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Sertralin, das Antidepressivum – Wirkung, Nebenwirkung und Anwendungsgebiete

Sertralin auf einen Blick

  • Antidepressivum aus der Gruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (sog. ‚SSRI‘)

Welche Wirkung hat Sertralin?

  • antidepressiv/stimmungsaufhellend
  • antriebssteigernd

Wann wird Sertralin angewendet? (Auszug)

Was sind Nebenwirkungen von Sertralin? (Auszug)

Wann darf man Sertralin nicht bekommen?

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen Bestandteil des Präparats
  • gleichzeitige Einnahme von irreversiblen Monoaminoxidase-Hemmern (kurz: MAO-Hemmer)
Ein Vergleich der ärztlichen Verordnungen von Antidepressiva zeigt, dass diese seit dem Jahr 2008 um mehr als 50 % gestiegen sind. Ein Grund hierfür könnte sein, dass Antidepressiva nicht nur zur Behandlung von Depressionen, sondern auch zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt werden. Gerade bei chronischen Schmerzen können zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden, da diese als Begleitsymptome Depressionen und Angst hervorrufen. Doch wie jedes Medikament besitzen auch Antidepressiva sehr starke Nebenwirkungen, die gewisse Risiken bergen. So stehen die zwei großen Nebenwirkungen Suizidgedanken und Abhängigkeit im Vordergrund. In diesem Artikel geht es um das Antidepressivum Sertralin, welches bei vielen verschiedenen Erkrankungen seine Anwendung findet.

Was ist Sertralin?

Bei Sertralin handelt es sich um ein Antidepressivum aus der Reihe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (kurz: SSRI). Das synthetisch hergestellte Medikament wurde erstmalig im Jahre 1991 in den USA eingeführt. Sertralin ist verschreibungspflichtig, sodass es nur mit ärztlicher Verordnung in einer Apotheke erworben werden kann.

Wirkungseintritt

Der Wirkungseintritt bei der Behandlung von Depressionen ist bei jedem Menschen unterschiedlich. In der Regel zuerst eine antriebssteigernde Wirkung ein, weshalb das Medikament nach Möglichkeit morgens eingenommen werden sollte. Eine stimmungsaufhellende Wirkung tritt nach ca. 2-3 Wochen ein.

Sie wollen sich vorab über Risiken und Abhängigkeitspotential von Antidepressiva erkundigen? Dr.Dr. Tobias Weigl klärt im folgenden Videobeitrag auf:

Antidepressiva: Rebound Effekt & mögliche Gefahr der Sucht & Abhängigkeit👆 Wirkung, Nebenwirkungen

„Sertralin ist ein Antidepressivum, das schnell antriebssteigernd wirkt.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Welche Wirkung hat Sertralin?

Wie der Name schon verrät, besitzt das Antidepressivum Sertralin eine antidepressive Wirkung. Diese stimmungsaufhellende Wirkung ist dank seiner Wirkweise als selektiver Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer möglich. Weiterhin besitzt es eine antriebssteigernde Wirkung.

Der Botenstoff Serotonin

Serotonin ist ein Neurotransmitter, welcher im Körper Signale chemisch weiterleitet. Wenn es im Spalt zwischen zwei Zellen (sog. ‚synaptischer Spalt‘) ausgeschüttet wird, kann es verschiedene Effekte durch Bindung an den Oberflächenrezeptoren der Zellen bewirken. Darunter fällt auch die stimmungsaufhellende bzw. antidepressive Wirkung.

Serotonin und Depressionen

Laut verschiedener Studien wird die Ursache von Depressionen durch die Serotonin-Mangel-Hypothese begründet. Demnach soll eine geringe Konzentration von Serotonin für die depressiven Symptome verantwortlich sein. Wichtig zu wissen ist, dass trotz zahlreicher Studien kein eindeutiges Ergebnis für diese Hypothese geliefert werden konnte. Dies liegt an der Tatsache, dass es auch Tests gab, in denen die Symptome der Depression durch einen Serotonin-reduzierenden Wirkstoff vermindert wurden.

Die Wiederaufnahme-Hemmung von Serotonin

Nachdem Serotonin oder auch andere Neurotransmitter ihre Wirkung freigesetzt haben, werden sie durch verschiedene Mechanismen aus dem synaptischen Spalt entfernt. Die Wiederaufnahme in eine Zelle erfolgt im Falle des Serotonins durch seinen Transporter SERT. Antidepressiva der Gruppe der SSRI machen sich genau diesen Transporter zu Nutze. Sie blockieren nämlich den Serotonintransporter, wodurch der Neurotransmitter nicht in die Zelle wiederaufgenommen werden kann und weiter im synaptischen Spalt verbleibt. Als Effekt wird ein Mangel an diesem Neurotransmitter verhindert und zeitgleich die Symptome der depressiven Erkrankung gelindert.

Gut zu wissen!

Wussten Sie schon, dass es auch Medikamente gibt, die keine Antidepressiva sind aber dennoch antidepressive Wirkungen besitzen? Ein Beispiel hierfür wäre das Opioid-Analgetikum Tramadol. Als Opioid bindet es schwach an seinem Opioid-Rezeptor und setzt dabei eine eher leichte, schmerzlindernde Wirkung frei. Zur Stärkung dieser Wirkung nutzt es einen weiteren Mechanismus, nämlich die Wiederaufnahme-Hemmung von Serotonin und Noradrenalin. Hierbei entsteht der zusätzliche antidepressive und angstlösende (sog. ‚anxiolytische‘) Effekt.

Was sind die Anwendungsgebiete von Sertralin?

Wie oben bereits erwähnt ist Sertralin ein Antidepressivum, also ein Medikament zur Behandlung von Depression. Jedoch findet der Arzneistoff ebenfalls Anwendung bei den folgenden Erkrankungen:

  • Dysthymie
  • soziale Phobie
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Zwangsstörung
  • Panikstörung

Dosierung

Die Dosierung wird jeweils individuell eingestellt, da die Stärke der Wirkung abhängig von dem Patienten ist. Als Richtwert wird jedoch folgendermaßen vorgegangen:

  • Depressionen, langanhaltende depressive Verstimmung (sog. Dysthymie) und Zwangsstörung beginnend mit 50 mg täglich
  • soziale Phobien, Posttraumatische Belastungsstörung und Panikstörungen beginnend mit 25 mg täglich

Wichtig hierbei ist, dass der gewünschte Wirkungseintritt sich sowohl nach dem Anwendungsgebiet, als auch dem Anwender selbst richtet. So kann beispielsweise bei der Behandlung von Depressionen die gewünschte Wirkung nach 4 Wochen eintreten, während es bei einer Posttraumatischen Belastungsstörungen erst nach ca. 12 Wochen zu einem therapeutischen Effekt kommen kann. Weiterhin beträgt die maximale Tagesdosis 200 mg und sollte nicht überschritten werden.

Eine Dosisänderung sollte in Abständen von mindestens einer Woche erfolgen, da eine gewünschte therapeutische Wirkung meist nach ca. 7 Tagen eintritt. Ebenso sollte pro Woche die Dosis nur einmal geändert werden, da erst nach 24 Stunden, das im Körper vorhandene Sertralin verstoffwechselt wird. Das heißt, dass nach dieser Zeit nur noch die Hälfte des Wirkstoffs im Blut vorliegt. Weiterhin ist die ca. 24-stündige Halbwertszeit von Sertralin der Grund, weshalb es bei richtig eingestellter Dosis täglich nur einmal eingenommen werden kann. Jedoch sollte die genaue Dosierung in Absprache mit dem leitenden Arzt erfolgen und auch eingehalten werden, da schon kleine Dosisänderungen vermehrt Nebenwirkungen mit sich ziehen können.

Therapieansatz

Die Behandlung von Depression erfolgt nicht rein medikamentös, da Antidepressiva die Symptome zwar lindern können, aber den Patienten nicht von der Krankheit selbst befreien. Vielmehr sollte eine Kombination aus Psychotherapie und medikamentöse Behandlung erfolgen. Es können aber auch andere Behandlungsansätze wie Psychoeducation, Musiktherapien oder auch Aktivitäten ergänzt werden. Wichtig hierbei ist, dass das Konzept sich individuell nach der Krankheit richtet. Das heißt, eine genaue Absprache über die Gefühlslage und das Ansprechen auf die Therapie sollte regelmäßig stattfinden.

Gut zu wissen!

In Deutschland sind neben Sertralin noch weitere Medikamente aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer zugelassen. Dazu gehören:

Hinsichtlich ihrer Pharmakokinetik – also der Art und Weise, wie der Körper das Medikament „verstoffwechselt“ – unterscheiden sie sich. Deshalb resultieren zum Teil andere Wirkungen und Nebenwirkungen aus ihnen. Gemeinsam haben sie aber, dass alle denselben Wirkmechanismus.

Was sind die Nebenwirkungen von Sertralin?

Wie die meisten Arzneimittel auch, besitzt Sertralin als psychoaktive Substanz Nebenwirkungen, die auftreten können. Nachfolgend sind mögliche Nebenwirkungen anhand ihrer Häufigkeit aufgelistet:

Sehr häufig: (mehr als 1 von 10 behandelte Patienten möglich, also >10 %)

Häufig: (bis zu 1 von 10 behandelte Patienten möglich, also <10 %)

Gelegentlich: (bis zu 1 von 100 behandelte Patienten möglich, also <1 %)

  • gehobene Stimmungslage
  • Konvulsion
  • Parästhesie
  • Halluzinationen
  • Paranoia
  • Apathie
  • unwohles Gefühl
  • verlängertes QT-Intervall
  • Hyperventilation
  • veränderte Leberfunktion
  • Harnblasenentzündung (sog. ‚Zystitis‘)
  • Augenschmerzen
  • Ohrenschmerzen
  • Hautauschlag
  • Menstruationsstörungen
  • Alopezie
  • Erkältungssymptome

Selten: (bis zu 1 von 1000 behandelte Patienten möglich, also <0,1 %)

  • Schlafwandeln
  • Potenzstörungen
  • verzögertes Wasserlassen
  • vermindertes Wasserlassen
  • Erweiterung der Blutgefäße (sog. ‚Vasodilatation‘)
  • langsamer Herzschlag
  • Blut im Stuhl

Weitere Nebenwirkungen

Es können auch Nebenwirkungen auftreten, welche nicht abschätzbar sind und einer Häufigkeit nicht zugeordnet werden können. Bei Sertralin ist eines dieser Nebenwirkungen das unwillkürliche Einnässen bzw. die Enurese.

Suizidale Gedankengänge und Verschlechterung der Symptome

Wie die meisten Antidepressiva, ruft Sertralin suizidale Gedanken hervor. Vor allem die ersten zwei Behandlungswochen werden stark von dieser Nebenwirkung begleitet. Falls solche Gedanken verspürt werden, sollte umgehend ein Facharzt kontaktiert werden. Laut Studien treten suizidales und feindseliges Verhalten insbesondere bei Kindern und jungen Menschen auf. Aus diesem Grund sollte eine Indikation bei Menschen dieser Altersgruppe mit größter Vorsicht erfolgen.

Die Ursache liegt in dem Hormonhaushalt des Körpers. Wie oben bereits erwähnt, wird der Serotoninspiegel bei der Einnahme von Antidepressiva, in diesem Fall bei Sertralin, verändert. Damit verbunden kommt es Studien nach zu Veränderungen der für diesen Botenstoff verantwortlichen Rezeptoren. Der Körper allerdings benötigt Zeit, um sich auf diese neuen Verhältnisse einzustellen. Während dieser Zeit können Symptome der Erkrankung selbst oder auch Nebenwirkungen des Medikaments verstärkter wahrgenommen werden, sodass nach einer Einnahme nicht gleich eine therapeutische Wirkung auftritt. Auch hier gilt: Enge Absprache mit dem leitenden Facharzt!

Wie oben bereits erwähnt, kann Sertralin bei verschiedenen Erkrankungen seinen Einsatz finden. Haben Sie schonmal Sertralin zu sich genommen? Falls ja, für welche Art der Erkrankung nahmen Sie den Wirkstoff ein? (Mehrfachnennung möglich)

Absetzen von Sertralin

Wenn Sertralin zu schnell abgesetzt wird, kann es zu Absetzerscheinungen kommen. Dies stellt ein zentrales Problem vieler Antidepressiva dar. Die Art und Stärke der Absetzerscheinungen sind individuell unterschiedlich. Charakteristisch ist das Abklingen der Symptome, bei einer Wiedereinnahme von Sertralin.

Ursache und Folgen

Studien nach konnte gezeigt werden, dass die Konzentrationen der Neurotransmitter im Körper verantwortlich für das Auftreten von Absetzerscheinungen sind. Während der Behandlungszeit hat der Körper hohe Serotonin-Konzentrationen (Achtung vor dem sog. Serotonin-Syndrom), die nach der Beendigung wieder runtergefahren werden. Da der Körper nicht mehr die benötigte Menge an Serotonin erhält, entstehen die für Absetzerscheinungen typischen Symptome, als Reaktion auf die neuen Verhältnisse. Dazu gehören folgende:

  • Wiederauftreten der Depressionen
  • Unruhe
  • Angst
  • Unwohlsein
  • Rebound-Effekt
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schlafstörungen

Die oben genannten Symptome klingen durchschnittlich innerhalb von 2-4 Wochen ab, jedoch führen sie meist während dieser Zeit zu einer Wiedereinnahme des Wirkstoffs, da nur hierdurch die Absetzerscheinungen gelindert werden.

Lösung: Ausschleichen

Großen Einfluss auf das Auftreten von Absetzerscheinungen hat die Geschwindigkeit mit der die Dosis reduziert wird. Aus diesem Grund sollte das Medikament „ausgeschlichen“ werden. Hierbei wird die Dosis schrittweise reduziert, sodass der Körper sich an die neuen Bedingungen gewöhnen kann. In welchen Zeitintervallen das geschieht, ist individuell zu wählen. Falls dennoch auch bei kleinsten Dosisschwankungen Absetzerscheinungen auftreten, kann gegebenenfalls in Absprache mit dem leitenden Facharzt eine Umstellung auf ein anderes Medikament erfolgen, welches leichter abgesetzt werden kann als Sertralin.

Auf einen Blick – Sertralin

Sertralin aus der Wirkstoffgruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer

Wirkung

  • antidepressiv/stimmungsaufhellend
  • antriebssteigernd

Anwendungsgebiete

  • Depressionen
  • langanhaltende depressive Verstimmung
  • soziale Phobie
  • Zwangsstörung
  • Panikstörung
  • Posttraumatische Belastungsstörung

Wichtigste Nebenwirkungen

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Schlaflosigkeit
  • Diarrhö

Dosierung

  • Richtet sich individuell nach der Art und Schwere der Erkrankung
  • 50 mg täglich (zu Beginn) bei Depressionen, langanhaltender depressiver Verstimmung und Zwangsstörung
  • 25 mg täglich (zu Beginn) bei sozialer Phobie, Panikstörung und Posttraumatische Belastungsstörung
  • tägliche Maximaldosis: 200 mg

Darreichungsform

  • Filmtablette
  • Konzentrat zur Herstellung einer Lösung zum Trinken

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen existieren für Sertralin?

Kontraindikationen sind Umstände, die eine Anwendung des Medikaments verbieten. Diese Umstände hängen von dem Betroffenen selbst ab und können zu lebensgefährlichen Symptomen führen. Ein Beispiel hierfür wäre eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen Bestandteil des Präparates. Außerdem ist Sertralin kontraindiziert, wenn gleichzeitig irreversible MAO-Hemmer eingenommen werden. Bei diesen Medikamenten handelt es sich ebenfalls um Antidepressiva, welche aber sich im Wirkmechanismus von den SSRI unterscheiden. Der Grund für die Gegenanzeige ist, dass es zu sehr hohen Serotonin-Konzentrationen mit Folge eines Serotonin-Syndroms kommen kann.

Achtung: Serotonin-Syndrom
Das Serotonin-Syndrom ist eine Mischung aus verschiedenen Symptomen, die durch einen Überschuss an Serotonin im Körper hervorgerufen werden. Typische Symptome sind:

  • Unruhe
  • Halluzinationen
  • Bewusstseinsstörungen
  • rasche Muskelzuckungen, die unwillkürlich ausgeführt werden
  • Tremor
  • Krämpfe
  • Schüttelfrost
  • Grippegefühl
  • Schwitzen

Wie bereits erwähnt resultiert ein Serotonin -Syndrom meist durch Wechselwirkungen zwischen Arzneimittel (meist Antidepressiva), die die Fähigkeit besitzen die Serotonin-Konzentration im Körper zu erhöhen.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen

Sertralin kann ebenfalls mit anderen Arzneistoffen oder Arzneistoffgruppen wechselwirken. Dazu gehören folgende:

  • reversible selektive MAO-Hemmer (Antidepressiva) wie z.B. Moclobemid
  • reversible nicht-selektive MAO-Hemmer (Antidepressiva) wie z.B. Linezolid
  • das Antipsychotikum Pimozid
  • das Neuroleptikum Haloperidol
  • die Antikonvulsiva Carbamazepin und Phenytoin

Weiterhin ist bei den folgenden Medikamenten Vorsicht geboten, wenn eine gleichzeitige Einnahme mit Sertralin erfolgt, da dessen biopharmazeutische Eigenschaften verändert werden können:

  • Phenobarbital,Johanniskraut und Rifampicin, da es zu einer Verringerung der Konzentration von Sertralin im Plasma kommt
  • Cimetidin, da eine Abnahme der Eliminationsrate von Sertralin entstehen kann, sodass dieses länger im Körper verweilt
  • Mivacurim, da seine Wirkung, durch Reduzierung der Cholinesterase, verlängert werden kann
  • Grapefruitsaft und CYP-Enzym-Hemmer (z.B. Pantoprazol oder Fluoxetin), da es den Plasmaspiegel von Sertralin erhöhen kann

Aktuelle Forschung – Antidepressiva als Risikofaktor für Schwangerschaftsdiabetes

Wissenschaftlerinnen der pharmazeutischen Fakultät der Universität Montreal aus Kanada fanden heraus, dass ein Zusammenhang zwischen Antidepressiva und Schwangerschaftsdiabetes (sog. ‚Gestationsdiabetes‘) besteht. Die Einnahme von Antidepressiva während der Schwangerschaft soll nämlich das Risiko für das Auftreten von Schwangerschaftsdiabetes erhöhen. Für die Studie wurden hierbei Daten, die sich über 17 Jahre erstreckten (Januar 1998 bis Dezember 2015) ausgewertet. Das Ergebnis: Knapp 21.000 Frauen entwickelten im Verlauf der Schwangerschaftszeit Gestationsdiabetes, Risikofaktoren wie Diabetes oder Übergewicht zuvor fehlten. Nach Gegenüberstellung dieser mit Schwangeren ohne Schwangerschaftsdiabetes und vergleichbarem Schwangerschaftsfortschritt, konnte festgestellt werden, dass das relative Risiko, Gestationsdiabetes durch die Einnahme von Antidepressiva zu erhalten, im Schnitt um 19 % erhöht war.

Einfluss des Antidepressivums auf das Risiko

Weiterhin konnten die Forscherinnen feststellen, dass das relative Risiko stark von der Art bzw. Gruppe des Antidepressivums abhing. Während bei Amitriptylin (trizyklisches Antidepressivum) und Venlafaxin (selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer) das Risiko stark erhöht war, konnte kein erhöhtes Diabetesrisiko bei der Einnahme von Citalopram, Sertralin und Paroxetin (selektiver Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) festgestellt werden.

Quelle:Maëlle Dandjinou, Odile Sheehy, Anick Bérard (2019): Antidepressant use during pregnancy and the risk of gestational diabetes melitus: a nested case- control study; BMJ Open

Häufige Patientenfragen

Darf ich Sertralin während der Schwangerschaft oder Stillzeit einnehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Generell wird eine Einnahme von Sertralin während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen, da es mit seinen Zwischenprodukten im Nabelschnurblut und der Muttermilch übergehen kann. Jedoch liegen keine klinischen Studien vor. Lediglich die bestehenden Datenlagen zeigen, dass keine Hinweise auf Fehlbildungen oder Schäden beim Neugeborenen vorliegen. Vielmehr muss, in Absprache mit dem Arzt, abgewogen werden, ob der Nutzen für den Patienten höher ist als das Risiko.

Was kann ich tun, wenn Sertralin nicht bei mir wirkt?

Dr. Dr. T. Weigl
Die gewünschte bzw. therapeutische Wirkung von Antidepressiva tritt nicht unmittelbar nach der Einnahme ein. In der Regel dauert es ca. 2-4 Wochen bis das Antidepressivum seine Wirkung voll entfalten kann. Sertralin stellt hier ebenfalls keine Ausnahme dar. Wenn Sertralin nach der Einnahme bei Ihnen nicht wirken sollte, können unterschiedliche Faktoren hierfür verantwortlich sein. Wichtig ist vor allem die Dosis, denn ist diese zu niedrig gewählt, so kann es nicht therapeutisch wirken. Gegebenenfalls sollte hier eine Absprache mit dem Arzt erfolgen, welcher dann entscheidet ob die gewählte Dosis ausreicht. Weiterhin kann es sein, dass das Medikament aufgrund Ihrer individuellen biochemischen Prozesse nicht im ausreichenden Maß wirkt. Auch hier kann der Arzt gegebenenfalls ein anderes Medikament verschreiben, dass auf Ihren Körper besser anspricht. Da sich Antidepressiva je nach Gruppe auch in den Nebenwirkungen unterscheiden, kann dies in der Auswahl miteinfließen.

Kann Sertralin abhängig machen?

Dr. Dr. T. Weigl
Der klassischen Definition nach ist Sertralin kein abhängigkeits-fördernder Arzneistoff. Jedoch gewöhnt sich der auch auf biochemischer Ebene an das Medikament, wodurch ein Absetzen erschwert wird. Dies ist vor allem festzustellen, wenn beim Absetzen sogenannte Absetzsymptome eintreten, die sich durch Angstzustände, Unruhe und Schlaflosigkeit kennzeichnen. Diese Risiken sollte in allen Fällen bevor eine Therapie eingeleitet wird, mit ihrem Facharzt besprochen werden und bei der Wahl des Antidepressivums miteinfließen.

Wann und wie sollte ich Sertralin am besten einnehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Aufgrund der antriebssteigernden Wirkung von Sertralin, wird eine morgendliche Einnahme empfohlen. Das Medikament sollte mit ca. 250 ml Wasser eingenommen werden. Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass keine Lebensmittel eingenommen werden, die Einfluss auf die Cytochrom-P450-Enzyme haben. Diese Enzyme spielen eine wichtige Rolle bei der Verstoffwechselung von Sertralin. Werden die Enzyme beispielsweise gehemmt, so wird Sertralin weniger abgebaut und eine zu hohe Konzentration liegt im Blut vor. Nahrungsbeispiele für CYP-Enzym-Hemmer sind Grapefruit oder Bitterorange bzw. ihre Säfte.

Exkurs: Diabetes mellitus

Sertralin gehört zu den Antidepressiva, die kein Risiko für das Erlangen von Diabetes während der Schwangerschaft darstellen. Doch was genau ist die Krankheit Diabetes mellitus?

Das Krankheitsbild von Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt, ist primär durch einen erhöhten Glukosegehalt im Blut (sog. ‚Hypoglykämie‘) bzw. Urin (sog. ‚Glucosurie‘) des Betroffenen gekennzeichnet. Die Krankheit kann in verschiedenen Formen unterschieden werden. Allen gemein ist, dass eine Störung in der insulin-vermittelten Signalübertragung vorliegt. Die unterschiedlichen Formen sehen wie folgt aus:

  • primäre Diabetes Typ 1: Angeborener Insulinmangel aufgrund einer Autoimmunerkrankung, bei der die ß-Zellen der Pankreas zerstört werden. Da Insulin die Fähigkeit besitzt, Transportkanäle zu stimulieren, welche Glukose von der Blutbahn in die Zellen befördern, äußert sich ein Mangel des Hormons durch einem erhöhten Blutglukosegehalt.
  • primäre Diabetes Typ 2: Hierbei handelt es sich um eine Altersdiabetes. Die Ursachen sind noch nicht hinreichend erklärt. Jedoch konnte beobachtet werden, dass es sich hierbei nicht um einen Insulinmangel, sondern eher einer verminderten Insulinwirkung handelt.
  • sekundäre Diabetes: Entstehen in der Regel durch eine Pankreaserkrankung oder -entfernung. Können aber auch durch das Überwiegen von Hormonen, welche dem Insulin entgegenwirken (bspw. bei Morbus Cushing), erzeugt werden.

Allgemein können folgende Symptome bei der Krankheit Diabetes mellitus festgestellt werden:

  • Müdigkeit
  • verstärkte Urinausscheidung
  • Leistungsminderung
  • Wadenkrämpfe

Wie entsteht die Krankheit Diabetes mellitus im Detail und welche Folgen hat sie noch? Weitere Informationen, Grundlagen und Wissenswertes erklärt Ihnen Dr. Dr. Tobias Weigl im folgenden Video:

Diabetes und die Folgen: Nervenschäden, Durchblutungsstörungen, Diabetischer Fuß, Polyneuropathie

Typisches Patientenbeispiel

Es ist wieder soweit. Kaum wurde die Dosis reduziert, merkt Sabine auch schon, dass etwas mit ihrem Körper nicht stimmt. Es ist jetzt nun das zweite Mal, dass sie versucht ihr Medikament gegen ihre sozialen Ängste abzusetzen. „Der Arzt meinte doch, dass wenn die Dosis über längere Zeit langsam und schrittweise reduziert wird, ich keine Angst mehr bekomme. Warum aber fühle ich mich wieder so unwohl? Am liebsten will ich wieder das Medikament einnehmen damit es mir besser geht.“ spricht sie verzweifelt zu sich.

Nach einigen Tagen geht sie zu einem vereinbarten Termin mit ihrem Facharzt und schildert ihm das Problem. „Ich habe das Gefühl, dass ich ohne diese Tabletten nichts mehr schaffen kann. Es ist so, als könnte ich sie gar nicht absetzen.“ klagt sie. „Frau Meyer ich denke, dass Sie die Dosis zu schnell und zu drastisch reduziert haben. Ich schlage vor, dass wir die Dosis nicht so stark wie momentan reduzieren und die Intervalle zwischen den Reduzierungen erhöhen.“ erklärt ihr der Arzt. „Aber was wenn das auch nichts bringt? Komme ich jemals wieder ohne dieses Medikament aus?“ fragt sie panisch.

„Für den Fall, dass auch das nicht funktionieren sollte, kann auf ein anderes Antidepressivum umgestellt werden, bei dem Ihnen das Absetzen leichter fallen sollte. Doch bis dahin würde ich meinen ersten Vorschlag bevorzugen, das ist der bessere Weg.“, versucht der Arzt ihr beruhigend zu erklären. „Ich hoffe einfach, dass es diesmal klappt, ich will mich nicht mehr so ängstlich und unwohl fühlen, nur weil ich dieses Medikament absetze.“

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Schajan Salahijekta
Lektorat: Christopher Keck
Erstellt am: 12.10.2019

Quellen

  • Aktories, K. et al. (2013): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH
  • pfizermed.de (2018): Fachinformation Zoloft
  • Maëlle Dandjinou, Odile Sheehy, Anick Bérard (2019): Antidepressant use during pregnancy and the risk of gestational diabetes melitus: a nested case- control study; BMJ Open
  • Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Martin Wehling, Lutz Hein (2016): Pharmakologie und Toxikologie. 18. Auflage. Georg Thieme Verlag
  • gelbe-liste.de (2019): Sertralin
  • -J. Möller, G. Laux, H.-P. Kapfhammer: Psychiatrie und Psychotherapie.3. Auflage. Springer, Heidelberg 2008
  • Ernst Mutschler u. a. (2013): Mutschler Arzneimittelwirkungen. 10. Ausgabe. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart.
  • Khouzam H.R., Emes R., Gill T., Raroque R.: The antidepressant sertraline: a review of its uses in a range of psychiatric and medical conditions. Compr Ther, 2003
  • test.de(2019): Sertralin
[Gesamt:3    Durchschnitt: 5/5]

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