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Torasemid, das leistungsstarke Schleifendiuretikum – Welche Nebenwirkungen gibt es?

Torasemid auf einen Blick

  • Arzneistoff aus der Gruppe der Schleifendiuretika
  • starkes Harntreibendes Mittel (sog. ‚Diuretikum‘)
  • Häufigstes verordnetes Diuretikum 2017

Welche Wirkung hat Torasemid?

  • harntreibend
  • blutdrucksenkend
  • Ödeme bekämpfend

Wann wird Torasemid angewendet?

  • Ödeme in Folge einer Herzschwäche, vorbeugend oder zur Behandlung
  • Ergüsse in Folge einer Herzschwäche (z. B. Pleuraerguss)
  • Bluthochdruck
  • chronisches Nierenenversagen

Was sind mögliche Nebenwirkungen von Torasemid? (Auszug)

  • Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts
  • Schläfrigkeit, Schwindel, Schwächegefühl
  • Kopfschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden

Wann darf man Torasemid nicht bekommen? (Auszug)

  • Nierenversagen mit verringerter Urinausscheidung
  • verringertes Gesamtblutvolumen
  • hepatisches Koma und Präkoma
  • Galaktose-Intoleranz, Laktase-Mangel sowie Glukose-Galaktose-Malabsorption
Der „Porsche“ unter den Diuretika – so könnte man Torasemid und andere Schleifendiuretika bezeichnen. Diuretika sind harntreibende Mittel, die Wasser und Salze aus dem Körper herausschwemmen. Es gibt verschiedene Arten, von denen die Schleifendiuretika am stärksten und schnellsten wirken. Dass der Körper Wasser und Salze verliert, mag zunächst nachteilig klingen. Jedoch gibt es Erkrankungen, bei denen es genau darauf ankommt: Herzschwäche, krankhafte Wasseransammlungen im Gewebe (sog. ‚Ödeme‘) und Bluthochdruck. Dies sind auch die Einsatzgebiete von Torasemid. Es belegte 2017 mit knapp 9,7 Million Verordnungen Platz 11 der am häufigsten verordneten Arzneimittel in Deutschland und ist zudem das am häufigsten verordnete Diuretikum.

Der Arzneistoff stammt von seinem Vorgänger Furosemid ab, ebenfalls ein Schleifendiuretikum. Typische Nebenwirkungen zeigen sich in Magen-Darm-Beschwerden, aber auch in Kopfschmerzen, Schwindel und Schwächegefühle. Schwangere und Stillende sollten das Medikament möglichst nicht einnehmen, da sich das Medikament auf den Fötus bzw. den Säugling negativ auswirken kann. Für ältere Patient gilt zu beachten, dass sie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten müssen, da der Körper sonst schneller austrocknet (sog. ‚Exsikkose‘). Wie der Arzneistoff wirkt, welche Nebenwirkungen es noch zu beachten gilt und wann man Torasemid auf keinen Fall einnehmen sollte, bringt Ihnen der nachfolgende Artikel näher. Nutzen Sie auch gerne unsere Kommentarfunktion für den Austausch mit uns und untereinander.

Was ist Torasemid?

Torasemid ist ein Arzneistoff, der aus der Gruppe der Schleifendiuretika stammt. Diuretika sind harntreibende Mittel oder auch „Entwässerungsmittel“. Sie schwemmen Wasser zusammen mit verschiedenen Salzen aus dem Körper. Dieser Effekt wird zur Behandlung diverser Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt.

Exkurs: Die verschiedenen Diuretika-Arten
Neben den Schleifendiuretika gibt es noch weitere Arten von Diuretika:

    • Thiazid-Diuretika: Wirken am distalen Tubulus und werden gegen Ödeme, Bluthochdruck, chronische Herzschwäche und Diabetes insipidus renale eingesetzt. Unter den Diuretika ist es das am häufigsten verordnete, gerade bei Bluthochdruck. Beispiel hierfür ist der Stoff Hydrochlorothiazid (kurz: HCT).
    • osmotische Diuretika: Wirken am Nierenkörperchen. Vor allem bei Hirnödemen, drohendem Nierenversagen und der forcierten Diurese (gewollte Ausschwemmung zu hoher Stoffkonzentrationen bzw. giftiger Substanzen). Meist wird hierzu Mannitol verwendet.
    • Carboanhydrase-Hemmer: Angriffspunkt ist der proximale Tubulus. Sie werden beim Grünen Star, bei Atemschwäche mit respiratorischer Übersäuerung und zur Vermeidung der Höhenkrankheit eingesetzt. Beispiel hierfür ist der Stoff Acetazolamid.
    • kaliumsparende Diuretika: Sie wirken am Übergang von distalem Tubulus zum Sammelrohr. Sie können gleichzeitig mit Schleifen- oder Thiazid-Diuretika eingenommen werden, um die Gefahr einer zu großen Kaliumausschwemmung dieser Mittel zu verringern.

 

Welche Funktion haben Nieren und was hat das mit Schleifendiuretika zu tun?

Diuretika wirken an verschiedenen Punkten der Niere. Die Nieren sind sehr wichtig, um den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers zu regulieren, weil sie eine Art Filterstation sind. Sie sorgen für eine geregelte Ausscheidung von Wasser, das wir in Form von Harn aus dem Körper lassen. Außerdem kontrollieren sie, wie viel an Kalium, Natrium, Chloridionen und anderen Elektrolyten im Körper behalten werden, um dort ihren physiologisch lebenswichtigen Funktionen nachkommen zu können. Die Nieren sorgen ebenso für die Ausscheidung bestimmter Stoffwechselprodukte wie Harnstoff und Medikamenten-Stoffwechselprodukte.

Gut zu wissen: Nierenfunktionsstörung und Medikamente
Bei vielen Medikamenten ist es wichtig zu wissen, wie funktionstüchtig die Niere des Patienten ist, der dieses Medikament einnehmen soll. Die meisten Arzneistoffe bzw. deren Stoffwechselprodukte werden letztendlich über die Nieren und den Harn ausgeschieden. Leidet der Patient an Nierenfunktionsstörungen (sog. ‚Niereninsuffizienz‘), darf er einen Arzneistoff nicht oder nur in veränderter Dosierung einnehmen, wenn dieser zu einem hohen Anteil über die Nieren aus dem Blut gefiltert und eliminiert wird. Torasemid wirkt bei eingeschränkter Nierenfunktion noch gut, seine Dosis muss ab einem bestimmten Schweregrad jedoch deutlich angehoben werden (100 mg/ Tag ab einer glomerulären Filtrationsrate < 30 ml/ min). Der Wirkeintritt ist verzögert.

Die kleinste funktionelle Einheit der Nieren ist das sogenannte Nephron.

Hier finden sich verschiedene Angriffspunkte, an denen Diuretika ihre Wirkung entfalten können. Schleifendiuretika wie Torasemid greifen an der Henle-Schleife eines Nephrons an. Diese Schleife hat die Aufgabe, Harn aufzukonzentrieren, indem Wasser rückresorbiert wird und wieder ins Blut gelangt. Wenn Sie mehr über die Niere und ihre lebenswichtigen Funktionen lernen erfahren möchten, schauen Sie sich gerne unseren Artikel zum Thema an: „Die Niere – Ein Kontrollzentrum in unserem Körper“.

Welche Wirkung hat Torasemid im Körper?

Torasemid wirkt als Schleifendiuretikum am dicken, aufsteigenden Teil der Henle-Schleife. Ziel des Wirkstoffs sind genauer Tranportproteine, die in die Schleifenmembran integriert sind. Deren Aufgabe ist es, die Elektrolyte Kalium und Natrium sowie Chloridionen aus dem ankommenden Primärharn herauszufiltern und wieder in das Blut zu schleusen, anstatt dass sie mit dem Urin ausgeschieden werden. Diese Transportproteine werden kurzfristig (reversibel) gehemmt.

Durch die Hemmung herrscht nun eine erhöhte Salzkonzentration im Harn, was den osmotischen Effekt auf den Plan ruft: Es kommt zu einer erhöhten Wasseransammlung im Harn – mehr Wasser und Salz wird aus dem Körper geschwemmt. Mit diesem Wirkmechanismus bilden Schleifendiuretika wie Torasemid die stärkste und am schnellsten wirksame Gruppe aller Diuretika. Deshalb fehlen sie auch in keinem Notarztkoffer, wo sie beispielsweise zur Behandlung von Lungenödemen infolge bestimmter Defekte am Herzen eingesetzt werden.

„Torasemid ist ein stark wirksames Diuretikum. Gerade ältere Patienten müssen daher Acht geben, genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um nicht auszutrocknen.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Was sind die Anwendungsgebiete von Torasemid?

Herzschwäche und Lungenödeme infolge einer Herzschwäche

Herzschwäche (sog. ‚Herzinsuffizienz‘) ist ein Syndrom, bei dem das Herz nicht mehr voll leistungsfähig ist. Es ist dann nicht mehr imstande, dem Körper das benötigte Blutvolumen in einer bestimmten Zeit bereitzustellen. Ursache dafür kann eine koronare Herzkrankheit (kurz: KHK), Bluthochdruck oder Vorhofflimmern sein. Durch die mangelhafte Pumpleistung sammelt sich Wasser im Gewebe an – es entstehen Ödeme. Im Falle einer Linksherzinsuffizienz kann das von den Lungen kommende Blut nicht rechtzeitig in den Körper gepumpt werden. Es entsteht ein Rückstau des Blutes – ein Lungenödem. Wenn Sie solch ein Lungenödem haben, geht ihr Atem keuchend, Sie sind unruhig und haben Erstickungsängste. Ein akutes Lungenödem ist ein medizinischer Notfall, weil Erstickung droht!

Torasemid bewirkt eine Ausschwemmung dieses Ödems. Außerdem verringert sich das Blutvolumen, das im Körper zirkuliert, wodurch das Herz entlastet wird. Im Vergleich zum Schleifendiuretikum Furosemid erzielt Torasemid eine etwa 2,5-fach höhere Wirkung bei Herzinsuffizienzen und seine Wirkdauer hält länger an.

Bluthochdruck

Bluthochdruck oder auch arterielle Hypertonie ist ein Symptom, das in Deutschland leider weit verbreitet ist – über die Hälfte der über 50-jährigen weisen Bluthochdruck auf. Das Symptom gilt als stärkster Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Tückisch ist hierbei, dass Bluthochdruck oft lange Zeit unbemerkt bleibt, weil keine Symptome zu beobachten sind. Bei Diagnose wird in der Regel zunächst versucht, den Blutdruck konservativ zu senken: Sport, Gewichtsreduktion und eine salzarme Ernährung gehören dazu. Schlägt dies alleine nicht an, wird zusätzlich eine medikamentöse Behandlung eingeleitet.

Eine der häufigsten Arten der medikamentösen Bluthochdruckbehandlung ist die mit Diuretika. Torasemid ist hier eher eine Zweitwahl, häufiger werden Thiazid-Diuretika eingesetzt. Gründe sind sowohl die längere Wirkzeit der Thiazide als auch ihre verringerte Ausscheidung an Calcium-Ionen – letzteres ist gerade bei älteren Patienten wichtig, um das altersbedingte Risiko erhöhter Knochenbrüchigkeit (sog. ‚Osteoporose‘) nicht noch weiter zu steigern. Nur bei einer Niereninsuffizienz sind Schleifendiuretika wie Torasemid vorzuziehen, weil diese auch bei verringerter Nierenleistung noch gut wirken. Torasemid wird meist zusammen mit ACE-Hemmern oder anderen blutdrucksenkenden Mitteln kombiniert verordnet, wenn es der Blutdrucksenkung dienen soll.

Exkurs: Die 5 wichtigsten Blutdrucksenker
Diuretika sind Medikamente, die unter anderem zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden. Außer diesen gibt es noch vier weitere große Medikamentengruppen, die für diesen Zweck eingesetzt werden können:

Was verbirgt sich hinter diesen Begriffen und wie unterscheiden sich die Wirkungen der Medikamentengruppen voneinander? Was sind allgemeine Tipps für die Medikamenteneinnahme bei Bluthochdruck? Die Antworten darauf und weitere Informationen zum Thema erhalten Sie durch Dr. Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Video-Beitrag.

Welche Medikamente senken den Blutdruck?💡 Die Big 5 der Blutdrucksenker (ACE-Hemmer, Betablocker..)

Bauchwassersucht, „Bauchwasser“ (sog. ‚Aszites‘)

Diese Krankheit zeichnet sich durch eine vermehrte Ansammlung freier Flüssigkeit in der Bauchhöhle aus. Diese Flüssigkeit kommt aus den Blutgefäßen, Auslöser ist meist eine Leberschädigung. Erkennbar ist die Krankheit an einem erhöhten Bauchumfang, einer Gewichtszunahme und Blähungen.

Torasemid sorgt für eine Entwässerung der Bauchhöhle und dadurch für eine Normalisierung des Bauchumfangs.

Pleuraerguss

Ein Pleuraerguss ist eine Flüssigkeitsansammlung zwischen den Blättern der Pleura, also des Brustfells. Das Brustfell überzieht im Körper die Lungen und kleidet die Brusthöhle aus. Symptom eines Pleuraergusses ist eine Atemnot, die, je nach Schwere der Erkrankung, früher oder später auftreten kann. Ursache kann eine Lungenembolie, eine dekompensierte Herzinsuffizienz, eine Leberzirrhose oder ein vermehrtes Auftreten harnpflichtiger Substanzen im Blut (sog. ‚Urämie‘) sein.

Torasemid bewirkt auch hierbei eine Ausschwemmung des überschüssigen Wassers zwischen den Pleurablättern.

Chronisches Nierenversagen

Chronisches Nierenversagen, oder auch Niereninsuffizienz genannt, beschreibt einen langsam fortschreitenden Verlust der Nierenfunktion. Meist wird die Bezeichnung dann gebraucht, wenn die Funktionstüchtigkeit der Niere nur noch bei 15% oder niedriger liegt. Zu den häufigsten Ursachen zählen Entzündungen und Infektionen der Niere und angeborene Nierenkrankheiten.

Essentiell dafür, ein Fortschreiten der Niereninsuffizienz zu bremsen, ist eine Normalisierung des Blutdrucks auf einen gesunden Wert. Hierbei ist Torasemid besonders effektiv, weil es auch noch während der Niereninsuffizienz bis zu einem bestimmten Schweregrad gut wirksam ist.

Wie nehme ich Torasemid ein?

Torasemid wird in Form einer Tablette einmal täglich morgens unabhängig von den Mahlzeiten zusammen mit einem halben Glas Wasser eingenommen. Die Dosierung für einen Erwachsenen ist je nach Einsatzgebiet unterschiedlich:

  • Bluthochdruck: Zu Beginn sollten nur 2,5 mg/ Tag eingenommen werden. Die Dosis kann vom Arzt aber auf 5 mg/ Tag gesteigert werden.
  • Herzinsuffizienz: Hier werden höhere Dosen verwendet als bei der Behandlung zwecks Bluthochdrucks. Deshalb beträgt die übliche Dosis 5 mg/ Tag. Sie kann aber vom Arzt auf bis zu 20 mg/ Tag gesteigert werden.

Für Kinder und Jugendlich von 12 bis 17 Jahren legt der Arzt individuell eine abweichende Medikation fest. Schwangere sollten das Medikament nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Erwägung mit dem behandelnden Arzt einnehmen.

Achtung: Setzen Sie Torasemid nicht ohne ärztliche Erlaubnis ab
Wenn Sie Diuretika einnehmen, sollten Sie diese nicht eigenmächtig von dem einen auf den anderen Tag absetzen. Grund dafür ist, dass sich Ihr Körper an das Medikament gewöhnt hat, um den Blutdruck niedrig zu halten. Bleibt die Wirkung abrupt aus, schießt ihr Blutdruck in die Höhe und es können sich Ödeme im Körper bilden. Vor allem Schleifendiuretika wie Torasemid sind für diesen Effekt anfällig. Beides klingt in der Regel nach einigen Tagen wieder ab. Um dieses „Rebound-Phänomen“ zu vermeiden, wird Ihr Arzt Ihnen einen Medikationsplan geben, bei dem das Medikament ausgeschlichen wird: Sie nehmen einige Tage nur noch die halbe Menge ihrer bis dahin üblichen Dosis, dann nur noch ¼ Dosis und schließlich können Sie das Medikament ganz absetzen.

Was sind die Nebenwirkungen von Torasemid?

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung – dies ist ein Leitsatz für Medikamente. Auch der Arzneistoff Torasemid bleibt davon nicht verschont.

Die folgende Auflistung seiner Nebenwirkungen ist geordnet nach der Häufigkeit, mit der die Nebenwirkung auftritt. Dabei gilt für die Angabe „sehr häufig“ ein Aufkommen von ≥1/10 (mehr als 1 von 10 Behandelten), für „häufig“ ≥1/100 bis <1/10 (1 bis 10 Behandelte von 100), für „gelegentlich“ ≥1/1.000 bis <1/100, für „selten“ ≥1/10.000 bis <1/1.000 und für die Angabe „sehr selten“ ein Aufkommen von <1/10.000 (weniger als 1 Behandelter von 10.000).

Häufige Nebenwirkungen:

Gelegentliche Nebenwirkungen:

Sehr seltene Nebenwirkungen:

Schleifendiuretika sind ein häufig verordnetes Mittel gegen Ödeme und Bluthochdruck. Haben Sie Torasemid auch schon einmal eingenommen? Welche dieser häufigeren Nebenwirkungen traten bei Ihnen auf? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme helfen Sie anderen Betroffenen, einen Eindruck von den Nebenwirkungen des Wirkstoffs zu bekommen.

Fakten-Box – Torasemid

Torasemid, aus der Gruppe der Schleifendiuretika

Wirkung

  • wirkt harntreibend
  • senkt den Blutdruck
  • treibt Wasseransammlungen im Gewebe (sog. ‚Ödeme‘) aus dem Körper

Anwendungsgebiete

Nebenwirkungen (Auszug)

Darreichungsform

  • Tabletten zu 2/ 5/ 10 mg Wirkstärke zum Schlucken

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen existieren für Torasemid?

Kontraindikation nennt man einen Umstand, der eine Therapie oder die Anwendung eines bestimmten Medikaments verbietet, da es ansonsten zur Gefährdung der Gesundheit kommen könnte. Synonymer Begriff dafür ist das Wort Gegenanzeige.

Die Kontraindikationen von Torasemid sind:

  • Überempfindlichkeit gegenüber Torasemid
  • Leber-Koma und Präkoma
  • Nierenversagen mit verminderter Harn-Produktion
  • Gicht: Torasemid lässt die Harnsäurewerte ansteigen
  • Herzrhythmusstörungen oder Durchblutungsstörungen im Gehirn: Ein durch Torasemid hervorgerufener Flüssigkeitsmangel kann dann gefährliche Folgen haben
  • Diabetes oder eine Vorstufe davon (z. B. gestörte Glukosetoleranz)
  • Männer mit gutartiger Prostatavergrößerung: Die Blase kann überdehnt werden
  • Ein niedriger Blutdruck von unter 100/60 mmHg (Frauen) bzw. 110/60 (Männer)
  • erniedrigtes Gesamtblutvolumen
  • erniedrigte Natrium– oder Kalium-Blutwerte
  • Galaktose-Intoleranz, Laktase-Mangel, Glukose-Galaktose-Malabsorption (mangelhafte Aufnahme dieser Stoffe)
  • Kinder unter 12 Jahre

Darf ich das Medikament in der Schwangerschaft oder in der Stillzeit einnehmen?

In der Schwangerschaft sollte das Medikament nur dann verwendet werden, wenn dies vom Arzt als absolut notwendig erachtet wird. Dann sollte es auch nur in der niedrigsten Dosis eingenommen werden, die noch einen therapeutischen Nutzen erbringt.

In der Stillzeit sollte das Medikament überhaupt nicht genommen werden, da Torasemid in die Muttermilch übergehen und den Säugling schädigen kann. Außerdem kann der Milchfluss verringert werden.

Was sind Wechselwirkungen und welche gibt es bei Torasemid zu beachten?

Wechselwirkungen treten dann auf, wenn das betrachtete Medikament mit einem anderen Medikament oder einer Substanz im Körper reagiert. Dadurch können sowohl Wirkungen als auch Nebenwirkungen verstärkt oder abgeschwächt werden. Beides ist unerwünscht für die Therapie. Deshalb ist es vor der Medikamenteneinnahme wichtig zu wissen, welche Substanzen diese Reaktionen zeigen.

Torasemid zeigt Wechselwirkungen mit folgenden Medikamenten:

  • Herzglykoside: Wirkstoffgruppe, die dazu dient, die Schlagkraft des Herzens zu steigern und den Puls zu senken. Gegen Herzschwäche und Herzrasen einsetzbar.
  • Vasopressoren: Medikamente, die zur Hebung des Blutdrucks eingesetzt werden, indem sie bestimmte Rezeptoren des sympathischen Nervensystems aktivieren.
  • ACE-Hemmer: blutdrucksenkendes Mittel wie z. B. Ramipril
  • Antidiabetika: Gruppe von Medikamenten, die gegen Diabetes mellitus eingesetzt werden, z. B. Metformin
  • Cisplatin-Präparate: Wirkstoffe, die zur Bekämpfung von Krebs eingesetzt werden.
  • Aminoglykosid-Antibiotika: Gruppe von bakterienbekämpfenden Wirkstoffen
  • Cephalosporine: Breitband-Antibiotika, die gegen eine Vielzahl von Erregern einsetzbar sind und ähnlich wie Penicillin wirken.
  • Lithium: Lithiumsalze werden bei manischen Depressionen eingesetzt.
  • Theophyllin: Arzneistoff gegen Bronchialasthma und andere Bronchialerkrankungen.
  • Probenecid: Medikament zur Behandlung eines erhöhten Harnsäurespiegels im Blut bzw. der Gicht.
  • Salicylate und andere nichtsteroidale Antiphlogistika: Medikamente, die gegen Schmerzen, Fieber und Entzündungen wirken. Prominentes Beispiel ist Acetlysalicylsäure (ASS).
  • Curare-artige Muskelrelaxanzien: Substanzen, die die Muskeln erschlaffen lassen und als Alternativmedikation bei Operationen gegeben werden können.

Aktuelle Forschung – Kann man gegen Schleifendiuretika resistent werden?

Die Standardtherapie für chronisch kongestive Herzschwäche sieht eine Behandlung mit Schleifendiuretika vor. Durch die Herzschwäche wird nicht mehr ausreichend Blut über das Herz in den Körper gepumpt. „Kongestiv“ bedeutet dabei „geschwollen“, da ein Teil des Herzens bei dieser Krankheit anschwillt, nämlich die Herzkammer. Dadurch wird die Arbeit des Herzens ineffizient. Durch Herzschwäche entstehen häufig Wasseransammlungen. Ärzte verschreiben oft Diuretika, um diese auszuschwemmen. Dabei ist es häufiger der Fall, dass ein Patient eine Resistenz gegen diese Medikamente besitzt und das Diuretikum daher wirkungslos bleibt.

In einer Studie aus den USA, die im Jahr 2017 durchgeführt wurde, wurden mehrere Studien zur Schleifendiuretika-Resistenz betrachtet und ein Resümee daraus gezogen.

Das Ergebnis der Studie

Neben Nierenfunktionsstörungen sind schlechte diuretische Absorption, Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln, chronische Verabreichung von Diuretika und eine hohe Natriumaufnahme weitere potenzielle Faktoren für die Entwicklung der Harnstoffresistenz bei einer Herzinsuffizienz.

Die empfohlene Verhaltensweise ist hier, darauf zu achten, dass der Patient das Diuretikum auch wirklich immer zu sich nimmt, langsam die Dosis zu erhöhen und von einer schluckbaren Tablette zur intravenösen Anwendung zu wechseln. Schließlich sollen mehrere Diuretika kombiniert eingenommen werden. Dies alles kann zu einer Verminderung der Herzinsuffizienz-Symptome und zu einer kürzeren Aufenthaltszeit im Krankenhaus führen bei Patienten, die wegen dekompensierter Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Quelle: Niel Shah u. a. (2017): A perspective on diuretic resistance in chronic congestive heart failure. Therapeutic Advance in Cardiovascular Disease 11/10, S. 271–278.

Häufige Patientenfragen

Wie nehme ich Torasemid richtig ein?

Dr. Dr. T. Weigl
Torasemid wird in Form von Tabletten eingenommen. Die Dosis richtet sich dabei nach dem Anwendungsgebiet: Die empfohlene Dosierung bei Ödemen beträgt einmal täglich eine Tablette von 5 mg Wirkstärke, sie kann aber vom Arzt auf bis zu 20 mg/ Tag gesteigert werden. Bei Bluthochdruck als Anwendungsgebiet sind es generell 2,5 mg/Tag und maximal 5 mg/Tag. Wichtig ist ein gleichbleibender Einnahmezeitpunkt, am besten morgens unabhängig von den Mahlzeiten. Nehmen Sie die Tablette mit einem halben Glas Wasser zu sich.

Wie merke ich, dass ich zu viel Torasemid eingenommen habe?

Dr. Dr. T. Weigl
Die Überdosierung führt wahrscheinlich dazu, dass sie viel Urin lassen müssen, schläfrig und verwirrt sind, sich schwach fühlen und einen Blutdruckabfall bemerken. Eventuell bekommen sie sogar einen Kreislaufkollaps. Daneben sind Magenbeschwerden denkbar. Wenn Sie diese Symptome an sich erkennen oder Sie generell den Verdacht einer Überdosierung haben, suchen Sie sofort einen Arzt auf. Nehmen Sie übrige Tabletten – am besten mit der Schachtel zusammen – zu ihrem Arzt mit. Dadurch kann er das Medikament leichter identifizieren und Gegenmaßnahmen einleiten.

Was kann ich selber tun, um meinen Blutdruck zu senken?

Dr. Dr. T. Weigl
Verringern Sie die Menge an Kochsalz, die Sie täglich essen. Besonders viel ist in Brot und Brötchen, Fleisch- und Wurstwaren und in Käse enthalten. Viele Instant- und Fertiggerichte sind ebenfalls salzhaltig. Sport und Gewichtsreduktion tragen auch zu einer effektiven Blutdrucksenkung bei. Alkoholkonsum sollten Sie möglichst meiden, da dieser den Blutdruck hochtreibt und das Schlaganfallrisiko deutlich anhebt.

Kann ich mit Torasemid am Verkehr teilnehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Das müssen Sie selbst entscheiden, indem Sie sich aufmerksam beobachten. Zu Beginn der Behandlung mit Torasemid kann Ihnen durch den erniedrigten Blutdruck schwindelig sein und Sie fühlen sich schwach. Dann sollten Sie weder aktiv am Straßenverkehr teilnehmen noch Maschinen bedienen und auch Arbeiten ohne sicheren Halt meiden.

Typisches Patientenbeispiel

Es ist ein frischer, aber durchaus sonniger Herbsttag, mit dem Boris in seine Urlaubswoche starten darf. Seine Wohnung besitzt einen großen Balkon zum Hinterhof heraus und dieser Hinterhof ist ein Paradies an Pflanzen und Bäumen. Die Blätter der Bäume haben bereits ihr Farbkleid gewechselt: Manche schon braun, einige rot und wieder andere noch gelb. Boris erfreut sich an diesem Anblick: „Ja, heute setze ich mich nochmal richtig schön raus und lese meinen neuen Krimi auf dem Balkon!“, denkt er sich. Weil es aber noch frisch ist, will Boris erstmal eine Decke aus dem Keller holen, die er dort über den Sommer gelagert hatte.

Ohne Umschweife geht er hinunter, wird fündig und besteigt erneut die Treppen zu seiner Wohnung. Auf dem zweiten Stock muss er aber innehalten: Sein Atem geht keuchend und er bekommt kaum Luft. „Nicht schon wieder! Was ist denn das?“, grummelt er. Boris hatte die letzten Wochen schon beobachtet, dass er bei Bewegung leicht aus der Puste kommt, ist aber bisher nicht beim Arzt gewesen. Er quält sich noch bis zu seiner Wohnung, bekommt aber oben immer noch schwer Luft. „Verdammt“, denkt sich Boris, während er den Krankenwagen ruft.

Im Krankenhaus stellen die Ärzte nach einigen Tests eine Herzinsuffizienz fest. Boris bekommt eine geeignete Therapie verordnet, die auch die Einnahme des Arzneistoffs Torasemid einschließt. „Torasemid bekommen Sie, damit ihr Herz entlastet wird, Herr Schubert“, erklärt ihm die behandelnde Ärztin. „Das Medikament ist ein Diuretikum, ein harntreibendes Mittel. Das sorgt außerdem vorbeugend dafür, dass sie keine Wasseransammlungen im Körpergewebe entwickeln. Eine Tablette täglich morgens einnehmen, mit ein wenig Wasser.“

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Welche Erfahrungen haben Sie mit Torasemid oder anderen Diuretika? Ist Ihre Therapie mit dem Medikament erfolgreich (gewesen)? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt. Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl und Christopher Keck
Lektorat: Sebastian Mittelberg
Veröffentlicht am: 08.10.2019

Quellen

  • Frank Antwerpes u. a. (2019): Torasemid. In: Flexikon.doccheck.com.
  • gelbe-liste.de: Torasemid.
  • Ernst Mutschler u. a. (2013): Mutschler Arzneimittelwirkungen, 10. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft GmbH, Stuttgart.
  • Ratiopharm (2015): Fachinformation Torasemid-ratiopharm® 10 mg Filmtabletten.
  • Ratiopharm (2015): Information für Anwender – Torasemid-ratiopharm® 10 mg Filmtabletten.
  • Niel Shah u. a. (2017): A perspective on diuretic resistance in chronic congestive heart failure. Therapeutic Advance in Cardiovascular Disease 10/11, S. 271–278.
  • Stiftung Warentest (2019): Medikamente im Test: Furosemid, Piretanid und Torasemid.
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