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Budesonid – Wirkung, Nebenwirkung und Anwendungsgebiete

Auf einen Blick: Budesonid

Was ist Budesonid?

  • Glucocorticoid, das strukturell Cortisol ähnelt

Welche Wirkung hat Budesonid?

  • entzündungshemmend (sog. ‚antiphlogistisch‘ oder ‚antiinflammatorisch‘)
  • antiallergisch
  • immunsuppressiv, also das Immunsystem unterdrückend

Wann wird Budesonid angewendet? (Auszug)

  • Asthma bronchiale
  • chronische obstruktive Lungenerkrankung (kurz: COPD)
  • Morbus Crohn
  • Colitis ulcerosa

Was sind Nebenwirkungen von Budesonid? (Auszug)

  • Pilzinfektion im Mund- und Rachenbereich
  • Reizung des Rachens und Schluckbeschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Verdauungsbeschwerden

Wann darf man Budesonid nicht einnehmen?

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen Bestandteil des Präparats
  • Vorliegen einer schweren Lebererkrankung (z. B. Leberzirrhose)

Studien zufolge hat sich im Vergleich zu den letzten Jahren die Häufigkeit von chronisch-entzündlichen Erkrankungen der Atemwege deutlich erhöht. Die bekanntesten Beispiele hierfür sind Asthma bronchiale und COPD (sog. ‚Chronisch obstruktive Lungenerkrankung‘). Mit einer Häufigkeit von ca. 251 Millionen Menschen im Jahr 2016, wird nochmals verdeutlicht wie stark COPD weltweit verbreitet ist.

Die Behandlung der Symptome verläuft unter anderem durch verschiedene Medikamente, die je nach Therapieform eingesetzt werden. So können beispielsweise Medikamentengruppen eingesetzt werden, die zur Erweiterung der Atemwege führen können (sog. ‚Sympathomimetika‘). Eine weitere Möglichkeit wäre die Anwendung von entzündungshemmende Arzneistoffe, wie beispielsweise Budesonid. Dieser Arzneistoff findet ebenfalls bei Asthma, sowie anderen chronisch entzündlichen Erkrankungen Verwendung. Durch seine glucocorticoidale Struktur kann es unter anderem antiallergisch und das Immunsystem-unterdrückend wirken. Doch wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus? Können diese lebensbedrohlich werden? Welche Rolle spielt dabei die Dosierung? Im nachfolgenden Artikel erhalten Sie alles Wissenswerte rund um den Wirkstoff Budesonid und seine Einsatzgebiete.

Was ist Budesonid?

Bei Budesonid handelt es sich um einen synthetisch hergestellten Arzneistoff, welches zu den Glucocorticoiden angehört. Diese wiederum gehören zu den sogenannten Corticosteroiden (kurz: Corticoide), die eine Klasse von Steroidhormonen der Nebennierenrinde darstellen. Man spricht vor allem von Corticosteroiden, da die Substanzen (auch Budesonid) strukturell dem Stresshormon Cortisol ähneln.

Neben dem im Körper eigens produzierten Hormon Cortisol, existiert eine weitere Form nämlich Cortison. Dabei handelt es sich um die biologisch inaktive Form des Cortisols. Im folgenden Video erklärt Dr. Dr. Tobias Weigl alles Wissenswerte rund um das Thema Cortisol und erläutert wie Bedenklich die Anwendung cortisolwirkender Medikamente sind.

Cortison Tablette & Spritze | Kortison gegen Schmerzen Pickel Neurodermitis Rheuma | Nebenwirkungen

Gut zu wissen!
Glucocorticoide werden biosynthetisch aus Cholesterin (oder auch Cholesterol) hergestellt, welches beispielsweise mit der Nahrung aufgenommen werden kann.

Welche Wirkung hat Budesonid?

Welche Wirkung hat Budesonid?

  • entzündungshemmend (sog. ‚antiphlogistisch‘ oder ‚antiinflammatorisch‘)
  • antiallergisch
  • immunsuppressiv, also das Immunsystem unterdrückend

Diese Wirkungen betreffen vorallem das Immunsystem und stellen zeitgleich die therapeutisch genutzten Effekte der meisten Glucocorticoiden dar.

Pharmakologie

Nach oraler Einnahme von Budesonid – als Hartkapsel beispielsweise – wird es zu knapp 90 % bei der ersten Leber-Passage abgebaut (sog. ‚First-Pass-Effekt‘). Das heißt, dass ca. 10 % des Wirkstoffs nach der Passage im Endeffekt resorbiert werden und ins Blut übergehen. Die Folge dieser geringen Bioverfügbarkeit des Wirkstoffs ist eine geringere systemische, also den ganzen Organismus betreffende, Wirkung sowie Nebenwirkung. Aufgrund dieser Eigenschaft wird Budesonid meist zur lokalen Anwendung genutzt, da sie nach systemischer Aufnahme schnell abgebaut wird und relativ geringe systemische Nebenwirkungen besitzt.

Wirkmechanismus

Budesonid entfaltet seine Wirkung über sogenannte Glucocorticoid-Rezeptoren, die im Inneren der Zelle (sog. ‚Cytosol‘) vorliegen. Rezeptoren stellen biochemisch Proteine bzw. Proteinkomplexe dar, an denen spezifische Signalmoleküle binden und verschiedene Signalprozesse auslösen können. Nach der Bindung von Budesonid am Glucocorticoid-Rezeptor, wandert dieser Komplex zum Zellkern. Dort bindet es an spezifische DNA-Sequenzen (sog. ‚Glucocorticoid-Responseelements‘) und steigert die Herstellung (sog. ‚Biosynthese‘) entzündungshemmender Gene bzw. senkt die Herstellung entzündungsfördernder Gene.

Bei akuten Fällen (z. B. akute allergische Reaktion wie Asthmaanfall) können über weitere Mechanismen verschiedene Effekte freigesetzt werden (sog. ‚nichtgenomische Effekte‘). Jedoch sind diese Mechanismen bis dato noch nicht vollständig aufgeklärt. Angemerkt sei, dass zur Wirkungsentfaltung hohe Dosen benutzt werden.

„Lokal wirkender Wirkstoff mit entzündungshemmendem, immunsuppressivem und antiallergischem Wirkungsprofil.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Was sind die Anwendungsgebiete von Budesonid?

Aufgrund der glucocorticoiden Wirkungen von Budesonid, kann es bei der Behandlung von Erkrankungen im Bereich der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts und der Haut eingesetzt werden. Folgende Krankheiten und Beschwerden können mit Budesonid-Arzneimittel behandelt werden:

Darreichungsformen

Die Applikation kann hierbei oral, nasal, inhalativ oder rektal erfolgen. Dies richtet sich vorallem nach der Art der Erkrankung. So findet eine inhalative Anwendung bei der Behandlung von Erkrankungen der Atemwege, wie beispielsweise Asthma oder COPD, statt. Wichtig hierbei ist, dass die Wirkung meist verzögert (ca. 1–3 Wochen) eintreten kann.

Achtung: Pilzinfektion
Gerade bei der inhalativen Applikation kann es zu einer Pilzinfektion (sog. ‚Mundsoor‘) in der Mundhöhle kommen. Um diese Nebenwirkung zu vermeiden, sollte die Inhalation vor der Mahlzeit erfolgen und der Mund, nach der Anwendung, gründlich mit Wasser ausgespült werden.

Handelt es sich bei der Beschwerde um beispielsweise Heuschnupfen, so wird der Wirkstoff nasal, als Nasenspray appliziert. Hierbei ist es meist wichtig, dass vor der Anwendung der Inhalt geschüttelt wird, da Budesonid suspendiert in einer Lösung vorliegt. Das Schütteln sorgt dann für eine gleichmäßige Verteilung in der Lösung.

Orale Formen werden meist bei der Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, wie z. B. Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, sowie einer eosinophilen Ösophagitis, verwendet. Sowohl Suspensionen, als auch Kapseln können hier eingesetzt werden. Bei besonderen Umständen kann für die Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eine rektale Applikation ebenfalls eingesetzt werden.

Exkurs: chronisch entzündliche Erkrankungen der Atemwege – Asthma bronchiale

Budesonid kann bei chronisch entzündlichen Erkrankungen der Atemwege wie beispielsweise Asthma eingesetzt werden. Etwa 5 – 10 % der Erwachsenen leiden unter dieser Krankheit. Die Ursache von Asthma beruht meist auf allergischen Reaktionen gegenüber äußeren Reizen. Ein weiteres Symptom dieser anfallsartigen Krankheit ist die Atemnot, die aufgrund der Verengung der Atemwege entsteht. Weiterhin können chronischer Husten und Kurzatmigkeit ebenfalls bei Asthmatikern beobachtet werden. In der Medizin kann zwischen verschiedenen Arten unterschieden werden:

Allergisches Asthma:
Bei dieser Form sind verschiedene Substanzen für einen Asthma-Anfall verantwortlich, da der Körper allergisch auf diese reagiert. Beispiele hierfür wären:

  • Pollen
  • Milben
  • Tierhaare
  • Schimmelpilz

Nicht-allergisches Asthma:
Diese Art der Asthma bronchiale wird, wie der Name schon sagt, nicht durch eine allergische Reaktion, sondern durch unspezifische Reize ausgelöst. In den meisten Fällen entsteht diese Art des Asthmas durch eine bakterielle oder virale Infektion der Bronchien. Weitere Reize hierfür können sein:

  • Unverträglichkeit von Medikamenten
  • Nebenwirkungen einiger Medikamente
  • toxische Stoffe, welche über die Luft eingeatmet werden können
  • körperliche Belastung (sog. ‚Belastungsasthma‘)

Bei den meisten Betroffenen werden jedoch eher Mischformen beobachtet.

Asthmaanfälle können aber auch zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Betroffene sollten sich daher unbedingt erkundigen, was hierbei zu tun ist. Im folgenden Video geht Dr. Dr. Weigl auf dieses Thema ein und erklärt alles Wissenswerte rund um das Thema Asthma bronchiale.

Asthma bronchiale – Ursachen, Symptome, Therapie & Notfallwissen: Was tun bei Asthma Anfall?

Was sind die Nebenwirkungen von Budesonid?

Da Budesonid in verschiedenen Darreichungsformen angewendet wird und eine lokale Wirkung besitzt, resultieren unterschiedliche Nebenwirkungen zu den jeweiligen Formen. Wichtig ist hierbei, dass Budesonid nur zu einem sehr geringen Teil systemisch aufgenommen wird, nachdem es seine Wirkung lokal entfaltet hat. Dadurch resultieren weniger Nebenwirkungen im Vergleich zu Glucocorticoiden, die zu einem höheren Anteil systemisch zur Verfügung stehen. Nachfolgend sind die möglichen Nebenwirkungen, mit den entsprechenden Darreichungsformen, anhand ihrer Häufigkeit aufgelistet:

Inhalation:

Häufig: (bis zu 1 von 10 behandelte Patienten möglich, also <10 %)

  • Reizung des Rachens
  • Heiserkeit
  • Beschwerden beim Schlucken
  • Husten
  • Pilzinfektionen im Mund und Rachenbereich (sog. ‚Soor‘)

Selten: (bis zu 1 von 1000 behandelte Patienten möglich, also <0,1 %)

Sehr selten: (bis zu 1 von 10000 behandelte Patienten möglich, also <0,01 %)

  • Aktivitätssenkung der Nebennierenrinde
  • Nervosität
  • Grauer Star
  • Grüner Star
  • Schwächung der Knochen

orale Einnahme (z. B. Hartkapseln oder Suspensionen):

Häufig: (bis zu 1 von 10 behandelte Patienten möglich, also <10 %)

Gelegentlich: (bis zu 1 von 100 behandelte Patienten möglich, also <1 %)

  • Magen- oder Dünndarmgeschwüre
  • Unruhe und Angst
  • gesteigerte Aktivität

Selten: (bis zu 1 von 1000 behandelte Patienten möglich, also <0,1 %)

Sehr selten: (bis zu 1 von 10000 behandelte Patienten möglich, also <0,01 %)

nasal (z. B. Nasenspray):

Häufig: (bis zu 1 von 10 behandelte Patienten möglich, also <10 %)

  • Nasenschmerzen
  • trockene Nase
  • Nasenbluten oder blutiger Nasenausfluss

Gelegentlich: (bis zu 1 von 100 behandelte Patienten möglich, also <1 %)

  • Schluckbeschwerden
  • Gesichtsschwellung
  • juckender Hautausschlag (sog. ‚Nesselausschlag‘)
  • Juckreiz und Hautreizung

Selten: (bis zu 1 von 1000 behandelte Patienten möglich, also <0,1 %)

  • brüchige Knochen
  • Augeninnendruck erhöht
  • verzögertes Wachstum bei Kindern und Jugendlichen

Sehr selten: (bis zu 1 von 10000 behandelte Patienten möglich, also <0,01 %)

Budesonid kann bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt werden. Haben Sie schon einmal Budesonid zu sich genommen? Falls ja, für die Behandlung welcher Erkrankung? (Mehrfachnennung möglich) Mit ihrer Teilnahme können Sie anderen Betroffenen helfen, die Symptome ihrer Erkrankungen richtig zu erkennen und sich in Behandlung zu begeben.

Fakten-Box – Budesonid

Wirkung

  • entzündungshemmend (sog. ‚antiphlogistisch‘ oder ‚antiinflammatorisch‘)
  • antiallergisch
  • immunsuppressiv, also das Immunsystem unterdrückend

Anwendungsgebiete

Wichtigste Nebenwirkungen (Auszug)

  • Reizung des Rachens und Schluckbeschwerden (inhalative Darreichungsform)
  • Pilzinfektion im Mund- und Rachenbereich (inhalative Darreichungsform)
  • Kopfschmerzen (orale Darreichungsform)
  • Verdauungsbeschwerden (orale Darreichungsform)
  • Cushing-Syndrom (orale Darreichungsform)
  • Nasenschmerzen (nasale Darreichungsform)
  • Nasenbluten (nasale Darreichungsform)

Dosierung

  • Individuell nach der Art und Schwere der Erkrankung

Darreichungsform

  • Hartkapsel
  • orale Suspension
  • Pulver oder Suspension zur inhalativen Anwendung
  • Nasenspray

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen existieren für Budesonid?

Bei besonderen Umständen, welche beim Patienten vorliegen, dürfen bestimmte Medikamente nicht angewendet werden. Im Fachjargon spricht man dann von einer Kontraindikation. Der Grund dafür ist, dass bei Betroffenen lebensgefährliche Symptome ausgelöst werden können. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die Überempfindlichkeit gegen einen Wirkstoff oder Bestandteil des Präparates. Wird trotz der Überempfindlichkeit das Medikament eingenommen, können lebensgefährliche allergische Gegenreaktionen ausgelöst werden. Der Wirkstoff Budesonid ist bei den folgenden Umständen kontraindiziert:

  • Überempfindlichkeit gegen Budesonid oder einen Bestandteil des Präparates
  • Vorliegen einer schweren Lebererkrankung, z. B. Leberzirrhose (Folge: Anhäufung des Wirkstoffs im Körper mit Symptomen einer Überdosierung)

Besondere Vorsichtsmaßnahmen

Je nach Darreichungsform, sollte Budesonid in den folgenden Fällen mit besonderer Vorsicht und in enger Absprache mit dem Facharzt angewendet werden:

vorhandene Erkrankungen

Bei der Anwendung mit Budesonid und den nachfolgenden Erkrankungen können die Glukocorticoid-Nebenwirkungen verstärkt werden:

infektiöse Erkrankungen

Da Entzündungsreaktionen, sowie das Immunsystem von Budesonid gehemmt werden, kann die Anfälligkeit, eine Infektion zu erhalten, erhöht sein. Aus diesem Grund ist besondere Vorsicht geboten, wenn folgende infektiöse Erkrankungen vorhanden sind:

  • Lippenherpes oder andere infektiöse Bläschen im Lippen-, Nasen- und Augenbereich vorhanden
  • nicht-behandelte bakterielle, virale oder mykotische Infektionen im angewendeten Bereich (z. B. des Mundes, der Atemwege oder der Lunge bei inhalativer und nasaler Anwendung)
  • Windpocken-Infektion

Weiterhin sollte die Einnahme von Budesonid bei den folgenden Fällen mit Vorsicht erfolgen:

  • Vorbehandlung mit systemisch wirksamen Glucocorticoiden (Folge: Einschränkung der Nebennierenrindenfunktion)
  • Geschwüre in der Nase (nasale Anwendung)
  • Ansteckung durch Masern
  • Erhalt von Lebendimpfstoffen (sollte bei Patienten, die dauerhaft den Wirkstoff erhalten nicht erfolgen, da die Antikörperbildung verringert sein kann)

Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen

Bei der zeitgleichen Einnahme von Budesonid mit bestimmten Arzneistoffen oder Arzneistoffgruppen, können Veränderungen in der Wirkstärke von Budesonid entstehen. Dazu gehören folgende:

  • Herzglykoside, zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen (z. B. Digoxin), können in ihrer Wirkung verstärkt werden
  • Diuretika, zur Steigerung der Harnausscheidung (z. B. Furosemid), können die Ausscheidung von Elektrolyten erhöhen
  • orale Kontrazeptiva, zur hormonalen Empfängnisverhütung, können die Wirkung von Budesonid verstärken
  • Colestyramin, zur Behandlung von erhöhten Cholesterinwerten, kann eine Abschwächung in seiner Wirkung erleiden (Lösung: zeitlich versetzt zu Budesonid einnehmen)
  • Antazida, zur Behandlung von Verdauungsstörungen und erhöhten Magensäure-Produktion, können eine Abschwächung in ihrer Wirkung erleiden (Lösung: zeitlich versetzt zu Budesonid einnehmen)

CYP-Enzyme

Weitere Wirkstoffe, die zu Wechselwirkungen mit Budesonid führen können, sind Hemmstoffe eines bestimmten CYP-Enzyms (sog. ‚Cytochrom P450 3A4‘). Bei diesem handelt es sich um ein Enzym, welches in der Leber Budesonid bei seiner ersten Passage (sog. ‚First-Pass-Effekt‘) abbaut. Der abgebaute Teil wird ausgeschieden – im Falle von Budesonid ca. 90 % – während der Rest ins Blut gelangt und dem Körper zur Verfügung steht. Wird nun dieses Enzym in seiner Funktion gehemmt, so kann Budesonid nicht wie erwartet abgebaut werden und mehr vom Wirkstoff steht dem Körper zur Verfügung, sprich die Konzentration im Blut wird erhöht. Dies kann zu schweren Nebenwirkungen führen, da mehr als die erwartete Wirkstoffmenge dem Körper zur Verfügung steht. Folgende Wirkstoffe und Lebensmittel können zu solch einer Wechselwirkung führen:

  • Ketoconazol oder Itraconazol, zur Behandlung von Pilzinfektionen
  • Clarithromycin (Antibiotikum), zur Behandlung von Infektionen
  • Ritonavir, zur Behandlung von HIV-Infektionen und AIDS

Einige Wirkstoffe können aber auch den gegenteiligen Effekt bewirken, also die Aktivität der CYP-Enzyme erhöhen (sog. ‚CYP3A4-Induktoren‘), wodurch der Budesonid-Abbau bei der ersten Leber-Passage steigt. Die Folge wäre ein Ausfall der gewünschten Budesonid-Wirkung. Folgende Substanzen führen zu dieser Wechselwirkung:

  • Carbamazepin, zur Behandlung von Epilepsie
  • Rifampizin, zur Behandlung von Tuberkulose

Aktuelles aus der Forschung – SABA Alternative bei Asthma

Bei einer leichten Form von Asthma, können sogenannte beta-2-Sympathomimetika eingesetzt werden, die kurzzeitig wirksam sind (sog. ‚short acting beta agonists, SABA‘). Diese Gruppe der Arzneistoffe ahmen die Wirkung von den Botenstoffen Adrenalin und Noradrenalin über bestimmte Rezeptoren (sog. beta-2-Adrenorezeptoren‘) im Sympathikus nach. Dies sorgt für eine Entspannung der glatten Muskulatur und folglich einer Erweiterung des Bronchialsystems. Dadurch können typische Symptome von Asthma gelindert werden.

Neuere Studien jedoch zeigen, dass eine Kombination der Arzneistoffe Budesonid (Glucocorticoid) und Formoterol (long acting beta agonist, also langzeitwirksames beta-2-Sympathomimetikum, welches bei einer Asthma-Dauertherapie eingesetzt werden kann) zu einer besseren Behandlung führt, als das Medikament mit dem Wirkstoff Salbutamol, welches zu den SABA gehört. Bei der Studie wurde die Asthmaexazerbation, also die Verschlechterung der Krankheit Asthma bronchiale, von 700 Patienten (18 – 75 Jahre alt) während der Behandlung mit den jeweiligen Medikamenten verglichen. Das Ergebnis: Bei der Behandlung von Budesonid und Formoterol kam es bei 9 Fällen zu schweren Asthmaexazerbationen, während es bei Salbutamol 23 waren. Außerdem war die jährliche Rate an Asthmaexazerbationen bei der Budesonid/Formoterol- Gruppe signifikant niedriger als bei der Salbutamol-Gruppe.

Grund hierfür könnte laut dem Studienleiter die verschiedene Wirkweise der Medikamente sein. Bei einer SABA-Bedarfstherapie wird nicht die der Krankheit zugrunde liegende Ursache, also die Entzündung behandelt. Das Kombipräparat (Budesonid/Formoterol auch Symbicort als Medikament genannt) jedoch wirkt durch den Wirkstoff Budesonid entzündungshemmend und wirkt Asthma bronchiale, welches eine chronisch entzündliche Erkrankung der Atemwege darstellt, entgegen.

Quelle: Richard Beasley et. al. (2019): Budesonide-formoterol reliever therapy versus maintenance budesonide plus terbutaline reliever therapy in adults with mild to moderate asthma: a 52 week, open-label, multicentre, superiority, randomized controlled trial, Medical Research Institute of New Zealand

Häufige Patientenfragen

Darf ich Budesonid während der Schwangerschaft einnehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Je nach Art der Anwendung sollte die Einnahme von Budesonid während der Schwangerschaft vermieden werden. Tierstudien konnten Anomalien in der Fötusentwicklung nach Gabe hoher Budesonid-Dosen feststellen. Für Menschen liegen bis dato nicht genügend Studien vor. Die orale und rektale Anwendung wird nicht empfohlen, es sei denn der Nutzen des Medikaments überwiegt das Risiko einer unerwünschten Nebenwirkung. Bei der inhalativen Anwendung hingegen konnte nach der heutigen Datenlage kein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen in Bezug auf den Fötus oder dem Neugeborenen festgestellt werden. Jedoch sollte vor der Anwendung von Budesonid während der Schwangerschaft, eine genaue Absprache mit einem Facharzt erfolgen.

Welche Lebensmittel beeinflussen die Verstoffwechselung von Budesonid?

Dr. Dr. T. Weigl
Wie oben bereits erwähnt handelt es sich bei diesen um CYP3A4-Enzym-Inhibitoren (schwächen die Funktion) und -Induktoren (verstärken die Funktion). Die nachfolgenden Lebensmittel können die Verstoffwechselung von Budesonid nach der Aufnahme beeinflussen:

CYP3A4-Enzym-Induktoren:

  • Johanniskraut
  • Ingwer
  • Knoblauch
  • Lakritze

CYP3A4-Enzym-Inhibitoren:

  • Kurkuma (Gelbwurz)
  • Grapefruitsaft
  • Ginseng (Kraftwurz)

Was kann ich tun, wenn ich vergessen habe, meine Budesonid-Tablette einzunehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Wenn eine tägliche Dosierung vorgesehen ist und Sie vergessen haben, diese zum gewohnten Zeitpunkt zu sich zu nehmen, holen Sie die Einnahme so schnell wie möglich nach. Falls es jedoch Zeit ist, die nächste Dosis einzunehmen, so lassen Sie die vergessene Dosis aus und fahren Sie mit der gewohnten Anwendung fort. Wichtig ist hierbei, dass nicht die doppelte Dosis eingenommen wird, um die versäumte auszugleichen. Es können nämlich durch die doppelt eingenommene Dosis unerwünschte Wirkungen bzw. Nebenwirkungen auftreten.
Als Tipp: Bei einer langfristigen medikamentösen Therapie eignet sich das Erstellen einer Medikamentenbox für die jeweilige Woche. So haben Sie immer im Blick, welche Medikamente sie am jeweiligen Tag eingenommen haben bzw. welche Sie noch einnehmen müssen. dadurch können Unsicherheiten und Fehler, wie „Habe ich meine Tablette heute schon eingenommen oder nicht?“, vermieden werden.

Was kann ich tun, wenn das Medikament bei mir nicht wirkt?

Dr. Dr. T. Weigl
In solch einem Fall sollte schnellstmöglich Rücksprache mit dem leitenden Facharzt gehalten werden. Für das nicht-Wirken eines Wirkstoffs können verschiedene Ursachen zu Grunde liegen. Gegebenenfalls kann jedoch ein Wechsel zu einem Alternativpräparat erfolgen, welches besser beim Patienten wirkt.

Typisches Patientenbeispiel

„Das gibt es doch nicht, bin ich etwa jetzt schon außer Puste, weil ich durchs Treppenhaus zu meiner Wohnung laufe?“, fragt sich die 31-Jährige Janina. Sie wohnt im 3 Stock und hatte eigentlich nie Probleme beim Treppensteigen, doch seit einigen Wochen stellt es sich als eine schwierige Tätigkeit heraus. Es fing mit einer harmlosen Erkältung an, die sich aber weiter hinzieht. Immer wieder muss sie Husten. Immer wieder spürt sie eine Art Beklemmung beim Ausatmen. „Vielleicht ist meine Erkältung noch nicht ganz abgeheilt.“, denkt sich die 31-Jährige. Am nächsten Morgen wacht sie mit Atemnot auf und realisiert, dass es keine einfache Erkältung mehr ist. Schnell macht sie sich auf dem Weg zu einem Arzt, um sich untersuchen zu lassen.

Medikamente alleine reichen nicht

Nach dem Gespräch mit dem Arzt und einigen Tests erhält sie die Diagnose: Asthma bronchiale. Eine chronisch entzündliche Krankheit der Atemwege, bei dem die Bronchien sich als Reaktion auf äußere Substanzen verengen. „Wie kann das sein? Kann man in meinem Alter Asthma kriegen?“, fragt sie den Arzt verzweifelt. „Ehrlich gesagt ja. Dieses Phänomen kann sowohl bei Kindern und Jugendlichen, als auch bei Erwachsenen in jedem Altersstadium auftreten. Doch es gibt verschiedene Formen, wie Asthma therapiert werden kann. Zuerst werden wir Ihnen einen Behandlungsplan erstellen“, erklärt der Arzt in Ruhe.

Nach kurzem Überlegen ergreift Janina wieder das Wort: „Behandlungsplan? Kriege ich nicht einfach ein Medikament und gut ist?“, fragt die 31-Jährige verwundert. „Da Asthma eine Erkrankung ist, die zu Einschränkungen in ihrem Alltag führen kann, sind einige Punkte wichtig, über die ich Sie aufklären muss. Natürlich kriegen Sie aber auch ein Medikament zur Inhalation des darin vorhandenen Wirkstoffs. Ein Beispiel hierfür wäre die Arznei Budesonid. Diese wird verwendet, um ihre Symptome zu lindern.“ Nachdem der Schock etwas nachgelassen hat, hört Janina gespannt dem Arzt weiter zu, um ihre Erkrankung besser zu verstehen und dem Umgang damit zu erleichtern.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Schajan Salahijekta

Lektorat: Timo Hülsmann

Veröffentlicht am: 11.11.2019

Quellen

  • Klaus Aktories et al. (2013): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH.
  • Beipackzettel Zoloft; Pfizer Pharma.
  • Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Martin Wehling, Lutz Hein (2016): Pharmakologie und Toxikologie. 18. Auflage. Georg Thieme Verlag.
  • Gelbe Liste. Medizinische Medien Informations GmbH.
  • Ernst Mutschler u. a. (2013): Mutschler Arzneimittelwirkungen. 10. Ausgabe. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart.
  • Richard Beasley et. al. (2019): Budesonide-formoterol reliever therapy versus maintenance budesonide plus terbutaline reliever therapy in adults with mild to moderate asthma: a 52 week, open-label, milticentre, superiority, randomized controlled trial, Medical Research Institute of New Zealand.
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