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Novalgin/Metamizol: Wirkung und Nebenwirkungen

Novalgin mit dem Wirkstoff Metamizol ist ein sehr häufig verwendetes und somit wichtiges Arzneimittel – gleichzeitig birgt es jedoch auch mit einer bedeutsamen Nebenwirkung ein Risiko.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Was ist Metamizol?

Bei Metamizol handelt es sich um ein nicht-opioides Analgetikum, welches am ehesten unter dem Handelsnamen Novalgin® oder Novaminsulfon-ratiopharm® bekannt ist. Es handelt sich dabei um ein nicht-opioides Analgetikum, weil es kein Opioid wie beispielsweise Morphin oder Fentanyl ist, jedoch auch eine schmerzlindernde (‚analgetische‘) Wirkung besitzt. Metamizol findet neben der Anwendung bei Schmerzen auch Anwendung bei Fieber und bei Krämpfen. Es wirkt somit zusätzlich fiebersenkend (‚antipyretisch‘) und krampflösend (‚spasmolytisch‘). Dabei wird Metamizol bei starken Schmerzen eingesetzt, wenn andere Analgetika, also Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen, nicht ausreichend wirken.

Dr. Tobias Weigl erklärt Novalgin®

In diesem Beitrag geht Dr. Tobias Weigl auf das Medikament Novalgin® und erklärt die Wirkweise des darin enthaltenen Opioids Metamizol sowie seine Nebenwirkungen und liefert weiteres Wissenswertes zum Thema.

 

Wussten Sie schon?

Wussten Sie schon, dass Metamizol in Großbritannien, den USA, Schweden und Japan nicht zugelassen ist?

Metamizol ist dort deshalb nicht zugelassen, weil seine Einnahme die mögliche Nebenwirkung einer Agranulozytose mit sich bringen kann. Eine Agranulozytose ist eine Verminderung der sogenannten Granulozyten. Granulozyten sind wiederum eine Untergruppe der Leukozyten (weiße Blutkörperchen). Kommt es zu dieser Agranulozytose, kann das Immunsystem zusammenbrechen, was für den und tödlich enden kann. In Deutschland ist Metamizol jedoch zugelassen.
Das Entstehen einer Agranulozytose im Zusammenhang mit der Einnahme von Metamizol ist als „sehr selten“ kategorisiert. Des Weiteren ist das Nebenwirkungsrisiko hier geringer als im Vergleich zu anderen Analgetika. Dieser Konflikt wird bis heute noch kontrovers diskutiert.

Wussten Sie schon, dass in Skandinavien aufgrund einer genetischen Suszeptibilität Metamizol nicht im Handel erhältlich ist?

Vorab: Was ist eine genetische Suszeptibilität? Dieser Umstand beschreibt eine besondere „Empfänglichkeit“ für bestimmte Erreger oder Krankheiten. In Bezug auf Metamizol wurde dahingehend festgestellt, dass das Risiko, eine Agranulozytose zu erleiden (siehe oben) höher ist. Aus diesem Grund ist der Wirkstoff in Skandinavien nicht im Handel erhältlich.

Wirkungsweise von Metamizol

Metamizol ist ein Arzneimittel, welches zu den sogenannten Prodrugs gehört. Diese sind Arzneistoffe, welche erst durch Metabolisierung beziehungsweise chemische Umsetzung im Körper zu der eigentlichen Wirkform umgesetzt werden. Erst im Anschluss an diese Umsetzung entsteht der eigentliche Wirkstoff 4-Methylaminophenazon, welcher für die Wirkungen zuständig ist. Die entkrampfende Wirkung entsteht durch die Öffnung spezifischer Kanäle, also Poren der Zellmembran, welche Kalium in die Zelle einströmen lassen. Des Weiteren wird dadurch weniger Calcium in die glatten Muskelzellen gelassen, wodurch sich diese entspannen. Der genaue Wirkmechanismus von Metamizol ist jedoch bis heute noch ungeklärt.
Im Folgenden werden einige Wirkungen und mögliche Nebenwirkungen von Metamizol dargestellt:

Wirkungen von Novalgin

  • Schmerzlindernd (‚analgetisch‘)
  • Fiebersenkend (‚antipyretisch‘)
  • Entkrampfend (‚spasmolytisch‘)

Nebenwirkungen (selten)

  • Mangel an weißen Blutkörperchen
  • Fleckige Hautausschläge

Nebenwirkungen (sehr selten)

  • Kreislaufschock
  • Agranulozytose (dadurch giftige Immunreaktionen)
  • Hautreaktionen
  • Nierenfunktionsverschlechterung

Vergleicht man jedoch Metamizol mit Diclofenac oder ASS, ist dieses eher magenverträglich und die Wahrscheinlichkeit, dass Magengeschwüre entstehen, ist vergleichsweise gering.
Für weitere mögliche Nebenwirkungen lesen Sie sich am besten die Packungsbeilage von Paracetamol durch oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Einsatzgebiete

Metamizol wird als Schmerzmittel (sog. ‚Analgetikum‘), gegen Fieber und gegen Krämpfe (als sog. ‚Spasmolytikum‘), zum Beispiel bei Kolikschmerzen, eingesetzt. Als Schmerzmittel wird Metamizol erst dann verwendet, wenn gewöhnliche Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol nicht genügend wirken oder kontraindiziert sind, also aus gewissen Gründen nicht eingenommen werden dürfen. Somit ist Metamizol offiziell nur bei starken, z. B. post-operativen, Schmerzen, indiziert. Des Weiteren wird Metamizol auch bei starken Bauchschmerzen oder Bauchkrämpfen eingesetzt.

Kontraindikationen
Metamizol darf nicht bei Patienten mit geschwächtem oder eingeschränktem Immunsystem, bei Leukämiepatienten, Schwangeren, während der Stillzeit oder bei Säuglingen unter 3 Monaten angewendet werden.

Anwendung und Dosierung

Metamizol wird breit gefächert in verschiedenen Darreichungsformen eingesetzt. Welche Arzneiform verwendet wird, hängt jedoch von den individuellen Beschwerden und dem Patienten ab. Metamizol ist als Wirkstoff in mehreren Medikamenten mit verschiedenen Handelsnamen wie Analgin®, Metamizol HEXAL®, Novalgin® oder Novaminsulfon-ratiopharm® zugelassen. Generell gibt es Metamizol als Tablette, Zäpfchen oder Tropfen. Ebenso wird es als Injektionslösung eingesetzt, wobei der Wirkstoff dann über die Vene (‚intravenös‘) oder durch den Muskel (‚intramuskulär‘) injiziert wird. Die typische Dosierung bei der Anwendung von Tabletten ist 500 mg pro Tablette bei einer Maximaldosis von 5000 mg pro Tag.
Wird Metamizol injiziert, muss dies in jedem Fall langsam erfolgen (ca. <1 ml/min). Bei einer schnellen Injektion besteht die Gefahr, dass es zu einem starken Blutdruckabfall kommt, infolge wessen es zu einem schweren anaphylaktischen Schock kommen kann.
Bei einer längeren Therapie mit Metamizol sollte unbedingt eine Blutbildkontrolle durchgeführt werden, um das Risiko einer Agranulozytose zu vermeiden.

Was sind die Gefahren einer dauerhaften Einnahme?

Bei einer dauerhaften Einnahme von Metamizol ist in jedem Fall das Risiko erhöht, an einer der unter der Rubrik „Wirkungsweise“ möglichen Nebenwirkung wie Agranulozytose oder einer Nierenfunktionsverschlechterung zu erkranken. Des Weiteren kann es durch eine dauerhafte Einnahme zu einer Überdosierung von Metamizol kommen, was zu einer akuten Vergiftung führen kann, die mit Krämpfen einhergeht. Weitere Anzeichen einer Überdosierung sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Blutdruckabfall oder Schwindel. Aus diesem Grund ist von einer dauerhaften Einnahme von Metamizol abzusehen.

Haben Sie schon einmal zu viel Metamizol eingenommen? Welche Beschwerden sind bei Ihnen eingetreten? (Mehrfachnennungen möglich) Mit ihrer Teilnahme an dieser Umfrage helfen Sie anderen Patienten dabei, ihre Symptome besser verstehen und deuten zu können.
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Exkurs: Verwandte Substanzen

  • Phenazon
  • Propyphenazon
  • Phenylbutazon

Metamizol gehört chemisch zu den „Pyrazol-Derivaten“. Zu dieser Substanzklasse der Schmerzmittel gehören außer Metamizol auch Substanzen wie das Phenazon, welches unter den Handelsnamen Migräne-Kranit® oder Migränin Phenazon® bekannt ist. Die Handelsnamen lassen schon darauf schließen, dass diese Medikamente hauptsächlich bei Migränekopfschmerzen oder aber auch bei leichten bis mäßig starken Schmerzen eingesetzt werden. Neben dem Phenazon gibt es auch das ähnliche Propyphenazon, welches als DEMEX® bekannt ist. Dieses wird überwiegend als „Zahnschmerztablette“, also bei Zahnschmerzen, eingesetzt. Beide Wirkstoffe, sowohl Phenazon als auch Propyphenazon, besitzen etwa das gleiche Wirkungs- und Nebenwirkungsspektrum wie Metamizol. Ein weiteres Pyrazol-Derivat ist das Phenylbutazon. Dieses ist als Wirkstoff in den Medikamenten, die unter den Handelsnamen Ambene® oder exrheudon OPT® bekannt sind, enthalten. Phenylbutazon ist indiziert bei akuten Schüben von Morbus Bechterew, bei chronischen Gelenkentzündungen oder bei Gichtanfällen.

 

Exkurs aus der Natur

Im Folgenden werden zwei pflanzliche Alternativen vorgestellt, welche zwar kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie darstellen, aber dennoch Schmerzen beziehungsweise hier auch Bauchschmerzen lindern können.

  • Iberogast®
  • Salbei

Ein sehr häufig verwendetes pflanzliches Medikament gegen Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Magenschmerzen oder auch Sodbrennen ist Iberogast®. Es beinhaltet neun verschiedene Arzneipflanzen, welche effektiv bei Beschwerden helfen. Dabei ergänzen sich diese Arzneipflanzen und docken an verschiedenen Stellen im Magen-Darm-Bereich an. Somit werden beispielsweise Magen- und Darm-Nerven beruhigt oder Muskeln in diesem Bereich entspannt. Außerdem schützen gewisse Arzneipflanzen die Magenschleimhaut oder beugen Entzündungen vor beziehungsweise hemmen diese.

Salbei ist bereits seit Jahrhunderten eine bewährte Arzneipflanze, welche schon im alten Ägypten z. B. bei Unfruchtbarkeit oder in der Antike bei Verdauungsproblemen angewandt wurde. Das im Salbei enthaltende ätherische Öl hat eine antibiotische Wirkung. Außerdem wirken die enthaltenen Gerbstoffe so, dass sich in der Schleimhaut von Mund und Rachen Viren und Bakterien weniger ausbreiten können. Somit kann Salbei bei Schmerzen wie Halsschmerzen beziehungsweise bei Erkältungen eingesetzt werden. Es findet ebenso Verwendung als Mundspülung bei Zahnschmerzen.

Häufige Patientenfragen

Kann ich Novalgin / Metamizol dauerhaft einnehmen?

Dr. T. Weigl
Wie bei den meisten Medikamenten beziehungsweise Schmerzmitteln ist von einer dauerhaften Einnahme von Metamizol abzusehen. Bei einer dauerhaften Einnahme kann es zu einer Überdosierung mit Metamizol und daraufhin zu einem Blutdruckabfall kommen, welcher zu einem Schock führt. Dieser Schock kann lebensbedrohlich sein. Auch können weitere nicht erwünschte Nebenwirkungen wie Erbrechen oder Übelkeit auftreten. Dies können Sie außerdem weiter oben unter „Was sind die Gefahren einer dauerhaften Einnahme?“ genauer nachlesen.

Wann darf ich Novalgin / Metamizol nicht einnehmen?

Dr. T. Weigl:
Wie schon im Kapitel „Einsatzgebiete“ erläutert, darf Metamizol nicht bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem, bei einer Schwangerschaft, während der Stillzeit oder von Säuglingen unter 3 Monaten eingenommen werden. Außerdem besteht ein erhöhtes Anwendungsrisiko bei Krebspatienten, bspw. Patienten mit Leukämie. Überdies darf Metamizol nicht eingenommen werden, wenn eine mögliche Allergie gegen Pyrazol-Derivate besteht.

 

Mit welchen Arzneimitteln darf ich Novalgin/Metamizol nicht kombinieren?

Dr. T. Weigl:
Metamizol darf nicht bei einer gleichzeitigen Gabe von Chlorpromazin, welches gegen Merkmale spezifischer psychischer Erkrankungen eingesetzt wird, eingenommen werden. Dies könnte im schlimmsten Falle zu einer extrem niedrigen Körpertemperatur (einer sog. ‚Hypothermie‘) führen. Auch bei einer Kombination von Arzneimitteln gegen Bluthochdruck, bspw. Captopril, mit Metamizol kann es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen. Viele weitere Arzneimittel, die nicht gleichzeitig mit Metamizol eingenommen werden dürfen, können der Packungsbeilage entnommen werden.

Verwandte Themen

Haben Sie Erfahrungen mit Metamizol gemacht? Möchten Sie sich bei uns über den Wirkstoff erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!
Autoren: Mona Alinezhad und Dr. Tobias Weigl
Redaktion: Tobias Möller
Veröffentlicht: 26.04.2018, zuletzt aktualisiert: 11.07.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Nicole Reinhardt u. a. (2006): Metamizol. Renaissance eines Analgetikums. In: Pharmazeutische Zeitung 32.
  • Thomas Herdegen (2013): Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Ernst Mutschler (2006): Arzneimittelwirkungen. Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. Wissenschaftliche Verlag-Gesellschaft, Stuttgart.
  • Heinz Lüllmann u. a. (2016): Pharmakologie und Toxikologie: Arzneimittelwirkungen verstehen. Medikamente gezielt einsetzen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Beipackzettel DEMEX®, Migräne-Kranit® und Ambene®, Metamizol AbZ
  • iberogast.de
[Gesamt:19    Durchschnitt: 3.8/5]
1 Kommentar
  • Natalie Seidl
    12.10.2018 14:06

    Ich habe schon mehrfach postoperativ Metamizol (parenteral und enteral) zur Schmerztherapie erhalten und immer sehr gut vertragen. Kürzlich habe ich dann jedoch wegen starker Kopfschmerzen abends (21:30 Uhr) 500 mg eingenommen u. bin dann nachts um 3 Uhr mit heftigem Schwindel u. Übelkeit aufgewacht: Der Blutdruck lag dann über eine Stunde lang bei nur 85/40 mmHg, wobei auch der Puls mit nur 45 Schlägen/Minute deutlich zu niedrig war. Hypotensive Reaktionen auf Metamizol sind bekannt; „Bradykardie“ jedoch ist unter den möglichen Nebenwirkungen in der Packungsbeilage nicht gelistet. Ist der langsame Puls Teil der „isolierten hypotensiven Reaktion“ auf das Metamizol?

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