Sign up with your email address to be the first to know about new products, VIP offers, blog features & more.

Metoprolol Wirkstoff – Wirkung, Dosierung und Risiken eines wichtigen Betablocker

„Fast jeder zweite Deutsche unter 65 Jahren wird an den Spätfolgen von Bluthochdruck sterben. Medikamente mit dem Wirkstoff Metoprolol wirken als Betablocker und können deshalb gegen Bluthochdruck und einige andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden.“ — Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Metoprolol ist ein Wirkstoff, der eine zentrale Rolle bei der Therapie von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen aber auch der Migräneprophylaxe spielt. Er verhindert die übermäßige Einwirkung der Hormone Adrenalin und Noradrenalin. Dadurch kann der Herzschlag verringert und der Blutdruck erniedrigt werden. Metoprolol ist ein sog. selektiver β1-Blocker aus der Gruppe der Betablocker. Es muss genau dosiert werden, da sonst starke Nebenwirkungen im Herz-Kreislauf-System die Folge sind. Daneben sollten aber auch Maßnahmen für eine gesündere Lebensweise mit regelmäßiger Bewegung und salzarmer Ernährung getroffen werden.

„Schon wieder über 150:90…“ sagt Hannah und schüttelt den Kopf, während sie sich die Manschette ihres Blutdruckmessgeräts abschnallt. Seit einigen Tagen klagt Hannah über Kopfschmerzen, die vor allem morgens auftreten. Sie fühlt sich häufiger als sonst müde und auch die Rötung ihres Gesichts nimmt sie zunehmend intensiv wahr. Ihr Mann Herbert beugt sich besorgt vor. „Dein Blutdruck ist schon seit Tagen so hoch. Wir gehen jetzt mal zum Arzt und lassen das abklären.“ Hannah geht mit Herbert zum Auto und lässt sich dabei von ihm stützen, denn ihr ist in den letzten Tagen auch schwindelig.

Was ist Metoprolol?

Metoprolol wurde 1978 in den USA auf den Markt gebracht. Heute sind zahlreiche Nachahmpräparate (sog. Generika) im Handel. Der Wirkstoff wurde im Jahr 2012 als häufigster Betablocker in Deutschland eingesetzt und erfuhr von 2002 bis 2012 eine Verordnungszunahme um nahezu 50%. Laut Arzneimittelverordnungsreport 2018 wurden im Jahre 2017 mehr als 860 Millionen definierte Tagesdosen (defined daily doses) verordnet.
Wirkung, Nebenwirkungen und Nutzen von Metoprolol – darüber spricht Dr. T. Weigl in diesem Video

Welche Wirkung hat Metoprolol im Körper?

Durch verschiedene Substanzen im Körper wird der Blutdruck des Gefäßsystems gesteuert. So auch durch die Substanzen Adrenalin und Noradrenalin, bekannt als „Stresshormone“. Metoprolol bindet gezielt an den sog. β1-Rezeptoren (sog. Beta-Adrenorezeptoren, daher der Name der Wirkklasse „Betablocker“) und blockiert dadurch die Wirkung der Hormone Adrenalin und Noradrenalin. Als Folge verlangsamt sich der Herzschlag, der Blutdruck wird gesenkt und das Herz entlastet.
Metoprolol wird schnell und zu ungefähr zwei Dritteln durch die Leber abgebaut. Diese schnelle Elimination des Wirkstoffs, noch bevor es seinen Wirkort erreichen kann, ist nicht gewünscht. Auch die schnelle Ausscheidung über die Nieren stellt für den effektiven Einsatz des Wirkstoffs ein Problem dar. Diesem wird mit einer Retard-Form des metoprololhaltigen Medikaments begegnet. Die Retard-Form ermöglicht eine verzögerte Freisetzung (lat. retardare = verzögern) von Metoprolol im Körper und der Wirkstoff-Spiegel des Blutes bleibt über den Tag verteilt gleich.
Im folgenden Video erklärt Dr. T. Weigl die sog. Betablocker – ganz allgemein über Wirkung, Nebenwirkungen und vor allem die Einsatzfelder, also bei welchen Krankheiten Betablocker wie Metoprolol verwendet werden.

Gut zu wissen!
Retard-Arzneimittel bringen durch die verzögerte, gleichmäßige Wirkstofffreisetzung entscheidende Vorteile mit sich: Ein lang anhaltender therapeutischer Effekt wird besser und stabiler erzielt, es kommt weniger zu Unter- oder Überdosis-Nebenwirkungen. Häufig muss der Patient das Medikament nur einmal täglich einnehmen.

Indikationen von Metoprolol

Metoprolol findet bei vielen Herz-Kreislauf-Erkrankungen Verwendung:

Darüber hinaus wird es zur Migräneprophylaxe sowie beim sog. Glaukom (= Grüner Star) wie auch bei Tremor (= Zittern) eingesetzt.

Exkurs: Bluthochdruck (Hypertonie)
Ab einem mehrfach gemessenen Blutdruck von 140/90 mm Hg (Maßeinheit für statischen Druck) besteht Hypertonie. Bluthochdruck fängt oft unbemerkt an. Die hohe Pumplast wirkt sich jedoch negativ auf alle Organe aus und kann Herzinfarkte oder Schlaganfälle nach sich ziehen. Optimal ist ein Wert unter 120/80mm Hg.
Bei welcher Krankheit/welchen Symptomen ist Ihnen Metoprolol verordnet worden? Mehrfachnennungen möglich. Mit Ihrer Teilnahme helfen Sie Betroffenen, ihre Symptome besser einschätzen zu können.

Was sind Neben- und Wechselwirkungen von Metoprolol?

Bei falscher Dosierung – Überdosierung im Speziellen – treten Nebenwirkungen auf, die den gesamten Körper beeinflussen:

  • Kopfschmerzen
  • Verlangsamter Herzschlag (sog. Bradykardie )
  • Absacken des Kreislaufs durch zu geringen Blutdruck beim Aufstehen(Orthostase-Syndrom), gelegentlich auch mit kurzzeitigem Bewusstseinsverlust (Synkope), der spontan wieder vergeht
  • Atemnot unter Anstrengung (Belastungsdyspnoe)
  • Übelkeit bis hin zu Erbrechen
  • Bauchschmerzen
Gut zu wissen!
Nach Möglichkeit sollten Sie bei Bluthochdruck auch unter Einnahme blutdrucksenkender Medikamente mit einer Verhaltensänderung selbst für einen niedrigeren Blutdruck sorgen: Sport und die Reduktion der Salzaufnahme auf ein gesundes Maß sind unterstützende Maßnahmen. Weniger Stress und Alkohol und der Verzicht aufs Rauchen sind ebenfalls entscheidend.
Weitere Informationen dazu, wie sich ein zu hoher Blutdruck natürlich senken lässt, und welche Mythen zum Bluthochdruck wahr oder falsch sind, erläutert Dr. Tobias Weigl in folgendem Video-Beitrag:

Wechselwirkungen mit bestimmten anderen Medikamenten sorgen entweder für eine Wirkverstärkung oder –abschwächung des Metoprolol.
Eine Verstärkung tritt ein bei der gleichzeitigen Einnahme von:

  • Thioridazin, einem weitestgehend obsoleten Neuroleptikum, das zur Ruhigstellung des Körpers benutzt wurde
  • Cimetidin , einem H2-Antihistaminikum zur Verringerung der Magensaftproduktion
  • Terinafin, ein Mittel gegen Pilzbefall (sog. Antimykotikum)
  • Diphenhydramin und ähnlichen Antihistaminika
  • Einigen Antimalariamittel, z. B. Chinin und Hydroxychloroquin
  • Virustatika, z. B. Ritonavir
  • Chinidin, Propafenon und ähnliche Antiarrhythmika
  • Antideppressiva, z .B. Fluoxetin und Paroxetin
  • Bupropion, einem Mittel zur Raucherentwöhnung und zur Depressionstherapie

Eine abschwächende Wirkung tritt zusammen mit der Einnahme dieser Medikamente auf:

  • Nicht-steroidale Antirheumatika, dazu zählen acetylsalicylsäurehaltige Mittel (z. B. Aspirin), Diclofenac und Ibuprofen
  • Rifampicin, einem bakteriziden Antibiotikum
  • Digitalisglykoside, Reserpin, Methyldopa, Guanfacin oder Clonidin– alle sind Mittel zur Blutdrucksenkung

Die Wirkung des Lokalbetäubungsmittels Lidocain kann seinerseits von Metoprolol vermindert werden.

Wann sollte Metoprolol nicht eingenommen werden?

Gegenanzeigen

Gegenanzeige für Metoprolol ist eine überempfindliche Reaktion des Körpers auf den Wirkstoff. Weiterhin darf Metoprolol auch nicht bei bestimmten Herzproblemen eingenommen werden, dazu zählen:

  • eine schwere Herzmuskelschwäche, die nicht ausreichend behandelt wurde
  • ein kardiogener Schock (hierbei handelt es sich um einen durch Pumpversagen ausgelösten Schock, der sich unter anderem in den Symptomen eines niedrigen Blutdrucks, eines Lungenödems , Schwindel und Atemnot bemerkbar macht)
  • ein verlangsamter Herzschlag (sog. Bradykardie)
  • Erregungsleitungsstörungen des Herzens

Weitere Erkrankungen, bei denen die Metorpolol-Einnahme auszuschließen ist, sind Lungenerkrankungen wie Asthma bronchiale, ein niedriger Blutdruck, eine Störung des Säure-Basen-Haushaltes hin zur Übersäuerung des Blutes, Durchblutungsstörungen wie die des Raynaud-Syndroms und eine unbehandelte Erkrankung des Nebennierenmarks.

Eingeschränkte Einnahme

Diabetiker mit schwankenden Blutzuckerwerten sollten mit dem Arzt eine Abwägung von Nutzen und Risiko besprechen sowie ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig kontrollieren: Metoprolol fördert das Risiko einer Unterzuckerung, denn der Wirkstoff kann den Effekt des Insulin und anderen Antidiabetika verlängern oder verstärken. Durch die blutdrucksenkende Wirkung des Metoprolol wird es außerdem wahrscheinlicher, dass die Warnzeichen einer Unterzuckerung wie Muskelzittern und Herzrasen nicht bemerkt werden.
Daneben kann schwere körperliche Belastung sowie längeres strenges Fasten zu einer Unterzuckerung führen.

Nicht per se unvereinbar, aber mit dem Arzt abzusprechen, sind folgende Erkrankungen bei der Metoprolol-Einnahme: Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion (auch bekannt als Hyperthyreose), Krämpfen der Bronchialmuskulatur oder Patienten mit Schuppenflechte (sog. Psoriasis).

Auch wenn Leberfunktionsstörungen oder Nierenfunktionsstörungen den Patienten beeinträchtigen, sollte die Metoprolol-Einnahme mit dem Arzt besprochen und regelmäßig überwacht werden: Die Leber ist maßgeblich für den Abbau des Wirkstoffs verantwortlich. Ist sie nicht funktionstüchtig, muss eventuell die Dosierung herabgesetzt werden, da sonst eine Überdosierung droht.
Die Nieren sollten deshalb überwacht werden, weil durch die Blockierung des Beta-Rezeptors die Nierenfunktion noch weiter abnehmen kann.

Schwangerschaft und Stillzeit

Bislang gibt es noch nicht genügend Forschungsergebnisse bezüglich der Metoprolol-Einnahme während der Schwangerschaft. Nach Möglichkeit sollte daher auf diesen Arzneistoff verzichtet werden oder eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung durch den zuständigen Arzt erfolgen. Mitunter wird die die Durchblutung der Plazenta verringert, wodurch das ungeborene Kind eine Wachstumsstörung erleidet. Muss Metoprolol dennoch eingenommen werden, sollte der Wirkstoff spätestens zwei bis drei Tage vor dem errechneten Geburtstermin abgesetzt werden, um Nebenwirkungen für den Säugling auszuschließen. Andernfalls muss dieser zwei bis drei Tage nach der Geburt gut überwacht werden.

Weil der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht, sollte Metoprolol auch in der Stillzeit möglichst nicht eingenommen werden. Ist dies unvermeidlich, sollte entweder abgestillt werden oder das Stillen erst drei bis vier Stunden nach der Metoprolol-Einnahme stattfinden. In dieser Zeit ist seine Konzentration im Körper deutlich abgesunken. Dennoch sollte hier ein Arzt regelmäßige Kontrollen hinsichtlich einer Blockade der Beta-Rezeptoren des Säuglings durchführen.

Was ist bei der Einnahme und Dosierung von Metoprolol zu beachten?

Wie genau Metoprolol dosiert wird, hängt von der zu behandelnden Erkrankung ab. Daher ist ein Gespräch mit dem Arzt hierüber sehr ratsam. Folgende, allgemeine Dosierungs-Richtlinien sind dem gegenüber nur untergeordnet zu betrachten:

  • Bluthochdruck und koronare Herzkrankheiten: Ein- bis zweimal täglich 50 Milligramm oder einmal täglich 100 Milligramm. Die Dosis kann auf zweimal 100 Milligramm gesteigert werden
  • Herzrhythmusstörungen: ein- oder zweimal täglich 100 Milligramm
  • Herzinfarkt (Akut- und Langzeittherapie): Akutbehandlung nach Absprache mit dem Arzt. Im Anschluss zweimal täglich 100 Milligramm am Tag.
  • Migräneprophylaxe: Nehmen Sie ein- oder zweimal täglich je 100 Milligramm

Verschiedene blutdrucksenkende Medikamente wie z.B. Metoprolol und entwässernde (diuretische) Mittel können zwar kombiniert werden, jedoch sollte dies nur durch einen Arzt forciert werden!

Mehr zu der Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten erfahren Sie im folgenden Videobeitrag von Dr. Tobias Weigl:

Achtung!
Die Dosierung von Metoprolol darf generell nur mit dem Arzt abgesprochen werden. So auch das Absetzen. Das plötzliche Absetzen des Wirkstoffs nach einer längeren Behandlung kann gefährliche Nebenwirkungen nach sich ziehen, da der Rebound-Effekt auftritt. Der Körper antwortet auf ein Fehlen des blutdrucksenkenden Mittels mit einem starken Blutdruckanstieg oder einer verminderten Durchblutung des Herzens. Eine bestehende Brustenge (sog. Angina Pectoris) kann verschlimmert oder ein Herzinfarkt ausgelöst werden. Metoprolol muss daher immer mit einer geringer werdenden Dosis abgesetzt werden!

Häufige Patientenfragen

Ich habe eine Krankheit oder Symptomatik, bei der die Einnahme von Metoprolol eigentlich nicht empfehlenswert ist. Hat mein Arzt falsch gehandelt?

Dr. T. Weigl
Nicht unbedingt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker darüber. Der therapeutische Nutzen des Arzneistoffes kann größer sein als das Risiko, das die Einnahme bei einer Gegenanzeige in sich birgt.

Ich habe eine Überdosis eingenommen. Was nun?

Dr. T. Weigl
Benachrichtigen Sie umgehend einen Arzt oder Notarzt. Es kann je nach Dosis zu einem starken Blutdruckabfall und einer zu niedrigen Herzfrequenz kommen, eventuell sogar zum Herzstillstand. Atembeschwerden, Bewusstseinsstörungen, Erbrechen und Krämpfe der Bronchialmuskulatur können ebenso auftreten.

Ich zeige in letzter Zeit vermehrt allergische Reaktionen. Kann dies mit der Einnahme von Metoprolol zusammenhängen?

Dr. T. Weigl
Ja. Betablocker können die Empfindlichkeit gegenüber Allergenen und die Schwere eines anaphylaktischen Schocks erhöhen.

Hannah wird durch ihren Arzt beraten. Es stellt sich heraus, dass sie Hypertonie hat. Hannah bekommt von ihrem Arzt ein metoprololhaltiges Medikament verordnet, zusammen mit praktischen Tipps für ein gesünderes Leben. Hannah geht nun regelmäßig Joggen und achtet darauf, nicht mehr übermäßig salziges Essen zu sich zu nehmen. Nach einiger Zeit darf sie das Metoprolol langsam absetzen, die gesunde Lebensweise behält sie aber bei. „Ich koche unser Essen vielleicht nicht mehr so salzig wie früher. Aber verliebt bin ich noch immer in dich.“ erklärt Herbert lachend.

Verwandte Themen

Haben auch Sie Erfahrungen mit dem Wirkstoff Metoprolol oder Bluthochdruck? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Christopher Keck
Lektorat: Mathis Gronau
Veröffentlicht: 26.11.2018

Quellen

  • Gelbe Liste. Medizinische Medien Informations GmbH
  • Daniela Hüttemann (2017): Metoprolol versetzt Immunzellen in Schockstarre. Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 31/2017. Mediengruppe Deutscher Aopotheker GmbH
  • Dieter Paffrath, Ulrich Schwabe (2013): Arzneiverordnungs-Report 2013. Springer Verlag.
[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]

Noch keine Kommentare.

Was denkst Du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.