankenschwestern/-pflegern (sog. ‚Pain Nurses‘). Diese können Sie bzgl. Ihrer Bedenken beraten und Alternativen zur bestehenden Schmerztherapie erwägen.

Ist Dipidolor ein verschreibungspflichtiges Medikament?

Dr. T. Weigl:
Ja, Dipidolor zählt sogar zu den Betäubungsmitteln. Der Verkehr von Betäubungsmitteln unterliegt einer strengen Kontrolle.

Ulrich bekommt gegen seine starken Schmerzen Dipidolor über die Vene verabreicht. Das Schmerzmittel wirkt schnell und das Schmerzgefühl verebbt. „Schön, dass es dir wieder besser geht, mein Schatz“, sagt Beatrice erleichtert. „Jetzt musst du nur noch die Reha schaffen und deine Rückenschmerzen durch die schlimme Skoliose sind für immer Geschichte.“ Ulrich verzieht das Gesicht ein wenig. „Ja, das wird bestimmt anstrengend, aber ich freu mich auch drauf – auf ein schmerzfreies Leben. Vielleicht gibt es ja in der Reha besseren Pudding, so als Belohnung für jeden Termin?“

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Haben auch Sie Erfahrungen mit Dipidolor oder anderen Opioiden? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Christopher Keck
Redaktion: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 06.06.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • C. Breitfeld u. a. (2003): Emetic effects of morphine and piritramide. British Journal of Anaesthesia 91/2, S. 218–223.
  • Gelbe Liste. Medizinische Medien Informations GmbH
  • imedikament.de (2014): Fachinformation Dipidolor.
  • B. Kay (1971): A clinical investigation of Piritramide in the treatment of postoperative pain. In: British Journal of Anaesthesia 43/12, S. 1167–1171.
  • Ernst Mutschler u. a. (2013): Mutschler Arzneimittelwirkungen. 10. Ausgabe. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart.
[Gesamt:3    Durchschnitt: 5/5]

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