Sign up with your email address to be the first to know about new products, VIP offers, blog features & more.

Medikamente und Laufsport – wirklicher Nutzen oder Lebensgefahr?

Auf einen Blick-Medikamente und Laufsport

Welche Medikamente können problematisch beim Laufsport werden?

  • vor allem Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS, „Aspirin“), Diclofenac, Ibuprofen und Paracetamol
  • einige Medikamente gegen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • weitere wie z. B. Antidiabetika und Antibiotika

Worin bestehen Gefahren durch Schmerzmittel beim Laufsport?

  • Überdosierung
  • Langzeittherapie (Einsatz beim Training)
  • Körper ist beim Laufen ohnehin in einer Belastungssituation
  • Nebenwirkungen treten verstärkt auf

Welche Nebenwirkungen können durch Schmerzmittel auftreten?

  • Darmkrämpfe
  • Blutungen
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Temporäres Nierenversagen
  • Herzinfarkt

Tipps zu Schmerzmitteln und Laufsport

  • wenig geeignet zur Prävention, da negative Nutzen-Risiko-Bilanz
  • besser nach dem Wettkampf und nachdem der Körper wieder zur Ruhe gekommen ist
  • Faustregel: Schmerzmedikamente ohne Rücksprache mit einem Arzt nicht länger als 3 Tage einnehmen

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Anzeigen

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Durchschnittlich jeder zweite Marathonteilnehmer des Marathons in Bonn 2009 nahm bereits vor dem Start ein Schmerzmittel ein – wobei die wenigstens zu diesem Zeitpunkt tatsächlich über Schmerzen klagten. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie desselben Jahres mit 4000 Befragten. Dies ist eine erschreckend hohe Zahl, führt man sich doch die potenziellen Nebenwirkungen wie temporäres Nierenversagen, Magen-Darm-Blutungen und sogar Herzinfarkt vor Augen.

Warum können Nebenwirkungen beim Laufsport öfter oder stärker auftreten? Welche Medikamente gilt es außer den Schmerzmitteln zu beachten? Im nachfolgenden Artikel informieren wir Sie über die Zusammenhänge.

Nutzen Sie gerne auch unsere Kommentarfunktion weiter unten, um sich über Medikamente beim Laufsport mit uns und untereinander auszutauschen.

Was ist der Hintergrund von Schmerzmedikamenten beim Laufsport?

Anhand der eingangs erwähnten Studie zum Bonn-Marathon wird klar: Die Einnahme von Schmerzmedikamenten stellt ein großes Problem beim Laufsport dar. Sie werden von vielen Läufern leichtfertig eingenommen als wären es „Smarties“. Höchstdosis und empfohlene maximale Anwendungsdauer werden ignoriert, was gefährliche Nebenwirkungen begünstigt. Mit dem Begriff Schmerzmedikamente sind hierbei vor allem die rezeptfrei erhältlichen gemeint. Zu ihnen zählen:

Diese Arzneimittel sind eigentlich dazu da, bei akuten Schmerzen kurzfristig das Schmerzgefühl zu lindern. Oft werden die Medikamente beim Laufsport aber missbräuchlich verwendet, indem sie vor oder während des Laufs prophylaktisch eingenommen werden. Die Läufer erhoffen sich dadurch, ihre Schmerzschwelle anzuheben und so den Lauf besser zu bewältigen. Gelenk- und Muskelschmerzen sollen möglichst nicht auftreten. Dieser Missbrauch ist weit verbreitet, wie die zu Beginn genannte Studie um den Bonn-Marathon zeigt.

Anzeigen
Gut zu wissen

Auch Cannabis ist seit 2017 ein „in Ausnahmefällen“ geeignetes Schmerzmittel. Neben seiner Schmerzlinderung wirkt es entzündungshemmend, muskelentspannend, antiemetisch (gegen Übelkeit und Erbrechen) und appetitfördernd. Cannabinoide stehen jedoch auf der Verbotsliste der Nationalen Anti-Doping Agentur Deutschland (NADA) und sind im sportlichen Wettkampf verboten.

Warum Schmerzen ihre Daseinsberechtigung haben

Schmerzsignale sendet der Körper dann aus, wenn ein potentiell schädigender Einfluss auf ihn ausgeübt wird: Große Hitze, spitze Gegenstände, Gewalteinwirkung, Erkrankungen und mehr. Sinnesorgane nehmen diese Einwirkung wahr, leiten sie über Nerven an das Gehirn weiter und werden dort in ein Schmerzgefühl übersetzt. Es soll eine Reaktion motiviert werden, die Schmerzquelle zu meiden oder zumindest auf sie aufmerksam zu werden.

Beim Laufen können dies beispielsweise schmerzende Gelenke sein. Auch hier möchte das Schmerzempfinden übermitteln, dass etwas gesundheitlich nicht stimmt und z. B. eine Überbelastung durch das Laufen mitteilen. Unterdrückt ein Schmerzmittel diese Empfindung aber, werden die entsprechenden Körperstrukturen „gegen ihren Willen“ weiter belastet. Daraus können größere gesundheitliche Schäden entstehen, die sich im schlimmsten Fall chronifizieren. Nehmen Sie daher den Schmerz beim Laufsport als „schützendes Warnsignal“ wahr, um die Ursache Ihrer Beschwerden zu ergründen. Gegebenenfalls zusammen mit einem Arzt.

Wie schädlich sind Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac und andere? Möchten Sie sich einen Überblick zu diesen Medikamenten und ihren Nebenwirkungen verschaffen? Dann schauen Sie sich gerne folgenden Beitrag von Dr. Dr. Tobias Weigl im Dialog mit Steffan Kuhnert an.

Sind Schmerzmittel Aspirin, Diclo, Ibuprofen schädlich? Q&A mit Steffen Kuhnert von "Gerne Gesund"

Wann ist es sinnvoll, Schmerzmedikamente für den Laufsport einzunehmen?

Schmerzmedikamente können eingenommen werden, wenn nach dem Laufsport akute Schmerzen auftreten. Kurzzeitig angewandt helfen sie Betroffenen in einer Schmerzphase. Allgemein sollte die Einnahme von Medikamenten wie Ibuprofen und Aspirin gegen Schmerzen nicht länger als 3 Tage am Stück dauern. Beachten Sie davor aber, ob ein Umstand gegen die Anwendung spricht (z. B. Einnahme bestimmter anderer Arzneimittel) und halten Sie sich an die Tageshöchstdosis.

Anzeigen

Welche Nebenwirkungen können insbesondere bei Schmerzmedikamenten und Laufsport auftreten?

Generell gilt für Medikamente: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Die im Artikel genannten Arzneistoffe bilden hier keine Ausnahme. Sie alle haben potentielle Nebenwirkungen. Der Laufsport kann hierbei einen verstärkenden Risikofaktor darstellen, sodass Nebenwirkungen stärker oder häufiger auftreten oder die Nebenwirkung eine größere Bedrohung darstellt als im Ruhezustand. Nachfolgend sind Auszüge von Nebenwirkungen bestimmter Medikamente dargestellt und die jeweiligen besonderen Risiken im Zusammenhang mit Laufsport:

  • Acetylsalicylsäure (ASS): Typische Nebenwirkungen sind Magengeschwüre, Sodbrennen, asthmatische Beschwerden und Blutungen im Magen-Darm-Bereich. Jedoch ist durch die Einnahme von ASS auch die Blutgerinnung gehemmt, was sich bei Sportunfällen, die zu offene Wunden führen, ungünstig auswirkt. Sie werden dann einen stärkeren Blutverlust erleiden. Auch innere Gewebsblutungen sind davon betroffen (z. B. durch Verstauchungen).
  • Ibuprofen: Potenziell können Magen-Darm-Beschwerden, Nierenstörungen, Schwindel und Müdigkeit auftreten. Ibuprofen sollten Sie aufgrund von Wechselwirkungen nicht mit Diclofenac, ASS und anderen Medikamenten der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (kurz: NSAR) kombinieren.
  • Diclofenac: Magen-Darm-Beschwerden, Nierenstörungen, Leberschäden, Schwindel und Müdigkeit können einsetzen. Der Arzneistoff wird zwar oft zur Linderung von Schmerzen der Muskeln, Bänder und Gelenken eingenommen oder als Gel aufgetragen. Sie sollten ihn jedoch nicht zur Vorbeugung einnehmen.
  • Paracetamol: Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Übelkeit, Bauchschmerzen und allergische Reaktionen. Paracetamol verfügt über eine geringere schmerzstillende Wirkung als die anderen in dieser Liste genannten. Daher verleitet der Wirkstoff im Zusammenhang mit Laufsport zu einer höheren Dosierung. Jedoch droht hierdurch eine Schädigung der Leber, vor allem mit Alkohol
  • Metamizol-Natrium: Nebenwirkungen sind teils schwere Hautveränderungen, psychische Störungen wie Verwirrtheit und Angst, Blutungen im Magen-Darm-Bereich und Übelkeit und Erbrechen. Manchmal färbt sich auch der Urin rot. Gefürchtet ist vor allem die Agranulozytose: Hierbei ist die Bildung bestimmter weißer Blutkörperchen (sog. Granulozyten) gestört und es treten Halsschmerzen, Schleimhautschäden und Fieber bis hin zu einer Sepsis auf. Diese Nebenwirkung kann tödlich enden. Daher ist es wichtig, bei Auftreten der Symptome das Medikament sofort abzusetzen und sich in die Hände eines Arztes zu begeben.
Achtung

Kombipräparate, die schmerzsenkende Arzneistoffe enthalten, sollten Sie vermeiden. Dies sind Medikamente, die z. B. gleichzeitig Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein enthalten. Sie sind oft wenig geeignet, da ihre Zusammensetzung nicht sinnvoll gewählt ist oder nicht alle Komponenten einen wirklichen Zusatznutzen gegen die Symptome erbringen. Außerdem besteht die Gefahr, die Höchstdosis eines Schmerzmittels unwissentlich durch die gleichzeitige Einnahme dieser Kombipräparate zu sprengen.

„Schmerzmedikamente, die vor oder während des Laufsports zur Schmerzprävention eingenommen werden, schaden meist mehr als sie nutzen.“ – Dr. Dr. Tobias Weigl

Was ist bei der Einnahme von Schmerzmedikamenten und Laufsport zu beachten?

Schmerzmittel sind kein „Teufelszeug“ und können, richtig angewandt, Betroffenen effektiv aus einer Schmerzphase helfen. Sie haben aber durchaus Nebenwirkungen, die durch eine zu lange oder zu hochdosierte Einnahme verstärkt auftreten. Daher gilt es, nachfolgende Prinzipien zu beachten:

  • der Schaden durch Schmerzmittel, die vor oder während des Laufs eingenommen werden, ist meist größer als der Nutzen
  • halten sie sich an die Höchstdosis, die beispielsweise im Beipackzettel des Medikaments hinterlegt ist
  • nehmen Sie Schmerzmittel mit ausreichend Flüssigkeit und nicht auf nüchternen Magen ein
  • haben Sie langfristig Schmerzen, sollten Sie dies mit einem Arzt besprechen, anstatt dauerhaft Schmerzmittel einzunehmen. Nehmen Sie Schmerzmittel nicht länger als 3 Tage hintereinander ein.
  • sollten Sie schon vor dem Lauf unter starken Gelenkschmerzen leiden, ist es ratsam, mit dem Sport zu pausieren und einen Arzt aufzusuchen
  • wollen Sie mehrere Medikamente ein, sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker klären, ob diese nicht untereinander Wechselwirkungen ausüben. Beispielsweise sollten nicht mehrere NSAR-Medikamente miteinander kombiniert werden, z. B. Aspirin und Ibuprofen.
Achtung

Anzeigen

Bei Schmerzmitteln besteht die Gefahr einer Suchtentwicklung, wenn Sie diese häufig einnehmen. Sie erkennen die Abhängigkeit daran, dass sie sich bewusst nicht an die vorgegebenen Dosierungsempfehlungen halten oder das Medikament heimlich einnehmen. Auch eine Einnahme ohne Schmerzbeschwerden weist auf eine Sucht hin. Weiterhin können Sie Kopfschmerzen bekommen, der durch die häufige Schmerzmitteleinnahme bedingt ist. Suchen Sie in diesen Fällen einen Arzt auf, um mit ihm darüber zu sprechen.

Welche Medikamente spielen beim Laufsport noch eine Rolle?

Neben Schmerzmitteln gibt es noch einige weitere Medikamente, die es beim Laufsport zu beachten gilt. Dabei handelt es sich oft um Medikamente, auf die der Anwender über einen längeren Zeitraum angewiesen ist. Sportliche Betätigung ist unter Einnahme dieser Arzneistoffe meist möglich, es müssen nur mehr gesundheitliche Aspekte beachtet werden als bei gesunden Menschen.

Antibiotika

Weil Antibiotika generell bis zum Schluss eingenommen werden sollten, ist es ratsam, nicht vorher Laufsport auszuüben. Erst nach Beendigung der Einnahme kann wieder langsam das Training aufgenommen werden. Beachten Sie diese Prinzipien nicht, kann sich der Infekt, gegen den Sie das Mittel einnehmen sollen, ausbreiten und schlimmstenfalls eine Herzmuskelentzündung hervorrufen.

Betablocker

Dies sind blutdrucksenkende Mittel, z. B. Metoprolol und Bisoprolol. Sie werden beispielsweise bei Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Für Sportler zu beachten ist, dass sich Trainingseffekte verzögert einstellen und durch die Beeinflussung des Herzmuskels eine schnellere Ermüdung auftritt. Des Weiteren kann es unter der Einnahme von Metoprolol zu einer Gewichtszunahme kommen, was zusätzlich die Gelenke belastet.

Besonders aufpassen sollten Diabetiker: Betablocker unterdrücken die Wirkungen von Adrenalin und Noradrenalin. Diese würden aber im Falle einer Unterzuckerung Warnsignale wie Schwitzen oder Zittern verursachen. Daher kann es sein, dass Diabetiker unter Betablocker-Einnahme nicht merken, dass sie während des Laufs unterzuckert sind.

Möchten Patienten Ausdauersport betreiben, können sie mit dem behandelnden Arzt über eine Alternative für den Betablocker reden, beispielsweise ACE-Hemmer oder AT1-Rezeptorantagonisten.

Calcium-Antagonisten

Calcium-Antagonisten sind ebenfalls blutdrucksenkende Mittel, z. B. Amlodipin. Sie können sich ebenso nachteilig auf Trainingseffekte ausüben wie Betablocker, allerdings weniger stark.

Diabetesmittel

Darunter sind Medikamente zu verstehen, die bei Diabetes Typ 2 den Blutzuckerspiegel senken. Weil Laufsport selbst schon einen blutzuckersenkenden Effekt hat, ist er bei Diabetikern grundsätzlich zu begrüßen. Sie sollten allerdings darauf achten, dass die Einnahme des Diabetesmittel, der Sport und die Ernährung gut aufeinander abgestimmt sind, um eine Unterzuckerung zu vermeiden.

Diuretika

Dies sind sog. „Entwässerungs-Medikament“ wie Furosemid und Torasemid. Sie werden unter anderem gegen Wasseransammlungen im Gewebe (sog. Ödeme) und Bluthochdruck eingesetzt. Unter Einnahme dieser Arzneistoffgruppe verliert der sportreibende Patient mehr Wasser und Elektrolyte also sonst: Einmal durch das Schwitzen und einmal durch die Diuretika. Wer nun auf die Idee kommt, viel zu trinken, wirkt jedoch den Diuretika entgegen. Daher sollte mit einem Sportmediziner besprochen werden, wie Medikamenteneinnahme, Sport und Trinkmenge in Einklang gebracht werden können.

Gerinnungshemmer

Hierzu zählen z. B. Phenprocoumon („Marcumar“) und Heparin. Sie beeinflussen die plasmatische Blutgerinnung und setzen die Gerinnungsfähigkeit herab, sodass sich keine Blutgerinnsel bilden. Diese Medikamente werden unter anderem von Menschen mit einer künstlichen Herzklappe und bei Vorhofflimmern eingenommen. Verletzen sich Laufsportler unter der Medikamenteneinnahme, kann es zu schweren inneren und äußeren Blutungen kommen. Daher sollten sie besonders vorsichtig sein.

Nitrate

Dies sind Mittel zur Weitung verengter Herzkranzgefäße: Nitroglycerin, Isosorbiddinitrat (ISDN), Nicorandil sind Wirkstoffbeispiele. Eine typische Nebenwirkung, der „Nitrat-Kopfschmerz“, kann vor allem zu Beginn der körperlichen Belastung verstärkt auftreten. Außerdem ist auf Schwindel zu achten. Oft werden Nitrate gegen Herzkrankheiten genommen, die mit einem erhöhten Risiko für einen Herzinfarkt einhergehen. Daher braucht es hier besondere sportmedizinische Betreuung.

Statine

Statine sind cholesterinsenkende Arzneistoffe wie Simvastatin. Sie werden eingenommen, um das Cholesterin im Blut und dadurch auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern. Eine ihrer Nebenwirkungen sind Muskelschmerzen. In seltenen Fällen kann es zur sog. „Rhabdomyolyse“ kommen, bei der Muskelzellen verfallen und Nierenversagen eintritt. Um zu kontrollieren, ob der Statin-Spiegel im Blut richtig eingestellt ist, kann ein Arzt im Blut das Enzym Kreatinkinase überprüfen. Problematisch dabei ist, das intensive sportliche Betätigung diesen Wert verfälschen kann. Trotzdem ist es ratsam, auch unter Statin-Einnahme Sport auszuüben, weil dadurch zusätzlich das Herz-Kreislauf-Risiko gesenkt wird.

Exkurs: Wirken Statine?

Oft steht bei Statinen wie Simvastatin die Frage im Raum, ob diese auch wirklich wirksam sind. Eine der Nebenwirkungen, nämlich muskelkaterartige Schmerzen zu verursachen, ist oft ein Grund für die Patienten, die Einnahme abzubrechen. Gerade, wenn der Patient ohnehin an der Wirksamkeit zweifelt, fällt ihm diese Entscheidung leicht.

Doch die Anwendung von Statinen lohnt sich grundsätzlich: Mehre Studien haben ergeben, dass sie effektiv LDL, das „schlechte“ Cholesterin, senken. Dieser Effekt ist deshalb wichtig, weil erhöhtes LDL-Cholesterin im Blut ein lautloser Wegbereiter für gefährliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Das Cholesterin lagert sich als Plaque in Blutgefäße ein und verengt sie.

Wie alle Medikamente hat auch Simvastatin Nebenwirkungen wie die bereits beschriebenen Muskelschmerzen, ein erhöhtes Risiko für Diabetes oder einen Muskelzerfall (sog. Rhabdomyolyse). Diese Nebenwirkungen sind jedoch selten, sodass 1 bis 10 von 10.000 Patienten davon betroffen sind. Interessant ist weiterhin: Die Nebenwirkung der Muskelschmerzen tritt viel häufiger auf, wenn Anwender bereits von dieser Nebenwirkung gehört haben, nämlich zu 7-29%. Bei Patienten, die nichts von dieser Nebenwirkung wissen und Statine einnehmen, tritt der Muskelschmerz nur zu 0,2% auf. Das ist das Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2018. Man spricht hier vom sog. „Nocebo-Effekt“. Er funktioniert ähnlich wie der Placebo-Effekt, nur mit der Erwartung eines negativen Ereignisses.

Insgesamt ist festzuhalten: Bei Statinen überwiegt der Nutzen das Risiko. Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch einen dauerhaft hohen Cholesterinwert sind schwerwiegender und tödlicher.

Wenn Sie mehr über Statine lernen wollen und z. B. erfahren möchte, warum Statine über ihre Cholesterinsenkung hinaus Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen können, dann schauen Sie sich gerne folgenden Artikel an:

Simvastatin – Cholesterinsenkung und Kardioprotektion – Wirkung, Nebenwirkungen und Anwendung

Vielleicht haben auch sie schon einmal Schmerzmittel für Ihren Laufsport eingenommen. Welche Nebenwirkungen haben Sie dabei gespürt? (Mehrere Antwortmöglichkeiten wählbar) Mit Ihrer Teilnahme helfen Sie, anderen Laufsportlern ein Bild über die Nebenwirkungen von Schmerzmedikamenten beim Sport zu bekommen.

Fakten-Box – Medikamente und Laufsport

Potentiell problematische Medikamente beim Laufsport

  • Schmerzmedikamente wie Aspirin, Ibuprofen und Diclofenac
  • einige Medikamente gegen Herzkreislauf-Erkrankungen
  • weitere wie Antibiotika und Antidiabetika

Mögliche Nebenwirkungen durch Schmerzmittel

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Magen-Darm-Geschwüre
  • Nierenstörung
  • Leberstörung
  • Blutungen

Tipps

  • Schmerzmittel nur bei akuten Schmerzen nehmen, nicht zur Prophylaxe
  • Schmerzen beim Laufen als helfendes Warnsignal verstehen, nicht als „Feind“
  • Bei Fragen kann ein Sportmediziner helfen
  • ordentliches, regelmäßiges Lauftraining senkt Schmerzgrenze für den Wettkampf

Verbotene Medikamente bei Wettkämpfen

Die Nationale Anti-Doping Agentur Deutschland (kurz: NADA) ist eine Stiftung, die sich die Bekämpfung des Dopings im Sport als Ziel gesetzt haben. Sie bringt jährlich eine aktuelle Liste verbotener Substanzen heraus. Diese unterteilt sie in:

  • allzeit Verbotene Substanzen und Methoden, also im und außerhalb des Wettkampfes: Beispielsweise Anabolika, Diuretika und Wachstumsfaktoren
  • im Wettkampf verbotene Substanzen: z. B. Cannabinoide, Glucocorticoide und Stimulanzien
  • Stoffe, die bei bestimmten Sportarten verboten sind: Betablocker wie Propranolol und Bisoprolol

Wenn Sie sich die komplette Liste anschauen möchten, klicken Sie gerne auf den untenstehenden Link. Es gibt mehr als einen guten Grund, sich an diese Liste zu halten: Einerseits sorgt dies für einen fairen Wettkampf. Aus medizinischer Sicht vermeiden Sie dadurch aber auch das Risiko von Nebenwirkungen durch die Substanzen.

NADA: Verbotene Substanzen und Methoden

Aktuelle Forschung – Wie stark ist Doping im Marathon verbreitet?

Aus unterschiedlichen Sportarten hört man immer wieder von Doping-Skandalen. Eine Forschergruppe um M.D. Campian wollte wissen, wie verbreitet die Einnahme leistungssteigernder Substanzen bei einem Ultramarathon-Lauf ist. Zum Ultramarathon zählen alle Läufe, die über die Länge eines normalen Marathons von 42,195 km hinausgehen. Das Forscherteam erstellte einen online-Fragebogen und befragte damit 609 Teilnehmer von Ultramarathon-Läufen.

Das Ergebnis

8,4% der Befragten gaben an, leistungssteigernde Substanzen im Training oder im Wettkampf zu nutzen. Die am häufigsten verwendeten Mittel waren Cannabinoide, Betäubungsmittel und Stimulanzien (Substanzen, die die Aktivität der Nerven beschleunigen, erhöhen oder verbessern).

Es gab dabei hinsichtlich Alter, Geschlecht, Herkunftsland, Platzierung, Trainingsintensität oder der längsten je gelaufenen Strecke keine Unterschiede zwischen den „sauberen“ und den „gedopten“ Teilnehmern.

Die Studie kommt zu dem Urteil, dass repräsentative Zahlen hinsichtlich des Dopings in Ultramarathonläufen noch ausstünden. Dies sei jedoch eine Herausforderung hinsichtlich Kosten und Technik.

Quelle: M. D. Campian u. a. (2018): Self-Reported Use and Attitudes Toward Performance-Enhancing Drugs in Ultramarathon Running. Wilderness & Environmental Medicine, Sep;29(3):330-337

Häufige Patientenfragen

Ich habe Schmerzen beim Training. Kann ich Schmerzmittel dagegen einnehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Das kommt auf die Dauer des Schmerzes an. Haben Sie nur gelegentlich Schmerzen, können Medikamente wie Diclofenac oder Ibuprofen sinnvoll sein, um den Schmerz nach dem Laufen zu stillen. Prüfen Sie aber vorher, ob ein Umstand gegen die Anwendung spricht und halten Sie sich an die Höchstdosierung. Nehmen Sie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Aspirin nicht länger als drei Tage am Stück ein. Sollten Sie bereits vor dem Training oder Wettkampf starke Schmerzen verspüren, sollten Sie sich überlegen, ob sich die Teilnahme überhaupt lohnt. Klären Sie Ihre Beschwerden im Zweifel mit einem Arzt ab, um die Ursache herauszufinden und gezielt zu therapieren, statt das Symptom Schmerz nur runterzudrücken.

Ich nehme Herzmedikamente ein. Kann ich damit Laufsport betreiben?

Dr. Dr. T. WeiglGrundsätzlich ist das möglich und sogar empfohlen. Die Deutsche Herzstiftung beispielsweise verweist darauf, dass bei vielen Herzerkrankungen ausdrücklich angeraten wird, Laufsport und ähnliche Ausdauersportarten zu betreiben. Allerdings sollten Patienten vorher mit ihrem Arzt abklären, ob es Besonderheiten gibt. Hören Sie während des Laufsports auch auf Ihr Herz: Starke Schmerzen oder ein großes Druckgefühl im Herzbereich sollten ernst genommen werden, weil sich dahinter die Symptomatik einer Herz-Kreislauf-Erkrankung verbergen kann. Bei einigen Herzmedikamenten spielen zusätzliche Überlegungen eine Rolle: Betablocker beispielsweise können als Nebenwirkung eine Gewichtszunahme verursachen, was die Gelenke beim Laufsport stärker belastet. Mit Ihrem Arzt können Sie gemeinsam erwägen, ob ein alternatives Herzmedikament eingenommen werden kann.

Ich habe so viel trainiert und habe nun vor dem Wettkampf Schmerzen in den Gelenken. Wie kann ich Medikamente einsetzen, um trotzdem Laufen zu können?

Dr. Dr. T. Weigl
Wer nicht auf den heiß ersehnten Wettkampftag in seinem Laufsport verzichten will, der kann einen Versuch unternehmen, sich in der Woche vor dem Wettkampf an den betroffenen Stellen einzusalben (Diclofenac-Salbe oder Ähnliches). Jedoch nur für wenige Tage und höchstens bis drei oder zwei Tage vor dem Training. Sollten Sie dann immer noch Schmerzen haben, ist es ratsam, nicht teilzunehmen und sich um die Ursache der Schmerzen zu kümmern.

Wie oft kann ich Schmerztabletten im Monat einnehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
„Freiverkäuflich“ bedeutet nicht „Freischein“ in puncto Nebenwirkungen: Rezeptfreie Schmerzmedikamente wie Ibuprofen, Paracetamol und Co. sind alles andere als „Smarties“. Es sind wirksame Arzneistoffe mit potenziellen unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Halten Sie sich an die sogenannte „Zehner-Regel“: Nehmen Sie nicht öfter als an zehn Tagen im Monat Schmerztabletten zu sich. Halten Sie bei häufigem Gebrauch die Daten fest, um sich zu kontrollieren.

Typisches Patientenbeispiel

„Gleich geht es schon los!“, ruft Jan seinem Vater aufgeregt entgegen. Er ist Schüler und läuft heute zum ersten Mal einen Halbmarathon. Jan hat sich viele Monate darauf vorbereitet und fühlt sich gut in Form. Doch als er seine Laufschuhe bindet, erinnert er sich: Vor einigen Wochen hatte er ein wenig Schmerzen in der Hüfte, als er die bevorstehenden 20 Kilometer probeweise laufen wollte. Das hatte ihn vom Weiterlaufen abgehalten und Jan musste nach Hause gehen. Mittlerweile spürt er davon nichts mehr. Aber was ist, wenn ihm das während des Wettkampfs wieder passiert?

Da fallen Jan die Ibuprofen-Tabletten seiner Mutter ein, die sie gegen ihre Kopfschmerzen neulich genommen hat. „Mit denen lässt sich doch bestimmt mein Alptraumszenario verhindern! Ja, das ist eine gute Idee.“. In der Küche sucht er die Tabletten und findet sie gerade in einer Schublade, als sein Vater reinkommt. „So, mein Sohn, bist du soweit? Von mir aus können wir fahren.“, spricht dieser gut gelaunt, bis ihm Jans Griff nach den Tabletten auffällt. „Was machst du denn da?“. Jan druckst etwas herum. „Naja, ich hatte doch letztens diesen Hüftschmerz, und da dachte ich, falls das wieder…“ „Nein!“, fällt sein Vater ihm ins Wort, „das ist der falsche Weg. Wie viele wolltest du denn davon schlucken!? Zwei, drei, die halbe Packung? Das ist gefährlich und kann schlimme Nebenwirkungen haben!“.

Jan wirkt entmutigt. Seinem Vater fällt es auf und er fährt etwas sanfter fort: „Hör mal, wenn du Schmerzen beim Laufen haben solltest, dann joggst du eben langsamer, oder gehst. Wenn es gar nicht mehr geht, bin ich ja auch noch da und fahr dich Heim. Es ist nur ein Marathon, davon hängt nicht dein Leben ab. Und ich wette, du schaffst das. In den letzten Tagen warst du doch in guter Form!“. Das muntert Jan ein wenig auf. Er fährt mit seinem Vater zum Wettkampf.

Tatsächlich schafft er auch seinen Halbmarathon ohne größere Schmerzen. Jan ist zufrieden mit seiner Leistung und nimmt zu Hause ein entspannendes, warmes Bad. Das tut seinen Beinen gut. Nächstes Jahr möchte Jan auf jeden Fall wieder teilnehmen, beschließt er.

Verwandte Themen

Haben Sie auch schon mal Medikamente vor oder während des Laufsports eingenommen? Was sind ihre Erfahrungen damit? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Christopher Keck

Lektorat:Nusha Chenari

Datum:30.05.2020

Quellen

  • Martin Allwang (2017): Sport trotz Krankheit: Wichtige Tipps. In: Apotheken-Umschau.
  • Ärztezeitung.de: Vor dem Start ein Schmerzmittel
  • D. Campian u. a. (2018):Self-Reported Use and Attitudes Toward Performance-Enhancing Drugs in Ultramarathon Running. Wilderness & Environmental Medicine, Sep;29(3):330-337
  • de: Aspirin
  • de: Diclofenac
  • de: Ibuprofen
  • Lutz Hein, Jens W. Fischer (2020): Taschenatlas Pharmakologie
  • Mutschler u. a. (2013): Arzneimittelwirkungen. 10. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
[Gesamt: 0   Durchschnitt:  0/5]
Anzeigen
Anzeigen

Noch keine Kommentare.

Was denkst Du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.