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Gesundheitsmanagement – was tut Ihr Chef für ihre Gesundheit?

Auf einen Blick – Das Gesundheitsmanagement

Was ist Gesundheitsmanagement?

  • organisierte Maßnahmen zur Verbesserung und Erhaltung der Gesundheit der Bevölkerung
  • Gesundheitsförderung + Prävention von Krankheiten
  • Stärkung der Gesundheitsversorgung

Welche Aufgaben hat das Gesundheitsmanagement?

  • Vermittlung eines Gesundheitsverständnisses
  • ein patientenorientiertes Gesundheitssystem sichern
  • betriebliche Gesundheitsförderung

Institutionen des Gesundheitsmanagements

  • gesundheitspolitische Institutionen
  • Selbsthilfegruppen
  • Wohlfahrtsgesellschaften und soziale Sicherung

Häufig thematisierte Krankheitsbilder (Auszug)

  • psychische Erkrankungen (Burnout etc.)
  • Rückenprobleme
  • Übergewicht
  • generelle Folgen schädlicher Belastung (am Arbeitsplatz, in der Schule und grundsätzlich im Alltag)

Tipps

  • oftmals erkennen Arbeitgeber den Bedarf zu spät; scheuen Sie deshalb nicht davor zurück, Maßnahmen selbst anzusprechen
  • Fortbildungen im Bereich Gesundheitsmanagement werden häufig vom Arbeitgeber übernommen

Immer häufiger stolpert man beim Thema Gesundheit über den Begriff ‚Gesundheitsmanagement‘. Vielleicht haben Sie eine ungefähre Vorstellung davon, was sich hinter dem Begriff verbirgt, doch viele Menschen verstehen sehr wenig darunter.

Dahinter verbirgt sich eine Strategie, mit der die Gesundheit der gesamten Bevölkerung nachhaltig und langanhaltend verbessert werden soll. Die Weltgesundheitsorganisation hat mit der Initiative ‚Gesundheit21‘ im Jahr 1998 ein Konzept vorgestellt, das auf die Verbesserung der allgemeinen Gesundheit und die Reduktion der gefährlichsten Krankheiten abzielt.

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement ist ein Ansatz, der aus dem Gesundheitsmanagement hervorgegangen ist. Betriebe erhalten damit wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen, wie sie die Gesundheit der wichtigsten Ressource – ihrer Arbeitnehmer – langfristig schützen können.

In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte über die Entwicklung und den aktuellen Stand des Gesundheitsmanagements in Deutschland. Zusätzlich erhalten Sie wichtige Empfehlungen für ein gesundheitsfreundliches Arbeitsumfeld.

Was ist Gesundheitsmanagement?

Jede Organisation von Maßnahmen, die Ihrer Gesundheit zu Gute kommen, ist Gesundheitsmanagement. Schon die Sporteinheit am Morgen oder der bewusste Verzicht auf ungesunde Lebensmittel macht Sie zu ihrem persönlichen Gesundheitsmanager. Für eine große Bevölkerung sind natürlich andere Strategien und Empfehlungen nötig als für die Einzelperson. Dennoch gehört auch schon die Steigerung des Gesundheitsverständnisses zum Gesundheitsmanagement. Die Hauptziele des Gesundheitsmanagements sind:

  • Organisation von Aufgaben und Funktionen im Themengebiet Gesundheit
  • Verbesserung des Gesundheitsverständnisses: biologisch, psychologisch, sozial
  • Förderung und Schutz der Gesundheit jedes Menschen (sog. ‚Gesundheitsförderung‘)
  • Anzahl der gefährlichen Krankheiten, insbesondere mit Todesfolge, zu verringern und bestmögliche Vermeidung von Verletzungen aller Art (auch Fahrradunfälle, Sportverletzungen wie bspw. Innenbandriss)

Gesundheitsmanagement der EU

Um die Umsetzung dieser Ziele kümmern sich viele verschiedene Institutionen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Eine übergeordnete Richtlinie wurde allerdings bereits im Jahr 1998 von der Europäischen Union verabschiedet. Diese ‚Gesundheit21‘ genannte Richtlinie verfolgt die oben erwähnten Ziele, hat die europäische Gesamtgesundheit dafür in 21 unterschiedliche Aufgabenfelder aufgeteilt und gibt in jedem der Felder vor, wie die Idealvorstellung aussieht.

Diese Ziele umfassen beispielsweise gesundheitliche Chancengleichheit, die Gesundheit junger sowie alter Menschen, die Verbesserung psychischer Gesundheit und eine Verringerung von Schäden durch Alkohol, Drogen und Tabak. Zusätzlich wird auch organisatorisch gearbeitet. In diesen Bereichen wird eine Verbesserung der Finanzierung von Gesundheit, der Qualifizierung von Fachkräften und der medizinischen Forschung gefordert, um im 21. Jahrhundert die Gesundheit aller Bürger zu fördern.

Eine der häufigsten beruflich bedingten Krankheiten ist das Burnout-Syndrom. Die Symptome können sogar chronische Schmerzen auslösen. Mehr darüber erfahren Sie von Dr. Dr. Tobias Weigl in diesem TV-Interview.

Zusammenhänge zw Burnout, schlechte Laune, Depression & chronische Schmerzen / Dr. Weigl Interview

Was tut das Gesundheitsmanagement?

Die konkrete Arbeit im Gesundheitsmanagement ist vielfältig und kann schon im Privatleben stattfinden. Ein bewusster Lebensstil, regelmäßiger Sport und der Verzicht auf Tabak und Alkohol fördern Ihre Gesundheit und damit in einem kleinen Rahmen auch die Gesamtgesundheit.

Im Allgemeinen versteht man unter dem Begriff aber eher die Arbeit von Institutionen und Organisationen und bewusste Anstrengungen der Arbeitgeber, um die Gesundheit ihrer Angestellten zu fördern. 89 % der Deutschen sind Mitglied in der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Diese ist damit eine der wichtigsten Anlaufstellen für Gesundheitsförderung. Zudem gehört auch die Verteilung der Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen zum Aufgabengebiet. Insbesondere die Versorgung ländlicher Gebiete mit Arztpraxen und die weiter sinkende Anzahl an medizinischem Pflegepersonal stellen Probleme für das Gesundheitsmanagement dar. Dabei wird zwischen instrumentellem Bedarf – der Anzahl der Krankenhausbetten, Ärzte oder technischen Geräte – und dem realen gesundheitlichen Bedarf unterschieden. Damit sind die Bedürfnisse der Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz, an Schulen und im Verkehr gemeint.

Ist Gesundheit planbar?

Ein zentraler Bestandteil des Gesundheitsmanagements besteht in der Vorhersage, welche Bedürfnisse bei Kranken in der nächsten Zeit entstehen können, um darauf vorbereitet zu sein. Diese sogenannte Patientenorientierung beschäftigt sich mit der Optimierung von beispielsweise Krankenhausaufenthalten und achtet ebenfalls darauf, dass Patientenrechte ausgebaut und geschützt werden.

Auch die Erstellung von beispielsweise Todesfallstatistiken fällt in das Aufgabengebiet, denn aufgrund dieser Statistik können das zukünftige Vorgehen und die Förderung von Forschung geplant werden. Gefährliche Krankheiten wie verschiedene Arten von Krebs (Lungenkrebs, Brustkrebs, Darmkrebs), Atemwegserkrankungen (z. B. COPD, Lungenentzündung) oder Herzinfarkte sind verantwortlich für eine Vielzahl an Todesfällen pro Jahr. Aber auch die Volkskrankheiten Bluthochdruck und Übergewicht sind Einsatzgebiete des Gesundheitsmanagements. Schon eine erhöhte Sensibilisierung der Bürger für die Risiken kann mittelfristig zu einer Verbesserung der Gesamtgesundheit führen.

Was bedeutet Betriebliches Gesundheitsmanagement?

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement ist der Unterbereich, der sich mit den Einflüssen von Arbeit auf Ihre Gesundheit beschäftigt. Schon heute sind viele schädliche Einflüsse verschiedener Tätigkeiten auf den Körper bekannt. Zu langes Sitzen und Fließbandarbeit schaden dem Rücken, der Umgang mit gefährlichen Chemikalien zwingt uns zu einer Schutzausrüstung. In vielen Industriebetrieben gehören mittlerweile Sicherheitsbrillen und ein Gehörschutz zur Standardausrüstung.

Dies sind Errungenschaften des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Immer mehr Menschen arbeiten in Büros, daher wurde es auch zunehmend wichtiger, diesen – vordergründig ungefährlichen – Arbeitsbereich ebenfalls zu überprüfen. Doch neben den körperlichen Belastungen sind in den letzten Jahrzehnten auch immer mehr die psychischen Belastungen der Arbeit in den Mittelpunkt gerückt. Monotone Arbeiten, lange Arbeitszeiten und hoher Erfolgsdruck hinterlassen Spuren bei Angestellten.

Daraus folgend steigen die Fehltage der Deutschen im Angestelltenverhältnis seit Jahren an. Neben der wachsenden Arbeitsbelastung ist auch das hohe Durchschnittsalter der Arbeitnehmer für die steigenden Ausfallzeiten verantwortlich. Der wirtschaftliche Schaden wird von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin auf 76 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Auch aufgrund dieser Zahl haben die Arbeitgeber in den letzten Jahren den Wert ihrer Angestellten erkannt und verstärken ihre Bemühungen seit einiger Zeit. Der Katalog an Maßnahmen zur Gesundheitsförderung ist vielseitig und durch die steigende Bedeutung erhöht sich die Auswahl an neuen Möglichkeiten immer weiter.

„Nur, wenn Sie vollkommen gesund sind, sind Sie leistungsfähig. Arbeiten Sie deswegen mit Ihrem Arbeitgeber zusammen, um Ihre Gesundheit bestmöglich zu fördern. Sie sind das wichtigste Kapital des Unternehmens.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Was tun die Unternehmen?

An erster Stelle steht für alle Unternehmen eine Bestandsaufnahme der aktuellen Verhältnisse, die sogenannte BGM-Analyse. Nur nach einem detaillierten Blick auf die Gesundheitsverhältnisse im Betrieb können die passenden Maßnahmen ausgewählt werden. Die häufigsten Gründe für Arbeitszeitausfall in deutschen Unternehmen sind Rückenleiden (HWS-Syndrom, Osteochondrose, Bandscheibenvorfall), Probleme mit dem Muskel-Skelett-Apparat (Arthrose, Handgelenksschmerzen oder Bänderverletzungen) und psychische Erkrankungen (z. B. Burnout, Essstörungen, Stress). Viele dieser Krankheiten können durch entsprechende Vorkehrungen vermieden werden. Die Zielsetzungen der Unternehmen werden anhand eines Fragenkatalogs festlegt:

  1. In welchen Bereichen wollen/müssen die verantwortlichen Experten im Unternehmen aktiv werden?
  2. Welche Gesundheitsbereiche/-ebenen (körperliche, psychische, kognitive und/oder organisationale Ebene) wollen/müssen aktiv angegangen und verbessert werden?
  3. Anhand welcher statistischen Zahlen in der Analyse erkennen wir unser Verbesserungspotenzial? Auf welchen Wert sollen sich diese Zahlen verbessern?
  4. Wie viel Zeit steht für das Erreichen dieser Zahlen zur Verfügung? Wann wird die Effektivität der Maßnahmen überprüft?
Gut zu wissen!
Obwohl es für die Unternehmen zu Beginn einen finanziellen Aufwand bedeutet, die benötigten Maßnahmen in Angriff zu nehmen, sollten Sie nicht zögern, den Bedarf dafür anzumelden. Auf lange Sicht profitiert der Arbeitgeber immer von gesunden und leistungsfähigen Arbeitnehmern und sollte Wert darauf legen, diese Gesundheit zu erhalten und zu fördern.

Diese Hilfen werden angeboten

Die Liste an Hilfsangeboten wirkt auf den ersten Blick sehr umfangreich, allerdings auch unübersichtlich. Durch die schiere Masse an Maßnahmen kommt es im Betrieb oftmals zu Entscheidungsschwierigkeiten, da in den meisten Fällen abgewogen wird, welche Maßnahmen finanziell und organisatorisch machbar sind – hier hilft eine sogenannte Bedarfsanalyse.

Nicht alle Maßnahmen eignen sich gleichermaßen für kleine bis große Unternehmen. Betriebssportgruppen beispielsweise sind in handwerklichen Kleinbetrieben nicht umsetzbar, dafür sind mobile Massageangebote für die Pause oder zeitlich flexible Arbeitszeiten in vielen Großunternehmen finanziell unmöglich oder ermöglichen keine verlässliche Planung. Die folgende Liste bietet Ihnen auszugsweise einen Überblick über mögliche Ansatzpunkte. Eventuell finden Sie dort auch Maßnahmen, die Sie Ihrem Arbeitgeber vorschlagen können:

Ernährungsmaßnahmen:

  • Obstteller am Arbeitsplatz
  • kostenlose Getränke
  • gesunde Kantinenverpflegung
  • Ernährungsberatungen/-workshops

Arbeitsplatzanpassungen:

Medizinische Vorkehrungen:

Managementansätze:

  • betriebliches Stressmanagement
  • Mitarbeiterbefragungen
  • flexible Arbeitszeiten
  • Schulungen für Führungskräfte (Gesund Führen)
  • Firmenevents oder -wettkämpfe zu Gesundheitsthemen (mit dem Fahrrad zur Arbeit, Firmen-Läufe, Schrittzähler etc.)

Lebensstilanpassungen und Sportförderung:

  • Kooperationen mit Fitnessstudios
  • Rückenfit-Kurse
  • Gesundheitstage
  • aktive Pausen (Businessyoga, Fit am Arbeitsplatz etc.)
  • Rauchentwöhnung mit Prämiensystem

So funktioniert die Gesundheitsförderung

Den Begriff der Gesundheitsförderung führte ein Konzept der Weltgesundheitsorganisation gegen Ende der 1980er Jahre ein. Übergeordnetes Ziel ist die Verbesserung der persönlichen Gesundheit. Dazu gehören neben der Weiterbildung persönlicher Kompetenzen auch politische Anstrengungen zur Verbesserung des Gesundheitssystems. Allen politischen Teilbereichen wird nachgesagt, durch ihre Entscheidungen direkt oder indirekt Einfluss auf die Gesundheit der Bürger zu nehmen. Deswegen muss ein Hauptaugenmerk bei jeder Entscheidung darauf liegen, die Grundbedingungen für ein gesundes Leben zu verbessern oder zumindest nicht zu verschlechtern. In dem Konzept wurden neben der Politik noch weitere Einsatzfelder festgelegt, die zu einer Gesundheitsförderung beitragen sollen, und zwar:

  • gesundheitsfördernde Lebenswelt schaffen: lebenswerte Umgebung, inkl. Arbeitsplatz, Schule, Wohnung
  • gesundheitsbezogene Gemeinschaften fördern: Zusammenarbeit mit dem Ziel, Gesundheit zu stärken
  • Gesundheitsdienste neu orientieren: Förderung von Gesundheit statt Heilung von Krankheit
  • persönliche Kompetenzen entwickeln: Gesundheitsbewusstsein und -kompetenz steigern – informierte Bürger treffen bessere Entscheidungen

Insbesondere der Arbeitsplatz (siehe oben) wurde als entwicklungsfähig herausgearbeitet. Aber auch Schulen, das soziale Wohnungsumfeld, die Gesundheitsversorgung und die generelle Berichterstattung sollten einen anderen Fokus verfolgen. Durch bessere Analysen ergibt sich ein detaillierteres Bild, mit dessen Hilfe die handelnden Personen im Anschluss zielgenau verschiedene Initiativen unterstützen.

Gesundheitsmanagement auf einen Blick

  • umfasst alle Bestrebungen zur Verbesserung der Gesamtgesundheit der Bevölkerung
  • Organisation von Maßnahmen und Plänen
  • Sicherstellen von Versorgung

Aufbau

  • viele verschiedene Institutionen:
    • EU, Bundesministerium für Gesundheit, Gesundheitsämter, Krankenhäuser, Forschungseinrichtungen
    • auch in sehr kleinem Rahmen in Betrieben, Schulen und im Privatleben möglich

Aufgaben

  • Steigerung der Gesamtgesundheit
  • Verringerung von Krankheiten, Verletzungen
  • Sicherstellen von medizinischer (Grund-)Versorgung (auch in ländlichen Gemeinden)
  • Finanzierung von Forschung und Gesundheitssystem
  • Förderung eines nachhaltigen Gesundheitsverständnisses
  • Verringerung von Alkohol-, Drogen- und Tabakschäden
  • Gesundheit in jedem Lebensalter sicherstellen
  • psychische Gesundheit fördern

Was ist der Unterschied zwischen Prävention und Gesundheitsförderung?

Im Gegensatz zur Gesundheitsförderung beschäftigt sich die Prävention nicht mit der Stärkung der Gesundheit. Eine Prävention dient der Vorbeugung vor Krankheiten, wirkt also direkt gegen Erreger. Impfungen, beispielsweise die Masern-Impfung oder die Grippe-Impfung, sind gute Beispiele für präventive Maßnahmen. Diese haben keinen Einfluss auf die aktuelle Gesundheit, sorgen in Zukunft aber für Schutz gegen Risikofaktoren. Bei der Gesundheitsförderung liegt der Fokus aber genau auf der Verbesserung der Gesundheit und weniger auf dem Schutz vor Krankheiten.

Achtung!
Die beiden Möglichkeiten schließen sich auf keinen Fall gegenseitig aus. Es ist absolut wichtig, die gesundheitsfördernden Maßnahmen mit der Prävention zu verbinden. Welcher der beiden Wege erfolgsversprechender ist, muss im Einzelfall entschieden werden.

Welche der genannten Maßnahmen des Gesundheitsmanagements konnten Sie an Ihrem Arbeitsplatz bereits feststellen? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an der Umfrage helfen Sie uns und anderen Menschen dabei, einzuschätzen, in welchen Bereichen die Menschen weiterhin sensibilisiert werden müssen.

Berufsfelder im Gesundheitsmanagement

Fort- und Weiterbildungen

In den letzten Jahren haben die Arbeitgeber die steigende Bedeutung der Gesundheit ihrer Arbeitnehmer erfasst und sich darauf eingestellt. Etwa ein Drittel aller deutschen Unternehmen befasst sich aktiv mit Betrieblichem Gesundheitsmanagement und benötigt dafür ausgebildete Fachleute. Es existieren zahlreiche Möglichkeiten, die erforderlichen Kenntnisse auch berufsbegleitend zu erlangen.

In vielfältigen Fort- und Weiterbildungen zum Thema Gesundheitsmanagement erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen. Dabei können die Lehrinhalte speziell auf die Bedürfnisse Ihres Unternehmens abgestimmt sein, in den meisten Fällen erhalten Sie aber einen weiten Überblick über das Fachwissen, die Maßnahmen und Handlungsfelder des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Anbieter bieten von der Industrie- und Handelskammer zertifizierte Abschlüsse an, die innerhalb weniger Monate erreicht werden können. In vielen Fällen übernimmt Ihr Unternehmen mindestens teilweise die Kosten für eine solche Weiterbildung.

Gesundheitsmanagement als Studium

Während sich Weiterbildungen hauptsächlich auf praktische Gesichtspunkte konzentrieren – die Einbindung in den Betrieb, die Wiedereingliederung nach Krankheit – vermittelt ein Studium grundlegende Kenntnisse über medizinische und betriebswirtschaftliche Themenbereiche. Auch das juristische Fachwissen im Wirtschafts- und Medizinrecht ist Teil der Ausbildung. Je nach Schwerpunkt des Studiums und Studienstandort ist es möglich, einen Bachelor of Arts oder einen Bachelor of Science zu erlangen, vereinzelt werden sogar Masterstudiengänge angeboten. Der betriebswirtschaftliche Anteil steht dabei im Vordergrund, wird allerdings ergänzt durch Managementgrundlagen, medizinische Kenntnisse, Ethik und Projektmanagementeinführungen. Dadurch erhalten Sie in sechs bis elf Semestern einen ganzheitlichen Überblick in den doppelten Arbeitsbereich zwischen Betriebswirtschaft und Gesundheitswesen.

Aktuelle Forschung – Das Potenzial von Online-Gesundheitstrainings – E-Mental Health im Betrieblichem Gesundheitsmanagement

Ein großes Problem der vorhandenen Kursangebote im Gesundheitsmanagement ist die begrenzte Verfügbarkeit. Während Arbeitnehmer davon absehen, Kursangebote in der Freizeit anzunehmen, zögern Arbeitgeber häufig, ihre Angestellten während der Arbeitszeit freizustellen. Einen Lösungsansatz bieten die Online- Gesundheitstrainings, die seit einiger Zeit vermehrt angeboten werden. Diese Kurse können während der Arbeitszeit durchgeführt werden, ohne den Arbeitsplatz zu verlassen. Außerdem sind die möglichen Teilnehmerzahlen wesentlich höher als bei den herkömmlichen Kursen.

Was bleibt am Ende hängen?

Entscheidend ist dann letztendlich, welchen Wissenszuwachs Angestellte aus dieser Form des Lehrgangs mitnehmen. Darum hat sich ein Forscherteam um Stephanie Nobis mit der Wirksamkeit dieser Kurse beschäftigt. Dafür haben Sie zahlreiche internationale Studien zu dem Thema ausgewertet. Insgesamt über 35 Studien aus aller Welt dienen als Grundlage für die Ergebnisse der Untersuchung, die Datenlage für Deutschland ist allerdings bisher nur wenig erfasst.

Das Ergebnis ist eindeutig. Depressivität, Ängste und Schlafstörungen verringern sich effektiv nach der Teilnahme an diesen Kursen. Unklar ist noch, ob diese Kurse auch präventiv, also vor Eintritt der Beschwerden, helfen können. Dazu liegen noch nicht genug Erkenntnisse vor. Problematisch sieht das Forscherteam dagegen die Ergebnisse zum Teilnahmeverhalten. Die Anzahl an Teilnehmern, die die Anweisungen nur teilweise oder kaum befolgen, ist wesentlich höher als bei Kursen, die tatsächliche Anwesenheit voraussetzen. Insgesamt zeigt sich hier aber ein verheißungsvolles, unerschlossenes Potenzial zur Steigerung der Gesamtgesundheit der Bevölkerung.

Quelle: Stephanie Nobis, Elena Heber u.a. (2018): E-Mental Health im Betrieblichen Gesundheitsmanagement – das Potenzial von Online-Gesundheitstrainings am Beispiel von GET.ON Stress. In: David Matusiewicz (Hrsg.): Digitales Betriebliches Gesundheitsmanagement. FOM-Edition (FOM Hochschule für Oekonomie & Management). Springer Gabler, Wiesbaden.

Häufige Patientenfragen

Welche Jobs gibt es im Bereich Gesundheitsmanagement?

Dr. Dr. T. Weigl
Die letztendlichen Berufe sind ebenso vielfältig wie die Ausbildungsmöglichkeiten. Nach einer Fort- oder Weiterbildung arbeiten Sie häufig einfach in dem Bereich weiter, in dem Sie auch vorher tätig waren und sind jetzt „nebenberuflich“ Gesundheitsmanagerin im Unternehmen. Nach einem vollständigen Studium stehen Ihnen Berufsfelder in vielen Branchen, beispielsweise bei Krankenkassen, im Gesundheitswesen oder an Hochschulen, offen. Diese Liste gibt Ihnen einen ersten Überblick:

  • Kliniken, Gesundheitszentren
  • Sozialwesen (Altenheime)
  • Krankenkassen
  • Ärztekammern und kassenärztliche Vereinigungen
  • Gesundheitsämtern
  • Verbraucherorganisationen
  • Hochschulen
  • vielfältige Berufen der freien Wirtschaft:
    • im Gesundheitstourismus (Kuren, Fitnessurlaube)
    • in Fitnessstudios und im Rehasport

Wie finde ich meinen Ansprechpartner im Unternehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
In großen Betrieben ist die Aufgabe des Betrieblichen Gesundheitsmanagements häufig auf mehrere Schultern verteilt. Die Personalabteilung, der Betriebsarzt, der Betriebsrat und Experten für Arbeitssicherheit arbeiten oft Hand in Hand, um die vielfältigen Herausforderungen zu meistern. In kleineren Unternehmen gibt es häufig einzelne Fachleute, manchmal muss aber auch Unterstützung von außerhalb miteinbezogen werden. Fragen Sie ihren Vorgesetzten – denn es liegt auch im Firmeninteresse, dass Sie langfristig leistungsfähig bleiben.

Wo finde ich zusätzliche Informationen für die Umsetzung des betrieblichen Gesundheitsmanagements in meinem Unternehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Die Internetseiten der Bibago und insbesondere des Bundesverbands Betriebliches Gesundheitsmanagement e.V. bieten eine Fülle an Informationen zu diesem Thema. Allerdings ist es vor der Umsetzung häufig ratsam, eine Analyse durchzuführen, die die gesundheitlichen Missstände ihres Unternehmens aufzeigt. Nur so kann wirklich systematisch geplant und organisiert werden.

Gehören Schutzbrillen und Gehörschutz nicht eigentlich zur Arbeitssicherheit und nicht zum Gesundheitsmanagement?

Dr. Dr. T. Weigl
Ja, diese Gegenstände sind in erster Linie Pflicht, um die Arbeitssicherheit zu gewährleisten. Dennoch ist das dadurch erreichte Ziel die Aufrechterhaltung der Gesundheit. In vielen Unternehmen ist die Einhaltung der Arbeitssicherheit längst im Tätigkeitsbereich der Gesundheitsmanager aufgegangen, da die Einsatzbereiche mit der Zeit immer mehr miteinander verschmolzen sind.

Typisches Patientenbeispiel

Erika hat schon lange den Spaß an ihrem Job verloren. Jeden Tag stundenlang auf dem unbequemen Stuhl am Telefon zu hängen, hatte sie sich nicht vorgestellt, als sie vor Jahren bei der Versicherung angefangen hat. Ständig plagen sie Rückenschmerzen und das lange Sitzen hatte auch nicht die besten Folgen für ihre Figur. Sie braucht den Job aber. Die jungen Kollegen zucken nur ratlos mit den Schultern, wenn sie von ihren Leiden erzählt – na klar, vor 20 Jahren hat ihr Rücken das auch alles noch problemlos mitgemacht.

Eines Tages nimmt sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr. Tanja, die Kollegin aus der Schadensregulierung, bewegt sich rhythmisch auf und ab, während sie telefoniert. Irritiert kann Erika ihren Blick nicht abwenden und wird schließlich von Tanja angesprochen. „Kann ich dir helfen? Du schaust ja, als ob du einen Geist gesehen hast“. Sie kommt herüber. Hinter ihrem Schreibtisch rollt langsam ein großer Gummiball in Erikas Sichtfeld hervor. „Wo hast du dieses Ding denn her?“, fragt Erika sofort und Tanja erzählt ihr, dass sie in letzter Zeit Rückenbeschwerden hatte und sich von Sybille einen Sitzball besorgt hat. Sybille ist zuständig für das Gesundheitsmanagement hier in der Abteilung. Neben dem neuen Sitzball hat sie Tanja auch in einem Sportkurs nach Feierabend untergebracht.

Das Gesundheitsmanagement hilft

Am nächsten Tag sitzt Erika in Sybilles Büro. „Warum bist du denn nicht viel früher zu mir gekommen? Schleppst dich mit schmerzendem Rücken zur Arbeit, das kann doch auch keinen Spaß machen.“ Sybille legt einen Ordner vom Gesundheitsmanagement vor Erika ab. „Nimm den ruhig mit nach Hause und schau dir alles in Ruhe an. Damit kriegen wir dich im Handumdrehen in Marathonform.“ In der Mittagspause blättert Erika den Ordner durch. Rückentrainings, Mitgliedschaft im Fitnessclub, sogar einen neuen Stuhl und höhenverstellbaren Tisch hat Sybille ihr in Aussicht gestellt. Sie kann ihr Glück kaum fassen. „Damit schaffe ich die paar Jährchen bis zur Rente doch locker“, denkt sie grinsend.

Verwandte Themen

Was würden Sie noch gerne über Gesundheitsmanagement wissen? Haben Sie Fragen zu den genannten Möglichkeiten der Gesundheitsförderung? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Timo Hülsmann
Lektorat: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 13.01.2020

Quellen

  • Arbeitsagentur (2019): BerufeNET Steckbrief: Gesundheitsmanagement, -ökonomie (grundständig). 01.10.2019.
  • Bundesministerium für Gesundheit (2019): Betriebliche Gesundheitsförderung: Umsetzung. 10.12.2019.
  • Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement e.V. (2018): Zentrale Begriffe und ihre Verwendung. Gießen. 12.09.2018.
  • Jens-Uwe Niehoff (2008): Gesundheitssicherung – Gesundheitsversorgung – Gesundheitsmanagement. Grundlagen, Ziele, Aufgaben, Perspektiven. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin.
  • Stephanie Nobis, Elena Heber u. a. (2018): E-Mental Health im Betrieblichen Gesundheitsmanagement – das Potenzial von Online-Gesundheitstrainings am Beispiel von GET.ON Stress. In: David Matusiewicz (Hrsg.): Digitales Betriebliches Gesundheitsmanagement. FOM-Edition (FOM Hochschule für Oekonomie & Management). Springer Gabler, Wiesbaden.
  • Weltgesundheitsorganisation Europa (WHO) (2013): Gesundheit 2020: Rahmenkonzept und Strategie der Europäischen Region für das 21. Jahrhundert. Kopenhagen.
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO) (1998): Gesundheit21: Eine Einführung zum Rahmenkonzept Gesundheit für alle für die Europäische Region der WHO. Kopenhagen.
[Gesamt:7    Durchschnitt: 5/5]

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